Winkel & Zirkel Tours

Wer schon immer mal mit einer Stadtführung geliebäugelt hat, bei der vor allem freimaurerische Themen im Vordergrund stehen, dem kann ich die Touren von Br. Linus und Br. Philip empfehlen.

Ich selbst hatte in der letzten Woche die Gelegenheit, eine der Touren von Br. Linus in Berlin zu besuchen und möchte sie jedem Interessenten ans Herz legen. Hier lernt man nicht nur viel über die freimaurerische Geschichte unserer Hauptstadt, nein, Linus ist auch ein ausgezeichneter Reiseführer und glänzt mit vielen Details, die selbst einen erfahrenen Bruder beeindrucken werden. Er präsentiert dem Zuhörer Bilder aus vergessenen Tagen und lässt die Zeit um einen völlig vergessen. Die Touren sind aber nicht nur für Freimaurer zu empfehlen, auch für jede Interessentin/jeden Interessenten, der in diese Materie etwas hineintauchen will.

Br. Linus bietet hierbei nicht nur Touren in Berlin selbst an, auch im benachbarten Potsdam kann man mit ihm auf Erkundung gehen. Wer einmal auf ganz andere Art etwas über Freimaurerei erfahren möchte, der kann sich auch einer Tour über die alten Friedhöfe von Berlin anschließen, bei denen es vor allem um die Gräber berühmter Freimaurer geht. Auch hier weiß Br. Linus mit Detailreichtum zu glänzen.

Eine Führung mit unserem Br. Philip in Hamburg steht leider noch aus, aber mein lieber Philip, ich werde auch dich bald einmal besuchen.

Ich möchte abschließend noch ein kurzes Interview sowie einige Bilder von und mit Br. Linus präsentieren.

 

Interview mit Linus Matthias Scheffran

Wie und wann kam die Idee zu den „Winkel und Zirkel Touren“?

Vor ca. 6 Jahren hatte ich das erste Mal einen Vortrag zu den Architekten, Bauingenieuren und Bildhauern die in den Logen in Berlin und Potsdam Mitglieder waren, gehalten. Die Brüder damals gehörten zu den bedeutendsten Baumeistern und Künstlern ihrer Zeit. Das Thema habe ich dann weiterentwickelt und 2014 als Großlogen-Vortrag gehalten. Im Anschluss an den Vortrag wurde ich angesprochen die vorgetragenen Orte, Bauten und Personen einmal als Stadtführung abzulaufen und zu erklären.

Was war deine Motivation dabei?

Die Brüder die in Berlin gelebt und gewirkt haben, waren z.T. in ihrer Zeit sehr bedeuten, ihre Handlungen, Gedanken und Arbeiten sind teilweise heute noch existent und wirken auf uns nach. Insbesondere die Brüder die in der Epoche der Aufklärung lebten, haben die gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst und mit daran gearbeitet eine demokratischere Gesellschaft zu entwickeln.

Wie ist die bisherige Resonanz und wie ist das Feedback?

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass es diese Führungen gibt, die Anfragen kommen jetzt vermehrt rein. Die Touren finden regulär an Samstagen statt, für Stiftungsfeste oder vorweihnachtliche Feiern vereinbaren wir auch andere Termine. Momentan sind die Wochenenden für den Sommer gut nachgefragt.

Wie und wo können dich Interessenten buchen oder Anfragen stellen?

Die Anfragen können über die Webseite, das Facebook Profil oder über den Blog von Br. Philip Militz in Hamburg gehen. (Hinweis: die Links befinden sich am Ende des Artikels)

Kannst du uns etwas über die Durchführung erzählen? Wie lange es dauert?

Eine Standarttour in Berlin dauert ca. 2h 15min. Sie startet am Brandenburger Tor, geht über den Gendarmenmarkt und endet „Unter den Linden“ z.B. am Kronprinzen Palais. Die Touren können auch individuell mit einer Gruppe abgestimmt werden, der Besuch eines Logenhauses oder anderer Orte der Freimaurerei sind möglich, das gleiche gilt für Potsdam.

Ist es nur für Maurer oder auch profane Interessenten geeignet?

Jeder kann diese Tour buchen, die Inhalte sind allgemeinverständlich dargestellt und verständlich. Falls eine Loge eine Tour nur für sich buchen möchte und unter sich bleiben möchte, dann geht das auch. Wenn Logen teilnehmen, bringen sie oft ihre Familie mit und machen die Tour zu einem Wochenendausflug.

Vielen Dank an Br. Linus für die Zeit, die Tour und das Interview

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hierüber könnt ihr bei Interesse buchen:

http://www.winkel-zirkel-tours.de/

http://freimaurer-wiki.de/index.php/Winkel_%26_Zirkel_Touren

https://www.freimaurer.online/touren/

Worte zur Sommersonnenwende am 25.06.2017

1.

Sonnwendfeuerflammen

Künden von den Höhn:

Aus dem Feuer stammen

Werden und Vergeh´n

An den Gluten wurden

Erd- und Sonnenball,

Schwinden durch die Gluten

Wieder in dem All.

 

2.

Rings im Tal die Rosen

Stehn in Königspracht,

Duft und Schönheit kosen

Sinn und Herz mit Macht.

Sehr der Ähren Wellen

In der Sonne glühn,

Ihre Körner schwellen –

Reife folgt dem Blühn.

 

3.

Feuer, das ist Leben

Kälte bringt den Tod

Sonnenstrahlen geben

Rosen uns und Brot.

Sommersonnen walten

Füll´ auch unsre Brust,

Dass sich darin erhalten

Lebensmut und -Lust.

 

4.

All der Rosen Prangen

Allen Feuers Glut

Nehmen uns gefangen

In die Lebensflut

Führe uns zum Lichte!

Edler Menschensein

Reife alle Früchte:

Herzenssonnenschein!

 

 

 

Lieber Schwestern, liebe Gäste und meine lieben Brüder,

das kleine Gedicht von Br. Bergmann aus (Breslau) waren die Worte des F.z.a.S. zur Sommersonnenwende 1924. Ich möchte sie als Erinnerung und Hommage an unseren Freimaurerbund, der dieses Jahr 110 Jahre alt geworden wäre, gerne zitieren. 110 Jahre im Geiste der Freidenkerbewegung, Wissenschaft und Reformfreimaurerei. Was für eine besondere Freude.

Mit den Worten zum leben-bringenden Feuer, der Wärme, Sonnenstrahlen und Licht möchte ich überleiten zu ein paar Zeilen und Gedanken zum Leben selbst:

 Ein Appel an das Leben

Der Freimaurer wird dazu angehalten, sich seiner Sterblichkeit bewusst zu werden. Und wenn man sich der Endlichkeit seines Lebens bewusst geworden ist, so kann man dann auch anfangen das Beste daraus zu machen. Einfach mal bewusst zu leben. Kennt ihr nicht auch das Gefühl von Morgentau an den nackten Füssen, wenn ihr früh morgens über eine Wiese lauft? Den Anblick der lila Wolken an einem frühen Sommermorgen? Das Gefühl eines Sommerregens auf der Haut? Einfach mal im Park stehenzubleiben und den Geräuschen zu lauschen und dabei die Natur und die Tiere zu beobachten? Es gibt sicher tausende solcher Beispiele.

Klar, als junger Mensch hat man viele Träume und Ideen und man will so viel machen und erleben. Doch dann werden wir von den Fesseln des Alltags, der Uhrzeit, der Leistung aus Arbeit, des Geldes und der gesellschaftlichen Normen und Regeln gefangen. Wir mutieren unauffällig zu einem kleinen Zahnrad im Getriebe der Gesellschaft und laufen den Träumen noch hinterher. Wir reden uns ein, dass wir ja noch „so viel Zeit haben“, doch eines Tages werden wir wirklich alt sein und blicken zurück auf unser Leben. Sollen wir dann wirklich nur erzählen, welche Träume, Wünsche und Ideen wir hatten? Wäre es nicht so viel mehr wert, wenn wir sagen können was wir erlebt haben, was wir verändert haben, wo wir ein Zeichen setzen konnten?

Wenn wir einmal unseren Kindern und Enkeln von unserem Leben erzählen, wollen wir da nicht ein paar aufregende Geschichten präsentieren können, mit denen wir allem, was nach uns kommt, sagen können, wie wir Einfluss genommen haben und eine Kerbe in der Geschichte hinterlassen konnten?

Jeder wünscht sich, dass sein Leben Bedeutung hat. Dies geschieht aber nicht von selbst, nein, wir müssen diesen Schritt jeder für uns gehen und unseren Hintern hochheben und eine Bedeutung finden. Dem Leben einen Sinn geben, denn das macht uns glücklich und zufrieden. Wir sind nicht dafür hier, unseren Verstand abzuschalten, monoton zu funktionieren und vor uns hin zu leben. Nein, wir können bedeutende Dinge tun und wenn man eben schon mal klein anfängt. Denn für den einen mag es ein kleiner Schritt sein, eine kleine unbedeutende Handlung, aber für einen anderen Menschen kann eben diese Handlung ein bedeutender und großer Schritt sein. Aber um solche Handlungen auszuführen, müssen wir uns bewusstwerden, welch ein tolles und kostbares Geschenk das Leben ist. Es gilt dieses mit dem nötigen Sinn zu füllen und diesen Schritt muss jeder Mensch für sich selbst gehen.

Daher sollten wir, egal ob Freimaurer, Schwester oder auch jeder andere Mensch, aufhören unsere Zeit sinnlos zu verschwenden und uns einzureden, dass wir für das ein oder andere noch jahrelang Zeit haben. Lasst uns doch mal aufstehen und der Tatsache ins Auge sehen, dass heute der erste Tag vom Rest unseres Lebens sein kann und wir das LEBEN bewusster gestalten sollten. Das hier ist euer aller Erbe, diese Welt mit all ihrer Schönheit und auch allen Fehlern. Doch wenn sie euch nicht gefällt, dann werdet bessere Menschen und ihr kriegt eine bessere Welt. Und dazu muss man einen wichtigen Schritt gehen, nämlich selbst erkennen was man für sich möchte und dann auch was wir damit anderen bieten können. Und wenn man dazu noch weiß, dass seine eigene Zeit auf unserer wundervollen Erde begrenzt ist, dann wird es auch Zeit damit anzufangen…

Und da es ja gerade Wochenende ist, wünsche ich euch allen einen neuen Morgen mit den lila Wolken…genießt das Leben, liebe Freunde!

 

Reformfreimaurerei – Die fünf Thesen von Bruder Günter L. – Eine Stellungnahme & Gedankensammlung

Die folgenden fünf Thesen nach einem Vortrag bei der VGLD, die unsere Aufgaben als Freimaurer im 21. Jahrhundert betreffen und auch in der Humanität 2/2001 abgedruckt wurden, möchte ich nahezu ungekürzt wiedergeben. Entnommen sind sie von der Webseite des Freimaurerischen Gesprächskreises „Grenzakazie“ in Wissembourg, als auch dem Freimaurer Wiki (http://freimaurer-wiki.de/index.php/Traktat:_Wir_bauen_den_Tempel_der_Humanit%C3%A4t).

Ich möchte aus der Sicht eines Reformfreimaurers eine Stellungnahme hierzu abgeben und die Thesen ergänzen. Gerade in dem Jahr, in welchem wir 300 Jahre „moderne Freimaurerei“ wie wir sie heute kennen, feiern, müssen wir uns auch kritischer den je mit ihr auseinandersetzen. Der Gedanke an nötige Reformen und Erneuerungen muss ein Zentraler Bestandteil der Arbeiten innerhalb der Logen, aber auch in den Großlogen werden. Hierzu benötigt es die Unterstützung offener und freidenkender Brüder, die sich aus den Dogmen der Alten Pflichten befreien möchten. Ich selbst hatte mich bereits mit Reformfreimaurerei und einigen Ideen beschäftigt und möchte mit den folgenden fünf Thesen von Br. Günter L. an dieses Thema anknüpfen.

 

1.    Wir müssen politischer werden

Unser selbst gewählter Auftrag ist der Bau am Tempel der Humanität. Das heißt: Wir arbeiten an der Verwirklichung von Humanität im Hier und Jetzt. Wir streben nach einer Gesellschaft, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und das Maß allen Handelns ist. Das ist eindeutig ein politischer Auftrag. Politisch im klassisch-griechischen Sinn: ein Auftrag, der die Öffentlichkeit angeht, der in der Öffentlichkeit ausgeführt werden muss, nicht in der Privatheit.

„Nach Ihren Handlungen wird man Sie werten“ heißt es im Ritual bei der zweiten Reise, nicht nach Ihren guten Absichten oder vornehmen Gedanken. Alles was wir tun erhält erst dadurch seinen Wert, dass es letztendlich in der Öffentlichkeit sichtbar und wirksam wird. Gegebenenfalls eben auch durch parteipolitisches Engagement. Ist es denn wirklich so, dass Freimaurer sich viel lieber mit sich selbst beschäftigen als mit der Welt, in der sie leben? Dass unsere Hauptsorge formalen Dingen gilt wie etwa Basic Principles, Arkandisziplin, Anerkennungsfragen, Regularität, Besuchsregeln und den daraus abgeleiteten Konsequenzen? Diese Regeln und Vereinbarungen sind vor langer Zeit, den damaligen Umständen angemessen, aus bestimmten Gründen und zu bestimmten Zwecken so formuliert worden. Es handelt sich nicht um Offenbarungen und heilige Gesetze. Sie sind veränderbar, wenn sich die Umstände geändert haben.

Anmerkung Freimaurergedanken:

Auch wenn ich den Bau am Tempel der Humanität nicht per se als einen Aufruf zur politischen Arbeit verstehe, so sehe ich es dennoch als eine Art „Arbeit an der Gesellschaft“. Diese kann durchaus auch politischer Art sein. Auch ein Freimaurer muss sich hier engagieren können und politisch tätig sein. Zumindest ein mündiger Bürger, der auch von seinem Wahlrecht Gebrauch macht. Es ist leider inzwischen so geworden, dass viele Freimaurer die Alten Pflichten als ein festes und unüberwindbares Gesetz ansehen. Genau hier müssen wir differenzieren und diese Regeln der Zeit anpassen. Ich stimme hier Br. Günter zu, dass wir uns aus diesem reinen „Vereinsgehabe“ rausbewegen müssen, hin zu einer modernen Form der Freimaurerei. Aber nicht mal die Idee der Erörterung politischer Fragen in den Logen ist neu. Der F.z.a.S. hatte schon in seiner „programmatische Erklärungen des Reformfreimaurerbundes“ im Jahre 1930 diese Überlegung angestellt und den Brüdern ans Herz gelegt:

„Zulassung der Erörterung auch politischer und religiöser Fragen im Tempel: denn ihre Ausschaltung zeugt von mangelndem Vertrauen zur freimaurerischen Idee, die ja das gesamte persönliche und gemeinschaftliche Leben durchdringen und gestalten soll; es entsteht zugleich die Gefahr einer leeren Schönrednerei ohne fruchtbringende Wirkung für den Menschheitsbau.“

Noch immer also beschäftigt sich die Freimaurerei mit ihren Vereinen und den Vereinsstreitigkeiten, anstatt an der großartigen Idee, welche unsere Gründerväter formulierten, zu arbeiten. Wir sind eingeengt von Dogmen und Restriktionen, die wir uns selbst auferlegen, weil wir den Zeitgeist nicht erkennen oder sehen und diese nicht zeitgemäß anpassen wollen. Wir müssten uns gerade in diesen politisch eher schweren Zeiten mit Wirtschaftskrisen, Flüchtlingswellen und politisch instabilen Regionen auf dem Globus positionieren und dies ggf. auch in der Öffentlichkeit und aufhören, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Eine aktive Arbeit am Tempelbau ist gefragt und nicht ein bloßes Schönreden und Wegsehen, wenn es einen selbst nicht betrifft. Nicht im Kreis um sich selbst drehen, sondern aktiv eine helfende Hand reichen.

 

2.    Wir müssen nach innen spiritueller werden

Wir sind nicht nur ein säkularer ethischer Bund und üben uns nicht nur in tugendhaftem Verhalten. Wir sind auch eine Initiationsgemeinschaft und sind damit in der Tradition der klassischen Mysterienbünde auf einem spirituellen Weg zur Selbsterkenntnis. Unsere Rituale leiten uns nicht nur zum kognitiven Erkennen an, sondern ebenso zum intuitiven Erfahren. Sie führen nicht nur, in gut aufklärerischer Tradition, der erkennenden Vernunft die erstrebten Weisheiten und Tugenden in Worten und Taten vor Augen, damit wir uns kraft unserer Einsicht nach ihnen richten. Sie führen auch, jenseits aller Tugend und Moral, den Menschen zur Harmonie mit sich selbst und mit seiner Umwelt und zu den Quellen seines Seins. Unsere Rituale sind Gesamtkunstwerke, welche den Menschen als ganzheitliches körperlich-geistig-seelisches Wesen ansprechen und auf ihn eine mächtige, verändernde Kraft ausüben können. In jeder Tempelarbeit breitet das Ritual vor unseren Augen und Ohren die Fülle seiner symbolischen Werkzeuge aus und fordert uns auf, jedes Mal neu, uns anregen zu lassen, zuzugreifen zu dem, was uns anspricht und damit weiter zu arbeiten auf dem Weg zu uns selbst.

Damit das Ritual seine verändernde Wirkung entfalten kann, damit es uns als innerlich Gewandelte und Befreite hinaus in die Welt entlässt, damit wir uns dort als Freimaurer bewähren können – dazu genügt es freilich nicht, jeden Monat einmal einer Tempelarbeit passiv beizuwohnen. Es wird auch ohne Anleitung nur wenigen gelingen, den Inhalt der Rituale für sich ganz auszuschöpfen. Wir müssten also Instruktionen entwickeln, Anleitungen zur persönlichen Arbeit auf der Basis der Rituale und müssten diese Anleitungen zum Beispiel in Wochenendseminaren an unsere Brüder weitergeben.

Anmerkung Freimaurergedanken:

Ich denke nicht, dass Spiritualität hier der passende Begriff ist. „Spiritualität bedeutet im weitesten Sinne „Geistigkeit“ und bezeichnet eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.“ (aus https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualit%C3%A4t). Eben weil wir vor allem ein ethischer Bund sind, müssen wir anfangen uns endlich von den Mysterienbünden zu lösen. Das Ritual bringt uns während des Erlebens, insofern wir uns völlig auf dieses einlassen und die praktizierenden Brüder es auch tragend vorbringen können, in eine meditative Stimmung. Wir sind hier offen für die Schönheit der Musik und den Worten des Br. Redners. Allerdings was bringt diese ganze Idee, wenn die Tempelarbeit eher zu einem Theaterspiel verkommt, wenn die Brüder den Text nur stupide ablesen und keine Emotionen verbreiten? Dann kommen wir wieder zum typischen Verein, der ein Schauspiel abspielt. Sich auf das Ritual einlassen, sich angemessen auf diese Arbeit vorbereiten, vor allem auch mit der angemessenen Kleidung. Hier kann und darf es nicht sein, dass gerade neue und jüngere Brüder eine gewisse Lässigkeit in den Tempel bringen und eher so ausschauen, als ob sie in der Eckkneipe sitzen würden. Sich Einlassen auf das Ritual heißt es zu erleben, die Arbeit zusammen in der Bruder- oder Schwesterkette zu begehen und hin-einzutauchen in seinen eigenen Geist. Erst dann kann man sich fallen lassen, den Geist öffnen für die Ideen der Maurerei, welche durch die Symbole und Zeichen seit Jahrhunderten transportiert werden. Erst dann lassen sich die Worte der vorgetragenen Zeichnung erfassen und manifestieren einen Gedanken in einem Selbst.

Was wir jedoch nicht dürfen ist das bereits erwähnte hinabgleiten in ein Schauspiel in dem wir hier eine übertriebene Spiritualität einbringen, wie wir es aus Gottesdiensten gewohnt sind. Wir sind wie anfangs erwähnt ein ethischer Bund und keinerlei Religion. Daher müssen wir diesen religiösen Transzendenzbezug weglassen, weil er zum einen nicht der Idee der königlichen Kunst entspricht und zum anderen ein völlig falsches Bild einer Pseudo-Religion erschafft. Der meditative Charakter muss im Vordergrund stehen, denn so können wir die nötigen Werkzeuge, zur Arbeit an unserem eigenen rauen Stein und somit am Tempelbau, erfassen.

3.    Wir müssen eine Elite werden

Zu unseren Idealen gehört die Gleichheit. Daraus leiten wir gern die Vorstellung ab, dass die Loge in ihrer Mitgliederstruktur ein getreues Abbild der Gesellschaft sein müsse, und dass sie sich absolut nicht als eine Auslese (Elite) aus der Gesellschaft verstehen dürfe. Nichts ist für uns destruktiver als dieses Missverständnis. Das aufklärerische Postulat der Gleichheit bezieht sich auf die Gleichheit aller im Anspruch auf die Freiheit, auf die Gleichheit im Hinblick auf die Lebenschancen und die Gleichheit vor dem Gesetz. Die Aufklärung hat die Eliten nicht beseitigt, sie hat nur die Zugangskriterien verändert: an die Stelle ererbter Vorrechte ist die Auslese aufgrund persönlicher Leistung und Fähigkeit getreten. Wir müssen in diesem Sinne entschlossen darangehen, uns zur Elite zu entwickeln. Unsere Logen sollen durchaus Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten als Mitglieder werben. Aber wir müssen uns jeweils um die führenden Köpfe bemühen. Und dieses Werben geht wohl nur von Person zu Person, nicht durch läppische „Öffentlichkeitsarbeit“. Interessante Männer werden durch interessante Männer angezogen – wo Tauben sind, da fliegen Tauben hin. Weshalb ist es so interessant, Rotarier zu werden? Weil man im Rotaryclub interessante Männer findet, und weil man aus der Einladung zur Mitgliedschaft erkennt, dass diese Männer einen selbst ebenfalls für interessant halten. Also lasst uns darangehen, uns wieder als Elite zu verstehen und daran zu arbeiten, dass wir es auch werden. Wenn das kein Thema für die Großlogen ist, dann sollten wenigstens einzelne Logen den Mut haben, sich zu Elitelogen zu entwickeln. Wenn sie erfolgreich sind, werden sie Nachahmer finden.

Anmerkung Freimaurergedanken:

Elite ist ein schwerer Begriff und kann schnell zu Vorurteilen außenstehender Personen oder Verschwörungstheoretikern führen. “Elite (urspr. vom lateinischen eligere bzw. exlegere, „auslesen“) bezeichnet soziologisch eine Gruppierung (tatsächlich oder mutmaßlich) überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten, ökonomische Eliten) einer Gesellschaft. […] Als Elitarismus bezeichnet man die Ideologie, die vom Bewusstsein getragen wird, einer Elite anzugehören. (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Elite): Wir müssen mit dem Begriff der Elite vorsichtig umgehen, denn wir dürfen uns nie als eine Gruppierung überdurchschnittlich qualifizierter Personen sehen, denn dies wiederum würde gegen das Prinzip der Gleichheit stehen. Ein „primus inter pares“ (lateinisch für „Erster unter Gleichen“ waren die Worte, die auch schon Könige im Kreise ihrer Logen gewählt haben. Gleichheit und Brüderlichkeit darf nie hinter den Anspruch gestellt werden, eine Elite zu sein. Aus dem Grund der Steigerung seines eigenen Selbstwertgefühls (weil man ja Mitglied einer „Elite ist“) aber auch aus dem Drang sich selbst zu profilieren, darf man kein Freimaurer werden. Demut ist eines der Dinge, die der junge Bruder auf dem Weg zum Meister erlernen muss. Erst dann kann er wachsen und reifen.

Die Idee des Autors, nicht mehr aus erblichen Rechten, sondern aus persönlicher Leistung ein Mitglied dieses Bundes zu werden sagt mir sehr zu. Der Neophyt dürfe nicht aus einem Missverständnis über die Freimaurerei an die Bruderschaft herangeführt werden. Brüder sollten auch interessierte Brüder für ihre Logen gewinnen und an die königliche Kunst heranführen. Brüder aber nur aufgrund ihres Standes oder ihrer gesellschaftlichen Position zu umwerben halte ich für falsch. Die Loge muss ein gewisses Abbild einer Gesellschaft sein und sollte nicht zu dem Zweck dienen, sich gegenseitig zu erheben und über die anderen Menschen zu stellen. Sie ist aber eine Elite im Sinne von „auserlesen sein“. Die Brüder oder Schwestern einer Loge stimmen mit der Kugelung über das Aufnahmegesuch eines neuen Interessenten ab. Dies wiederum ist eine Entscheidung, bei der man durchaus über eine Auslese sprechen kann, also wiederum von einer Bauhütte im Sinne einer Abgrenzung nach außen.

 

4.    Wir müssen unsere Mitglieder beruflich fördern

Während der Aufnahme, bereits nach den drei Reisen, wenn fast alles schon gelaufen ist, bekommt der Neophyt eine allerletzte Gelegenheit, sich die Sache doch noch einmal zu überlegen, mit der offenbar alles entscheidenden Mitteilung: „Wir warnen Sie ehrlich und freundschaftlich, sich einer Gemeinschaft anzuschließen, die Ihnen keinerlei materielle Vorteile verheißen kann“. Wenn wir das sagen, fühlen wir uns wohl als moralisch besonders hoch über den Niederungen der profanen Welt Stehende. Mich erinnert das eher an die Geschichte vom Fuchs und den sauren Trauben: wir machen da aus unserem offenbaren Unvermögen eine Tugend. Was braucht denn ein junger Mensch dringender als eine Gruppe oder ein Netzwerk von Älteren, Erfahrenen, Einflussreichen, die ihm auch im materiellen Leben den Rücken stärken und den Weg zeigen können? Und war denn die mittelalterliche Bruderschaft der Steinmetze und Baumeister etwas anderes, als eine Organisation zur beruflichen Förderung und materiellen Sicherung ihrer Mitglieder? Vor kurzem hat mir ein Bruder erzählt, dass es ihm nicht gelungen sei, bei seinen beiden Söhnen für die Freimaurerei mehr als ein müdes Lächeln zu wecken. Wohl aber sei einer der hoffnungsvollen Sprösslinge mit Begeisterung in eine schlagende Verbindung eingetreten. Auf die Frage, was ihn denn dort so anziehe, sei der Hinweis auf die Alten Herren gefolgt, die genau dort in einflussreichen Positionen säßen, wo der Junior sich seine berufliche Zukunft vorstellte. Eben. Im Übrigen: Neben einer gewissen beruflichen Förderung bemühen sich die Studentenverbindungen durchaus, ihren Mitgliedern auch positive immaterielle Werte sowie Umgangsformen zu vermitteln – wie die Logen ja auch. Weshalb tun wir es ihnen nicht auch auf der beruflichen Ebene gleich? Wir möchten in der Welt doch etwas bewegen. Weshalb sorgen wir dann nicht dafür, dass unsere Mitglieder auch an solchen beruflichen Positionen gelangen, wo sie etwas bewegen können? Wenn wir für tüchtige junge Leute attraktiv werden wollen, dann müssen wir die berufliche Qualifizierung und Positionierung unserer Mitglieder zu einem zentralen Teil unserer Arbeit am rauen Stein machen. Nicht nur die einfache Stellenvermittlung, sondern auch die Qualifizierung vorher. Etwa so, wie es die französischen Compagnons mit Erfolg tun, nur in anderen Berufsfeldern.

Anmerkung Freimaurergedanken:

Sich gengenseitig als Brüder zu unterstützen und zu helfen ist auch eines der Ziele dieser Bruderschaft. Nicht umsonst sprechen wir von einer weltweiten Bruderkette/Schwesterkette. Die jüngeren Brüder sollten und müssen hier auch auf die Erfahrung ihrer älteren Brüder zurückgreifen können. Sollten sie sich dann auch noch im beruflichen Umfeld unterstützen können, spricht hier nichts dagegen. Es geht eher um die Frage, aus welchen Gründen ein Gesuch zur Aufnahme in den Bund der Freimaurer gestellt wird. Hierbei muss die Arbeit am eigenen Ich, als auch die Arbeit an der Gesellschaft im Vordergrund stehen. Für die Ideale der Freimaurerei „brennen“ und sie in die profane Welt hinaustragen. Materielles Interesse oder gar Vorteile im beruflichen Umfeld dürfen kein Grund sein, diesem Bund beizutreten. Hier wird der interesseierte Suchende sicherlich enttäuscht werden. Kann jedoch ein Bruder einem anderen helfen, ihn unterstützen oder sogar unter die Arme greifen, so sehe ich es als eine brüderliche Pflicht an. Dies kann natürlich auch im beruflichen Umfeld gelten und darüber hinaus. Es ist ein existentieller Bestandteil der Bruderschaften.

 

5.    Wir müssen unser Verhältnis zu den Frauen ändern

Die Aufklärung – und damit die Freimaurer – wollten und wollen noch immer den Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Der „Mensch“, das war natürlich in aller Unschuld nur der Mann. Auch bei uns: „Männer, die Maurer geworden sind, müssen frei geboren sein, von gereiftem Alter und gutem Ruf, körperlich und geistig gesund, ohne Gebrechen oder Verstümmelung zur Zeit ihrer Aufnahme, weder Weib noch Eunuch“. So steht’s beim alten Anderson und sein Wort ist uns heilig. Und wir haben uns dran gehalten: Zur Emanzipation der weiblichen Hälfte der Menschheit haben wir nicht das Geringste beigetragen. Es ist erst hundert Jahre her, dass unsere Wissenschaft aufgehört hat, vom „physiologischen Schwachsinn des Weibes“ zu faseln und dass Frauen z. B. zum Medizinstudium zugelassen wurden.

Für uns gilt dieser Schwachsinn immer noch und so kann man heute noch von Brüdern die Meinung hören, unsere Rituale seien „männlich“ und daher für Frauen nicht geeignet, oder sogar, Frauen seien nicht in unserem Sinne initiationsfähig. Es mag ja so sein, aber sollten wir das Urteil darüber nicht den Frauen selbst überlassen? Die Frauen haben sich ja inzwischen auch in dieser Hinsicht ihrer männlichen Vormünder entledigt und ihre Emanzipation selbst in die Hand genommen. Dabei haben sie auch die Freimaurerei für sich entdeckt und praktizieren sie mit großem Ernst und respektablem Erfolg. Aber wir pflegen unsere Berührungsängste. Wie oft habe ich schon die Befürchtung gehört, da könnte sich ja – Gott-sei-bei-uns – etwas Erotik in den Tempel schleichen. Vor kurzem ist mir in der internen Freimaurer-Liste im Internet etwas in diesem Zusammenhang Charakteristisches begegnet.

Die Zulassung zu dieser Liste erfolgt in einem automatisierten Verfahren. Zunächst erscheint jede Anmeldung in der Liste und jeder Teilnehmer kann sie lesen, dann erst entscheidet der listmaster über die Zulassung, die in diesem Fall nur erfolgt, wenn man einer „regulären“ Loge angehört. Es erschien also die Anmeldung des Stuhlmeisters einer gemischten Loge. Sofort, noch ehe der listmaster überhaupt reagieren konnte, schrieb ein Bruder, dass er mit sofortiger Wirkung seine Mitgliedschaft in der Liste kündige. Er habe bei seiner Aufnahme geschworen, nie maurerischen Verkehr mit Frauen zu haben, und diesen Schwur gedenke er zu halten.

In welch eine Haltung gegenüber Frauen lassen wir uns da treiben? Welche Ängste verbergen sich eigentlich hinter unserer strikten Distanzierung von der femininen Maurerei, selbst im Cyberspace? Gibt es da vielleicht eine archaische Angst vor der starken Frau, gekoppelt mit der Vorstellung von ihrer kultischen Unreinheit, durch die der Mann beschmutzt wird, worauf dann sein steinzeitlicher Jagdzauber nicht mehr funktioniert? Mir scheint, da haben wir Männer noch ein gutes Stück Aufklärung nötig. Es geht nicht darum, nun in die Männerlogen partout Frauen aufzunehmen, aber die freimaurerisch arbeitenden Frauen haben es verdient, endlich als unsere Schwestern und gleichwertigen Gefährtinnen auf dem maurerischen initiatischen Weg anerkannt zu werden.

Anmerkung Freimaurergedanken:

Noch immer stelle ich eine große Skepsis bei einigen, meist älteren Brüdern gegenüber einer Frauenloge fest. Ich habe es sogar schon selbst erleben dürfen, dass sich eher konservative Brüder gegen die Aufnahme einer Frauenloge in ein Logenhaus gestellt haben und das, obwohl diese Frauenloge eine offizielle Loge der FGLD (Frauen-Großloge von Deutschland) ist. Selbst die Großloge AFuAM nimmt die Kontakte zur FGLD auf und arbeitet an gemeinsamen Konzepten und Veranstaltungen. Die Frauenlogen sind Teil und Mitglied der Forschungsloge Quatuor Coronati und leisten einen großen und interessanten Beitrag zu den gemeinsamen Veranstaltungen und Arbeitskreisen. So wie dem Br. Günter erging es mir auch in einer Diskussion über eine gemeinsame Arbeit im Tempel. Da wurde von konservativen Brüdern hinter vorgehaltener Hand etwas von „der Entweihung des Tempels“ geredet. Warum sollte so etwas sein? Weil die Damen den Staub und Dreck der letzten Jahrhunderte patriarchischer Männerlogen aus dem Tempel kehren, weil sie frische, moderne Winde beim Lüften einlassen würden? (bitte entschuldigt mir den Wortwitz mit typischen Klischees, liebe Schwestern)

Ich denke das im Jahr 2017 diese alten starren Formen der strikten Trennung der Vergangenheit angehören sollten und auch Brüder und Schwestern gemeinsame Ritualarbeiten abhalten und besuchen können. Wir müssen die angesprochenen Worte von Anderson aus den Alten Pflichten (wie schon oft angemerkt) zeitgemäß interpretieren und damit umgehen. Vor rund 300 Jahren war die Stellung der Frau in der Gesellschaft eine andere. Die Gesellschaft war von Patriarchen bestimmt und der Frau gestand man nur die Rolle der Mutter, Erzieherin der Kinder und Hausfrau zu. Somit lassen sich auch Andersons Worte rückblickend verstehen. Aber dies heißt nicht, meine lieben Brüder, dass wir dies wortwörtlich so einhalten und umsetzen müssen. Ich habe sehr eindrucksvolle Schwestern auf meinen Reisen kennenlernen dürfen und pflege gerne den Kontakt zu ihnen. Grenzen aufgrund des Geschlechtes zu ziehen halte ich für falsch und unangebracht. Es zeugt eher von mangelndem Selbstvertrauen in sich selbst und der Idee der Freimaurerei.

Wir, die wir uns in der direkten Nachfolge der Aufklärung sehen, wollen noch immer den Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit führen. Das schließt aber nicht per se 50% der weltweiten Bevölkerung aus. Es geht hier um den Menschen der uns als Baustein am Bau des Tempels der Humanität dienen soll, der eine bessere Welt erschaffen soll. Stellen wir uns doch alle einmal die Frage wie so ein Fundament oder der sich darauf befindliche Tempel aussehen wurde, wenn die Hälfte der Steine bewusst wegegelassen wären…

neue Bausteine Nr. 5b

Wieder einmal ist es mir gelungen, ein neues Dokument des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne im Antiquariat zu finden und zwar dieses mal in Quickborn.

Die „Bausteine“ waren gedacht als eine Art Lehrschrift für die Brüder des F.z.a.S. mit Gedanken, Ideen und Tipps. Br. Satow hat in den Bausteinen Nr. 5b eine erstaunliche Liste der empfohlenen Literatur für Brüder des Bundes erstellt.

Ich möchte sie euch nicht vorenthalten und wünsche viel Spaß beim Lesen. Natürlich findet ihr das Dokument auch in der Mediathek wieder.

Bausteine Nr. 5b

 

Freimaurertum und Gott – Eine Zusammenarbeit

Mein Br. Hagen aus Hamburg kam vor einiger Zeit auf die Idee, die Frage ob Freimaurertum einen Gottesbezug benötigt aus recht unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Dabei wurde unser Bruder Jürgen, als auch ich gefragt, ob wir unsere Ideen in einigen Zeilen mit ihm teilen würden.

Natürlich sind wir dem nachgekommen und ich möchte euch das Ergebnis (wer es nicht schon gesehen und gelesen hat) nicht vorenthalten.

Es zeigt deutlich die Vielfalt innerhalb der Maurerei und somit auch die Zerrissenheit an. Wir kommen aus den unterschiedlichen Großlogen und haben hierdurch alleine eine oft auch konträre Position. Nichtsdestotrotz sind es meine Brüder und ich respektiere ihre Meinung.

Viel Spaß beim Lesen und nachdenken….

 

Der Artikel von Hagen selbst:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/03/21/freimaurertum-benoetigt-spiritualitaet-und-gottesbezug/

der Artikel von Br. Jürgen Scheffler:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/02/05/freimaurerei-und-gott-wie-vertraegt-sich-das/

und meinen Artikel:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/02/19/wer-keine-angst-vorm-teufel-hat-braucht-auch-keinen-Gott/

 

„Wer keine Angst vorm Teufel hat – Braucht auch keinen Gott“ – Der Atheist

 

Ich stelle in letzter Zeit eine immer wiederkehrende Diskussion in den sozialen Netzwerken fest. Dabei kommt es vor, dass sich selbst Brüder Freimaurer mit ihren Kommentaren und Aussagen oft gegenseitig verletzen oder anzweifeln, wer denn „regulär“ ist und wer nicht.

Die Diskussion geht um die Frage: Können Atheisten Freimaurer sein? Und braucht es einen Gott in der Freimaurerei?

Ich möchte gerne die Antwort vorwegnehmen: Ja, können sie und auch sehr gute, denn ich durfte einige der Brüder auch kennenlernen oder/und bin mit ihnen befreundet. Und warum sollte ein Bruder, der Atheist ist, auch ein „schlechterer“ oder gar „irregulärer“ Bruder sein?

Die Alten Pflichten als Grundlage

In den alten Pflichten von Anderson heißt es:

„Von Gott und der Religion: Der Maurer ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetz zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein Atheist aus Einfalt noch ein religionsfeindlicher Wüstling sein. Aber obgleich in alten Zeiten die Maurer verpflichtet waren, in jedem Lande von der jeweiligen Religion des Landes oder der Nation zu sein, so hält man doch jetzt für ratsam, sie bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen, das heißt, sie sollen gute und wahrhafte Männer sein, Männer von Ehre und Rechtschaffenheit, durch was für Sekten und Glaubensmeinungen sie auch sonst sich unterscheiden mögen. Hierdurch wird die Maurerei ein Mittelpunkt der Vereinigung und ein Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welche sonst in ständiger Entfernung voneinander hätten bleiben müssen.“

Hieraus entnehmen wir klar, dass Freimaurerei keine Religion ist, noch eine Festlegung auf eine besondere Religion fordert. Es legt aber auch klar fest, dass es um Wahrhaftigkeit, Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft geht. Also immer noch nichts, was einen Atheisten nun ausschließen würde. Und wenn wir uns den Satz „Atheist aus Einfalt“ betrachten, schließt auch dies keinen Atheisten aus, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag. Denn der heutige Atheist hat sich sicherlich bewusst für diesen Schritt entschieden. Im Zeitalter der Wissenschaft und Aufklärung ist die Religion von diesen Bewegungen verdrängt worden. So auch in der modernen Freimaurerei mit seinen diversen Reform-Großlogen im frühen 20. Jahrhundert (z.B. F.z.a.S, oder Zur Sonne). Hier wurden die Dogmen der Religionen ausgeschlossen und verdrängt.

Religion in der alle Menschen übereinstimmen

Anderson sagt auch, dass der Freimaurer zu der Religion verpflichtet sei, in der alle Menschen übereinstimmen, nämlich der Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft. Und dies ohne einen Verweis auf eine Konfession. Somit kann auch der Atheist ein vollwertiger Bruder sein. Gerade deshalb ist es heutzutage mehr als unangebracht ihn als „irregulär“ zu betrachten. Denn würde man der Argumentation dieser Brüder Glauben schenken (Zitat: „steht ja so bei Anderson, kein Atheist aus Einfalt“), so müsste man im Umkehrschluss ebenso sagen, dass es sich bei diesen Brüdern ebenso um irreguläre Brüder handelt, da sie sich ja an einer Religion, oder an einer Glaubensrichtung ausrichten. Und wiederum zu beweisen, dass dies die Religion ist, in der alle Menschen gleich sind, scheint eher unmöglich.

Daher scheint ein gegenseitiger Fingerzeig ebenso unangebracht wie eine andauernde Diskussion über die „wahre Freimaurerei“. Diese hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Aber es hat immer Brüder gegeben, die sich für die 5 Säulen der Freimaurerei eingesetzt haben. Den Kern der Freimaurerei machen Gleichheit, Toleranz, Freiheit, Humanität und Brüderlichkeit aus. Und auch hier kann man schnell erkennen, dass keine Religion im Spiel ist.

Warum also sollte ein Bruder, der bekennender Atheist ist und sich zu den 5 Grundsätzen der Maurer bekennt kein regulärer Bruder sein? Ich kann dies nicht erkennen. Er lebt nach den Grundlagen und achtet diese. Daher für mich ein Bruder wie jeder andere.

Baumeister für Atheisten?

Aber stellen wir uns kurz die Frage wie ein Freimaurer, der bekennender Atheist ist, mit dem Symbol des ABAW umgeht. Nun ja, der Baumeister kommt in den meisten Ritualen vor, aber es gibt auch Ausnahmen. In einigen wird das Symbol des ABAW mit keinem Wort mehr erwähnt. Aber das schwächt diese Rituale und die Arbeiten damit keinesfalls ab. Sie sind dennoch gleich tragend. Wenn nun ein Atheist eine christlich geprägte Loge besucht, dann kann er entweder an seiner Toleranz arbeiten und über dieses Sinnbild nachdenken, oder aber er kann auch das Symbol des Baumeisters anderweitig füllen. Ein Bruder, der sich der Wissenschaft verschrieben hat, sagte mir einmal, dass für ihn die Gravitation die treibende Kraft im Universum sei, die alles festhält und kontrolliert. Ein anderer sagte mir, dass für ihn die Liebe und die Liebe zum Mitmenschen das wichtigste und allumfassendste ist. Mancher setze für den ABAW sinnbildlich den jeweiligen Gott aus ihren Konfessionen und Religionen. Ich konnte mich mit den Gedanken und der Begründung aller Brüder anfreunden. Und alles waren reguläre Brüder…

Einheit in der Vielfalt

Unter der VGLvD, der Vereinten Großloge, sind die vielen Ausrichtungen und Ausprägungen der regulären Freimaurerei zusammengefasst. Hier findet sicherlich jeder Bruder oder interessierte Suchende eine passende Bauhütte. Fast wie der sprichwörtliche Deckel den Topf. In wie fern eine solche Institution und Großloge sinnvoll ist, darüber möchte ich nicht urteilen, da dies bereits andere getan haben. Aber es zeigt einen Weg auf, was alles reguläre Freimaurerei ist, dass man sich gegenseitig besuchen und an den Arbeiten teilnehmen kann, dass man auch gemeinsame Ziele hat.

Man sagt ja auch, eine Loge ist eine Gruppierung von Ungleichen. Und so ist es in der nächst höheren Gruppierung auch…Warum sollte eine Großloge hier anders sein. Auch hier haben wir so viele unterschiedliche Brüder. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir uns dies bewusst ausgesucht haben als wir den Schritt gegangen sind und Freimaurer wurden. Im Ritual hören wir immer, dass wir gemeinsam am Tempel der Humanität arbeiten. Und dann sollten wir mal zuhören und dies auch tun und uns nicht in Netzwerken die Zeit damit vertreiben, am Stein des anderen zu arbeiten und ihm unsere persönliche Sicht der Freimaurerei aufzudrücken. Somit bliebt mir nichts weiter zu sagen, als dass ich gerne meine Zeit mit den Brüdern weiterhin verbringe, die überzeugte Atheisten (mein Bruder Alex) sind, gläubige Menschen wie mein Freund und Bruder Hagen oder auch Menschen, die „nur“ dem christlichen Glauben verbunden sind. Ich sehe alle diese Brüder als gleichberechtigte Freimaurer an und reiche jedem gern die Hand. Auch wenn ich aus einer Reformloge abstamme.

Augen auf das Wesentliche

Leider wird auch, wie jüngst auf der Tagung der Freimaurerforschungsloge Quatuor Coronati geschehen, öffentlich von Brüdern anderer Großlogen geäußert, dass Atheisten in der Freimaurerei nichts zu suchen hätten und sie doch sich in anderen Gruppierungen wiederfinden sollten, aber nicht in der Freimaurerei. Schließlich müsse man sich überlegen Wem zu Ehren die Sakralbauten erbaut wurden.

Mal ehrlich, ist das nicht eine mehr als engstirnige Haltung? Klar mag es sein, dass die Kirchen und Klöster, welche die Bauhütten erstellt hatten, zu Ehren Gottes gewesen war. Aber man kann es auch so sehen, dass die Baumeister die neuesten Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft angewendet hatten, um diese Bauwerke zu schaffen als Symbol des Sieges des Verstandes und der Technik über die Natur. Aber leider hat der betreffende Bruder, der diese Äußerung tätigte keine sinnvolle Begründung für seine Aussage liefern können. Viele unserer Brüder im Osten Deutschlands sind nicht getauft und evtl. noch auf der Suche. Sind sie denn keine wahren Maurer, keine guten Brüder? Nein, sie sind ebenso Freimaurer wie wir alle und haben sich bewusst für diesen Bund entschieden. Warum sollten wir also Brüder ausgrenzen, die Atheisten sind, aber wahre Freimaurer von Herzen sind? Sind das nicht genau die Bausteine, derer wir bedürfen für den Bau des Tempels der Humanität? Ich denke schon…

Freimaurerei – Eine Religion?

In der Diskussion um einen Gott in der Freimaurerei kommt auch oft die Meinung zu Tage, dass Freimaurerei eine Art Religion ist, oder zumindest ein Ersatz. Einige haben geschrieben, dass wir Freimaurer einen Transzendenzbezug haben, eine duale Komponente, einen Jenseitsbegriff und ein Fortbestehen nach dem Tode mit denen ein Atheist nichts anfangen kann. Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn auch ein Atheist kann sich mehr als nur ein wenig damit anfreunden. Viele Atheisten, die ich kenne und auch gleichzeitig Freimaurer sind, haben einen starken Bezug zur Wissenschaft und Forschung. Gerade im Osten sind sehr viele Brüder zu finden, welche nicht getauft sind und ohne einen christlichen Glauben erzogen wurden. Selbst diese Brüder können diese Sinnbilder (und mehr sind es ja nicht, solange der Große Baumeister sich nicht selbst vorstellt!) füllen:

  • Transzendenz, der ABAW
  • Ist ein Sinnbild für etwas was über dem Menschen steht, sein Handeln und Denken beeinflusst. Für die einen ist es die Gravitation, für die anderen die Liebe, für den nächsten ist es der Gott in einem selbst.
  • Duale Komponenten
  • Gibt es im Bereich der Monisten und Logen die Gründerväter in diesem Bereich haben eher weniger.
  • Jenseitsbegriff und Fortbestehen nach dem Tode
  • Diese beiden gehen Hand in Hand. Selbst ein Physiker kann sagen, dass der ganze Körper aus Energie besteht und nach dem Energie Erhaltungsgesetz keine verloren geht. Somit wird sie auch nach dem Tod noch irgendwohin fließen. Das sehen sie dann als das Jenseits und Leben nach dem Tod. Aber wer weiß das schon. Diese letzte Reise treten wir alle einmal an.

Letztendlich ist es einfach wichtig einen Weg zu finden, diese Sinnbilder zu füllen. Und das können Atheisten genau so gut wie alle anderen Brüder.

Höhere Arbeit

Nach dem Tod wird der Freimauer zu „höherer Arbeit“ abgerufen, wie man so schön sagt. Für viele ist dies wieder ein Beweis, dass die Freimaurerei mit Atheismus nicht vereinbar wäre. Denn wer sollte den Maurer denn abrufen, wenn nicht ein Gott? Natürlich möchte ich hier auch in erster Linie sagen, dass die Natur und ihre Gesetze den Maurer (wie auch jeden anderen Menschen) abrufen. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann wird genau dieses uns allen geschehen. Nun bleibt noch die Frage nach der „höheren Arbeit“, welche wir nicht abschließend beantworten können. Ist es denn so? Wie können wir dies beweisen? Solange wir hier keinen Beweis haben, bleibt nur unser Glaube, egal ob es sich hierbei um einen Atheisten oder gottgläubigen Menschen handelt. Somit liegt es auch im Ermessen des Einzelnen, diese Passage zu interpretieren.

Eine Frage der Anerkennung

Es wurde mir geschrieben, dass viele Logen wegen der Anerkennung die bittere Pille geschluckt haben und den ABAW aufnehmen mussten. Das ist so nicht korrekt. Denn die UGLoE (United Grand Loge of England) schreibt nur ein „supreme beeing“ vor. Das KANN der ABAW sein, muss er aber nicht. Hier muss der Freimaurer für sich eben dieses Sinnbild füllen und damit arbeiten. Dies kann eben, wie bereits erwähnt, auch ein Atheist. Was jedoch die UGLoE vorschriebt ist das Auflegen der Bibel. Das ist ja wiederum nicht schlimm, da in vielen Logen ohnehin mehrere Bücher aufgelegt werden, gerade wegen Brüder anderer Religionen oder eben auch Atheisten. Auch wir mussten zur Anerkennung die Bibel auflegen, haben aber auch das weisse Buch dort liegen, weil es die Tradition unserer Bauhütte so vorsieht und dies die GL AFuAM genehmigt hat. Was die Regularität angeht muss ich mich schon sehr über die Bemühungen einiger Großlogen wundern, als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit faktisch analog einer Religion anerkannt zu werden. Dies widerspricht in allen Grundsätzen den Vorgaben der UGLoE. Freimaurerei darf KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Daran sollten wir uns wieder vermehrt halten.

Fazit

Wir sind alt geworden und die Spinnenweben der Geschichte kreisen um uns. Das müssen wir massiv ändern. Warum wohl sind wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht so viele Brüder? Weil die Freimaurerei uninteressant wird für eine junge Generation, welche nachkommen muss. Ja, es gibt immer welche, die diesen Lebensstil suchen. Aber wir müssen neue Reformen durchsetzen und uns mehr in der Öffentlichkeit positionieren, ohne dass die Deckung einiger Brüder aufgegeben werden soll. Es muss der nötige Spagat zwischen der Moderne und der Tradition geschaffen werden. Wir müssen nicht so radikal dabei vorgehen wie es früher schon einmal versucht wurde (wie durch den F.z.a.S.), aber den Tatsachen ins Auge sehen und uns moderner Aufstellen. So schaffen wir eine blühende Freimaurerische Kultur. Auch innerhalb der VGLvD mit ihren verschiedenen Ausprägungen. Denn hier müssen die Streitigkeiten über die Regularität oder Irregularität aufhören und man sollte erkennen, dass hier eine „Einheit durch Vielfalt“ herrscht. Und das lässt uns wachsen und stark wirken.

Ich schätze sehr die Zeit mich euch allen. Mit jedem meiner Brüder, seien sie gläubige Christen oder auch überzeugte Atheisten. Ich schätze das offene Wort und den Gedankenaustausch…Eben weil uns ein Gedanke und 5 Werte und Normen miteinander verbinden…ein Hoch auf uns!

 

 

 

Freimaurer Gräber – Teil 4

Liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Tagen bekam ich eine nette Email von meiner Schwester Marita.
Auf ihren Reisen fand sie ein paar schöne Freimaurer Gräber und stellt uns hier ihre Fotos zur Verfügung. Sie wünscht den Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Anschauen…
Anbei die Liste der Friedhöfe:

– Lissabon: Friedhof Prazeres
– Florenz: San Miniato al Monte
– Rom: Basilika Santa Maria di Sopra Minerva

Vielen Dank liebe Marita

Memento Mori und Carpe Diem in 24 Zoll

Liebe Leser,

schon lange spiele ich mit dem Gedanken, diese Webseite für die Gedanken und Ideen weiterer Autoren zu öffnen, um mehreren Brüdern und Schwestern die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken und Texte hier zu veröffentlichen. Falls Interesse besteht, so kann man sich über den Kontakt bitte melden.

Wieder einmal möchte ich einen Artikel von einem Freund vorstellen. Mein Bruder A.P. (mir persönlich bekannt) von der Loge zu den Drei Pfeiler i.O. Nürnberg Nr. 164) stellt uns seine Gedanken in einem kurzen Artikel vor.

Lasst euch überraschen…

 

Memento Mori und Carpe Diem in 24 Zoll

Das freimaurerische Ritual spricht alle Lebensbereiche, Lebensabschnitte, Verhaltensweisen und Beziehungsgefüge des menschlichen Daseins an und, für viele aber nicht alle Freimaurer, auch darüber hinaus. Darin liegt seine zeitlose Stärke. Eine weitere Stärke ist, dass die Symbole und rituellen Handlungen in ihrer Gesamtheit selbst ein ganz zentrales Werkzeug sind. Mit ihrer Hilfe verfügen Freimaurer weltweit über eine gemeinsame Ebene und Sprache, auf der man sich über die so unterschiedlichen Erfahrungen, Eindrücke und Gedanken austauschen können, in der sie sich, Unterschiede und den eigenen Lebenswandel verständlich machen können. Es geht der Freimaurerei also eben nicht um „symbolisches Arbeiten“, was man ja eher in so manch anderem Kontext erleben darf, sondern um die Arbeit mit Symbolen und den weltweiten Austausch über diese Arbeit an sich selbst, dem Verhältnis zu unserer Umwelt und der Gesellschaft als Ganzes durch eben jene Symbole.

Was bedeutet das Symbol oder symbolische Werkzeug für mich im Alltag? Habe ich mir eine Methode zurecht gelegt, damit verbundene Fragen (oder Aufgaben?) in meinen Tagesablauf, in die Woche zu integrieren? Was sind Schwierigkeiten, Rückschläge, besonders schöne Erfolgsmomente? Was bedeutet mir das Symbol in meinem Leben? Wo hilft mir der brüderliche Austausch? Ja, darüber sprechen Freimaurer (auch).

Eines dieser Symbole ist der vierundzwanzigzöllign Maßstab, ein Symbol für die Zeit, genauer: die Zeit, die jedem Menschen zur Verfügung steht. Zunächst ist ein Maßstab keine Uhr. Er steht für eine andere Form von Zeitverständnis und Zeiterleben. Während die Uhr zyklisch ist, ist der Maßstab linear. Die Uhr repräsentiert wie der „Ewige Kalender“ die von uns unabhängige Zeit. Wie der Maßstab ist aber unsere Wanderung durch das Leben endlich, während der Sonnenlauf sich weiter dreht. Irgendwann halten wir im linearen Voranschreiten in der Zeit alle ein letztes Mal an. Und so oft wir an bekannten Punkten wieder in den großen Zyklen der Natur oder der menschlichen Gesellschaft anzukommen meinen, so sehr verändern wir uns auf unserem linearen Weg und erleben diese kein zweites Mal mit den gleichen Augen. So gesehen kann der 24zöllige Maßstab als ein erstes Memento Mori innerhalb der Freimaurerei verstanden werden: „Teile deine Zeit mit Weisheit ein, denn sie ist endlich“.

Hans-Hermann Höhmann hat einmal drei verschiedene freimaurerische „Symbol- und Ritualwelten“ identifiziert: die des Lichts, der Wanderung und der Arbeit. Während die Endlichkeit unserer eigenen Wanderung uns bereits zu einer sinnvollen Nutzung ermahnt, ist der Maßstab im Zusammenspiel mit den anderen Werkzeugen ein Symbol dafür, unsere Zeit als denkender, am Selbst-Erkennen und der Fortentwicklung der eigenen Lebensführung arbeitender Mensch einzuteilen. Dabei sollen unserer Pflichten gegenüber uns selbst, unserer Familie, dem Beruf, der Loge und unserer Umwelt handlungsleitend sein. Die Endlichkeit des Maßstabes hält uns zudem zur Mäßigung, zum „Maß halten“ an; und dazu, den eigenen Eifer mit planerischer Beharrlichkeit zu untermauern, wenn er nicht vergebens sein will: „Habe den Mut und die Beharrlichkeit, um deine Zeit mit Weisheit zu nutzen, denn sie ist endlich“.