Teilzeit-Toleranz

toleranz

„Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz

Toleranz ist eine der 5 Grundsätze der modernen Freimaurerei. Sie dient uns als Grundlage für einen brüderlichen und schwesterlichen Umgang untereinander, aber auch über die Grenzen der Logen hinaus.

Was aber nun, wenn diese Toleranz eher auf dem Papier steht und selten ausgelebt wird? Dürfen wir dann nicht von der „Teilzeit- Toleranz“ sprechen?

Toleranz über die Obödienzen hinaus

In der Freimaurerei stellen wir leider allzu oft den menschlichen Faktor fest, welcher gerade zu Intoleranz führt. Es gibt in den sozialen Netzwerken Foren von Freimaurern in denen Brüder, welche sich als Agnostiker, Atheisten oder gar Antitheisten bekennen, als irregulär gebrandmarkt werden. Andersherum wird auch den Anhängern des Freimaurer Ordens mit ihrem Bekenntnis zu Jesu Christi die gleiche Irregularität vorgeworfen, da ja eigentlich die Freimaurerei keinen Bezug zu einer Religion haben darf. Wenn wir diese Diskussionen verfolgen oder uns sogar an ihnen beteiligen, so müssen wir uns oft ernsthaft die Frage stellen, was wir an Toleranz nicht verstanden haben. Wir sind alle Brüder in der Vereinten Großloge von Deutschland und haben hierbei unsere Loge gesucht und gefunden. Durch die Vielfalt in der VGLvD kann jeder nach seinen Interessen seine Bruderschaft finden. Somit sollten wir also an unserer Toleranz arbeiten und die Brüder anderer Großlogen ebenso als regulär anerkennen, wie wir es auch für uns erwarten.

Toleranz für Mitmenschen

Oft muss man leider feststellen, dass die Toleranz auf der Strecke bleibt, wenn es um unsere Mitmenschen geht. Da werden schnell Vorurteile gefällt und Menschen in Schubladen gesteckt. Tolerant sein ist dann eine Modeerscheinung, wenn es gut passt oder bequem ist. Da werden den Hilfsorganisationen, welche sich um Flüchtlinge kümmern, finanziell geholfen, aber wenn dann die Turnhalle besetzt ist und das abendliche Fußballtraining ausfallen muss, dann ist die Toleranz auch schon wieder weg. Man hat ja schließlich schon geholfen.

Toleranz für unsere Schwestern

Mangelhafte Toleranz stelle ich auch oft von Brüdern gegenüber den Schwestern der Frauengroßloge fest. Sie werden als irreguläre Schwestern abgetan oder als „nette Gruppierung“. Aber ist es im Jahr 2017 wirklich ein freimaurerischer Gedanke, diese Art von Sexismus und Diskriminierung gegenüber Frauen zu haben? Ich denke nicht. Die Schwestern folgen den gleichen hohen Zielen und Idealen der königlichen Kunst, wie auch wir Brüder. Aber gerade hier sieht man auch die „Teilzeit-Toleranz“ einiger Brüder am deutlichsten: Die Clubabende der Damen werden zwar gern gesehen und sich mit Frauenlogen im Logenhaus geschmückt, aber wenn es zu Tempelarbeiten oder sogar zu Gemeinschaftsarbeiten kommen soll, wird hier von der abstrusen Idee von der „Entweihung des Tempels“ gesprochen und rigoros abgelehnt. Jedoch ist so eine Ausgrenzung nach 300 Jahren Freimaurerei nicht mehr zeitgemäß und unangebracht.

Sichtweise auf die Toleranz

Man muss sich in Toleranz üben und auch bereit sein, die Sichtweise zu ändern. Was für den einen tolerant sein bedeutet ist für den anderen Menschen evtl. schon Normalität. Wann wir etwas tolerant sind, kann nicht allgemeingültig definiert werden und liegt im Auge des jeweiligen Betrachters. Die Sichtweise auf Toleranz ist hier ein fließender Prozess. Ändern wir unsere Sichtweise über einen bestimmen Vorfall oder Grund, den wir toleriert haben, so kann dies dann in unsere allgemeine Einstellung übergehen.

Keine Toleranz, auch keine Teilzeit-Toleranz

Toleranz, egal in welcher Ausprägung und Form, kann auch völlig fehl am Platz sein. Der Maurer wird im Ritual aufgerufen in die Welt rauszugehen und sich als Freimaurer zu bewähren, dem Unheil nie den Rücken zuzudrehen. Bei Misshandlungen von Schutzbedürftigen, Kindern und Diskriminierung dürfen wir nie und niemals auch nur den Hauch einer Toleranz zeigen oder auch nicht wegsehen. Dem Schwachen zu helfen haben wir alle geschworen und uns für ihn einzusetzen. In jeder Ritualarbeit werden wir erneut daran erinnert. Das macht unsere ethische Geisteshaltung, was die moderne Freimaurerei nun einmal ist, aus.

Vorurteile und Teilzeit-Toleranz

Es ist an uns, am eigenen Stein zu arbeiten und uns in Toleranz zu üben und die Herausforderung anzugehen, nicht in Vorurteile zu verfallen. Vorurteile sind es, die unserer alltäglichen Toleranz und Akzeptanz im Wege stehen. Wir fallen sie unbewusst, schnell und oftmals ohne böse Absicht. Wir beurteilen unser Gegenüber anhand von einem vorgefertigtem oder von außen geprägtem Bild und denken zu sehr in Schubladen. Diese Einteilung macht jeder Mensch und stellt per se kein grundsätzliches Problem dar, außer, wenn diese geistige Gruppierung auf Vorurteilen und nicht auf Fakten basiert. Hier sind wir alle aufgefordert uns nicht blind leiten zu lassen oder zu glauben was uns von außen herangetragen wird. Hier heißt es zu reflektieren und nachzuvollziehen warum ich dieses Urteil über jemanden anderen gefällt habe. Ob wir jemanden wortwörtlich riechen können, entscheiden wir Menschen über unsere Nase und Botenstoffe, ob wir jemanden sympathisch finden, anhand des ersten Eindrucks. Dies alles geschieht innerhalb von Sekunden und es dauert ein vieles länger, den Menschen aus der Schublade wieder herauszunehmen.

Toleranz und Gelassenheit

Wo genau liegt der große Vorteil, wenn wir uns in Toleranz üben? Hierbei kommt die Gelassenheit an erster Stelle. Sich in Toleranz üben heißt auch Gelassenheit für sich zu entwickeln, gelassen gegenüber einigen Einflüssen zu sein. Wir werden uns weniger über etwas Unnötiges aufregen, Zeit und Anstrengung verschwenden in Dinge, welche wir zum einen nicht mehr beeinflussen können oder ohnehin nicht für so bedeutungsvoll sind, wie sie auf dem ersten Blick erscheinen. „Aus jedem Tag das Beste zu machen, das ist die größte Kunst“, sagte schon der Philosoph und Schriftsteller Henry David Thoreau. Ist es hierbei gerade nicht von großem Vorteil, wenn man seine Lebzeit nutzt und daraus das Beste macht und nicht in Vorurteilen, Intoleranz und damit in Unruhe und Stress versinkt? Gerade die Gelassenheit geht doch Hand in Hand mit einer der wichtigsten Meistertugenden in der Freimaurerei, der Geduld. Geduld kann ich nur entwickeln und verstärken, wenn ich die nötige Gelassenheit mitbringe. Alleine die Gelassenheit wäre ein eigener Artikel wert.

Persönliches Fazit

Wenn wir also die Teilzeit-Toleranz und die Intoleranz, basierend auf Vorurteilen überwinden, kommen wir der Idee der Toleranz als Grundsatz der Freimaurerei immer näher und somit haben wir uns bemüht, dieses Ziel zu erreichen. Gelassenheit führt uns auf direktem Weg zur Geduld und verbessert den mitmenschlichen Umgang.

Ich selbst kann mich leider auch nicht aus diesen Gedanken herausnehmen, auch ich arbeite weiterhin an meinem rauen Stein, an meinem Ich. Geduld und Gelassenheit ist leider nicht wirklich meine größte Tugend und bedarf täglich an Nachbesserung. Ich ertappe mich immer wieder, wie ich gegenüber meinen Mitmenschen oder auch Brüdern wenig Toleranz an den Tag lege. Ich höre dann in diesen Situationen oftmals Sätze wie „Heute bist du wieder mal Freimaurer mit Teilzeit-Toleranz“. Natürlich fühle ich mich dann dabei ertappt, muss aber auch lachen und gelobe Besserung. Aber gerade diese Worte haben mich über die Toleranz etwas nachdenken lassen….

Überdenken wir unser Verhalten innerhalb der Loge, gegenüber unseren Brüdern und Schwestern aber vor allem gegenüber unseren Mitmenschen in der profanen Welt. Hämmern wir noch etwas am Stein…ich fange mit mir selbst an…

AUDI – VIDE – TACE

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Einleitung

Die Worte Audi, Vide, Tace, also höre, sehe und schweige ist nicht nur das Motto des Inlandsdienstes der Tschechei, sondern auch einer der typischen Sinnsprüche der Freimaurerei. Dies ist so prägend, dass er auf dem Gebäude der Vereinten Großloge von England (UGLoE) verewigt wurde.

Zuhören und sehen und danach über das Erfahrene schweigen sollen nicht nur die Lehrlinge (welche dies durchaus noch erlernen müssen und vieles neues erfahren werden), sondern auch die Gesellen und Meister. Gerade das dauerhafte Lernen und Erlernen ist ein wichtiges Kriterium in der Freimaurerei. Nur wer lernt und sich weiter erkennt, kann auch an sich arbeiten.

Gerade das Lernen und das Erfahren geschieht bei Menschen über seine Sinne. In der Freimaurerei sind alle vertreten und alle Sinne werden auch angesprochen. Jedoch sind sicherlich das Sehen und Hören und somit auch das damit verbundene aufnehmen von Informationen die wichtigsten Sinne. Diese werden mehrfach und auch auf unterschiedliche Weise angesprochen. Abgerundet wird es dann vom Schweigen, in dem wir das uns Anvertraute nicht nach außen tragen.

Betrachten wir die einzelnen Aspekte einmal für sich und die Freimaurerei:

Audi – Vom Hören

Das Zuhören in der Loge ist ein wesentlicher Bestandteil der gemeinsamen brüderlichen (oder schwesterlichen) Abenden. Nicht nur in den Rituellen Arbeiten im Tempel ist der Bruder dazu aufgefordert dem Redner zu lauschen und dessen Ideen und Gedanken zu reflektieren. Hier kann sich der Maurer völlig fallen lassen und seine Gedanken um die Worte des Vortragenden kreisen lassen. In der Stille arbeitet er (oder sie) an den eigenen Gedanken, welche darauf entstehen.

Zuhören in der Loge

Noch wichtiger ist das Zuhören in den Vortragsabenden mit Aussprache. Hier gilt es gewissen Regeln für den Gedankenaustausch (eine freimaurerische Art der Diskussion) zu befolgen. Der Redner hat das Wort exklusiv und wird nicht unterbrochen. Es werden auch nicht die Meinungen der Brüder gewertet. Somit ist jeder aufgefordert (der sich beteiligen möchte) seine Ideen und Gedanken zu dem vorangegangenen Vortrag beizusteuern. Die anderen Teilnehmer sind in der Position des Zuhörers. Man lässt also das Wort und die Meinung des anderen wertfrei zu und zeigt mit dem Zuhören auch seinen Respekt gegenüber den Brüdern. Somit sollte auch keine Diskussion entstehen, sondern ein sogenanntes brüderliches Gespräch, da eben eine Diskussion die Worte des Einzelnen bewertet.

Zuhören als Tugend

Das „sich selbst zurücknehmen“ und damit ein Schweigen (was wir noch ausführlich betrachten werden) und aktives Zuhören, sollte in den Lehrjahren eines Freimaurers gefördert werden und dann auch eine gewisse Tugend bedeuten. Die Kontrolle über sich selbst, wenn man am liebsten hinausschreien oder widersprechen würde ist eine der schwierigsten Aufgaben eines Maurers, da es nur allzu menschlich ist, Widerworte zu geben, wenn uns etwas gegen den sprichwörtlichen Strich geht. Hat der Bruder (oder die Schwester) dies einmal für sich selbst gelernt, kann diese Eigenheit, des „Aktiven Zuhörens“ auch in anderen Lebenslagen von großem Nutzen sein. Denken wir einmal an Besprechungen oder Meetings innerhalb des beruflichen Umfeldes. Oder sogar an Treffen und Abstimmungen mit Kunden. Hier wird man schnell feststellen, dass zuhören und sich selbst auch zurückzunehmen einen neuen Umgang untereinander schafft, sogar bis zu einem verbesserten Umgang mit Kunden. Aber auch in der kleinsten Gemeinschaft, der Partnerschaft oder Familie kann es mehr als nützlich sein, sich auf sein Gegenüber einzulassen und ihm/ihr zuzuhören. Hier können die Ideen des „Hörens, Sehens, Schweigens“ durchaus einen nützlichen Bestandteil bilden und oftmals auch neue Blickwinkel auf die Meinung des Partners zulassen.

Zuhören als Reise vom Lehrling zum Meister

Die Aufgabe des Lehrlings auf seinem Weg zum Meister ist das aktive Studium des eigenen Ichs. Das „Erkenne dich selbst“ und die damit verbundene Arbeit am rauen Stein, am eigenen Ich, bildet den Weg, den der Maurer für sich gehen muss. Hierbei muss er als Geselle auch reisen und Erfahrungen sammeln, andere Logen besuchen und auch hier Eindrücke erfassen und zuhören. Aber auch das Gespräch mit seinem Bürgen, der ihn durch diesen Weg hin begleitet, ist vom Zuhören geprägt. Denn dieser sollte mit ihm über seiner Entwicklung als Freimaurer sprechen, seine Entwicklung reflektieren und ihn auf dem rechten Weg halten. Hierfür muss der Bruder auch zuhören und die Worte in sich wirken lassen können.

Der junge Maurer hört aber auch Dinge, bekommt Symbole und Sinnbilder erklärt und muss versuchen diese zu erfassen und in seinen bisher gelernten maurerischen Horizont zu bringen. Er muss sich auf diese Sinnbilder einlassen und den Worten der erklärenden Brüder mit der nötigen Aufmerksamkeit lauschen. Sollte aber der Informationsgehalt zu viel sein, so kann man sich immer noch auf die nächste rituelle Tempel Arbeit vertrösten, den oftmals werden die Symbole und Sinnbilder wieder und wieder in den sogenannten „Werkslogen“ erklärt und erläutert.

Vide – vom Sehen

„Als visuelle Wahrnehmung (von lateinisch videre ‚sehen‘) bezeichnet man in der Physiologie die Aufnahme und Verarbeitung von visuellen Reizen, bei der über Auge und Gehirn eine Extraktion relevanter Informationen, Erkennung von Elementen und deren Interpretation durch Abgleich mit Erinnerungen stattfindet. Somit geht die visuelle Wahrnehmung weit über das reine Aufnehmen von Information hinaus.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Visuelle_Wahrnehmung)

Mit den Augen sehen ist sicherlich einer der wichtigsten Sinne, die wir Menschen haben. Das Sehen ist ein fester Bestandteil einer jeden rituellen Arbeit, da der Mensch über alle Sinne seine Wahrnehmung schärft. Uns werden Zeichen und Symbole vermittelt, deren tiefere Bedeutung wir oftmals erst im Laufe der Jahre erkennen und verstehen.

Sehen im Tempel

Interessenten an der Freimaurerei kennen sicher alle die historischen Bilder, welche eine Aufnahme in die Bruderschaft darstellen, bei der dem Neuaufzunehmenden oder Neophyten die Augen verbunden sind. Dies dient nicht nur der Sicherheit der Brüder, welche unerkannt bleiben wollen und sich nur dem Bruderkreis offen zeigen, nein die Augenbinde hat auch einen symbolischen Charakter im Tempelraum. Der neu aufzunehmende Bruder wird mit verbundenen Augen in den Tempelraum eingeführt. Dieses symbolische „Nicht-Sehen“ soll dem Suchenden vor Augen führen (merkt ihr die Ironie an dem Satz J), dass er sich bisher nicht sehend durch die Welt bewegt hat und das Licht sucht. Er sieht den Bruderkreis vor dem Abnehmen der Binde nicht und muss sich diesem blind anvertrauen, wenn er aufgenommen werden möchte. Nur jemand, der seinen Brüdern blind vertrauen würde, der kann auch von der Gemeinschaft angenommen werden. Vertrauen aufeinander bildet hier eine der wichtigsten Grundlagen der modernen Freimaurerei.

Ziel dieser Handlung ist es, ihm das Augenlicht wiederzugeben und ihn sehend zu machen. Er soll seine neue Wirklichkeit erfassen und seine Augen und somit auch seinen Geist für neue Dinge öffnen.

Der Prozess des Sehens

Mit der Öffnung der Augen und dem Entfernen der Binde beginnt der Prozess des Sehens und Erfassens von Symbolen und Sinnbildern, wie sie in der Freimaurerei üblich sind. Er muss die Zeichen und vor allem die Bedeutung lernen, wie sie seit vielen Hundert Jahren vermittelt und weitergegeben werden. Diese dienen der winkelgerechten Lebensführung und der Verbesserung seiner ethischen Haltung, seines ethischen Handelns und seines rauen Steins.

Sehen im sozialen Umfeld

In der Abschlussansprache des Stuhlmeisters einer jeden rituellen Arbeit werden die Brüder konkret aufgefordert, niemals wegzusehen und Not und Leid den Rücken zuzukehren: „[…] Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf euch selbst. […] Dies wiederum ist keine Aufforderung für den Tempel alleine. Sie zeigt, dass der Bruder Freimaurer im profanen Leben die Augen aufhalten und einschreiten soll. Dies muss nun nicht gleich Aufgaben umfassen wie Kriege zu stoppen, aber sich zumindest für eine humanitäre Lösung von Leid und Konflikten einzusetzen oder seine Meinung zu beziehen. Auch in kleinem Rahmen sollte dies ein Muss ein. Nicht wegsehen, wenn auf offener Straße Unschuldige angegangen werden, nicht wegsehen, wenn Unrecht geschieht. Immer wachsam sein und die Augen für die Gefahren dieser Welt offenlassen. Die Augen wurden dem Bruder ja mit der Aufnahme geöffnet, nun muss er sie auch lernen im realen Alltag offen zu halten.

Tace – Vom Schweigen

Ist es nicht in einer so geschwätzigen Zeit, mit Twitter, Facebook und den anderen sozialen Netzwerken, eine gewisse Tugend, wenn man einfach schweigen kann? Wenn man die Ruhe sucht und diese zu schätzen lernt? Gerade diese Ruhe schafft eine gewisse Entspannung, welche dazu dienen kann, die leeren Batterien wieder aufzutanken.

Schweigen bei den Hochgraden

Im alten und angenommenen Schottischen Ritus finden wir ebenso Hinweise auf das Schweigen per se. Der 4. Grad, also der Grad in den man in den AASR aufgenommen wird, ist der Grad des „geheimen Meisters“. Dieser Meister hat sich vor allem durch „das Schweigen“ auszuzeichnen. Diese Meistertugend gilt es also auch in den Hochgraden zu erlernen und zu pflegen. So wie jeder Meister, egal in welchem Grad oder Hochgrad immer auch ein Lernender ist, muss er sich auch weiterhin gerade in dieser Tugend üben.

Schweigen nach außen

Aber warum schweigen die Freimaurer denn vor Außenstehenden, sind sie sogar ein Geheimbund? Unsere Satzungen kann man offen lesen und da eine Freimaurerloge wie ein Verein aufgebaut und strukturiert ist, kann man auch die Vorsitzenden, also den sogenannten Meister vom Stuhl namentlich kennenlernen. Zudem betreiben die meisten Logen durchaus informative Webseiten oder Foren um Interessenten und Suchenden eine geeignete Plattform zu bieten. Selbst ihr, meine Leser habt meinen Blog gefunden und könnt über Freimaurerei einiges erfahren. Daher denke ich es wäre unangebracht von einem Geheimbund zu sprechen. Was jedoch stimmt ist (und ich möchte hier gern ein Zitat von Dan Brown verwenden) dass Freimaurer „ein Bund mit Geheimnissen sind“.

Gerade diese Geheimnisse, geheime Zeichen und Worte, grenzen uns von den Außenstehenden ab und lassen eine Bruderschaft entstehen, welche auf die gleichen Werte und Ideale baut. Wir schweigen nicht um etwas zu verheimlichen oder wie oft behauptet wird um „die Welt zu erobern“, sondern einfach um die Gedankenwelt der Freimaurerei von Außenstehenden abzugrenzen. Einer außenstehenden Person sind oft die Zeichen und die Symbole der Freimaurer unverständlich und auch die Gedankenwelt mag fremd erscheinen.

Zudem ist es denn so ungewöhnlich? Wir Freimaurer verstehen uns als Brüder. In einer Loge kann und soll auch offen miteinander und untereinander kommuniziert werden. Da ist es mehr als verständlich, wenn diverse Interna nicht nach außen getragen werden. Das eigentliche „freimaurerische Geheimnis“ ist eher die Frage an jeden Einzelnen, was Freimaurerei für einen selbst ist und wie es erlebt wird. Das Geheimnis der Freimaurerei muss jeder Maurer für sich selbst entdecken. Somit ist Freimaurerei eher etwas Egoistisches und schwer zu beschreiben. Würde man 30 Maurer nach dem Geheimnis fragen, so würde man auch 30 unterschiedliche Antworten bekommen. Was wiederum auch einer der Gründe ist, warum sich Menschen in eine Loge begeben…eben diese Vielfalt an Ideen, Gedanken und Interessen. Dieser Austausch bereichert einen selbst.

In früherer Zeit war die Wahrung der Geheimnisse noch viel dringender als heute. Früher, als es noch die Bauhütten gab und die Kirchen und Kathedralen gebaut wurden, konnten die wenigsten Lehrlinge und Gesellen lesen. Daher wurden die Symbole ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Auch die Zeichen und Worte wiesen den jeweiligen Status des einzelnen aus, nach welchem er auch seinen Lohn bekam. Kannte man die entsprechenden Zeichen und Worte und wusste um die Symbolik in dem jeweiligen Grad, so konnte man frei umherziehen und sich dort niederlassen wo man Arbeit fand. Man musste sich nicht durch ein Dokument ausweisen, sondern konnte dies tun ohne ein Schriftstück zu haben.

Man kann viel darüber reden, diskutieren und spekulieren warum es Logen gibt, die sich wenig öffnen und andere eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit haben. Ich denke das muss jeder für sich selbst wissen, ob er sich öffentlich dazu bekennt. Was jeder Maurer aber unbedingt sein muss ist verschwiegen. Es gilt nach wie vor die Loge nach außen zu schützen und die Geheimnisse zu bewahren.

Vom Schwiegen in der Loge

Gerade in dieser eher ruhelosen und stürmischen Zeit, ist Ruhe und damit Verbunden das Schweigen eine der wichtigsten Güter. Gerade in einer Loge und vor allem zu den Tempelarbeiten suchen die Brüder und Schwestern die Ruhe auf. Hierbei ist es also mehr als verständlich, wenn die Brüder auch dazu aufgerufen werden, ihre Handys auszuschalten. Dem Alltag entfliehen und sich völlig fallen lassen in diese meditative Arbeit. Zudem hat es auch mit einem gewissen Respekt zu tun, wenn man sich auf die Tempelarbeit mit den Brüdern/Schwestern komplett einlässt und den Worten des Bruders Redner lauscht.

Aber nicht nur während einer rituellen Arbeit ist Schweigen ein wichtiges Gut. Auch im Umgang der Brüder untereinander geht es um das Bewahren von Anvertrautem. Wenn mir ein Bruder etwas in einem brüderlichen Gespräch anvertraut und ich ihm auf Maurer-Wort schwöre, dies für mich zu bewahren, so sollten wir doch hierüber Schweigen und dieses Geheimnis wahren. Dazu gehört auch, dass persönliche Emails und Nachrichten nicht ohne Wissen des Absenders an neue Adressaten weitergeleitet oder versendet werden sollten. Der Maurer muss sich auf die Tugendhaftigkeit seines Bruders verlassen können, denn genau dies macht diese jahrhundertealte Bruderschaft mit aus.

Ebenso ist schweigen und auch das Zuhören angebracht im Rahmen eines brüderlichen Gespräches oder Vortragsabend. Hier lässt man den Bruder ausreden und wertet seine Aussage nicht. Der gegenseitige Respekt zählt, auch wenn er in einer sehr hitzigen Diskussion leider auch einmal von dem ein oder anderen vergessen wird.

Fazit

Zusammenfassend muss man sagen, dass diese drei Grundlagen Sehen, Schweigen und Hören nicht nur in der Freimaurerei die Grundlage für ein sinnvolles Gespräch sowie den Prozess des Lernens sind, sondern grundsätzliche Aspekte im mitmenschlichen Umgang. Sich gegenseitig zuhören und ausreden lassen ist Bestandteil jeder Beziehung.

Wir wollen uns alle respektieren, einander zuhören, uns gegenseitig unterstützen, motivieren – eine Gemeinschaft sein und das Tag für Tag. So fängt es in der kleinesten Einheit, der Partnerschaft und Familie an, geht über das berufliche und soziale Umfeld und kann zu einer umfassenden Gemeinschaft führen, wie es die Freimaurer für sich seit Jahrhunderten anstreben.

Ein friedliches Weihnachtsfest

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern auf diesem Wege ein frohes und vor allem friedliches Weihnachtsfest.

Gerade nach dem Anschlag in Berlin dürfen wir uns das Fest nicht verderben lassen. Wir dürfen die Hoffnung nie verlieren und radikalen Kräften keine Plattform bieten, stattdessen sollten wir näher zusammenstehen als zuvor.

Genießt alle ein paar ruhige und schöne Tage im Kreis eurer Familien, Lieben und Freunde…

Ich möchte euch den Text eines bekannten Liedes noch als Gedankenanstoß hierlassen…wäre das nicht eine schöne Vorstellung?

Euer Br. René

 

„Imagine“ von John Lennon (alle Rechte bei John Lennon)

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today… Aha-ah…

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion, too
Imagine all the people
Living life in peace… You…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world… You…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

*BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!

Heute Morgen fand ich eine liebe Email meines Bruders und Mit-Bloggers Philip Militz im Posteingang mit dem Hinweis auf einen seiner Artikel: http://www.freimaurer.online/2016/11/geistesblitz-bam-jo-das-ist-freimaurerei/ Dieser wiederum hat unseren Bruder und ebenso Mit-Blogger Hagen zu seinem Artikel veranlasst: https://hagenunterwegs.wordpress.com/2016/12/02/bam-jo-das-ist-freimaurerei

Natürlich möchte ich ebenso einen kleinen Beitrag zu leisten:

Als ich vor einigen Jahren in Paris über ein verlängertes Wochenende war, nutze ich die Zeit und besuchte das Freimaurer Museum des Grand Orient de France (Musée de la Franc-Maçonnerie).

Meine Partnerin und ich schlenderten durch diese wirklich beeindruckende Ausstellung und genossen die Zeit in diesen erstaunlichen Hallen. Am Ende des Museums gab es einen kleinen Shop in dem ich mich für einige Bücher interessierte. Da meine Partnerin fließend französisch sprach, bat ich sie, den dort sitzenden Mann (von dem ich aufgrund seines auffälligen Ringes annahm Freimaurer zu sein) zu fragen, was man hier im Gebäude denn sonst noch ansehen kann. Der Mann gab als Antwort zurück, dass es hier nur diese Ausstellung zu sehen gab. Also ließ ich ihn fragen, was man denn als Freimaurer hier noch sehen kann/darf. Er sah meine Partnerin verblüfft an und fragte sie, ob sie denn eine Schwester sei. Sie verneinte und meinte, dass ich ein Bruder wäre.

Wieder sah ich in ein verblüfftes Gesicht und er streckte mir wortlos seine Hand hin. Ich ergriff sie und stelle fest, dass die Erkennungszeichen der Freimaurer, in diesem Fall also der Griff weltweit eindeutig waren. Er erkannte mich als Bruder Meister und so führte er uns durch einige Gänge. Er zeigte uns einige der knapp 20 Tempelräume, nahm sich die Zeit für Erklärungen zu den Räumlichkeiten, zum Gebäude, der Bibliothek im obersten Stock und dem Grand Orient de France im Allgemeinen. Zum Abschluss lud er mich noch zur Teilnahme an einer Ritualarbeit ein, welche ich leider aufgrund der begrenzten Zeit und der Tatsache, dass ich keinerlei Utensilien mit dabeihatte, ausschlagen musste.

Man sieht also, auch im Ausland funktioniert die weltweite Bruder-/Schwesterkette!

Freimaurer-Loge Jacob de Molay zum Stern im Süden

Ich möchte kurz die Zeit nutzen um auf eine neue interessante Webseite hinzuweisen.

Sehr schön, minimalistisch und dennoch mit viel Aussagekraft (alleine wegen den Bildern) aufgebaut. Die Rede ist von der Freimaurer-Loge Jacob de Molay zum Stern im Süden. Ich bin hier Zweitmitglied und möchte daher kurz euer Augenmerk auf folgendes Zitat lenken:

„Unsere Loge steht all denen offen, die ihr Leben abseits des lauten und hektischen Alltags mit Sinn erfüllen möchten. Die Brüder unserer Loge haben die unterschiedlichsten Lebensläufe und stehen in verschiedenen Lebensabschnitten. Uns verbindet die gemeinsame Suche nach dem „Licht“, d.h. nach dem, was ein menschliches Leben in unserer Gesellschaft lebenswert macht. Dabei hilft uns der gemeinsame Austausch bei unseren Zusammenkünften und das Nach-Denken der Gedanken des Anderen, die verschiedene Facetten des menschlichen Lebens und uns selbst besser zu begreifen.“

Schön treffend und auf den Punkt gebracht…

Freimaurer-Loge Jacob de Molay zum Stern im Süden

 

 

Gastbeitrag: Macht und Maurerei – von Br. ANP

Zum ersten Mal möchte ich heute einen Gastbeitrag meines Bruders „ANP“ veröffentlichen. Er möchte anonym bleiben und auch nicht, dass seine Loge genannt wird. Diesem Wunsch komme ich selbstverständlich gerne nach. Er meinte noch, dass „der Text dazu programmiert ist, verschwörungstheoretische Spinner anzuziehen“. Sehen wir was kommt.
Viel Spaß beim Lesen des Textes:

Macht und Maurerei

Ich möchte heute über etwas sprechen, das mich seit ein paar Wochen, vielleicht Monaten beschäftigt. Es geht um Macht. Gerne schreiben uns Freimaurern Verschwörungstheoretiker zu, über Macht im Überfluss zu verfügen. Wir haben so viel Macht, dass wir (oder die angeblich noch verborgener agierenden Illuminaten) unsere Verschwörungssymbole mitten auf den Banknoten der wichtigsten Währung der Welt verstecken und keiner außer dem Eingeweihten merkt es!

Nächstes Jahr wird es anlässlich des 300. Jubiläums viel Öffentlichkeitsarbeit geben. Nur sehe ich jetzt schon wieder, wie wir uns im Glanz vergangener Zeiten sonnen werden, darin, wer so alles zu unserem illustren Kreis gehörte. Nur, was sagt das über uns heute aus? Meine Prognose: 2018 wird die Freimaurerei im Großen und Ganzen wieder unter sich bleiben und wir beschäftigen uns wieder mit uns selbst und der Arbeit am rauen Stein. Schlecht muss das allerdings, das möchte ich betonen, auch nicht sein.

Was haben nun Verschwörungstheorien und meine gedämpften Erwartungen an die konkreten mittel- und langfristigen Folgen des Jahres „300“ miteinander zu tun? Und was mit „Macht“, worüber ich doch eigentlich sprechen möchte? Ganz einfach: Verschwörungstheoretiker schmeicheln uns, weil Sie uns, unsere Rolle und eben Macht und Einfluss des Bundes oder aber seiner einzelnen Mitglieder maßlos und in grotesker Weise überschätzen. In der Vergangenheit wie in der Gegenwart.

Macht, Einfluss. Da denken wir an Politiker, an die Beiräte und Führungsetagen von DAX-Konzernen, an Staatspräsidenten, Militärs, Lobbyisten in den Lobbys der Parlamente oder auch Meinungsmacht, an Staatsgewalt und Polizei, oder – wenn man es etwas einfacher haben möchte – an Star Wars.

Der Macht-Begriff jedenfalls ist schillernd, vielseitig und in Deutschland in verschiedenen Zusammenhängen sogar verpönt. Zum Zweck dieser Zeichnung möchte ich etwas hemdsärmelig zwischen zwei Formen von Macht unterscheiden, zwischen persönlicher und struktureller Macht. Warum das wichtig ist, werde ich anschließend an einem Beispiel erklären.

  1. Persönliche bzw. personelle Macht: Über diesen klassischen Machtbegriff gibt es Abhandlungen, die Bibliotheken füllen. Klassisch wäre z.B. sehr frei nach Max Weber, dass Macht das eigene Vermögen bezeichnet, eine Entscheidung gegen den Willen eines Anderen durchzusetzen. Unterschieden wird gerne auch zwischen Sanktions- und Gratifikationsmacht. Sanktionsmacht heißt z.B., das Vermögen, Verhaltensweisen zu bestrafen oder Andere durch die Angst vor Strafe überhaupt von einem entsprechenden Verhalten abzubringen. Über Gratifikationsmacht verschaffe ich Dritten Zugang zu Positionen, also eigener Macht durch Teilhabe, zu Geld, Privilegien oder Formen von Belohnungen, über die ich mein Gegenüber an mich in einer klassischerweise asymmetrischen Beziehung binde. Kontext und Situation können Asymmetrien auch schnell umkehren.
  2. Strukturelle Macht geht nicht vom Individuum aus. Sie beschreibt viel mehr Gesellschaft bzw. gesellschaftliche Ordnung so, dass sie durch Machtverhältnisse geprägt, von Macht durchdrungen, aber auch erst ermöglicht wird. Strukturelle Macht bildet keinen absoluten Gegensatz zur Macht von Einzelpersonen im vorgenannten Sinne. Sie hilft aber wertneutral zu beschreiben, wie Strukturen einer Einzelperson zu „Macht“ verhelfen können und zwar nicht gegenüber Dritten, sondern allein darauf bezogen, Einzelpersonen oder Gruppen zu ermächtigen, eine Handlung zu vollziehen oder Lebensweise zu pflegen. Ausweiten ließe sich dieser Machtbegriff damit auch auf Infra-Struktur jeder Art.

Das klingt kompliziert, darum ein Beispiel. In einem Dorf gibt es einen alten heruntergekommenen Bolzplatz. Die Tore sind windschief, rostig und drohen beim nächsten Lattenschuss den lebensmüden Torwart unter sich zu begraben. Da die Wiese nicht gepflegt ist, Steine herumliegen und der Boden uneben ist, könnte der Torwart noch einmal Glück haben, weil der Torschütze sich vor dem lebensgefährlichen Lattenschuss gerade noch rechtzeitig ein Bein bricht, weil er in einem der vielen Schlammlöcher stecken geblieben ist.

Am Rande des Dorfes hat der hiesige Sportverein seinen Sitz. Grün, so saftig grün ist der Rasen mit seinen weißen Spielfeld-Markierungen. Die beiden Metallrahmen der Tore stemmen sich mit ihren festmontierten Fangnetzen noch dem stärksten Lüftchen entgegen. Aber: Zutritt nur für Vereinsmitglieder. Das stellt Fritz, der missmutige Platzwart sicher. Die naheliegende Lösung für den entnervten Fußballfan ist es, dem Verein beizutreten, weil dieser ihm ermöglicht, auf einem heilen Platz Fußball zu spielen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und über die Mitgliedschaft in verschiedenen Ligen und Dachverbänden neue Leute kennenzulernen, vielleicht sogar beruflich voranzukommen. Der Verein selbst stellt also eine Form positiver Machtstruktur da, die seinen Mitgliedern oder denen, die mit ihm zu tun haben, Dinge ermöglicht, die ihnen sonst verwehrt blieben. Das wäre Lösung 1.

Eine andere Lösung, die zur ersten nicht im Widerspruch stünde, wäre, dafür zu sorgen, dass der lebensgefährliche Bolzplatz so instandgesetzt wird, dass er nicht mehr nur allein für Todesmutige verlockend ist (eine Lösung, die der Verantwortungsethik unseres Bundes deutlich nähersteht). Der schnellste Weg dahin, ist, sich mit den richtigen Ansprechpartnern des Dorfes, der Kommune oder Stadt in Verbindung zu setzen, und selbst zu erkennen, welche Machtstrukturen ich am besten anzapfen muss, um mein Ziel zu erreichen, wo sanfter bis deutlicher Druck und das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt Dinge in Bewegung setzen können. Natürlich ließe sich dieses Beispiel noch viel weiterspinnen, denn ein rundum sanierter Bolzplatz lädt mehr Spieler zum Spielen ein, die nachmittags dort trainieren und selbstständig ohne Verein an ihrem fußballerischen Können feilen können. Würde ich über die entsprechenden Mittel verfügen, könnte ich natürlich als Mäzen auftreten und den Fußballplatz aus eigener Tasche bezahlen, aber das wiederum erfordert eben: Geld, also ein Attribut persönlicher Macht.

Was hat das nun mit Maurerei zu tun? Um den Bau am Tempel der Humanität zu fördern, ist es sinnvoll, sich nicht nur mit symbolischen Werkzeugen, den zu ziehenden Mauern und Bauplänen zu beschäftigen, sondern auch mit symbolischen Bauunternehmen, Werkstoffhöfen, Lieferzeiten, Investoren, rechtlichen Rahmenbedingungen und ähnlichem, denn dann kommen wir unserem Ziel schneller voran.

Die Beschäftigung mit „Macht“ ist also nichts Negatives, wenn man sie als Werkzeug und Ermöglichungsrahmen begreift, ein Ziel zu erreichen. Dabei liegt die Aufgabe, Einflussmöglichkeiten zu erkennen und zum Besten der Menschheit und Umgebung zu nutzen, zunächst beim einzelnen Freimaurer. Im Übrigen ebenso, wie es die Aufgabe ist, Verantwortung und Verantwortlichkeit im Umgang mit Macht und Machtgefügen einzufordern, zu mahnen, wo sie missbraucht werden und darüber zu wachen, dass Einfluss in Fragen der Allgemeinheit nicht zur Bereicherung von Einzelgruppen oder Personen genutzt wird, sondern im Sinne unserer Maximen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

Über diese Fragen, auch in Bezug auf unsere alltägliche Umgebung, lohnt es nachzudenken. Auch schon als Lehrling, mit Spitzhammer und vierundzwanzigzölligem Maßstab in der Hand.

Kann man die Zeit totschlagen? – Tempus fugit

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„Die Zeit, die Zeit ist ganz schön dreist

in einem Anflug von Unsterblichkeit

die Uhr kennt keine Gnade

wo ist die Zeit, die ich nicht habe“

(aus dem Lied „Zeit“ von Der W.)

Einleitung

Die Zeit ist sicherlich eines der kostbarsten Güter, welche wir Menschen haben. Denn „Zeit haben“ und „Frei-Zeit“ brauchen wir zum Entspannen und Auftanken, können dieses Gut jedoch nur bedingt kaufen. Dennoch brauchen wir Menschen gerade einen sinnvollen Ausgleich zum Alltag um uns zu regenerieren und Kraft zu schöpfen.

Oftmals vergeht die „Zeit wie im Fluge“, wenn wir schöne Momente erleben und auch wiederum zieht sich die Zeit zäh, wenn wir etwas als langweilig empfinden. Die Wahrnehmung von Zeit ist somit für jeden Menschen individuell unterschiedlich. Dennoch haben wir eine Maßeinheit geschaffen und teilen unseren Tag in 24h auf. Zumindest haben wir dann einen Richtwert und sprechen alle von der „gleichen Zeit“.

Oftmals empfinden wir es „keine Zeit zu haben“, wenn viele Eindrücke und Aufgaben auf uns zukommen und wir versuchen, diese alle nach bestem Gewissen zu erledigen. Langeweile ist wiederum eine Form der zeitlichen Wahrnehmung, in der wir uns nicht beschäftigen oder nichts Sinnvolles mit unserer Zeit anfangen können. Aber ist dies wirklich so? Können wir uns nicht eine zeitliche Einsteinung schaffen, welche uns hilft, unseren Tag zu regeln und unsere verbleibende Zeit auf Erden effektiv zu nutzen? Betrachten wir dies in den nächsten Minuten einmal ausführlich.

Definition von Zeit

Betrachten wir nun einmal die Zeit aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Wikipedia definiert: „Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung. […] Die wohl markanteste Eigenschaft der Zeit ist der Umstand, dass es stets eine in gewissem Sinne aktuelle und ausgezeichnete Stelle zu geben scheint, die wir die Gegenwart nennen, und die sich unaufhaltsam von der Vergangenheit in Richtung Zukunft zu bewegen scheint. Dieses Phänomen wird auch als das Fließen der Zeit bezeichnet. Dieses Fließen entzieht sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Betrachtung, wie im Folgenden dargelegt wird. Auch die Geisteswissenschaften können die Frage nicht eindeutig klären.“

Zeit in der Philosophie

In der Antike haben sich u. a. die Philosophen Heraklit, Platon, Aristoteles und Augustinus mit dem Begriff der Zeit befasst, in der Neuzeit vor allem Newton, Leibniz, Kant, Heidegger und Bergson.

Heraklits Flussbilder, die vom gleichbleibenden Flussbett symbolisiert werden, in dem aber Alles fließt (panta rhei), stehen als Metapher für die Zeit. Unwandelbare periodische Übergänge von Tag und Nacht, also die Beständigkeit des Flusslaufes, und die Dynamik seines Fließens stehen als die Einheit der Gegensätze.

Für Platon haben Raum und Zeit keine Wesenheit, sondern sind nur bewegte Abbilder des eigentlich Seienden (Ideenlehre). Für Aristoteles ist der Zeitbegriff untrennbar an Veränderungen gebunden, Zeit ist das Maß jeder Bewegung und kann nur durch diese gemessen werden. Sie lässt sich in unendlich viele Zeitintervalle einteilen (Kontinuum).

Augustinus unterscheidet erstmals zwischen einer physikalisch exakten (messbaren) und einer subjektiven, erlebnisbezogenen Zeit. Zeit und Raum entstanden erst durch Gottes Schöpfung, für den alles eine Gegenwart ist. Das Geheimnis der Zeit fasst Augustinus in folgendem Ausspruch zusammen: „Was also ist ‚Zeit‘? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“

Für Isaac Newton bilden Zeit und Raum die „Behälter“ für Ereignisse, sie sind für ihn ebenso real wie gegenständliche Objekte: „Zeit ist, und sie tickt gleichmäßig von Moment zu Moment.“ In der Naturphilosophie dominiert Newtons Auffassung, weil sie ermöglicht, Zeit und Raum unabhängig von einem Bezugspunkt oder Beobachter zu beschreiben.

Im Gegensatz dazu meint Gottfried Wilhelm Leibniz, dass Zeit und Raum nur gedankliche Konstruktionen sind, um die Beziehungen zwischen Ereignissen zu beschreiben. Sie haben kein „Wesen“ und es gebe daher auch keinen „Fluss“ der Zeit. Er definiert die Zeit so: „Die Zeit ist die Ordnung des nicht zugleich Existierenden. Sie ist somit die allgemeine Ordnung der Veränderungen, in der nämlich nicht auf die bestimmte Art der Veränderungen gesehen wird.“

Nach Immanuel Kant ist die Zeit ebenso wie der Raum eine „reine Anschauungsform“ des inneren Sinnes. Sie seien unser Zugang zur Welt, gehörten also zu den subjektiv-menschlichen Bedingungen der Welterkenntnis, in deren Form das menschliche Bewusstsein die Sinneseindrücke erlebt.

Kant schreibt ihr jedoch eine empirische Qualität für Zeitmessungen und entfernte Ereignisse zu. Wir können die Zeit aus unserer Erfahrung nicht wegdenken und auch nicht erkennen, ob sie einer – wie auch immer gearteten – Welt an sich zukommt. In ähnlicher Weise beschreibt Martin Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“ letztere als eine Wirklichkeit, die das Menschsein zutiefst prägt.

(aus https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit)

Der 24-zöllige Maßstab

Wie aber kann nun die Freimaurerei eine Definition von Zeit liefern und wie kann dies wiederum dem Bruder/der Schwester dienen?

Der Freimaurer muss bereits als Lehrling lernen, wie er sich den Tag richtig einteilt. Hierzu dient ihm das Sinnbild des 24 zölligen Maßstabes. Das Sinnbild des Maßstabes tauchte zum ersten Mal im Edinburgh Register House Manuskript von 1696 auf. Dieses vollständig erhaltene Fragebuch der Freimaurerei erklärt dem jüngst aufgenommenen Lehrling beim Betreten der Loge „as I am Sworn by God and St. John, by the Square and compass, and common judge (auch „gauge (ein Eichmaß)“ genannt“. Zu Deutsch: „der ich bei Gott und dem heiligen Johannes, beim Winkelmaß und beim Zirkel und beim Maßstab geschworen habe.“ Zu beachten gilt jedoch, dass es sich hierbei zuerst um einen Maßstab handelte, auf dessen Rückseite ein Profil eines zu meißelnden Steins aufgebraucht wurde. Er war somit ein allgemeiner Maßstab, der Sinnbild für eine gute Arbeit war. Erst ab 1760 finden sich Hinweise auf den 24-zölligen Maßstab wieder, wie er heute noch als Instrument des Lehrlings geläufig ist.

Erklärung des Maßstabes

Der 24-zöllige Maßstab und der Spitzhammer sind in der Freimaurerei die Symbole des Lehrlings. Der Spitzhammer dient dazu, die Ecken der Unvollkommenheit vom rauen Stein abzuschlagen, der 24-zöllige Maßstab dazu, sich bei der Arbeit die Zeit mit Weisheit einzuteilen. Er symbolisiert die 24 Stunden des Tages die der Maurer folgendermaßen einteilen soll:

  • sechs Stunden zur Arbeit
  • sechs Stunden um Gott zu dienen
  • sechs Stunden um einem Bruder oder Freund zu dienen, soweit es in seinen Kräften steht
  • sechs Stunden zum Schlafe.

Diese klare zeitliche Einteilung lässt sich in der heutigen Zeit nicht mehr 1:1 umsetzen. Es lassen sich gewerkschaftlich ausgehandelte Arbeitszeiten nicht umgehen und wer heute weniger als 8 oder 9 Stunden mit der Arbeit zubringt, gefährdet womöglich sogar seinen Arbeitsplatz. Heutzutage ist die Umsetzung dieses Lehrlingswerkzeuges schlichtweg unmöglich.

Inhaltlich jedoch ist eine solche Einteilung gar nicht so verkehrt. Die jedem Menschen zustehende Zeit, sei es nun Stunde, Tag, Monat, Jahr oder Lebenszeit soll bewusst sinnvoll und weise eingeteilt werden um ein erfülltes Leben zu verwirklichen. Die genaue zeitliche Gliederung ist nicht die Kernaussage des 24-zölligen Maßstabes, sondern eine ausgewogene Grundstruktur die unsere, zur Verfügung stehende Zeit, sinnvoll gliedert.

Wie kann der moderne Freimaurer seine Zeit also sinnvoll aufteilen? Die Aufteilung in vier Blöcke erscheint mir durchaus sinnvoll, nämlich in:

  • Arbeit
  • Befriedigung sozialer Bedürfnisse
  • Erholung und Regenerierung
  • Spiritualität

Arbeit ist ein wichtiger Teil in unserem Leben. Für die einen ist es Pflicht, für den anderen Freude und Erfüllung. Sie gibt Struktur, fördert Lernen und Fähigkeiten und ermöglicht uns in Augenhöhe mit anderen am Gesellschaftsleben teilzunehmen. Beim Fehlen von Arbeit, nämlich Arbeitslosigkeit geht erheblich mehr verloren als nur materielle Werte.

Die Befriedigung sozialer Bedürfnisse ist ein ganz wichtiger Teil unseres Lebens. Sie dient nicht nur dem Austausch, der Begegnung und der Kommunikation, sie sorgt nicht nur für gemeinsame Erlebnisse, sondern schafft auch Nähe und Intimität. Indem wir füreinander da sind und uns gegenseitig helfen, geben wir der Gesellschaft etwas zurück, auf das wir selber angewiesen sind, nämlich Menschlichkeit, Geborgenheit, Verständnis, Brüderlichkeit, Liebe.

Jedes Individuum hat seinen eigenen Schlafrhythmus. Der eine kommt locker mit 5 Stunden aus, der andere schläft regelmäßig seine 7 Stunden. Hobby und Freizeitaktivitäten, ausgewogene Ernährung und Urlaube sind wichtig um die Anforderungen des Lebens langfristig erfüllen zu können und sich psychisch und physisch in guter Form zu erhalten.

Wer sich Zeit für Spiritualität nimmt und sich mit Neugierde auf die wichtigen Fragen des Lebens stürzt, wird Antworten finden, die einem weiterhelfen, sein Leben sinnvoller zu gestalten. Viele finden in der Religion eine Zuflucht und einige sogenannte „Freidenker“ – wenn sie Glück haben – in der Freimaurerei. Wer sich jemals mit dem Satz „Erkenne dich selbst“ oder mit den Begriffen Freiheit, Gleichheit oder Brüderlichkeit auseinandergesetzt hat, der begreift viel mehr über die Zusammenhänge des Lebens als andere. Das ist Nahrung für die Seele und den Geist und auch Nährboden für eine humanistische Lebenseinstellung.

Wie genau diese 4 Bereiche weise aufzuteilen sind, muss wohl ein jeder selber wissen. Deshalb sollte es jedem selbst überlassen bleiben seine Zeit sinnvoll und weise einzuteilen um ein glückliches Leben zu führen.

(angelehnt nach dem Traktat im Freimaurer Wiki: http://freimaurer-wiki.de/index.php/Traktat:_Der_24z%C3%B6llige_Ma%C3%9Fstab)

Ermahnung an Pünktlichkeit

Sowohl im Ritual, also auch zu den gemeinschaftlichen Abenden und Vorträgen ruft uns der Meister zur Arbeit. Diesem Aufruf sollten die Maurer auch nachkommen und pünktlich ihre Arbeit aufnehmen. Der 24-zöllige Maßstab soll uns hier ermahnen und erinnern, dass wir zum einen die Arbeit an uns selbst wiederaufnehmen sollen und zum anderen auch der Arbeit an der Gemeinschaft der Loge und unseren Fragen nach der Bestimmung. Natürlich ist das Erleben der Gemeinschaft ein wichtiger Bestandteil einer Loge, aber gerade in der letzten Zeit wurde das allseits beliebte „akademische Viertel“ hier und da schon mal auf 25-30min ausgedehnt.

Wenn wir jedoch den Umgang mit dem Maßstab gelernt haben und Pünktlichkeit somit im erweiterten Sinne eine Tugend eines Maurers ist, dann sollten wir uns wieder zurückbesinnen und uns der Zeit und vor allem an der sinnvollen Einteilung dieses wichtigsten und teuersten Gutes widmen.

Fazit

Der Freimaurer muss den Umgang mit der Zeit für sich selbst finden. Gerade in dieser hektischen und kurzlebigen Zeit muss er lernen auch einmal stehen zu bleiben und sich umzuschauen. Er muss sich den passenden Ausgleich schaffen, um nicht in die Gefahr von Burn-outs und anderen zeitfressenden Probleme zu kommen. Wie er dies jedoch umsetzt, liegt ganz an ihm selbst. Das Werkszeug dazu hat er bekommen, umsetzen und damit arbeiten muss er alleine.

Ich möchte schließen mit einer weiteren Passage auf dem anfänglichen Lied. Dabei soll die Schlussfrage offenbleiben, damit jeder einmal über sie nachdenken kann.

„Wer die Zeit verdrängt, gewinnt das Leben.

Es ist an der Zeit, sich die Zeit zu nehmen.

Zeit, sie vergeht, Zeit, sie fehlt!

9 Millimeter Blei, im Kopf der Zeit!

Die existenzielle aller Frage: Kann man die Zeit totschlagen?“