Humanismus bei Star Trek – der Geist der Freimaurerei im Weltall

Manchmal finden sich schon die unterschiedlichen Grundlagen der Freimaurerei (wer sie immer noch nicht weiß, hier noch einmal: Toleranz, Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit und Humanität) in den wundersamsten Situationen wieder.

Vor kurzem erst habe ich ein paar der alten Star Trek Folgen im Fernsehen gesehen. Das spannendste ist hierbei, dass die Serie in den 60er Jahren entstanden ist, in denen durch die beiden Supermächte eine starke West-Ost-Blockbildung vorangetrieben wurde. Die USA waren geprägt von Rassengesetzen und der Ausgrenzung großer Teile der schwarzen Bevölkerung. Eine Überwindung dieser Grenzen, trotz ergreifender Reden von Menschen wie Martin Luther King, schien nicht in Sicht. Der Weg zu einem gegenseitigen Händereichen schien lange Zeit verschlossen.

Erst als sich Ende der 80er Jahre, bzw. Anfang der 90er Jahre die Blöcke auflösten und die Menschen nach neuen Systemen verlangten, brachen diese Grenzen, was in der Wiedervereinigung von Deutschland gipfelte. Mit Recht mag nun der ein oder andere anmerken, dass diese Grenzen noch in einigen Köpfen existieren, aber die Zeit lehrt uns, dass diese verschwinden werden. Selbst in den USA fand ein Umdenken durch neuere Generationen statt, wenn dies auch leider ein andauernder Prozess ist.

Kommen wir aber zurück zum Gedanken an die Star Trek Folgen und der Maurerei. Die Allianz der Völker und auch der außerirdischen Rassen führte zur Gründung der „Vereinten Föderation der Planeten“. Dies macht wiederum das Ziel deutlich, eine vereinte Gesellschaft zu schaffen und dabei ethische, ethnische und gesellschaftliche Grenzen zu überwinden.

Die Zusammenstellung

Betrachten wir nun einmal ganz nüchtern die Brückenbesatzung der USS Enterprise um Captain James T. Kirk. Hier spielt sich diese Überwindung schon im Kleinen ab:

Wir haben hier:

  • Captain James T. Kirk, der das Kommando an Bord der Enterprise führt, einem Amerikaner.
  • Commander Spok, einen Vertreter einer außerirdischen Rasse (Vulkanier) an Bord der Enterprise, später wurde er Botschafter. Seine Art, keine Emotionen zuzulassen, erinnert etwas an die Philosophie der Stoiker.
  • Leonard „Pille“ McCoy, ebenfalls ein Amerikaner und der leitende Schiffsarzt.
  • Commander Montgomery „Scotty“ Scott: der schottische Chefingenieur.
  • Lieutenant Hikaru Sulu, der japanische Steuermann der Enterprise.
  • Pavel Andreievich Chekov, ist der russische Navigator.
  • Lieutenant Commander Nyota Penda Uhura, die einzige Frau auf der Brücke der Enterprise, als Kommunikationsoffizierin.

Natürlich gibt es noch viele weitere Rollen, aber beschränken wir uns auf diese Hauptcharaktere, denn hiermit werden schon viele Dinge deutlich (wenn man einmal darüber genauer nachdenkt).

Warum dies so revolutionär ist

Betrachten wir die Rolle der Kommunikationsoffizierin Uhura, so muss man feststellen, dass eine schwarze Frau eine führende Position an Bord des Schiffes einnimmt. Dies war in den 60er Jahren eine wirkliche Revolution im Filmgeschäft. Und das gerade in den Zeiten, in denen die USA eine  strikte Rassentrennung hatte und diese zum Alltag gehörte.

Oder aber der Japaner Lieutenant Sulu, der einem Volk angehörte, gegen welches die USA noch knapp 20 Jahre vorher einen unermüdlichen Krieg geführt hatten. Dazu kommt noch der russische Navigator Chekov und das in der „Hochphase“ der Blockbildung, nicht zu vergessen die Kubakrise 1962. Nicht vergessen darf man Commander Spok, als Vertreter einer außerirdischen Rasse. Sie alle zusammen müssen am gleichen Strang ziehen und erforschen das Weltall.

Einigkeit durch Vielfalt

Ohne Grenzen und ohne Sperren im Kopf. Einfach in Freiheit vereint, dabei in Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit verbunden, vor den Gesetzen gleich und gleichberechtigt. Zu einer nötigen Toleranz untereinander aufgerufen, aber auch tolerant gegenüber den neuen Rassen und Verbündeten. Aber vor allem; zusammen unterwegs in humanitären Gedanken, zur Erforschung und zu Rettungsmissionen. Eine Einigkeit durch Vielfalt, wie sie auch in der Freimaurerei gefordert ist.

Für die 60er Jahre (gerade in den USA) ein wirklich revolutionärer Gedanke. Hinzu möchte ich noch zu bedenken geben, dass diese Forschungen und Reisen durchgeführt werden, ohne jeglichen Bezug zu einer Religion.

Es zählt trotz aller Probleme und Weltraumschlachten die Erforschung des Weltalls und die Wissenschaft. Gerade dieser Gedanke erfüllt mich persönlich sehr…

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß mit einem neuen Blickwinkel auf das Star Trek Universum.

Ein bekennender Star Wars Fan 😊

 

(copyright des Bildes unter https://www.wired.com/2013/05/underrated-star-trek-episodes/)

 

philosophisches Essay über den neuen Gotteswahn

„Religion ist zweifellos eine spaltende Kraft, ein Etikett für Feindseligkeiten und Blutrache zwischen verschiedenen Gruppen, und in dieser Hinsicht ist sie nicht unbedingt schlimmer als andere Etiketten, beispielsweise die Hautfarbe, die Sprache oder die Lieblings-Fußballmannschaft. Allerdings steht sie oft immer dann zur Verfügung, wenn keine anderen Etiketten infrage kommen.“ (aus „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins)

Religiöses Mobbing

In den letzten Tagen stiegen die Diskussionen und die Berichterstattung über Mobbing in Schulen, aufgrund der Religion der Schüler.

Ich habe mir ein paar Gedanken über die Umstände gemacht und wollte sie mit den Lesern teilen. Dabei möchte ich ausdrücklich erwähnen, dass ich weder Anhänger einer rechten, noch einer linken Partei bin und mich eher für einen liberalen Menschen halte. Diese Ideen sollen zum Nachdenken anregen und weder die Muslime in Deutschland, noch die christliche Gemeinschaft (noch irgendeine Andere) beleidigen.

Ausgrenzung anderer Religionen

Wenn ein Kind aufgrund seiner Herkunft oder Religion gemobbt wird, ist das nicht die Schuld der anderen Kinder, es ist primär ein Versagen der staatlichen Pflichten und noch mehr ein Versagen der Eltern und nicht der Religion! Der Einfluss der Erziehung auf das Handeln der jungen Menschen ist ein maßgeblicher in der menschlichen Entwicklung. So wie wir als Erwachsene unseren Kindern den Umgang untereinander vorleben, so werden sie ihn auch für sich übernehmen. Prägung durch das Umfeld und die Eltern. Wenn nun ein Kind in der Schule oder auch auf der Straße angegangen wird, weil es einer anderen religiösen Gruppierung angehört, kann und darf das nicht hingenommen werden. Dessen muss sich der Staat annehmen, und zur Ordnung rufen.

Der Angriff auf jüdische Mitbürger, die eine Kippa tragen und auf offener Straße angegangen werden; christliche Kinder, die aufgrund des Glaubens als „Schweinefresser“ bezeichnet werden oder auch der Zwang von muslimischen Mädchen zum Tragen eines Kopftuches,  alle diese Beispiele aus den letzten Tagen und Wochen zeigen deutlich das Versagen der Eltern bei der Erziehung, als auch das Versagen der staatlichen Erziehungsaufgabe der Schulen. Toleranz im Umgang untereinander muss vermehrt vermittelt werden.

Kopftuchverbot, Kruzifixe & Co.

In unserer Gesellschaft wurde vermehrt über Verbote, Kreuze und Verschleierung diskutiert. In jedem öffentlich-rechtlichen Sender konnte man in den Abendstunden Talkrunden sehen, in denen die Themen breit und ausführlich diskutiert wurden. Jeder Partei wurde hier eine Plattform zur Stellungnahme geschaffen.

Über das Kopftuch

In Berlin wurde einer Klage einer Lehrerin stattgegeben, die das Land Berlin wegen Diskriminierung verklagt hatte, da sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes mit einem Kopftuch am ersten Schultag wegen eines Verstoßes gegen das Gleichheitsgebot versetzt wurde. Sie klagte daraufhin mit ihrer Religionsfreiheit, welche ohne Tragen des Kopftuchs eingeschränkt sein würde.

Nun müssen wir uns die Frage stellen, was ist ein äußeres Zeichen einer Religion und was gehört unbedingt zu dieser Religion selbst. Es gilt also die Frage zu klären, ob das Kopftuch ein fester Bestandteil der muslimischen Religion ist. Zudem ist die Frage zu klären, was die Absicht der Dame war. Hatte sie doch einen Bildungsauftrag als Lehrkraft und ist damit die Verpflichtung eingegangen, neutral zu bleiben. Sie dient als Vorbild und in dieser Funktion darf keine Beeinflussung der Kinder und Jugendlichen erfolgen. Man kann nun argumentieren, dass das Tragen des Kopftuches das Recht auf Religionsfreiheit der betroffenen Schüler einschränkt. Das wäre argumentativ die gleiche Ausgangslage.

Betrachten wir die Frage, in wie fern die Religionsfreiheit dieser Frau eingeschränkt wird, wenn ihr das Tragen des Kopftuches während der Ausführung ihres Bildungsauftrages verboten wird. Ich denke sie hat keine. Sie ist immer noch ein freier Mensch mit einer muslimischen Überzeugung und Glauben. Sie kann nach wie vor an ihren Gott glauben und wird dabei nicht behindert.

Wenn wir allerdings der Argumentation dieser Frau einmal übertrieben folgen, dann müssen wir auch den Menschen mit indianischer Abstammung oder den Anhängern gerade dieser Naturreligion erlauben, die Droge Mescalin frei zu konsumieren (was in den USA im Übrigen in einigen Staaten legal ist). Oder aber auch Cannabis für einige religiöse Rituale, da sie bei einigen Stämmen als heilige Pflanze gilt. Der Versuch hierüber eine Legalisierung zu erreichen ist bereits vor Jahren kläglich gescheitert. Aber gibt es dann auch Laserschwerter für Anhänger des Jedi Kultes (als Religion wird Jedi immer wieder mal in verschiedenen Staaten versucht zuzulassen) oder gar gratis Spaghetti für die Anhänger des Spaghetti Monsters? Nicht jeder Christ trägt ein Kreuz über der Schulter, wie Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung…

Man sieht schon, dass man unterscheiden muss, was zu einer Religion und vor allem zu ihrer AUSÜBUNG gehört und was nicht.

Über die Kreuze

Kommen wir zu einem weiteren aktuellen Beispiel. In allen Behörden, sowie auch Universitäten, Schulen, Kitas, usw. der bayerischen Staatsverwaltung müssen ab Juni Kreuze hängen, so besagt es die Vorschrift des Bayerische Landeskabinetts. Es sei ein „sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland“, teilte die Staatskanzlei mit.

Natürlich ist das alles billigste Wahlkampf-Strategie. Damit folgt der bayrische Ministerpräsident Markus Söder seinem Vorgänger Seehofer, der unlängst mit seiner Aussage „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ für Aufregung sorgte. Ich habe mich bereits ausführlich darüber ausgelassen, dass KEINE Religion Bestandteil eines Landes sein sollte. Säkularisierung sollte nichts sein, was man nach eigenem Ermessen entscheiden kann. Auch nicht der Ministerpräsident von Bayern.

Somit ist dies nur eine weitere Provokation von Menschen anderer Glaubensrichtungen oder auch Agnostikern und Atheisten. Mal sehen wie lange das Bestand hat über den Wahlkampf hinweg. Solange gilt noch immer die Regelung, dass diese Zeichen der Religion zu entfernen sind.

Über Verschleierung

Was das Kopftuch angeht, so ist es durchaus üblich und gebräuchlich dies als ein äußeres Zeichen der muslimischen Religion zu werten, wenn es auch kein fester Bestandteil zur Ausübung dieser Religion ist.

Offensichtlicher sind hier Burka, Niqab/Nikab oder Hidschab, die wir als eine Art der Vollverschleierung erleben. In einigen Ländern, wie Österreich und dem Kanton Tessin in der Schweiz sind diese bereits verboten worden. Aktuell wird eine Initiative gestartet, die dieses Verbot auch auf die restliche Schweiz ausdehnen will. Aber auch in den Niederlanden, Belgien und Frankreich gibt es diese Bewegung. „In Frankreich sind Burka und Nikab seit April 2011 verboten. Der Gesetzestext bezieht sich bewusst nicht auf den religiösen Schleier, um Diskriminierungsvorwürfen vorzubeugen: „Niemand darf im öffentlichen Raum ein Kleidungsstück tragen, das dazu dient, das Gesicht zu verhüllen“. Neben Bußgeldern von bis zu 150 Euro können Kurse in Staatsbürgerkunde verhängt werden. An Schulen ist darüber hinaus auch das Kopftuch, sowie jegliche weitere religiöse Kleidung, seit 2004 bereits verboten.“ (aus: http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/wo-burka-und-nikab-in-europa-bereits-verboten-sind-14458617.html). Was die immer wiederkehrende Diskussion um das Kopftuch angeht, sehen sich die Franzosen in der Vorreiterrolle.

In Deutschland wird darüber allerdings noch diskutiert und der Ausgang ist offen. Hierbei geht es nicht um die Ab- oder sogar Ausgrenzung einer Religion, hierbei geht es um die Diskriminierung der Frauen. Hier steht die Meinung zur Religionsfreiheit dem Verbot der Gesichtsverschleierung gegenüber. Warum ich dennoch für ein Verbot der Vollverschleierung bin, lässt sich schnell erklären. Wir haben in Deutschland ein Vermummungsverbot bei Demonstrationen. Ich darf bei Veranstaltungen in der Öffentlichkeit mein Gesicht nicht komplett verhüllen. Als Motorradfahrer gilt es beim Betreten der Tankstelle oder einer Bank als höflich, den Helm und den Gesichtsschutz abzunehmen. Abgesehen davon, dass man ohnehin schon aus Höflichkeitsgründen darauf verzichten sollte, den Helm in der Tankstelle zu tragen, ist man generell nicht dazu verpflichtet, den Helm abzunehmen. Im Gegenzug muss einem der Tankstellenbetreiber auch kein Benzin verkaufen.

Wenn wir schon ein Vermummungsverbot haben, warum erstreckt sich dieses nicht auf alle Teile des gesellschaftlichen Lebens? Warum hat die Religionsfreiheit offensichtlich in einem Säkularstaat eine Sonderstellung? Und was wäre, wenn eine Muslima Motorrad fahren würde? Würde sie dann den Helm und das Niqab ablegen beim Betreten der Tankstelle? Wäre sie dann eine weniger gute Gläubige?

Dieses Beispiel ist wahrlich an den Haaren herbeigezogen und völlig übertrieben. Es zeigt aber, dass es nicht nur Gründe gibt, die gegen ein offensichtliches Zeichen der Unterdrückung der Frau sprechen, sondern auch Gründe der Personenidentifikation. Daher ist die aktuelle Diskussion um das Kopftuchverbot bei Kindern und Jugendlichen durchaus förderlich. Hier muss klar die Freiheit und das Wohl des Kindes in einer liberalen, als auch säkularen Gesellschaft über der Religionsfreiheit der Eltern stehen. Das offensichtliche Zeichen der Religion und/oder der Unterdrückung darf nicht öffentlich wirksam werden. Dies schützt auch das Kind vor einer Ausgrenzung aus Gruppen wie der Klasse, aber auch der Gesellschaft aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Und wieder einmal muss man sagen, dass auch hier die Eltern in der Verantwortung stehen. (siehe auch: http://www.zeit.de/gesellschaft/2018-04/kopftuchverbot-kinder-sexualisierung-selbstbestimmungsrecht)

Religiöse Feiertage

Wenige Wochen sind erst vergangen, seitdem Ostern war. Natürlich freuen sich alle Menschen auf ein paar freie Tage mit den Lieben. Jedes Jahr kommt aber auch die immer wiederkehrende Diskussion über die sogenannten „Stillen Feiertage“ und die damit verbundenen Tanzverbote erneut auf. Und eines vorneweg: nein, dieses Land wäre ebenso nicht bereit für die Einführung eines weiteren religiösen Feiertages wie den Reformationstag, noch der Einführung eines muslimischen Feiertages (oder welcher Religion auch immer). Die meisten unserer Feiertage basieren auf religiöse Feste und Begebenheiten, der christlichen Religonen.

So sehr wir auch die freie Zeit genießen, sie verplanen mit Urlaub und Freizeit, so sehr zeigen sie aber auch ein massives Problem in einem säkulären Staat auf. Die Trennung von Staat und Religion ist hier absolut nicht vollzogen. Hier werden christliche Feiertage genutzt, um den Bürgern eine Form der Gläubigkeit aufzudrücken. Das lässt sich natürlich auch auf die Weihnachtsfeiertage auslegen.

Dennoch ist es an Ostern gravierender, da hier zum einen ein Tanzverbot (also ein allgemeines Feierverbot) herrscht, als auch die Vorschrift, dass einige Filme nicht gezeigt werden oder aufgeführt werden dürfen. Die Liste kann hier eingesehen werden: https://www.spio-fsk.de/media_Content/3224.pdf. Weder Tanz noch Musik, kein Sport und kein Spaß, Gott will es so, interpretiert die Kirche. An Karfreitag soll der Kreuzigung Jesu gedacht werden – und zwar abstinent und ruhig.

Man kann nun sagen, das war schon immer so. Aber ist dies nicht eine gewisse Bevormundung einem Nicht-Christen gegenüber? Egal ob er Atheist ist oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehört? Oder deutlicher gesagt, ist dies nicht eine Einschränkung meiner persönlichen Rechte und Freiheiten? Wo ist denn hier die viel und oft angepriesene Religionsfreiheit? Hier werden meine Rechte auf freies Fernsehen, als auch meine Möglichkeiten zum Feiern, massiv eingeschränkt. Dabei muss eins beachtet werden: oft wird gesagt, dass Religionsfreiheit einer Religion zu Grunde liegt. Das ist allerdings nicht korrekt. Ich habe auch das Recht KEINER Religion anzugehören und somit als „Ungläubiger“ das Recht, mich nicht von irgendeinem Glauben einschränken zu lassen. Auch das ist Religionsfreiheit. Natürlich kommt wie jedes Jahr das Argument auf (gääähn!), dass die „Nicht-Gläubigen“ doch etwas Rücksicht auf die religiösen Menschen nehmen können und deren Glauben respektieren. Doch genau das tue ich gerne. Ich lasse Jeden in sein Gotteshaus gehen und seine Feste und Feiertage feiern. Ich kann nun auch so argumentieren, dass die Gläubigen ebenfalls etwas Rücksicht auf die Ungläubigen nehmen könnten und keine Einschränkungen wie Tanz- oder Filmverbote zulassen. In einem Land, in dem die Kirche vom Staat eigentlich getrennt sein sollte, sollte diese Art von Diskussionen nicht stattfinden. Es gibt durchaus einige Feiertage, die nur in bestimmten Regionen und Religionsgemeinschaften als Feiertag gelten. Alle anderen gehen brav ihrer Arbeit nach. Vielleicht wäre dieses Modell ein Anreiz, der geschaffen werden könnte, um den andauernden Austritt von Mitgliedern der Kirche entgegenzukommen, damit sie dann weiterhin ihren Feiertag behalten können. Ich persönlich würde zumindest freiwillig arbeiten gehen, wenn damit auf religiöse Feiertage und daraus resultierende Einschränkungen verzichtet wird.

Religionsfreiheit beschränken

Eine Beschränkung der Religionsfreiheit darf lt. Grundgesetzt nicht erfolgen. Aber kann sie nicht evtl. doch sinnvoll in einigen Bereichen sein?

Um ein extremes Beispiel der Geschichte zu nennen; in der von Kemal Atatürk gegründeten Türkei war es in öffentlichen Ämtern sogar verboten für Frauen, ein Kopftuch zu tragen. Die Staatsform sah eine strikte Trennung von Staat und Religion vor. Leider entwickelt sich das Land aus dieser offenen Form nunmehr weg. Hier sehen wir aber was gemeint ist.

Wäre es nicht sinnvoll, die Religionsfreiheit dort einzuschränken, wo sie andere Menschen tangiert oder gar in ihrer Freiheit einschränkt? Betrachten wir noch einmal das Beispiel mit den stillen Feiertagen. Die christlichen Feiertage schränken einen Großteil der Bevölkerung bewusst ein. Wäre es hier nicht sinnvoll, eine strikte Trennung zu vollziehen? Warum muss in Schulessen Schweinefleisch verschwinden und durch Rindfleisch ersetzt werden, um muslimische Schüler und Schülerinnen nicht zu benachteiligen, während aber zugleich hinduistische Kinder ausgegrenzt werden. Nur weil sie eine Minderheit darstellen und wir nicht verstehen, dass dort eine Kuh heilig ist? Es werden Kreuze abgenommen und dennoch werden Erzieher/innen und Lehrer/innen eingestellt, die offensichtlich mit einem Kopftuch als Zeichen ihrer Religion tragen? Es finden Wallfahrten statt, bei denen ganze Straßenzüge gesperrt werden? Es existiert immer noch der Konflikt in Nord-Irland zwischen Katholiken und Protestanten.

Ich spreche mich offen gegen die Einschränkung der Religionsfreiheit aus. Das mag sicherlich den ein oder anderen Leser/die ein oder andere Leserin verwundern, allerdings sollte Religion immer nur dann in einem öffentlichen Raum, in einem staatlichen Raum, in einem Rahmen stattfinden, wenn die Interessen und Freiheiten anderer Personen dadurch NICHT eingeschränkt werden.

Ein weiterer Aspekt in dem Zusammenhang in denen Einschränkungen sinnvoll wären, ist der steuerliche Aspekt. Natürlich kann jeder aus der Kirche austreten und ist dann somit auch von der Kirchensteuer ausgeschlossen, aber wie kann es denn generell sein, dass eine Religionsgemeinschaft auch nur in der Lage sein kann, Steuern zu erheben und diese von den Bürgern einzufordern. Man mag nun sagen, dass diese ebenso in wohltätige Projekte fließen, aber alleine die Verwaltung der Kirchen, der Bau von neuen, oft protzigen Gebäuden, kosten schon Unsummen, und das waren noch lange nicht alle Kosten. Hier wird wieder in die Staatsmacht eingegriffen, um Steuern zu erheben. Sicherlich mit der „Toleranz oder dem Wegsehen“ des Staatsorgans an sich, denn sonst müsste dieser selbst für die Förderung der sozialen Projekte und Belange der Bürger völlig alleine aufkommen. So hat der Staat immer noch die Kirche an seiner Seite, um diese Aufgaben abzugeben. Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter und müssen Friedensbriefe oder gar einen Ablass kaufen.

Ich schätze das Engagement der Kirche in Deutschland sehr und die totale Abschaffung der Kirche würden den Staat neue Herausforderungen im sozialen Umfeld aufbürden. Jedoch sollte diese Form der Unterstützung keinesfalls auf der Basis von Steuererhebungen sein, sondern auf Basis der freiwilligen Zuwendungen ihrer Mitglieder oder Mitgliedsbeiträge, wie jeder andere Verein auch. Die weltweite Hilfe der kirchlichen Institutionen ist beachtlich und schätze ich sehr. Über die finanzielle Ermöglichung müssen wir noch einmal nachdenken. Kirche kann aber eine Stütze für Menschen sein, die ihr Heil und ihre Zuflucht im Glauben suchen und sehen.

Änderungen in der Gesellschaft

Spürbar wird eine Änderung des Verhaltens gegenüber den großen Religionen nicht nur durch die massiven Austritte bei den alteingesessenen Kirchen, sondern auch durch die Zunahme von Urteilen und Gesetzesanpassungen in Bezug auf religiöse Arbeitgeber. Hier wurde am 17.04.2018 das schon lange überfällige Urteil des Europäischen Gerichtshofes (Rechtssache Nr. C-414/16) zu der Sonderstellung der kirchlichen Arbeitgeber getroffen. Die Kirchen dürfen nicht mehr, wie bisher üblich, diskriminieren, und müssen eine Einstellung ohne religiöses Bekenntnis zulassen. Offen ist nun das Urteil des Bundesarbeitsgerichtes, ob Menschen wegen einer Scheidung bei katholischen Arbeitgebern benachteiligt werden dürfen. (siehe: http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/eugh-kirchliche-arbeitgeber-duerfen-konfession-nicht-immer-fordern).

Es ist doch absolut fern jeder Vernunft, warum z.B. in der katholischen Kirche nur männliche Personen die Priesterweihe empfangen und von einer Kanzel zu den Gläubigen sprechen dürfen. Warum sollte das eine Frau nicht ebenso gut und wahrscheinlich auch manche besser können, als ihre männlichen Kollegen? Warum ist eine Ehe als Priester innerhalb der römisch-katholischen Kirche nicht gestattet, aber bei den Protestanten schon? Und dabei dürfen wir die massive Anzahl an Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche nicht vergessen oder die ebenso hohen Zahlungen von Alimenten an Kinder, die es „offiziell“ nicht unter Geistlichen gibt. Das Maß an der frommen Doppelmoral gerade innerhalb der römisch-katholischen Kirche kennt fast keine Grenzen, und diese möchte ich anprangern. Skandale auf Kosten der Spenden ihrer Anhänger. (siehe auch: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-skandalbuch-enthuellt-sexuelle-beziehungen-a-758619.html). Diese werden immer weniger toleriert und akzeptiert. Man muss lernen, Stellung zu beziehen und zu dem zu stehen, was man macht.

Änderungen in der Gesellschaft – mal anders herum

Auch wenn sich in unserer Gesellschaft der Einfluss der Kirchen langsam verringert, so ist es noch ein weiter und vor allem langer Weg, der hier beschritten werden muss.

In Ländern wie den USA gibt es einen starken Trend zu neuen fundamentalistischen Kirchen und Glaubensgruppierungen. Sie predigen folgende fünf Glaubensprinzipien: Unfehlbarkeit der Bibel und deren wörtliche Interpretation, Jungfrauengeburt, leibliche Auferstehung Christi, sein stellvertretendes Sühneopfer und seine baldige physische Wiederkehr. Sie verbinden dabei persönliche Erweckungserlebnisse mit nationalistischen und pazifistischen Ideen. Dieser Neokonservatismus gewinnt in einigen Gebieten der USA zunehmend an Einfluss und Macht und konnte bereits in einigen Städten durchsetzen, dass Evolutionsunterricht durch Religion in den Schulen ersetzt wurde. Dabei muss man sich die Frage stellen, warum dies so ist. Ist die aufgeklärte Gesellschaft zu beängstigend für mache Menschen? Warum braucht es dieser Art der extremen Zuflucht in unseren Zeiten?

Religion als Grundlage der Ethik und Moral

Stellen wir uns die Frage nach dem Sinn der Religionen und warum diese immer noch in einer aufgeklärten Zeit bestehen, so wollen uns die Religionsvertreter immer wieder glauben machen (haben Sie das Wortspiel verstanden?), dass die Religion und eine religiöse Erziehung die Grundlage für das ethische Handeln des Menschen sind. Doch das würde wiederum bedeuten, dass nur ein religiöser Mensch auch ein moralischer Mensch ist. Für die ethische Ausrichtung des Menschen ist allerdings keinerlei Religion nötig. Ein ethisch, moralischer Mensch zu sein, heißt auch immer ein vernünftiger Mensch zu sein. Einer, der sich seines Verstandes bewusst ist. Die Gedanken von Kant und das Zeitalter der Aufklärung haben uns befreit von religiösem Irrglauben und uns eine Welt eröffnet, die wir mit Wissenschaft beweisen können.

Ethischem Handeln ist das Handeln der Menschen untereinander. Viele Gläubige (und viele gläubige Freimaurer) betonen auch immer die sog. „Lehren Jesu Christi“, welche auch in der Großen Landeslogen des Freimaurerordens eine zentrale Rolle einnimmt. Aber zum einen hat dieser Mensch (insofern es ihn wirklich gegeben hat) keine Lehren selbst hinterlassen (das Neue Testament entstand Jahrhunderte später) und zum anderen, geht es den meisten um den Umgang mit dem Mitmenschen, der Nächstenliebe und der Aufopferung. All das, für was sinnbildlich die Person Jesus steht. Doch braucht es dazu überhaut den Bezug zu einer fiktiven Person? Nehmen wir doch gerne den Vergleich zum Dalai Lama. Auch seine Philosophie begründet sich auf der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit, aber ihn gibt es wirklich! Um was es also geht, sind keine Weisheiten einer Glaubensrichtung oder christlichen Figur, es sind „normale“ Umgangsformen in einer zwischenmenschlichen Gesellschaft. Und diese wiederum sollten für uns alle gelten, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Geschlecht.

Ethische Menschen brauchen keine Religion um ein ethisches Handeln zu erreichen. Sie brauchen einen offenen und klaren Verstand, dessen sie sich bedienen, und Menschen, die sie in ihrer Entwicklung fördern und fordern!

Das Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Änderungen im Umgang der Menschen mit Religion und Wissen, war eine grundlegende Voraussetzung für die moderne Gesellschaft und Wissenschaft. Die Abwendung vom Klerus hin zu neuen Ufern. Warum aber fällt dies in der muslimisch geprägten Welt so schwer? Hier muss man Betrachten, dass Religion und Staat auch noch heutzutage viel enger miteinander verbunden sind als bei uns. Eine Trennung von Staat und Kirche hat hier noch nicht stattgefunden, wenn man von der Türkei unter ihrem Gründer Mustafa Kemal Atatürk einmal absieht. Eine eigene Form der „muslimischen Aufklärung“ steht noch aus und würde massiv diese Länder verändern. Ob dies je erfolgen wird, hängt von dem Willen der Menschen vor Ort ab.

Gotttesbeweis

Immer gerne diskutiert von Gläubigen ist der Gottesbeweis. „Es gibt keinen Beweis dafür, dass es Gott nicht gibt. Es gibt keinen Beweis dafür, dass es Gott gibt.“ musste ich erst vor kurzem von einem Freund zu hören bekommen. Beweise für die Existenz Gottes gab es schon viele. Von Thomas von Aquin über Anselm von Canterbury bis hin zu Kant. (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesbeweis oder https://www.zeit.de/campus/2018-01/gottesbeweis-glaube-wissen-naturwissenschaft-religion).

Doch, die Existenz eines Schöpfers ist reine Glaubenssache. Hier scheidet sich der Weg von Wissenschaft und Glauben. Warum sollte man die Existenz von etwas beweisen, an das man nicht glaubt? Wenn jemand behauptet, es gäbe einen Gott, sollte die Person dies schon beweisen können. Die Nicht-Existenz muss aber nicht die Grundlage der Beweisführung werden. Oder warum sollte man die Nicht-Existenz des Wolpertingers (Bayrisches Fabelwesen) führen? Oder wie steht es um das bereits erwähnte Spaghetti Monster? Mit der Argumentation, dass Gott existiert, muss dieses ja doch wohl ebenso existent sein.

Wird ein Existenzanspruch in den Raum geworfen, so müssen auch Fakten geschaffen werden, die diese Existenz auch beweisen. Sonst bleibt es immer im wissenschaftlichen Raum eine These. Die durchaus berechtigt sein kann, solange sie nicht wiederlegt ist. Also haben wir ein Henne-Ei-Prinzip. Dennoch würde ich sagen, dass mein freier Verstand und die moderne Wissenschaft mit ihren Erkenntnissen die Existenz eines Gottes nicht zulassen.

Ist Religion böse?

Eine berechtigte Frage heutzutage ist durchaus, ob Religion böse ist. Im Umkehrschluss muss man nun auch hinterfragen, ob Wissenschaft dann „gut sei“. Um es vorweg zu nehmen: Nein, Religion ist nicht böse. Warum sollte sie das auch sein? Religion ist eine Form von Glauben an etwas, was der Mensch sich nicht erklären kann, was in ihm das Gefühl der Hoffnung weckt und seinem Leben einen Sinn gibt.

Was allerdings der Mensch und vor allem die fundamentalistischen Anhänger einer Religion aus ihr machen, das kann durchaus böse sein. Gläubige, welche zur Auslegung ihrer Religion zur Waffe greifen und mit Gewalt ihren Glauben predigen. Fundamentalismus und Religion sind eine gefährliche und leicht entzündliche Mischung. Natürlich denken wir sofort an militante Muslime, Bomben und Anschläge. Man darf aber auch nicht die Angriffe gegen jüdische Mitbürger in jüngster Zeit vergessen, die nur aufgrund eines sichtbaren Zeichens ihres Glaubens angegriffen wurden. Natürlich hat das Christentum Jahrhunderte vorher mit seinen Kreuzzügen und Hexenverbrennungen nicht weniger schlimm gewütet.

Wissenschaft allerdings als von Grund auf „gut“ hinzustellen, wäre sehr einseitig betrachtet. Natürlich fallen uns zuerst neue Forschungsergebnisse ein, welche uns helfen unser Leben und dessen Qualität zu verbessern. Medizintechnik und Heilung sind auf einem sehr hohen Niveau. Forschung und moderne Wissenschaften verdoppelt das Wissen schätzungsweise alle 5-12 Jahre.

Dennoch muss man anmerken, dass auch die Wissenschaft und neue Techniken für negative Entwicklungen verantwortlich sind. Nicht nur die Neuerungen in den Waffentechniken, nein, auch bei Giftkampfstoffen. Aber auch im Kleinen kann dies schlimme Auswirkungen haben. Unsere Schädlingsbekämpfungsmittel töten nicht nur die „schlechten Schädlinge“ ab, nein, sie haben ebenso große Auswirkungen auf den Bienenstand und somit die Bestäubung der Pflanzen. Oder denken wir an die Gentechnik, welche wir zur Verbesserung der Ertragsquoten in der Landwirtschaft einsetzen, ohne zu wissen, welche Spätfolgen dies haben wird. Der Mensch pfuscht „dem lieben Gott“ gerne mal ins Handwerk, zumindest aber der Natur. Und das eben leider auch ab und an zu viel (oder sogar bisweilen unkontrolliert?).

Wenn wir Wissenschaft und Religion betrachten, so haben beide ihre Berechtigung, mal mehr, mal weniger. Wir müssen nur verstehen, diese beiden Seiten richtig zu nutzen. Wo die Grenzen der Wissenschaft erreicht sind, da fängt Glauben an. Böse ist nur das, was der Mensch daraus macht.

Freimaurerei und Religion

Wenn man über Freimaurerei redet, kommt es oft zu einer Überschneidung mit Religionen. Einige Brüder setzen einen gewissen Glauben voraus, um Freimaurer werden zu können.

Oftmals werden die „Lehren Jesu Christi“ als Maßstab innerhalb des Freimaurerordens (FO) der Großen Landesloge genannt. Wenn man argumentieren will, dass (sofern es den besagten „Jesus“ denn wirklich gegeben hat!) dieser Mann keine schriftlichen Dokumente oder Worte hinterlassen hat, welche „seine Lehren“ beinhalten, so wird man oft hingestellt, als hätte man den Grundgedanken dahinter nicht verstanden. Mir ist schon bewusst, dass sich hier auf die Menschenliebe und die Nächstenliebe bezogen wird. Seine Lehren beschrieb er lt. Bibel wie folgt: „Du sollst dem Herrn, Deinem Gott, dienen von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt. Ebenso wichtig ist folgendes: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als dieses.“ (Luk. 10, 25). Damit beschrieb Jesus die beiden Säulen seiner Lehre: die Gottes- und die Nächstenliebe.

Die Gottesliebe zu teilen fällt dem frei von Dogmen und Religionen denkenden Menschen eher schwer, da er schon per se ein Problem mit einer Gottesvorstellung hat. Was die Nächstenliebe angeht (und damit auch die Bruderliebe), so kann ich diesen Punkt als Freimaurer durchaus teilen. Dazu brauche ich aber keinen Jesus, sondern nutze meine ethischen und moralischen Werte. Sollte ich dennoch eine Person mit diesen Idealen in Verbindung bringen wollen, so kann ich auch an die Worte des Dalai-Lama denken oder an Buddha. Beide schreiben und schrieben über die gleichen Werte, auf die sich hier berufen wird, mit dem Unterschied, dass es die beiden Personen tatsächlich und real gab bzw. immer noch gibt. Warum also auf eine Person berufen, die zum einen nichts geschrieben, noch etwas hinterlassen hat und über deren Existenz sich noch Wissenschaftler in 100 Jahren streiten werden.

Viel schlimmer sind allerdings die massiven öffentlichen Angriffe gläubiger Freimaurer gegenüber den Agnostikern und atheistischen Brüdern. Da liest man dann: „Doch du musst einen Glauben haben um FM zu sein. Wie hast du denn die Frage beantwortet … in whom do you place your trust ? … Jedem Bruder wurde diese oder eine ähnliche Frage gestellt bei der Aufnahme … Also wusstet ihr von Anfang an worauf ihr euch einlasst. Jetzt dagegen anzugehen finde ich nicht nur dreist und unverschämt, ich hätte euch selbst benannte Atheisten schon lange rausgeschmissen, aber acht kantig!!! Sorry genug ist genug!“ oder auch gerne: „Und die Basics erlauben keinem Atheisten Freimaurer zu werden, da Atheisten immer noch nicht zugelassen werden sollten!!! Und was für eine komische Realität ist das denn bitte schön?“

Solche und ähnliche Äußerungen gibt es zu Genüge in den Freimaurer Foren in sozialen Netzwerken. Sie stellen nicht nur eine öffentliche Hetze gegen die betroffenen Brüder dar, sie zeugen eher noch mehr von mangelnder Toleranz und Brüderlichkeit. Aber mit den Grundsätzen der Freimaurerei hat es nun mal nicht jeder so. Man „arbeitet ja an sich“.

„Wir lehnen trotzdem Atheisten ab und ich hätte gern eine Liste der Atheisten so dass ich nicht tolerant sein muss und in eventuell der gleichen Loge sitzen müsste, ohne dass ich es wüsste.“ Wenn schon von Listen die Rede ist, muss man sich nicht wundern, wenn Vergleiche zur Stasi oder Gestapo gezogen werden. Die Zeiten in denen Menschen in Listen nach Gut oder Böse sortiert werden, sollten schon lange der Vergangenheit angehören. Zumindest aber in der modernen Freimaurerei, in der man sich ja in Toleranz und Brüderlichkeit übt. Aber wie bereits geschrieben, man arbeitet ja noch an sich. Der eine mehr, der andere eben weniger (oder er hat es andernfalls noch nicht verstanden).

Oftmals wird dann auch über die „wahre Freimaurerei“ gestritten (brüderlich austauschen kann man das leider nicht mehr nennen). Allerdings würde das wieder implizieren, dass es „die wahre Freimaurerei“ gibt. Doch was soll das sein und wo gibt es diese? Schon alleine der seit einem Jahrhundert andauernde Streit zwischen dem GodF und der UGLoE zeigt uns doch eines: Aus der Geschichte nichts gelernt! Es wird die einzige und wahre Freimaurerei von der UGLoE vorgegeben und bestimmt. Aber alleine in Deutschland sehen wir, dass ein künstliches Konstrukt wie die VGLvD nötig gewesen war, um alle Brüder Freimaurer unter einem Dach zu vereinen.

Die „wahre Freimaurerei“ ist doch eher für jeden persönlich zu sehen, eine sehr egoistische Sache. Sie ist in dem Bruder oder der Schwester selbst enthalten, was in einem steckt und für was sich entschieden wurde. Sie ist die Arbeit an seinem persönlichen Stein. Eine künstliche Grenze zu schaffen und die Kette zu unterbrechen oder sogar einige Brüder zu missionieren und zu bekehren, kann nicht das Ziel sein und ist zudem wenig brüderlich. Einen Rauswurf zu fordern, wie im oben gebrachten Zitat zeugt zudem von wenig Toleranz und dem mangelnden Verständnis von den Grundsätzen des Bundes.

Persönliches

Ich selbst erziehe meinen Sohn zu einem freidenkenden Menschen. Zumindest nehme ich mir das vor. Richard Dawkins sagte in seinem Buch „Der Gotteswahn“: „Atheismus ist fast immer ein Zeichen für eine gesunde geistige Unabhängigkeit und sogar für einen gesunden Geist.“ Ich hoffe, dass der Geist meines Sohnes nicht vergiftet wird von religiösen Einflüssen. Ich habe wohl bewusst „vergiftet“ gewählt, da ich dennoch hoffe, dass er sich mit den Religionen aus einem geschichtlichen Aspekt beschäftigt, damit er sie einordnen kann.

Ich selbst ziehe daher Kindertagesstätten und Schulen von freien humanistisch ausgerichteten Trägern allen anderen vor, damit mein Sohn unbeeinflusst von allem, seine eigene Meinung bilden kann.

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich mich von Gläubigen Menschen als Atheist bedroht fühle. Um es einfach zu sagen: nein, warum auch? Ich schätze den Umgang und vor allem die offenen Gespräche auch mit Gläubigen Menschen, insofern sie mich nicht bekehren wollen und meine Meinung zumindest respektieren. Sie müssen diese ja nicht akzeptieren oder ihr gar zustimmen. Fundamentalismus und Fanatismus, wie ihn einige Menschen an den Tag legen, missfällt mir. Eine offene Diskussion schätze ich sehr. Aber eben eine persönliche und nicht wie schon oft in diversen Sozialen Netzwerk Gruppen von mir gefordert, eine öffentliche Stellungnahme zu meinem Atheismus und Freimaurertum zu geben. Das ist wenig brüderlich und wird eher von arroganten „Möchtegern-Meistern“ an den Tag gelegt. Ich stehe aber offen jedem ernsthaften Gespräch gegenüber und nicht einem Tribunal von Brüdern, wie es unlängst von einem Bruder aus Hamburg gefordert wurde. Natürlich kann ich dem nun kontern und sagen: „Lese meinen Blog, da steht alles was du wissen willst!“

Eine Konfrontation mit moderner „militanter“ Frömmigkeit finde ich oft in den Hotels auf meinen Dienstreisen wieder. Da liegt mitunter die Bibel oder das Neue Testament aus. Warum frage ich mich oft? Wird das bei muslimischen Gästen aus Respekt entfernt oder bleibt es dort? Bei einem Versuch dies aus dem Zimmer zu entfernen und in den Müll zu werfen, fand ich es nach dem Zimmerservice wieder am selben Ort vor. Scheinbar muss dieses Buch dort im Inventar bestehen bleiben. Naja, damit kann ich leben. Meine Toleranz lässt es zu…

Ich selbst respektiere jede Religion und jede Art deren Auslegung, solange sie nicht fundamentalistisch ist. Aber ich möchte gern auch den nötigen Respekt meines Gegenübers wissen. Doch als Atheist wird man oftmals eher angegriffen oder aber auch nur belächelt. Warum auch immer.

Fazit und Ausblick

Betrachten wir die Diskussion in den Sozialen Medien und vor allem in der Presse einmal realistisch von außen, so müssen wir doch eines festhalten: Der Staat hat mit den Bildungsministerien einen Auftrag von der Bevölkerung erhalten, unsere Kinder an den Schulen mit dem nötigen Wissen für ihr Leben zu versorgen (klingt banal, ist aber sehr schwer!), allerdings sollten wir den Säkularismus nicht vergessen. Von einem Auftrag, eine religiöse Ausrichtung den Kindern mitzugeben, war nicht die Rede. Durch die Trennung von Staat und Religion darf es eigentlich nicht vorkommen, dass Kinder mit Religionsunterricht in der klassischen Form (protestantisch oder katholisch, sonst Ethik) konfrontiert werden. Ebenso darf nicht nachgegeben und Unterricht anderer Religionen neu eingeführt werden. Ein bundesweiter Islamunterricht wäre nicht zielführend für eine Integration, sondern würde weiterhin zu einer Abgrenzung führen. Diese wäre sichtbar, da die Schüler ja in „ihre Gruppen“ getrennt werden. Daher wäre eine Abschaffung des GESAMTEN Religionsunterrichtes in einem säkularen Staat das einzig richtige. Ethik und ethische Grundlagen vermitteln, zusammen mit einem Überblick über alle großen Religionen, würden die Bildung eines freien Geistes unterstützen und nicht in Widerspruch mit diesen Forderungen stehen.

Religionsfreiheit muss für alle Menschen gleichberechtigt gelten, sei es Gläubige oder auch Atheisten (bzw. Agnostiker). Religionsfreiheit heißt aber dabei nicht nur, dass ich eine Religion frei aussuchen kann, mich ihr anschließen kann, es heißt auch das Recht zu haben, KEINER Religion anzugehören. Das vergessen die meisten in diesem Zusammenhang leider.

Was endlich passieren sollte, ist die (auf dem Papier schon so oft dokumentierte) Trennung von Staat und Religion. Das völlige Zurückziehen der Religion aus dem öffentlichen staatlichen Leben (ich meine damit nicht dem gesellschaftlichen Leben!) und die Beendung der Einflussnahme auf den Staatsapparat.

Erfüllen Menschen einen staatlichen Auftrag wie in der Bildung, in öffentlichen Ämtern und Positionen, so gilt es alle Zeichen einer religiösen Zugehörigkeit zu entfernen und eine Neutralität und vor allem einer Gleichberechtigung sicherzustellen. Nur so können wir die nötige Toleranz im Umgang aller Menschen und aller Religionen sicherstellen und an unsere Kinder weitergeben.

 

Wer den Artikel als PDF runterladen möchte, findet ihn hier:

Essay über Gotteswahn_final

Download „Essay über den neuen Gotteswahn“

Be the light – ein kurzer Gedanke

Auf einem Spaziergang durch das abendliche Seattle im Februar 2018 schlenderte ich durch den berühmten Pike Market. Wie immer führte mich meine Arbeit dorthin und ich nutze auch die Möglichkeit Brüder zu treffen, welche mir im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind.

Auf dem Gebäude der Touristeninformation sah ich einen kleinen Aufkleber mit dem Spruch „Be the Light“ darauf. Diese Worte lassen einen Freimaurer natürlich aufhorchen und sogleich begannen die Gedanken zu kreisen.

Der Gedanke ein Licht zu sein, sei es für eine bestimmte Person oder auch innerhalb einer Gruppe, erfreut mich sehr. Der neu aufzunehmende Bruder, der sich dem Bund der Freimaurer anschließen möchte, ist auf der Suche nach dem Licht. Zumindest sagt man es so und es steht so im Ritual. Er wandelt in der Dunkelheit und sucht das Licht, das der Erkenntnis und des Wissens.

Und dann gilt es dieses Licht in die Welt hinauszutragen, zu leuchten und den Menschen zu helfen. In Zeiten der Finsternis eine helfende Hand sein. Ein schöner Gedanke…

Grenzen der Toleranz – Freizeittoleranz Teil 2

Einleitung

Angeregt durch die vielen Gespräche und den Austausch nach dem Erscheinen der beiden Artikel über Toleranz von Br. Hagen und mir, habe ich weiter philosophiert über die Grenzen der Toleranz und wodurch sie entstehen, oder sich verändern. Natürlich möchte ich gerne auch den Personen danken, die den Artikel gelesen haben und über die vielen positiven Zuschriften, welche mich dazu erreichten.

Ein spannendes Zitat, welches mich erreicht hat, möchte ich gerne mit euch teilen: „Warum dann FM und nicht das Original, z. Bsp. Humanistische Weltbund: Rituale ohne Gottesbezug. Warum in einen Fußballverein eintreten und dann versuchen Handball zu spielen? „Ich halte den Glauben an ein göttliches Wesen für Blödsinn… Ich bin ein Feind jeder Religion…“ Toleranz? Fehlanzeige…“

Ich möchte hier eines klarstellen. Der mir hier falsch zugewiesene Satz „Ich halte den Glauben…“ ist nicht von mir, wie es gern ein Bruder darstellen wollte. Das Zitat ist nach wie vor von Richard Dawkins und der ist kein Bruder Freimaurer, sondern immer noch Evolutionswissenschaftler und Antitheist. Wie es um seine Toleranz bestellt ist, ist sicherlich seine persönliche Sache. Der Vergleich mit dem Fußball/Handball Verein gefällt mir gut. Aber dann sage ich offen: Warum Freimaurer werden und dann Religion sein wollen? Dann doch bitte in die Kirche oder freie Gemeinden gehen.

Humanismus ist ein freimaurerischer Grundpfeiler und war die Ausgangslage vieler humanistischer Bunde und Gruppen, die oft sogar von Brüdern Freimaurer gegründet wurden. Daher wäre auch hier ein Eintritt durchaus nicht abwegig.

Doch gerade in dieser Diskussion kam die Frage auf, wie sich die Grenzen der Toleranz zusammensetzen. „Die Wurzel liegt im Lateinischen und meint beides, Tragen und Ertragen, Dulden und Erdulden.“ Aber was sind denn Grenzen, persönliche oder gesellschaftliche und wie entstehen sie. Sind diese fest oder verschieben sie sich und was lassen wir zu und was ertragen wir?

Entstehung der Grenzen

Grenzen der Toleranz sind sicherlich nicht angeboren, sie werden im Laufe der Jahre durch Erziehung geprägt. Anerzogen und vorgelebt von den Eltern, Kindergarten und später Schule, aber auch dem sozialen Umfeld, in dem wir aufwachsen. Hierbei kommt zudem oft die Frage auf, ob es eine Religion braucht, um ethische und moralische Werte zu vermitteln. Um die Antwort gleich wegzunehmen, nein, es braucht keine. Natürlich sind unsere Wertvorstellungen in Deutschland christlich geprägt, aber aus historischen Gründen. Grundsätze, beispielsweise dass man niemanden umbringt, dass man nichts stiehlt usw. sind aber keine religiösen Dogmen, sondern einfach Umgangsformen der Menschen untereinander. Wenn wir unsere eigenen Werte an unsere Kinder weitergeben, dann prägen und formen wir hierbei auch einen Menschen in seinen ethischen und moralischen Vorstellungen.

Vorurteile

Und hier kommt schon direkt das nächste Problem. Das Vorleben der Werte und die Weitergabe an jüngere Generationen. Was aber, wenn unsere persönlichen Grenzen im Bezug auf Toleranz geprägt sind durch Vorurteile? Wie schwer sind diese oft zu erkennen? „Vorurteil heißt ein Urteil, wenn eine Person, eine Gruppe, ein Sachverhalt oder eine Situation vor einer gründlichen und umfassenden Untersuchung, Abklärung und Abwägung beurteilt wird, ohne dass die zum Zeitpunkt der Beurteilung zur Verfügung stehenden Fakten verwendet werden“, so steht es bei Wikipedia. Wir alle fällen sie, ob wir dies nun möchten oder auch nicht. Ich selbst nehme mich hier nicht aus. Doch auch gerade hierdurch wird uns oft unbewusst eine Grenze der Toleranz gesetzt. Wir haben Schubladen, in denen wir Menschen und Gruppierungen stecken und einsortieren. Damit verbunden aber auch direkte Grenzen und Abgrenzungen. Doch die Aufklärung sollte uns eines gelehrt haben, nämlich das „Sapere Aude“, also „Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“! Die Grenzen der Toleranz bedingt durch Vorurteile sind oft nur im Kopf und können mit dem Verstand überwunden werden.

Haben wir erkannt, dass wir alle dazu neigen, in Schubladen zu denken und Vorurteile zu haben und haben wir uns dann die Mühe gemacht, diese Vorurteile zu prüfen und zu „verbindlichen Urteilen“ zu machen, dann können wir uns in der Toleranz üben und diese Schranken überwinden.

Gesellschaftliche Grenzen

Natürlich gibt es nicht nur die anerzogenen, sowie die Grenzen im Kopf, es gibt auch die gesellschaftlichen Grenzen der Toleranz. Oft höre ich auf die Nachfrage von Kindern und Jugendlichen, wenn die Eltern ihnen etwas für sie unverständlicher Weise verbieten, als Begründung ein „das gehört sich nicht“. Hier gibt es also Grenzen, die dem Allgemeinwohl diesen und die der Menschlichkeit gebühren. Nicht stehlen, nicht töten sind Grundsätze, über die man wohl nicht diskutieren darf. Sexuelle Übergriffe und Missbrauch sind ebenso gesellschaftliche Grenzen und werden nicht toleriert. Zumindest auf den ersten Blick. Schauen wir einmal weiter und hinterfragen wir:

Wie steht es hierbei um einen Tyrannenmord? Hätten die Verschwörer um Graf von Staufenberg ihr Vorhaben umsetzen können und 1944 Adolf Hitler durch ein Attentat ermordet, würde man sie dann nicht heute feiern für einen Mord? Oder müssen wir hier gar abwägen, auf wessen Kosten mehr Morde gingen? Wäre der militärische Abschuss eines entführten Passagierflugzeuges tragbar, wenn man dadurch verhindern könnte, dass noch mehr Menschen getötet werden? Wie gehen wir mit einem Scharfschützen um, der den Geiselnehmer tötet um die Geisel zu befreien? Gerade in diesen Fällen muss man die offensichtliche Übertretung von Grenzen, und somit seine eigenen Toleranz  zulassen und hier wird sie auch befürwortet.

Wäre das stehlen von Geldern nicht gut, wenn man es verwenden würde um Arme und Hilfsbedürftige zu unterstützen? Eine Umverteilung von Geldern und Ressourcen käme vielen zu Gute. Viele der Industrienationen haben jahrelang nur genommen und Entwicklungsländer bzw. Schwellenländer gezielt ausgebeutet, um sich ihren eigenen Wohlstand zu sichern.

Hier kommen Kinderschänder mit geringen Strafen davon, ohne sich ein Bild davon zu machen, welchen Schaden sie auf den Seelen der Betroffenen hinterlassen. Hier kommen Steuersünder mit minimalen Strafen davon, wenn sie sich selbst zur Anzeige bringen? Wo ist hier das Maß der Toleranz und damit auch das Maß an Gerechtigkeit? Sexuelle Übergriffe auf Frauen werden erst seit einigen Monaten verstärkt zur Anzeige gebracht. Diese Liste kann man beliebig lange fortsetzen…

Grenzen im Wandel – neue Toleranz

Allerdings zeigt gerade das letzte Beispiel auf, wie sich diese gesellschaftlichen Grenzen der Toleranz auch verschieben können. Eine flapsig angebrachte, sexuell anzügliche Bemerkung über die neue Kollegin war vor ein paar Monaten noch „toleriert“, nun aber kann dagegen angegangen werden.

Man stellt also fest, dass sich die Grenzen der Toleranz im gesellschaftlichen Wandel befinden können. Norme und Werte werden (und müssen auch weiterhin) überdacht und dem Wandel der Zeit angepasst werden. Strafen und deren Maß entstehen oftmals aus der Notwendigkeit heraus. War es vor knapp 15 Jahren noch erlaubt, während des Autofahrens sein Handy zu verwenden, so sind die Strafen diesbezüglich angepasst und vor allem erhöht worden. Die Toleranz hat sich hier verschoben zu Gunsten der Sicherheit im Verkehr.

Im Falle von Kindesmissbrauch, aber auch bei Übergriffen im öffentlichen Raum setzt die Polizei vermehrt auf die Mithilfe der Bürger zur Identifizierung von Verdächtigen und schränkt dabei bewusst die Persönlichkeitsrechte des Täters ein, was von sozialen Netzwerken und der Gesellschaft gern toleriert wird, da es ein gutes „Mittel zum Zweck“ ist.

Grenzen werden gerne verschoben, wo sie einem „guten oder höheren Zweck“ dienen. Wenn sie der Allgemeinheit dienen, dann sind wir gerne tolerant und lassen die Verschiebung zu.

Freimaurerische Grenzen der Toleranz

Wie schon in der Einleitung erwähnt gibt es sie immer noch, die fundamentalistischen Freimaurer, welche behaupten: „wenn es die Großloge von England so sagt, dann ist es so!“ oder auch gerne „das war schon seit 300 Jahren so“. Aber ist es nicht auch an uns, hier die Frage nach dem Zeitgeist zu stellen und die Toleranz und ihre Grenzen zu überdenken? Warum sollten wir an einem Tempel der Humanität arbeiten, der alle Menschen vereint, aber zeitgleich keine Frauen als Freimaurerinnen zulassen? Warum sollten unsere Brüder und Schwestern aus „irregulären“ Großlogen, wie dem Grand Orient d´France, keine genauso guten Brüder und Schwestern sein, wie auch wir selbst? Warum sollten nur Brüder Freimaurer werden können, die an die Lehren Jesu Christi glauben, aber der Atheist, der sich diesem ethischen Bund anschließen will, verweigert man den Zutritt? Es gilt hier Toleranz walten zu lassen und sich klar zu werden, wie der moderne Zeitgeist und die 300 Jahre alten Traditionen miteinander vereinbar sind. Der so oft erwähnte Spagat zwischen der Tradition und der Moderne muss unser Ziel sein und das ist ohne dem nötigen Maß an Toleranz und Augenmerk fast nicht zu schaffen.

Tolerant muss die Schwester oder der Bruder oftmals in der Loge beim Umgang untereinander sein. Der menschliche Faktor ist immer schwer zu kalkulieren und auch abhängig von der Tagesform und den Laune(n). So kann es durchaus vorkommen, dass man sich plötzlich „auf den Schlips getreten fühlt“, wenn ein Bruder an einen herantritt. An einem anderen Tag, in einer anderen Verfassung, würde man dann beispielsweise darüberstehen. Es ist also immer auch das Arbeiten an einem Selbst und an der inneren Einstellung, die zu einem neuen Blickwinkel auf die eigene Toleranz führt.

Religiöse Grenzen

Toleranz gegenüber den Ungläubigen ist in den meisten Religionen nicht gegeben. Es wird immer versucht den eigenen Standpunkt zu verteidigen, sogar bis hin zum Aufruf zum Mord. Dabei muss es sich nicht um den schon erwähnten Dschihad handeln, nein, das fängt auch im Kleinen an, wenn die katholische Kirche einen jahrhundertealten Bann über die Freimaurer ausspricht. Aber zeugt es nicht schon von innerer Stärke, wenn man hier Toleranz walten lassen kann und eine Vielfalt an Religionen zulässt? Gerade einen offenen Geist gilt es doch zu fördern und hier geht dies nicht ohne die nötige Toleranz. Oft wird mir unterstellt, dass ich gegenüber Gläubigen (oder, um es auf die Freimaurerei zu beziehen, gläubigen Brüdern) intolerant wäre. Nur weil ich meine Meinung als Atheist vertrete? Mit der gleichen Weise, wie es die erwähnten Brüder ebenso mit der ihrigen Position tun? Nein, es ist nicht tolerant, wenn ich diese Brüder oder Menschen mit allen Mitteln von meinem Standpunkt überzeugen will. Aber genau das möchte ich nicht! Ich möchte aufzeigen, dass es mehrere Wege und Möglichkeiten in einer modernen Freimaurerei gibt, sich hier zu finden, seinen Weg zu gehen und an seinem Stein zu arbeiten. Ich würde gerne die Schwestern und Brüder zum Sapere Aude, zum Denken mit einem freien Geist anregen. Daher schätze ich die Toleranz innerhalb der Freimaurerei hoch ein, appelliere aber auch an jede religiöse Strömung, egal welcher Art.

Persönliche Grenzen

Persönliche Grenzen der Toleranz kommen und gehen, sie verschieben sich, bauen sich ab und strukturieren sich um im Laufe eines Menschenlebens. Sie werden wie eingangs erwähnt geprägt durch Erziehung und dem Einfluss unseres Umfeldes. Gerade dies bewirkt aber auch, dass sich unsere Grenzen verschieben und neu justieren im Laufe unseres Lebens. Wer das Lernen und die Suche nach Erkenntnis nicht aufgibt und einen Wissenshunger hat, der wird auch seine Vorurteile hinterfragen und sie durch Urteile ersetzen. Hierbei setzen wir unbewusst auch die neuen Grenzen unseres Handelns und somit auch unserer Toleranz. Natürlich muss die Frage gestellt werden, ob das Entstehen von ethischen Werten und Normen einen Glauben an ein wie auch immer geartetes höheres Wesen voraussetzt. Wir können dies vermeiden, denn wir wissen heutzutage aus der Evolutionstheorie und der Psychologie wie sich unsere persönlichen Wertvorstellungen zusammensetzen. Ethische Werte und die Erziehung dieser, sind in unserer westlichen Welt jedoch sehr stark mit den Werten und Geboten der Religion verbunden. Historisch war die Kirche die Institution, welche in früheren Jahrhunderten dies zu vermittelt versuchte. Die moralischen Grundfeste wurden durch Kirchenvertreter von den Kanzeln dieser Welt gepredigt. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn dieses Wertesystem in die moderne Welt übernommen wurde. Es bildet die Grundlange für unsere ethischen Werte. Dabei sich allerdings von der Religion zu lösen, ist wiederum eine gesellschaftliche Entwicklung und ein stetiger Prozess.

Willkommene Intoleranz

Aber muss ich (auch als Freimaurer) immer und über all tolerant sein? Ich denke eher nicht. Es gibt Dinge, bei denen muss, sollte und darf man nicht tolerant sein. Ein sichtbares Zeichen einer charakterlichen Entwicklung ist das Eintreten für Ideale und Vorstellungen. Ich will nicht sagen, dass man nicht auch an seiner Toleranz arbeiten kann und dadurch die Grenzen auch verändert werden, allerdings ist es hilfreich, eine strikte Position zu beziehen und nicht von ihr zu weichen. Ein „eiserner Wille“ kann oftmals fälschlicherweise als mangelnde Toleranz ausgelegt werden, wohingegen er eher ein sichtbares Zeichen eines ausgeprägten Charakters ist.

Fazit

Bevor nun wieder behauptet wird, ich wäre intolerant gegenüber Brüdern oder Schwestern, welche an eine wie auch immer geartete höhere religiöse Lebensform glauben, so möchte ich klarstellen, dass dies nicht der Fall ist. Ich habe viele sehr gläubige Brüder und Schwester und so sehr ich auch diesen Standpunkt nicht teile, genauso sehr schätze ich den Austausch mit ihnen. Sie helfen mir alle, mich in Toleranz zu üben und auch meine gedanklichen Grenzen verschwinden zu lassen.

In einem Freimaurer Forum hatte ein Bruder geschrieben, dass sich die Toleranz hinter den anderen Säulen der Freimaurerei (Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit, Humanität), vor allem hinter der Brüderlichkeit stellen sollte. Also geht erst die oft geschworene Brüderlichkeit vor und dann kommt es zur Toleranz. Allerdings denke ich, dass alle diese Säulen gleichberechtigt stehen müssen. Und Toleranz darf dabei nicht hinter einer der anderen stehen, denn gerade in der Toleranz müssen wir uns innerhalb der Vereinten Großloge von Deutschland oft mehr als nur einmal üben.

Ich selbst übe mich gerade auch hier an meiner Toleranz gegenüber solcher „brüderlicher Anfeindungen“ in sozialen Netzwerken…und haue noch ein paar Ecken ab…und dann gehe ich auf meine Reise von der Intoleranz zur Toleranz!

 

Rezension von Klaus-Jürgen Grün „Wörter machen Götter“

Als ich die Stellungnahme der Großloge VGLvD zu dem neuen Buch von Br. Klaus-Jürgen gelesen (Stichwort: „Hetzschrift“) hatte und die Diskussionen in den geheimen Gruppen im Netz verfolgte, beschloss ich, mir meine eigene Meinung zu bilden und bestellte mir das Buch.

Zuerst einmal möchte ich folgendes feststellen: Die meisten der Personen und Brüder, welche in den Foren ihre „Meinung zum Besten geben“ haben scheinbar das Buch nicht gelesen und/oder nur ein paar Zeilen wiedergegeben. Zitate wurden hier aus dem Kontext gerissen und Unterstellungen verbreitet, welche es so nicht gegeben hat. Daher möchte ich versuchen eine objektive Buchrezension zu erstellen.

Eine gewisse Ähnlichkeit zum Buch von Richard Dawkins „Der Gotteswahn“ lässt sich sicherlich nicht von der Hand weisen. Ebenso wie Dawkins wird hier versucht der „Gottesbegriff“ genauer zu definieren. Auch unser Br. Klaus-Jürgen nähert sich dem Begriff und erörtert dabei die Zwickmühlen, in denen sich die modernen Religionen befinden. Er versucht den Unterschied zwischen der Großen Landesloge und der humanitären Freimaurerei durch wissenschaftliche Vergleiche und Metaphern zu erklären. Dabei scheut er sich auch nicht, Vergleiche mit Schizophrenie und der blühenden Fantasie einiger Betroffener zu ziehen.

Er bezeichnet die Große Landesloge als eine „christliche Sekte“ und führte auf vielen Seiten eine Begründung für deren Theorie aus, dass die einzig wahre Freimaurerei aus den Lehren Jesu Christi entstanden sei. Dabei scheut er sich nicht eine unbequeme Argumentationskette aufzubauen, welche die Argumente des Ordens ad absurdum führen und auf wissenschaftliche Basis zu wiederlegen. In seinen Zeilen spiegelt sich aber auch die Frustration wieder, die er im Laufe der Jahre von der Großen Landesloge erfahren musste. Die Anfeindungen Seitens des Ordens lassen sich nicht von der Hand weisen, denn schon seit Jahren kämpft Br. Klaus-Jürgen gegen die Meinung, dass die Ordenslehre die einzig wahre Freimaurerei beschreibt, obwohl deren System weltweit kaum verbreitet ist.

Gegen Ende des Buches geht er auf die Geometrie ein, die Zentral in die Lehren der Freimaurer eingeflossen ist und stellt hierbei auch einen Anti-Gottes-Beweis in den Raum:

„Während im Altertum die dogmatische Auffassung von der Ordnung durch Zahl und Maß vorherrschte, nämlich, dass der Welt selbst noch Ordnung, Zahl und Geometrie zeitlich vorhergegangen seien, erinnert die freimaurerische Vorstellung von ordo ob chao an den Selbstorganisationsprozess des Universums. Ordnung ist dabei das Resultat der Entwicklung, nicht ihr Ausgangspunkt. Schon aus diesem Grund steht die Annahme, dass tatsächlich ein Weiser Baumeister die Welt in der ersten Stunde geordnet habe, im Widerspruch zur Ordnung, die das Resultat eines lebendigen Prozesses ist.“

Die beschriebene Arbeit an der Ordnung, am rauen Stein und an uns selbst ist das zentrale Element der humanitären Freimaurerei und eine feste Säule im Tempel der Humanität. „Von einem ordnenden Geist oder Gott ist allerdings in der Freimaurerei nicht die Rede. Ordnung ist das Resultat von Arbeit.“

Gravierend ist sicherlich die Tatsache, dass die Große Landesloge ihre Wurzeln im schwedischen System hat und daher auch die „Alten Pflichten“ von Anderson, als auch die „Basic Principles“ der UGLoE bis zum heutigen Tage ablehnt. Damit hat sie selbst schon den Grundstein für eine Irregularität, als auch für den Zwist unter den Brüdern gesorgt.

Hinzu kommt die Verschwiegenheit (oder besser Heimlichtuerei) rund um die neue Verfassung des Ordens, wenn der Bruder in den 10. und damit höchsten Grad berufen wird. Lt. Informationen, die Br. Klaus-Jürgen vorliegen, scheint diese Verfassung selbst gegen bestehende Gesetze der BRD zu verstoßen. Daher kann man seinen Schritt nachvollziehen, eine Auflösung der VGLvD in der heutigen Form zu fordern.

Natürlich scheint die Forderung nach der Auflösung der VGLvD im ersten Moment etwas extrem klingen, ist aber sicherlich nach der Ausführung der Gründe ein denkbarer Weg. Br. Klaus-Jürgen schließt das Konstrukt einer Vereinten Großloge nicht gänzlich aus, aber in einer neuen, reformierten Form. Dabei sich auf die Grundsätze der Bruderschaft berufend und nicht auf die Lehre Jesu Christi.

Was wiederum außen vorgelassen wurde, ist die Tatsache, dass die Vereinte Großloge von Deutschland eine Schnittmenge verschiedener Auslegungen von Freimaurerei ist und alle reguläre Brüder sind. Wir alle müssen zusammenarbeiten an dem gemeinsamen Ziel und an einer modernen Freimaurerei arbeiten. Einigkeit in der Vielfalt.

Es wäre zu viel und meiner Meinung nach übertrieben, wenn man das Buch von Br. Klaus-Jürgen als Hetzschrift hinstellt. Natürlich ist es sehr kritisch geschrieben, vor allem gegenüber der Großen Landesloge, aber durchweg gut begründet und hergeleitet. Wer die immer andauernden Diskussionen zwischen Brüdern der GLL und den anderen Obödienzen, sowie die Anfeindungen von Seiten des Ordens in den öffentlichen Netzwerken verfolgt, der kann nachvollziehen, was Br. Klaus-Jürgen zu diesem Schritt bewegte.

Kritisch, offen und sehr sachlich geht er an das Thema ran und erarbeitet anhand von Beispielen aus der Wissenschaft, Medizin und der Philosophie seine Theorien und belegt seine Aussagen, wenn auch in Teilen provokant.

Für ein Laien nicht immer einfach zu lesen, aber klar nachzuvollziehen. Daher ein unbedingtes Muss für alle offenen Brüder, die für diese Diskussion sind oder auch für Brüder, die mit dem Thema noch nicht so vertraut sind. Das Buch wird sicherlich den Umgang der Brüder untereinander beeinflussen und nachhaltig ändern.

Zu beziehen beim Salier Verlag unter:

https://salierverlag.de/produkt/woerter-machen-goetter/

Laut denken mit einem Freund – ab sofort erhältlich

„Laut denken mit einem Freund“

ist seit 22.03.18 als Taschenbuch erhältlich im Salier Verlag oder auch jedem Buchhändler eures Vertrauens.

Taschenbuch: 76 Seiten

Verlag: Salier; Auflage: 1 (1. März 2018)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3943539911

ISBN-13: 978-3943539912

„Was wäre, wenn wir einmal die «Alten Pflichten» beiseiteließen und sich Brüder träfen, um über Politik, Gesellschaft und Religion zu diskutieren?
Die Loge als geschützter Raum diente in früheren Zeiten wohl genau dazu.
Angelehnt an Lessings Freimaurergespräche zwischen Ernst und Falk lässt René Schon die Brüder Schwarz und Weiß über Themen aus Politik, Gesellschaft und Religion miteinander streiten. Natürlich stets mit freimaurerischem Hintergrund, aber auch ohne Tabus und ohne Denkverbote.“

Ich wünsche allen Interessenten viel Spaß beim Lesen. Über Rückmeldungen (egal welcher Art) freue ich mich immer.

Direkt bestellbar bei Verlag unter:

https://salierverlag.de/produkt/laut-denken-mit-einem-freund/

Oder auch:

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Ebenso in der Schweiz erhältlich:

https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/rene-schon/laut-denken-mit-einem-freund/id/9783943539912

http://www.elantis.ch/product/3000000763700/Sach–und-Fachbuecher_Fachbuecher/Ren-Schon/Laut-denken-mit-einem-Freund

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ – eine philosophische Betrachtung

Dieses Zitat brachte die Bild Zeitung vor einigen Tagen als Aufmacher, nach einem Gespräch mit dem neuen Bundesinnenminister und ehemaligen Ministerpräseitenden von Bayern, Horst Seehofer.

Obwohl das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wurde und ich gerne den vollständigen Wortlaut wiedergeben möchte („Nein. Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt. Dazu gehören der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben.“), lies dieser Satz die Gemüter in unserem Land hochkochen und viele Politiker fühlten sich genötigt, ebenso einen Kommentar abgeben zu müssen.

Die Frage, ob man Sätze aus dem Zusammenhang reißen sollte, um damit Presse zu machen, müssen sich die Nachrichtenagenturen selbst beantworten. Aus einem ethischen Standpunkt betrachtet, ist das eher bedenklich und dient der Stimmungsmache.

Philosophieren wir etwas über die Worte von Herrn Seehofer. Ihm ging es um eine Abgrenzung aus einer geschichtlichen Perspektive. Darüber können wir nun spekulieren und streiten, wie es schon seit Tagen in den deutschen Medien) der Fall ist.

Aber richten wir doch das Augenmerk auf den Satz selbst und stellen wir uns die Frage, ober der Islam zu Deutschland gehören kann. Was genau soll das bedeuten?

Religion prägt die Gesellschaft

Rein geschichtlich muss man die Prägung der Gesellschaft durch das Christentum sicherlich bestätigen. Leider wird dabei auch das Judentum vergessen, welches in den letzten Jahrhunderten ebenso die Gesellschaft in Deutschland (zumindest bis zu dem unrühmlichen Ende 1933) geprägt hat. Aber hier sind wir schon bei einem wichtigen Punkt: Der Islam hat die Gesellschaft nicht geprägt. Damals nicht, wurde inzwischen aber ein fester Bestandteil der Gesellschaft durch die rund 4 Mio. Muslime in Deutschland. Zumindest muss man also zustimmen, dass er ein Teil der Gesellschaft in Deutschland im Jahr 2018 ist. Wie aber auch weitere Religionen, sowie „Nicht-Religionsgemeinschaften“, Sekten und freigläubige Vereine, und noch viele Weitere. Die „Dazugehörigkeit“ lässt sich also ebenso bestätigen, wie die eines Fußballvereins oder eines Kegelvereins.

Religion und Staat

Doch Seehofer sprach nicht von der Gesellschaft, sondern von „Deutschland“, also dem Land, dem Staat. Nun muss man berechtigt die Frage stellen, ob eine Religion (welche es auch immer sein mag!) zu einem Staat gehören kann. Dies kann eigentlich in einer säkularen Gesellschaft, wie die in Deutschland, nicht der Fall sein. In unserer Gesellschaft haben wir seit dem Zeitalter der Aufklärung in einem noch andauernden Prozess die Trennung von Staat und Religion. Das Ganze entstand aus dem Prozess der Säkularisation, der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen. Noch immer wurde dieser Prozess nicht ausreichend vollzogen. Kirchen haben noch einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft. Alleine in den Schulen ist nach wie vor ein Religionsunterricht im Bildungsauftrag des Staates enthalten, auch wenn die Anzahl an Teilnehmern des Ethikunterrichtes in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Als ich selbst vor über 20 Jahren diesen Weg beschritt, mussten erst Lehrer für das neue Unterrichtsfach gefunden werden und selbst meine Eltern mussten zustimmen, dass ich den Religionsunterricht verlassen konnte.

Gerade in Zeiten mit einem wachsenden Anteil von Populisten, welche sich gerne auf das Christentum berufen, um gegen den Islam zu wettern, müssen wir dem entgegenhalten und sagen, dass KEINE Religion zum deutschen Staat gehört (gehören darf), und generell nicht gehören sollte.

Die einzig wahre Religion

Wer sagt denn, welche die „richtige“ Religion sei? Wie schon Anderson in den Alten Pflichten, die Religion in der alle Menschen übereinstimmen? Ist die eine Religion dann mehr wert als die andere? Und wie bemessen wir den Stellenwert? Schwierig…

Was wäre denn die logische Konsequenz aus dieser Idee, wenn wir sie weiterspinnen? Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Wäre korrekt, wenn auch populistisch und nicht vollständig. Denn der Richtigkeit halber, müsste man ergänzen: „[…] Aber ebenso wenig das Christentum, das Judentum, der Hinduismus und, und, und.“ Fassen wir zusammen, dass in einem säkularen Staat KEINE Religion zum Staat gehört und Sätze wie beim Amtseid des Bundeskanzlers/der Bundeskanzlerin oder der Minister müssten angepasst werden. Natürlich erfolgte dies bereits, da der Eid auch ohne eine religiöse Beteuerung abgeleistet werden kann.

(„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“). Schließlich muss ich meinen Eid auch erfüllen, wenn mir „Gott“ wahrlich nicht helfen kann/mag/möchte. Es liegt an dem einzelnen Menschen, der dieses Amt ausfüllt, mit seinem Wort und seinen Taten dafür geradezustehen. Das Gewissen und die Moral regeln das Handeln. Dies wiederum sollte bei jedem Politiker ausreichend ausgeprägt sein. Zumindest habe ich diesen Anspruch an meine sogenannten Volksvertreter.

Fazit

Ich möchte kurz erwähnen, dass ich weder Populist bin, noch mich gerne in dieser Ecke sehe. Ich bin ebenso kein Verfechter einer Religion und bekennender Atheist. Daher finde ich diese Diskussion um so überflüssiger, da ich eben davon überzeugt bin, dass der Staat und die Religion, welche durchaus zur Gesellschaft gehört, getrennt werden müssen. Daher sehe ich die Aussage von Seehofer aus dem Blickwinkel, dass sie nicht vollständig ist. „Religion gehört nicht zum Staat Deutschland“ wäre sinnvoller. Aber dies ist noch ein weiter Weg…