Warum der Gand Orient nicht Unrecht hatte – Die Bibel sollte überdacht werden!

„Die Bibel hat in den heutigen Freimaurerlogen keinerlei dogmatische, sondern ausschließlich symbolische Bedeutung, wobei es dem einzelnen vollkommen freigestellt ist, in ihr das heilige, religiös verpflichtende Buch oder die auf jahrhundertelanger Entwicklung begründete, allgemein verpflichtende Sittenlehre, also ein ethisches Dokument, zu erblicken. […] Die Bestrebungen, die Bibel aus der Loge zu entfernen, weil sie angeblich zu eindeutig dogmatisch verpflichte, haben daher nie dauernden Bestand gehabt. In Frankreich wurde 1877 vom Grand Orient de France gleichzeitig mit der Streichung des A. B. a. W. aus der Verfassung und den Ritualen auch die Bibel abgeschafft. Das hat zu einem Bruche mit der angelsächsischen Freimaurerei geführt, der auch heute noch besteht.“ (aus http://freimaurer-wiki.de/index.php/Bibel)

Die Bibel auf dem Meistertisch zählt seit fast 400 Jahren als eines der großen Lichter der Freimaurerei und das obwohl die Freimaurerei keinen Bibelglauben verlangt. Wie bereits zitiert sieht sie die Bibel als ein ethisches Dokument, also das Buch „des heiligen Gesetzes“. Daher gilt sie eben als unantastbar.

Vor kurzem sprach ich mit einer Schwester, die zu bedenken gab, es sei fragwürdig den Eid auf die Freimaurerei mit der Hand auf der geöffneten Bibel abzulegen, da sie dieses Buch eher für frauenfeindlich hält. Diesem Aspekt wollte ich nachgehen, da es hier um ein festes Sinnbild für Ethik und das heilige Gesetz geht.

 Fragwürdige Bibelstellen

Betrachten wir einmal die Texte in der Bibel (und ja, ich habe sie mehrfach gelesen, auch als Atheist!) und stellen wir uns die Frage, ob wir solch ein Buch als einen ethischen Maßstab verwenden können. Diese Zitate sind nur einige Beispiele, denn sonst würde dieser Text ausarten, da sie zu hunderten in der Bibel vorkommen. Sie zeigen deutlich, was für ein verachtendes Menschen und Frauenbild hier vermittelt werden soll.

(Zitiert nach der Lutherbibel, revidierte Fassung 1984, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2002)

Todesstrafe für vergewaltigte Mädchen

„Wenn eine Jungfrau verlobt ist und ein Mann trifft sie innerhalb der Stadt und wohnt ihr bei, so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, dass sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrien hat, obwohl sie doch in der Stadt war, den Mann, weil er seiner nächsten Braut geschändet hat; …“ (5. Mose 22,23-24)

Todesstrafe für Homosexuelle

„Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; …“ (3.Mose 20,13)

Todesstrafe für widerspenstige und ungehorsame Söhne

„Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, dass er sterbe, …“ (5. Mose 21,18-21)

Noch mehr Gewalt gegen Kinder und Frauen

„So zieh nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel.“ (1. Samuel 15,3)

„Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet werden.“ (Jesaja 13,16)

Die Rolle der Frau

„Wenn jemand an eine Jungfrau kommt, die nicht verlobt ist, und ergreift sie und schläft bei ihr, und es findet sich also, so soll, der bei ihr geschlafen hat, ihrem Vater fünfzig Silberlinge geben und soll sie zum Weibe haben, darum dass er sie geschwächt hat; er kann sie nicht lassen sein Leben lang.“ (5 Mose 22:28-29)

„Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? (…) So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.“ (4. Mose/Num. 31,15-18)

„Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, der Mann aber ist das Haupt der Frau. Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz, die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.“ (1. Korinther 11)

Toleranz

„Gott (…) frißt die Völker, die ihm Feind sind, er zermalmt ihre Knochen.“ (4. Mose 24,8)

Familie

„Gott hat geboten: Ehre deine Eltern. Wer über seine Eltern flucht, soll sterben!“ (Matthäus 15,4)

„Wer meinetwegen seine Familie verlässt und Frau und Kinder im Stich lässt, wird hundertfach belohnt werden und das ewige Leben empfangen“ (Matthäus 19,29)

Neue Wege ohne Bibel – das weiße Buch

Auf dem Konvent 1877 erwähnte der Grand Orient erstmals den Begriff des „Allmächtigen Baumeisters aller Welten“ aufgrund des Antrages des protestantischen Geistlichen Frédéric Desmons nicht mehr: „Die Freimaurerei hat zu Grundsätzen die unbedingte Gewissensfreiheit und die menschliche Solidarität. Sie schließt niemanden um seines Glaubens willen aus.“ Als dann der GOdF zusätzlich das „Buch des heiligen Gesetzes“ durch ein „weißes Buch“ ersetzte, kam es zur endgültigen Spaltung: Die Vereinigte Großloge von England beendete die Beziehungen 1913 zum GOdF offiziell und erkannte ihr die Regularität ab.

Der Schritt aber, die Bibel als eines der großen Lichter der Freimaurerei zu entfernen gewann immer mehr an Bedeutung in der modernen Freimaurerei. Die Reformlogen der 20er und 30er Jahre wie z.B. der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne sah auch das Auflegen eines weißen Buches vor.

Noch immer gibt es Logen, die zur Bibel auch ein weißes Buch auflegen und das unter der offiziellen Freigabe der Großloge AFuAM.

Der neue Weg – Fazit

Wenn wir erneut betrachten, dass die Bibel ein Buch des „heiligen Gesetzes“ darstellen soll und einen ethischen und moralischen Standpunkt vermitteln soll, so müssen wir doch heutzutage hinterfragen, ob die Bibel noch zeitgemäß ist und das richtige Buch um ein Wertemodell zu vermitteln. Mag nun einer sagen, dass sie auch viele gute Werte vermittelt, aber dem muss man entgegen setzten, dass sie eben auch eher fragwürdige Werte ebenso vermittelt.

Ich jedenfalls kann den Standpunkt meiner Schwester verstehen und teile ihn. Die Bibel ist für mich persönlich nicht geeignet um darauf einen Schwur abzulegen, da sie moralisch und ethisch sehr fragwürdig ist. Sie ist von Menschen geschaffen und nicht, das so oft zitierte „Wort Gottes“.

Wir sollten dies große Licht der Freimaurerei überdenken und einen Weg finden zwischen dem moralischen Anspruch und der Regularität der UGLoE. Wie dieser Weg zu bestreiten ist, muss erst erarbeitet und diskutiert werden. Aber die Möglichkeit, mehrere Bücher aufzulegen wie in meiner Mutterloge (Bibel, weisses Buch, Beethovens 9. Sinfonie) und das völlig regulär wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung…

Freizeit-Toleranz

Kurt Tucholsky sagte einmal:

„Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat!“. Und so unrecht hat er nicht, wie wir gleich feststellen werden.

Es ist immer wieder schön daran erinnert zu werden, dass „Toleranz“ eine der Grundsätze der Freimaurerei sein soll. Wir Brüder sollen tolerant zu anderen Meinungen und Menschen sein. Doch mitunter wird das auf eine sehr harte Probe gestellt.

Mittlerweile sollte es auch jedem bekannt sein, dass ich ein stolzer Freimaurer (oh ja, ich stehe auf unsere Ideale und diese Bruderschaft!) bin und auch bekennender Atheist und Antitheist. Ich sehe hier absolut keinen Widerspruch zu den Anforderungen der Großloge von England mit ihrer Forderung nach einem „supreme beeing“ und auch kann ich ein Ritual emotional erfassen und tragen. Ich sehe in der Natur, sowie ihrer Gesetze das „göttliche“ (wenn ich es einmal so nennen darf) und kann somit die Sinnbilder in einem Ritual für mich füllen…Mutter Natur als großer Baumeister, der sehr schöne Dinge gestaltet hat.

Viele der religiös geprägten Brüder, sehen die Freimaurerei immer noch als eine Art „Ersatzreligion“ an und tragen diese Meinung als die „einzig wahre Form der Freimaurerei“ nach außen. Sie lehnen Schwestern, also Freimaurerinnen als „irregulär“ ab und fordern die Anerkennung „der Lehren Jesu Christi“. Sie berufen sich hierbei auf den christlichen Bezug als Allmächtiger Baumeister.

Spannend hierbei ist nur, dass die Großloge von England (UGLoE) vorgibt, dass Freimaurerei KEINE Religion oder ein Ersatz sein darf (wie schon oft hier besprochen). Vielleicht sollten wir uns wieder vermehrt daranhalten und klar und deutlich machen, dass es KEINE Ersatzreligion ist. Es ist ein ethischer Bund und daran sollten wir uns auch erinnern und Strömungen, die hier klar in einer Religion abgleiten wollen, nicht zu viel Platz und Freiraum geben. Es kann aber eben, wie im Freimaurer Orden üblich, eine Bruderschaft sein, ein Bund, der sich auf ihre christliche Tradition bezieht.

Ich möchte aber NICHT alle diese Brüder über einen Kamm scheren. Ich kenne viele Brüder, die christlich geprägt sind und schätze sie als Brüder sehr. Ihre Ansichten und Ideen bereichern mich und erweitern meine Gedanken. Ich respektiere ihre Meinung und schätze sie sehr (stimmt doch Hagen?) und setze mich dafür ein, dass sie ihre Meinung sagen dürfen. Wenn ich sie auch nicht unbedingt teilen kann, so bereichern sie dennoch meine Sichtweise auf diese Dinge.

Aber leider gibt es hier auch ein paar Ausnahmen, die Toleranz scheinbar nur unter ihren Brüdern oder an den Logenabenden üben und mich (und somit viele meiner weiteren Brüder) als „Nicht-Freimaurer“ bezeichnen.

Mit so einem Bruder habe ich vor kurzem zu tun gehabt, als ich eine sehr überzogene These zu den alten Pflichten von Anderson in einem sozialen Netzwerk veröffentlichte. Hierbei wurde ich konkret von diesem Bruder auf mein Empfinden während des Rituals angesprochen. Ich nahm mir gern die Zeit und beantwortete ihm alle Fragen und lud ihn zudem in meine Loge ein, damit er nachvollziehen kann, dass eine Ritualarbeit auch ohne einen „Gottesbezug“ tragend und stimmungsvoll sein kann.

Was daraufhin folgte schockierte selbst mich. Er antwortete (und ich möchte hier seine Nachricht wiedergeben, Schreibfehler korrigiert. Urheber und Verfasser sind mir bekannt, werden aber nicht genannt)

„Danke für das Angebot, aber danke nein. Vor meiner Aufnahme habe ich mich nicht intensiv mit den Aufnahmekriterien auseinandergesetzt. Nur Andersons Constitutions und die Meinung der englischen Großloge. Von beiden wird Glaube an ein höheres Wesen/Prinzip gefordert. Das war die Grundlage, warum ich mich zum Beitritt entschlossen habe. Hätte ich gewusst, dass auch Atheisten aufgenommen werden, wäre ich heute kein Freimaurer. Das heißt nicht, dass diese Personen nicht nette, soziale, integrere, höfliche, ehrenhafte Männer sind, nur für mich keine Freimaurer. Jeder Schamane, Druide, Muslim, Pantheist steht mir näher. Das ist eben die genannte Gefühls- und spirituelle Ebene. Diese Schlucht kann ich, bei aller Toleranz, nicht überschreiten. Verstandesgemäß ja, emotional nicht.“

Ich muss zugeben, dass mich solche Worte sprachlos machen. Leider ist es nicht das erste Mal, dass hier initiierte Brüder und Atheisten von andersgläubigen Brüdern angegangen wurden. In diversen Foren und Facebook Gruppen kann man nachlesen, wie sehr es hier um die Toleranz bestellt ist. Wer sagt, dass er mit der Meinung von Atheisten (und wir nehmen in diesem Land einen größeren Personenkreis ein, als jede religiöse Einzelgemeinschaft!) in der Freimaurerei nicht leben kann, den möchte ich an den Grundsatz der Toleranz erinnern.

Wir haben innerhalb der Vereinten Großloge von Deutschland die Möglichkeit, dass jeder Interessent an diesem ethischen Bund, sei es ein Atheist oder ein Gläubiger, einen Platz für sich finden kann. Dieses Konstrukt ist einmalig und man sollte die Möglichkeiten nutzen, auch mal über seinen Tellerrand hinauszuschauen und sich somit umzuschauen (wie es schon der Grad des Gesellen fordert!). Es geht hier um Ideale und Ziele die uns verbinden und nicht um religiöse Aspekte, die uns teilen könnten. Wie sollte denn eine Weltbruderkette aussehen, wenn wir es aus persönlichen Empfinden nicht schaffen, uns selbst die Hand zu reichen? Wie sollen wir dann in der Lage sein, einem anderen Menschen die Hand zu reichen um ihm zu helfen? Toleranz untereinander aber auch in die profane Welt hineinreichend, kann kein zeitlich beschränkter Aufruf sein. Das würde uns wiederum zu den bereits diskutierten „Freizeitmaurern“ machen, die auf „Teilzeittoleranz“ laufen. Wenn dies jedoch unsere Ziele sind, dann sollten wir uns besser überlegen, erneut Lehrling zu sein und an uns selbst zu arbeiten. Sollten wir zu der erwähnten Einstellung gelangen, so muss die Arbeit an uns selbst das oberste Ziel sein, bevor wir uns wieder „um uns sehen“. Mit dem Finger urteilend auf einen anderen Bruder zu zeigen ist unangebracht und überheblich.

Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht. (https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz)

Wenn wir uns als Brüder und Schwestern Freimaurer an diese Definition halten, dann müssten wir soweit gereift sein, eben diese fremden Meinungen zuzulassen und gelten zu lassen.

Ich tausche mich gerne mit allen Brüdern aus und spreche offen über meine Ansichten, warum sich Freimaurerei und Atheismus dennoch verträgt, aber ich lasse mich ungern von „Freizeit-toleranten Brüdern“ als Nicht-Freimaurer beleidigen. Das zeigt bei diesen Brüdern eher von einer noch langen Arbeit am eigenen rauen Stein, gerade was die Toleranz angeht….

Interessant ist noch die Tatsache, dass der erwähnte Bruder mit seiner Meinung leider sehr alleine stand und stark im sozialen Netzwerk für seine Äußerung, dass atheistische Brüder „keine Brüder Freimaurer“ sein, stark angegangen wurde. Schlussendlich entschloss er sich, das Forum zu verlassen. Scheinbar waren einige andere Brüder ebenso nicht tolerant, was diese Äußerungen anging.

Wenn wir uns mal an die eigene Nase fassen und über den Sinn der Toleranz nachdenken, so kann dies zu einem neuen und hoffentlich verbesserten Umgang mit- und untereinander führen. Ich selbst übe mich gerade auch hier an meiner Toleranz gegenüber solcher „brüderlicher Anfeindungen“…und haue noch ein paar Ecken ab…und dann gehe ich auf meine Reise von der Intoleranz zur Toleranz!

Epilog:

Nach dem erwähnten Vorfall hatte ich das Bedürfnis, mich mit meinem Bruder Hagen auszutauschen. Hagen hilft mir oft, die Ideen und Ansichten von Brüdern des Ordens mit deren christlicher Prägung zu verstehen. Ich schätze ihn als Bruder sehr und im Laufe des Austausches ist daraus trotz der räumlichen Trennung eine Freundschaft entstanden. Ich erinnere mich noch an ein zufälliges Treffen in einem Fastfood Restaurant in Hamburg…

Hagen ist aktiver Blogger der Webseite https://hagenunterwegs.wordpress.com/ auf der tolle Texte von ihm zu finden sind.

Er hatte sich mit dem Vorfall ebenso beschäftigt und so kamen wir zu dem Entschluss, jeweils einen Text über Toleranz zu verfassen, mit unseren jeweils unterschiedlichen Sichtweisen. Daher möchte ich euch gerne auch seinen Artikel ans Herz legen:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/11/15/ist-das-die-viel-geruehmte-freimaurerische-toleranz/

Viel Spaß beim Lesen

Nur mal rein hypothetisch…

Von Gott und Religion – aus den „Alten Pflichten“ von Br. James Anderson 1723:

„Ein Maurer ist durch seine innere Haltung verpflichtet, das Moralgesetz zu befolgen; und wenn er die Kunst recht versteht, wird er niemals ein einfältiger Atheist sein, noch ein irreligiöser Freigeist. Aber obwohl in alten Zeiten die Maurer in jedem Lande verpflichtet waren, von der Religion dieses Landes oder Volkes zu sein, welche auch immer es sein mochte, so hält man es jetzt doch für sinnvoller, sie nur der Religion zu verpflichten, in der alle Menschen übereinstimmen, ihre eigenen Meinungen aber ihnen selbst zu überlassen; das heißt, gute und redliche Männer zu sein, Männer von Ehre und Rechtschaffenheit, durch welche Glaubensbekenntnisse oder -anschauungen sie auch unterschieden sein mögen, wodurch die Maurerei der Mittelpunkt der Einigkeit und zum Werkzeug wird, treue Freundschaft unter Menschen zu stiften, die sonst in steter Entfernung von einander hätten bleiben müssen.“

Richten wir doch einmal unser Augenmerk auf die Stelle, in der Anderson sagt, dass alle Menschen nur der Religion verpflichtet sind, in der alle Menschen übereinstimmen. Nun lassen wir mal den hypothetischen Ideen freien Lauf:

1723 war ein Jahr in dem es für jeden freien Menschen unmöglich gewesen wäre, die Existenz Gottes zu verleugnen. Derjenige würde als Ketzer gelten und schnell von der Kirche bestraft werden. Was wäre aber, wenn uns genau das Anderson sagen wollte mit seinem so oft zitierten Satz? Er beschreibt, dass der Mensch der Religion verpflichtet ist, in der alle Menschen gleich sind. Faktisch wusste aber schon Anderson, dass es so eine Religion nicht gibt. Zu viele unterschiedliche Religionen mit dem Anspruch die einzig wahre zu sein gab es schon im 17. Jahrhundert. Was ist aber, wenn er uns mitteilen wollte, dass die Menschheit dem Atheismus verpflichtet ist, wenn das die Grundlage für eine gemeinsame neue Gesellschaft wäre, in der alle Menschen gleich wären ohne Stand, Ansehen und Religion? Wie würde dies ein Pfarrer (Anderson war Reverend seiner Gemeinde) formulieren, ohne dass er sich selbst diskreditieren würde?

Nun mag sofort der ein oder andere wieder einwenden und den einleitenden Satz („…wird er niemals ein einfältiger Atheist sein, noch ein irreligiöser Freigeist“) als Argument gegen den Atheismus bringen. Wenn wir uns aber den Satz einmal genau anschauen, so sehen wir, dass es nicht um den Atheismus per se geht, sondern um den „einfältigen Atheisten“. Denken wir hier einen Moment weiter und interpretieren neu. Derjenige, der sich aus freien Stücken für den Atheismus entscheidet, weil er weiß, dass es keine Religion und keine Gottheit gibt, die alle Menschen vereint, sondern nur eine rein humanitäre Ausrichtung der Gesellschaft, der ist weder einfältig noch ein irreligiöser Freigeist. Nein, er ist alleine Humanist und das wiederum setzt auch als Freimaurer eine Religion voraus.

Natürlich ist das nur rein hypothetisch, unbewiesen, und nur wenn man zwischen den Zeilen lesen möchte und die Worte neu interpretiert. Aber ein reizvoller Gedanke…und eine Möglichkeit solche Gedanken im 17. Jahrhundert zu teilen…aber bitte beachtet: alles fiktiv und ohne Beweiskraft. Eben nur ein Gedanke…

 

Lass uns leben…

„Bitte sei doch nicht gekränkt,
dass ich mir nicht mein Hirn verrenk.
Was nun morgen wird aus uns?
Scheißegal.
Komm lass uns leben!
Lass uns leben!
Lass uns leben immer mehr!
Komm lass uns leben!
Lass uns leben!
Das Leben ist gar nicht so schwer.“

Aus „Lass uns Leben“ von Marius Müller-Westernhagen

Stehen bleiben in dieser umtriebigen Zeit…einfach einmal Durchatmen…das Leben genießen…bewusst zu leben. Durch ein paar Zeilen des Liedes „Lass uns Leben“ kamen mir ein paar Gedanken zum Leben selbst, die ich mit euch teilen möchte.

Wir gehen arbeiten, nach Feierabend gehen wir in unserer Familie auf und versuchen unseren Kindern gerecht zu werden. Wir stellen uns selbst oft zurück, wenn es um Karriere, Kinder und Erfolge geht. Was dabei allerdings auf der Strecke bleibt ist oftmals das eigene ICH. Der Mauer Meister weiß, dass er sich seines eigenen Lebens bewusstwerden muss. Die Zeit auf Erden sinnvoll nutzen, mit dem Wissen, dass sie endlich ist. Er muss die Gesamtheit der Dinge erkennen und somit auch verstehen, dass der Tod ein Teil des Lebens ist. Erst dann kann er die Angst vor dem eigenen Ende überwinden.

Soviel zur Theorie!

Vor einigen Monaten hatte einer meiner Freunde mit Ende 20 einen Herzinfarkt. Er arbeitete viel, war in seiner Freizeit ein aktiver Sportler. Bei der Untersuchung im Krankenhaus wurde bei ihm ein angeborener Herzfehler festgestellt, den die Ärzte beheben wollten. Es war klar, welches Risiko diese Operation mit sich brachte. Doch H.N. sagte zu mir, dass er keine Angst vorm Sterben hätte und wenn es so passieren sollte, dann wäre es leider so. Er meinte, dass er oft meine Texte lese und sich viel Gedanken um das Leben und den Tod gemacht hätte. Er habe sein Leben gelebt, bewusst gelebt und bereue nichts. Ihm wurde klar, dass der Tod ein fester Bestandteil seines Lebens ist und rückblickend auf sein noch junges Leben meinte er, dass er alles getan habe, was er wollte. Mein Freund H.N. bat mich im Falle seines Ablebens, dass ich seinen Eltern und Freunden an der Beerdigung klarmachen sollte, dass sie nicht trauern, sondern ihn mit schönen Gedanken in Erinnerung behalten sollten, da er keine Angst hatte und es nun einmal der Lauf der Natur sei.

Für mich persönlich war es sehr schwer, diese Bitte abzuschlagen und so sagte ich es ihm zu. Ich darf abschließend sagen, dass die OP letztendlich gut verlief und er wohlauf ist. Dennoch denke ich oft über seine Bitte an mich nach.

Aber was habe ich selbst daraus gelernt? Es ist einfach, aber H.N. hatte recht. Wir müssen „einfach nur“ bewusst leben und das Leben auch genießen können. Sich einfach einmal treiben lassen und auch in dieser schnelllebigen Zeit stehen bleiben und durchatmen. Es ist nichts dabei, es kostet uns nichts, wir müssen es uns einfach vornehmen und damit beginnen…

Lass uns leben! Das Leben ist gar nicht so schwer!

Gewidmet meinem Freund H.N. (you know who you are)

Frei(zeit)maurer und Weltverbesserung?

Welche Schwester oder welcher Bruder kennt sie nicht, die Frei(zeit)maurer? Diese Gattung von Freimaurern, die sich gerne zu den Logenabenden trifft und dort für ein paar Stunden auf dem Weg der königlichen Kunst geht.

Ich sah vor kurzem auf dem Weg durch die Stadt einen Pfeil mit der Aufschrift „Weltverbesserung“, welcher an einer Laterne befestigt war. Leider ist der Pfeil etwas weit nach unten gerutscht und so zeigte er eher auf den Mülleimer. Will uns dies nun sagen, dass die Weltverbesserung oder die Idee dahinter eher für den Müll ist?

Sagen wir es einmal deutlich: wenn wir uns nur für 2h in der Woche wie Freimaurer benehmen, dann sicherlich. Das leere Schöngerede, ohne Substanz hilft nichts und niemanden weiter und dient schon gar nicht der Arbeit an einem selbst oder der Gesellschaft und unseren Mitmenschen.

Freimaurerei ist ein Bekenntnis zu einem ethischen Bund und keines Vereins. Zwar ist eine Loge nach deutschem Recht ein Verein und auch dort im Register eingetragen, aber dies bedeutet wiederum nicht, dass man sich hier wie im Kegelverein verhalten sollte. Die innere Einstellung im Maurer muss seit seiner Aufnahme stetig weiterwachsen und sich vervollkommnen, wie es nun einmal die Arbeit am rauen Stein vorsieht. Man muss ständig an sich arbeiten und an der Idee der Freimaurerei, denn durch sein Schaffen wirkt der Maurer auch in der Gesellschaft. Und das hoffentlich nachhaltig.

Die Idee der Weltverbesserung darf nicht zu einem (unliebsamen) Hobby verkommen oder zu einer Freizeitgestaltung. Sie muss ein präsenter Bestandteil der Idee sein und vor allem sich in den Köpfen der Schwestern und Brüder manifestieren. Erst dann geht es in Körper und Geist über und die Handlungen werden aus den richtigen Motive begangen. Nicht aus dem Grund es „zu müssen“, nein, vielmehr aus Überzeugung.

Es darf auch nicht aufgehört oder sogar resigniert werden, an der Verbesserung der Welt zu arbeiten, auch wenn einige Verschwörungstheoretiker der Freimaurerei schon lange vorwerfen, die Weltordnung zu unterwandern und eine neue zu erschaffen (Stichwort: New World Order).

Die Welt soll ein besserer Platz werden, aber das Ganze eben bitte als Freimaurer und nicht als „Freizeitmaurer“. Die Idee, einen Tempel der Humanität zu erbauen, in dem die Menschen die Bausteine sind, und damit eine neue, auf den Idealen der Maurerei und Humanität basierende Welt zu erschaffen, darf nicht nur eine Idee für eine Freizeitgestaltung bleiben. Sie muss in einem Bruder oder einer Schwester als Ziel leuchten und eine treibende und schaffende Kraft werden, die sein/ihr Leben beeinflusst, vor allem aber das Handeln. Der Mensch ist der Baustein und Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel. Es kommt dabei immer auf das Engagement eines jeden Einzelnen an. Wir müssen davon regen Gebrauch machen, wie schon viele Freimaurer vor uns. Das allerdings setzt Wissen, Bildung und Erkenntnis voraus, denn das Bauwerk stürzt schnell in sich zusammen, wenn es durch Ignoranz, Vereinsmeierei und dogmatische Regeln durchwoben ist, die wie Mauerfraß die Steine zerstört.

„Die mächtigen Säulen und Mauern bedürfen eines starken Fundamentes, eines Fundamentes, dass nicht in weichem Sand, sondern in festem Untergrund eingelassen werden muss. Das Fundament selbst hat dann selbst so dick und stark zu sein, dass es jeglichen Erdbeben, Gegenstürmen und Überschwemmungen standhalten kann- nur so macht es wirklich Sinn. Ein Konstrukt auf tönernen Füßen bricht leicht zusammen. Daher muss mit charakterfesten, weitblickenden und erkenntnisorientierten Menschen ein Lehrgebäude oder eine Philosophie erarbeitet werden, die als Grundlage der freimaurerischen Idee über Jahrhunderte Bestand hat. Die „Freimaurerische Ordnung“ oder die „Alten Pflichten“ sind dies sicherlich nicht, sondern nur ein kleiner, eher unbedeutender Teil davon.“ (aus: „Wir bauen den Tempel der Humanität“ von Andreas Gruss)

Somit müssen wir also bauen an dem Tempel, an der Verbesserung dieser Welt arbeiten. Was als Teilzeitmaurer nicht funktioniert. Es muss ein kontinuierlicher Prozess, ein immer andauernder Prozess sein und das wiederum kann nicht als eine Art „Teilzeit“ betrieben werden.

Leider ist es oftmals auch schwer, diesen Weg zu beschreiten, wenn die Motivation dank Vereinsmeierei abhandenkommt. Hier werden Brüder, die für die Freimaurerei und ihre hohen Ziele brennen oft gebremst und demotiviert. Es zählt der Verein und das Durchsetzten von Interesse einiger Brüder, das Zu-Schachern von Ämtern und Aufgaben und Ausbremsen von neuen und innovativen Ideen. Hier zählt es, sich nicht unterkriegen zu lassen und dennoch das Ziel vor Augen zu haben, auch wenn es schwerfällt.

Die Weltverbesserung und der damit verbundene Weg darf keine Sackgasse sein oder eine Idee für den Mülleimer. Wir müssen an ihr arbeiten, an uns arbeiten, denn das sind wir unseren Kindern und den Generationen nach uns schuldig.

Gehen wir es an…

Winkel & Zirkel Tours

Wer schon immer mal mit einer Stadtführung geliebäugelt hat, bei der vor allem freimaurerische Themen im Vordergrund stehen, dem kann ich die Touren von Br. Linus und Br. Philip empfehlen.

Ich selbst hatte in der letzten Woche die Gelegenheit, eine der Touren von Br. Linus in Berlin zu besuchen und möchte sie jedem Interessenten ans Herz legen. Hier lernt man nicht nur viel über die freimaurerische Geschichte unserer Hauptstadt, nein, Linus ist auch ein ausgezeichneter Reiseführer und glänzt mit vielen Details, die selbst einen erfahrenen Bruder beeindrucken werden. Er präsentiert dem Zuhörer Bilder aus vergessenen Tagen und lässt die Zeit um einen völlig vergessen. Die Touren sind aber nicht nur für Freimaurer zu empfehlen, auch für jede Interessentin/jeden Interessenten, der in diese Materie etwas hineintauchen will.

Br. Linus bietet hierbei nicht nur Touren in Berlin selbst an, auch im benachbarten Potsdam kann man mit ihm auf Erkundung gehen. Wer einmal auf ganz andere Art etwas über Freimaurerei erfahren möchte, der kann sich auch einer Tour über die alten Friedhöfe von Berlin anschließen, bei denen es vor allem um die Gräber berühmter Freimaurer geht. Auch hier weiß Br. Linus mit Detailreichtum zu glänzen.

Eine Führung mit unserem Br. Philip in Hamburg steht leider noch aus, aber mein lieber Philip, ich werde auch dich bald einmal besuchen.

Ich möchte abschließend noch ein kurzes Interview sowie einige Bilder von und mit Br. Linus präsentieren.

 

Interview mit Linus Matthias Scheffran

Wie und wann kam die Idee zu den „Winkel und Zirkel Touren“?

Vor ca. 6 Jahren hatte ich das erste Mal einen Vortrag zu den Architekten, Bauingenieuren und Bildhauern die in den Logen in Berlin und Potsdam Mitglieder waren, gehalten. Die Brüder damals gehörten zu den bedeutendsten Baumeistern und Künstlern ihrer Zeit. Das Thema habe ich dann weiterentwickelt und 2014 als Großlogen-Vortrag gehalten. Im Anschluss an den Vortrag wurde ich angesprochen die vorgetragenen Orte, Bauten und Personen einmal als Stadtführung abzulaufen und zu erklären.

Was war deine Motivation dabei?

Die Brüder die in Berlin gelebt und gewirkt haben, waren z.T. in ihrer Zeit sehr bedeuten, ihre Handlungen, Gedanken und Arbeiten sind teilweise heute noch existent und wirken auf uns nach. Insbesondere die Brüder die in der Epoche der Aufklärung lebten, haben die gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst und mit daran gearbeitet eine demokratischere Gesellschaft zu entwickeln.

Wie ist die bisherige Resonanz und wie ist das Feedback?

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass es diese Führungen gibt, die Anfragen kommen jetzt vermehrt rein. Die Touren finden regulär an Samstagen statt, für Stiftungsfeste oder vorweihnachtliche Feiern vereinbaren wir auch andere Termine. Momentan sind die Wochenenden für den Sommer gut nachgefragt.

Wie und wo können dich Interessenten buchen oder Anfragen stellen?

Die Anfragen können über die Webseite, das Facebook Profil oder über den Blog von Br. Philip Militz in Hamburg gehen. (Hinweis: die Links befinden sich am Ende des Artikels)

Kannst du uns etwas über die Durchführung erzählen? Wie lange es dauert?

Eine Standarttour in Berlin dauert ca. 2h 15min. Sie startet am Brandenburger Tor, geht über den Gendarmenmarkt und endet „Unter den Linden“ z.B. am Kronprinzen Palais. Die Touren können auch individuell mit einer Gruppe abgestimmt werden, der Besuch eines Logenhauses oder anderer Orte der Freimaurerei sind möglich, das gleiche gilt für Potsdam.

Ist es nur für Maurer oder auch profane Interessenten geeignet?

Jeder kann diese Tour buchen, die Inhalte sind allgemeinverständlich dargestellt und verständlich. Falls eine Loge eine Tour nur für sich buchen möchte und unter sich bleiben möchte, dann geht das auch. Wenn Logen teilnehmen, bringen sie oft ihre Familie mit und machen die Tour zu einem Wochenendausflug.

Vielen Dank an Br. Linus für die Zeit, die Tour und das Interview

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hierüber könnt ihr bei Interesse buchen:

http://www.winkel-zirkel-tours.de/

http://freimaurer-wiki.de/index.php/Winkel_%26_Zirkel_Touren

https://www.freimaurer.online/touren/

Worte zur Sommersonnenwende am 25.06.2017

1.

Sonnwendfeuerflammen

Künden von den Höhn:

Aus dem Feuer stammen

Werden und Vergeh´n

An den Gluten wurden

Erd- und Sonnenball,

Schwinden durch die Gluten

Wieder in dem All.

 

2.

Rings im Tal die Rosen

Stehn in Königspracht,

Duft und Schönheit kosen

Sinn und Herz mit Macht.

Sehr der Ähren Wellen

In der Sonne glühn,

Ihre Körner schwellen –

Reife folgt dem Blühn.

 

3.

Feuer, das ist Leben

Kälte bringt den Tod

Sonnenstrahlen geben

Rosen uns und Brot.

Sommersonnen walten

Füll´ auch unsre Brust,

Dass sich darin erhalten

Lebensmut und -Lust.

 

4.

All der Rosen Prangen

Allen Feuers Glut

Nehmen uns gefangen

In die Lebensflut

Führe uns zum Lichte!

Edler Menschensein

Reife alle Früchte:

Herzenssonnenschein!

 

 

 

Lieber Schwestern, liebe Gäste und meine lieben Brüder,

das kleine Gedicht von Br. Bergmann aus (Breslau) waren die Worte des F.z.a.S. zur Sommersonnenwende 1924. Ich möchte sie als Erinnerung und Hommage an unseren Freimaurerbund, der dieses Jahr 110 Jahre alt geworden wäre, gerne zitieren. 110 Jahre im Geiste der Freidenkerbewegung, Wissenschaft und Reformfreimaurerei. Was für eine besondere Freude.

Mit den Worten zum leben-bringenden Feuer, der Wärme, Sonnenstrahlen und Licht möchte ich überleiten zu ein paar Zeilen und Gedanken zum Leben selbst:

 Ein Appel an das Leben

Der Freimaurer wird dazu angehalten, sich seiner Sterblichkeit bewusst zu werden. Und wenn man sich der Endlichkeit seines Lebens bewusst geworden ist, so kann man dann auch anfangen das Beste daraus zu machen. Einfach mal bewusst zu leben. Kennt ihr nicht auch das Gefühl von Morgentau an den nackten Füssen, wenn ihr früh morgens über eine Wiese lauft? Den Anblick der lila Wolken an einem frühen Sommermorgen? Das Gefühl eines Sommerregens auf der Haut? Einfach mal im Park stehenzubleiben und den Geräuschen zu lauschen und dabei die Natur und die Tiere zu beobachten? Es gibt sicher tausende solcher Beispiele.

Klar, als junger Mensch hat man viele Träume und Ideen und man will so viel machen und erleben. Doch dann werden wir von den Fesseln des Alltags, der Uhrzeit, der Leistung aus Arbeit, des Geldes und der gesellschaftlichen Normen und Regeln gefangen. Wir mutieren unauffällig zu einem kleinen Zahnrad im Getriebe der Gesellschaft und laufen den Träumen noch hinterher. Wir reden uns ein, dass wir ja noch „so viel Zeit haben“, doch eines Tages werden wir wirklich alt sein und blicken zurück auf unser Leben. Sollen wir dann wirklich nur erzählen, welche Träume, Wünsche und Ideen wir hatten? Wäre es nicht so viel mehr wert, wenn wir sagen können was wir erlebt haben, was wir verändert haben, wo wir ein Zeichen setzen konnten?

Wenn wir einmal unseren Kindern und Enkeln von unserem Leben erzählen, wollen wir da nicht ein paar aufregende Geschichten präsentieren können, mit denen wir allem, was nach uns kommt, sagen können, wie wir Einfluss genommen haben und eine Kerbe in der Geschichte hinterlassen konnten?

Jeder wünscht sich, dass sein Leben Bedeutung hat. Dies geschieht aber nicht von selbst, nein, wir müssen diesen Schritt jeder für uns gehen und unseren Hintern hochheben und eine Bedeutung finden. Dem Leben einen Sinn geben, denn das macht uns glücklich und zufrieden. Wir sind nicht dafür hier, unseren Verstand abzuschalten, monoton zu funktionieren und vor uns hin zu leben. Nein, wir können bedeutende Dinge tun und wenn man eben schon mal klein anfängt. Denn für den einen mag es ein kleiner Schritt sein, eine kleine unbedeutende Handlung, aber für einen anderen Menschen kann eben diese Handlung ein bedeutender und großer Schritt sein. Aber um solche Handlungen auszuführen, müssen wir uns bewusstwerden, welch ein tolles und kostbares Geschenk das Leben ist. Es gilt dieses mit dem nötigen Sinn zu füllen und diesen Schritt muss jeder Mensch für sich selbst gehen.

Daher sollten wir, egal ob Freimaurer, Schwester oder auch jeder andere Mensch, aufhören unsere Zeit sinnlos zu verschwenden und uns einzureden, dass wir für das ein oder andere noch jahrelang Zeit haben. Lasst uns doch mal aufstehen und der Tatsache ins Auge sehen, dass heute der erste Tag vom Rest unseres Lebens sein kann und wir das LEBEN bewusster gestalten sollten. Das hier ist euer aller Erbe, diese Welt mit all ihrer Schönheit und auch allen Fehlern. Doch wenn sie euch nicht gefällt, dann werdet bessere Menschen und ihr kriegt eine bessere Welt. Und dazu muss man einen wichtigen Schritt gehen, nämlich selbst erkennen was man für sich möchte und dann auch was wir damit anderen bieten können. Und wenn man dazu noch weiß, dass seine eigene Zeit auf unserer wundervollen Erde begrenzt ist, dann wird es auch Zeit damit anzufangen…

Und da es ja gerade Wochenende ist, wünsche ich euch allen einen neuen Morgen mit den lila Wolken…genießt das Leben, liebe Freunde!