Neue Dokumente des F.z.a.S. (Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne) – Mediathek

Wieder einmal hatte ich das Glück, weitere Dokumente es Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne (F.z.a.S.) in einigen Antiquariaten zu finden. Natürlich habe ich diese bereits in die Mediathek gestellt und sie bei der Gelegenheit etwas neu sortiert.

Spannend ist hierbei der tiefe Einblick in die Ereignisse des Ersten Weltkrieges, die Meinungen der Brüder und Briefe von Brüdern von der Front.

Viel Spaß beim Lesen…

Sonnenstrahlen_August_1914

Sonnenstrahlen_Oktober_1914

Sonnenstrahlen_Dezember_1914

Sonnenstrahlen_Februar_1915

Sonnenstrahlen_März_1915

Sonnenstrahlen_April_1916

Sonnenstrahlen_Mai_1916

Sonnenstrahlen_Juli_1916

Sonnenstrahlen_September_1916

Sonnenstrahlen_März_1917

Sonnenstrahlen_Juni_1917

Macht Unwissenheit glücklicher? – Aufklärung 2.0

Die Forderung nach einer neuen Aufklärung wurde in den letzten Tagen immer öfter an mich herangetragen. Sei es per Email, als auch in öffentlichen Foren oder sozialen Netzwerken. Viele Menschen, mit denen ich mich austausche und rede sind der Meinung, dass die Zeit hierfür reif ist. Nein, sie ist sogar nötig! Die immer andauernde Frage nach dem Sinn des Menschen, den Religionen und die offenen Diskussionen über diese, beschäftigten mich nun seit einigen Wochen. Hinzu kommen vor allem die Beschaffenheit und die Gewinnung von Informationen in unserer Gesellschaft.

Informationen können wir in unserem Land viele bekommen, konsumieren und müssten sie auch reflektieren. Die Bewertung der Quellen sollte hierbei nicht vergessen werden.

Wenn wir uns Gedanken machen möchten über einen Weg hin zu einer neuen Aufklärung, somit müssen wir uns vor allem mit zwei wichtige Aspekte auseinandersetzten:

  • den Informationsgehalt, auf den wir unser Wissen, unsere Erkenntnisse und unsere Reflektionen beziehen
  • als auch die Einsicht, dass eine neue Aufklärung, eine Aufklärung 2.0 von Nöten ist

In den kommenden Zeilen möchte ich kurz an das Thema herangehen und mit einem Rückblick an die Aufklärung beginnen.

Einleitung über die Aufklärung

„Der Begriff Aufklärung, auch für das „Aufklären“ von beliebigen Sachverhalten und über beliebige Sachverhalte verwendet, bezeichnet die um das Jahr 1700 einsetzende Entwicklung, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden. Es galt Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen. Seit etwa 1780 bezeichnet der Terminus auch diese geistige und soziale Reformbewegung, ihre Vertreter und das zurückliegende Zeitalter der Aufklärung in der Geschichte Europas und Nordamerikas. Es wird meist auf etwa 1650 bis 1800 datiert.

Als wichtige Kennzeichen der Aufklärung gelten die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, mit der man sich von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen und Ideologien „auch gegen den Widerstand von Tradition und Gewohnheitsrecht“ befreien will. Dazu gehörte im Zeitalter der Aufklärung der Kampf gegen Vorurteile und die Hinwendung zu den Naturwissenschaften, das Plädoyer für religiöse Toleranz und die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte die Aufklärung auf mehr persönliche Handlungsfreiheit (Emanzipation), Bildung, Bürgerrechte, allgemeine Menschenrechte und das Gemeinwohl als Staatspflicht. Insbesondere Olympe de Gouges setzte sich für die Frauenrechte ein und musste das mit dem gewaltsamen Tod bezahlen. Condorcet wollte das allgemeine Wahlrecht auch den Frauen gewähren.

Viele Vordenker der Aufklärung waren fortschrittsoptimistisch und nahmen an, eine vernunftorientierte Gesellschaft werde die Hauptprobleme menschlichen Zusammenlebens schrittweise lösen. Dazu vertrauten sie auf eine kritische Öffentlichkeit. Kritik an diesem „Vernunftglauben“ entstand seit etwa 1750 unter den Aufklärern selbst, dann im Sturm und Drang und in der Romantik, aber auch im Skeptizismus und dem sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts formierenden politischen Konservatismus.

Aufklärerische Impulse beeinflussten Literatur, Schöne Künste und Politik, etwa die Amerikanische Revolution von 1776 und die Französische Revolution von 1789. Sie trugen zu einem andauernden Rationalisierungsprozess von Politik und Gesellschaft bei, so dass die Aufklärung zu einem Kennzeichen der Moderne wurde.“

(aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung)

Sehr nüchtern wird hier die Entwicklung einer Zeit beschrieben, die uns einen wichtigen Schritt in die Modern bescherte. Die Entwicklung des Menschen aus einer Welt der Dogmen und von einer christlichen Obrigkeit beeinflussten Weltanschauung, hin zu einem freien Willen. Einem „Sapere Aude“, dem Willen und der Kraft selbst denken zu können und dies auch zu wollen.

Die Augen verschließen

Doch blicken wir ein paar Jahrhunderte später zurück auf diese Forderung, so lässt sich feststellen, dass der Mensch doch eher ein „Gewohnheitstier“ ist, bequem geworden ist und eine gewissen Freude hat, sich berauschen zu lassen und nur noch zu konsumieren. Der Mensch macht sich nur allzu gerne selbst zum „Couch-Potato“, zu einem Konsumenten.

Warum sollte man sich auch mit geistiger Arbeit auseinandersetzten (wollen), wenn das „sich berauschen lassen“ doch so viel einfacher sein kann. Konsumieren statt Denken wurde zu einem Sinnbild für unser heutiges Verhalten.

Das Ziel vor Augen

Dabei sollte uns doch immer wieder vor Augen geführt werden, wie sehr die Vordenker der aufklärerischen Gedanken für diese gekämpft haben. Diese Ideen führten zur französischen Revolution und den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (französisch: Liberté, Égalité, Fraternité) und ebenso zu neuen Staatsformen, wie den Vereinigten Staaten von Amerika. Setzt man sich mit der Verfassung der USA auseinander, so finden sich hier bereits direkte Bezüge zu den freimaurerischen Schriften des 17. Jahrhunderts. Nicht umsonst waren etwa 1/3 der unterzeichnenden Männer Freimaurer.

Die Macht des Klerus und den  daraus resultierenden Einschränkungen in der Entwicklung und Forschung haben die Entwicklung der Menschheit um Jahrhunderte blockiert, wenn nicht sogar zurückgeworfen. Vergleicht man das „finstere Mittelalter“, seine Auswirkungen auf die Hygiene und damit auch verbunden Krankheiten, ebenso die Inquisition, welche jede Art von Forschung und Wissenschaft unterdrückt hat, mit den Errungenschaften aus der Zeit der Aufklärung, kann man sehen, wie die Kirchen die Entwicklung verhindert hatten. Dennoch stellten sich Menschen diesem entgegen und führten die Bürgerlichen aus dieser selbstverschuldeten Unwissenheit ins Licht zurück.

Aufruf für eine neue Zeit

Warum sollten wir nun diese Ideen und die Motivation, die diese Menschen bewogen hat ihr Leben zu riskieren, um ihre Visionen öffentlich kund zu tun, nun ausblenden und vergessen? Nur weil uns das Berauschen mehr gefällt und uns das Sofa gefangen hält? Weil die Konsumierung von Informationen und der Zugang zu „Wissen“ heutzutage so leicht geworden ist, wie noch nie zuvor?

Es wäre fatal, wieder in eine Zeit zurückzufallen, in der uns vorgeschrieben wurde, was wir zu denken und zu wissen haben. Was wir aber wissen oder zumindest glauben zu wissen, gilt sinnvoll zu bewerten und daraus zu filtern, was für den einzelnen wichtig ist, was wahre Informationen sind und was eher sog. „alternative Fakten“. Die Schwierigkeit hierbei ist doch zu wissen und zu unterscheiden, woher meine Informationen kommen und wer ein Interesse daran hat, dass ich diese Informationen bekomme und ihnen Glauben schenke.

Teil 1: Informationsgehalt und -Sicherheit

Filterung von Informationen

Unser modernes Zeitalter gibt uns die Möglichkeit massenhaft Nachrichten und Neuigkeiten aus der gesamten Welt zu bekommen. Hinzu kommen noch die freien Möglichkeiten der Informationsbeschaffung aus dem Internet. Rund um die Uhr sind die Meinungen von Journalisten und Reportern abrufbar. Wir haben zudem den Vorteil, dass unsere Möglichkeiten nicht eingeschränkt werden wie in Ländern wie China. Uns scheinen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten offen zu stehen, Informationen abzurufen, unser Wissen weiterzubilden und uns eine Meinung zu einem Sachverhalt zu bilden.

Und genau hier liegt auch das größte Problem dieser Entwicklung.

Freie Meinung & freie Medien

Richtig betrachtet SCHEINT uns eine freie und öffentliche Welt zur Verfügung zu stehen. Aber müssen wir uns nicht die Frage stellen, WER für die Information verantwortlich ist und WAS dieser Urheber erreichen möchte? Stellen wir denn die Nachricht per se in Frage und hinterfragen wir deren Hintergründe und die Motivation hinter ihr?

Oftmals leider nicht ausreichend. Meinungsbildung ist sicherlich die modernste Form von Macht. Betrachten wir hierbei einmal die Liste der mächtigsten Menschen auf unserem Planeten, so werden wir feststellen, dass neben Politikern auch viele Unternehmer in diesem Ranking aufgeführt werden, die einen nicht irrelevanten Einfluss auf Medien oder Informationen haben. Somit müssen wir uns die berechtigte Frage stellen, ob all das, was wir vorgesetzt bekommen, auch den Tatsachen entspricht. Natürlich ist es oftmals schwer dies zu bemerken, zu unterscheiden und zu filtern. Aber wir haben immer noch den eigenen Verstand um es bewusst zu hinterfragen. „Wem nützen welche Informationen“ oder auch „was ist die Absicht hinter dieser Aussage?“.

Spannend ist hierbei die Betrachtung der Zusammensetzung des Rundfunkrats. Dieser ist bei deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das oberste, für die Programmkontrolle zuständige Aufsichtsgremium. Es wird ein Gremium geschaffen, welches die Einhaltung von Gesetzten und Ethik überwachen soll, jedoch die Zusammensetzung dieser Rundfunkräte ist dabei oftmals fragwürdig.

„So liegt der Anteil der Staatsvertreter bei einigen Anstalten bei 50 %; dies wird als beherrschender Einfluss kritisiert. Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass die Konstruktion dann verfassungswidrig ist, wenn ein beherrschender Einfluss von Staatsvertretern auftritt. Auch sind zwar die Kirchen im Rundfunkrat vertreten, jedoch keine Vertreter von Atheisten und Agnostikern.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkrat). Wir müssen somit weiterhin davon ausgehen, dass dem mündigen Bürger automatisch unterstellt wird, dass ein ethisches Verhalten ohne Religion und Kirche nicht möglich sei. Natürlich sind Atheisten oftmals nicht in festen Gruppierungen wie eine Religion zusammengefasst und wenn doch, welche sollte denn die öffentliche Meinung für all diese Gruppen vertreten? Einen Vertreter zu suchen und zu stellen ist wohl eine der größten Herausforderungen.

Hinzu kommt noch die mögliche Einflussnahme durch die kirchlichen Vertreter, welche durchaus ihre Position nutzen könnten, um Meinungen zu schaffen und zu platzieren. Vielleicht können hierbei auch die Nachrichten beeinflusst werden und z.B. eine negative Berichtserstattung über Kindesmissbrauch in der Kirche verhindert werden.

Dennoch bleibt die Frage ( und damit verbunden eine indirekte Unterstellung?) offen, warum „nur religiöse Menschen“ eine ethische Meinung haben können und diese auch vertreten dürfen. Aber wenn wir den Bogen zur Aufklärung schaffen, so müssen wir doch eines feststellen, nämlich dass dies nicht der Fall sein muss. Der Mensch hat ethische Werte und eine Moral auch ohne jeglichen Einfluss einer Religion. Sie ist nicht notwendig, um einen ethisch denkenden Menschen, mit Werten und Moral zu schaffen.

Viel schlimmer müssen wir aber den Anteil der Staatsvertreter werten. Generell sollte der staatliche Einfluss im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unterbunden werden. Keine partei-politische Werbung oder Einflussnahme stattfinden. Es gilt, eine neutrale Möglichkeit zu schaffen, um den Bürger und interessierten Menschen mit den gewünschten Informationen zu Versorgen. Wenn dies eine wahre Absicht wäre, so müsste man über die Zusammensetzung der Rundfunkräte noch einmal nachdenken und Reformen anstreben.

In diesem Zusammenhang sollte ebenso nachgedacht werden über die oftmals zu häufig wiederkehrenden Diskussionsgruppen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Natürlich muss es im Sinne einer modernen Informationskultur sein, aktuelle Themen und Beiträge journalistisch aufzuarbeiten, aber dabei immer mehr Vertretern diverser Parteien eine Plattform zu bieten, halte ich für fraglich. Die Zunahme dieser Anhäufungen gerade vor einer Wahlperiode möchte ich kritisieren. Zurückblickend auf die letzte Bundestagswahl muss man sagen, dass gerade Parteien wie die AfD mit der nötigen Provokation in der Öffentlichkeit (entrüstetes Abbrechen von Diskussionsrunden einiger Vertreter/innen) eine zu große Präsenz in den Medien bekommen haben.

Neue Wege der Meinungsbildung

Natürlich suchen sich Regierungen wie die in Deutschland neue Wege, um die Regularien in den öffentlich- rechtlichen Medien zu umgehen. So wurde unlängst ein eigener YouTube Kanal geschaffen um „Nachrichten der Regierung“ zu verbreiten. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung betreibt gleich mehrere Kanäle zu unterschiedlichen Themen (https://www.youtube.com/user/bundesregierung/channels). Nun sei es einmal dahingestellt, in wie fern dies nicht nur wieder eine gefilterte Meinung einer Partei (oder wie in diesem Fall einer Koalition) ist. Aber nicht genug mit der Schaffung eines eigenen Kanals, dieser muss natürlich auch noch in den sozialen Netzwerken publik gemacht werden, ich möchte sogar schon von „promotet“ sprechen (https://www.facebook.com/Bundesregierung/). Mag der ein oder andere nun anmerken, dass sich die Anzahl der Abrufe noch in Grenzen hält, so muss man dennoch berechtigter Weise die Frage stellen, WO hier eine sinnvolle Abgrenzung gemacht wird in Bezug auf die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung des einzelnen Bürgers. Jan Böhmermann machte dies unlängst in seiner Sendung Neo Royal zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=853w0xpumTs. Natürlich sei der Einwand berechtigt, dass man hierüber durchaus auch Neuwähler erreichen kann, jedoch bleibt die Frage offen, WO die Grenze gezogen werden muss.

Betrachten wir hinzukommend die oft verfolgte öffentliche Diskussion in der Schweiz über die Abschaffung der staatlichen Rundfunkgebühr Billag. Hier wurde eine Initiative gestartet, um diese Gebühr und somit die Finanzierung des schweizer öffentlich-rechtlichen Fernsehens abzuschaffen. Da diese Kosten deutlich höher sind als die GEZ Gebühren, war anfangs eine breite Zustimmung garantiert. Jedoch kippte diese Stimmung im Laufe der Diskussion und Information an den Bürger. Es wurde schnell bewusst, was es heißen würde eine staatliche Kontrolle aufzugeben und die Finanzierung in die Hände privatwirtschaftlicher Interessen zu stellen. Die Aufgabe der „Unabhängigkeit der Medien“ wurde postuliert und schlussendlich ist die Abschaffung der Billag Gebühr verhindert worden. Eine scheinbar „gefühlte Neutralität“ der öffentlich-rechtlichen Medien ist beibehalten worden.

Wenn wir den Blick weglenken von den öffentlich-rechtlichen Medien zu den Privaten, so stellen wir eine deutliche Zunahme dieses Bereiches der Informationsbeschaffung fest. Wurde vor knapp 20 Jahren noch der erste private Sender RTL wegen ihres Erscheinungsbildes belächelt, so war dennoch diese Entwicklung nicht mehr zu bremsen. Eine Masse an neuen Fernsehsendern überflutet das Land und sogar die Welt. Weit über 1000 Sender können empfangen und konsumiert werden. Leider hat hier jede Nische ihre eigenen Möglichkeiten. Vom Nachrichtensender über Bibel, Informationen zu Sex und dann weiter zu den HomeshoppingSendern. Jeder, der es sich leisten kann, kann hier einen Kanal bekommen. Dazu kommen natürlich noch die bereits erwähnten Möglichkeiten über Internet-TV und Kanälen. Der öffentlichen Verbreitung von Informationen werden keine Grenzen mehr gesetzt.

Meinung bilden und schaffen

In der Forbes Liste der mächtigsten Menschen der Welt finden wir daher nicht nur Politiker auf den vordersten Plätzen wieder, sondern zunehmend CEOs, die große Unternehmen leiten, welche nüchtern betrachtet mit den Informationen der Menschen handeln, welche sie nutzen. Jeff Bezos (CEO Amazon), Mark Zuckerberg (CEO Facebook) und Larry Page (CEO google) sind nur einige der Namen, die man hier nennen kann. Doch diese Liste ist deutlich länger.

Einige von diesen Personen haben auch eigene (Fernseh-) Sender oder auch Zeitungen und können somit Meinungen gestalten. Eine Meinung zu schaffen und verbreiten zu können, ist das mächtigste Werkzeug was man haben kann. Dem Verfasser eine Nachricht oder eines Textes muss sich darüber klar sein, welche Wirkung er erzielen kann. Er kann Menschen erreichen, fesseln und eben dazu bringen, eine Meinung oder auch ein Vorurteil zu haben. Gerade im Sommer 2016 wurde mit dem Flüchtlingsstrom die Stimmungsmache in den öffentlichen Medien und Netzwerken von rechten Gruppierungen genutzt um gezielt falsche Informationen über die Flüchtlingspolitik zu verbreiten.

Der gläserne Mensch

Machen wir uns nichts vor: wir bekommen das, was wir lesen wollen und vor allem bezahlen wollen. Oder was andere Firmen für unsere Daten zahlen.

Denken wir doch an den jüngsten Skandal um Facebook und Firma Cambridge Analytics. 87 Millionen Benutzerdaten wurden hier abgezogen und illegal verwendet. Natürlich war der Aufschrei groß und jeder gibt sich betroffen. Mark Zuckerberg wurde als CEO vor den Kongress der USA berufen und musste sich dort den Fragen öffentlich stellen. Alternative Fakten werden hier geschaffen und kreiert und entsprechen nicht mal einem Minimum an journalistischer Arbeit. Dass diese Fakten und die persönlichen Daten gezielt zur Manipulation der Bevölkerung eingesetzt werden können, haben die letzten US Wahlen oder auch das Brexit bewiesen.

Natürlich war der Aufschrei groß in den Medien, als vor allem das Ausmaß dieses Skandals bekannt wurde. Aber war uns das nicht schon lange bewusst?  Oder sind die Leute einfach naiv, in der Hoffnung „wird schon nichts passieren“? Menschen nutzen diese Medien und stellen Bilder, Information und vor allem Persönliches auf eine öffentliche Plattform, die jeder einsehen kann und dabei machen sich die wenigsten Gedanken über die Sicherheit ihrer Daten und die Tragweite der Informationen. Bilder von Kindern, privaten Termine und Ereignisse, aber auch persönliche Meinungen und Aussagen werden öffentlich und ohne großes Nachdenken eingestellt und geteilt. Die einfache Anwendung dieser sozialen Medien macht es leicht, ein Bild oder einen Sachverhalt einer breiteten Masse mitzuteilen. Wir werden hier selbst und unbewusst zu den eigenen Reportern über unser Leben. Wir filtern ungenügend den Informationsgehalt von gelesenen und verbreiteten Inhalten und setzen auf eine gefühlte Sicherheit.

Oft hört man „Was wollen die Konzerne denn mit meinen Daten? Ich bin doch nur ein kleiner Bürger/eine kleine Bürgerin. Das bringt denen doch nichts“ und genau hier liegt der Fehler im Denken! Die Daten einer einzelnen Person mögen auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, aber die Daten vieler Personen, wie beispielsweise im aktuellen Facebook Skandal sind dann sehr bedeutend. Aus ihnen können Tendenzen, Meinungen und Trends bestimmt werden, die dann auch gezielt manipuliert werden können.

Persönliche Daten, die daraus resultierende Informationsgewinnung ist der Markt, der Firmen wie Facebook groß werden lässt. Und gerade dessen müssen wir uns bewusstwerden, wenn wir freizügig mit unseren persönlichen Daten, unseren Vorlieben und vor allem mit dem Privatleben hausieren gehen. Niemand käme auf die Idee derart Persönliches auf einer Werbefläche an einer öffentlichen Straße zu präsentieren. Aber gerade das machen wir zunehmend, weil es zu unbequem ist, sich mit Filter- und Datenschutzmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Was sind die Interessen?

Natürlich muss ich abschließend sagen, dass weder die öffentlich-rechtlichen, noch die privaten Sender und Zeitungen frei von einer NEUTRALEN Meinungsbildung sind. Sie stehen unter einem privat-wirtschaftlichen oder auch nur wirtschaftlichen Druck bis hin zu den Interessen ihrer Besitzer/Eigentümer.

Selbst „unabhängige Zeitungen“ haben eine Ausrichtung innerhalb der politischen Wiese. Natürlich wird auch hier ein gewisser Lobbyismus getrieben, der sich auch in barer Münze auszahlen lässt. Unterstützungen bei den Kosten zum Betreiben einer Zeitung waren schon immer gern gesehen und sei es nur durch die gezielte Schaltung von Werbung.

Gefiltert werden Informationen zur Verfügung gestellt und der gläserne Konsument wird mit dem „informiert“, was vorher festgelegt und an andere Unternehmen verkauft wurde. Es wird gezielt Werbung auf unsere Interessen geschaltet und wir können uns kaum schützen vor der Auswertung unserer persönlichen Daten und Interessen.

Teil 2: Macht Unwissenheit glücklicher?

Was wir im ersten Teil der Betrachtung erarbeite haben ist die Unsicherheit, die wir haben, wenn wir externe Informationen und Nachrichten erhalten und aufnehmen. Wenn wir wiederum etwas selbst erfahren, etwas selbst erleben, so können wir aus erster Hand das Geschehen beurteilen und diese Informationen teilen. Wiederum sei dabei aber angemerkt, dass eine persönliche Wahrnehmungimmer auch subjektiv ist. Wie ich persönlich etwas erlebe, kann sich durchaus von dem Erlebten meines Mitmenschen unterscheiden, obwohl wir beide vor Ort waren und sogar den gleichen Fall beschreiben. Eindeutig wären hierbei nur die fixen, unveränderlichen Tastsachen wie Tag, Uhrzeit, Ort, Anzahl Betroffener, also den faktischen Hergang. Die Stimmung, die dabei resultierte, das Empfinden und die persönliche Einschätzung können sich jedoch stark unterscheiden. Was für den einen ein schönes Erlebnis ist, kann für sein Gegenüber schon unerträglich sein. Ein einfaches Beispiel wäre die Fahrt mit einer Achterbahn. Die eine teilnehmende Person würde vor Freude begeistert schreien, während eine weitere vor Angst ebenso schreien würde.

Vom Bewusst-Sein

Betrachten wir die bereits erwähnte Personengruppe, die zunehmend nur konsumiert und nicht reflektiert, so muss man sich wahrlich die berechtigte Frage stellen, ob diese Menschen unglücklicher sind, als all die anderen, die sich mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinandersetzten.

Was macht das Bewusst-Sein aus?

„Bewusstsein ist nach Edmund Husserl immer Bewusstsein von etwas. Diese Bestimmung hat dieser von Franz Brentano übernommen. Dies bedeutet, dass Bewusstsein nicht leer ist, sondern konstitutiv einen Inhalt benötigt, was bedeutet, dass es kein leeres Bewusstsein geben kann. Reflexion ist das Selbstbetrachten des Bewusstseins. So kann ich mich als Lesenden selbst betrachten, ich kann aber auch nur lesen und bei diesem Lesen ohne ein besonderes Bewusstsein von diesem Lesen sein. Sartre geht in seiner Einleitung davon aus, dass wir nur Reflexion, das heißt, Bewusstsein von unserem Bewusstsein haben können, wenn es eine Struktur gibt, die er als präreflexives cogito bezeichnet, als nicht setzendes Bewusstsein. […]

Wenn ich zähle, so kann ich einfach nur zählen, ohne mir darüber bewusst zu sein, dass ich zähle. Werde ich aber gefragt, was ich da mache, so werde ich antworten: „Zählen!“. Sartre geht nun davon aus, dass ich also schon bevor ich mir dieses reflexiv zum Bewusstsein bringe, schon ein Bewusstsein von der Sache haben muss, welches er als präreflexives cogito bezeichnet. Ein unbewusstes Bewusstsein hält Sartre für logisch widersinnig.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Sein_und_das_Nichts)

Würden wir das so eng sehen, dann würde unser „Sofaheld“ (oder auch Couch Potato) bewusst etwas konsumieren. Die Person hat ja schließlich den Fernseher, den Rechner um ins Internet zu kommen oder wie auch immer, bewusst angeschaltet, um sich Informationen zu beschaffen. Wiederum ist das richtig, nur haben wir immer noch die offene Diskrepanz, welche Informationen konsumiert werden und wie richtig diese sind.

Nun bietet durchaus die modernen Kommunikationsmittel verschiedene Möglichkeiten, sich mit den gewünschten Informationen zu versorgen. Oder eben auch die Möglichkeit, sich nur ablenken zu lassen.

Konsumieren kontra Reflektieren

Leider bietet die breite Masse an Fernsehsendern keine Programme an, welche dazu dienen könnten, den menschlichen Geist zu beschäftigen oder noch dazu einlädt, das Gesehene zu reflektieren. Nur all zu oft geben sich die Menschen der „Beschallung und Berauschung“ hin. Nachdenken ist nach einem anstrengenden Tag eher selten gewünscht. Leichte Kost für den Kopf steht da hoch im Kurs. Leider wissen dies auch die Sendeanstalten und servieren es der kaufkräftigen Klientel.

Was uns wiederum zu der Frage bringt, ob die absichtliche Beschallung mit eher sinnlosen Informationen und Sendungen zielführend ist oder sogar den Menschen an sich glücklicher macht. Wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, unserem Kopf und Verstand eine Pause zu gönnen und diese dann mit leichter Kost zu füllen, mag das durchaus nicht verwerflich sein. Es dient dem Menschen eher den Kopf frei zu machen, als ihn mit weiteren Themen zu füllen, die eine Reflektion nötig machen.

Was aber, wenn wir darüber nicht nachdenken und nur noch unbewusst konsumieren? Ist das Leben dieser Menschen „ärmer“ als das derer Menschen, die sich genau ihre Sendungen und Informationen aussuchen und gezielt auswählen, was sie konsumieren wollen? Dies würde aber auch voraussetzen, dass sich diese Menschen absolut nicht im klaren sind, was ansprechende und geistig anregende Arbeit eigentlich bedeutet. Oder sich sogar bewusst für das „Nichtwissen“ entscheiden, weil es sich weniger stresst, aufregt und weniger Ängste verbreitet? Wer sich nicht belastet ist am Ende evtl. glücklicher, weil er alles Negative ausblenden kann, dank „Harz4-TV“? Eine spannende These.

Diese Menschen leben scheinbar im Ungewissen, was ihre geistigen Fähigkeiten und Kapazitäten angeht. Das setzt jedoch auch ein gewisses Bildungsniveau voraus, damit man sich seiner Lage im Klaren ist. Bildung und Wissen ist eine Grundvoraussetzung, damit man Informationen unterscheiden und bewerten kann. Zudem kommt eben noch das Hinterfragen hinzu, WO die Informationen herkommen und wie verlässlich ihr Wert ist. Wenn man dies alles lässt, also weder bewertet noch hinterfragt, muss das Leben nicht leerer sein, als das eines Menschen mit offenem Verstand. Es ist einfach anders und eine andere Art des Seins.

Suchen wir uns jedoch gezielt und völlig bewusst Informationen, Nachrichten und Sendungen aus, so beginnt nach dem Konsum auch die Reflektion. Die Verarbeitung des Inhaltes und daraus resultierend die eigene geistige Arbeit und mögliche Rückschlüsse für einen selbst. Den Verstand einschalten und die eigenen Möglichkeiten nutzen und nicht verschwenden.

Alternative Fakten

Setzen wir uns mit der Bewertung der Nachrichten auseinander, so kommen wir wieder zurück auf die bereits erwähnten „Alternativen Fakten“. Wir müssen die Informationen nicht nur aufnehmen, sondern auch auf den „Wert“ des Inhaltes prüfen und bewerten. Jede Tatsache glauben, die einem vorgesetzt wird, kann nicht vereinbar sein mit einem offenen Geist. Oftmals muss man hinterfragen: Wem nützen diese Nachrichten und die damit verbundenen Aussagen?

Hier muss man auch klar die Selbstreflektion der Journalisten in Frage stellen. Wurde von dieser stelle ebenso nötig hinterfragt, oder wurde hier nur eine Stimmung schnellstmöglich verbreitet? „Mehr Unterscheidung zwischen Information und Wissen, Fakten und Zusammenhang. Letztlich also: etwas mehr Vertrauen in die Urteilskraft der meisten Menschen, etwas mehr Glauben an die Aufklärung.“ (aus: https://www.zeit.de/2015/32/verschwoerungstheorien-information-chemtrails-reichsbuerger/seite-3)

Journalismus sollte eine notwendige Recherche vorausgehen und eine Abwägung der Interessengruppen jener, die Informationen verbreiten wollen. Schnell grenzt dies an die bloße „Meinungsmache“ und grenzt sich damit stark von einer wirklichen Aufarbeitung eines Ereignisses ab. Natürlich ist diese schnelle Verbreitung von Nachrichten auch den Sozialen Netzwerken und „Social Medias“ geschuldet. Wer zu lange recherchiert, hat keine Neuigkeiten mehr zu präsentieren. Damit wird es für Journalisten schwieriger, qualitativ hochwertige Nachrichten zu erarbeiten, da ein hoher Zeitdruck und die gewachsene Anzahl von Hobbyjournalisten das nicht mehr ermöglichen.

Es lässt sich also sagen, dass zum einen der Konsument mehr auf die Informationen, deren Quellen und deren Bezug achten muss, als auch auf die Urheber der Nachrichten und dessen Absichten. Gerade die letztere Gruppe sollte sich der Verantwortung bewusst sein, die sie mit der Vervielfältigung ihrer Worte hat.

Wissen ist Macht, doch macht nichts wissen nichts?

Moderne Formen der Aufklärung

Was aber tun, wenn wir der Meinung sind, dass ein „vorbeten der Obrigkeit“ und blindes Vertrauen in die moderne Nachrichtenwelt nicht ausreicht, um sich eine objektive Meinung zu bilden. An den Orten des Geschehens können wir ja nicht immer sein, um selbst zu urteilen/beurteilen. Wir sind angewiesen auf Journalisten vor Ort und dessen Informationsbeschaffung. Wir sind angewiesen auf Menschen, die die Verbreitung von falschen Aussagen öffentlich anprangern. Denken wir zurück an die ausgeschlachteten Nachrichten der AfD, die oftmals Partei Polemik verbreiten, ohne die Informationen vorab zu prüfen. Selbst in einigen Länder Europas wird die Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt (siehe: https://www.welt.de/politik/ausland/article175788755/Besonders-in-Europa-ist-die-Pressefreiheit-in-Gefahr.html). Gerade die Einmischung von Regierungen in Ost-Europa in den unabhängigen Journalismus von Zeitungen und Sendern lässt mich an der Ehrlichkeit der Nachrichten stark zweifeln. Wir können auch beispielhaft in Länder wie der Türkei blicken, wo Pressefreiheit schon seit der Machtergreifung Erdogans ein Fremdwort ist. Von der Trennung von Staat und Religion ganz zu schweigen. Aber auch in vermeintlich offenen Ländern wie den USA wird die Nachrichten- und Pressewelt von Geld und Interessen, den Lobbyisten regiert. Dem Konsumenten werden auf ihn geschneiderte „News“ präsentiert, unterbrochen von Schlagzeilen und Krisen. Die Rate an Berichten über schreckliche Ereignisse, Mord und Todschlag ist deutlich höher als in jedem anderen westlichen Land. Die Schaffung eines Angstgefühls macht sich hier breit.

Leider können wir gerade dies zunehmend auch in Deutschland feststellen. Nachrichten werden ohne Überprüfung schnellstmöglich vorbereitet und sollte es sich doch um Fehlinformationen gehandelt haben, wird kleinlaut zurückgerudert. Es ist immer wieder spannend zu sehen, mit welchen Nachrichten das sog. Sommerloch gefüllt wird. Kennen wir das nicht alle, dass etwas hoch aufgebaut wird und dann plötzlich niemand mehr darüber redet?

Wie also können wir noch garantieren, dass die Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, auch der Wahrheit entspricht? Wie können wir verhindern, dass wir nicht über moderne Medien manipuliert werden und Meinung gebildet wird? Leider nur schwer, denn die Frage nach dem „wem wir trauen können“ müssen wir uns zuerst stellen.

Wir müssen wieder lernen, uns mit uns selbst und unserem Verstand auseinanderzusetzten. Wir müssen lernen zu hinterfragen und neu zu bewerten. Und genau hier finden wir den Bogen zurück zur Aufklärung. Immanuel Kant nannte 1784 selbst das Motto dieser Bewegung: Sapere Aude, also: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“. Die Nutzung der Möglichkeiten und der Kapazitäten des menschlichen Verstandes muss wieder in den Vordergrund rücken und vor dem „stupiden konsumieren“ stehen. Einfach mitdenken!

Aufklärung 2.0 und Fazit

Das Zeitalter der Aufklärung für beendet zu erklären, zeugt von zu viele Vertrauen in die Menschheit. Wer den Sinn erkannt hat wird auch einsehen, dass die Aufklärung zwar vor über 200 Jahren begonnen hat, aber ein immer andauernder Prozess sein muss.

Neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Technik, Entdeckungen in der Natur und der unaufhaltbare Forscherdrang des Menschen zeigen den Willen auf, die Welt um uns besser verstehen zu wollen. Zu Hinterfragen und Antworten zu suchen auf die offenen Fragen, auf das; wo kommen wir her und auf das wo gehen wir hin (oder wo könnte es hingehen).

Daher stimmt die bereits erwähnte Idee des Philosophen und Existenzialisten Jean-Paul Sarte: „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich macht.“ Wir alleine müssen die Bedeutung, den Sinn für unser eigenes Leben für uns schaffen. Existieren heißt, sein eigenes Leben zu schaffen und daran auch kontinuierlich zu arbeiten. Den Verstand zu nutzen und Wissen zu konsumieren. Denn dies wiederum bedeutet einen Vorsprung im Denken und Handeln. Somit, um den Kreis zu schließen, ist Wissen eben doch Macht.

Sapere Aude!


Ein philosophisches Essay von R. Schon

Oktober 2018

 

Anti Toleranz – wir Freimaurer drehen uns um uns selbst!

Update 03.09.2018 12:45:

Ich habe den Artikel angepaßt und die wörtlichen Zitate entfernt, nachdem sich die Administratoren, sowie einige Benutzer einer gedeckten Freimaurer Facebook Gruppe gemeldet hatten. Ihnen war wichtig, dass die internen Diskussionen nicht nach aussen getragen werden und die Gruppe weiterhin gedeckt bleibt. Daher wurde der Artikel nun überarbeitet ohne die Verwendung von Zitaten.

 

Lassen es die Basic Principles zu, dass ein Atheist Freimaurer wird, also gerade DIE Basic Principles, welche der Freimaurer Orden immer noch nicht anerkannt hat? Warum werden in gedeckten Gruppen innerhalb von Sozialen Medien Forderungen laut, dass Listen mit den Namen von Freimaurern geführt werden, welche Atheisten sind und was möchte man mit diesen Stasi und NS Methoden erreichen? Warum werden Provinzialmeister angegangen, weil sie die Aufnahme eines atheistischen Bruders nicht unterbunden haben? Wo ist denn die Toleranz, mit der sich so viele brüsten, wenn es um Brüder geht, die sich zum Atheismus bewusst bekennen und sich dafür entscheiden haben? Warum wird der amtierende Großmeister der AFuAM angegangen, wenn sich dieser in einem Interview dafür ausspricht, auch Atheisten aufzunehmen und damit eine zeitgemäße und vorausschauende Denkweise an den Tag legt? Warum sollte denn die moderne Freimaurere nicht dem Zeitgeist entsprechend auch Brüder OHNE einen Glauben beherbergen?

Fragen über Fragen, die man einmal stellen muss…wo kommt der Kleingeist her, der gerade in der Freimaurerei nicht herrschen sollte?

Wortgefecht und Bruderzwist

Vor allem an dem Punkt „Glauben“ scheiden sich die Götter. Mein Br. Hans-Hermann Höhmann sagte einmal: „Mein Glaube geht nur mich was an und Gott“. Er hielt es für unmoralisch und durchaus überflüssig, einen Suchenden nach dessem Bekentnis zu fragen.

In der letzten Zeit ist es häufiger vorgekommen, dass es in den Sozialen Medien zu einer regelrechten Hetze gegen Brüder Freimaurer kommt, die bekennende Agnostiker oder Atheisten sind. Diesen Brüdern wird oftmals die „Regularität“ abgesprochen, weil sie scheinbar an nichts glauben oder das Sinnbild des GBAW nicht füllen können. Ich darf dies nun hier nicht mit Zitaten und Aussagen belegen, könnte es aber.

Dennoch möchte ich nicht müde werden zu betonen, dass es diese Form durchaus gibt. Betrachten wir doch einmal den „Glauben“. Der Glaube an ein höheres Wesen, an etwas, welches dem Menschen übergeordnet ist. Wikipedia gibt hier einen interessanten Ansatz:

https://de.wikipedia.org/wiki/Glaube

Das Wort Glaube (auch Glauben; lateinisch fides; indogermanisch leubh ‚begehren‘, ‚lieb haben‘, ‚für lieb erklären‘, ‚gutheißen‘, ‚loben‘) bezeichnet eine Grundhaltung des Vertrauens, vor allem im Kontext religiöser Überzeugungen. Während der ähnliche Begriff „Religiosität“ die Ehrfurcht vor der Ordnung und Vielfalt in der Welt und die allgemeine Empfindung einer transzendenten (nicht erklär- oder beweisbaren) Wirklichkeit bezeichnet, beinhaltet „Glaube“ das Überzeugtsein von der Lehre einer konkreten Religion (oder Philosophie).

Das deutsche Wort Glaube wird in dem hier behandelten Sinn verwendet als Übersetzung des griechischen Substantivs πίστις pistis mit der Grundbedeutung „Treue, Vertrauen“. Das zugehörige Verb lautet πιστεύω pisteúō „ich bin treu, vertraue“ (πιστεύειν pisteúein, „treu sein, vertrauen“). Ursprünglich gemeint war also: „Ich verlasse mich auf …, ich binde meine Existenz an …, ich bin treu zu …“. Das Wort zielt demnach auf Vertrauen, Gehorsam (vergleiche: Gelöbnis, Verlöbnis), Treue.

Demnach hätte also auch ein Agnostiker oder ein Atheist einen Glauben. Dies kann der Glaube an eine philosophische Strömung sein (Ich selbst glaube an den Existenzialismus), also auch an die Treue zur Mathematik oder der Überzeugung der Physik. Auch Mutter Natur kann als Glaube gesehen werden. Doch von den besagten Brüdern, wird immer gerne der eine Glaube, an ein göttliches Wesen, an Gott selbst, als Voraussetzung gesehen. Was wäre nun aber, wenn man als Heide eher an den Göttervater Odin und seinen Sohn Thor glaubt? Ist man dann trotz des geforderten Glaubens an ein „göttliches Wesen“ ein NICHT-Freimaurer? Selbst die UGLoE hatte ihre Basic Principles diesbezüglich schon reformiert und angepasst. Hier wurde der theistische „Gotte“ durch ein „deistisches Supreme Being“ ersetzt. Aber scheinbar kam dies nicht bei jedem Bruder an. Unter der Prämisse wäre (wie auch schon Br. Klaus-Jürgen Grün in seinem letzten Buch angesprochen hat) auch die Große Landesloge, der FO irregulär. Zum einen wurden die Basic Principles nie vom FO anerkannt, noch die Anpassung hin zum deistisches Supreme Being vollzogen. Zudem wird hier ja nicht in den anerkannten 3 Graden gearbeitet, sondern in deutlich mehr. Wenn wir nun einmal die Situation innerhalb der deutschen Freimaurerei betrachten, so müssen wir deutlich sagen, dass die Großloge AFuAM eine eindeutige Position bezogen hat. Auf dem Großlogentag 2018 in Bamberg wurde von Stephan Roth-Kleyer, Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland festgestellt, dass in den Logen alle Konfessionen vertreten sind – Katholiken, Protestanten, Juden, Muslime, aber auch Atheisten und Agnostiker.

Taten – keine Worte

Aber dieses Hin und Her wäre nur ein erneuter Fingerzeig und würde diese andauernde Diskussion nicht beenden. Ich möchte hier meinen Bruder Kurt Wörl zitieren: „Diese ewigen „ätsch ich bin halt ein besserer Freimaurer als du, und du halt nicht“-Anfälle sind überflüssig wie ein Kropf, weil die normative Kraft des Faktischen alle Spielarten zu einer wunderbaren Einheit in Vielfalt unter die VGL vereinigt hat. Ferner erweist sich der Freimaurer in seinen Taten, im Umgang mit anderen und nicht in seinem Köhlerglauben.“

So ist es doch auch. Haben wir nicht wichtigere Themen zu besprechen und an unseren Steinen zu arbeiten als andauernd zu klären? wer die „wahren Freimaurer“ sind? Die VGLvD regelt dies schon seit Jahren und jeder aufgenommene Bruder einer der Großlogen innerhalb der VGLvD gilt daher als regulärer Bruder. Auch wenn es dem ein oder anderen nicht passen sollte! Das andauernde Jammern darüber, ist lediglich ein Zeichen von mangelndem (oder sogar fehlendem) Selbstvertrauen und destabilisiert nur unsere Bruderkette. Und genau das darf nicht sein! Die Arbeit am eigenen (!!!) rauen Stein sollte man wieder in den Fokus stellen und nicht die an dem Stein seines Gegenübers.

Lasst es uns angehen und wieder die nötige Brüderlichkeit und Freundschaft pflegen, statt sie zu zerreden. Lasst uns die Bruderkette wieder festigen!

 

Humanismus bei Star Trek – der Geist der Freimaurerei im Weltall

Manchmal finden sich schon die unterschiedlichen Grundlagen der Freimaurerei (wer sie immer noch nicht weiß, hier noch einmal: Toleranz, Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit und Humanität) in den wundersamsten Situationen wieder.

Vor kurzem erst habe ich ein paar der alten Star Trek Folgen im Fernsehen gesehen. Das spannendste ist hierbei, dass die Serie in den 60er Jahren entstanden ist, in denen durch die beiden Supermächte eine starke West-Ost-Blockbildung vorangetrieben wurde. Die USA waren geprägt von Rassengesetzen und der Ausgrenzung großer Teile der schwarzen Bevölkerung. Eine Überwindung dieser Grenzen, trotz ergreifender Reden von Menschen wie Martin Luther King, schien nicht in Sicht. Der Weg zu einem gegenseitigen Händereichen schien lange Zeit verschlossen.

Erst als sich Ende der 80er Jahre, bzw. Anfang der 90er Jahre die Blöcke auflösten und die Menschen nach neuen Systemen verlangten, brachen diese Grenzen, was in der Wiedervereinigung von Deutschland gipfelte. Mit Recht mag nun der ein oder andere anmerken, dass diese Grenzen noch in einigen Köpfen existieren, aber die Zeit lehrt uns, dass diese verschwinden werden. Selbst in den USA fand ein Umdenken durch neuere Generationen statt, wenn dies auch leider ein andauernder Prozess ist.

Kommen wir aber zurück zum Gedanken an die Star Trek Folgen und der Maurerei. Die Allianz der Völker und auch der außerirdischen Rassen führte zur Gründung der „Vereinten Föderation der Planeten“. Dies macht wiederum das Ziel deutlich, eine vereinte Gesellschaft zu schaffen und dabei ethische, ethnische und gesellschaftliche Grenzen zu überwinden.

Die Zusammenstellung

Betrachten wir nun einmal ganz nüchtern die Brückenbesatzung der USS Enterprise um Captain James T. Kirk. Hier spielt sich diese Überwindung schon im Kleinen ab:

Wir haben hier:

  • Captain James T. Kirk, der das Kommando an Bord der Enterprise führt, einem Amerikaner.
  • Commander Spok, einen Vertreter einer außerirdischen Rasse (Vulkanier) an Bord der Enterprise, später wurde er Botschafter. Seine Art, keine Emotionen zuzulassen, erinnert etwas an die Philosophie der Stoiker.
  • Leonard „Pille“ McCoy, ebenfalls ein Amerikaner und der leitende Schiffsarzt.
  • Commander Montgomery „Scotty“ Scott: der schottische Chefingenieur.
  • Lieutenant Hikaru Sulu, der japanische Steuermann der Enterprise.
  • Pavel Andreievich Chekov, ist der russische Navigator.
  • Lieutenant Commander Nyota Penda Uhura, die einzige Frau auf der Brücke der Enterprise, als Kommunikationsoffizierin.

Natürlich gibt es noch viele weitere Rollen, aber beschränken wir uns auf diese Hauptcharaktere, denn hiermit werden schon viele Dinge deutlich (wenn man einmal darüber genauer nachdenkt).

Warum dies so revolutionär ist

Betrachten wir die Rolle der Kommunikationsoffizierin Uhura, so muss man feststellen, dass eine schwarze Frau eine führende Position an Bord des Schiffes einnimmt. Dies war in den 60er Jahren eine wirkliche Revolution im Filmgeschäft. Und das gerade in den Zeiten, in denen die USA eine  strikte Rassentrennung hatte und diese zum Alltag gehörte.

Oder aber der Japaner Lieutenant Sulu, der einem Volk angehörte, gegen welches die USA noch knapp 20 Jahre vorher einen unermüdlichen Krieg geführt hatten. Dazu kommt noch der russische Navigator Chekov und das in der „Hochphase“ der Blockbildung, nicht zu vergessen die Kubakrise 1962. Nicht vergessen darf man Commander Spok, als Vertreter einer außerirdischen Rasse. Sie alle zusammen müssen am gleichen Strang ziehen und erforschen das Weltall.

Einigkeit durch Vielfalt

Ohne Grenzen und ohne Sperren im Kopf. Einfach in Freiheit vereint, dabei in Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit verbunden, vor den Gesetzen gleich und gleichberechtigt. Zu einer nötigen Toleranz untereinander aufgerufen, aber auch tolerant gegenüber den neuen Rassen und Verbündeten. Aber vor allem; zusammen unterwegs in humanitären Gedanken, zur Erforschung und zu Rettungsmissionen. Eine Einigkeit durch Vielfalt, wie sie auch in der Freimaurerei gefordert ist.

Für die 60er Jahre (gerade in den USA) ein wirklich revolutionärer Gedanke. Hinzu möchte ich noch zu bedenken geben, dass diese Forschungen und Reisen durchgeführt werden, ohne jeglichen Bezug zu einer Religion.

Es zählt trotz aller Probleme und Weltraumschlachten die Erforschung des Weltalls und die Wissenschaft. Gerade dieser Gedanke erfüllt mich persönlich sehr…

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß mit einem neuen Blickwinkel auf das Star Trek Universum.

Ein bekennender Star Wars Fan 😊

 

(copyright des Bildes unter https://www.wired.com/2013/05/underrated-star-trek-episodes/)

 

philosophisches Essay über den neuen Gotteswahn

„Religion ist zweifellos eine spaltende Kraft, ein Etikett für Feindseligkeiten und Blutrache zwischen verschiedenen Gruppen, und in dieser Hinsicht ist sie nicht unbedingt schlimmer als andere Etiketten, beispielsweise die Hautfarbe, die Sprache oder die Lieblings-Fußballmannschaft. Allerdings steht sie oft immer dann zur Verfügung, wenn keine anderen Etiketten infrage kommen.“ (aus „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins)

Religiöses Mobbing

In den letzten Tagen stiegen die Diskussionen und die Berichterstattung über Mobbing in Schulen, aufgrund der Religion der Schüler.

Ich habe mir ein paar Gedanken über die Umstände gemacht und wollte sie mit den Lesern teilen. Dabei möchte ich ausdrücklich erwähnen, dass ich weder Anhänger einer rechten, noch einer linken Partei bin und mich eher für einen liberalen Menschen halte. Diese Ideen sollen zum Nachdenken anregen und weder die Muslime in Deutschland, noch die christliche Gemeinschaft (noch irgendeine Andere) beleidigen.

Ausgrenzung anderer Religionen

Wenn ein Kind aufgrund seiner Herkunft oder Religion gemobbt wird, ist das nicht die Schuld der anderen Kinder, es ist primär ein Versagen der staatlichen Pflichten und noch mehr ein Versagen der Eltern und nicht der Religion! Der Einfluss der Erziehung auf das Handeln der jungen Menschen ist ein maßgeblicher in der menschlichen Entwicklung. So wie wir als Erwachsene unseren Kindern den Umgang untereinander vorleben, so werden sie ihn auch für sich übernehmen. Prägung durch das Umfeld und die Eltern. Wenn nun ein Kind in der Schule oder auch auf der Straße angegangen wird, weil es einer anderen religiösen Gruppierung angehört, kann und darf das nicht hingenommen werden. Dessen muss sich der Staat annehmen, und zur Ordnung rufen.

Der Angriff auf jüdische Mitbürger, die eine Kippa tragen und auf offener Straße angegangen werden; christliche Kinder, die aufgrund des Glaubens als „Schweinefresser“ bezeichnet werden oder auch der Zwang von muslimischen Mädchen zum Tragen eines Kopftuches,  alle diese Beispiele aus den letzten Tagen und Wochen zeigen deutlich das Versagen der Eltern bei der Erziehung, als auch das Versagen der staatlichen Erziehungsaufgabe der Schulen. Toleranz im Umgang untereinander muss vermehrt vermittelt werden.

Kopftuchverbot, Kruzifixe & Co.

In unserer Gesellschaft wurde vermehrt über Verbote, Kreuze und Verschleierung diskutiert. In jedem öffentlich-rechtlichen Sender konnte man in den Abendstunden Talkrunden sehen, in denen die Themen breit und ausführlich diskutiert wurden. Jeder Partei wurde hier eine Plattform zur Stellungnahme geschaffen.

Über das Kopftuch

In Berlin wurde einer Klage einer Lehrerin stattgegeben, die das Land Berlin wegen Diskriminierung verklagt hatte, da sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes mit einem Kopftuch am ersten Schultag wegen eines Verstoßes gegen das Gleichheitsgebot versetzt wurde. Sie klagte daraufhin mit ihrer Religionsfreiheit, welche ohne Tragen des Kopftuchs eingeschränkt sein würde.

Nun müssen wir uns die Frage stellen, was ist ein äußeres Zeichen einer Religion und was gehört unbedingt zu dieser Religion selbst. Es gilt also die Frage zu klären, ob das Kopftuch ein fester Bestandteil der muslimischen Religion ist. Zudem ist die Frage zu klären, was die Absicht der Dame war. Hatte sie doch einen Bildungsauftrag als Lehrkraft und ist damit die Verpflichtung eingegangen, neutral zu bleiben. Sie dient als Vorbild und in dieser Funktion darf keine Beeinflussung der Kinder und Jugendlichen erfolgen. Man kann nun argumentieren, dass das Tragen des Kopftuches das Recht auf Religionsfreiheit der betroffenen Schüler einschränkt. Das wäre argumentativ die gleiche Ausgangslage.

Betrachten wir die Frage, in wie fern die Religionsfreiheit dieser Frau eingeschränkt wird, wenn ihr das Tragen des Kopftuches während der Ausführung ihres Bildungsauftrages verboten wird. Ich denke sie hat keine. Sie ist immer noch ein freier Mensch mit einer muslimischen Überzeugung und Glauben. Sie kann nach wie vor an ihren Gott glauben und wird dabei nicht behindert.

Wenn wir allerdings der Argumentation dieser Frau einmal übertrieben folgen, dann müssen wir auch den Menschen mit indianischer Abstammung oder den Anhängern gerade dieser Naturreligion erlauben, die Droge Mescalin frei zu konsumieren (was in den USA im Übrigen in einigen Staaten legal ist). Oder aber auch Cannabis für einige religiöse Rituale, da sie bei einigen Stämmen als heilige Pflanze gilt. Der Versuch hierüber eine Legalisierung zu erreichen ist bereits vor Jahren kläglich gescheitert. Aber gibt es dann auch Laserschwerter für Anhänger des Jedi Kultes (als Religion wird Jedi immer wieder mal in verschiedenen Staaten versucht zuzulassen) oder gar gratis Spaghetti für die Anhänger des Spaghetti Monsters? Nicht jeder Christ trägt ein Kreuz über der Schulter, wie Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung…

Man sieht schon, dass man unterscheiden muss, was zu einer Religion und vor allem zu ihrer AUSÜBUNG gehört und was nicht.

Über die Kreuze

Kommen wir zu einem weiteren aktuellen Beispiel. In allen Behörden, sowie auch Universitäten, Schulen, Kitas, usw. der bayerischen Staatsverwaltung müssen ab Juni Kreuze hängen, so besagt es die Vorschrift des Bayerische Landeskabinetts. Es sei ein „sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland“, teilte die Staatskanzlei mit.

Natürlich ist das alles billigste Wahlkampf-Strategie. Damit folgt der bayrische Ministerpräsident Markus Söder seinem Vorgänger Seehofer, der unlängst mit seiner Aussage „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ für Aufregung sorgte. Ich habe mich bereits ausführlich darüber ausgelassen, dass KEINE Religion Bestandteil eines Landes sein sollte. Säkularisierung sollte nichts sein, was man nach eigenem Ermessen entscheiden kann. Auch nicht der Ministerpräsident von Bayern.

Somit ist dies nur eine weitere Provokation von Menschen anderer Glaubensrichtungen oder auch Agnostikern und Atheisten. Mal sehen wie lange das Bestand hat über den Wahlkampf hinweg. Solange gilt noch immer die Regelung, dass diese Zeichen der Religion zu entfernen sind.

Über Verschleierung

Was das Kopftuch angeht, so ist es durchaus üblich und gebräuchlich dies als ein äußeres Zeichen der muslimischen Religion zu werten, wenn es auch kein fester Bestandteil zur Ausübung dieser Religion ist.

Offensichtlicher sind hier Burka, Niqab/Nikab oder Hidschab, die wir als eine Art der Vollverschleierung erleben. In einigen Ländern, wie Österreich und dem Kanton Tessin in der Schweiz sind diese bereits verboten worden. Aktuell wird eine Initiative gestartet, die dieses Verbot auch auf die restliche Schweiz ausdehnen will. Aber auch in den Niederlanden, Belgien und Frankreich gibt es diese Bewegung. „In Frankreich sind Burka und Nikab seit April 2011 verboten. Der Gesetzestext bezieht sich bewusst nicht auf den religiösen Schleier, um Diskriminierungsvorwürfen vorzubeugen: „Niemand darf im öffentlichen Raum ein Kleidungsstück tragen, das dazu dient, das Gesicht zu verhüllen“. Neben Bußgeldern von bis zu 150 Euro können Kurse in Staatsbürgerkunde verhängt werden. An Schulen ist darüber hinaus auch das Kopftuch, sowie jegliche weitere religiöse Kleidung, seit 2004 bereits verboten.“ (aus: http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/wo-burka-und-nikab-in-europa-bereits-verboten-sind-14458617.html). Was die immer wiederkehrende Diskussion um das Kopftuch angeht, sehen sich die Franzosen in der Vorreiterrolle.

In Deutschland wird darüber allerdings noch diskutiert und der Ausgang ist offen. Hierbei geht es nicht um die Ab- oder sogar Ausgrenzung einer Religion, hierbei geht es um die Diskriminierung der Frauen. Hier steht die Meinung zur Religionsfreiheit dem Verbot der Gesichtsverschleierung gegenüber. Warum ich dennoch für ein Verbot der Vollverschleierung bin, lässt sich schnell erklären. Wir haben in Deutschland ein Vermummungsverbot bei Demonstrationen. Ich darf bei Veranstaltungen in der Öffentlichkeit mein Gesicht nicht komplett verhüllen. Als Motorradfahrer gilt es beim Betreten der Tankstelle oder einer Bank als höflich, den Helm und den Gesichtsschutz abzunehmen. Abgesehen davon, dass man ohnehin schon aus Höflichkeitsgründen darauf verzichten sollte, den Helm in der Tankstelle zu tragen, ist man generell nicht dazu verpflichtet, den Helm abzunehmen. Im Gegenzug muss einem der Tankstellenbetreiber auch kein Benzin verkaufen.

Wenn wir schon ein Vermummungsverbot haben, warum erstreckt sich dieses nicht auf alle Teile des gesellschaftlichen Lebens? Warum hat die Religionsfreiheit offensichtlich in einem Säkularstaat eine Sonderstellung? Und was wäre, wenn eine Muslima Motorrad fahren würde? Würde sie dann den Helm und das Niqab ablegen beim Betreten der Tankstelle? Wäre sie dann eine weniger gute Gläubige?

Dieses Beispiel ist wahrlich an den Haaren herbeigezogen und völlig übertrieben. Es zeigt aber, dass es nicht nur Gründe gibt, die gegen ein offensichtliches Zeichen der Unterdrückung der Frau sprechen, sondern auch Gründe der Personenidentifikation. Daher ist die aktuelle Diskussion um das Kopftuchverbot bei Kindern und Jugendlichen durchaus förderlich. Hier muss klar die Freiheit und das Wohl des Kindes in einer liberalen, als auch säkularen Gesellschaft über der Religionsfreiheit der Eltern stehen. Das offensichtliche Zeichen der Religion und/oder der Unterdrückung darf nicht öffentlich wirksam werden. Dies schützt auch das Kind vor einer Ausgrenzung aus Gruppen wie der Klasse, aber auch der Gesellschaft aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Und wieder einmal muss man sagen, dass auch hier die Eltern in der Verantwortung stehen. (siehe auch: http://www.zeit.de/gesellschaft/2018-04/kopftuchverbot-kinder-sexualisierung-selbstbestimmungsrecht)

Religiöse Feiertage

Wenige Wochen sind erst vergangen, seitdem Ostern war. Natürlich freuen sich alle Menschen auf ein paar freie Tage mit den Lieben. Jedes Jahr kommt aber auch die immer wiederkehrende Diskussion über die sogenannten „Stillen Feiertage“ und die damit verbundenen Tanzverbote erneut auf. Und eines vorneweg: nein, dieses Land wäre ebenso nicht bereit für die Einführung eines weiteren religiösen Feiertages wie den Reformationstag, noch der Einführung eines muslimischen Feiertages (oder welcher Religion auch immer). Die meisten unserer Feiertage basieren auf religiöse Feste und Begebenheiten, der christlichen Religonen.

So sehr wir auch die freie Zeit genießen, sie verplanen mit Urlaub und Freizeit, so sehr zeigen sie aber auch ein massives Problem in einem säkulären Staat auf. Die Trennung von Staat und Religion ist hier absolut nicht vollzogen. Hier werden christliche Feiertage genutzt, um den Bürgern eine Form der Gläubigkeit aufzudrücken. Das lässt sich natürlich auch auf die Weihnachtsfeiertage auslegen.

Dennoch ist es an Ostern gravierender, da hier zum einen ein Tanzverbot (also ein allgemeines Feierverbot) herrscht, als auch die Vorschrift, dass einige Filme nicht gezeigt werden oder aufgeführt werden dürfen. Die Liste kann hier eingesehen werden: https://www.spio-fsk.de/media_Content/3224.pdf. Weder Tanz noch Musik, kein Sport und kein Spaß, Gott will es so, interpretiert die Kirche. An Karfreitag soll der Kreuzigung Jesu gedacht werden – und zwar abstinent und ruhig.

Man kann nun sagen, das war schon immer so. Aber ist dies nicht eine gewisse Bevormundung einem Nicht-Christen gegenüber? Egal ob er Atheist ist oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehört? Oder deutlicher gesagt, ist dies nicht eine Einschränkung meiner persönlichen Rechte und Freiheiten? Wo ist denn hier die viel und oft angepriesene Religionsfreiheit? Hier werden meine Rechte auf freies Fernsehen, als auch meine Möglichkeiten zum Feiern, massiv eingeschränkt. Dabei muss eins beachtet werden: oft wird gesagt, dass Religionsfreiheit einer Religion zu Grunde liegt. Das ist allerdings nicht korrekt. Ich habe auch das Recht KEINER Religion anzugehören und somit als „Ungläubiger“ das Recht, mich nicht von irgendeinem Glauben einschränken zu lassen. Auch das ist Religionsfreiheit. Natürlich kommt wie jedes Jahr das Argument auf (gääähn!), dass die „Nicht-Gläubigen“ doch etwas Rücksicht auf die religiösen Menschen nehmen können und deren Glauben respektieren. Doch genau das tue ich gerne. Ich lasse Jeden in sein Gotteshaus gehen und seine Feste und Feiertage feiern. Ich kann nun auch so argumentieren, dass die Gläubigen ebenfalls etwas Rücksicht auf die Ungläubigen nehmen könnten und keine Einschränkungen wie Tanz- oder Filmverbote zulassen. In einem Land, in dem die Kirche vom Staat eigentlich getrennt sein sollte, sollte diese Art von Diskussionen nicht stattfinden. Es gibt durchaus einige Feiertage, die nur in bestimmten Regionen und Religionsgemeinschaften als Feiertag gelten. Alle anderen gehen brav ihrer Arbeit nach. Vielleicht wäre dieses Modell ein Anreiz, der geschaffen werden könnte, um den andauernden Austritt von Mitgliedern der Kirche entgegenzukommen, damit sie dann weiterhin ihren Feiertag behalten können. Ich persönlich würde zumindest freiwillig arbeiten gehen, wenn damit auf religiöse Feiertage und daraus resultierende Einschränkungen verzichtet wird.

Religionsfreiheit beschränken

Eine Beschränkung der Religionsfreiheit darf lt. Grundgesetzt nicht erfolgen. Aber kann sie nicht evtl. doch sinnvoll in einigen Bereichen sein?

Um ein extremes Beispiel der Geschichte zu nennen; in der von Kemal Atatürk gegründeten Türkei war es in öffentlichen Ämtern sogar verboten für Frauen, ein Kopftuch zu tragen. Die Staatsform sah eine strikte Trennung von Staat und Religion vor. Leider entwickelt sich das Land aus dieser offenen Form nunmehr weg. Hier sehen wir aber was gemeint ist.

Wäre es nicht sinnvoll, die Religionsfreiheit dort einzuschränken, wo sie andere Menschen tangiert oder gar in ihrer Freiheit einschränkt? Betrachten wir noch einmal das Beispiel mit den stillen Feiertagen. Die christlichen Feiertage schränken einen Großteil der Bevölkerung bewusst ein. Wäre es hier nicht sinnvoll, eine strikte Trennung zu vollziehen? Warum muss in Schulessen Schweinefleisch verschwinden und durch Rindfleisch ersetzt werden, um muslimische Schüler und Schülerinnen nicht zu benachteiligen, während aber zugleich hinduistische Kinder ausgegrenzt werden. Nur weil sie eine Minderheit darstellen und wir nicht verstehen, dass dort eine Kuh heilig ist? Es werden Kreuze abgenommen und dennoch werden Erzieher/innen und Lehrer/innen eingestellt, die offensichtlich mit einem Kopftuch als Zeichen ihrer Religion tragen? Es finden Wallfahrten statt, bei denen ganze Straßenzüge gesperrt werden? Es existiert immer noch der Konflikt in Nord-Irland zwischen Katholiken und Protestanten.

Ich spreche mich offen gegen die Einschränkung der Religionsfreiheit aus. Das mag sicherlich den ein oder anderen Leser/die ein oder andere Leserin verwundern, allerdings sollte Religion immer nur dann in einem öffentlichen Raum, in einem staatlichen Raum, in einem Rahmen stattfinden, wenn die Interessen und Freiheiten anderer Personen dadurch NICHT eingeschränkt werden.

Ein weiterer Aspekt in dem Zusammenhang in denen Einschränkungen sinnvoll wären, ist der steuerliche Aspekt. Natürlich kann jeder aus der Kirche austreten und ist dann somit auch von der Kirchensteuer ausgeschlossen, aber wie kann es denn generell sein, dass eine Religionsgemeinschaft auch nur in der Lage sein kann, Steuern zu erheben und diese von den Bürgern einzufordern. Man mag nun sagen, dass diese ebenso in wohltätige Projekte fließen, aber alleine die Verwaltung der Kirchen, der Bau von neuen, oft protzigen Gebäuden, kosten schon Unsummen, und das waren noch lange nicht alle Kosten. Hier wird wieder in die Staatsmacht eingegriffen, um Steuern zu erheben. Sicherlich mit der „Toleranz oder dem Wegsehen“ des Staatsorgans an sich, denn sonst müsste dieser selbst für die Förderung der sozialen Projekte und Belange der Bürger völlig alleine aufkommen. So hat der Staat immer noch die Kirche an seiner Seite, um diese Aufgaben abzugeben. Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter und müssen Friedensbriefe oder gar einen Ablass kaufen.

Ich schätze das Engagement der Kirche in Deutschland sehr und die totale Abschaffung der Kirche würden den Staat neue Herausforderungen im sozialen Umfeld aufbürden. Jedoch sollte diese Form der Unterstützung keinesfalls auf der Basis von Steuererhebungen sein, sondern auf Basis der freiwilligen Zuwendungen ihrer Mitglieder oder Mitgliedsbeiträge, wie jeder andere Verein auch. Die weltweite Hilfe der kirchlichen Institutionen ist beachtlich und schätze ich sehr. Über die finanzielle Ermöglichung müssen wir noch einmal nachdenken. Kirche kann aber eine Stütze für Menschen sein, die ihr Heil und ihre Zuflucht im Glauben suchen und sehen.

Änderungen in der Gesellschaft

Spürbar wird eine Änderung des Verhaltens gegenüber den großen Religionen nicht nur durch die massiven Austritte bei den alteingesessenen Kirchen, sondern auch durch die Zunahme von Urteilen und Gesetzesanpassungen in Bezug auf religiöse Arbeitgeber. Hier wurde am 17.04.2018 das schon lange überfällige Urteil des Europäischen Gerichtshofes (Rechtssache Nr. C-414/16) zu der Sonderstellung der kirchlichen Arbeitgeber getroffen. Die Kirchen dürfen nicht mehr, wie bisher üblich, diskriminieren, und müssen eine Einstellung ohne religiöses Bekenntnis zulassen. Offen ist nun das Urteil des Bundesarbeitsgerichtes, ob Menschen wegen einer Scheidung bei katholischen Arbeitgebern benachteiligt werden dürfen. (siehe: http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/eugh-kirchliche-arbeitgeber-duerfen-konfession-nicht-immer-fordern).

Es ist doch absolut fern jeder Vernunft, warum z.B. in der katholischen Kirche nur männliche Personen die Priesterweihe empfangen und von einer Kanzel zu den Gläubigen sprechen dürfen. Warum sollte das eine Frau nicht ebenso gut und wahrscheinlich auch manche besser können, als ihre männlichen Kollegen? Warum ist eine Ehe als Priester innerhalb der römisch-katholischen Kirche nicht gestattet, aber bei den Protestanten schon? Und dabei dürfen wir die massive Anzahl an Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche nicht vergessen oder die ebenso hohen Zahlungen von Alimenten an Kinder, die es „offiziell“ nicht unter Geistlichen gibt. Das Maß an der frommen Doppelmoral gerade innerhalb der römisch-katholischen Kirche kennt fast keine Grenzen, und diese möchte ich anprangern. Skandale auf Kosten der Spenden ihrer Anhänger. (siehe auch: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-skandalbuch-enthuellt-sexuelle-beziehungen-a-758619.html). Diese werden immer weniger toleriert und akzeptiert. Man muss lernen, Stellung zu beziehen und zu dem zu stehen, was man macht.

Änderungen in der Gesellschaft – mal anders herum

Auch wenn sich in unserer Gesellschaft der Einfluss der Kirchen langsam verringert, so ist es noch ein weiter und vor allem langer Weg, der hier beschritten werden muss.

In Ländern wie den USA gibt es einen starken Trend zu neuen fundamentalistischen Kirchen und Glaubensgruppierungen. Sie predigen folgende fünf Glaubensprinzipien: Unfehlbarkeit der Bibel und deren wörtliche Interpretation, Jungfrauengeburt, leibliche Auferstehung Christi, sein stellvertretendes Sühneopfer und seine baldige physische Wiederkehr. Sie verbinden dabei persönliche Erweckungserlebnisse mit nationalistischen und pazifistischen Ideen. Dieser Neokonservatismus gewinnt in einigen Gebieten der USA zunehmend an Einfluss und Macht und konnte bereits in einigen Städten durchsetzen, dass Evolutionsunterricht durch Religion in den Schulen ersetzt wurde. Dabei muss man sich die Frage stellen, warum dies so ist. Ist die aufgeklärte Gesellschaft zu beängstigend für mache Menschen? Warum braucht es dieser Art der extremen Zuflucht in unseren Zeiten?

Religion als Grundlage der Ethik und Moral

Stellen wir uns die Frage nach dem Sinn der Religionen und warum diese immer noch in einer aufgeklärten Zeit bestehen, so wollen uns die Religionsvertreter immer wieder glauben machen (haben Sie das Wortspiel verstanden?), dass die Religion und eine religiöse Erziehung die Grundlage für das ethische Handeln des Menschen sind. Doch das würde wiederum bedeuten, dass nur ein religiöser Mensch auch ein moralischer Mensch ist. Für die ethische Ausrichtung des Menschen ist allerdings keinerlei Religion nötig. Ein ethisch, moralischer Mensch zu sein, heißt auch immer ein vernünftiger Mensch zu sein. Einer, der sich seines Verstandes bewusst ist. Die Gedanken von Kant und das Zeitalter der Aufklärung haben uns befreit von religiösem Irrglauben und uns eine Welt eröffnet, die wir mit Wissenschaft beweisen können.

Ethischem Handeln ist das Handeln der Menschen untereinander. Viele Gläubige (und viele gläubige Freimaurer) betonen auch immer die sog. „Lehren Jesu Christi“, welche auch in der Großen Landeslogen des Freimaurerordens eine zentrale Rolle einnimmt. Aber zum einen hat dieser Mensch (insofern es ihn wirklich gegeben hat) keine Lehren selbst hinterlassen (das Neue Testament entstand Jahrhunderte später) und zum anderen, geht es den meisten um den Umgang mit dem Mitmenschen, der Nächstenliebe und der Aufopferung. All das, für was sinnbildlich die Person Jesus steht. Doch braucht es dazu überhaut den Bezug zu einer fiktiven Person? Nehmen wir doch gerne den Vergleich zum Dalai Lama. Auch seine Philosophie begründet sich auf der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit, aber ihn gibt es wirklich! Um was es also geht, sind keine Weisheiten einer Glaubensrichtung oder christlichen Figur, es sind „normale“ Umgangsformen in einer zwischenmenschlichen Gesellschaft. Und diese wiederum sollten für uns alle gelten, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Geschlecht.

Ethische Menschen brauchen keine Religion um ein ethisches Handeln zu erreichen. Sie brauchen einen offenen und klaren Verstand, dessen sie sich bedienen, und Menschen, die sie in ihrer Entwicklung fördern und fordern!

Das Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Änderungen im Umgang der Menschen mit Religion und Wissen, war eine grundlegende Voraussetzung für die moderne Gesellschaft und Wissenschaft. Die Abwendung vom Klerus hin zu neuen Ufern. Warum aber fällt dies in der muslimisch geprägten Welt so schwer? Hier muss man Betrachten, dass Religion und Staat auch noch heutzutage viel enger miteinander verbunden sind als bei uns. Eine Trennung von Staat und Kirche hat hier noch nicht stattgefunden, wenn man von der Türkei unter ihrem Gründer Mustafa Kemal Atatürk einmal absieht. Eine eigene Form der „muslimischen Aufklärung“ steht noch aus und würde massiv diese Länder verändern. Ob dies je erfolgen wird, hängt von dem Willen der Menschen vor Ort ab.

Gotttesbeweis

Immer gerne diskutiert von Gläubigen ist der Gottesbeweis. „Es gibt keinen Beweis dafür, dass es Gott nicht gibt. Es gibt keinen Beweis dafür, dass es Gott gibt.“ musste ich erst vor kurzem von einem Freund zu hören bekommen. Beweise für die Existenz Gottes gab es schon viele. Von Thomas von Aquin über Anselm von Canterbury bis hin zu Kant. (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesbeweis oder https://www.zeit.de/campus/2018-01/gottesbeweis-glaube-wissen-naturwissenschaft-religion).

Doch, die Existenz eines Schöpfers ist reine Glaubenssache. Hier scheidet sich der Weg von Wissenschaft und Glauben. Warum sollte man die Existenz von etwas beweisen, an das man nicht glaubt? Wenn jemand behauptet, es gäbe einen Gott, sollte die Person dies schon beweisen können. Die Nicht-Existenz muss aber nicht die Grundlage der Beweisführung werden. Oder warum sollte man die Nicht-Existenz des Wolpertingers (Bayrisches Fabelwesen) führen? Oder wie steht es um das bereits erwähnte Spaghetti Monster? Mit der Argumentation, dass Gott existiert, muss dieses ja doch wohl ebenso existent sein.

Wird ein Existenzanspruch in den Raum geworfen, so müssen auch Fakten geschaffen werden, die diese Existenz auch beweisen. Sonst bleibt es immer im wissenschaftlichen Raum eine These. Die durchaus berechtigt sein kann, solange sie nicht wiederlegt ist. Also haben wir ein Henne-Ei-Prinzip. Dennoch würde ich sagen, dass mein freier Verstand und die moderne Wissenschaft mit ihren Erkenntnissen die Existenz eines Gottes nicht zulassen.

Ist Religion böse?

Eine berechtigte Frage heutzutage ist durchaus, ob Religion böse ist. Im Umkehrschluss muss man nun auch hinterfragen, ob Wissenschaft dann „gut sei“. Um es vorweg zu nehmen: Nein, Religion ist nicht böse. Warum sollte sie das auch sein? Religion ist eine Form von Glauben an etwas, was der Mensch sich nicht erklären kann, was in ihm das Gefühl der Hoffnung weckt und seinem Leben einen Sinn gibt.

Was allerdings der Mensch und vor allem die fundamentalistischen Anhänger einer Religion aus ihr machen, das kann durchaus böse sein. Gläubige, welche zur Auslegung ihrer Religion zur Waffe greifen und mit Gewalt ihren Glauben predigen. Fundamentalismus und Religion sind eine gefährliche und leicht entzündliche Mischung. Natürlich denken wir sofort an militante Muslime, Bomben und Anschläge. Man darf aber auch nicht die Angriffe gegen jüdische Mitbürger in jüngster Zeit vergessen, die nur aufgrund eines sichtbaren Zeichens ihres Glaubens angegriffen wurden. Natürlich hat das Christentum Jahrhunderte vorher mit seinen Kreuzzügen und Hexenverbrennungen nicht weniger schlimm gewütet.

Wissenschaft allerdings als von Grund auf „gut“ hinzustellen, wäre sehr einseitig betrachtet. Natürlich fallen uns zuerst neue Forschungsergebnisse ein, welche uns helfen unser Leben und dessen Qualität zu verbessern. Medizintechnik und Heilung sind auf einem sehr hohen Niveau. Forschung und moderne Wissenschaften verdoppelt das Wissen schätzungsweise alle 5-12 Jahre.

Dennoch muss man anmerken, dass auch die Wissenschaft und neue Techniken für negative Entwicklungen verantwortlich sind. Nicht nur die Neuerungen in den Waffentechniken, nein, auch bei Giftkampfstoffen. Aber auch im Kleinen kann dies schlimme Auswirkungen haben. Unsere Schädlingsbekämpfungsmittel töten nicht nur die „schlechten Schädlinge“ ab, nein, sie haben ebenso große Auswirkungen auf den Bienenstand und somit die Bestäubung der Pflanzen. Oder denken wir an die Gentechnik, welche wir zur Verbesserung der Ertragsquoten in der Landwirtschaft einsetzen, ohne zu wissen, welche Spätfolgen dies haben wird. Der Mensch pfuscht „dem lieben Gott“ gerne mal ins Handwerk, zumindest aber der Natur. Und das eben leider auch ab und an zu viel (oder sogar bisweilen unkontrolliert?).

Wenn wir Wissenschaft und Religion betrachten, so haben beide ihre Berechtigung, mal mehr, mal weniger. Wir müssen nur verstehen, diese beiden Seiten richtig zu nutzen. Wo die Grenzen der Wissenschaft erreicht sind, da fängt Glauben an. Böse ist nur das, was der Mensch daraus macht.

Freimaurerei und Religion

Wenn man über Freimaurerei redet, kommt es oft zu einer Überschneidung mit Religionen. Einige Brüder setzen einen gewissen Glauben voraus, um Freimaurer werden zu können.

Oftmals werden die „Lehren Jesu Christi“ als Maßstab innerhalb des Freimaurerordens (FO) der Großen Landesloge genannt. Wenn man argumentieren will, dass (sofern es den besagten „Jesus“ denn wirklich gegeben hat!) dieser Mann keine schriftlichen Dokumente oder Worte hinterlassen hat, welche „seine Lehren“ beinhalten, so wird man oft hingestellt, als hätte man den Grundgedanken dahinter nicht verstanden. Mir ist schon bewusst, dass sich hier auf die Menschenliebe und die Nächstenliebe bezogen wird. Seine Lehren beschrieb er lt. Bibel wie folgt: „Du sollst dem Herrn, Deinem Gott, dienen von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt. Ebenso wichtig ist folgendes: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als dieses.“ (Luk. 10, 25). Damit beschrieb Jesus die beiden Säulen seiner Lehre: die Gottes- und die Nächstenliebe.

Die Gottesliebe zu teilen fällt dem frei von Dogmen und Religionen denkenden Menschen eher schwer, da er schon per se ein Problem mit einer Gottesvorstellung hat. Was die Nächstenliebe angeht (und damit auch die Bruderliebe), so kann ich diesen Punkt als Freimaurer durchaus teilen. Dazu brauche ich aber keinen Jesus, sondern nutze meine ethischen und moralischen Werte. Sollte ich dennoch eine Person mit diesen Idealen in Verbindung bringen wollen, so kann ich auch an die Worte des Dalai-Lama denken oder an Buddha. Beide schreiben und schrieben über die gleichen Werte, auf die sich hier berufen wird, mit dem Unterschied, dass es die beiden Personen tatsächlich und real gab bzw. immer noch gibt. Warum also auf eine Person berufen, die zum einen nichts geschrieben, noch etwas hinterlassen hat und über deren Existenz sich noch Wissenschaftler in 100 Jahren streiten werden.

Viel schlimmer sind allerdings die massiven öffentlichen Angriffe gläubiger Freimaurer gegenüber den Agnostikern und atheistischen Brüdern. Da liest man dann: „Doch du musst einen Glauben haben um FM zu sein. Wie hast du denn die Frage beantwortet … in whom do you place your trust ? … Jedem Bruder wurde diese oder eine ähnliche Frage gestellt bei der Aufnahme … Also wusstet ihr von Anfang an worauf ihr euch einlasst. Jetzt dagegen anzugehen finde ich nicht nur dreist und unverschämt, ich hätte euch selbst benannte Atheisten schon lange rausgeschmissen, aber acht kantig!!! Sorry genug ist genug!“ oder auch gerne: „Und die Basics erlauben keinem Atheisten Freimaurer zu werden, da Atheisten immer noch nicht zugelassen werden sollten!!! Und was für eine komische Realität ist das denn bitte schön?“

Solche und ähnliche Äußerungen gibt es zu Genüge in den Freimaurer Foren in sozialen Netzwerken. Sie stellen nicht nur eine öffentliche Hetze gegen die betroffenen Brüder dar, sie zeugen eher noch mehr von mangelnder Toleranz und Brüderlichkeit. Aber mit den Grundsätzen der Freimaurerei hat es nun mal nicht jeder so. Man „arbeitet ja an sich“.

„Wir lehnen trotzdem Atheisten ab und ich hätte gern eine Liste der Atheisten so dass ich nicht tolerant sein muss und in eventuell der gleichen Loge sitzen müsste, ohne dass ich es wüsste.“ Wenn schon von Listen die Rede ist, muss man sich nicht wundern, wenn Vergleiche zur Stasi oder Gestapo gezogen werden. Die Zeiten in denen Menschen in Listen nach Gut oder Böse sortiert werden, sollten schon lange der Vergangenheit angehören. Zumindest aber in der modernen Freimaurerei, in der man sich ja in Toleranz und Brüderlichkeit übt. Aber wie bereits geschrieben, man arbeitet ja noch an sich. Der eine mehr, der andere eben weniger (oder er hat es andernfalls noch nicht verstanden).

Oftmals wird dann auch über die „wahre Freimaurerei“ gestritten (brüderlich austauschen kann man das leider nicht mehr nennen). Allerdings würde das wieder implizieren, dass es „die wahre Freimaurerei“ gibt. Doch was soll das sein und wo gibt es diese? Schon alleine der seit einem Jahrhundert andauernde Streit zwischen dem GodF und der UGLoE zeigt uns doch eines: Aus der Geschichte nichts gelernt! Es wird die einzige und wahre Freimaurerei von der UGLoE vorgegeben und bestimmt. Aber alleine in Deutschland sehen wir, dass ein künstliches Konstrukt wie die VGLvD nötig gewesen war, um alle Brüder Freimaurer unter einem Dach zu vereinen.

Die „wahre Freimaurerei“ ist doch eher für jeden persönlich zu sehen, eine sehr egoistische Sache. Sie ist in dem Bruder oder der Schwester selbst enthalten, was in einem steckt und für was sich entschieden wurde. Sie ist die Arbeit an seinem persönlichen Stein. Eine künstliche Grenze zu schaffen und die Kette zu unterbrechen oder sogar einige Brüder zu missionieren und zu bekehren, kann nicht das Ziel sein und ist zudem wenig brüderlich. Einen Rauswurf zu fordern, wie im oben gebrachten Zitat zeugt zudem von wenig Toleranz und dem mangelnden Verständnis von den Grundsätzen des Bundes.

Persönliches

Ich selbst erziehe meinen Sohn zu einem freidenkenden Menschen. Zumindest nehme ich mir das vor. Richard Dawkins sagte in seinem Buch „Der Gotteswahn“: „Atheismus ist fast immer ein Zeichen für eine gesunde geistige Unabhängigkeit und sogar für einen gesunden Geist.“ Ich hoffe, dass der Geist meines Sohnes nicht vergiftet wird von religiösen Einflüssen. Ich habe wohl bewusst „vergiftet“ gewählt, da ich dennoch hoffe, dass er sich mit den Religionen aus einem geschichtlichen Aspekt beschäftigt, damit er sie einordnen kann.

Ich selbst ziehe daher Kindertagesstätten und Schulen von freien humanistisch ausgerichteten Trägern allen anderen vor, damit mein Sohn unbeeinflusst von allem, seine eigene Meinung bilden kann.

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich mich von Gläubigen Menschen als Atheist bedroht fühle. Um es einfach zu sagen: nein, warum auch? Ich schätze den Umgang und vor allem die offenen Gespräche auch mit Gläubigen Menschen, insofern sie mich nicht bekehren wollen und meine Meinung zumindest respektieren. Sie müssen diese ja nicht akzeptieren oder ihr gar zustimmen. Fundamentalismus und Fanatismus, wie ihn einige Menschen an den Tag legen, missfällt mir. Eine offene Diskussion schätze ich sehr. Aber eben eine persönliche und nicht wie schon oft in diversen Sozialen Netzwerk Gruppen von mir gefordert, eine öffentliche Stellungnahme zu meinem Atheismus und Freimaurertum zu geben. Das ist wenig brüderlich und wird eher von arroganten „Möchtegern-Meistern“ an den Tag gelegt. Ich stehe aber offen jedem ernsthaften Gespräch gegenüber und nicht einem Tribunal von Brüdern, wie es unlängst von einem Bruder aus Hamburg gefordert wurde. Natürlich kann ich dem nun kontern und sagen: „Lese meinen Blog, da steht alles was du wissen willst!“

Eine Konfrontation mit moderner „militanter“ Frömmigkeit finde ich oft in den Hotels auf meinen Dienstreisen wieder. Da liegt mitunter die Bibel oder das Neue Testament aus. Warum frage ich mich oft? Wird das bei muslimischen Gästen aus Respekt entfernt oder bleibt es dort? Bei einem Versuch dies aus dem Zimmer zu entfernen und in den Müll zu werfen, fand ich es nach dem Zimmerservice wieder am selben Ort vor. Scheinbar muss dieses Buch dort im Inventar bestehen bleiben. Naja, damit kann ich leben. Meine Toleranz lässt es zu…

Ich selbst respektiere jede Religion und jede Art deren Auslegung, solange sie nicht fundamentalistisch ist. Aber ich möchte gern auch den nötigen Respekt meines Gegenübers wissen. Doch als Atheist wird man oftmals eher angegriffen oder aber auch nur belächelt. Warum auch immer.

Fazit und Ausblick

Betrachten wir die Diskussion in den Sozialen Medien und vor allem in der Presse einmal realistisch von außen, so müssen wir doch eines festhalten: Der Staat hat mit den Bildungsministerien einen Auftrag von der Bevölkerung erhalten, unsere Kinder an den Schulen mit dem nötigen Wissen für ihr Leben zu versorgen (klingt banal, ist aber sehr schwer!), allerdings sollten wir den Säkularismus nicht vergessen. Von einem Auftrag, eine religiöse Ausrichtung den Kindern mitzugeben, war nicht die Rede. Durch die Trennung von Staat und Religion darf es eigentlich nicht vorkommen, dass Kinder mit Religionsunterricht in der klassischen Form (protestantisch oder katholisch, sonst Ethik) konfrontiert werden. Ebenso darf nicht nachgegeben und Unterricht anderer Religionen neu eingeführt werden. Ein bundesweiter Islamunterricht wäre nicht zielführend für eine Integration, sondern würde weiterhin zu einer Abgrenzung führen. Diese wäre sichtbar, da die Schüler ja in „ihre Gruppen“ getrennt werden. Daher wäre eine Abschaffung des GESAMTEN Religionsunterrichtes in einem säkularen Staat das einzig richtige. Ethik und ethische Grundlagen vermitteln, zusammen mit einem Überblick über alle großen Religionen, würden die Bildung eines freien Geistes unterstützen und nicht in Widerspruch mit diesen Forderungen stehen.

Religionsfreiheit muss für alle Menschen gleichberechtigt gelten, sei es Gläubige oder auch Atheisten (bzw. Agnostiker). Religionsfreiheit heißt aber dabei nicht nur, dass ich eine Religion frei aussuchen kann, mich ihr anschließen kann, es heißt auch das Recht zu haben, KEINER Religion anzugehören. Das vergessen die meisten in diesem Zusammenhang leider.

Was endlich passieren sollte, ist die (auf dem Papier schon so oft dokumentierte) Trennung von Staat und Religion. Das völlige Zurückziehen der Religion aus dem öffentlichen staatlichen Leben (ich meine damit nicht dem gesellschaftlichen Leben!) und die Beendung der Einflussnahme auf den Staatsapparat.

Erfüllen Menschen einen staatlichen Auftrag wie in der Bildung, in öffentlichen Ämtern und Positionen, so gilt es alle Zeichen einer religiösen Zugehörigkeit zu entfernen und eine Neutralität und vor allem einer Gleichberechtigung sicherzustellen. Nur so können wir die nötige Toleranz im Umgang aller Menschen und aller Religionen sicherstellen und an unsere Kinder weitergeben.

 

Wer den Artikel als PDF runterladen möchte, findet ihn hier:

Essay über Gotteswahn_final

Download „Essay über den neuen Gotteswahn“

Be the light – ein kurzer Gedanke

Auf einem Spaziergang durch das abendliche Seattle im Februar 2018 schlenderte ich durch den berühmten Pike Market. Wie immer führte mich meine Arbeit dorthin und ich nutze auch die Möglichkeit Brüder zu treffen, welche mir im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind.

Auf dem Gebäude der Touristeninformation sah ich einen kleinen Aufkleber mit dem Spruch „Be the Light“ darauf. Diese Worte lassen einen Freimaurer natürlich aufhorchen und sogleich begannen die Gedanken zu kreisen.

Der Gedanke ein Licht zu sein, sei es für eine bestimmte Person oder auch innerhalb einer Gruppe, erfreut mich sehr. Der neu aufzunehmende Bruder, der sich dem Bund der Freimaurer anschließen möchte, ist auf der Suche nach dem Licht. Zumindest sagt man es so und es steht so im Ritual. Er wandelt in der Dunkelheit und sucht das Licht, das der Erkenntnis und des Wissens.

Und dann gilt es dieses Licht in die Welt hinauszutragen, zu leuchten und den Menschen zu helfen. In Zeiten der Finsternis eine helfende Hand sein. Ein schöner Gedanke…

Grenzen der Toleranz – Freizeittoleranz Teil 2

Einleitung

Angeregt durch die vielen Gespräche und den Austausch nach dem Erscheinen der beiden Artikel über Toleranz von Br. Hagen und mir, habe ich weiter philosophiert über die Grenzen der Toleranz und wodurch sie entstehen, oder sich verändern. Natürlich möchte ich gerne auch den Personen danken, die den Artikel gelesen haben und über die vielen positiven Zuschriften, welche mich dazu erreichten.

Ein spannendes Zitat, welches mich erreicht hat, möchte ich gerne mit euch teilen: „Warum dann FM und nicht das Original, z. Bsp. Humanistische Weltbund: Rituale ohne Gottesbezug. Warum in einen Fußballverein eintreten und dann versuchen Handball zu spielen? „Ich halte den Glauben an ein göttliches Wesen für Blödsinn… Ich bin ein Feind jeder Religion…“ Toleranz? Fehlanzeige…“

Ich möchte hier eines klarstellen. Der mir hier falsch zugewiesene Satz „Ich halte den Glauben…“ ist nicht von mir, wie es gern ein Bruder darstellen wollte. Das Zitat ist nach wie vor von Richard Dawkins und der ist kein Bruder Freimaurer, sondern immer noch Evolutionswissenschaftler und Antitheist. Wie es um seine Toleranz bestellt ist, ist sicherlich seine persönliche Sache. Der Vergleich mit dem Fußball/Handball Verein gefällt mir gut. Aber dann sage ich offen: Warum Freimaurer werden und dann Religion sein wollen? Dann doch bitte in die Kirche oder freie Gemeinden gehen.

Humanismus ist ein freimaurerischer Grundpfeiler und war die Ausgangslage vieler humanistischer Bunde und Gruppen, die oft sogar von Brüdern Freimaurer gegründet wurden. Daher wäre auch hier ein Eintritt durchaus nicht abwegig.

Doch gerade in dieser Diskussion kam die Frage auf, wie sich die Grenzen der Toleranz zusammensetzen. „Die Wurzel liegt im Lateinischen und meint beides, Tragen und Ertragen, Dulden und Erdulden.“ Aber was sind denn Grenzen, persönliche oder gesellschaftliche und wie entstehen sie. Sind diese fest oder verschieben sie sich und was lassen wir zu und was ertragen wir?

Entstehung der Grenzen

Grenzen der Toleranz sind sicherlich nicht angeboren, sie werden im Laufe der Jahre durch Erziehung geprägt. Anerzogen und vorgelebt von den Eltern, Kindergarten und später Schule, aber auch dem sozialen Umfeld, in dem wir aufwachsen. Hierbei kommt zudem oft die Frage auf, ob es eine Religion braucht, um ethische und moralische Werte zu vermitteln. Um die Antwort gleich wegzunehmen, nein, es braucht keine. Natürlich sind unsere Wertvorstellungen in Deutschland christlich geprägt, aber aus historischen Gründen. Grundsätze, beispielsweise dass man niemanden umbringt, dass man nichts stiehlt usw. sind aber keine religiösen Dogmen, sondern einfach Umgangsformen der Menschen untereinander. Wenn wir unsere eigenen Werte an unsere Kinder weitergeben, dann prägen und formen wir hierbei auch einen Menschen in seinen ethischen und moralischen Vorstellungen.

Vorurteile

Und hier kommt schon direkt das nächste Problem. Das Vorleben der Werte und die Weitergabe an jüngere Generationen. Was aber, wenn unsere persönlichen Grenzen im Bezug auf Toleranz geprägt sind durch Vorurteile? Wie schwer sind diese oft zu erkennen? „Vorurteil heißt ein Urteil, wenn eine Person, eine Gruppe, ein Sachverhalt oder eine Situation vor einer gründlichen und umfassenden Untersuchung, Abklärung und Abwägung beurteilt wird, ohne dass die zum Zeitpunkt der Beurteilung zur Verfügung stehenden Fakten verwendet werden“, so steht es bei Wikipedia. Wir alle fällen sie, ob wir dies nun möchten oder auch nicht. Ich selbst nehme mich hier nicht aus. Doch auch gerade hierdurch wird uns oft unbewusst eine Grenze der Toleranz gesetzt. Wir haben Schubladen, in denen wir Menschen und Gruppierungen stecken und einsortieren. Damit verbunden aber auch direkte Grenzen und Abgrenzungen. Doch die Aufklärung sollte uns eines gelehrt haben, nämlich das „Sapere Aude“, also „Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“! Die Grenzen der Toleranz bedingt durch Vorurteile sind oft nur im Kopf und können mit dem Verstand überwunden werden.

Haben wir erkannt, dass wir alle dazu neigen, in Schubladen zu denken und Vorurteile zu haben und haben wir uns dann die Mühe gemacht, diese Vorurteile zu prüfen und zu „verbindlichen Urteilen“ zu machen, dann können wir uns in der Toleranz üben und diese Schranken überwinden.

Gesellschaftliche Grenzen

Natürlich gibt es nicht nur die anerzogenen, sowie die Grenzen im Kopf, es gibt auch die gesellschaftlichen Grenzen der Toleranz. Oft höre ich auf die Nachfrage von Kindern und Jugendlichen, wenn die Eltern ihnen etwas für sie unverständlicher Weise verbieten, als Begründung ein „das gehört sich nicht“. Hier gibt es also Grenzen, die dem Allgemeinwohl diesen und die der Menschlichkeit gebühren. Nicht stehlen, nicht töten sind Grundsätze, über die man wohl nicht diskutieren darf. Sexuelle Übergriffe und Missbrauch sind ebenso gesellschaftliche Grenzen und werden nicht toleriert. Zumindest auf den ersten Blick. Schauen wir einmal weiter und hinterfragen wir:

Wie steht es hierbei um einen Tyrannenmord? Hätten die Verschwörer um Graf von Staufenberg ihr Vorhaben umsetzen können und 1944 Adolf Hitler durch ein Attentat ermordet, würde man sie dann nicht heute feiern für einen Mord? Oder müssen wir hier gar abwägen, auf wessen Kosten mehr Morde gingen? Wäre der militärische Abschuss eines entführten Passagierflugzeuges tragbar, wenn man dadurch verhindern könnte, dass noch mehr Menschen getötet werden? Wie gehen wir mit einem Scharfschützen um, der den Geiselnehmer tötet um die Geisel zu befreien? Gerade in diesen Fällen muss man die offensichtliche Übertretung von Grenzen, und somit seine eigenen Toleranz  zulassen und hier wird sie auch befürwortet.

Wäre das stehlen von Geldern nicht gut, wenn man es verwenden würde um Arme und Hilfsbedürftige zu unterstützen? Eine Umverteilung von Geldern und Ressourcen käme vielen zu Gute. Viele der Industrienationen haben jahrelang nur genommen und Entwicklungsländer bzw. Schwellenländer gezielt ausgebeutet, um sich ihren eigenen Wohlstand zu sichern.

Hier kommen Kinderschänder mit geringen Strafen davon, ohne sich ein Bild davon zu machen, welchen Schaden sie auf den Seelen der Betroffenen hinterlassen. Hier kommen Steuersünder mit minimalen Strafen davon, wenn sie sich selbst zur Anzeige bringen? Wo ist hier das Maß der Toleranz und damit auch das Maß an Gerechtigkeit? Sexuelle Übergriffe auf Frauen werden erst seit einigen Monaten verstärkt zur Anzeige gebracht. Diese Liste kann man beliebig lange fortsetzen…

Grenzen im Wandel – neue Toleranz

Allerdings zeigt gerade das letzte Beispiel auf, wie sich diese gesellschaftlichen Grenzen der Toleranz auch verschieben können. Eine flapsig angebrachte, sexuell anzügliche Bemerkung über die neue Kollegin war vor ein paar Monaten noch „toleriert“, nun aber kann dagegen angegangen werden.

Man stellt also fest, dass sich die Grenzen der Toleranz im gesellschaftlichen Wandel befinden können. Norme und Werte werden (und müssen auch weiterhin) überdacht und dem Wandel der Zeit angepasst werden. Strafen und deren Maß entstehen oftmals aus der Notwendigkeit heraus. War es vor knapp 15 Jahren noch erlaubt, während des Autofahrens sein Handy zu verwenden, so sind die Strafen diesbezüglich angepasst und vor allem erhöht worden. Die Toleranz hat sich hier verschoben zu Gunsten der Sicherheit im Verkehr.

Im Falle von Kindesmissbrauch, aber auch bei Übergriffen im öffentlichen Raum setzt die Polizei vermehrt auf die Mithilfe der Bürger zur Identifizierung von Verdächtigen und schränkt dabei bewusst die Persönlichkeitsrechte des Täters ein, was von sozialen Netzwerken und der Gesellschaft gern toleriert wird, da es ein gutes „Mittel zum Zweck“ ist.

Grenzen werden gerne verschoben, wo sie einem „guten oder höheren Zweck“ dienen. Wenn sie der Allgemeinheit dienen, dann sind wir gerne tolerant und lassen die Verschiebung zu.

Freimaurerische Grenzen der Toleranz

Wie schon in der Einleitung erwähnt gibt es sie immer noch, die fundamentalistischen Freimaurer, welche behaupten: „wenn es die Großloge von England so sagt, dann ist es so!“ oder auch gerne „das war schon seit 300 Jahren so“. Aber ist es nicht auch an uns, hier die Frage nach dem Zeitgeist zu stellen und die Toleranz und ihre Grenzen zu überdenken? Warum sollten wir an einem Tempel der Humanität arbeiten, der alle Menschen vereint, aber zeitgleich keine Frauen als Freimaurerinnen zulassen? Warum sollten unsere Brüder und Schwestern aus „irregulären“ Großlogen, wie dem Grand Orient d´France, keine genauso guten Brüder und Schwestern sein, wie auch wir selbst? Warum sollten nur Brüder Freimaurer werden können, die an die Lehren Jesu Christi glauben, aber der Atheist, der sich diesem ethischen Bund anschließen will, verweigert man den Zutritt? Es gilt hier Toleranz walten zu lassen und sich klar zu werden, wie der moderne Zeitgeist und die 300 Jahre alten Traditionen miteinander vereinbar sind. Der so oft erwähnte Spagat zwischen der Tradition und der Moderne muss unser Ziel sein und das ist ohne dem nötigen Maß an Toleranz und Augenmerk fast nicht zu schaffen.

Tolerant muss die Schwester oder der Bruder oftmals in der Loge beim Umgang untereinander sein. Der menschliche Faktor ist immer schwer zu kalkulieren und auch abhängig von der Tagesform und den Laune(n). So kann es durchaus vorkommen, dass man sich plötzlich „auf den Schlips getreten fühlt“, wenn ein Bruder an einen herantritt. An einem anderen Tag, in einer anderen Verfassung, würde man dann beispielsweise darüberstehen. Es ist also immer auch das Arbeiten an einem Selbst und an der inneren Einstellung, die zu einem neuen Blickwinkel auf die eigene Toleranz führt.

Religiöse Grenzen

Toleranz gegenüber den Ungläubigen ist in den meisten Religionen nicht gegeben. Es wird immer versucht den eigenen Standpunkt zu verteidigen, sogar bis hin zum Aufruf zum Mord. Dabei muss es sich nicht um den schon erwähnten Dschihad handeln, nein, das fängt auch im Kleinen an, wenn die katholische Kirche einen jahrhundertealten Bann über die Freimaurer ausspricht. Aber zeugt es nicht schon von innerer Stärke, wenn man hier Toleranz walten lassen kann und eine Vielfalt an Religionen zulässt? Gerade einen offenen Geist gilt es doch zu fördern und hier geht dies nicht ohne die nötige Toleranz. Oft wird mir unterstellt, dass ich gegenüber Gläubigen (oder, um es auf die Freimaurerei zu beziehen, gläubigen Brüdern) intolerant wäre. Nur weil ich meine Meinung als Atheist vertrete? Mit der gleichen Weise, wie es die erwähnten Brüder ebenso mit der ihrigen Position tun? Nein, es ist nicht tolerant, wenn ich diese Brüder oder Menschen mit allen Mitteln von meinem Standpunkt überzeugen will. Aber genau das möchte ich nicht! Ich möchte aufzeigen, dass es mehrere Wege und Möglichkeiten in einer modernen Freimaurerei gibt, sich hier zu finden, seinen Weg zu gehen und an seinem Stein zu arbeiten. Ich würde gerne die Schwestern und Brüder zum Sapere Aude, zum Denken mit einem freien Geist anregen. Daher schätze ich die Toleranz innerhalb der Freimaurerei hoch ein, appelliere aber auch an jede religiöse Strömung, egal welcher Art.

Persönliche Grenzen

Persönliche Grenzen der Toleranz kommen und gehen, sie verschieben sich, bauen sich ab und strukturieren sich um im Laufe eines Menschenlebens. Sie werden wie eingangs erwähnt geprägt durch Erziehung und dem Einfluss unseres Umfeldes. Gerade dies bewirkt aber auch, dass sich unsere Grenzen verschieben und neu justieren im Laufe unseres Lebens. Wer das Lernen und die Suche nach Erkenntnis nicht aufgibt und einen Wissenshunger hat, der wird auch seine Vorurteile hinterfragen und sie durch Urteile ersetzen. Hierbei setzen wir unbewusst auch die neuen Grenzen unseres Handelns und somit auch unserer Toleranz. Natürlich muss die Frage gestellt werden, ob das Entstehen von ethischen Werten und Normen einen Glauben an ein wie auch immer geartetes höheres Wesen voraussetzt. Wir können dies vermeiden, denn wir wissen heutzutage aus der Evolutionstheorie und der Psychologie wie sich unsere persönlichen Wertvorstellungen zusammensetzen. Ethische Werte und die Erziehung dieser, sind in unserer westlichen Welt jedoch sehr stark mit den Werten und Geboten der Religion verbunden. Historisch war die Kirche die Institution, welche in früheren Jahrhunderten dies zu vermittelt versuchte. Die moralischen Grundfeste wurden durch Kirchenvertreter von den Kanzeln dieser Welt gepredigt. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn dieses Wertesystem in die moderne Welt übernommen wurde. Es bildet die Grundlange für unsere ethischen Werte. Dabei sich allerdings von der Religion zu lösen, ist wiederum eine gesellschaftliche Entwicklung und ein stetiger Prozess.

Willkommene Intoleranz

Aber muss ich (auch als Freimaurer) immer und über all tolerant sein? Ich denke eher nicht. Es gibt Dinge, bei denen muss, sollte und darf man nicht tolerant sein. Ein sichtbares Zeichen einer charakterlichen Entwicklung ist das Eintreten für Ideale und Vorstellungen. Ich will nicht sagen, dass man nicht auch an seiner Toleranz arbeiten kann und dadurch die Grenzen auch verändert werden, allerdings ist es hilfreich, eine strikte Position zu beziehen und nicht von ihr zu weichen. Ein „eiserner Wille“ kann oftmals fälschlicherweise als mangelnde Toleranz ausgelegt werden, wohingegen er eher ein sichtbares Zeichen eines ausgeprägten Charakters ist.

Fazit

Bevor nun wieder behauptet wird, ich wäre intolerant gegenüber Brüdern oder Schwestern, welche an eine wie auch immer geartete höhere religiöse Lebensform glauben, so möchte ich klarstellen, dass dies nicht der Fall ist. Ich habe viele sehr gläubige Brüder und Schwester und so sehr ich auch diesen Standpunkt nicht teile, genauso sehr schätze ich den Austausch mit ihnen. Sie helfen mir alle, mich in Toleranz zu üben und auch meine gedanklichen Grenzen verschwinden zu lassen.

In einem Freimaurer Forum hatte ein Bruder geschrieben, dass sich die Toleranz hinter den anderen Säulen der Freimaurerei (Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit, Humanität), vor allem hinter der Brüderlichkeit stellen sollte. Also geht erst die oft geschworene Brüderlichkeit vor und dann kommt es zur Toleranz. Allerdings denke ich, dass alle diese Säulen gleichberechtigt stehen müssen. Und Toleranz darf dabei nicht hinter einer der anderen stehen, denn gerade in der Toleranz müssen wir uns innerhalb der Vereinten Großloge von Deutschland oft mehr als nur einmal üben.

Ich selbst übe mich gerade auch hier an meiner Toleranz gegenüber solcher „brüderlicher Anfeindungen“ in sozialen Netzwerken…und haue noch ein paar Ecken ab…und dann gehe ich auf meine Reise von der Intoleranz zur Toleranz!