1000 Narben

Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, was eigentlich den Menschen ausmacht, was seinen Charakter formt und bestimmt. Sicherlich ist ein Teil angeboren, aber man sagt ja, dass auch die Erziehung einen großen Teil der charakterlichen Bildung darstellen. Geprägt von den Einflüssen der Eltern und deren Erziehung kann man wesentlich den Geist und den Charakter eines Menschen formen und festigen. Diese grundsätzliche Erziehung beginnt schon in den frühesten Kindestagen und zieht sich fort, bis zum Erwachsen sein. Dann muss man für sich selbst die Verantwortung übernehmen (können) und geht schrittweise sein eigenes Leben.

Ich möchte mich aber in den kommenden Zeilen mit den kleinen und großen Narben beschäftigen, welche wir im Laufe unseres Lebens bekommen und die uns auch weiterhin prägen. So wie die verschiedenen Fehler, die man macht und die Leute formen („Fehler machen Leute“, denkt mal drüber nach…). Und auch die 1000 Narben, die einem während des Lebens zugeführt werden, prägen weiterhin unser Handeln und unsere Entscheidungen. Das Hinzufügen von Narben kann schrecklich schmerzhaft sein, aber es kann auch sein, dass wir sie kaum wahrnehmen. Der Schmerz, oder die Ursache sind relativ und wird von Person zu Person völlig unterschiedlich wahrgenommen. Natürlich hinterlassen einige Einschnitte auch tiefere Wunden und es dauert lange, bis diese Schnitte geschlossen sind und dann Narben darüber wachsen. Wie sagt man so schön: „der erste Schnitt ist der Tiefste“.

Aber alles in allem lernen wir damit zu leben und umzugehen. Es gehört nun mal zum LEBEN mit dazu und prägt uns jeden Tag aufs Neue. Daher kann man diese 1000 Narben verfluchen, oder sie akzeptieren und sich wieder auf das wesentliche konzentrieren, das Leben selbst.
Einige Freimaurer wie ich ertragen aber auch das bewusste Zufügen von Narben und Schmerzen. Sie lassen sich Tattoos und Symbole unseres tollen Bundes unter die Haut stechen und ertragen hierfür die Schmerzen der offenen Wunden. Um dann diese Zeichen mit Stolz zu tragen. Aber bitte, es ist keine Pflicht dich tätowieren zu lassen, noch ist es irgendein Brauch. Es ist eher ein Zeichen der Zugehörigkeit des Bundes und des Glaubens an die hohen Ziele der Freimaurerei. Auch ich trage viele Tätowierungen auf meinem Körper.

In diesem Sinne, pflege ich mal meine Wunden und schaue nach vorn…

Ein Appell an das Leben – Gedanken zum Meistergrad

Dieser Tage hatte ich die Chance, Julia Engelmann, wohl die aktuell bekannteste Poetry Slammerin aus Bremen zu sehen, wie sie ihr Stück „Eines Tages Baby“ aufführte. Wer dies bisher nicht kennt, findet dieses Gedicht mehrfach auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=ti_iSp9zYHY).

Ich muss zugeben, dass ich das Gedicht schon mehrfach gehört habe und mich dieses Mal völlig auf ihre Worte und die Symbolik in diesem Text konzentrieren konnte. Und siehe da, es lassen sich einige Parallelen zum Meistergrad ziehen. Ohne dass ich hier etwas vorwegnehmen will oder gar verraten möchte, aber der Meistergrad beschäftigt sich viel mit der Symbolik des Todes. Was man daraus erkennen sollte ist, dass man das Leben bewusster leben und gestalten sollte. Es gibt keinen Grund, nicht mal etwas Dopamin zu verschütten wie es Frau Engelmann sagt. Einfach aufbleiben bis die Wolken wieder lila sind.

Der Freimaurer wird dazu angehalten, sich seiner Sterblichkeit bewusst zu werden. Und wenn man sich der Endlichkeit seines Lebens bewusst geworden ist, so kann man dann auch anfangen das Beste daraus zu machen. Einfach mal bewusst zu leben. Kennt ihr nicht auch das Gefühl von Morgentau an den nackten Füssen, wenn ihr früh morgens über eine Wiese lauft? Das Gefühl eines Sommerregens auf der Haut? Einfach mal im Park stehenzubleiben und den Geräuschen zu lauschen und dabei die Natur und die Tiere zu beobachten? Es gibt sicher tausende solcher Beispiele. Klar, als junger Mensch hat man viele Träume und Ideen und man will so viel machen und erleben. Doch dann werden wir von den Fesseln des Alltags, der Uhrzeit, der Leistung aus Arbeit, des Geldes und der gesellschaftlichen Normen und Regeln gefangen. Wir mutieren unauffällig zu einem kleinen Zahnrad im Getriebe der Gesellschaft und laufen den Träumen noch hinterher. Wie es schon Frau Engelmann auch aufgreift, reden wir uns ein, dass wir ja noch „so viel Zeit haben“. Und dann, eines Tages (Oh, Baby), werden wir wirklich alt sein. Und dann blicken wir zurück auf unser Leben. Sollen wir dann wirklich nur erzählen, welche Träume, Wünsche und Ideen wir hatten? Wäre es nicht so viel mehr wert, wenn wir sagen können was wir erlebt haben, was wir verändert haben, wo wir ein Zeichen setzen konnten? Wenn wir einmal unseren Kindern und Enkeln von unserem Leben erzählen, wollen wir da nicht ein paar aufregende Geschichten präsentieren können, mit denen wir allem was nach uns kommt sagen können, wie wir Einfluss genommen haben und eine Kerbe in der Geschichte hinterlassen konnten? Jeder wünscht sich, dass sein Leben Bedeutung hat. Dies geschieht aber nicht von selbst, nein, wir müssen diesen Schritt jeder für uns gehen und unseren Hintern hochheben und eine Bedeutung finden. Dem Leben einen Sinn geben, denn das macht uns glücklich und zufrieden. Wir sind nicht dafür hier, unseren Verstand abzuschalten, monoton zu funktionieren und vor uns hin zu leben. Nein, wir können bedeutende Dinge tun und wenn man eben schon mal klein anfängt. Denn für den einen mag es ein kleiner Schritt sein, eine kleine unbedeutende Handlung, aber für einen anderen Menschen kann eben diese Handlung ein bedeutender und großer Schritt sein. Beispielsweise einem Obdachlosen zu helfen kann für den einen nur eine kleine menschliche Handlung sein, aber für den Menschen, dem geholfen wurde, kann dies viel mehr bedeuten. Aber um solche Handlungen auszuführen, müssen wir uns bewusst werden, welch ein tolles und kostbares Geschenk das Leben ist. Es gilt es eben auch mit dem nötigen Sinn zu füllen. Und diesen Schritt muss jeder Mensch für sich selbst gehen. Da kann auch weder meine kleine Webseite etwas dagegen tun, noch die Freimaurerei selbst. Aber sie kann einem das nötige Rüstzeug mit auf den Weg geben. Und das fängt schon damit an, dass einem die Augen geöffnet werden und die Dunkelheit um einen erlischt. Dass man erkennt, dass sein Leben endlich ist und man sofort anfangen sollte es zu LEBEN.

Daher sollten wir, egal ob Freimaurer, FrauMaurer oder auch jeder andere profane Mensch, aufhören unsere Zeit sinnlos zu verschwenden und uns einzureden, das wir für das ein oder andere noch jahrelang Zeit haben. Lasst uns doch mal aufstehen und der Tatsache ins Auge sehen, dass heute der erste Tag vom Rest unseres Lebens sein kann und wir das LEBEN bewusster gestalten sollten. Das hier ist euer aller Erbe, diese Welt mit all ihrer Schönheit und auch allen Fehlern. Doch wenn sie euch nicht gefällt, dann werdet bessere Menschen und ihr kriegt eine bessere Welt. Und dazu muss man einen wichtigen Schritt gehen, nämlich selbst erkennen was man für sich möchte und dann auch was wir damit anderen bieten können. Und wenn man dazu noch weiß, dass seine eigene Zeit auf unserer wundervollen Erde begrenzt ist, dann wird es auch Zeit damit anzufangen…wie schon gesagt wurde, etwas Dopamin verschwenden…

Und da es ja bald wieder Wochenende ist, wünsche ich euch allen einen neuen Morgen mit den lila Wolken…genießt das Leben, Freunde!

P.S. Und ein paar Worte des Dankes an die Menschen, mit denen ich einen Morgen mit lila Wolken erleben durfte. Toll dass es euch gibt…

Serie über die Meistertugenden – Teil 4: Vorsichtigkeit

„Vorsichtigkeit steht in diesem Zusammenhang für Vernunft und Klugheit“ dies findet man in einem Hinweis über die Meistertugend im Freimaurer-Wiki wieder. Vernunft und Klugheit soll der wandernde Geselle auf seinen Reisen erlangen, die ihn einen Schritt zum Meister näher bringen. Doch leider ist das nicht immer so leicht. Diese Art der Weisheit (wie es in den Meistertugenden der AFuAM heißt) bekommt man nicht so einfach. Und wer definiert schon wann ein Mensch weise ist.

Überlegte Handlungen

Es geht eher darum, dass der junge Meister gelernt hat, nicht aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sondern überlegte Handlungen auszuführen. Man lässt sich nicht mehr hinreisen, sondern überlegt gezielt. Dies kann aber nur erfolgen wenn er eben die nötige Ruhe und vor allem auch die Erfahrung hat, um sein Handeln abzuwägen. Dieses Maß an Vernunft und die nötige Erfahrung erlangt der junge Meister auf seinen Reisen und der Arbeit mit seinen Brüdern. Denn diese sind nötig um sich selbst und sein Handeln zu reflektieren und daraus Schlüsse zu ziehen, wie man sich entwickelt hat oder entwickeln kann. Ein sogenanntes „positives Feedback“ war noch nie schlecht und brachte den ein oder anderen weiter, nicht nur in der Freimaurerei, sondern auch im privaten oder beruflichen Umfeld.

Den Worten folge die Tat

Doch nicht nur darüber reden, reflektieren, einsehen und an seinem rauen Stein arbeiten muss man, nein, es gilt auch den Worten und Ideen dann die Taten folgen zu lassen. Wenn man einen gewissen Anspruch an sich als Freimaurer hat, sollte man immer daran denken, dass es viele Menschen gibt, die diese Ideen nicht decken oder anders handeln. Daher ist es umso wichtiger ruhig zu bleiben und das nötige Maß an Vernunft walten zu lassen. Nur so kann man ein Gespräch mit der nötigen Vorsicht und Ruhe führen.

Geduld

Eine weitere Eigenschaft die ein Meister haben sollte und die gerade Hand in Hand geht mit den überlegten Handlungen ist die Geduld. Diese ist wichtig, wenn man eine vernünftige Entscheidung treffen will. Also eben überlegt und nicht auf die Schnelle. Geduld ist oftmals schwer zu erlernen und als mir mein Meister vom Stuhl zu meiner Erhebung zum Meister von dieser Tugend berichtete und wie wichtig sie für das Erreichen des Meistergrades sei, dachte ich mir, dass ich doch wohl falsch am Ort bin. Ich habe ihn nach der Arbeit gefragt, wie Geduld und ich denn zusammenpassen, denn ich muss leider zugeben, Geduld ist die Tugend, die bei mir am wenigsten ausgeprägt ist. Also arbeite ich hier immer wieder aufs Neue an meinem Stein. Mir wurde damals aber versichert, dass ich mich scheinbar doch gebessert habe, seitdem ich Freimaurer geworden bin. Und dies rechtfertigte meinen Meistergrad.

Somit belasse ich den Blogeintrag und übe mich wieder mal in Geduld…

Jachim und Booz – Besuch im Würzburger Dom

Die ruhigen Tage um Pfingsten habe ich genutzt, um einmal nach Würzburg zu fahren und dort den Dom zu besuchen.

Bei meinem Treffen mit Jens Rusch sagte mir dieser, dass es im Dom zu Würzburg zwei interessante Säulen gibt, nämlich Boas und Jakin. Natürlich musste ich mir diese genauer ansehen, denn Würzburg liegt gerade um die Ecke und ist immer eine kleine Reise wert. Ich fand dort auch die Säulen, welche ein leider unbekannter Steinmetz um das Jahr 1230 gestaltet hat.

Die mit dem Knoten versehenen Säulen stammen von der 1644 abgerissenen Vorhalle des Würzburger Doms. Ihre Namen (hier Booz und Jachim) verweisen auf die beiden reich verzierten Säulen, die König Salomon durch den ersten Baumeister Hiram von Tyrus für die Vorhalle des Tempels von Jerusalem hatte gießen lassen. Da die Vorhalle abgerissen wurde, kann man sich leider nicht auf die Suche nach weiteren Hinweisen machen.

Für einen Freimaurer ist es immer etwas besonderes, solche Säulen zu finden, da sie in der Freimaurer-Symbolik eine tragende Rolle spielen (versteht ihr das Wortspiel…?). Solltet ihr dort in der Nähe sein, so macht einen kleinen Abstecher…und schaut euch die Säulen in den Räumen der Dom-Ausstellung an.

Boas und Jackin
Boas und Jakin
Beschriftung Booz
Beschriftung Booz

Ernst und Falk 2014 – nun ist es erschienen

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Ab Montag, 01.06.15 ist es soweit…

Ernst & Falk 2014 ist im Salier Verlag unter der ISBN Nummer: 978-3-943539-52-3 erschienen und ist erhältlich.

http://salierverlag.de/Buecher/Ernst-und-Falk-2014.html

oder unter:

oder für die Leser in der Schweiz:

http://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/gotthold-ephraim-lessing/ernst-und-falk-2014/id/9783943539523

Natürlich auch bei jedem anderen Buchhändler…

“1778 veröffentlichte Gotthold Ephraim Lessing die ersten drei Gespräche zwischen dem Freimaurer Falk und seinem Freund Ernst. Zwei Jahre später wurden dann, ohne Wissen des Autors allerdings, die beiden letzten Gespräche gedruckt.
Für Freimaurer ist dieses Werk bis heute ein wichtiger Leitfaden für die Arbeit am so genannten „rauen Stein“. Lessing versucht darin, die Freimaurerei auf ihre humanitären Wurzeln zurückzuführen und überhaupt zu definieren, was Freimaurerei eigentlich ist. Fern von jeglicher mystischen Verbrämung.

René Schon und Thorsten Dörfler wagen mit dem „altehrwürdigen“ Text nun ein Experiment, indem sie ihn in unsere heutige Sprache übertragen, ihn verständlich machen für die Menschen des 21. Jahrhunderts. Dabei gehen sie ganz und gar nicht schonend vor, sondern höchst rigoros. Und sie fügen noch ein eigenes 6. Gespräch zwischen Ernst und Falk hinzu. Darin liegt keine Anmaßung, sondern der Wunsch, dass diese für Freimaurer so wichtige und bedeutende Schrift ihren lebendigen Geist auch heute und Zukunft behält, dass sie gelesen und vor allem verstanden wird. “

Thorsten und ich würden uns freuen, wenn euch unser kleines Projekt gefällt…

Neues Buch von Philip Militz – Freimaurer heute

 

Buch_phil

Ich möchte die Zeit kurz nutzen um auf ein neues Buch meines Bruders Philip Militz aufmerksam zu machen. Er beschäftigt sich darin mit dem Thema „Freimauer heute“ und porträtiert aktuelle Menschen, sie sich zu ihrer Zugehörigkeit zu unserem Bund öffentlich bekennen. Ihr werdet sicher den ein oder anderen kennen…

„Philip Militz, Autor des derzeit meistverkauften deutschsprachigen Buches zur Freimaurerei, porträtiert neun Freimaurer unserer Zeit, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Unter ihnen ein christlich erzogener Schauspieler, ein TV-Gastronom jüdischen Glaubens und ein muslimischer Kampfkunst-Meister. Was hält sie zusammen, was treibt sie an? Wie sind sie zur Freimaurerei gekommen, wie haben sie sich seitdem verändert und wie erleben sie das geheimnisumwitterte freimaurerische Ritual? »Nicht von gestern: Freimaurer heute« zeigt, was eine altehrwürdige Bruderschaft namens Freimaurerei modernen Menschen auch heute noch geben kann und stellt dem Leser gleichzeitig einige der engagiertesten Brüder unserer Tage vor, darunter den höchsten Repräsentanten der deutschen Freimaurerei, den Organisator von Deutschlands größter »Schlammschlacht« und einen kürzlich verstorbenen international bekannten »Weltverbesserer«.“ (http://salierverlag.de/Buecher/Freimaurer/Nicht-von-gestern-Freimaurer-heute.html)

Einen ersten kurzen Einblick findet ihr auf seiner Webseite unter:

http://www.freimaurer-in-60-minuten.de/2015/05/video-kurzportrat-prof-rudiger-templin-grosmeister-der-vereinigten-groslogen/

Viel Spaß beim Lesen, es lohnt sich…

 

 

 

 

Kleider machen Leute

Oftmals werde ich gefragt, warum wir Freimaurer immer so „komisch gekleidet“ zu unseren Treffen unterwegs sind. Warum wir uns zu unseren Treffen denn „immer so edel anziehen“?
Zunächst muss ich leider klarstellen, dass wir nicht immer in vollem Ornat, also mit unserem Schurz, Bijou, weißen Handschuhen und ggf. Zylinder in ein Logenhaus gehen. Meist gehen wir ganz alltäglich zu unseren Bruderabenden an denen wir einen Vortrag hören und über diesen reden. Lediglich zu den Tempelarbeiten tragen wir dieses Outfit.

Bedeutung der Kleidung

Doch was bedeuten denn die einzelnen Kleidungsstücke für uns Maurer? Dies hat meist historische Hintergründe und ich möchte beim Schurz beginnen. Dieser ist in den meisten Arbeiten weiß, lediglich an den Fassungen und Verzierungen kann man höhere Grade erkennen oder auch Jubilare wie 25 oder 50 Jahre Zugehörigkeit zur Freimaurerei. Da der Schurz ursprünglich dem Schutz bei der Arbeit eines Steinmetzes diente, war dieser Werkschurz häufig aus Leder, reichte bis zu den Knöcheln und hatte eine Klappe mit Knopfloch zur Befestigung an der Kleidung. (aus http://www.freimaurer-wiki.de). Aber auch die Handschuhe kommen aus dieser Zeit und dienten dem am Stein arbeitenden Maurer als Schutz vor Verletzungen. Die Farbe Weiß bei den Handschuhen und dem Schurz symbolisiert die Reinheit und weist auf den hohen ethischen Grad der Arbeit hin.
„Bijou“ ist der aus dem 18. Jahrhundert stammende Ausdruck für das Logenkleinod oder Logenabzeichen, der auch in die deutsche freimaurerische Terminologie übernommen worden ist. Oftmals ist es eine Art Medaille, welches das Symbol der Loge wiedergibt. Es gibt unterschiedliche Modelle, zum Umhängen aber auch zum Anstecken. Das Bijou wird nur an die Brüder der jeweiligen Loge ausgegeben und sollte auch nach dem Tod des Bruders an diese zurückgegeben werden. Es steht für die Zugehörigkeit zu einer Bauhütte.
Das letzte Kleidungsstück kann ein Zylinder, auch hoher Hut genannt, sein. Dieses frühere Zeichen einer Elite wird historisch bedingt immer noch von vielen Logen verwendet. Es ist aber kein elitäres Zeichen mehr, vielmehr ein historisches Überbleibsel aus alten Tagen.

Abgrenzung zu anderen Logen

Ich möchte aber auch kurz darstellen, dass die Auswahl, welche Kleidung getragen wird, durchaus unterschiedlich von Loge zu Loge sein kann. Wenige Logen tragen heute noch einen Zylinder. Einige haben ihn als Zeichen einer Elite, die es ja in der Freimaurerei nicht geben sollte, verbannt, andere aber aus praktischen Gründen, denn es kann schon sehr warm unter diesen Hüten im Sommer werden.
Auch ein Schurz wird von einigen Logen nicht mehr getragen. Zwar werden diese Bauhütten von den restlichen Maurern belächelt und ihnen oftmals auch nachgesagt, dass „sie keine echten Freimaurer wären“, aber ich konnte in den alten Pflichten leider nichts nachlesen, dass man einen Schurz tragen muss. Denn Kleidung macht keinen guten Maurer aus, sondern nur die Gesinnung und sein Handeln. Der Rest ist viel Optik und Tradition.
Was alle zumindest immer noch haben, sind das Bijou und die weißen Handschuhe. Diese sichtbaren Symbole kennzeichnen uns alle als Freimaurer.

Warum tragen wir diese Sachen?

Warum tragen wir also diesen Ornat? Dies ist ganz einfach zu beantworten. Es ist nicht nur das Tragen der Kleidung und des Logenschmuckstücks, es ist bereits die Vorbereitung für den Abend im Tempel. Wenn ich vom Alltag gestresst nach Hause komme versuche ich mich etwas in die passende Stimmung für die Arbeit im Logenhaus zu versetzen. Das geht damit umher, dass ich eben meine Alltagskleidung ablege und mich auch äußerlich darauf vorbereite. Ich ziehe also in Ruhe meinen Anzug und die Logenbekleidung an um mich innerlich und auch eben äußerlich auf die Zeit mit meinen Brüdern im Tempelraum vorzubereiten. Das ist ein Zeichen, die Hetze des Alltages abzulegen.
Zudem passt die besondere Kleidung sehr gut zu dem besonderen Status, den eine Arbeit im Tempel hat. Die Kleidung unterstreicht den feierlichen Charakter etwas mehr…

Daher bleibt mir nichts anders übrig, als allen Brüdern eine schöne TA zu wünschen.

Serie über die Meistertugenden – Teil 3: Barmherzigkeit

Barmherzigkeit bedeutet für den Maurer Empathie für andere, denn „aus dem Mitfühlenden spricht die Stimme des Herzens“. Das muss man erstmal sacken lassen. Nicht dass die Arbeit am rauen Stein, also an sich selbst und seinem Handeln, nicht schon schwer genug wären, so muss man auch ein nötiges Maß an Empathie mit sich bringen.

Ich selbst habe schon mehrfach hier erwähnt, dass ich dies für die wichtigste Meistertugend halte, die man haben kann. Es bringt nichts, ein scheinbar guter Maurer zu sein, aber nicht ein bisschen Mitgefühl für seine Mitmenschen zu haben. Um sich schauen ist hier Wortwörtlich zu nehmen. Denn die Freimaurerei endet nicht mit dem Hammerschlag des Meisters am Ende der Tempelarbeiten oder der Clubabende, sondern es ist so wie wir es immer hören: Wir sollen hinausgehen und uns als Freimaurer bewähren.

Aber ich möchte auch nicht meine alten Artikel zitieren, daher nur als Ergänzung:

Karitative Zwecke

Viele Logen und freimaurerische Gruppierungen unterstützen soziale oder karitative Zwecke. Manchmal öffentlich aber auch manchmal im Geheimen. Da gibt es Logen die Gelder für Fördervereine von Schulen spenden, den Aufbau von Bibliotheken oder aber auch an Kindertagesstätten und viele soziale Projekte. Es gibt eine Vielzahl von Reportagen im Netz zu lesen. Also kann man hierbei deutlich in der Öffentlichkeit wahrnehmen, was es heißt, sich für andere einzusetzen.

Eifer wenn es gilt Gutes zu tun

Barmherzigkeit kann nur aus dem Gefühl der Empathie wachsen. Denn erst wenn man Leid erkennen und vor allem versteht, dann kann man auch etwas Selbstloses aus dem Gefühl der Barmherzigkeit heraus tun. Das müssen nicht nur immer Geldspenden für Projekte sein. Nein, oftmals kann es auch nur mal der nötige Respekt oder Zivilcourage sein. Mal für einen Menschen einstehen und ihm helfen, der sonst keine Helfer hat. Und sei es mal das typische „jemanden über die Straße“ helfen oder der alleineerziehenden Mutter beim Ikea Großeinkauf helfen das Auto zu beladen. Bis hin zum Einladen eines Obdachlosen zum Essen. Solltet ihr mal versuchen. Dabei kommen oftmals die interessantesten Gespräche zustande. Natürlich ist es eine Utopie zu glauben, dass man jedem helfen kann. Alleine kann man diesen Weg niemals schaffen. Aber es hilft oft schon ein Stein des Anstoßes zu sein und eben diesen Stein ins Rollen zu bringen.

Die Stimme des Herzens

Wenn der junge Meister die Empathie erkannt und für sich verinnerlicht hat, dann kann er wahrlich aus reinem Herzen handeln und helfen. Ich denke es ist für den ein oder anderen jungen Bruder Meister hilfreich, sich selbst damit auseinanderzusetzen und sich in sozialen Einrichtungen zu engagieren oder aber auch einmal durch die Bahnhofsviertel jeder größeren Stadt zu laufen. Dort sich mit den Obdachlosen oder den Menschen in Not zu unterhalten und zu helfen und ihnen somit etwas Zeit und Respekt entgegen zu bringen. Versuchen, diese Menschen zu verstehen und ihnen einen respektvollen Umgang aufzuzeigen, ist oft schon mehr als ein paar Cent. Einfach den Menschen schätzen.

Fazit

Was bleibt mir da groß zu sagen als daran zu erinnern, dass die Schlussworte des Meisters eine Aufforderung zum Handeln sind und nicht geduldig auf dem Papier stehen:

„Geht hinaus und bewährt euch als Freimaurer…“

Serie über die Meistertugenden – Teil 2: Mäßigkeit

„Mäßigkeit macht einen „frei in der Entscheidung“, denn man kennt seine Neigungen“ soweit der Eintrag aus dem Freimaurer-Wiki über die Meistertugend. Die Mäßigkeit war bereits eine der vier platonischen Kardinaltugenden welche auch im lateinischen für temperantia steht. Leider streiten sich noch heute einige Gelehrte über die wahre Bedeutung des griechischen Ausdrucks σωφροσύνη (sophrosyne). Es geht von Besonnenheit, Beherrschung zu Zucht und Maß über. Aber damit wollen wir uns hier nicht beschäftigen. Betrachten wir die Mäßigkeit aus dem Blickwinkel eines Freimaurers.

Kennen der Neigungen

Der junge Meister sollte seine Neigungen kennen. Denn gerade wenn er sich selbst erkannt hat, also schon seit der Zeit des Lehrlings in sich gehört (was wir ja wissen ein immer währender Prozess ist und nicht abgeschlossen sein kann) und auch als Geselle um sich geschaut hat, so sollte er sich finden. Damit verbunden, wenn er sich erkannt hat, sollte er seine Neigungen kennen. Die Eigenschaften an denen er arbeiten muss, die Eigenschaften die ihn stark machen, sowie seine Vorlieben und Abneigungen, kurz gesagt seine persönlichen Interessen.

Vorlieben und Abneigungen

Natürlich hat jeder Mensch Vorlieben und Abneigungen. Der Mensch beschäftigt sich viel mit seinen Vorlieben und verbringt wenig Zeit mit den Abneigungen. Aber liegt nicht gerade auch hier ein gewisses Potential? Ich will nicht sagen das man jeder Abneigung nachgegen sollte. Dinge, die man ablehnt aus ethischen, moralischen und auch menschlichen Gründen dürfen hier nicht angetastet werden. Aber denken wir einmal an die kleinen Abneigungen, wie bei mir das Bügeln, Putzen oder auch Wäsche zusammenlegen und aufräumen. Oder auch mein Hang zur Ungeduld, bringt eine Abneigung gegen Vertrödeln von Zeit mit sich.

Vom Umgang mit Abneigungen

Ich sehe aber all diese Abneigungen nicht als etwas Störendes an. Ich habe es gelernt, sie zu identifizieren und mit ihnen umzugehen. Natürlich gehören da oft meine lieben Mitmenschen um mich dazu und auch die Brüder meiner Loge. Sie reflektieren mein Verhalten und geben mir (oftmals gnadenlos offen) eine Rückmeldung auf mein Verhalten. Erst vor kurzem eskalierte ein interner Streit mit einem Bruder und ich habe ihm ein wenig freimaurerisches Handeln vorgeworfen. Aber hat mich dies zu einem besseren Bruder gemacht? Nein, im Gegenteil. Ich war stur und habe ihm nicht die Hand reichen wollen. Mein unbrüderliches Verhalten wurde mir vor Augen geführt, gerade weil ich ihm eben dieses auch vorwarf. Was das Bügeln und Wäsche zusammenlegen angeht, so sehe ich es als ein notwendiges Übel an. Aber auch hier kann ich mich gut in Geduld üben, da diese Arbeiten ja erledigt werden müssen und ich danach dann etwas Schönes mit meiner Zeit anstellen kann.

Abneigungen als Vorteil nutzen

Gerade das Erkennen von Abneigungen und dem daraus resultierenden Handeln macht einen Umgang mit ihnen leichter. Wenn ich schon von meiner Ungeduld weiß und das Vertrödeln von Zeit nicht sonderlich mag, so sehe ich dennoch einen Vorteil daraus. Erstens habe ich dies genau identifiziert und zweitens kann ich somit an mir arbeiten. Ich habe erkennen müssen, dass ich mich auch gezielt diesen Abneigungen aussetze, damit ich selbst lerne ruhiger zu werden. Letztens war ich an einem verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt. Leider auch tausende weitere Menschen. Es kam an einigen Stellen der Innenstadt dann zu echten Engpässen und zeitweise konnte man weder vor noch zurück laufen. Man musste warten. Aber gerade meine Abneigung gegen dichte Menschenmassen half mir etwas, die Sache als eine Art Training zu sehen um gelassener zu werden. Zugegeben war es an diesem Sonntag nicht sehr von Erfolg gekrönt. Aber wie heißt es so schön: ich habe mich bemüht…

Zucht und Maß – eine Ergänzung

Zurückkommend auf die Beherrschung und die Besonnenheit die ein Freimaurer Meister haben soll, muss ich von mir selbst sagen, dass ich noch lernen kann und muss. Natürlich sagen auch meine Brüder das ich mich in den einen oder anderen Dingen schon maßgeblich verändert habe. Ihr seht also, warum es gut ist jemanden zu haben, der einen reflektiert. Nur so kann man diese Veränderung erkennen, am ehesten die Menschen um einen herum. Sich in der Beherrschung, also der Selbstbeherrschung zu arbeiten um die nötige Besonnenheit zu erreichen kann nur eines der Ziele eines Meisters sein. Und somit kann man doch sagen, dass sich die unterschiedlichen Übersetzungen von Platons Wort σωφροσύνη (sophrosyne) nicht ausschließen. Ich denke vielmehr, dass sie sich perfekt ergänzen wie kleine Zahnräder in einem Gesamtsystem.

Fazit

Wir Freimaurer sagen immer, dass „ein freier Mensch von gutem Ruf“ Freimaurer werden kann. Frei kann hier nicht nur heißen, dass er das Recht auf freie Meinung hat, auf einer freien Selbstentfaltung, nein, es kann eben auch bedeuten, dass er frei im Denken und Handeln ist. Dass er sich selbst erkannt hat und über seine Stärken und Schwächen Bescheid weiß. Und gerade dann dazu bereit ist, an sich (und somit an seinem rauen Stein) zu arbeiten. Die Mäßigkeit, welche wir an uns selbst erkannt haben, hilft uns dabei diesen Schritt zu gehen.

neue Dokumente – Sonnenstrahlen 1914, 1916, 1917, 1920, 1922

Liebe F.z.a.S. interessierten Leser,

ich konnte wieder ein paar verschollen geglaubte Dokumente finden und habe diese für euch alle digitalisiert. Bitte schaut in die Mediathek, dort werdet ihr einige neue Ausgaben der „Sonnenstrahlen“ der Jahrgänge 1914, 1916, 1917, 1920 und 1922 sehen. Ich werde in der kommenden Woche weitere Exemplare bekommen und diese zeit nach ebenso zur Verfügung stellen.

Also, runterladen, lesen und gern darüber nachdenken…..euer René

Ich möchte aber kurz einen Eintrag der Jahrgänge 1916/17 erwähnen. Auf der Umschlagseite findet sich folgender Text wieder, wie der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne die Freimaurerei sah. Ich gebe ihn hier unverändert wieder:

Der Grundgedanke der Freimaurerei

war, die Menschheit aus den engen Fesseln der Konfessionen und der dogmatischen Weltanschauung herauszuheben und sie auf den Boden der reinen Menschentums zu stellen. Der Freimaurerbund Zur Aufgehenden Sonne (F.Z.A.S.) e.V. in Nürnberg hat diesen Grundgedanken in ursprünglicher Reinheit und zeitgemäßer Form wieder belebt, um alle geistig hochstehenden, frei und ideal gesinnten Männer, welche der Freimaurerei in den letzten Jahrzehnten ablehnend oder interessenlos gegenüberstanden, wieder zu sammeln und zu einem mächtigen Bund der freigeistigen Elite unserer Zeit unter Ausschluß rein politischer Bestrebungen zu vereinigen.

Dadurch soll der F.Z.A.S. auch zu einer Schule werden für alle die vielen nach geistiger Klarheit ringenden Ethiker und Gottsucher der ganzen Welt. Um dieses Ziel ungehindert erreichen zu können, hat sich der Bund als selbständige und unabhängige Großloge konstituiert und ist dem Deutschen Großlogenbund nicht unterstellt und nicht angegliedert. […].