Freimaurerei 2.0 – virtuelle Bruderabende

Neue Infektionszahlen, hohe Sterberaten, Kontaktsperren, Hamsterkäufe, geschlossene Logen, abgesagte Brüder- und Schwesternabende, …

Dies und noch viel mehr bestimmte in den letzten 3 Monaten unser alltägliches Leben, wie auch unser Logenleben als Freimaurer/innen. Ein einziger Lockdown!

Die Logen suchten nach Möglichkeiten ihren Austausch untereinander zu ermöglichen und viele gingen hier neue Wege. Die Anwendungen der modernen IT bekamen unverhofft Einzug in die alten Traditionen der Bauhütten. Plötzlich gab es Webmeetings und online Konferenzen. Viele Logen pflegen seit mehreren Wochen einen regen Austausch untereinander über diese Möglichkeiten. Es gab sogar logenübergreifende Abende und Vorträge und auch die Bemühungen, dies nach der Corona-Krise fortzuführen.

Es ist schön zu sehen, wie auch in Zeiten der Corona-Krise unsere Bruderschaft sich virtuell trifft und miteinander philosophiert. Natürlich kann dies nicht Basis eines brüderlichen oder schwesterlichen Austausches sein, aber es überbrückt die Einsamkeit bis zum persönlichen Wiedersehen. Selbstverständlich fehlen den Brüdern und Schwestern auch die Arbeiten im Tempel. Hierbei kann jedoch nicht mal eine virtuelle Verbindung helfen und hier gilt es abzuwarten, bis die Lage unter Kontrolle ist. Gerade aber bei der hohen Anzahl an älteren Logenmitglieder muss hier Vorsicht und vor allem Umsicht gelten. Dabei hat aber auch gerade dieser Personenkreis die Möglichkeiten der digitalen Welt gern und oft angenommen und genutzt.

Würden wir zu früh mit Ritualarbeiten anfangen, dann gefährden wir ggf. unsere Brüder und Schwestern der Risikogruppen. Wenn wir nun aber nur Brüder und Schwestern außerhalb dieser Risikogruppen zulassen, so grenzen wir einige Teile der Loge bewusst aus. Beides ist unschön und daher gilt es neue Wege zu finden. Man könnte auch einmal über die Möglichkeiten einer TA im geschützten, öffentlichen Raum, wie einem Wald oder auf einer Wiese nachdenken. Hier könnten die Abstandsregeln befolgt werden und sicherlich ist eine Arbeit im Freien, eine sogenannte Feldloge, auch etwas Besonderes. Einige Logen praktizieren solche Arbeiten bereits und stehen gerne als Paten zur Verfügung. Auch eine Logenarbeit mit vergrößerten Abständen wäre möglich, Mundschutz inklusive, Handschuhe werden ohnehin getragen. Die Ideen sind vielfältig und es gilt diese nur noch auf die Anforderungen und die Zusammensetzung der Loge abzustimmen…

Aber denken wir einen Schritt weiter:

Können uns diese neuen Wege des Austausches und der Kommunikation nicht über die Corona-Zeiten hinaus unterstützen oder behilflich sein? Gerade wenn sie sich als so nützlich und unkompliziert herausgestellt haben?

Denken wir an Brüder und Schwestern, welche sich geschäftlich weit entfernt von ihrer Loge befinden, sei es temporär oder dauerhaft. Aber auch an diejenigen, welche durch eine Krankheit  das Haus nicht mehr verlassen können (oder möchten) oder in eine entferne Stadt verzogen sind. Über die modernen Möglichkeiten sollte es leicht umsetzbar sein, auch diese Mitglieder unserer Bauhütten, in einen Logenabend und einen Austausch einzubinden.

Stellen wir uns einmal vor, wie es wäre, einen Live-Stream aus den Logenhäusern direkt zu den entfernten Brüdern und Schwestern zu senden. Die Mitglieder aktiv einzubinden, statt sie auszugrenzen. Freimaurer/innen wieder zurück in die Kette zu führen, wenn auch nur virtuell.

Allerdings sollte dabei immer die Wahrung der Verschwiegenheit garantiert werden. Es bleibt also zu evaluieren, welchen Weg man hier guten Gewissens einschlagen kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen Brüdern und Schwestern einen regen virtuellen Austausch.

Bitte bleibt bis zu einem Wiedersehen und darüber hinaus gesund…!

Neue Dokumente des F.z.a.S. – Festschrift des Großlogentages 1922

Auf meiner Suche durch die Archive und Antiquariate sind mir wieder einmal ein paar interessante Dokumente in die Finger gekommen.

Dabei handelt es sich um die Originale Festschrift zum 15. Großlogentag des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne (F.z.a.S.). Ich möchte euch dieses Dokument natürlich nicht vorenthalten. Spannend ist dabei das Foto, welches der Schrift beigefügt ist. Hier könnt ihr einen Einblick bekommen auf die Redner. Deutlich kann man die Orientierung nach Frankreich erkenne, welche den Brüdern des F.z.a.S. nach dem ersten Weltkrieg das Brandmahl der Vaterlandverräter eingebracht hat. Dabei sollte es eigentlich nur die enge Verbundenheit zur Bruderkette zeigen.

FZAS Festschrift Grosslogentag Hamburg 1922

Zudem bekam ich von einem Händler aus Wien noch weitere 4 Ausgaben der Sonnenstrahlen von 1911.

Sonnenstrahlen 02_1911

Sonnenstrahlen 03_1911

Sonnenstrahlen 04_1911

Sonnenstrahlen 05_1911

Viel Spaß beim Lesen und Forschen…

 

Sie haben es wieder getan! – 2. Tempelarbeit „unter rauchigen Vorzeichen“ in Nürnberg! von Jürgen Reichhart

Ein Gastbeitag von Jürgen Reichart:

Seit dem ersten Treffen der Brüder Zigarrenraucher am Samstag, den 24. November 2018 in der „Casa del Puro“ in Nürnberg sind nun knapp eineinhalb Jahre ins Land gerau(s)cht. Mittlerweile hat es sieben Treffen gegeben; darunter zwei „Zigarren-TAs“, also Tempelarbeiten im Lehrlingsgrad, bereichert um den Genuss von Zigarren.

Über die letzte Zigarren-TA vom Samstag, den 8. Februar 2020 möchte ich heute, nicht ohne Stolz, berichten, auch wenn sich das für einen Freimaurer an sich nicht geziemt.

Während wir die erste Zigarren-TA noch in der „Casa“ abhalten konnten, mussten wir uns dieses Mal andere Räumlichkeiten suchen. In der „Casa“ war es bei der ersten Zigarren-TA schon ziemlich beengt. Nun ist es gar nicht so einfach, im „raucherfeindlichen“ Bayern eine entsprechende „Location“ zu finden. Unterschlupf fanden wir letztendlich in den Räumen des Whiskyclubs „The Most Venerable Order of the Highland Circle“ und der Schülerverbindung Absolvia! im FAC zu Nürnberg.

Auch dieses Mal war allen Beteiligten von Anfang an klar, dass wir uns wieder streng auf dem Boden regulärer Arbeit bewegen wollen.

An besagtem Samstag versammelten sich 13 Brüder aus acht Logen (aus den Orienten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Magdeburg(!)), um unter der Hammerführung von Br.: Jürgen Reichhart eine TA I nach dem Schröder-Ritual zu begehen. Da wir von der letzten Zigarren-TA wussten, dass der würdevolle Genuss einer Zigarre nicht als ritual-störend eingestuft werden kann, durfte natürlich auch während dieser TA hingebungs- und genussvoll geraucht werden.

Die besonders rauchige Stimmung während der TA wollen wir -aus bekannten Gründen der Deckung- auch dieses Mal nicht durch Fotos belegen. Wir können und wollen nur so viel aus der TA berichten: Mit der Zeit wurde die Sicht immer schlechter! Über die Stimmung nach der TA legen die Fotos wohl am besten Zeugnis ab.

Während und nach der Arbeit konnten wir wieder alle eindrucksvoll erleben, dass sich Brüder aus unterschiedlichen Logen und Lehrarten treffen und über Logengrenzen hinweg angeregt nicht nur über die Themen Freimaurerei und Zigarren austauschten. Vielleicht lag es ja auch an der wunderbaren Bewirtung mit fränkischem Bier und schottischen Whiskys. Wie auch immer, alle teilnehmenden Brüder waren sich einig, dass wir auch im Spätherbst dieses Jahres wieder rückfällig werden und dann unsere 3. Zigarren-TA begehen wollen.

Für uns steht jedenfalls fest: Der Genuss einer guten Zigarre, gepaart mit unserer wohl einmaligen und gepflegten Gesprächskultur, und das Ganze noch garniert mit einer TA ist eine wundervolle Bereicherung unseres Freimaurerdaseins. Nach unserem Erleben schmälert der Genuss einer Zigarre die Würde einer Tempelarbeit in keiner Weise. Im Gegenteil, er verschafft eine ganz besondere Atmosphäre und wirkt gerade dadurch sehr bereichernd.

Nachdem unsere Vermutung, die wohl die erste Tempelarbeit im Lehrlingsgrad mit rauchiger Unterstützung gefeiert zu haben, in der Ausgabe der „humanität“ Nr. 5, September/Oktober 2019, 45. Jahrgang, Seite 29, bisher unwidersprochen blieb, dürfen wir davon ausgehen, dass wir wohl derzeit (noch) die einzige Zigarren-TA in dieser Form im deutschsprachigen Raum durchführen.

Wer mehr über den FM-Zigarrentreff erfahren möchte, der meldet sich einfach bei Br. Jürgen Reichhart (juergen.reichhart@gmx.de oder +49 176 239 18 137) oder über die Homepage der Loge „Zu den Drei Pfeilen“: www.dreipfeile.de.

Jürgen Reichhart

Anbei ein paar Einblicke (alle Teilnehmer haben der Veröffentlichung zugestimmt)

Was mich an der modernen Freimaurerei nervt! – Eine Anmerkung

Ich möchte mich bei den Brüdern bedanken, die in sozialen Foren, per Telefon oder per E-Mail mit mir über das angesprochene Thema diskutiert haben.

Leider scheint es vielen Brüdern so zu gehen oder sie haben zumindest ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Rückmeldungen waren ausgesprochen viele. Vielen Dank auch für die kritischen Anmerkungen, ich nehme mir auch diese sehr zu Herzen.

Ich möchte persönlich dazu eine Anmerkung machen:

Leider wurde der Text aber auch missverstanden und mir wurde vorgeworfen, dass ich aus meiner eigenen Loge erzähle und somit das Gebot der Verschwiegenheit nicht einhalte. Diesen Vorwurf möchte ich abstreiten. Dies waren Erlebnisse und Feststellungen, die ich auf meinen Reisen durch die Freimaurerei beobachtet hatte. Dinge, die ich für unrecht empfinde. Lediglich das Zitat der „amtsgeilheit“ wurde mir nachgetragen und das auch nicht innerhalb der Loge. Das brdl. Gespräch hatte ich in diesem Fall jedoch zuerst gesucht.

Da jedoch der Text für so viel Aufruhr sorgte, habe ich mich entschlossen, den Text offline zu nehmen. Es sollte mit dem Text keine Unruhe gestiftet werden, sondern vielmehr offen ein paar ungelöste Probleme angesprochen werden. Einige haben sich persönlich angegriffen gefühlt was wiederum die Frage aufwirft: Warum? Habt ihr euch selbst wiedergefunden? So würde es mich freuen, wenn ihr über euer Handeln nachdenkt. Die Diskussion zeigte jedoch, dass dieses Ziel schon erreicht wurde…

Ich bedanke mich noch einmal für das kritische und auch das zusprechende Feedback.

Was mich an der modernen Freimaurerei nervt!

Amerkung:

Ich möchte mich bei den Brüdern bedanken, die in sozialen Foren, per Telefon oder per E-Mail mit mir über das angesprochene Thema diskutiert haben.

Leider scheint es vielen Brüdern so zu gehen oder sie haben zumindest ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Rückmeldungen waren ausgesprochen viele. Vielen Dank auch für die kritischen Anmerkungen, ich nehme mir auch diese sehr zu Herzen.

Ich möchte persönlich dazu eine Anmerkung machen:

Mir wurde vorgeworfen, dass ich aus meiner Loge erzähle und somit das Gebot der Verschwiegenheit nicht einhalte. Diesen Vorwurf möchte ich abstreiten. Dies waren Erlebnisse und Feststellungen, die ich auf meinen Reisen durch die Freimaurerei beobachtet hatte. Dinge, die ich für unrecht empfinde. Lediglich das Zitat der „amtsgeilheit“ wurde mir nachgetragen und das auch nicht innerhalb der Loge. Das brdl. Gespräch in diesem Fall hatte ich gesucht.

Einige haben sich angegriffen gefühlt und die Frage ist hierbei: Warum? Habt ihr euch selbst wiedergefunden? So würde es mich freuen, wenn ihr darüber nachdenkt. Die Diskussion zeigt jedoch, dass dieses Ziel schon erreicht wurde…

Zudem habe ich oft gelesen, dass es eine Tugend sei, diese Vorfälle hinzunehmen und darüberzustehen. Das kann man so sehen, das Recht hat jeder und es wäre sicherlich eine Tugend. Ich denke mir nur, dass wir nichts an unserem Stein und dem Verhalten ändern, wenn wir alles verschweigen, aber auch mein Stein ist nie perfekt und ich lerne weiter.

Ich bedanke mich noch einmal für das kritische und auch das zusprechende Feedback….

 

Was mich an der modernen Freimaurerei nervt!

 

„Habt ihr Angst vor der Freiheit, weil sie etwas verlangt?

Hat euch die Angst auf ewig zur Sklaverei verdammt?

Ihr verehrt die Kette, die euch täglich verführt

Und wollt andere noch ketten, damit auch ihr mal führt.“

(aus „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ von der Band „Die Apokalyptischen Reiter“ aus dem Album „Tief“)

Grundsätzlich spricht man im Zusammenhang mit der Freimaurerei von der Weltbruderkette, wobei man bitte die Schwestern nicht vergessen darf, und beschreibt damit die Einigkeit, welche diese Bruderschaft ausmachen sollte. Der Begriff „Bruder“ zeigt schon eine innige Verbindung der Mitglieder untereinander. Die Brüder helfen sich gegenseitig, respektieren und achten sich. Diese Kette der Brüder, soll die Welt umspannen, und wenn sie trotz zähester Metalle einmal bricht, sollte sie schnell wieder gefestigt werden.

Doch betrachten wir einmal die Realität genauer und lassen wir diese „Schönrednerei“ einmal beiseite. Lasst uns einmal Tacheles reden.

Der Kegelverein – „Vereinsgehabe“

In der modernen Freimaurerei kann es auch schlimmer zugehen, als in jedem Kegelverein. Hier kommt es gelegentlich dazu, dass Ämter innerhalb einer Loge unter der Hand vergeben und den anderen Brüdern dann am Wahltag, der Jahreshauptversammlung, präsentiert werden. Natürlich bleibt es hier und da nicht aus, dass nachträglich ein Protokoll angepasst wird, damit ein „altgedienter Bruder“ nicht ein „einfaches Amt“ bekommt.

Dass sich ein Amt seinen Träger sucht und nicht der Träger das Amt, scheint sich hierbei noch nicht weit verbreitet zu haben. Es gibt Brüder, die sich krampfhaft an ein Amt klammern, über mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte, damit sie mitsprechen können. Damit ketten sie die Brüder, damit sie (mit-) führen können. Es macht leider oftmals den Eindruck, dass hierbei persönliche Mängel an Selbstbewusstsein oder auch berufliche Grenzen überwunden werden sollen und man sich dann in der Loge profilieren möchte. Andere an die Kette zu nehmen ist wenig brüderlich, gerade wenn mit dieser Kette geführt werden soll.

Man hat mir persönlich mehrfach vorgeworfen, dass ich „amtsgeil“ sei. Doch nach wie vor weise ich diesen Vorwurf zurück. Ich bringe mich in die Loge ein, wenn ich helfen kann, aber nicht um ein Amt zu erfüllen oder mich „hochzuarbeiten“. Dies ist falsch und darauf lasse ich mich nicht reduzieren. Ich brenne für die Freimaurerei und das mit dem nötigen Stolz. Aber ich muss dabei kein Amt begleiten, wie es einige Brüder müssen, die meinen dies über mich zu sagen.

Dabei wurde mir auch Chauvinismus vorgeworfen. Wirft man einen Blick in Wikipedia, so findet man dort folgendes: „Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe. Chauvinismus im ursprünglichen Sinn ist ein häufig aggressiver Nationalismus, bei dem sich Angehörige einer Nation aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser gegenüber Menschen anderer Nationen überlegen fühlen und sie abwerten.“ Betrachtet man aber den „männlichen Chauvinismus“, so bezeichnet er „patriarchalisch geprägte bzw. sich so verhaltende Männer, die glauben, allein aufgrund ihres Geschlechts einen Überlegenheitsanspruch über Frauen herleiten zu können“. Auch hier muss ich grinsen, denn gerade ich setze mich für die Gleichberechtigung der Schwestern ein, welche die ewig gestrigen Freimaurer Brüder gerne ablehnen mit den Worten: „Freimaurerei war schon immer ein Männerbund, nur für Männer und das wird auch immer so sein. Amen!“. Ich muss daher wiederum auch diesen Vorwurf abweisen und kann nur den Kopf schütteln über diese Engstirnigkeit und den Mangel an „Sapere Aude“, der Nutzung des eigenen Verstandes.

Ein Amt abzugeben und sich wieder in die Reihen zu setzen ist keine Schwäche, sondern zeugt von einem freien Willen, sich zurückzunehmen und sich selbst nicht für zu wichtig zu halten. Es gibt viel Wichtigeres…

Dabei ist mir abschließend noch eines zu sagen: es klingt nun als ob alle Brüder so wären. Das jedoch möchte ich hiermit nicht sagen, weil es auch nicht so ist. Die überwiegende Mehrheit ist brüderlich und begegnet sich auf der Winkelwaage. Aber die wenigen Ausnahmen dürfen sich hier angesprochen fühlen.

Kleingeistigkeit

Was mich in den letzten Monaten auch immer mehr nervt, ist dieses „Hinter dem Rücken des Anderen“ reden. Da wird dem Meister vom Stuhl ein Screenshot gesendet mit den Worten „Hast du gelesen, was er hier wieder öffentlich geschrieben hat?“ Aber dann nicht den Schneid haben und zu mir persönlich zu kommen und zu reden, wie man das ja so als Bruder tun sollte. Das interessante dabei ist aber ein anderer Aspekt. Ich schreibe in Foren und sozialen Netzwerken nicht als Vertreter meiner Loge oder unter deren Namen, sondern als „René Schon“ – die private Person. Ich gebe MEINE Meinung wieder und diese dann innerhalb der Loge unter vorgehaltener Hand zu zeigen und zu diskutieren ist mehr als feige. Aber so ist halt die Brüderlichkeit oder doch eher Kleingeistigkeit? Ich möchte das nicht werten, noch beurteilen müssen.

Aber schließlich zählt doch die Arbeit am eigenen rauen Stein und leider möchten diese Brüder immer gern am Stein des anderen arbeiten. Dabei wäre es nötig, sich auf sich selbst zu konzentrieren und dort die Arbeiten weiterzuführen. Meister zu sein heißt nicht, dass die Arbeit am eigenen Ich abgeschlossen sei.

Begegnen auf der Winkelwaage – Nur in der Theorie

Wie sollen sich denn die Brüder untereinander begegnen? Die Antwort liefert uns das Ritual selbst. Die Brüder Freimaurer begegnen sich auf der Winkelwaage. Sie sind gleichberechtigt und sollten sich auch nach einem Streit, die Hand reichen und aufeinander zugehen können. Aber leider scheitert es hier zu oft am Anspruch und der Wirklichkeit. Der menschliche Aspekt darf nicht vergessen werden. Dieser zwischenmenschliche Umgang und damit in Stresssituationen die verletzten Egos der einzelnen Personen, macht es sehr schwer, aufeinander zuzugehen und sich wieder brüderlich zu begegnen. Auch hier müsste man dem einzelnen Bruder sagen: Arbeite noch etwas an deinem Stein. Aber das alleine wäre wieder ein „Arbeiten am Stein des Anderen“. Ein Dilemma!

Regulär oder irregulär – das ist hier die Frage

Eine weitere Diskussion, die uns Mauerer mehr trennt als man denkt, ist das leidige Thema der „Regularität“. Gerade in den sozialen Netzwerken und in den geheimen Foren werden Diskussionen geführt, WANN ein Bruder als „regulärer Freimaurer“ gilt und wann nicht. Vor allem von Brüdern der Großen Landesloge, dem Freimaurer Orden, kommt gerne und oft hierbei wieder auf, dass Schwestern doch „niemals regulär sein können“. Die Begründung ist mit dem bereits erwähnten „Männerbund“ schnell gefunden. Doch werden hier nicht die kulturellen und zeitlichen Umstände betrachtet, in denen die Freimaurerei in ihrer heutigen Form entstanden ist. Man muss die zeitgemäße Entwicklung betrachten, die auch bei uns Freimaurern nicht Halt macht. Man mag es kaum glauben!

Natürlich müsste man gerade für diese Brüder erwähnen, dass der Gründer der VGLvD (Vereinigten Großlogen von Deutschland), Br. Theodor Vogel maßgeblich daran beteiligt war, dass die Großloge der Freimaurerinnen gegründet werden konnte.

Aber nicht nur die Frauen sind im Fokus der Kritiker. Auch die Brüder unterschiedlicher Großlogen untereinander scheinen vergessen zu haben, was Brüderlichkeit ist. Hier wird gerne mal die Vorgabe der UGLoE nach einem „supreme Being“ so ausgelegt, dass es eine, wie auch immer geartete Gottheit sein muss, an die wir Freimaurer glauben (müssen). Sie schließen dabei Natur, ihre Gesetze und alles was dazu gehört, ja, sogar die 5. der großen Wissenschaften, an welche die Freimaurer „glauben“, nämlich die Mathematik, aus. Das viel zu oft gesehene „G“ muss dann für „Gott“ stehen und niemals für „Geometrie“. Daher werden Brüder ausgegrenzt, die sich bewusst gegen eine Gottheit entschlossen haben und Atheisten sind. Diesen Brüdern wird dann aber auch im gleichen Atemzug eine ethische und moralische Wertvorstellung aberkannt, weil diese ja nur „durch Religion und Glauben“ entstanden sein kann. Das es aber Menschen gibt, die eine ethische und moralische Vorstellung haben OHNE einen Glauben oder einen Gott, ja, liebe Brüder, sowas kann es geben. Schon lange ist es überfällig, dass in ethischen Kommissionen auch Vertreter ohne religiösen Hintergrund einen Platz bekommen. Die Anzahl der Nicht-Gläubigen steigt und steigt. Auch im Kreise der modernen Freimaurerei. Und diese Brüder bekennen sich zu den 5 Idealen der Freimaurerei. Und können somit niemals irregulär sein. Sie füllen die Sinnbilder der Maurerei auf ihre Weise.

Ersatzreligion

Freimaurerei war und ist nie eine Ersatzreligion gewesen, auch wenn einige Brüder dies gern anders sehen. Sie war schon seit je her ein ethischer (Männer-)Bund, mit gemeinsamen Werten und Zielen. Daher müssen wir auch diesen Bund vor den Strömungen geistiger Religionen bewahren und für alle Menschen offenhalten. Wir müssen weg, von dem Ausgrenzen von Menschen und Brüdern durch die Zugehörigkeit oder den Glauben an eine bestimmte Religion, denn gerade dies würde nicht für einen brüderlichen und toleranten Umgang zeugen. Suchende suchen das Licht, das Wissen und die Erkenntnis und nicht nach einem Gott, den sie in einer der anderen großen Weltreligionen finden.

Fazit

Ich bin ein Freund der offenen und ehrlichen Worte. Aber ich bin diese Vorurteile leid. Diese Anfeindungen und offene Kritik am anderen Bruder. Das andauernde sich anhören müssen, man „sei amtsgeil“, weil man sich für seine Loge einsetzt, weil man Spaß an der Freimaurerei hat. Aber auch die Anfeindungen in den Foren und Netzwerken von Brüdern, die es nicht mal persönlich sagen können, auch wenn man es ihnen immer und immer wieder anbietet. Sich auf der Winkelwaage begegnen darf nicht nur eine leere Worthülse sein, nein, es muss der Wahrheit entsprechen und von Herzen kommen. Erst dann kann man sich die Hand reichen und eine echte Kette bilden. Und zwar eine, die verbindet und nicht zum Führen gedacht ist…

Daher zum Abschluss an meine Brüder im Geiste ein paar Worte:

„Ich heb‘ das Glas auf das, was werde, Auf Euch und die Sterne.

Auf das, was ihr in Haut und Herzen tragt.

Auf den Freund in der Ferne, auf dich und die Sterne!

Auf das, was ihr in Haut und Herzen tragt.

Auf die Freundschaft!“

(aus „Auf die Freundschaft“ aus dem Album „Momenteo“ von den „Böhse Onkelz“)

Burnout – ein Versagen als Meister? – Ein paar Gedanken

Eigentlich sollte uns Freimaurer der 24-zöllige Maßstab ein Sinnbild sein für die sinnvolle Einteilung der Zeit. Die 24 Stunden des Tages sollten effektiv eingeteilt werden.

6h für die Arbeit, 6h für den Schlaf, 6h um Freunden und den Brüdern zu dienen und soziale Kontakte zu pflegen, sowie 6h für eine gewisse Spiritualität, also geistige Arbeit. Ich hatte mich bereits in einem früheren Blogeintrag damit ausführlich beschäftigt.

Was ist allerdings, wenn dieses Verhältnis ungleich verschoben wurde? Wenn wir einen bestimmten Teil nicht erfüllen und sogar, schlimmstenfalls vernachlässigen? Wenn die Zeiten in einem nicht ausgewogenen Verhältnis verschoben sind? Wenn das Ungleichgewicht gleichwohl erdrückend wirkt und nicht regenerierend?

Ein Versatz der Aufteilung kommt in den meisten Fällen vor. Alleine 6h Arbeit wären schon sehr von Vorteil, allerdings wird dies kaum ein Arbeitgeber umsetzen, zumindest nicht bei Vollzeit. Esoterik und Spiritualität mögen ebenso bei dem Einen oder Anderen weniger stark ausgeprägt sein als die geforderten 6h.

Wenn allerdings die 6h für die Arbeit auf Kosten der sozialen Kontakte leiden, dann kann dies nicht sinnführend sein. Der Lehrling sollte dies bereits lernen und mit dem 24-zölligen Maßstab umzugehen wissen. Der Blick nach innen, auf sich selbst gerichtet, mit der Arbeit am eigenen rauen Stein, sollte das Ziel des Lehrlings sein. Der Geselle und vor allem der Meister sollten dies ebenso beherrschen können und mit der Einteilung ihrer Zeit erfahren sein. Aber hat der Meister dann versagt, wenn er dies nicht kann? Wenn er mit dem Maßstab nicht umgehen kann? Sollte der Meister dann sprichwörtlich „noch einmal über Los ziehen“ (wie es bei Monopoly die Rede ist) und wieder von vorn beginnen?

Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit, scheinen oftmals eine sinnvolle Zeiteinteilung zu sein, ohne dabei zu beachten, wem man mit diesem egoistischen Verhalten eigentlich schadet. Natürlich muss man arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, auch wenn man sie nicht gern macht, aber wenn man die Arbeit allem anderen vorzieht, ist dies eine gefährliche Entwicklung.

Zum einen ist man da selbst das größte Problem. Man steigert sich in die Arbeit hinein und kommt dem Burn-Out sehr nahe, oder hat es bereits, ohne dass man selbst dies merkt. Alleine kommt man dann aus diesem Teufelskreis nicht mehr hinaus. Viel schlimmer ist jedoch, wenn man dabei Menschen verletzt, die einem sehr nahestehen oder die man sehr liebt, denn gerade diese Menschen haben das niemals verdient. Leider überhört man deren Bedürfnisse oder stuft ihr Leid als nicht so gravierend ein.

Dann plötzlich, wird die Reisleine gezogen (sei es, dass der Körper aufgibt, oder dass man von außen darauf angesprochen wird) und man wird sich bewusst, wie groß der Trümmerhaufen ist, den man sich selbst geschaffen hat.

Zeit fälschlicherweise zu viel in Arbeit investiert und/oder dazu noch in diversen Freimaurer Vereinigungen und mehreren Logen aktiv gewesen? Also Zeit investiert in die Bruderkette auf Kosten der Familie? Liebe Brüder und Schwestern, sowas darf und sollte nicht sein. Natürlich mag der ein oder andere nun anmerken, dass auch die Brüder eine Familie sind. Aber die EIGENE Familie zu vernachlässigen ist das Schlimmste, was man tun kann.

Schwerer ist es dann, diesen Missstand einzugestehen und aus der Welt zu schaffen. Das anzugehen erfordert viel Hilfe von außen (alleine um dies einzusehen und sich aus dem Teufelskreis zu befreien) und den Willen / die Kraft für nach Veränderung.

Der Freimaurer sollte in der Lage sein, sich selbst zu reflektieren und seine Fehler zu erkennen. Wenn dies nicht allein geschehen kann, so hat er seine Brüder an der Seite, die ihn sicherlich helfen. Diese können ihm dann auch die brüderliche Hand reichen, um den Bruder wieder zurück auf den rechten Weg zu bringen.

Die Arbeit an einem Selbst steht immer im Vordergrund. Die Ecken und Kanten sind identifiziert worden und können nun angegangen werden. Die Dellen glätten und die Kanten schleifen, denn diese Arbeit sollte auch nach der Zeit als Lehrling nie abgeschlossen sein.

Zurück auf Los also…und dabei sich bewusst werden, dass der Meister auch immer ein Lehrling bleibt. Immer….

Who are you – Wer bist du?

Dem Suchenden wird während seiner Aufnahme vermittelt, dass es als Lehrling darum geht, an dem eigenen rauen Stein zu arbeiten, sich selbst zu erkennen, sich seiner Stärken und Schwächen bewusstwerden und infolge an ihnen zu arbeiten. Diese Arbeit am „eigenen Ich“, am Innersten, auf dem Weg zur Vervollkommnung dieses Ichs, dauert die Lehrlingszeit über an und, wenn wir zu uns selbst ehrlich sind, ist sie nie wirklich ganz abgeschlossen. Der erfahrene Meister kann immer noch ein Lehrling sein. Wir arbeiten stetig weiter an unserem rauen Stein, damit dieser in dem angestrebten „Tempel der Humanität“ einen Platz findet.

Doch wenn wir die Aufgabe, welche dem Lehrling gestellt wird, genau betrachten, dann müssen wir dabei feststellen, dass eine wichtige Voraussetzung hierfür nicht gegeben ist.

Wenn wir an unseren Ecken und Kanten, ja an unseren Stärken und Schwächen arbeiten sollen, so muss die ERSTE Aufgabe des Lehrlings doch heißen, dass er/sie erkennt, wer er/sie selbst ist!

Wer bist du? Wer bist du selbst und was macht dich aus?

Stellt man sich also diese Frage und versucht sie zu erörtern, so erkennt man sehr schnell, dass dies kaum möglich ist. Die Betrachtung des inneren Selbst und dem „wer wir sind“ ist immer eine Momentaufnahme.

Wir entwickeln uns stetig weiter. Definieren uns über das Tun und Handeln in der Gesellschaft und unseren Verstand. Äußere Einflüsse und Umstände prägen uns und können sogar unser Denken und Handeln beeinflussen/bestimmen. Sei es durch andere Menschen, die uns begegnen, sei es aber auch durch Medien, Nachrichten, Meinungen, welche diese Prägung abrunden können. Zudem darf man den sozialen Hintergrund dabei nicht außer Acht lassen, sowie die Erziehung im Kindes- und Jugendalter. Wenn wir nun weiterdenken, so müssen wir zu dem Schluss kommen, dass jegliche Überlegungen zu der Frage „Wer bin ich und was macht mich aus?“ nicht sinnstiftend in der Momentaufnahme alleine zu sehen ist, sondern vor allem rückblickend auf das bisherige Leben.

Folglich müssen wir uns fragen:

„Wie wurde ich zu dem, der ich bin? Bin ich der Mensch, der ich sein will? Und wenn nicht, wie werde ich zu diesem Menschen?“

Der Suchende, der Lehrling, der Geselle und der Meister, in allen Graden soll nie vergessen, wo er herkommt und wer er ist, was einen geprägt und erzogen hat.

Wenn diese „Selbst-Analyse“ erfolgreich abgeschlossen ist, erkennt man, warum man der Mensch ist, der man ist. Danach kann man sich die Frage erneut stellen, ob man der Mensch wurde, der man schon immer sein wollte. Lebt man einen Traum, oder träumt man sein Leben?

Leider wird einem Freimaurer erst im Meistergrad offenbart, wie endlich das Leben sein kann. Das Memento Mori, die Endlichkeit seiner eigenen Existenz. Wird man sich schließlich der Endlichkeit seines Lebens bewusst, so sollte man die Frage nach dem „Bin ich der Mensch, der ich sein will?“ unmittelbar stellen. Erkennen wer man ist, definieren wo man hinmöchte und welche Ziele man erreichen möchte. Als Produkt dieser Analyse werden sicherlich auch die eigenen Stärken und Schwächen offenbart, die Ecken und Kanten, die Dellen und die Löcher…und mit dieser Erkenntnis kann die junge Maurerin oder der junge Maurer beginnen an sich zu arbeiten und sich zu entwickeln. Denn wenn man sich erkannt, die überflüssigen Ecken definiert hat (an denen gearbeitet werden muss), dann kann man die Umsetzung angehen und schlussendlich zu dem Menschen werden, der man sein möchte, auch wenn dies ein schwerer Weg sein kann.

Das entscheidende dabei ist aber die Erkenntnis, dass dieser Prozess ein stetiger Prozess ist, der nicht abgeschlossen wird. Wir arbeiten an uns, definieren und erfinden uns regelmäßig neu. Wir legen Maßstäbe und die Winkelwaage an und korrigieren uns. Justieren uns neu!

Somit müssen wir zusammenfassend sagen, dass die Arbeit am rauen Stein, am eigenen Ich, ein stetiger Prozess der Selbstanalyse ist, indem wir uns immer wieder reflektieren sollten (oder von anderen reflektieren lassen und das willkommen aufnehmen und prüfen).

Fazit

Bleibt abschließend die Frage offen, ob ich selbst der Mensch bin, der ich sein wollte oder der ich sein will. Leider muss ich ehrlich zu mir sein und diese Frage verneinen. Ich habe oftmals meinen 24-zölligen Maßstab der Zeiteinteilung falsch angesetzt und dadurch vieles vernachlässigt, was ich nie hätte tun sollen. Auch habe ich meine Winkelwaage falsch angesetzt und Menschen in meinem Umfeld weh getan. Geduld ist nach wie vor nicht meine Meistertugend…

Immerhin habe ich das alles bei der Selbstreflektion erkannt und kann daran arbeiten, auch wenn sich einiges nicht mehr rückgängig machen lässt.

Aber ich arbeite weiter an meinem rauen Stein und schlage weiter auf meine Ecken und Kanten ein. Weiter immer weiter…Und ich setze mir dabei immer neue Ziele: Das Ziel, der zu sein, der ich sein will!

Komm auf die gute Seite – Von der Problematik „Gut und Böse“

Vor kurzem habe ich in Facebook die Überschrift einer Diskussion gelesen mit dem seltsamen Titel: „Es ist noch Zeit sich zur guten Seite zu bekennen!“.

Mit den einleitenden Worten der Diskussion war sicherlich ein Bezug auf einen christlichen Hintergrund gemeint. Zumindest ist es in diesem Zusammenhang in Facebook erschienen. Jedoch würde die Aussage sich „zur guten Seite“ zu bekennen nur einen Sinn machen, wenn wir die gute und ebenso die böse Seite definieren. Doch wer kann dies schon?

Dieser Einstieg würde einer Diskussion über Gut und Böse gleichkommen. Dazu muss man allerdings erkennen, dass dieses Gespräch sehr stark abhängig ist vom persönlichen Empfinden und der eigenen Perspektive. Kultureller Hintergrund, die eigene Erziehung, als auch die Bildung sind hier ausschlaggebend.

Definition von Gut und Böse

Menschen mit einem gläubigen Hintergrund würden sicherlich ihren Gott als das symbolisierte Gute betrachten. Doch gehen wir einen Schritt weiter und würden einen Satanisten fragen, so würde dieser die vorherige Aussage negieren und Satan als sein Gutes definieren. Wiederum würde ein Atheist gänzlich von dieser Diskussion um das symbolisierte Gute ausgeschlossen werden, da er ja keinen religiösen Bezug hat, um diese Frage anzugehen. Daher würde er dies eher auf einem ethischen Weg versuchen und z.B. Organisationen, welche sich für humanitäre Projekte einsetzen, per se als „Gut“ definieren oder ähnliches. Hingegen wären destruktive Kräfte oder/und Gruppierungen eher „Das Böse“. Wenn wir nun erneut einen Schritt weiter gehen, so stellen wir fest, dass auch Dinge, Gegenstände, Ereignisse oder sogar nur Zustände eines Elementes als gut oder böse definiert werden können.

Beispiel für die zwei Seiten der Medaille

Nehmen wir das Element Wasser einmal als Beispiel. Es kann in einer unwirklichen Umgebung wie einer Wüste das Leben retten, aber eben auch bei einer Sintflut Leben zerstören. Ein Aggregatszustand des Wassers, nämlich Dampf, kann in einem Dampfbad entspannend wirken, jedoch bei zu heißem Dampf Verbrennungen verursachen.

Selbst Feuer kann ganze Gegenden zerstören, aber ebenso Wärme spenden in der kältesten Nacht.

Strom kann in unserer modernen Welt dafür sorgen, dass sie für alle bequem ist. Sei es, dass die Elektrizität Autos antreiben kann, oder auch jedes beliebige andere technische Gerät. Jedoch angebracht an einen elektrischen Stuhl, kann dieser tödlich sein. Das mag nun ein krasses Beispiel sein, zeigt jedoch deutlich die zwei Seiten auf.

Eine simple Scheibe Brot kann für den einen ein lebensrettendes Gut sein, für den anderen jedoch kaum eine Beachtung wert.

Man stellt schnell fest, dass man diese Liste beliebig weiterführen kann. Jedoch kann man anhand dieser einfachen Beispiele schnell sehen, dass ein gleicher Sachverhalt oder ein gleiches „Ding“ aus unterschiedlichen Perspektiven mal gut und auch mal böse sein kann. Somit kann dies also keine eindeutige Eigenschaft des Objektes sein.

Zurückkommend zur Aussage über die „Gute Seite“ bleibt somit die Frage offen, wer diese definiert und festlegt. Dazu kommt noch ganz entscheidend der Punkt: Unterliegt diese Festlegung dem Wandel der Zeit?

Sind nicht die guten Wertvorstellungen, die guten Aspekte in den christlichen Werten langsam übergegangen zu Wissenschaft und Gottlosigkeit? Haben Menschen aufgrund der letzten Skandale innerhalb der Kirche (Kindesmissbrauch, Vergewaltigung von Nonnen und Unterdrückung von Frauen, etc.) nicht der vermeintlich „guten Seite“ den Rücken gekehrt und sich neu ausgerichtet (was „das Gute“ angeht)?

Definition von Gut und Böse

Die Definition von Gut und Böse ist so unterschiedlich, dass sicherlich jeder Mensch im Detail eine persönliche Auslegung und Definition hat.

Warum sollte ich also auf eine Seite wechseln, wenn ich nicht mal weiß, wie mein Gegenüber diese definiert hat? Vielleicht bin ich ja schon auf meiner richtigen, meiner guten Seite angekommen? Und was ist, wenn sich diese Seiten nicht klar definieren lassen, wenn die Grenzen fließend sind? Wenn es eben zwischen dem Weiß und Schwarz auch noch viele Töne an Grau gibt?

Sucht euch eure „Gute Seite“ und definiert sie für euch selbst! Und lasst euch nicht einreden, auf eine Seite zu wechseln, die ihr nicht wollt. Seid wie ihr sein wollt…

 

Glücklich sein oder doch lieber zufrieden? Ein Essay über das Streben nach Glück und Zufriedenheit

„Bist du für deine Arbeit bezahlt worden? – Ich bin zufrieden!“

Diesen Dialog werden viele Brüder kennen, die regelmäßig an den Arbeiten ihrer Loge teilnehmen. Der Aufseher beantwortet dem Meister die Frage nach seiner Bezahlung mit den Worten „zufrieden“.

Aber gerade in unserer heutigen Zeit streben die Menschen eher nach Glück und dem Gefühl glücklich zu sein. Hollywood lebt es uns vor, happy endings und andauerndes Glücksgefühl. Man wünscht sich gegenseitig Glück und Menschen erleben den „glücklichsten Tag ihres Lebens“ während ihrer Hochzeit. Selbst in den Comics (Donald Duck und Gustav Gans) wird uns schon das Streben nach dem Glück vorgelebt.

Trotzdem wirken viele Menschen unzufrieden. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass Glück und Zufriedenheit sind nicht dasselbe sind!

Über Glück

Glück und glücklich sein ist eher ein flüchtiges Gefühl. Ein kurzfristiger Zustand, ein Hochgefühl. Natürlich freut es uns, wenn wir dieses Gefühl erleben, es durchdringt uns wie eine Droge und lässt uns hoch fühlen.

Über das Glück oder das Streben danach gibt es in der Literatur unzählige Bücher, es gibt Filme und ebenso häufig wird Glück in Liedern und Gedichten zum Gegenstand gemacht. Es gibt Kurse, in denen einem beigebracht werden soll, wie man das Glück findet, es gibt Ratgeber und auch Reisen ins Glück.

Scheinbar sucht jeder Mensch danach und wird oftmals nicht fündig.  Es scheint so schwierig zu sein, das Glück zu finden. Fast schon schlimmer als Gold zu schürfen. Aber vielleicht ist auch Glück das falsche Ziel, nachdem alle Welt sucht. Muss man denn immer und überall glücklich sein? Ist Glück etwas Unerreichbares geworden? Und setzen wir uns nicht viel zu sehr unter Druck, es erreichen zu müssen?

„Ich bin zufrieden“

Diese drei kleinen Worte sagen schon alles aus. Man ist mit dem was man hat, was man erreicht hat und besitzt zufrieden und ausgeglichen

Zwar wird einem das „glückliche Leben“ oft und fast schon überall angepriesen, aber wir setzen uns damit schon selbst unter Druck. Wir wollen mithalten, mit den anderen Menschen auf der gleichen Erfolgswelle schwimmen, und versteifen uns oft bei der Suche nach dem Glück. Sollten wir nicht „glücklich sein“ so setzen wir uns selbst einem gewissen Stress aus und setzen uns unter Druck. Doch dieser kann wenig gesundheitsfördernd sein. Dass aber diese krampfhafte Suche nach dem Glück nicht zufriedenstellend ist, versteht sich von selbst. Doch wir Menschen könnten so viel ausgeglichener werden, wenn wir die Ziele und Vorstellungen neu überdenken.

Das Ziel – die Zufriedenheit

Das eigentliche Ziel, wonach wir alle streben klingt vom Wortlaut eher wenig erstrebenswert. Zufriedenheit oder zufrieden sein.

Wir wollen immer höher hinaus, immer noch etwas Besseres, immer noch mehr. Dabei mag man zwischenzeitig durchaus glücklich sein. Momente des Glücks gibt es immer wieder in unserem Alltag. Doch etwas anderes bleibt dabei völlig auf der Strecke: Die Zufriedenheit.

Sichtweise der Zufriedenheit

Nicht immer sehen wir Menschen die Zufriedenheit oder vielmehr das Gefühl des „zufrieden seins“ aus dem gleichen Blickwinkel. Abhängig von den Lebensumständen kann das gleiche Ereignis unterschiedlich betrachtet werden.

Wir leben in einem der reichsten Länder dieser Welt, haben eine hohe Kaufkraft und können uns materielle Wünsche oftmals leicht erfüllen. Auf die mehrfach vor Geburtstagen oder Festen gestellte Frage: „Was wünscht du dir?“, wird oftmals nur ein kurzes „Nichts“ geantwortet. Und obwohl wir uns fast alles kaufen können, was unser Herz begehrt (je nach dem eigenen Budget), jagen wir dem Glück immer und immer weiter hinterher.

Aber betrachten wir einmal eine simple Scheibe Brot. Für einen hungernden Menschen mag diese Scheibe schon einen persönlichen Glücksmoment darstellen und für uns wahrscheinlich nicht mal ein Gefühl der Zufriedenheit. Oder auch der Faktor Gesundheit kann unterschiedlich betrachtet werden. Wir gehen zum Arzt, haben eine Krankenversicherung und können ohne uns zu Verschulden ärztlich behandelt werden. In Ländern der 3. Welt sterben heute noch Menschen an für uns scheinbare Kleinigkeiten wie Tuberkulose und Malaria. Selbst ein Arm- oder Beinbruch ist für uns wenig existenzbedrohend. Wir streben nach den neuesten Mobiltelefonen, neuesten Autos und andere Menschen würden sich mehr als „glücklich“ fühlen, überhaut eines zu besitzen.

Glück und Zufriedenheit scheinen unterschiedlich bewertet zu werden, je nachdem wo man her ist und welche Möglichkeiten man hat.

World Happiness Report

Eigentlich müssten wir doch sehr viel zufriedener sein, denn kaum ein Wunsch bleibt uns verschlossen. Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt.

Dennoch ist Deutschland im “World Happiness Report 2018” der UNO (http://worldhappiness.report/) (https://s3.amazonaws.com/happiness-report/2018/WHR_web.pdf) nur auf Platz 15 hinter weiteren europäischen Ländern wie die Niederlande, der Schweiz oder auch Finnland, welches sich auf Platz 1 befindet. Betrachtet man die Entwicklung über die letzten Jahre, so muss man doch feststellen, dass wir Deutschen uns von Platz 26 stetig nach oben gearbeitet haben.

Hierbei werden verschiedenste Faktoren aufgenommen, betrachtet und ausgewertet. Schwerpunkt liegt dabei auf:

  • Der Bewertung des eigenen Lebens
  • Dem Vorhandensein positiver Emotionen (Freude, Stolz)
  • Dem Vorhandensein negativer Emotionen (Schmerz, Zorn, Sorgen)

Bemerkenswert ist jedoch das Ranking der Länder unmittelbar um unseren Platz 15. Israel, ein Land, welches gezeichnet ist von Anschlägen, Terrorismus und Kriegen, steht dennoch auf Platz 11.

Selbst unsere Nachbarn wie die Schweiz (auf Platz 5) oder Österreich (Platz 12), von denen wir immer annehmen, dass wir so viel gemeinsam haben, liegen (deutlich) vor uns in der Bewertung. Doch was unterscheidet uns denn so sehr von unseren Nachbarn? Uns Deutschen wird immer die Tugend angedichtet, dass wir strebsam sind und in der Arbeitswelt klare Ziele und Regeln haben. Aber setzen wir uns damit nicht schon zu sehr selbst unter Druck? Oder engen wir uns womöglich sogar ein? Streben wir nach dem Erfolg, und zwar vermehrt nach dem finanziellen und materiellen Erfolg, und lassen wir dabei leider auch Wichtiges für uns selbst, für uns als Mensch, auf dem Weg liegen? Warum kann ein Land wie Israel vor uns Deutschen liegen? Natürlich sollten wir uns selbst nicht für zu wichtig nehmen, aber der Vergleich zeigt dennoch, dass wir hier ein Defizit im Empfinden unserer Mitmenschen haben. Wohlstand allein scheint es nicht zu sein.

Das Streben nach „Mehr“

Wir Menschen haben den Drang nach „Mehr“ zu streben. Mehr materielle Dinge (nicht nur Geld), mehr Erfolg, mehr Anerkennung und auch mehr Glück. Aber das verbindet uns auch mit einem Mehr an Leistung und Investition.

Das Streben nach Glück führt dazu, dass es uns immer schwerer fällt, zufrieden zu sein. Wohlstand macht uns nicht glücklich, weil wir nie völlig zufrieden sind. Immer wollen wir etwas Besseres oder höhere Ziele erreichen. Schon seit dem Kindesalter werden wir zu Konsumenten erzogen. Wir nutzen Produkte nicht bis wir sie aufgebraucht haben oder sie beschädigt sind, sondern oftmals nur, bis ein neues Modell auf dem Markt ist. Die „guten alten Dinge“ suchen wir in kleinen Manufakturen und müssen oftmals neu lernen, den Wert der Dinge zu schätzen. Wir lernen neu, uns gegen die Wegwerfgesellschaft zu stellen und Dinge wertzuschätzen, ja mit ihnen zufrieden zu sein.

Aber diese Entwicklung geht noch deutlich weiter, es beschränkt sich nicht nur auf Konsumgüter. Die Kommunikationsmöglichkeiten, Plattformen und Börsen im Internet machen es möglich, sich die Frage zu stellen, ob es „nicht noch irgendwo einen Partner oder eine Partnerin gibt, die besser zu mir passt als die/der Jetzige. Macht mich ein anderer Mensch noch glücklicher als der Jetzige?“ Dabei setzen wir weniger auf langfristige Bindungen und Ehe, als auf kurzfristigere Beziehungen. Plattformen für Casual Dating boomen und gelten inzwischen als gesellschaftlich anerkannt. Immer mehr Singles leben in Deutschland, anstatt Pärchen. Wir haben es in den letzten Jahren daher vermehrt verlernt, an Beziehungen zu arbeiten und die Liebe über längere Zeiträume zu retten. Vielmehr suchen wir auch hier die glücklichen Momente der ersten Tage, das bekannte „Kribbeln oder Schmetterlinge im Bauch“ und wollen die rosa Brille nicht ablegen. Aber was wir gern ablegen ist der Mensch, der uns begleitet hat und arbeiten zu wenig an Beziehungen. Ja, es ist sehr schwer, das Gefühl, die Flamme am Brennen zu halten, aber wenn man sich bemüht und auf das eigentliche Ziel besinnt, dann lebt man gern und gut in einer harmonischen oder zufriedenen Beziehung.

Glück gegen Zufriedenheit

Glück ist eben nicht das gleiche wie Zufriedenheit. Oftmals stehen sie sich sogar gegenseitig im Wege. Die andauernde Suche nach dem Glück, nach dem Besseren und dem „Mehr-Haben“, diese innere Unruhe verhindert ein gewisses Maß an Ruhe und Ausgeglichenheit.

Doch muss man sich auch die Frage stellen, wann man denn eigentlich „zufrieden“ ist. Und wenn man unglücklich ist, ist man dann auch unzufrieden?

Ein glücklicher Zustand ist eine sehr kurze Momentaufnahme, zeitlich begrenzt und in einer bestimmten Situation. Die Momente können unterschiedlicher nicht sein und sind so individuell wie wir Menschen selbst. Für den Einen ist es das absolute Glücksgefühl, einen geliebten Menschen zu sehen, eine andere Person erfreut sich am wunderschönen Sonnenuntergang und eine weitere Person empfindet schon Glücksgefühle beim Essen einer leckeren Speise. Oder aber die Verleihung eines Preises oder einer Auszeichnung, der Sieg bei einem Wettkampf, die Geburt des Kindes, usw. usw.

Was wir aber bei all den Beispielen feststellen (die Liste lässt sich beliebig erweitern) ist die Tatsache, dass sie zeitlich begrenzt sind und wieder vorbei gehen. Der Moment macht uns glücklich, ist jedoch nicht von Dauer. Natürlich ist der eine Moment länger als ein anderer, aber alle haben ein Ende. Dabei muss man sich gar nicht kontinuierlich glücklich fühlen, wenn man zufrieden ist.

Betrachten wir jedoch die Zufriedenheit, so sieht es hier anders aus. Der Mensch ist innerlich ausgeglichen. Man möchte schon fast sagen, dass er in sich selbst ruht. Man strebt nicht nach weiterem, man ist mit dem einverstanden, was man hat und was mit einem passiert. Die Umstände werden akzeptiert und nicht hinterfragt. „Man findet sich ab“ und akzeptiert die Umstände und Situationen.

Aber wie geht man mit dem Unglücklich sein um?

Traurig und unglücklich sein

Glücklicherweise (ahhh, ein Wortspiel) ist ebenso wie das Glück auch das unglücklich sein zeitlich begrenzt. Dass dies so der Fall ist, ist vor allem für die menschliche Psyche unabdingbar. Es können Emotionen auftreten, die uns Menschen zerbrechen lassen, wie den Verlust eines geliebten Menschen. Man darf diese negativen Emotionen nicht verdrängen, sondern sollte sie zulassen und sie aufarbeiten, um dann letztendlich damit abschließen zu können. Wie lange solch ein Prozess andauert, hängt vor allem von der physischen und psychischen Verfassung des einzelnen Individuums ab. Wir Menschen können native Ereignisse und Emotionen nicht vermeiden. Sie passieren einfach und treffen uns oftmals unvorbereitet. Aber wir müssen eben lernen, damit umzugehen und damit zu leben, um unser eigenes Wohlbefinden nicht aus dem Auge zu verlieren.

Zum Heilungsprozess und Prozess der Aufarbeitung gehört das Zulassen von Schmerzen, von Trauern und auch das Zulassen des Weinens. Was man jedoch nicht vergessen sollte ist, dass man sich nicht in der Trauer verliert, denn sonst kann sie sehr schnell zu einer Unzufriedenheit werden und damit die Psyche dauerhaft beschädigen.

Man muss es zulassen, dass man auch einmal schlechte Tage hat, denn diese lassen sich nicht vermeiden und wir können auch nicht immer nur gut drauf sein. Den schlechten Tag zulassen, sich evtl. daheim einkuscheln oder weinen. Der ein oder andere mag ggf. in den Wald gehen und alles laut herausschreien. Oder sich im Sport (oder was einen sonst ablenkt) ereifern. Wie diese Stressbewältigung und damit die Zurückführung zu einem „zufriedenen Zustand“ gelingt, muss jeder für sich selbst herausfinden, auch wenn dies ggf. eine aufwändige Reise in das eigene Ich bedeutet. Aber eines haben diese trüben Momente gemeinsam: sie gehen vorbei! Und sie sagen vor allem nichts darüber aus, wie zufrieden Du mit Dir und Deinem Leben selbst bist, noch wie lebenswert es ist.

Wonach streben wir also?

Nach einem Gefühl der inneren Zufriedenheit! Punkt und kurz gesagt. Wir müssen uns das Ziel setzen, einen dauerhaften Zustand zu erreichen und nicht immer dem „Mehr“ hinterherzujagen und dabei andere wichtige Dinge in unserem Leben zu vernachlässigen. Wie aber lernen wir, wieder zufriedener zu sein? Das Gefühl der Zufriedenheit ist ein inneres Gefühl und muss von einem selbst kommen. Hier kommt einem wieder die Arbeit am rauen Stein in den Sinn und die Werkzeuge, die einem die Freimaurerei in die Hand legt. Man muss an sich arbeiten und vor allem lernen, sich so zu akzeptieren, wie man ist. Man muss seine Ecken und Kanten erkennen, seine Stärken und Schwächen und lernen an und mit ihnen zu arbeiten. Nicht jede Kante muss abgeschlagen werden.

Sich selbst wertzuschätzen und das, was man hat und vor allem erreicht hat, helfen einem sehr, zufrieden zu sein. Nicht neidisch auf den anderen neben uns zu sein. Ziele muss man jedoch haben, aber das innere Gefühl des „Ich bin mit mir und meinem Leben zufrieden“ sollte ein erstrebenswertes Gut sein.

Was aber wenn man mit etwas unzufrieden ist? Dann sollte man diesen Zustand aktiv angehen. Nicht aussitzen oder warten bis es sich von außen bessert. Das kann durchaus auch mal passieren, aber ist es nicht so viel besser, wenn man selbst die Zügel seines Lebens in der Hand hat? Wenn man selbst verantwortlich ist? Ja, das mag durchaus eine gewisse Verantwortung mit sich bringen, aber nur so kann man sein Leben auch selbst bestimmen.

Zudem kommt noch, dass man andere akzeptieren sollte, wie sie sind. Das Wirken in der Gesellschaft und der Blick um einen selbst. Versuche daher nicht, an dem Stein eines anderen aktiv zu arbeiten. Aber wir können anderen helfen, sich selbst zu erkennen.

Wenn wir dies alles beherzigen, dann werden wir eine langsame Verbesserung der Inneren Ruhe und der Zufriedenheit beobachten. Wenn also somit die Basis des eigenen Lebens die Zufriedenheit ist, so wird man sich häufiger glücklich fühlen, sich über etwas freuen können und es erlauben, die Emotionen zu haben, für die es gerade Zeit ist.

Also wo ist das Glück? – ein Fazit

Einige werden also sagen, dass das Glück ganz von alleine zu einem kommen wird, sobald man den Zustand der Zufriedenheit erreicht hat…

In einer Weihnachtskarte meiner Mutter stand letztens geschrieben: „ich hoffe, Du bist nun glücklich“. Bin ich das? In einigen Momenten sicherlich. Aber beim Nachdenken über diese Zeilen muss ich auch sagen, dass wir uns oftmals selbst im Weg stehen.

Ich möchte niemanden das Streben nach dem Glück ausreden. Das kann jeder Mensch für sich allein entscheiden. Aber ich möchte Euch ans Herz legen, etwas mehr beständiger und damit auch zufriedener zu werden. Manches, wie die Arbeit an der eigenen Beziehung, mag mit Arbeit verbunden sein, aber es lohnt sich oft, diese Zeit zu investieren um ein gleichmäßig ausgeglichenes Maß an Zufriedenheit zu erreichen und nicht immer dem Glück hinterherzulaufen.

Wir arbeiten an uns, an unserem rauen Stein und sollten schon seit frühesten Tagen der Freimaurerei wissen, wie wichtig Zufriedenheit ist.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Glück der Welt…

 


René Schon im Juni 2019

 

Freimaurer Tattoos und deren Bedeutung – No Pain, no Gain

„Ich bin ein Meisterwerk. Sein massiger Körper war rasiert und glatt. Mal’akh schaute zuerst auf seine Füßen, die mit den Schuppen und Klauen eines Falken tätowiert waren; dann bewegte sein Blick sich hinauf zu seinen muskulösen Beinen, die als gemeißelte Säulen gestaltet waren – das linke Bein spiralförmig, das rechte mit vertikalen Streifen. Seine Lenden und sein Magen bildeten einen verzierten Torbogen, und seine mächtige Brust war mit dem doppelköpfigen Phönix geschmückt … jeder Kopf im Profil zur Seite gewandt, sodass Mal’akhs Brustwarzen das jeweilige Auge bildeten. Schultern, Hals, Gesicht und der rasierte Kopf waren vollständig mit einem verschlungenen Muster von alten Symbolen und Zeichen bedeckt. Ich bin ein Artefakt … ein sich entfaltendes Bild.“ (aus Dan Brown´s Lost Symbol – Das verlorene Symbol).

Dan Brown hat sich in seinem Buch „das verlorene Symbol“, in dem es um geheime Riten und Geheimnisse innerhalb der Bruderkette geht, ebenfalls mit dem Thema Tattoos auseinandergesetzt. Darin wird beschrieben, wie eine der Hauptfiguren ihren Körper mit Motiven aus der Freimaurerei verziert hat.

Um eines gleich vorab deutlich zu machen: Natürlich wird man nicht bei der Aufnahme in den Bund der Freimaurer mit einem Tattoo versehen, jedoch entschließen sich einige Brüder mit einem Tattoo ihre Zugehörigkeit zum Bruderbund nach außen zu tragen. Dies bedeutet aber auch ein gleichzeitiges Verlassen der Deckung. Je nach Motiv kann hier schnell ein Bruder als Freimaurer identifiziert werden. In einigen Fällen geht dies sogar soweit, dass mehrere Brüder einer Loge ein gemeinsames „Logentattoo“ stechen ließen.

Doch warum fügen wir Menschen uns freiwillig unter Schmerzen Muster zu?

Geschichte des Tattoos

Schon in früheren Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden haben die Menschen verschiedene Möglichkeiten genutzt, um ihre Körper zu verzieren. Meist wurde damit die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausgedrückt oder einen bestimmten Reifegrad, welchen man im Leben erreicht hatte. Die Hautbilder hatten eine wichtige Rolle in einzelnen Kulturen und waren oft Bestandteile von Ritualen.

Lange Zeit galten Tattoos aus dem alten Reich der ägyptischen Hochkultur, als die ersten Tattoos. Hierbei konnten die Körperverzierungen an einigen Mumien festgestellt werden. Um 2000 vor Christus gelangten Tattoos schließlich nach China und im Anschluss nach Griechenland. Die Ausbreitung war nicht mehr aufzuhalten.

Mit der Zeit erreichten Tattoos schließlich auch Japan. Dort wurden sie vor allem bei religiösen und zeremoniellen Ritualen verwendet. Während dieser Phase der Geschichte waren die Frauen von Borneo die bekanntesten Tattoo-Künstlerinnen. Sie erstellten die Designs, welche die einzelnen Abschnitte im Leben und den dazugehörigen Stamm darstellten.

Auch wenn Tattoos zu dieser Zeit sehr beliebt waren, so waren sie dennoch mit einer hohen Rate an Infektionen verbunden, die oftmals tödlich ausgingen. Steriles Arbeiten und Desinfektion spielten damals keine Rolle. Die Wunden, die dem Körper beim Tätowieren zugefügt und mit Kohlepulver eingefärbt wurden, entzündeten sich schwer und vernarbten. Das „Überstehen oder Überleben“ dieser gefährlichen Tortur gilt bis in die heutige Zeit bei einigen Kulturen als Zeichen des Erwachsenwerdens und der Gunst der Götter.

Im Jahr 1765 führte der britische Kapitän James Cook das Wort „Tattoo“ in die englische Sprache ein. In seinen Aufzeichnungen während seiner Reisen nach Polynesien beschrieb Cook Menschen, die ihre Körper mit Farbe bemalten. Diese Motive wurden von den Einheimischen als „Tattoo“ bezeichnet. Cook übernahm diese Bezeichnung dann in unseren Sprachgebrauch.

Eine der ältesten menschlichen Funde mit Tattoos ist sicherlich die Gletschermumie Ötzi. Er hat über 60 überwiegend geometirische Figuren, sowie Linien und Punkte auf seinem Körper. Diese wurden, wie es auch heutzutage bei einigen Naturvölkern üblich ist, in die Haut geritzt und mit Kohlepulver eingefärbt. Umstritten ist hierbei allerdings die Bedeutung für Ötzi. Einige sehen es als „reine Körperbemalung“, andere Wissenschaftlicher sehen darin eine Art der Schmerztherapie, ähnlich der Akupunktur, mit der er seine Rücken- und Gliederschmerzen betäubt haben soll.

Der Sprung in die Neuzeit erfolgte durch die neuen Möglichkeiten der Elektrizität und Feinmechanik. Wurden bis dato die Motive noch mit Nadeln und Schnitten unter die Haut gebracht, so war es ein Mann namens Samuel O-Reily, der am Chatham Square in New York einen Laden eröffnete, in dem bereits elektrische Tattoo Maschinen benutzt wurden. Diese Maschine beruhte auf der elektrischen Nadel von Edison, bei der eine Nadelspitze einen Durschlag erzeugt. Die elektrische Tattoo Maschine bestand aus beweglichen Windungen, einer Nadelstange und einer Spule. Bis heute sind diese Teile nach wie vor noch die gebräuchlichsten Komponenten einer Tattoo Maschine. Diese „Guns“ (englische Bezeichnung einer Tattoo Maschine, also „Pistole““) revolutionierte das Tätowieren durch die Art und Weise, ein Tattoo schnell und somit günstig zu stechen. Sie ist die bis heute gängigste und effizienteste Methode, um sich mit einem Hautbild zu verzieren.

Asozial und kriminell

Weit bis ans Ende des letzten Jahrhunderts galten tätowierte Menschen noch als „asozial“, „kriminell“ oder sogar Mitglieder verbrecherischer Vereinigungen. Letzteres lässt sich nicht abstreiten, da Mitglieder verschiedener Gangs und Gruppen ihre Zugehörigkeit durch Tattoos sichtbar machten. Ebenso die bekannteste asiatische „Bruderschaft“, die Yakuza (was die wörtliche Übersetzung bedeutet). Auch heute noch grenzen sich unterschiedliche Gangs und Gruppierungen durch die Bilder auf ihrer Haut  voneinander ab.

Diese Assoziation führt heutzutage zu kuriosen Begebenheiten. Menschen, die großflächige Tätowierungen auf ihrem Körper tragen, wie ich selbst eine habe, dürfen z.B. in Japan nicht in öffentliche Bäder. Die Verbindung zu den Yakuza ist hier zu sehr im Bild der Gesellschaft verankert.

Geschichte der freimaurerischen Tattoos

Möchte man sich mit der Geschichte von Tattoos auf freimaurerischer Basis beschäftigen, so ist dies leider sehr schwer. Die Recherche zu diesem Artikel brachte leider wenige Erkenntnisse hervor. Allerdings wäre es falsch, das Phänomen „Tattoos“ als ein zeitgenössisches abzutun, eben „weil es gerade In ist“. Allein aufgrund der rigoroseren Deckung unserer freimaurerischen Vorfahren kann man schwer nachvollziehen, wie es sich mit den Tattoos verhielt. Was wir jedoch wissen, sind die Aussagen von älteren Brüdern, die während der Zeit des Zweiten Weltkrieges an den Fronten Europas kämpften. Es kam hierbei durchaus vor, dass sich, ähnlich wie bei Schiffsleuten, auch hier das ein oder andere freimaurerische Motiv auf deren Haut wiederfand. Aber dies eben in kleiner Anzahl und kleinerem Rahmen.

Mit der gestiegenen Akzeptanz tätowierter Haut in den vergangenen 20 Jahren, nahm auch die Anzahl an Menschen mit Tattoos in der Gesellschaft zu. Bald galt es nicht mehr als Kennzeichnung einer Gruppe von Seeleuten oder Menschen, die im Gefängnis waren, sondern wurden eher ein Lifestyle Phänomen. Die Menschen möchten sich mit Motiven schmücken, welche tiefere Bedeutungen für sie haben. Zeichen, die Einem persönliche Kraft oder/und Glauben schenken und ebenso Zeichen, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausdrücken können.

Einige schöne Beispiele

Ich möchte in den kommenden Zeilen die Zeit nutzen, um einige schöne Tätowierungen verschiedener Brüder vorzustellen. Als mich Br. Bastian anschrieb mit der Bitte einen Artikel über dieses Thema zu verfassen, kontaktierte ich über diversen geschlossenen Foren in Sozialen Netzwerken meine Brüder. Die Resonanz war enorm und einige stellten mir ihre Bilder und ein paar Zeilen über das Motiv und deren Beweggründe zur Verfügung. Ich möchte dies unkommentiert wiedergeben und freue mich über die Zustimmung der Brüder zur Veröffentlichung in der Humanität:

Über meine eigenen Bewegründe

Ich selbst war bereits vor meinem Eintritt in die Bruderkette an einigen Stellen tätowiert. Unmittelbar nach meiner Aufnahme kam der typische Winkel & Zirkel Motiv auf meinem Unterarm dazu. Damals sehr traditionell mit Bambus, Nadeln und ohne Maschine, also mit purer Hand von einem Tattoo-Künstler in Thailand. Schon kurze Zeit später kam in meiner Mutterloge die Idee auf, ein gemeinsames Tattoo in Anlehnung an den Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne zu entwerfen und es sich auch im Rahmen eines gemeinsamen Besuches in einem Tattoo Studio stechen zu lassen.  Entweder hat man eines und bleibt dabei oder man macht immer weiter. Dann ist es fast wie eine Sucht. Schlussendlich sind meine beiden Arme und mein oberer Rückenbereich (zumindest bisher!) mit Motiven unseres Bundes versehen. Ich selbst stehe dazu, auch in der Öffentlichkeit. Ich setze mich gerne für unsere Werte und Ideale ein, womit ich auch versuche Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn ich auf meine Motive und die Freimaurerei im Allgemeinen angesprochen werde. Weg von „Verschwörungstheorien und Mystik“ hin zu einem festen Fundament an Tatsachen über den Bruderbund.

 

Einige Beispiele von weiteren Brüdern und deren Worte:

Br. Dirk Smolinski (Zur Weltbruderkette im Vest i. O. Recklinghausen)

„Den Stil des Tattoos habe ich extra in Anlehnung an alte Kupferstiche gewählt, um die Tradition unserer alten Bruderschaft auszudrücken. Ein Buch, welches hier nicht als Symbol des heiligen Gesetzes ist, sondern „Wissen“ repräsentiert. Darüber der Totenkopf, unsere sterbliche Hülle, durch die Wissen fließt, im Hintergrund ein Wirbel, da sich alles in Zyklen bewegt. Das Uhrglas, unsere Zeit ist begrenzt in der wir Wissen erfahren können. Das Winkelmaß und den Zirkel über allem, da wir an alle unsere Handlungen diese Werkzeuge anlegen (sollten).“

 

 

 

 

 

 

Br. Dirk Kristek (Ludwig zu den 3 Sternen i. O. Fiedberg)

„Die Tattoos sind für die mich die tägliche Erinnerung an meinem rauen Stein zu arbeiten. Die tägliche allmorgendliche Ermahnung. Die Symbolik von Ordnung und Chaos sind Hauptmotiv des Tattoos. Die verschiedenen Elemente des Chaos sind eingebettet um Winkelmaß und Zirkel. Wir gehen von der Materie in den Geist über. Vom Winkel zum Zirkel. Die Sonne symbolisiert die Kraft und die Andeutung ins Transzendente. Im W&Z ist ein Symbol IHS. Das habe ich aus dem christlichen Kontext entliehen. In Verbindung mit dem Winkel wird es zu IHSV.  Ungeachtet des geschichtlichen Kontextes ist das für mich ein Motto für die Freimaurerei. Wir bemühen uns als Freimaurer die Welt täglich zu einem besseren Ort zu machen.“

 

 

 

 

 

 

Br. Michael Ratmann (Truth and Fiendship i.O. Nürnberg, also auch Fiedrich zur Bruderkette i.O. Berlin)

„Mein Motiv, welches ich gewählt habe, beinhaltet nach meinem Verständnis viele Symbole aus dem 3. Grad.
Das Tattoo bedeutet für mich den nach außen gezeigten, unauslöschlichen, lebenslangen Bund mit der Freimaurerei und das ich sehr stolz bin dieser großartigen Bruderschaft angehören zu dürfen.“

 

 

 

 

 

 

Br Arminius Oviedo-Soto (Friedrich zur Vaterlandsliebe e.V. i.O. Koblenz)

„Symbolisch steht der Schachbrettboden für die Dualität, sei es nun von Gut und Böse, Weiblich und Männlich oder Tag und Nacht. In dieser Dualität findet das irdische Leben statt, welches durchaus mit einer Partie Schach vergleichbar ist.

Schachbrettmuster können darüber hinaus für Übergänge aller Art stehen, seien sie nun historischer oder persönlicher Natur. Sie markieren Wendepunkte, wobei bereits die Initiation auf dem freimaurerischen Schachbrettboden einen Wendepunkt in der persönlichen Entwicklung des Lehrlings darstellt. Ferner können Schachbrettmuster, ähnlich wie Spiegel, für einen Dimensionsübergang stehen. Diesseits und Jenseits sowie Traum und Realität bilden dabei ebenfalls eine Art der Dualität. Pfad, den jeder Freimaurer reisen muss, um die Türen des Tempels der Wahrheit zu erreichen.“

 

 

 

 

 

 

Hier der Podcast der Großloge AFuAM. Vielen Dank an die Brüder der Internet Redaktion:

Eine Bruderschaft, die unter die Haut geht