Who are you – Wer bist du?

Dem Suchenden wird während seiner Aufnahme vermittelt, dass es als Lehrling darum geht, an dem eigenen rauen Stein zu arbeiten, sich selbst zu erkennen, sich seiner Stärken und Schwächen bewusstwerden und infolge an ihnen zu arbeiten. Diese Arbeit am „eigenen Ich“, am Innersten, auf dem Weg zur Vervollkommnung dieses Ichs, dauert die Lehrlingszeit über an und, wenn wir zu uns selbst ehrlich sind, ist sie nie wirklich ganz abgeschlossen. Der erfahrene Meister kann immer noch ein Lehrling sein. Wir arbeiten stetig weiter an unserem rauen Stein, damit dieser in dem angestrebten „Tempel der Humanität“ einen Platz findet.

Doch wenn wir die Aufgabe, welche dem Lehrling gestellt wird, genau betrachten, dann müssen wir dabei feststellen, dass eine wichtige Voraussetzung hierfür nicht gegeben ist.

Wenn wir an unseren Ecken und Kanten, ja an unseren Stärken und Schwächen arbeiten sollen, so muss die ERSTE Aufgabe des Lehrlings doch heißen, dass er/sie erkennt, wer er/sie selbst ist!

Wer bist du? Wer bist du selbst und was macht dich aus?

Stellt man sich also diese Frage und versucht sie zu erörtern, so erkennt man sehr schnell, dass dies kaum möglich ist. Die Betrachtung des inneren Selbst und dem „wer wir sind“ ist immer eine Momentaufnahme.

Wir entwickeln uns stetig weiter. Definieren uns über das Tun und Handeln in der Gesellschaft und unseren Verstand. Äußere Einflüsse und Umstände prägen uns und können sogar unser Denken und Handeln beeinflussen/bestimmen. Sei es durch anderen Menschen, die uns begegnen, sei es aber auch durch Medien, Nachrichten, Meinungen, welche diese Prägung abrunden können. Zudem darf man den sozialen Hintergrund dabei nicht außer Acht lassen, sowie die Erziehung im Kindes- und Jugendalter. Wenn wir nun weiterdenken, so müssen wir zu dem Schluss kommen, dass jegliche Überlegungen zu der Frage „Wer bin ich und was macht mich aus?“ nicht sinnstiftend in der Momentaufnahme alleine zu sehen ist, sondern vor allem rückblickend auf das bisherige Leben.

Folglich müssen wir uns fragen:

„Wie wurde ich zu dem, der ich bin? Bin ich der Mensch, der ich sein will? Und wenn nicht, wie werde ich zu diesem Menschen?“

Der Suchende, der Lehrling, der Geselle und der Meister, in allen Graden soll nie vergessen, wo er herkommt und wer er ist, was einen geprägt und erzogen hat.

Wenn diese „Selbst-Analyse“ erfolgreich abgeschlossen ist, erkennt man, warum man der Mensch ist, der man ist. Danach kann man sich die Frage erneut stellen, ob man der Mensch wurde, der man schon immer sein wollte. Lebt man einen Traum, oder träumt man sein Leben?

Leider wird einem Freimaurer erst im Meistergrad offenbart, wie endlich das Leben sein kann. Das Memento Mori, die Endlichkeit seiner eigenen Existenz. Wird man sich schließlich der Endlichkeit seines Lebens bewusst, so sollte man die Frage nach dem „Bin ich der Mensch, der ich sein will?“ unmittelbar stellen. Erkennen wer man ist, definieren wo man hinmöchte und welche Ziele man erreichen möchte. Als Produkt dieser Analyse werden sicherlich auch die eigenen Stärken und Schwächen offenbart, die Ecken und Kanten, die Dellen und die Löcher…und mit dieser Erkenntnis kann die junge Maurerin oder der junge Maurer beginnen an sich zu arbeiten und sich zu entwickeln. Denn wenn man sich erkannt, die überflüssigen Ecken definiert hat (an denen gearbeitet werden muss), dann kann man die Umsetzung angehen und schlussendlich zu dem Menschen werden, der man sein möchte, auch wenn dies ein schwerer Weg sein kann.

Das entscheidende dabei ist aber die Erkenntnis, dass dieser Prozess ein stetiger Prozess ist, der nicht abgeschlossen wird. Wir arbeiten an uns, definieren und erfinden uns regelmäßig neu. Wir legen Maßstäbe und die Winkelwaage an und korrigieren uns. Justieren uns neu!

Somit müssen wir zusammenfassend sagen, dass die Arbeit am rauen Stein, am eigenen Ich, ein stetiger Prozess der Selbstanalyse ist, indem wir uns immer wieder reflektieren sollten (oder von anderen reflektieren lassen und das willkommen aufnehmen und prüfen).

Fazit

Bleibt abschließend die Frage offen, ob ich selbst der Mensch bin, der ich sein wollte oder der ich sein will. Leider muss ich ehrlich zu mir sein und diese Frage verneinen. Ich habe oftmals meinen 24-zölligen Maßstab der Zeiteinteilung falsch angesetzt und dadurch vieles vernachlässigt, was ich nie hätte tun sollen. Auch habe ich meine Winkelwaage falsch angesetzt und Menschen in meinem Umfeld weh getan. Geduld ist nach wie vor nicht meine Meistertugend…

Immerhin habe ich das alles bei der Selbstreflektion erkannt und kann daran arbeiten, auch wenn sich einiges nicht mehr rückgängig machen lässt.

Aber ich arbeite weiter an meinem rauen Stein und schlage weiter auf meine Ecken und Kanten ein. Weiter immer weiter…Und ich setze mir dabei immer neue Ziele: Das Ziel, der zu sein, der ich sein will!

Komm auf die gute Seite – Von der Problematik „Gut und Böse“

Vor kurzem habe ich in Facebook die Überschrift einer Diskussion gelesen mit dem seltsamen Titel: „Es ist noch Zeit sich zur guten Seite zu bekennen!“.

Mit den einleitenden Worten der Diskussion war sicherlich ein Bezug auf einen christlichen Hintergrund gemeint. Zumindest ist es in diesem Zusammenhang in Facebook erschienen. Jedoch würde die Aussage sich „zur guten Seite“ zu bekennen nur einen Sinn machen, wenn wir die gute und ebenso die böse Seite definieren. Doch wer kann dies schon?

Dieser Einstieg würde einer Diskussion über Gut und Böse gleichkommen. Dazu muss man allerdings erkennen, dass dieses Gespräch sehr stark abhängig ist vom persönlichen Empfinden und der eigenen Perspektive. Kultureller Hintergrund, die eigene Erziehung, als auch die Bildung sind hier ausschlaggebend.

Definition von Gut und Böse

Menschen mit einem gläubigen Hintergrund würden sicherlich ihren Gott als das symbolisierte Gute betrachten. Doch gehen wir einen Schritt weiter und würden einen Satanisten fragen, so würde dieser die vorherige Aussage negieren und Satan als sein Gutes definieren. Wiederum würde ein Atheist gänzlich von dieser Diskussion um das symbolisierte Gute ausgeschlossen werden, da er ja keinen religiösen Bezug hat, um diese Frage anzugehen. Daher würde er dies eher auf einem ethischen Weg versuchen und z.B. Organisationen, welche sich für humanitäre Projekte einsetzen, per se als „Gut“ definieren oder ähnliches. Hingegen wären destruktive Kräfte oder/und Gruppierungen eher „Das Böse“. Wenn wir nun erneut einen Schritt weiter gehen, so stellen wir fest, dass auch Dinge, Gegenstände, Ereignisse oder sogar nur Zustände eines Elementes als gut oder böse definiert werden können.

Beispiel für die zwei Seiten der Medaille

Nehmen wir das Element Wasser einmal als Beispiel. Es kann in einer unwirklichen Umgebung wie einer Wüste das Leben retten, aber eben auch bei einer Sintflut Leben zerstören. Ein Aggregatszustand des Wassers, nämlich Dampf, kann in einem Dampfbad entspannend wirken, jedoch bei zu heißem Dampf Verbrennungen verursachen.

Selbst Feuer kann ganze Gegenden zerstören, aber ebenso Wärme spenden in der kältesten Nacht.

Strom kann in unserer modernen Welt dafür sorgen, dass sie für alle bequem ist. Sei es, dass die Elektrizität Autos antreiben kann, oder auch jedes beliebige andere technische Gerät. Jedoch angebracht an einen elektrischen Stuhl, kann dieser tödlich sein. Das mag nun ein krasses Beispiel sein, zeigt jedoch deutlich die zwei Seiten auf.

Eine simple Scheibe Brot kann für den einen ein lebensrettendes Gut sein, für den anderen jedoch kaum eine Beachtung wert.

Man stellt schnell fest, dass man diese Liste beliebig weiterführen kann. Jedoch kann man anhand dieser einfachen Beispiele schnell sehen, dass ein gleicher Sachverhalt oder ein gleiches „Ding“ aus unterschiedlichen Perspektiven mal gut und auch mal böse sein kann. Somit kann dies also keine eindeutige Eigenschaft des Objektes sein.

Zurückkommend zur Aussage über die „Gute Seite“ bleibt somit die Frage offen, wer diese definiert und festlegt. Dazu kommt noch ganz entscheidend der Punkt: Unterliegt diese Festlegung dem Wandel der Zeit?

Sind nicht die guten Wertvorstellungen, die guten Aspekte in den christlichen Werten langsam übergegangen zu Wissenschaft und Gottlosigkeit? Haben Menschen aufgrund der letzten Skandale innerhalb der Kirche (Kindesmissbrauch, Vergewaltigung von Nonnen und Unterdrückung von Frauen, etc.) nicht der vermeintlich „guten Seite“ den Rücken gekehrt und sich neu ausgerichtet (was „das Gute“ angeht)?

Definition von Gut und Böse

Die Definition von Gut und Böse ist so unterschiedlich, dass sicherlich jeder Mensch im Detail eine persönliche Auslegung und Definition hat.

Warum sollte ich also auf eine Seite wechseln, wenn ich nicht mal weiß, wie mein Gegenüber diese definiert hat? Vielleicht bin ich ja schon auf meiner richtigen, meiner guten Seite angekommen? Und was ist, wenn sich diese Seiten nicht klar definieren lassen, wenn die Grenzen fließend sind? Wenn es eben zwischen dem Weiß und Schwarz auch noch viele Töne an Grau gibt?

Sucht euch eure „Gute Seite“ und definiert sie für euch selbst! Und lasst euch nicht einreden, auf eine Seite zu wechseln, die ihr nicht wollt. Seid wie ihr sein wollt…

 

Glücklich sein oder doch lieber zufrieden? Ein Essay über das Streben nach Glück und Zufriedenheit

„Bist du für deine Arbeit bezahlt worden? – Ich bin zufrieden!“

Diesen Dialog werden viele Brüder kennen, die regelmäßig an den Arbeiten ihrer Loge teilnehmen. Der Aufseher beantwortet dem Meister die Frage nach seiner Bezahlung mit den Worten „zufrieden“.

Aber gerade in unserer heutigen Zeit streben die Menschen eher nach Glück und dem Gefühl glücklich zu sein. Hollywood lebt es uns vor, happy endings und andauerndes Glücksgefühl. Man wünscht sich gegenseitig Glück und Menschen erleben den „glücklichsten Tag ihres Lebens“ während ihrer Hochzeit. Selbst in den Comics (Donald Duck und Gustav Gans) wird uns schon das Streben nach dem Glück vorgelebt.

Trotzdem wirken viele Menschen unzufrieden. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass Glück und Zufriedenheit sind nicht dasselbe sind!

Über Glück

Glück und glücklich sein ist eher ein flüchtiges Gefühl. Ein kurzfristiger Zustand, ein Hochgefühl. Natürlich freut es uns, wenn wir dieses Gefühl erleben, es durchdringt uns wie eine Droge und lässt uns hoch fühlen.

Über das Glück oder das Streben danach gibt es in der Literatur unzählige Bücher, es gibt Filme und ebenso häufig wird Glück in Liedern und Gedichten zum Gegenstand gemacht. Es gibt Kurse, in denen einem beigebracht werden soll, wie man das Glück findet, es gibt Ratgeber und auch Reisen ins Glück.

Scheinbar sucht jeder Mensch danach und wird oftmals nicht fündig.  Es scheint so schwierig zu sein, das Glück zu finden. Fast schon schlimmer als Gold zu schürfen. Aber vielleicht ist auch Glück das falsche Ziel, nachdem alle Welt sucht. Muss man denn immer und überall glücklich sein? Ist Glück etwas Unerreichbares geworden? Und setzen wir uns nicht viel zu sehr unter Druck, es erreichen zu müssen?

„Ich bin zufrieden“

Diese drei kleinen Worte sagen schon alles aus. Man ist mit dem was man hat, was man erreicht hat und besitzt zufrieden und ausgeglichen

Zwar wird einem das „glückliche Leben“ oft und fast schon überall angepriesen, aber wir setzen uns damit schon selbst unter Druck. Wir wollen mithalten, mit den anderen Menschen auf der gleichen Erfolgswelle schwimmen, und versteifen uns oft bei der Suche nach dem Glück. Sollten wir nicht „glücklich sein“ so setzen wir uns selbst einem gewissen Stress aus und setzen uns unter Druck. Doch dieser kann wenig gesundheitsfördernd sein. Dass aber diese krampfhafte Suche nach dem Glück nicht zufriedenstellend ist, versteht sich von selbst. Doch wir Menschen könnten so viel ausgeglichener werden, wenn wir die Ziele und Vorstellungen neu überdenken.

Das Ziel – die Zufriedenheit

Das eigentliche Ziel, wonach wir alle streben klingt vom Wortlaut eher wenig erstrebenswert. Zufriedenheit oder zufrieden sein.

Wir wollen immer höher hinaus, immer noch etwas Besseres, immer noch mehr. Dabei mag man zwischenzeitig durchaus glücklich sein. Momente des Glücks gibt es immer wieder in unserem Alltag. Doch etwas anderes bleibt dabei völlig auf der Strecke: Die Zufriedenheit.

Sichtweise der Zufriedenheit

Nicht immer sehen wir Menschen die Zufriedenheit oder vielmehr das Gefühl des „zufrieden seins“ aus dem gleichen Blickwinkel. Abhängig von den Lebensumständen kann das gleiche Ereignis unterschiedlich betrachtet werden.

Wir leben in einem der reichsten Länder dieser Welt, haben eine hohe Kaufkraft und können uns materielle Wünsche oftmals leicht erfüllen. Auf die mehrfach vor Geburtstagen oder Festen gestellte Frage: „Was wünscht du dir?“, wird oftmals nur ein kurzes „Nichts“ geantwortet. Und obwohl wir uns fast alles kaufen können, was unser Herz begehrt (je nach dem eigenen Budget), jagen wir dem Glück immer und immer weiter hinterher.

Aber betrachten wir einmal eine simple Scheibe Brot. Für einen hungernden Menschen mag diese Scheibe schon einen persönlichen Glücksmoment darstellen und für uns wahrscheinlich nicht mal ein Gefühl der Zufriedenheit. Oder auch der Faktor Gesundheit kann unterschiedlich betrachtet werden. Wir gehen zum Arzt, haben eine Krankenversicherung und können ohne uns zu Verschulden ärztlich behandelt werden. In Ländern der 3. Welt sterben heute noch Menschen an für uns scheinbare Kleinigkeiten wie Tuberkulose und Malaria. Selbst ein Arm- oder Beinbruch ist für uns wenig existenzbedrohend. Wir streben nach den neuesten Mobiltelefonen, neuesten Autos und andere Menschen würden sich mehr als „glücklich“ fühlen, überhaut eines zu besitzen.

Glück und Zufriedenheit scheinen unterschiedlich bewertet zu werden, je nachdem wo man her ist und welche Möglichkeiten man hat.

World Happiness Report

Eigentlich müssten wir doch sehr viel zufriedener sein, denn kaum ein Wunsch bleibt uns verschlossen. Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt.

Dennoch ist Deutschland im “World Happiness Report 2018” der UNO (http://worldhappiness.report/) (https://s3.amazonaws.com/happiness-report/2018/WHR_web.pdf) nur auf Platz 15 hinter weiteren europäischen Ländern wie die Niederlande, der Schweiz oder auch Finnland, welches sich auf Platz 1 befindet. Betrachtet man die Entwicklung über die letzten Jahre, so muss man doch feststellen, dass wir Deutschen uns von Platz 26 stetig nach oben gearbeitet haben.

Hierbei werden verschiedenste Faktoren aufgenommen, betrachtet und ausgewertet. Schwerpunkt liegt dabei auf:

  • Der Bewertung des eigenen Lebens
  • Dem Vorhandensein positiver Emotionen (Freude, Stolz)
  • Dem Vorhandensein negativer Emotionen (Schmerz, Zorn, Sorgen)

Bemerkenswert ist jedoch das Ranking der Länder unmittelbar um unseren Platz 15. Israel, ein Land, welches gezeichnet ist von Anschlägen, Terrorismus und Kriegen, steht dennoch auf Platz 11.

Selbst unsere Nachbarn wie die Schweiz (auf Platz 5) oder Österreich (Platz 12), von denen wir immer annehmen, dass wir so viel gemeinsam haben, liegen (deutlich) vor uns in der Bewertung. Doch was unterscheidet uns denn so sehr von unseren Nachbarn? Uns Deutschen wird immer die Tugend angedichtet, dass wir strebsam sind und in der Arbeitswelt klare Ziele und Regeln haben. Aber setzen wir uns damit nicht schon zu sehr selbst unter Druck? Oder engen wir uns womöglich sogar ein? Streben wir nach dem Erfolg, und zwar vermehrt nach dem finanziellen und materiellen Erfolg, und lassen wir dabei leider auch Wichtiges für uns selbst, für uns als Mensch, auf dem Weg liegen? Warum kann ein Land wie Israel vor uns Deutschen liegen? Natürlich sollten wir uns selbst nicht für zu wichtig nehmen, aber der Vergleich zeigt dennoch, dass wir hier ein Defizit im Empfinden unserer Mitmenschen haben. Wohlstand allein scheint es nicht zu sein.

Das Streben nach „Mehr“

Wir Menschen haben den Drang nach „Mehr“ zu streben. Mehr materielle Dinge (nicht nur Geld), mehr Erfolg, mehr Anerkennung und auch mehr Glück. Aber das verbindet uns auch mit einem Mehr an Leistung und Investition.

Das Streben nach Glück führt dazu, dass es uns immer schwerer fällt, zufrieden zu sein. Wohlstand macht uns nicht glücklich, weil wir nie völlig zufrieden sind. Immer wollen wir etwas Besseres oder höhere Ziele erreichen. Schon seit dem Kindesalter werden wir zu Konsumenten erzogen. Wir nutzen Produkte nicht bis wir sie aufgebraucht haben oder sie beschädigt sind, sondern oftmals nur, bis ein neues Modell auf dem Markt ist. Die „guten alten Dinge“ suchen wir in kleinen Manufakturen und müssen oftmals neu lernen, den Wert der Dinge zu schätzen. Wir lernen neu, uns gegen die Wegwerfgesellschaft zu stellen und Dinge wertzuschätzen, ja mit ihnen zufrieden zu sein.

Aber diese Entwicklung geht noch deutlich weiter, es beschränkt sich nicht nur auf Konsumgüter. Die Kommunikationsmöglichkeiten, Plattformen und Börsen im Internet machen es möglich, sich die Frage zu stellen, ob es „nicht noch irgendwo einen Partner oder eine Partnerin gibt, die besser zu mir passt als die/der Jetzige. Macht mich ein anderer Mensch noch glücklicher als der Jetzige?“ Dabei setzen wir weniger auf langfristige Bindungen und Ehe, als auf kurzfristigere Beziehungen. Plattformen für Casual Dating boomen und gelten inzwischen als gesellschaftlich anerkannt. Immer mehr Singles leben in Deutschland, anstatt Pärchen. Wir haben es in den letzten Jahren daher vermehrt verlernt, an Beziehungen zu arbeiten und die Liebe über längere Zeiträume zu retten. Vielmehr suchen wir auch hier die glücklichen Momente der ersten Tage, das bekannte „Kribbeln oder Schmetterlinge im Bauch“ und wollen die rosa Brille nicht ablegen. Aber was wir gern ablegen ist der Mensch, der uns begleitet hat und arbeiten zu wenig an Beziehungen. Ja, es ist sehr schwer, das Gefühl, die Flamme am Brennen zu halten, aber wenn man sich bemüht und auf das eigentliche Ziel besinnt, dann lebt man gern und gut in einer harmonischen oder zufriedenen Beziehung.

Glück gegen Zufriedenheit

Glück ist eben nicht das gleiche wie Zufriedenheit. Oftmals stehen sie sich sogar gegenseitig im Wege. Die andauernde Suche nach dem Glück, nach dem Besseren und dem „Mehr-Haben“, diese innere Unruhe verhindert ein gewisses Maß an Ruhe und Ausgeglichenheit.

Doch muss man sich auch die Frage stellen, wann man denn eigentlich „zufrieden“ ist. Und wenn man unglücklich ist, ist man dann auch unzufrieden?

Ein glücklicher Zustand ist eine sehr kurze Momentaufnahme, zeitlich begrenzt und in einer bestimmten Situation. Die Momente können unterschiedlicher nicht sein und sind so individuell wie wir Menschen selbst. Für den Einen ist es das absolute Glücksgefühl, einen geliebten Menschen zu sehen, eine andere Person erfreut sich am wunderschönen Sonnenuntergang und eine weitere Person empfindet schon Glücksgefühle beim Essen einer leckeren Speise. Oder aber die Verleihung eines Preises oder einer Auszeichnung, der Sieg bei einem Wettkampf, die Geburt des Kindes, usw. usw.

Was wir aber bei all den Beispielen feststellen (die Liste lässt sich beliebig erweitern) ist die Tatsache, dass sie zeitlich begrenzt sind und wieder vorbei gehen. Der Moment macht uns glücklich, ist jedoch nicht von Dauer. Natürlich ist der eine Moment länger als ein anderer, aber alle haben ein Ende. Dabei muss man sich gar nicht kontinuierlich glücklich fühlen, wenn man zufrieden ist.

Betrachten wir jedoch die Zufriedenheit, so sieht es hier anders aus. Der Mensch ist innerlich ausgeglichen. Man möchte schon fast sagen, dass er in sich selbst ruht. Man strebt nicht nach weiterem, man ist mit dem einverstanden, was man hat und was mit einem passiert. Die Umstände werden akzeptiert und nicht hinterfragt. „Man findet sich ab“ und akzeptiert die Umstände und Situationen.

Aber wie geht man mit dem Unglücklich sein um?

Traurig und unglücklich sein

Glücklicherweise (ahhh, ein Wortspiel) ist ebenso wie das Glück auch das unglücklich sein zeitlich begrenzt. Dass dies so der Fall ist, ist vor allem für die menschliche Psyche unabdingbar. Es können Emotionen auftreten, die uns Menschen zerbrechen lassen, wie den Verlust eines geliebten Menschen. Man darf diese negativen Emotionen nicht verdrängen, sondern sollte sie zulassen und sie aufarbeiten, um dann letztendlich damit abschließen zu können. Wie lange solch ein Prozess andauert, hängt vor allem von der physischen und psychischen Verfassung des einzelnen Individuums ab. Wir Menschen können native Ereignisse und Emotionen nicht vermeiden. Sie passieren einfach und treffen uns oftmals unvorbereitet. Aber wir müssen eben lernen, damit umzugehen und damit zu leben, um unser eigenes Wohlbefinden nicht aus dem Auge zu verlieren.

Zum Heilungsprozess und Prozess der Aufarbeitung gehört das Zulassen von Schmerzen, von Trauern und auch das Zulassen des Weinens. Was man jedoch nicht vergessen sollte ist, dass man sich nicht in der Trauer verliert, denn sonst kann sie sehr schnell zu einer Unzufriedenheit werden und damit die Psyche dauerhaft beschädigen.

Man muss es zulassen, dass man auch einmal schlechte Tage hat, denn diese lassen sich nicht vermeiden und wir können auch nicht immer nur gut drauf sein. Den schlechten Tag zulassen, sich evtl. daheim einkuscheln oder weinen. Der ein oder andere mag ggf. in den Wald gehen und alles laut herausschreien. Oder sich im Sport (oder was einen sonst ablenkt) ereifern. Wie diese Stressbewältigung und damit die Zurückführung zu einem „zufriedenen Zustand“ gelingt, muss jeder für sich selbst herausfinden, auch wenn dies ggf. eine aufwändige Reise in das eigene Ich bedeutet. Aber eines haben diese trüben Momente gemeinsam: sie gehen vorbei! Und sie sagen vor allem nichts darüber aus, wie zufrieden Du mit Dir und Deinem Leben selbst bist, noch wie lebenswert es ist.

Wonach streben wir also?

Nach einem Gefühl der inneren Zufriedenheit! Punkt und kurz gesagt. Wir müssen uns das Ziel setzen, einen dauerhaften Zustand zu erreichen und nicht immer dem „Mehr“ hinterherzujagen und dabei andere wichtige Dinge in unserem Leben zu vernachlässigen. Wie aber lernen wir, wieder zufriedener zu sein? Das Gefühl der Zufriedenheit ist ein inneres Gefühl und muss von einem selbst kommen. Hier kommt einem wieder die Arbeit am rauen Stein in den Sinn und die Werkzeuge, die einem die Freimaurerei in die Hand legt. Man muss an sich arbeiten und vor allem lernen, sich so zu akzeptieren, wie man ist. Man muss seine Ecken und Kanten erkennen, seine Stärken und Schwächen und lernen an und mit ihnen zu arbeiten. Nicht jede Kante muss abgeschlagen werden.

Sich selbst wertzuschätzen und das, was man hat und vor allem erreicht hat, helfen einem sehr, zufrieden zu sein. Nicht neidisch auf den anderen neben uns zu sein. Ziele muss man jedoch haben, aber das innere Gefühl des „Ich bin mit mir und meinem Leben zufrieden“ sollte ein erstrebenswertes Gut sein.

Was aber wenn man mit etwas unzufrieden ist? Dann sollte man diesen Zustand aktiv angehen. Nicht aussitzen oder warten bis es sich von außen bessert. Das kann durchaus auch mal passieren, aber ist es nicht so viel besser, wenn man selbst die Zügel seines Lebens in der Hand hat? Wenn man selbst verantwortlich ist? Ja, das mag durchaus eine gewisse Verantwortung mit sich bringen, aber nur so kann man sein Leben auch selbst bestimmen.

Zudem kommt noch, dass man andere akzeptieren sollte, wie sie sind. Das Wirken in der Gesellschaft und der Blick um einen selbst. Versuche daher nicht, an dem Stein eines anderen aktiv zu arbeiten. Aber wir können anderen helfen, sich selbst zu erkennen.

Wenn wir dies alles beherzigen, dann werden wir eine langsame Verbesserung der Inneren Ruhe und der Zufriedenheit beobachten. Wenn also somit die Basis des eigenen Lebens die Zufriedenheit ist, so wird man sich häufiger glücklich fühlen, sich über etwas freuen können und es erlauben, die Emotionen zu haben, für die es gerade Zeit ist.

Also wo ist das Glück? – ein Fazit

Einige werden also sagen, dass das Glück ganz von alleine zu einem kommen wird, sobald man den Zustand der Zufriedenheit erreicht hat…

In einer Weihnachtskarte meiner Mutter stand letztens geschrieben: „ich hoffe, Du bist nun glücklich“. Bin ich das? In einigen Momenten sicherlich. Aber beim Nachdenken über diese Zeilen muss ich auch sagen, dass wir uns oftmals selbst im Weg stehen.

Ich möchte niemanden das Streben nach dem Glück ausreden. Das kann jeder Mensch für sich allein entscheiden. Aber ich möchte Euch ans Herz legen, etwas mehr beständiger und damit auch zufriedener zu werden. Manches, wie die Arbeit an der eigenen Beziehung, mag mit Arbeit verbunden sein, aber es lohnt sich oft, diese Zeit zu investieren um ein gleichmäßig ausgeglichenes Maß an Zufriedenheit zu erreichen und nicht immer dem Glück hinterherzulaufen.

Wir arbeiten an uns, an unserem rauen Stein und sollten schon seit frühesten Tagen der Freimaurerei wissen, wie wichtig Zufriedenheit ist.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Glück der Welt…

 


René Schon im Juni 2019

 

Freimaurer Tattoos und deren Bedeutung – No Pain, no Gain

„Ich bin ein Meisterwerk. Sein massiger Körper war rasiert und glatt. Mal’akh schaute zuerst auf seine Füßen, die mit den Schuppen und Klauen eines Falken tätowiert waren; dann bewegte sein Blick sich hinauf zu seinen muskulösen Beinen, die als gemeißelte Säulen gestaltet waren – das linke Bein spiralförmig, das rechte mit vertikalen Streifen. Seine Lenden und sein Magen bildeten einen verzierten Torbogen, und seine mächtige Brust war mit dem doppelköpfigen Phönix geschmückt … jeder Kopf im Profil zur Seite gewandt, sodass Mal’akhs Brustwarzen das jeweilige Auge bildeten. Schultern, Hals, Gesicht und der rasierte Kopf waren vollständig mit einem verschlungenen Muster von alten Symbolen und Zeichen bedeckt. Ich bin ein Artefakt … ein sich entfaltendes Bild.“ (aus Dan Brown´s Lost Symbol – Das verlorene Symbol).

Dan Brown hat sich in seinem Buch „das verlorene Symbol“, in dem es um geheime Riten und Geheimnisse innerhalb der Bruderkette geht, ebenfalls mit dem Thema Tattoos auseinandergesetzt. Darin wird beschrieben, wie eine der Hauptfiguren ihren Körper mit Motiven aus der Freimaurerei verziert hat.

Um eines gleich vorab deutlich zu machen: Natürlich wird man nicht bei der Aufnahme in den Bund der Freimaurer mit einem Tattoo versehen, jedoch entschließen sich einige Brüder mit einem Tattoo ihre Zugehörigkeit zum Bruderbund nach außen zu tragen. Dies bedeutet aber auch ein gleichzeitiges Verlassen der Deckung. Je nach Motiv kann hier schnell ein Bruder als Freimaurer identifiziert werden. In einigen Fällen geht dies sogar soweit, dass mehrere Brüder einer Loge ein gemeinsames „Logentattoo“ stechen ließen.

Doch warum fügen wir Menschen uns freiwillig unter Schmerzen Muster zu?

Geschichte des Tattoos

Schon in früheren Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden haben die Menschen verschiedene Möglichkeiten genutzt, um ihre Körper zu verzieren. Meist wurde damit die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausgedrückt oder einen bestimmten Reifegrad, welchen man im Leben erreicht hatte. Die Hautbilder hatten eine wichtige Rolle in einzelnen Kulturen und waren oft Bestandteile von Ritualen.

Lange Zeit galten Tattoos aus dem alten Reich der ägyptischen Hochkultur, als die ersten Tattoos. Hierbei konnten die Körperverzierungen an einigen Mumien festgestellt werden. Um 2000 vor Christus gelangten Tattoos schließlich nach China und im Anschluss nach Griechenland. Die Ausbreitung war nicht mehr aufzuhalten.

Mit der Zeit erreichten Tattoos schließlich auch Japan. Dort wurden sie vor allem bei religiösen und zeremoniellen Ritualen verwendet. Während dieser Phase der Geschichte waren die Frauen von Borneo die bekanntesten Tattoo-Künstlerinnen. Sie erstellten die Designs, welche die einzelnen Abschnitte im Leben und den dazugehörigen Stamm darstellten.

Auch wenn Tattoos zu dieser Zeit sehr beliebt waren, so waren sie dennoch mit einer hohen Rate an Infektionen verbunden, die oftmals tödlich ausgingen. Steriles Arbeiten und Desinfektion spielten damals keine Rolle. Die Wunden, die dem Körper beim Tätowieren zugefügt und mit Kohlepulver eingefärbt wurden, entzündeten sich schwer und vernarbten. Das „Überstehen oder Überleben“ dieser gefährlichen Tortur gilt bis in die heutige Zeit bei einigen Kulturen als Zeichen des Erwachsenwerdens und der Gunst der Götter.

Im Jahr 1765 führte der britische Kapitän James Cook das Wort „Tattoo“ in die englische Sprache ein. In seinen Aufzeichnungen während seiner Reisen nach Polynesien beschrieb Cook Menschen, die ihre Körper mit Farbe bemalten. Diese Motive wurden von den Einheimischen als „Tattoo“ bezeichnet. Cook übernahm diese Bezeichnung dann in unseren Sprachgebrauch.

Eine der ältesten menschlichen Funde mit Tattoos ist sicherlich die Gletschermumie Ötzi. Er hat über 60 überwiegend geometirische Figuren, sowie Linien und Punkte auf seinem Körper. Diese wurden, wie es auch heutzutage bei einigen Naturvölkern üblich ist, in die Haut geritzt und mit Kohlepulver eingefärbt. Umstritten ist hierbei allerdings die Bedeutung für Ötzi. Einige sehen es als „reine Körperbemalung“, andere Wissenschaftlicher sehen darin eine Art der Schmerztherapie, ähnlich der Akupunktur, mit der er seine Rücken- und Gliederschmerzen betäubt haben soll.

Der Sprung in die Neuzeit erfolgte durch die neuen Möglichkeiten der Elektrizität und Feinmechanik. Wurden bis dato die Motive noch mit Nadeln und Schnitten unter die Haut gebracht, so war es ein Mann namens Samuel O-Reily, der am Chatham Square in New York einen Laden eröffnete, in dem bereits elektrische Tattoo Maschinen benutzt wurden. Diese Maschine beruhte auf der elektrischen Nadel von Edison, bei der eine Nadelspitze einen Durschlag erzeugt. Die elektrische Tattoo Maschine bestand aus beweglichen Windungen, einer Nadelstange und einer Spule. Bis heute sind diese Teile nach wie vor noch die gebräuchlichsten Komponenten einer Tattoo Maschine. Diese „Guns“ (englische Bezeichnung einer Tattoo Maschine, also „Pistole““) revolutionierte das Tätowieren durch die Art und Weise, ein Tattoo schnell und somit günstig zu stechen. Sie ist die bis heute gängigste und effizienteste Methode, um sich mit einem Hautbild zu verzieren.

Asozial und kriminell

Weit bis ans Ende des letzten Jahrhunderts galten tätowierte Menschen noch als „asozial“, „kriminell“ oder sogar Mitglieder verbrecherischer Vereinigungen. Letzteres lässt sich nicht abstreiten, da Mitglieder verschiedener Gangs und Gruppen ihre Zugehörigkeit durch Tattoos sichtbar machten. Ebenso die bekannteste asiatische „Bruderschaft“, die Yakuza (was die wörtliche Übersetzung bedeutet). Auch heute noch grenzen sich unterschiedliche Gangs und Gruppierungen durch die Bilder auf ihrer Haut  voneinander ab.

Diese Assoziation führt heutzutage zu kuriosen Begebenheiten. Menschen, die großflächige Tätowierungen auf ihrem Körper tragen, wie ich selbst eine habe, dürfen z.B. in Japan nicht in öffentliche Bäder. Die Verbindung zu den Yakuza ist hier zu sehr im Bild der Gesellschaft verankert.

Geschichte der freimaurerischen Tattoos

Möchte man sich mit der Geschichte von Tattoos auf freimaurerischer Basis beschäftigen, so ist dies leider sehr schwer. Die Recherche zu diesem Artikel brachte leider wenige Erkenntnisse hervor. Allerdings wäre es falsch, das Phänomen „Tattoos“ als ein zeitgenössisches abzutun, eben „weil es gerade In ist“. Allein aufgrund der rigoroseren Deckung unserer freimaurerischen Vorfahren kann man schwer nachvollziehen, wie es sich mit den Tattoos verhielt. Was wir jedoch wissen, sind die Aussagen von älteren Brüdern, die während der Zeit des Zweiten Weltkrieges an den Fronten Europas kämpften. Es kam hierbei durchaus vor, dass sich, ähnlich wie bei Schiffsleuten, auch hier das ein oder andere freimaurerische Motiv auf deren Haut wiederfand. Aber dies eben in kleiner Anzahl und kleinerem Rahmen.

Mit der gestiegenen Akzeptanz tätowierter Haut in den vergangenen 20 Jahren, nahm auch die Anzahl an Menschen mit Tattoos in der Gesellschaft zu. Bald galt es nicht mehr als Kennzeichnung einer Gruppe von Seeleuten oder Menschen, die im Gefängnis waren, sondern wurden eher ein Lifestyle Phänomen. Die Menschen möchten sich mit Motiven schmücken, welche tiefere Bedeutungen für sie haben. Zeichen, die Einem persönliche Kraft oder/und Glauben schenken und ebenso Zeichen, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausdrücken können.

Einige schöne Beispiele

Ich möchte in den kommenden Zeilen die Zeit nutzen, um einige schöne Tätowierungen verschiedener Brüder vorzustellen. Als mich Br. Bastian anschrieb mit der Bitte einen Artikel über dieses Thema zu verfassen, kontaktierte ich über diversen geschlossenen Foren in Sozialen Netzwerken meine Brüder. Die Resonanz war enorm und einige stellten mir ihre Bilder und ein paar Zeilen über das Motiv und deren Beweggründe zur Verfügung. Ich möchte dies unkommentiert wiedergeben und freue mich über die Zustimmung der Brüder zur Veröffentlichung in der Humanität:

Über meine eigenen Bewegründe

Ich selbst war bereits vor meinem Eintritt in die Bruderkette an einigen Stellen tätowiert. Unmittelbar nach meiner Aufnahme kam der typische Winkel & Zirkel Motiv auf meinem Unterarm dazu. Damals sehr traditionell mit Bambus, Nadeln und ohne Maschine, also mit purer Hand von einem Tattoo-Künstler in Thailand. Schon kurze Zeit später kam in meiner Mutterloge die Idee auf, ein gemeinsames Tattoo in Anlehnung an den Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne zu entwerfen und es sich auch im Rahmen eines gemeinsamen Besuches in einem Tattoo Studio stechen zu lassen.  Entweder hat man eines und bleibt dabei oder man macht immer weiter. Dann ist es fast wie eine Sucht. Schlussendlich sind meine beiden Arme und mein oberer Rückenbereich (zumindest bisher!) mit Motiven unseres Bundes versehen. Ich selbst stehe dazu, auch in der Öffentlichkeit. Ich setze mich gerne für unsere Werte und Ideale ein, womit ich auch versuche Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn ich auf meine Motive und die Freimaurerei im Allgemeinen angesprochen werde. Weg von „Verschwörungstheorien und Mystik“ hin zu einem festen Fundament an Tatsachen über den Bruderbund.

 

Einige Beispiele von weiteren Brüdern und deren Worte:

Br. Dirk Smolinski (Zur Weltbruderkette im Vest i. O. Recklinghausen)

„Den Stil des Tattoos habe ich extra in Anlehnung an alte Kupferstiche gewählt, um die Tradition unserer alten Bruderschaft auszudrücken. Ein Buch, welches hier nicht als Symbol des heiligen Gesetzes ist, sondern „Wissen“ repräsentiert. Darüber der Totenkopf, unsere sterbliche Hülle, durch die Wissen fließt, im Hintergrund ein Wirbel, da sich alles in Zyklen bewegt. Das Uhrglas, unsere Zeit ist begrenzt in der wir Wissen erfahren können. Das Winkelmaß und den Zirkel über allem, da wir an alle unsere Handlungen diese Werkzeuge anlegen (sollten).“

 

 

 

 

 

 

Br. Dirk Kristek (Ludwig zu den 3 Sternen i. O. Fiedberg)

„Die Tattoos sind für die mich die tägliche Erinnerung an meinem rauen Stein zu arbeiten. Die tägliche allmorgendliche Ermahnung. Die Symbolik von Ordnung und Chaos sind Hauptmotiv des Tattoos. Die verschiedenen Elemente des Chaos sind eingebettet um Winkelmaß und Zirkel. Wir gehen von der Materie in den Geist über. Vom Winkel zum Zirkel. Die Sonne symbolisiert die Kraft und die Andeutung ins Transzendente. Im W&Z ist ein Symbol IHS. Das habe ich aus dem christlichen Kontext entliehen. In Verbindung mit dem Winkel wird es zu IHSV.  Ungeachtet des geschichtlichen Kontextes ist das für mich ein Motto für die Freimaurerei. Wir bemühen uns als Freimaurer die Welt täglich zu einem besseren Ort zu machen.“

 

 

 

 

 

 

Br. Michael Ratmann (Truth and Fiendship i.O. Nürnberg, also auch Fiedrich zur Bruderkette i.O. Berlin)

„Mein Motiv, welches ich gewählt habe, beinhaltet nach meinem Verständnis viele Symbole aus dem 3. Grad.
Das Tattoo bedeutet für mich den nach außen gezeigten, unauslöschlichen, lebenslangen Bund mit der Freimaurerei und das ich sehr stolz bin dieser großartigen Bruderschaft angehören zu dürfen.“

 

 

 

 

 

 

Br Arminius Oviedo-Soto (Friedrich zur Vaterlandsliebe e.V. i.O. Koblenz)

„Symbolisch steht der Schachbrettboden für die Dualität, sei es nun von Gut und Böse, Weiblich und Männlich oder Tag und Nacht. In dieser Dualität findet das irdische Leben statt, welches durchaus mit einer Partie Schach vergleichbar ist.

Schachbrettmuster können darüber hinaus für Übergänge aller Art stehen, seien sie nun historischer oder persönlicher Natur. Sie markieren Wendepunkte, wobei bereits die Initiation auf dem freimaurerischen Schachbrettboden einen Wendepunkt in der persönlichen Entwicklung des Lehrlings darstellt. Ferner können Schachbrettmuster, ähnlich wie Spiegel, für einen Dimensionsübergang stehen. Diesseits und Jenseits sowie Traum und Realität bilden dabei ebenfalls eine Art der Dualität. Pfad, den jeder Freimaurer reisen muss, um die Türen des Tempels der Wahrheit zu erreichen.“

 

 

 

 

 

 

Hier der Podcast der Großloge AFuAM. Vielen Dank an die Brüder der Internet Redaktion:

Eine Bruderschaft, die unter die Haut geht

 

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Ritualisitik und Symbolik – Ist eine Reformulierung notwendig?

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Ritualisitik und Symbolik – Ist eine Reformulierung notwendig?

 

Oft wird über die Symbolik innerhalb der Rituale diskutiert. Dabei stoßen die Brüder häufig an ihre persönlichen Grenzen und diese Diskussionen entfachen eher einen Streit, anstelle des brüderlichen Gespräches.

Von vielen, oftmals sehr gläubigen Brüdern werden gerade die Symbolik und die Ritualisitik mit einer Spiritualität gleichgesetzt. Ich denke nicht, dass Spiritualität hier der passende Begriff ist.

„Spiritualität bedeutet im weitesten Sinne „Geistigkeit“ und bezeichnet eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.“ (aus https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualit%C3%A4t).

Eben weil wir vor allem ein ethischer Bund sind, müssen wir anfangen uns endlich von den Mysterienbünden zu lösen. Das Ritual bringt uns während des Erlebens, insofern wir uns völlig auf dieses einlassen und die praktizierenden Brüder es auch tragend vorbringen können, in eine meditative Stimmung. Wir sind hier offen für die Schönheit der Musik und den Worten des Br. Redners. Allerdings was bringt diese ganze Idee, wenn die Tempelarbeit eher zu einem Theaterspiel verkommt, wenn die Brüder den Text nur stupide ablesen und keine Emotionen verbreiten? Dann kommen wir wieder zum typischen Verein, der ein Schauspiel bietet. Sich auf das Ritual einlassen, sich angemessen auf diese Arbeit vorbereiten, vor allem auch mit der angemessenen Kleidung. Hier kann und darf es nicht sein, dass gerade neue und jüngere Brüder eine gewisse Lässigkeit in den Tempel bringen und eher so ausschauen, als ob sie in der Eckkneipe sitzen würden. Sich Einlassen auf das Ritual heißt, zu erleben, die Arbeit zusammen in der Bruder- oder Schwesterkette zu begehen und hin- sowie einzutauchen, in seinen eigenen Geist. Erst dann kann man sich fallen lassen, den Geist öffnen für die Ideen der Maurerei, welche durch die Symbole und Zeichen seit Jahrhunderten transportiert werden. Erst dann lassen sich die Worte der vorgetragenen Zeichnung erfassen und manifestieren einen Gedanken in einem Selbst.

Was wir jedoch nicht dürfen, ist das bereits erwähnte hinabgleiten in ein Schauspiel, in dem wir hier eine übertriebene Spiritualität einbringen, wie wir es aus Gottesdiensten gewohnt sind. Wir sind wie anfangs erwähnt ein ethischer Bund und keinerlei Religion. Daher müssen wir diesen religiösen Transzendenzbezug weglassen, weil er zum einen nicht der Idee der königlichen Kunst entspricht und zum anderen ein völlig falsches Bild einer Pseudo-Religion erschafft. Der meditative Charakter muss im Vordergrund stehen, denn so können wir die nötigen Werkzeuge, zur Arbeit an unserem eigenen rauen Stein und somit am Tempelbau, erfassen.

Eine Reform der Rituale sowie der Symbolik hin zu mehr Offenheit, zeitgenössischem Geist und damit weg von der spirituellen Tradition muss auf Dauer die Absicht der Freimaurerei sein. Langsam, aber stetig. Reformfreimaurerei, wie es sie bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Freimaurerbünde wie den FZAS (Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne) gegeben hat, hatten dies bereits in ihrer Proklamation formuliert und ausgesprochen.

Natürlich berufen sich meine Vorfahren auf die „Alten Pflichten“ von Anderson („Der geistige Kern der Freimaurerei ist die Religion in der alle Menschen guten Willens übereinstimmen, die Religion der Menschlichkeit, Mitmenschentum“) jedoch wollten sie einige, für sie damals wichtige Reformen durchsetzen und verfassten hierzu einige „programmatische Erklärungen des Reformfreimaurerbundes“ im Jahre 1930:

  1. Fortfall des Symbols „A.B.a.W.“: denn es enthält deutlich die Idee eines persönlichen Gottes, die von der großen Mehrzahl der freien, denkenden, vorwärtsdrängenden Menschen als Grundlage ihrer Weltanschauung und Sittlichkeit aufgegeben ist. Soll die Freimaurerei alle Menschen guten Willens am Menschheitsbau vereinigen, so darf sie sich nicht zur Vertretung einer Form der Weltanschauung machen. Die Loslösung von dieser Formel erst bedeutet den Eintritt in den neuen geistigen Raum, in dem sich alle Menschen zur Neugestaltung der menschlichen Gemeinschaft zusammenfinden können.
  2. Die Preisgabe der Bibel als erstes Licht der Freimaurerei: denn wenn die Bibel auch ein ehrwürdiges Werk ist, so gilt sie den meisten Menschen, die am Menschenbau guten Willens arbeiten, nicht mehr als Offenbarung des A.B.a.W., sondern als Menschwerk, das nicht mehr die unantastbare unerlässliche Grundlage lebensgestaltender Sittlichkeit bleiben kann.

Nun würde man sicherlich die Frage stellen, ob solch ein Ritual, also ohne diese beiden Bezüge, noch tragfähig und damit auch den nötigen „Geiste“ während einer Tempelarbeit aufkommen lässt. Oder würde die Stimmung eine andere sein? Im Falle des FZAS ist dessen Ritual bis heute erhalten geblieben und wird in meiner Mutterloge, der Loge zur Wahrheit i.O. Nürnberg, immer noch fast unverändert verwendet. Daher mein deutliches „JA“ zu Reformen in der Ritualistik.

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Einige Thesen zur Zukunft der Freimaurerei

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Einige Thesen zur Zukunft der Freimaurerei

 

Betrachten wir die Entwicklung innerhalb der deutschen Freimaurerei der letzten 10 Jahre, so müssen wir uns die Frage stellen, warum immer noch, dass vom damaligen Großmeister angestrebte Ziel, von 20.000 Brüdern vereinigt in der VGLvD, nicht erreicht werden konnte? Sicherlich werden nun einige anbringen, dass aufgrund der Altersstruktur viele ältere Brüder und Schwestern in den ewigen Osten vorausgegangen sind.

Warum ist es so schwer, in Zeiten der Massenkommunikation, der sozialen Medien und Printmedien die nötige öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen? Warum sind wir nicht „attraktiv“ für jüngere Menschen? Warum werden wir immer noch als Geheimgesellschaft gehandelt?

Die Frage, die oft an mich herangetragen wird, ist die, ob Freimaurerei nicht „nur“ eine andere Religion ist. Da wird vom Großen Baumeister gesprochen, ja sogar von Gott, dann wiederum gibt es Rituale und Arbeiten, die wie Gottesdienste dem Profanen erscheinen. Dazu kommen die immer noch andauernden Diskussionen über die „wahre Freimaurerei“. Sei es mit religiös-christlicher Ausprägung oder eben humanistisch.

Die Zukunft kann nun finster sein, oder aber wir versuchen nach vorn zu sehen.

Wir müssen uns weit mehr öffnen für den Zeitgeist. Der mediale Präsenz im Internet muss der Deckung im angemessenen Maße weichen. Wir müssen die ethischen Grundlagen in den Vordergrund stellen und weniger einen pseudoreligiösen Zusammenhang. Die saubere Abtrennung der Freimaurerei zu einer Religion wird zwingend nötig sein, da gerade die jüngeren Menschen eher ohne einen Glaubensbezug aufwachsen. Die „offizielle“ Anerkennung von Atheisten darf nicht nur ein kleiner Bestandteil einiger Großlogen (wie beispielsweise der AFuAM) sein, sondern muss generell getroffen werden. Die Freimaurerei muss auf einer breiten Basis von Menschen stehen, nicht nur auf der von einigen.

Raus aus dem Schatten der Vergangenheit und der geheimen Gesellschaften, hin zu einem aktiven ethischen Bund, in dem wieder die brüderliche/schwesterliche Einheit aktiv gelebt wird. Die Mythen der Vergangenheit hinter sich lassen und den Spagat zur Moderne schaffen. Die „Tradition ist die Bewahrung des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“, wie Gustav Mahler einst sagte.

Dazu kommt eben auch, dass es eine generelle Anerkennung der „Frauen-Großloge“ geben muss. Die Meinung einiger Brüder, dass durch sie, die „Tempel entweiht werden“ oder dass „sie niemals die königliche Kunst erlangen werden“, sind weder zeitgemäß noch moralisch vertretbar und schon gleich gar nicht freimaurerisch. Die Arbeit am Tempel der Humanität setzt eine brüderlichen bzw. schwesterlichen Schulterschluss voraus. Gemeinsame Treffen wie dieses und auch gemeinsame Arbeiten können die Kluft überwinden und uns alle dem Ziel näherbringen.

Die Arbeit des Freimaurers muss sich wieder auf die Grundprinzipien der Freimaurerei stellen. Toleranz, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit, Freiheit, Gleichheit und Humanität dürfen keine hohle Phrase sein, sondern müssen mit dem Leben gefüllt werden, welche diesen Bund vor Jahren so sehr gestärkt haben und wieder stärken werden.

Auch wenn ich den Bau am Tempel der Humanität nicht per se als einen Aufruf zur politischen Arbeit verstehe, so sehe ich es dennoch als eine Art „Arbeit an der Gesellschaft“. Diese kann durchaus auch politischer Art sein. Auch ein Freimaurer muss sich hier engagieren können und politisch tätig sein. Zumindest ein mündiger Bürger, der auch von seinem Wahlrecht Gebrauch macht. Es ist leider inzwischen so geworden, dass viele Freimaurer die Alten Pflichten als ein festes und unüberwindbares Gesetz ansehen. Genau hier müssen wir differenzieren und diese Regeln der Zeit anpassen. Ich stimme hier Br. Günter zu, dass wir uns aus diesem reinen „Vereinsgehabe“ rausbewegen müssen, hin zu einer modernen Form der Freimaurerei. Aber nicht mal die Idee der Erörterung politischer Fragen in den Logen ist neu. Der F.z.a.S. hatte schon in seiner „programmatische Erklärungen des Reformfreimaurerbundes“ im Jahre 1930 diese Überlegung angestellt und den Brüdern ans Herz gelegt:

„Zulassung der Erörterung auch politischer und religiöser Fragen im Tempel: denn ihre Ausschaltung zeugt von mangelndem Vertrauen zur freimaurerischen Idee, die ja das gesamte persönliche und gemeinschaftliche Leben durchdringen und gestalten soll; es entsteht zugleich die Gefahr einer leeren Schönrednerei ohne fruchtbringende Wirkung für den Menschheitsbau.“

Noch immer also beschäftigt sich die Freimaurerei mit ihren Vereinen und deren Streitigkeiten, anstatt an der großartigen Idee, welche unsere Gründerväter formulierten, zu arbeiten. Wir sind eingeengt von Dogmen und Restriktionen, die wir uns selbst auferlegen, weil wir den Zeitgeist nicht erkennen oder uns nicht zeitgemäß anpassen wollen. Wir müssten uns gerade in diesen politisch eher schweren Zeiten mit Wirtschaftskrise, Flüchtlingswelle und politisch instabilen Regionen auf dem Globus, positionieren und dies ggf. auch in der Öffentlichkeit tun und aufhören, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Eine aktive Arbeit am Tempelbau ist gefragt und nicht ein bloßes Schönreden und Wegsehen, wenn es einen selbst nicht betrifft. Nicht im Kreis um sich selbst drehen, sondern aktiv eine helfende Hand reichen.

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Werte und Ziele der Freimaurerei

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Werte und Ziele der Freimaurerei

Betrachtet man die Freimaurerei als das, was sie ist, nämlich einen ethischen Bund, so findet man in ihr die Werte der Toleranz, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit und Humanität wieder. Die Werte sind selbst nach 300 Jahren, nach der „offiziellen“ Gründung der Freimaurerei, aktueller denn je und werden den Brüdern vermittelt. Sie müssen in einer Aufklärung 2.0 weitergetragen werden (siehe Essay: Aufklärung 2.0), damit sie den radikalen Strömungen der letzten Jahre entgegenstehen können.

Gehen wir hier auf die 10 Ziele aus dem Manifest des evolutionären Humanismus ein, welches von Michael Schmidt-Salomon im Auftrag der Giordano-Bruno-Stiftung geschrieben wurde, so werden wir feststellen, dass die Ideale nicht exklusiv für den Bund der Freimaurer stehen. Sie kommen auch in den sogenannten Service Clubs (wie die Lions oder der Rotary Club) vor und aber auch im evolutionären Humanismus. (https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Zehn_Gebote#Die_zehn_Angebote_des_evolution%C3%A4ren_Humanismus)

  1. Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“, sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern!
  2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!
  3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
  4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!
  5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens!
  6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest.
  7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig erscheint, kann morgen überholt sein! Zweifle aber auch am Zweifel!
  8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!
  9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben!
  10. Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en!

Diese 10 Ziele geben im Kern auch die Ideale der Freimaurerei wieder. Wir müssen unsere Werte immer wieder einer strengen Prüfung unterziehen, denn sie unterliegen dem Zeitgeist. Betrachten wir beispielsweise die Toleranz: Was einmal intolerabel schien, kann heutzutage schon anders betrachtet werden. War es vor 40 Jahren noch undenkbar, dass eine nackte Brust im Abendprogramm zu sehen war, so können wir das heute schon zur Mittagszeit sehen. Galt noch vor 50 Jahren Homosexualität als Krankheit und war unter Strafe gestellt, so leben wir heute in einer scheinbar toleranten Gesellschaft.

Das ist der Zeitgeist, die moralische, religiöse und auch ethische Entwicklung. Aber sind es nicht gerade auch die Werte, die durch ihre Stabilität, den fortwährenden Wandeln begleiten? Alle diese Werte gelten unabhängig von politischen Vorkommnissen, gesellschaftlicher, politischer und moralischer Evolution. Nicht nur, denn Werte unterliegen den Wandel und dürfen nicht statisch sein. Auch wir Freimaurer müssen dies für uns verinnerlichen. Das Bedienen unseres Verstandes, das „Sapere Aude“ darf nicht verloren gehen. Wir müssen versuchen, als eine feste Säule dieser ethischen und auch moralischen Werte zu gelten und wahrgenommen zu werden. Dazu müssen wir die moderne Freimaurerei aber reformieren und zu einem offenen und gerade für jüngere Menschen attraktiven Bund ethischer Menschen machen. Weg von den Geistern der Tempelritter, Weg von den Mythen des Geheimen Wissen und hin zu Tatsachen und auf Wissenschaft belegten Fakten. Wir müssen raus aus der oftmals übertriebenen Deckung und direkt auf freie Menschen von gutem Ruf zugehen und sie für unsere Gemeinschaft versuchen zu begeistern. Ohne Mystik und Hokus Pokus – JUST THE FACTS, NO FICTION!

Denn die Werte, welche die Freimaurerei seit nun mehr 300 Jahren begleiten, sind erstrebenswerte Ziele und Ideale, auch in der heutigen Zeit und auch für die nachkommenden Generationen. Es sind Werte die beständig sind, in unbeständigen Zeiten. Sie sind 300 Jahre alt, aber zu jeder Zeit immer aktuell und angebracht. Sie dienen als Richtschnur und Rahmen für nahezu jede Situation des Lebens.