Freimaurertum und Gott – Eine Zusammenarbeit

Mein Br. Hagen aus Hamburg kam vor einiger Zeit auf die Idee, die Frage ob Freimaurertum einen Gottesbezug benötigt aus recht unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Dabei wurde unser Bruder Jürgen, als auch ich gefragt, ob wir unsere Ideen in einigen Zeilen mit ihm teilen würden.

Natürlich sind wir dem nachgekommen und ich möchte euch das Ergebnis (wer es nicht schon gesehen und gelesen hat) nicht vorenthalten.

Es zeigt deutlich die Vielfalt innerhalb der Maurerei und somit auch die Zerrissenheit an. Wir kommen aus den unterschiedlichen Großlogen und haben hierdurch alleine eine oft auch konträre Position. Nichtsdestotrotz sind es meine Brüder und ich respektiere ihre Meinung.

Viel Spaß beim Lesen und nachdenken….

 

Der Artikel von Hagen selbst:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/03/21/freimaurertum-benoetigt-spiritualitaet-und-gottesbezug/

der Artikel von Br. Jürgen Scheffler:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/02/05/freimaurerei-und-gott-wie-vertraegt-sich-das/

und meinen Artikel:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/02/19/wer-keine-angst-vorm-teufel-hat-braucht-auch-keinen-Gott/

 

„Wer keine Angst vorm Teufel hat – Braucht auch keinen Gott“ – Der Atheist

 

Ich stelle in letzter Zeit eine immer wiederkehrende Diskussion in den sozialen Netzwerken fest. Dabei kommt es vor, dass sich selbst Brüder Freimaurer mit ihren Kommentaren und Aussagen oft gegenseitig verletzen oder anzweifeln, wer denn „regulär“ ist und wer nicht.

Die Diskussion geht um die Frage: Können Atheisten Freimaurer sein? Und braucht es einen Gott in der Freimaurerei?

Ich möchte gerne die Antwort vorwegnehmen: Ja, können sie und auch sehr gute, denn ich durfte einige der Brüder auch kennenlernen oder/und bin mit ihnen befreundet. Und warum sollte ein Bruder, der Atheist ist, auch ein „schlechterer“ oder gar „irregulärer“ Bruder sein?

Die Alten Pflichten als Grundlage

In den alten Pflichten von Anderson heißt es:

„Von Gott und der Religion: Der Maurer ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetz zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein Atheist aus Einfalt noch ein religionsfeindlicher Wüstling sein. Aber obgleich in alten Zeiten die Maurer verpflichtet waren, in jedem Lande von der jeweiligen Religion des Landes oder der Nation zu sein, so hält man doch jetzt für ratsam, sie bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen, das heißt, sie sollen gute und wahrhafte Männer sein, Männer von Ehre und Rechtschaffenheit, durch was für Sekten und Glaubensmeinungen sie auch sonst sich unterscheiden mögen. Hierdurch wird die Maurerei ein Mittelpunkt der Vereinigung und ein Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welche sonst in ständiger Entfernung voneinander hätten bleiben müssen.“

Hieraus entnehmen wir klar, dass Freimaurerei keine Religion ist, noch eine Festlegung auf eine besondere Religion fordert. Es legt aber auch klar fest, dass es um Wahrhaftigkeit, Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft geht. Also immer noch nichts, was einen Atheisten nun ausschließen würde. Und wenn wir uns den Satz „Atheist aus Einfalt“ betrachten, schließt auch dies keinen Atheisten aus, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag. Denn der heutige Atheist hat sich sicherlich bewusst für diesen Schritt entschieden. Im Zeitalter der Wissenschaft und Aufklärung ist die Religion von diesen Bewegungen verdrängt worden. So auch in der modernen Freimaurerei mit seinen diversen Reform-Großlogen im frühen 20. Jahrhundert (z.B. F.z.a.S, oder Zur Sonne). Hier wurden die Dogmen der Religionen ausgeschlossen und verdrängt.

Religion in der alle Menschen übereinstimmen

Anderson sagt auch, dass der Freimaurer zu der Religion verpflichtet sei, in der alle Menschen übereinstimmen, nämlich der Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft. Und dies ohne einen Verweis auf eine Konfession. Somit kann auch der Atheist ein vollwertiger Bruder sein. Gerade deshalb ist es heutzutage mehr als unangebracht ihn als „irregulär“ zu betrachten. Denn würde man der Argumentation dieser Brüder Glauben schenken (Zitat: „steht ja so bei Anderson, kein Atheist aus Einfalt“), so müsste man im Umkehrschluss ebenso sagen, dass es sich bei diesen Brüdern ebenso um irreguläre Brüder handelt, da sie sich ja an einer Religion, oder an einer Glaubensrichtung ausrichten. Und wiederum zu beweisen, dass dies die Religion ist, in der alle Menschen gleich sind, scheint eher unmöglich.

Daher scheint ein gegenseitiger Fingerzeig ebenso unangebracht wie eine andauernde Diskussion über die „wahre Freimaurerei“. Diese hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Aber es hat immer Brüder gegeben, die sich für die 5 Säulen der Freimaurerei eingesetzt haben. Den Kern der Freimaurerei machen Gleichheit, Toleranz, Freiheit, Humanität und Brüderlichkeit aus. Und auch hier kann man schnell erkennen, dass keine Religion im Spiel ist.

Warum also sollte ein Bruder, der bekennender Atheist ist und sich zu den 5 Grundsätzen der Maurer bekennt kein regulärer Bruder sein? Ich kann dies nicht erkennen. Er lebt nach den Grundlagen und achtet diese. Daher für mich ein Bruder wie jeder andere.

Baumeister für Atheisten?

Aber stellen wir uns kurz die Frage wie ein Freimaurer, der bekennender Atheist ist, mit dem Symbol des ABAW umgeht. Nun ja, der Baumeister kommt in den meisten Ritualen vor, aber es gibt auch Ausnahmen. In einigen wird das Symbol des ABAW mit keinem Wort mehr erwähnt. Aber das schwächt diese Rituale und die Arbeiten damit keinesfalls ab. Sie sind dennoch gleich tragend. Wenn nun ein Atheist eine christlich geprägte Loge besucht, dann kann er entweder an seiner Toleranz arbeiten und über dieses Sinnbild nachdenken, oder aber er kann auch das Symbol des Baumeisters anderweitig füllen. Ein Bruder, der sich der Wissenschaft verschrieben hat, sagte mir einmal, dass für ihn die Gravitation die treibende Kraft im Universum sei, die alles festhält und kontrolliert. Ein anderer sagte mir, dass für ihn die Liebe und die Liebe zum Mitmenschen das wichtigste und allumfassendste ist. Mancher setze für den ABAW sinnbildlich den jeweiligen Gott aus ihren Konfessionen und Religionen. Ich konnte mich mit den Gedanken und der Begründung aller Brüder anfreunden. Und alles waren reguläre Brüder…

Einheit in der Vielfalt

Unter der VGLvD, der Vereinten Großloge, sind die vielen Ausrichtungen und Ausprägungen der regulären Freimaurerei zusammengefasst. Hier findet sicherlich jeder Bruder oder interessierte Suchende eine passende Bauhütte. Fast wie der sprichwörtliche Deckel den Topf. In wie fern eine solche Institution und Großloge sinnvoll ist, darüber möchte ich nicht urteilen, da dies bereits andere getan haben. Aber es zeigt einen Weg auf, was alles reguläre Freimaurerei ist, dass man sich gegenseitig besuchen und an den Arbeiten teilnehmen kann, dass man auch gemeinsame Ziele hat.

Man sagt ja auch, eine Loge ist eine Gruppierung von Ungleichen. Und so ist es in der nächst höheren Gruppierung auch…Warum sollte eine Großloge hier anders sein. Auch hier haben wir so viele unterschiedliche Brüder. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir uns dies bewusst ausgesucht haben als wir den Schritt gegangen sind und Freimaurer wurden. Im Ritual hören wir immer, dass wir gemeinsam am Tempel der Humanität arbeiten. Und dann sollten wir mal zuhören und dies auch tun und uns nicht in Netzwerken die Zeit damit vertreiben, am Stein des anderen zu arbeiten und ihm unsere persönliche Sicht der Freimaurerei aufzudrücken. Somit bliebt mir nichts weiter zu sagen, als dass ich gerne meine Zeit mit den Brüdern weiterhin verbringe, die überzeugte Atheisten (mein Bruder Alex) sind, gläubige Menschen wie mein Freund und Bruder Hagen oder auch Menschen, die „nur“ dem christlichen Glauben verbunden sind. Ich sehe alle diese Brüder als gleichberechtigte Freimaurer an und reiche jedem gern die Hand. Auch wenn ich aus einer Reformloge abstamme.

Augen auf das Wesentliche

Leider wird auch, wie jüngst auf der Tagung der Freimaurerforschungsloge Quatuor Coronati geschehen, öffentlich von Brüdern anderer Großlogen geäußert, dass Atheisten in der Freimaurerei nichts zu suchen hätten und sie doch sich in anderen Gruppierungen wiederfinden sollten, aber nicht in der Freimaurerei. Schließlich müsse man sich überlegen Wem zu Ehren die Sakralbauten erbaut wurden.

Mal ehrlich, ist das nicht eine mehr als engstirnige Haltung? Klar mag es sein, dass die Kirchen und Klöster, welche die Bauhütten erstellt hatten, zu Ehren Gottes gewesen war. Aber man kann es auch so sehen, dass die Baumeister die neuesten Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft angewendet hatten, um diese Bauwerke zu schaffen als Symbol des Sieges des Verstandes und der Technik über die Natur. Aber leider hat der betreffende Bruder, der diese Äußerung tätigte keine sinnvolle Begründung für seine Aussage liefern können. Viele unserer Brüder im Osten Deutschlands sind nicht getauft und evtl. noch auf der Suche. Sind sie denn keine wahren Maurer, keine guten Brüder? Nein, sie sind ebenso Freimaurer wie wir alle und haben sich bewusst für diesen Bund entschieden. Warum sollten wir also Brüder ausgrenzen, die Atheisten sind, aber wahre Freimaurer von Herzen sind? Sind das nicht genau die Bausteine, derer wir bedürfen für den Bau des Tempels der Humanität? Ich denke schon…

Freimaurerei – Eine Religion?

In der Diskussion um einen Gott in der Freimaurerei kommt auch oft die Meinung zu Tage, dass Freimaurerei eine Art Religion ist, oder zumindest ein Ersatz. Einige haben geschrieben, dass wir Freimaurer einen Transzendenzbezug haben, eine duale Komponente, einen Jenseitsbegriff und ein Fortbestehen nach dem Tode mit denen ein Atheist nichts anfangen kann. Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn auch ein Atheist kann sich mehr als nur ein wenig damit anfreunden. Viele Atheisten, die ich kenne und auch gleichzeitig Freimaurer sind, haben einen starken Bezug zur Wissenschaft und Forschung. Gerade im Osten sind sehr viele Brüder zu finden, welche nicht getauft sind und ohne einen christlichen Glauben erzogen wurden. Selbst diese Brüder können diese Sinnbilder (und mehr sind es ja nicht, solange der Große Baumeister sich nicht selbst vorstellt!) füllen:

  • Transzendenz, der ABAW
  • Ist ein Sinnbild für etwas was über dem Menschen steht, sein Handeln und Denken beeinflusst. Für die einen ist es die Gravitation, für die anderen die Liebe, für den nächsten ist es der Gott in einem selbst.
  • Duale Komponenten
  • Gibt es im Bereich der Monisten und Logen die Gründerväter in diesem Bereich haben eher weniger.
  • Jenseitsbegriff und Fortbestehen nach dem Tode
  • Diese beiden gehen Hand in Hand. Selbst ein Physiker kann sagen, dass der ganze Körper aus Energie besteht und nach dem Energie Erhaltungsgesetz keine verloren geht. Somit wird sie auch nach dem Tod noch irgendwohin fließen. Das sehen sie dann als das Jenseits und Leben nach dem Tod. Aber wer weiß das schon. Diese letzte Reise treten wir alle einmal an.

Letztendlich ist es einfach wichtig einen Weg zu finden, diese Sinnbilder zu füllen. Und das können Atheisten genau so gut wie alle anderen Brüder.

Höhere Arbeit

Nach dem Tod wird der Freimauer zu „höherer Arbeit“ abgerufen, wie man so schön sagt. Für viele ist dies wieder ein Beweis, dass die Freimaurerei mit Atheismus nicht vereinbar wäre. Denn wer sollte den Maurer denn abrufen, wenn nicht ein Gott? Natürlich möchte ich hier auch in erster Linie sagen, dass die Natur und ihre Gesetze den Maurer (wie auch jeden anderen Menschen) abrufen. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann wird genau dieses uns allen geschehen. Nun bleibt noch die Frage nach der „höheren Arbeit“, welche wir nicht abschließend beantworten können. Ist es denn so? Wie können wir dies beweisen? Solange wir hier keinen Beweis haben, bleibt nur unser Glaube, egal ob es sich hierbei um einen Atheisten oder gottgläubigen Menschen handelt. Somit liegt es auch im Ermessen des Einzelnen, diese Passage zu interpretieren.

Eine Frage der Anerkennung

Es wurde mir geschrieben, dass viele Logen wegen der Anerkennung die bittere Pille geschluckt haben und den ABAW aufnehmen mussten. Das ist so nicht korrekt. Denn die UGLoE (United Grand Loge of England) schreibt nur ein „supreme beeing“ vor. Das KANN der ABAW sein, muss er aber nicht. Hier muss der Freimaurer für sich eben dieses Sinnbild füllen und damit arbeiten. Dies kann eben, wie bereits erwähnt, auch ein Atheist. Was jedoch die UGLoE vorschriebt ist das Auflegen der Bibel. Das ist ja wiederum nicht schlimm, da in vielen Logen ohnehin mehrere Bücher aufgelegt werden, gerade wegen Brüder anderer Religionen oder eben auch Atheisten. Auch wir mussten zur Anerkennung die Bibel auflegen, haben aber auch das weisse Buch dort liegen, weil es die Tradition unserer Bauhütte so vorsieht und dies die GL AFuAM genehmigt hat. Was die Regularität angeht muss ich mich schon sehr über die Bemühungen einiger Großlogen wundern, als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit faktisch analog einer Religion anerkannt zu werden. Dies widerspricht in allen Grundsätzen den Vorgaben der UGLoE. Freimaurerei darf KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Daran sollten wir uns wieder vermehrt halten.

Fazit

Wir sind alt geworden und die Spinnenweben der Geschichte kreisen um uns. Das müssen wir massiv ändern. Warum wohl sind wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht so viele Brüder? Weil die Freimaurerei uninteressant wird für eine junge Generation, welche nachkommen muss. Ja, es gibt immer welche, die diesen Lebensstil suchen. Aber wir müssen neue Reformen durchsetzen und uns mehr in der Öffentlichkeit positionieren, ohne dass die Deckung einiger Brüder aufgegeben werden soll. Es muss der nötige Spagat zwischen der Moderne und der Tradition geschaffen werden. Wir müssen nicht so radikal dabei vorgehen wie es früher schon einmal versucht wurde (wie durch den F.z.a.S.), aber den Tatsachen ins Auge sehen und uns moderner Aufstellen. So schaffen wir eine blühende Freimaurerische Kultur. Auch innerhalb der VGLvD mit ihren verschiedenen Ausprägungen. Denn hier müssen die Streitigkeiten über die Regularität oder Irregularität aufhören und man sollte erkennen, dass hier eine „Einheit durch Vielfalt“ herrscht. Und das lässt uns wachsen und stark wirken.

Ich schätze sehr die Zeit mich euch allen. Mit jedem meiner Brüder, seien sie gläubige Christen oder auch überzeugte Atheisten. Ich schätze das offene Wort und den Gedankenaustausch…Eben weil uns ein Gedanke und 5 Werte und Normen miteinander verbinden…ein Hoch auf uns!

 

 

 

Freimaurer Gräber – Teil 4

Liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Tagen bekam ich eine nette Email von meiner Schwester Marita.
Auf ihren Reisen fand sie ein paar schöne Freimaurer Gräber und stellt uns hier ihre Fotos zur Verfügung. Sie wünscht den Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Anschauen…
Anbei die Liste der Friedhöfe:

– Lissabon: Friedhof Prazeres
– Florenz: San Miniato al Monte
– Rom: Basilika Santa Maria di Sopra Minerva

Vielen Dank liebe Marita

Memento Mori und Carpe Diem in 24 Zoll

Liebe Leser,

schon lange spiele ich mit dem Gedanken, diese Webseite für die Gedanken und Ideen weiterer Autoren zu öffnen, um mehreren Brüdern und Schwestern die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken und Texte hier zu veröffentlichen. Falls Interesse besteht, so kann man sich über den Kontakt bitte melden.

Wieder einmal möchte ich einen Artikel von einem Freund vorstellen. Mein Bruder A.P. (mir persönlich bekannt) von der Loge zu den Drei Pfeiler i.O. Nürnberg Nr. 164) stellt uns seine Gedanken in einem kurzen Artikel vor.

Lasst euch überraschen…

 

Memento Mori und Carpe Diem in 24 Zoll

Das freimaurerische Ritual spricht alle Lebensbereiche, Lebensabschnitte, Verhaltensweisen und Beziehungsgefüge des menschlichen Daseins an und, für viele aber nicht alle Freimaurer, auch darüber hinaus. Darin liegt seine zeitlose Stärke. Eine weitere Stärke ist, dass die Symbole und rituellen Handlungen in ihrer Gesamtheit selbst ein ganz zentrales Werkzeug sind. Mit ihrer Hilfe verfügen Freimaurer weltweit über eine gemeinsame Ebene und Sprache, auf der man sich über die so unterschiedlichen Erfahrungen, Eindrücke und Gedanken austauschen können, in der sie sich, Unterschiede und den eigenen Lebenswandel verständlich machen können. Es geht der Freimaurerei also eben nicht um „symbolisches Arbeiten“, was man ja eher in so manch anderem Kontext erleben darf, sondern um die Arbeit mit Symbolen und den weltweiten Austausch über diese Arbeit an sich selbst, dem Verhältnis zu unserer Umwelt und der Gesellschaft als Ganzes durch eben jene Symbole.

Was bedeutet das Symbol oder symbolische Werkzeug für mich im Alltag? Habe ich mir eine Methode zurecht gelegt, damit verbundene Fragen (oder Aufgaben?) in meinen Tagesablauf, in die Woche zu integrieren? Was sind Schwierigkeiten, Rückschläge, besonders schöne Erfolgsmomente? Was bedeutet mir das Symbol in meinem Leben? Wo hilft mir der brüderliche Austausch? Ja, darüber sprechen Freimaurer (auch).

Eines dieser Symbole ist der vierundzwanzigzöllign Maßstab, ein Symbol für die Zeit, genauer: die Zeit, die jedem Menschen zur Verfügung steht. Zunächst ist ein Maßstab keine Uhr. Er steht für eine andere Form von Zeitverständnis und Zeiterleben. Während die Uhr zyklisch ist, ist der Maßstab linear. Die Uhr repräsentiert wie der „Ewige Kalender“ die von uns unabhängige Zeit. Wie der Maßstab ist aber unsere Wanderung durch das Leben endlich, während der Sonnenlauf sich weiter dreht. Irgendwann halten wir im linearen Voranschreiten in der Zeit alle ein letztes Mal an. Und so oft wir an bekannten Punkten wieder in den großen Zyklen der Natur oder der menschlichen Gesellschaft anzukommen meinen, so sehr verändern wir uns auf unserem linearen Weg und erleben diese kein zweites Mal mit den gleichen Augen. So gesehen kann der 24zöllige Maßstab als ein erstes Memento Mori innerhalb der Freimaurerei verstanden werden: „Teile deine Zeit mit Weisheit ein, denn sie ist endlich“.

Hans-Hermann Höhmann hat einmal drei verschiedene freimaurerische „Symbol- und Ritualwelten“ identifiziert: die des Lichts, der Wanderung und der Arbeit. Während die Endlichkeit unserer eigenen Wanderung uns bereits zu einer sinnvollen Nutzung ermahnt, ist der Maßstab im Zusammenspiel mit den anderen Werkzeugen ein Symbol dafür, unsere Zeit als denkender, am Selbst-Erkennen und der Fortentwicklung der eigenen Lebensführung arbeitender Mensch einzuteilen. Dabei sollen unserer Pflichten gegenüber uns selbst, unserer Familie, dem Beruf, der Loge und unserer Umwelt handlungsleitend sein. Die Endlichkeit des Maßstabes hält uns zudem zur Mäßigung, zum „Maß halten“ an; und dazu, den eigenen Eifer mit planerischer Beharrlichkeit zu untermauern, wenn er nicht vergebens sein will: „Habe den Mut und die Beharrlichkeit, um deine Zeit mit Weisheit zu nutzen, denn sie ist endlich“.

Teilzeit-Toleranz

toleranz

„Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz

Toleranz ist eine der 5 Grundsätze der modernen Freimaurerei. Sie dient uns als Grundlage für einen brüderlichen und schwesterlichen Umgang untereinander, aber auch über die Grenzen der Logen hinaus.

Was aber nun, wenn diese Toleranz eher auf dem Papier steht und selten ausgelebt wird? Dürfen wir dann nicht von der „Teilzeit- Toleranz“ sprechen?

Toleranz über die Obödienzen hinaus

In der Freimaurerei stellen wir leider allzu oft den menschlichen Faktor fest, welcher gerade zu Intoleranz führt. Es gibt in den sozialen Netzwerken Foren von Freimaurern in denen Brüder, welche sich als Agnostiker, Atheisten oder gar Antitheisten bekennen, als irregulär gebrandmarkt werden. Andersherum wird auch den Anhängern des Freimaurer Ordens mit ihrem Bekenntnis zu Jesu Christi die gleiche Irregularität vorgeworfen, da ja eigentlich die Freimaurerei keinen Bezug zu einer Religion haben darf. Wenn wir diese Diskussionen verfolgen oder uns sogar an ihnen beteiligen, so müssen wir uns oft ernsthaft die Frage stellen, was wir an Toleranz nicht verstanden haben. Wir sind alle Brüder in der Vereinten Großloge von Deutschland und haben hierbei unsere Loge gesucht und gefunden. Durch die Vielfalt in der VGLvD kann jeder nach seinen Interessen seine Bruderschaft finden. Somit sollten wir also an unserer Toleranz arbeiten und die Brüder anderer Großlogen ebenso als regulär anerkennen, wie wir es auch für uns erwarten.

Toleranz für Mitmenschen

Oft muss man leider feststellen, dass die Toleranz auf der Strecke bleibt, wenn es um unsere Mitmenschen geht. Da werden schnell Vorurteile gefällt und Menschen in Schubladen gesteckt. Tolerant sein ist dann eine Modeerscheinung, wenn es gut passt oder bequem ist. Da werden den Hilfsorganisationen, welche sich um Flüchtlinge kümmern, finanziell geholfen, aber wenn dann die Turnhalle besetzt ist und das abendliche Fußballtraining ausfallen muss, dann ist die Toleranz auch schon wieder weg. Man hat ja schließlich schon geholfen.

Toleranz für unsere Schwestern

Mangelhafte Toleranz stelle ich auch oft von Brüdern gegenüber den Schwestern der Frauengroßloge fest. Sie werden als irreguläre Schwestern abgetan oder als „nette Gruppierung“. Aber ist es im Jahr 2017 wirklich ein freimaurerischer Gedanke, diese Art von Sexismus und Diskriminierung gegenüber Frauen zu haben? Ich denke nicht. Die Schwestern folgen den gleichen hohen Zielen und Idealen der königlichen Kunst, wie auch wir Brüder. Aber gerade hier sieht man auch die „Teilzeit-Toleranz“ einiger Brüder am deutlichsten: Die Clubabende der Damen werden zwar gern gesehen und sich mit Frauenlogen im Logenhaus geschmückt, aber wenn es zu Tempelarbeiten oder sogar zu Gemeinschaftsarbeiten kommen soll, wird hier von der abstrusen Idee von der „Entweihung des Tempels“ gesprochen und rigoros abgelehnt. Jedoch ist so eine Ausgrenzung nach 300 Jahren Freimaurerei nicht mehr zeitgemäß und unangebracht.

Sichtweise auf die Toleranz

Man muss sich in Toleranz üben und auch bereit sein, die Sichtweise zu ändern. Was für den einen tolerant sein bedeutet ist für den anderen Menschen evtl. schon Normalität. Wann wir etwas tolerant sind, kann nicht allgemeingültig definiert werden und liegt im Auge des jeweiligen Betrachters. Die Sichtweise auf Toleranz ist hier ein fließender Prozess. Ändern wir unsere Sichtweise über einen bestimmen Vorfall oder Grund, den wir toleriert haben, so kann dies dann in unsere allgemeine Einstellung übergehen.

Keine Toleranz, auch keine Teilzeit-Toleranz

Toleranz, egal in welcher Ausprägung und Form, kann auch völlig fehl am Platz sein. Der Maurer wird im Ritual aufgerufen in die Welt rauszugehen und sich als Freimaurer zu bewähren, dem Unheil nie den Rücken zuzudrehen. Bei Misshandlungen von Schutzbedürftigen, Kindern und Diskriminierung dürfen wir nie und niemals auch nur den Hauch einer Toleranz zeigen oder auch nicht wegsehen. Dem Schwachen zu helfen haben wir alle geschworen und uns für ihn einzusetzen. In jeder Ritualarbeit werden wir erneut daran erinnert. Das macht unsere ethische Geisteshaltung, was die moderne Freimaurerei nun einmal ist, aus.

Vorurteile und Teilzeit-Toleranz

Es ist an uns, am eigenen Stein zu arbeiten und uns in Toleranz zu üben und die Herausforderung anzugehen, nicht in Vorurteile zu verfallen. Vorurteile sind es, die unserer alltäglichen Toleranz und Akzeptanz im Wege stehen. Wir fallen sie unbewusst, schnell und oftmals ohne böse Absicht. Wir beurteilen unser Gegenüber anhand von einem vorgefertigtem oder von außen geprägtem Bild und denken zu sehr in Schubladen. Diese Einteilung macht jeder Mensch und stellt per se kein grundsätzliches Problem dar, außer, wenn diese geistige Gruppierung auf Vorurteilen und nicht auf Fakten basiert. Hier sind wir alle aufgefordert uns nicht blind leiten zu lassen oder zu glauben was uns von außen herangetragen wird. Hier heißt es zu reflektieren und nachzuvollziehen warum ich dieses Urteil über jemanden anderen gefällt habe. Ob wir jemanden wortwörtlich riechen können, entscheiden wir Menschen über unsere Nase und Botenstoffe, ob wir jemanden sympathisch finden, anhand des ersten Eindrucks. Dies alles geschieht innerhalb von Sekunden und es dauert ein vieles länger, den Menschen aus der Schublade wieder herauszunehmen.

Toleranz und Gelassenheit

Wo genau liegt der große Vorteil, wenn wir uns in Toleranz üben? Hierbei kommt die Gelassenheit an erster Stelle. Sich in Toleranz üben heißt auch Gelassenheit für sich zu entwickeln, gelassen gegenüber einigen Einflüssen zu sein. Wir werden uns weniger über etwas Unnötiges aufregen, Zeit und Anstrengung verschwenden in Dinge, welche wir zum einen nicht mehr beeinflussen können oder ohnehin nicht für so bedeutungsvoll sind, wie sie auf dem ersten Blick erscheinen. „Aus jedem Tag das Beste zu machen, das ist die größte Kunst“, sagte schon der Philosoph und Schriftsteller Henry David Thoreau. Ist es hierbei gerade nicht von großem Vorteil, wenn man seine Lebzeit nutzt und daraus das Beste macht und nicht in Vorurteilen, Intoleranz und damit in Unruhe und Stress versinkt? Gerade die Gelassenheit geht doch Hand in Hand mit einer der wichtigsten Meistertugenden in der Freimaurerei, der Geduld. Geduld kann ich nur entwickeln und verstärken, wenn ich die nötige Gelassenheit mitbringe. Alleine die Gelassenheit wäre ein eigener Artikel wert.

Persönliches Fazit

Wenn wir also die Teilzeit-Toleranz und die Intoleranz, basierend auf Vorurteilen überwinden, kommen wir der Idee der Toleranz als Grundsatz der Freimaurerei immer näher und somit haben wir uns bemüht, dieses Ziel zu erreichen. Gelassenheit führt uns auf direktem Weg zur Geduld und verbessert den mitmenschlichen Umgang.

Ich selbst kann mich leider auch nicht aus diesen Gedanken herausnehmen, auch ich arbeite weiterhin an meinem rauen Stein, an meinem Ich. Geduld und Gelassenheit ist leider nicht wirklich meine größte Tugend und bedarf täglich an Nachbesserung. Ich ertappe mich immer wieder, wie ich gegenüber meinen Mitmenschen oder auch Brüdern wenig Toleranz an den Tag lege. Ich höre dann in diesen Situationen oftmals Sätze wie „Heute bist du wieder mal Freimaurer mit Teilzeit-Toleranz“. Natürlich fühle ich mich dann dabei ertappt, muss aber auch lachen und gelobe Besserung. Aber gerade diese Worte haben mich über die Toleranz etwas nachdenken lassen….

Überdenken wir unser Verhalten innerhalb der Loge, gegenüber unseren Brüdern und Schwestern aber vor allem gegenüber unseren Mitmenschen in der profanen Welt. Hämmern wir noch etwas am Stein…ich fange mit mir selbst an…

AUDI – VIDE – TACE

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Einleitung

Die Worte Audi, Vide, Tace, also höre, sehe und schweige ist nicht nur das Motto des Inlandsdienstes der Tschechei, sondern auch einer der typischen Sinnsprüche der Freimaurerei. Dies ist so prägend, dass er auf dem Gebäude der Vereinten Großloge von England (UGLoE) verewigt wurde.

Zuhören und sehen und danach über das Erfahrene schweigen sollen nicht nur die Lehrlinge (welche dies durchaus noch erlernen müssen und vieles neues erfahren werden), sondern auch die Gesellen und Meister. Gerade das dauerhafte Lernen und Erlernen ist ein wichtiges Kriterium in der Freimaurerei. Nur wer lernt und sich weiter erkennt, kann auch an sich arbeiten.

Gerade das Lernen und das Erfahren geschieht bei Menschen über seine Sinne. In der Freimaurerei sind alle vertreten und alle Sinne werden auch angesprochen. Jedoch sind sicherlich das Sehen und Hören und somit auch das damit verbundene aufnehmen von Informationen die wichtigsten Sinne. Diese werden mehrfach und auch auf unterschiedliche Weise angesprochen. Abgerundet wird es dann vom Schweigen, in dem wir das uns Anvertraute nicht nach außen tragen.

Betrachten wir die einzelnen Aspekte einmal für sich und die Freimaurerei:

Audi – Vom Hören

Das Zuhören in der Loge ist ein wesentlicher Bestandteil der gemeinsamen brüderlichen (oder schwesterlichen) Abenden. Nicht nur in den Rituellen Arbeiten im Tempel ist der Bruder dazu aufgefordert dem Redner zu lauschen und dessen Ideen und Gedanken zu reflektieren. Hier kann sich der Maurer völlig fallen lassen und seine Gedanken um die Worte des Vortragenden kreisen lassen. In der Stille arbeitet er (oder sie) an den eigenen Gedanken, welche darauf entstehen.

Zuhören in der Loge

Noch wichtiger ist das Zuhören in den Vortragsabenden mit Aussprache. Hier gilt es gewissen Regeln für den Gedankenaustausch (eine freimaurerische Art der Diskussion) zu befolgen. Der Redner hat das Wort exklusiv und wird nicht unterbrochen. Es werden auch nicht die Meinungen der Brüder gewertet. Somit ist jeder aufgefordert (der sich beteiligen möchte) seine Ideen und Gedanken zu dem vorangegangenen Vortrag beizusteuern. Die anderen Teilnehmer sind in der Position des Zuhörers. Man lässt also das Wort und die Meinung des anderen wertfrei zu und zeigt mit dem Zuhören auch seinen Respekt gegenüber den Brüdern. Somit sollte auch keine Diskussion entstehen, sondern ein sogenanntes brüderliches Gespräch, da eben eine Diskussion die Worte des Einzelnen bewertet.

Zuhören als Tugend

Das „sich selbst zurücknehmen“ und damit ein Schweigen (was wir noch ausführlich betrachten werden) und aktives Zuhören, sollte in den Lehrjahren eines Freimaurers gefördert werden und dann auch eine gewisse Tugend bedeuten. Die Kontrolle über sich selbst, wenn man am liebsten hinausschreien oder widersprechen würde ist eine der schwierigsten Aufgaben eines Maurers, da es nur allzu menschlich ist, Widerworte zu geben, wenn uns etwas gegen den sprichwörtlichen Strich geht. Hat der Bruder (oder die Schwester) dies einmal für sich selbst gelernt, kann diese Eigenheit, des „Aktiven Zuhörens“ auch in anderen Lebenslagen von großem Nutzen sein. Denken wir einmal an Besprechungen oder Meetings innerhalb des beruflichen Umfeldes. Oder sogar an Treffen und Abstimmungen mit Kunden. Hier wird man schnell feststellen, dass zuhören und sich selbst auch zurückzunehmen einen neuen Umgang untereinander schafft, sogar bis zu einem verbesserten Umgang mit Kunden. Aber auch in der kleinsten Gemeinschaft, der Partnerschaft oder Familie kann es mehr als nützlich sein, sich auf sein Gegenüber einzulassen und ihm/ihr zuzuhören. Hier können die Ideen des „Hörens, Sehens, Schweigens“ durchaus einen nützlichen Bestandteil bilden und oftmals auch neue Blickwinkel auf die Meinung des Partners zulassen.

Zuhören als Reise vom Lehrling zum Meister

Die Aufgabe des Lehrlings auf seinem Weg zum Meister ist das aktive Studium des eigenen Ichs. Das „Erkenne dich selbst“ und die damit verbundene Arbeit am rauen Stein, am eigenen Ich, bildet den Weg, den der Maurer für sich gehen muss. Hierbei muss er als Geselle auch reisen und Erfahrungen sammeln, andere Logen besuchen und auch hier Eindrücke erfassen und zuhören. Aber auch das Gespräch mit seinem Bürgen, der ihn durch diesen Weg hin begleitet, ist vom Zuhören geprägt. Denn dieser sollte mit ihm über seiner Entwicklung als Freimaurer sprechen, seine Entwicklung reflektieren und ihn auf dem rechten Weg halten. Hierfür muss der Bruder auch zuhören und die Worte in sich wirken lassen können.

Der junge Maurer hört aber auch Dinge, bekommt Symbole und Sinnbilder erklärt und muss versuchen diese zu erfassen und in seinen bisher gelernten maurerischen Horizont zu bringen. Er muss sich auf diese Sinnbilder einlassen und den Worten der erklärenden Brüder mit der nötigen Aufmerksamkeit lauschen. Sollte aber der Informationsgehalt zu viel sein, so kann man sich immer noch auf die nächste rituelle Tempel Arbeit vertrösten, den oftmals werden die Symbole und Sinnbilder wieder und wieder in den sogenannten „Werkslogen“ erklärt und erläutert.

Vide – vom Sehen

„Als visuelle Wahrnehmung (von lateinisch videre ‚sehen‘) bezeichnet man in der Physiologie die Aufnahme und Verarbeitung von visuellen Reizen, bei der über Auge und Gehirn eine Extraktion relevanter Informationen, Erkennung von Elementen und deren Interpretation durch Abgleich mit Erinnerungen stattfindet. Somit geht die visuelle Wahrnehmung weit über das reine Aufnehmen von Information hinaus.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Visuelle_Wahrnehmung)

Mit den Augen sehen ist sicherlich einer der wichtigsten Sinne, die wir Menschen haben. Das Sehen ist ein fester Bestandteil einer jeden rituellen Arbeit, da der Mensch über alle Sinne seine Wahrnehmung schärft. Uns werden Zeichen und Symbole vermittelt, deren tiefere Bedeutung wir oftmals erst im Laufe der Jahre erkennen und verstehen.

Sehen im Tempel

Interessenten an der Freimaurerei kennen sicher alle die historischen Bilder, welche eine Aufnahme in die Bruderschaft darstellen, bei der dem Neuaufzunehmenden oder Neophyten die Augen verbunden sind. Dies dient nicht nur der Sicherheit der Brüder, welche unerkannt bleiben wollen und sich nur dem Bruderkreis offen zeigen, nein die Augenbinde hat auch einen symbolischen Charakter im Tempelraum. Der neu aufzunehmende Bruder wird mit verbundenen Augen in den Tempelraum eingeführt. Dieses symbolische „Nicht-Sehen“ soll dem Suchenden vor Augen führen (merkt ihr die Ironie an dem Satz J), dass er sich bisher nicht sehend durch die Welt bewegt hat und das Licht sucht. Er sieht den Bruderkreis vor dem Abnehmen der Binde nicht und muss sich diesem blind anvertrauen, wenn er aufgenommen werden möchte. Nur jemand, der seinen Brüdern blind vertrauen würde, der kann auch von der Gemeinschaft angenommen werden. Vertrauen aufeinander bildet hier eine der wichtigsten Grundlagen der modernen Freimaurerei.

Ziel dieser Handlung ist es, ihm das Augenlicht wiederzugeben und ihn sehend zu machen. Er soll seine neue Wirklichkeit erfassen und seine Augen und somit auch seinen Geist für neue Dinge öffnen.

Der Prozess des Sehens

Mit der Öffnung der Augen und dem Entfernen der Binde beginnt der Prozess des Sehens und Erfassens von Symbolen und Sinnbildern, wie sie in der Freimaurerei üblich sind. Er muss die Zeichen und vor allem die Bedeutung lernen, wie sie seit vielen Hundert Jahren vermittelt und weitergegeben werden. Diese dienen der winkelgerechten Lebensführung und der Verbesserung seiner ethischen Haltung, seines ethischen Handelns und seines rauen Steins.

Sehen im sozialen Umfeld

In der Abschlussansprache des Stuhlmeisters einer jeden rituellen Arbeit werden die Brüder konkret aufgefordert, niemals wegzusehen und Not und Leid den Rücken zuzukehren: „[…] Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf euch selbst. […] Dies wiederum ist keine Aufforderung für den Tempel alleine. Sie zeigt, dass der Bruder Freimaurer im profanen Leben die Augen aufhalten und einschreiten soll. Dies muss nun nicht gleich Aufgaben umfassen wie Kriege zu stoppen, aber sich zumindest für eine humanitäre Lösung von Leid und Konflikten einzusetzen oder seine Meinung zu beziehen. Auch in kleinem Rahmen sollte dies ein Muss ein. Nicht wegsehen, wenn auf offener Straße Unschuldige angegangen werden, nicht wegsehen, wenn Unrecht geschieht. Immer wachsam sein und die Augen für die Gefahren dieser Welt offenlassen. Die Augen wurden dem Bruder ja mit der Aufnahme geöffnet, nun muss er sie auch lernen im realen Alltag offen zu halten.

Tace – Vom Schweigen

Ist es nicht in einer so geschwätzigen Zeit, mit Twitter, Facebook und den anderen sozialen Netzwerken, eine gewisse Tugend, wenn man einfach schweigen kann? Wenn man die Ruhe sucht und diese zu schätzen lernt? Gerade diese Ruhe schafft eine gewisse Entspannung, welche dazu dienen kann, die leeren Batterien wieder aufzutanken.

Schweigen bei den Hochgraden

Im alten und angenommenen Schottischen Ritus finden wir ebenso Hinweise auf das Schweigen per se. Der 4. Grad, also der Grad in den man in den AASR aufgenommen wird, ist der Grad des „geheimen Meisters“. Dieser Meister hat sich vor allem durch „das Schweigen“ auszuzeichnen. Diese Meistertugend gilt es also auch in den Hochgraden zu erlernen und zu pflegen. So wie jeder Meister, egal in welchem Grad oder Hochgrad immer auch ein Lernender ist, muss er sich auch weiterhin gerade in dieser Tugend üben.

Schweigen nach außen

Aber warum schweigen die Freimaurer denn vor Außenstehenden, sind sie sogar ein Geheimbund? Unsere Satzungen kann man offen lesen und da eine Freimaurerloge wie ein Verein aufgebaut und strukturiert ist, kann man auch die Vorsitzenden, also den sogenannten Meister vom Stuhl namentlich kennenlernen. Zudem betreiben die meisten Logen durchaus informative Webseiten oder Foren um Interessenten und Suchenden eine geeignete Plattform zu bieten. Selbst ihr, meine Leser habt meinen Blog gefunden und könnt über Freimaurerei einiges erfahren. Daher denke ich es wäre unangebracht von einem Geheimbund zu sprechen. Was jedoch stimmt ist (und ich möchte hier gern ein Zitat von Dan Brown verwenden) dass Freimaurer „ein Bund mit Geheimnissen sind“.

Gerade diese Geheimnisse, geheime Zeichen und Worte, grenzen uns von den Außenstehenden ab und lassen eine Bruderschaft entstehen, welche auf die gleichen Werte und Ideale baut. Wir schweigen nicht um etwas zu verheimlichen oder wie oft behauptet wird um „die Welt zu erobern“, sondern einfach um die Gedankenwelt der Freimaurerei von Außenstehenden abzugrenzen. Einer außenstehenden Person sind oft die Zeichen und die Symbole der Freimaurer unverständlich und auch die Gedankenwelt mag fremd erscheinen.

Zudem ist es denn so ungewöhnlich? Wir Freimaurer verstehen uns als Brüder. In einer Loge kann und soll auch offen miteinander und untereinander kommuniziert werden. Da ist es mehr als verständlich, wenn diverse Interna nicht nach außen getragen werden. Das eigentliche „freimaurerische Geheimnis“ ist eher die Frage an jeden Einzelnen, was Freimaurerei für einen selbst ist und wie es erlebt wird. Das Geheimnis der Freimaurerei muss jeder Maurer für sich selbst entdecken. Somit ist Freimaurerei eher etwas Egoistisches und schwer zu beschreiben. Würde man 30 Maurer nach dem Geheimnis fragen, so würde man auch 30 unterschiedliche Antworten bekommen. Was wiederum auch einer der Gründe ist, warum sich Menschen in eine Loge begeben…eben diese Vielfalt an Ideen, Gedanken und Interessen. Dieser Austausch bereichert einen selbst.

In früherer Zeit war die Wahrung der Geheimnisse noch viel dringender als heute. Früher, als es noch die Bauhütten gab und die Kirchen und Kathedralen gebaut wurden, konnten die wenigsten Lehrlinge und Gesellen lesen. Daher wurden die Symbole ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Auch die Zeichen und Worte wiesen den jeweiligen Status des einzelnen aus, nach welchem er auch seinen Lohn bekam. Kannte man die entsprechenden Zeichen und Worte und wusste um die Symbolik in dem jeweiligen Grad, so konnte man frei umherziehen und sich dort niederlassen wo man Arbeit fand. Man musste sich nicht durch ein Dokument ausweisen, sondern konnte dies tun ohne ein Schriftstück zu haben.

Man kann viel darüber reden, diskutieren und spekulieren warum es Logen gibt, die sich wenig öffnen und andere eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit haben. Ich denke das muss jeder für sich selbst wissen, ob er sich öffentlich dazu bekennt. Was jeder Maurer aber unbedingt sein muss ist verschwiegen. Es gilt nach wie vor die Loge nach außen zu schützen und die Geheimnisse zu bewahren.

Vom Schwiegen in der Loge

Gerade in dieser eher ruhelosen und stürmischen Zeit, ist Ruhe und damit Verbunden das Schweigen eine der wichtigsten Güter. Gerade in einer Loge und vor allem zu den Tempelarbeiten suchen die Brüder und Schwestern die Ruhe auf. Hierbei ist es also mehr als verständlich, wenn die Brüder auch dazu aufgerufen werden, ihre Handys auszuschalten. Dem Alltag entfliehen und sich völlig fallen lassen in diese meditative Arbeit. Zudem hat es auch mit einem gewissen Respekt zu tun, wenn man sich auf die Tempelarbeit mit den Brüdern/Schwestern komplett einlässt und den Worten des Bruders Redner lauscht.

Aber nicht nur während einer rituellen Arbeit ist Schweigen ein wichtiges Gut. Auch im Umgang der Brüder untereinander geht es um das Bewahren von Anvertrautem. Wenn mir ein Bruder etwas in einem brüderlichen Gespräch anvertraut und ich ihm auf Maurer-Wort schwöre, dies für mich zu bewahren, so sollten wir doch hierüber Schweigen und dieses Geheimnis wahren. Dazu gehört auch, dass persönliche Emails und Nachrichten nicht ohne Wissen des Absenders an neue Adressaten weitergeleitet oder versendet werden sollten. Der Maurer muss sich auf die Tugendhaftigkeit seines Bruders verlassen können, denn genau dies macht diese jahrhundertealte Bruderschaft mit aus.

Ebenso ist schweigen und auch das Zuhören angebracht im Rahmen eines brüderlichen Gespräches oder Vortragsabend. Hier lässt man den Bruder ausreden und wertet seine Aussage nicht. Der gegenseitige Respekt zählt, auch wenn er in einer sehr hitzigen Diskussion leider auch einmal von dem ein oder anderen vergessen wird.

Fazit

Zusammenfassend muss man sagen, dass diese drei Grundlagen Sehen, Schweigen und Hören nicht nur in der Freimaurerei die Grundlage für ein sinnvolles Gespräch sowie den Prozess des Lernens sind, sondern grundsätzliche Aspekte im mitmenschlichen Umgang. Sich gegenseitig zuhören und ausreden lassen ist Bestandteil jeder Beziehung.

Wir wollen uns alle respektieren, einander zuhören, uns gegenseitig unterstützen, motivieren – eine Gemeinschaft sein und das Tag für Tag. So fängt es in der kleinesten Einheit, der Partnerschaft und Familie an, geht über das berufliche und soziale Umfeld und kann zu einer umfassenden Gemeinschaft führen, wie es die Freimaurer für sich seit Jahrhunderten anstreben.

Ein friedliches Weihnachtsfest

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern auf diesem Wege ein frohes und vor allem friedliches Weihnachtsfest.

Gerade nach dem Anschlag in Berlin dürfen wir uns das Fest nicht verderben lassen. Wir dürfen die Hoffnung nie verlieren und radikalen Kräften keine Plattform bieten, stattdessen sollten wir näher zusammenstehen als zuvor.

Genießt alle ein paar ruhige und schöne Tage im Kreis eurer Familien, Lieben und Freunde…

Ich möchte euch den Text eines bekannten Liedes noch als Gedankenanstoß hierlassen…wäre das nicht eine schöne Vorstellung?

Euer Br. René

 

„Imagine“ von John Lennon (alle Rechte bei John Lennon)

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today… Aha-ah…

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion, too
Imagine all the people
Living life in peace… You…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world… You…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

*BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!

Heute Morgen fand ich eine liebe Email meines Bruders und Mit-Bloggers Philip Militz im Posteingang mit dem Hinweis auf einen seiner Artikel: http://www.freimaurer.online/2016/11/geistesblitz-bam-jo-das-ist-freimaurerei/ Dieser wiederum hat unseren Bruder und ebenso Mit-Blogger Hagen zu seinem Artikel veranlasst: https://hagenunterwegs.wordpress.com/2016/12/02/bam-jo-das-ist-freimaurerei

Natürlich möchte ich ebenso einen kleinen Beitrag zu leisten:

Als ich vor einigen Jahren in Paris über ein verlängertes Wochenende war, nutze ich die Zeit und besuchte das Freimaurer Museum des Grand Orient de France (Musée de la Franc-Maçonnerie).

Meine Partnerin und ich schlenderten durch diese wirklich beeindruckende Ausstellung und genossen die Zeit in diesen erstaunlichen Hallen. Am Ende des Museums gab es einen kleinen Shop in dem ich mich für einige Bücher interessierte. Da meine Partnerin fließend französisch sprach, bat ich sie, den dort sitzenden Mann (von dem ich aufgrund seines auffälligen Ringes annahm Freimaurer zu sein) zu fragen, was man hier im Gebäude denn sonst noch ansehen kann. Der Mann gab als Antwort zurück, dass es hier nur diese Ausstellung zu sehen gab. Also ließ ich ihn fragen, was man denn als Freimaurer hier noch sehen kann/darf. Er sah meine Partnerin verblüfft an und fragte sie, ob sie denn eine Schwester sei. Sie verneinte und meinte, dass ich ein Bruder wäre.

Wieder sah ich in ein verblüfftes Gesicht und er streckte mir wortlos seine Hand hin. Ich ergriff sie und stelle fest, dass die Erkennungszeichen der Freimaurer, in diesem Fall also der Griff weltweit eindeutig waren. Er erkannte mich als Bruder Meister und so führte er uns durch einige Gänge. Er zeigte uns einige der knapp 20 Tempelräume, nahm sich die Zeit für Erklärungen zu den Räumlichkeiten, zum Gebäude, der Bibliothek im obersten Stock und dem Grand Orient de France im Allgemeinen. Zum Abschluss lud er mich noch zur Teilnahme an einer Ritualarbeit ein, welche ich leider aufgrund der begrenzten Zeit und der Tatsache, dass ich keinerlei Utensilien mit dabeihatte, ausschlagen musste.

Man sieht also, auch im Ausland funktioniert die weltweite Bruder-/Schwesterkette!