Glücklich sein oder doch lieber zufrieden? Ein Essay über das Streben nach Glück und Zufriedenheit

„Bist du für deine Arbeit bezahlt worden? – Ich bin zufrieden!“

Diesen Dialog werden viele Brüder kennen, die regelmäßig an den Arbeiten ihrer Loge teilnehmen. Der Aufseher beantwortet dem Meister die Frage nach seiner Bezahlung mit den Worten „zufrieden“.

Aber gerade in unserer heutigen Zeit streben die Menschen eher nach Glück und dem Gefühl glücklich zu sein. Hollywood lebt es uns vor, happy endings und andauerndes Glücksgefühl. Man wünscht sich gegenseitig Glück und Menschen erleben den „glücklichsten Tag ihres Lebens“ während ihrer Hochzeit. Selbst in den Comics (Donald Duck und Gustav Gans) wird uns schon das Streben nach dem Glück vorgelebt.

Trotzdem wirken viele Menschen unzufrieden. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass Glück und Zufriedenheit sind nicht dasselbe sind!

Über Glück

Glück und glücklich sein ist eher ein flüchtiges Gefühl. Ein kurzfristiger Zustand, ein Hochgefühl. Natürlich freut es uns, wenn wir dieses Gefühl erleben, es durchdringt uns wie eine Droge und lässt uns hoch fühlen.

Über das Glück oder das Streben danach gibt es in der Literatur unzählige Bücher, es gibt Filme und ebenso häufig wird Glück in Liedern und Gedichten zum Gegenstand gemacht. Es gibt Kurse, in denen einem beigebracht werden soll, wie man das Glück findet, es gibt Ratgeber und auch Reisen ins Glück.

Scheinbar sucht jeder Mensch danach und wird oftmals nicht fündig.  Es scheint so schwierig zu sein, das Glück zu finden. Fast schon schlimmer als Gold zu schürfen. Aber vielleicht ist auch Glück das falsche Ziel, nachdem alle Welt sucht. Muss man denn immer und überall glücklich sein? Ist Glück etwas Unerreichbares geworden? Und setzen wir uns nicht viel zu sehr unter Druck, es erreichen zu müssen?

„Ich bin zufrieden“

Diese drei kleinen Worte sagen schon alles aus. Man ist mit dem was man hat, was man erreicht hat und besitzt zufrieden und ausgeglichen

Zwar wird einem das „glückliche Leben“ oft und fast schon überall angepriesen, aber wir setzen uns damit schon selbst unter Druck. Wir wollen mithalten, mit den anderen Menschen auf der gleichen Erfolgswelle schwimmen, und versteifen uns oft bei der Suche nach dem Glück. Sollten wir nicht „glücklich sein“ so setzen wir uns selbst einem gewissen Stress aus und setzen uns unter Druck. Doch dieser kann wenig gesundheitsfördernd sein. Dass aber diese krampfhafte Suche nach dem Glück nicht zufriedenstellend ist, versteht sich von selbst. Doch wir Menschen könnten so viel ausgeglichener werden, wenn wir die Ziele und Vorstellungen neu überdenken.

Das Ziel – die Zufriedenheit

Das eigentliche Ziel, wonach wir alle streben klingt vom Wortlaut eher wenig erstrebenswert. Zufriedenheit oder zufrieden sein.

Wir wollen immer höher hinaus, immer noch etwas Besseres, immer noch mehr. Dabei mag man zwischenzeitig durchaus glücklich sein. Momente des Glücks gibt es immer wieder in unserem Alltag. Doch etwas anderes bleibt dabei völlig auf der Strecke: Die Zufriedenheit.

Sichtweise der Zufriedenheit

Nicht immer sehen wir Menschen die Zufriedenheit oder vielmehr das Gefühl des „zufrieden seins“ aus dem gleichen Blickwinkel. Abhängig von den Lebensumständen kann das gleiche Ereignis unterschiedlich betrachtet werden.

Wir leben in einem der reichsten Länder dieser Welt, haben eine hohe Kaufkraft und können uns materielle Wünsche oftmals leicht erfüllen. Auf die mehrfach vor Geburtstagen oder Festen gestellte Frage: „Was wünscht du dir?“, wird oftmals nur ein kurzes „Nichts“ geantwortet. Und obwohl wir uns fast alles kaufen können, was unser Herz begehrt (je nach dem eigenen Budget), jagen wir dem Glück immer und immer weiter hinterher.

Aber betrachten wir einmal eine simple Scheibe Brot. Für einen hungernden Menschen mag diese Scheibe schon einen persönlichen Glücksmoment darstellen und für uns wahrscheinlich nicht mal ein Gefühl der Zufriedenheit. Oder auch der Faktor Gesundheit kann unterschiedlich betrachtet werden. Wir gehen zum Arzt, haben eine Krankenversicherung und können ohne uns zu Verschulden ärztlich behandelt werden. In Ländern der 3. Welt sterben heute noch Menschen an für uns scheinbare Kleinigkeiten wie Tuberkulose und Malaria. Selbst ein Arm- oder Beinbruch ist für uns wenig existenzbedrohend. Wir streben nach den neuesten Mobiltelefonen, neuesten Autos und andere Menschen würden sich mehr als „glücklich“ fühlen, überhaut eines zu besitzen.

Glück und Zufriedenheit scheinen unterschiedlich bewertet zu werden, je nachdem wo man her ist und welche Möglichkeiten man hat.

World Happiness Report

Eigentlich müssten wir doch sehr viel zufriedener sein, denn kaum ein Wunsch bleibt uns verschlossen. Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt.

Dennoch ist Deutschland im “World Happiness Report 2018” der UNO (http://worldhappiness.report/) (https://s3.amazonaws.com/happiness-report/2018/WHR_web.pdf) nur auf Platz 15 hinter weiteren europäischen Ländern wie die Niederlande, der Schweiz oder auch Finnland, welches sich auf Platz 1 befindet. Betrachtet man die Entwicklung über die letzten Jahre, so muss man doch feststellen, dass wir Deutschen uns von Platz 26 stetig nach oben gearbeitet haben.

Hierbei werden verschiedenste Faktoren aufgenommen, betrachtet und ausgewertet. Schwerpunkt liegt dabei auf:

  • Der Bewertung des eigenen Lebens
  • Dem Vorhandensein positiver Emotionen (Freude, Stolz)
  • Dem Vorhandensein negativer Emotionen (Schmerz, Zorn, Sorgen)

Bemerkenswert ist jedoch das Ranking der Länder unmittelbar um unseren Platz 15. Israel, ein Land, welches gezeichnet ist von Anschlägen, Terrorismus und Kriegen, steht dennoch auf Platz 11.

Selbst unsere Nachbarn wie die Schweiz (auf Platz 5) oder Österreich (Platz 12), von denen wir immer annehmen, dass wir so viel gemeinsam haben, liegen (deutlich) vor uns in der Bewertung. Doch was unterscheidet uns denn so sehr von unseren Nachbarn? Uns Deutschen wird immer die Tugend angedichtet, dass wir strebsam sind und in der Arbeitswelt klare Ziele und Regeln haben. Aber setzen wir uns damit nicht schon zu sehr selbst unter Druck? Oder engen wir uns womöglich sogar ein? Streben wir nach dem Erfolg, und zwar vermehrt nach dem finanziellen und materiellen Erfolg, und lassen wir dabei leider auch Wichtiges für uns selbst, für uns als Mensch, auf dem Weg liegen? Warum kann ein Land wie Israel vor uns Deutschen liegen? Natürlich sollten wir uns selbst nicht für zu wichtig nehmen, aber der Vergleich zeigt dennoch, dass wir hier ein Defizit im Empfinden unserer Mitmenschen haben. Wohlstand allein scheint es nicht zu sein.

Das Streben nach „Mehr“

Wir Menschen haben den Drang nach „Mehr“ zu streben. Mehr materielle Dinge (nicht nur Geld), mehr Erfolg, mehr Anerkennung und auch mehr Glück. Aber das verbindet uns auch mit einem Mehr an Leistung und Investition.

Das Streben nach Glück führt dazu, dass es uns immer schwerer fällt, zufrieden zu sein. Wohlstand macht uns nicht glücklich, weil wir nie völlig zufrieden sind. Immer wollen wir etwas Besseres oder höhere Ziele erreichen. Schon seit dem Kindesalter werden wir zu Konsumenten erzogen. Wir nutzen Produkte nicht bis wir sie aufgebraucht haben oder sie beschädigt sind, sondern oftmals nur, bis ein neues Modell auf dem Markt ist. Die „guten alten Dinge“ suchen wir in kleinen Manufakturen und müssen oftmals neu lernen, den Wert der Dinge zu schätzen. Wir lernen neu, uns gegen die Wegwerfgesellschaft zu stellen und Dinge wertzuschätzen, ja mit ihnen zufrieden zu sein.

Aber diese Entwicklung geht noch deutlich weiter, es beschränkt sich nicht nur auf Konsumgüter. Die Kommunikationsmöglichkeiten, Plattformen und Börsen im Internet machen es möglich, sich die Frage zu stellen, ob es „nicht noch irgendwo einen Partner oder eine Partnerin gibt, die besser zu mir passt als die/der Jetzige. Macht mich ein anderer Mensch noch glücklicher als der Jetzige?“ Dabei setzen wir weniger auf langfristige Bindungen und Ehe, als auf kurzfristigere Beziehungen. Plattformen für Casual Dating boomen und gelten inzwischen als gesellschaftlich anerkannt. Immer mehr Singles leben in Deutschland, anstatt Pärchen. Wir haben es in den letzten Jahren daher vermehrt verlernt, an Beziehungen zu arbeiten und die Liebe über längere Zeiträume zu retten. Vielmehr suchen wir auch hier die glücklichen Momente der ersten Tage, das bekannte „Kribbeln oder Schmetterlinge im Bauch“ und wollen die rosa Brille nicht ablegen. Aber was wir gern ablegen ist der Mensch, der uns begleitet hat und arbeiten zu wenig an Beziehungen. Ja, es ist sehr schwer, das Gefühl, die Flamme am Brennen zu halten, aber wenn man sich bemüht und auf das eigentliche Ziel besinnt, dann lebt man gern und gut in einer harmonischen oder zufriedenen Beziehung.

Glück gegen Zufriedenheit

Glück ist eben nicht das gleiche wie Zufriedenheit. Oftmals stehen sie sich sogar gegenseitig im Wege. Die andauernde Suche nach dem Glück, nach dem Besseren und dem „Mehr-Haben“, diese innere Unruhe verhindert ein gewisses Maß an Ruhe und Ausgeglichenheit.

Doch muss man sich auch die Frage stellen, wann man denn eigentlich „zufrieden“ ist. Und wenn man unglücklich ist, ist man dann auch unzufrieden?

Ein glücklicher Zustand ist eine sehr kurze Momentaufnahme, zeitlich begrenzt und in einer bestimmten Situation. Die Momente können unterschiedlicher nicht sein und sind so individuell wie wir Menschen selbst. Für den Einen ist es das absolute Glücksgefühl, einen geliebten Menschen zu sehen, eine andere Person erfreut sich am wunderschönen Sonnenuntergang und eine weitere Person empfindet schon Glücksgefühle beim Essen einer leckeren Speise. Oder aber die Verleihung eines Preises oder einer Auszeichnung, der Sieg bei einem Wettkampf, die Geburt des Kindes, usw. usw.

Was wir aber bei all den Beispielen feststellen (die Liste lässt sich beliebig erweitern) ist die Tatsache, dass sie zeitlich begrenzt sind und wieder vorbei gehen. Der Moment macht uns glücklich, ist jedoch nicht von Dauer. Natürlich ist der eine Moment länger als ein anderer, aber alle haben ein Ende. Dabei muss man sich gar nicht kontinuierlich glücklich fühlen, wenn man zufrieden ist.

Betrachten wir jedoch die Zufriedenheit, so sieht es hier anders aus. Der Mensch ist innerlich ausgeglichen. Man möchte schon fast sagen, dass er in sich selbst ruht. Man strebt nicht nach weiterem, man ist mit dem einverstanden, was man hat und was mit einem passiert. Die Umstände werden akzeptiert und nicht hinterfragt. „Man findet sich ab“ und akzeptiert die Umstände und Situationen.

Aber wie geht man mit dem Unglücklich sein um?

Traurig und unglücklich sein

Glücklicherweise (ahhh, ein Wortspiel) ist ebenso wie das Glück auch das unglücklich sein zeitlich begrenzt. Dass dies so der Fall ist, ist vor allem für die menschliche Psyche unabdingbar. Es können Emotionen auftreten, die uns Menschen zerbrechen lassen, wie den Verlust eines geliebten Menschen. Man darf diese negativen Emotionen nicht verdrängen, sondern sollte sie zulassen und sie aufarbeiten, um dann letztendlich damit abschließen zu können. Wie lange solch ein Prozess andauert, hängt vor allem von der physischen und psychischen Verfassung des einzelnen Individuums ab. Wir Menschen können native Ereignisse und Emotionen nicht vermeiden. Sie passieren einfach und treffen uns oftmals unvorbereitet. Aber wir müssen eben lernen, damit umzugehen und damit zu leben, um unser eigenes Wohlbefinden nicht aus dem Auge zu verlieren.

Zum Heilungsprozess und Prozess der Aufarbeitung gehört das Zulassen von Schmerzen, von Trauern und auch das Zulassen des Weinens. Was man jedoch nicht vergessen sollte ist, dass man sich nicht in der Trauer verliert, denn sonst kann sie sehr schnell zu einer Unzufriedenheit werden und damit die Psyche dauerhaft beschädigen.

Man muss es zulassen, dass man auch einmal schlechte Tage hat, denn diese lassen sich nicht vermeiden und wir können auch nicht immer nur gut drauf sein. Den schlechten Tag zulassen, sich evtl. daheim einkuscheln oder weinen. Der ein oder andere mag ggf. in den Wald gehen und alles laut herausschreien. Oder sich im Sport (oder was einen sonst ablenkt) ereifern. Wie diese Stressbewältigung und damit die Zurückführung zu einem „zufriedenen Zustand“ gelingt, muss jeder für sich selbst herausfinden, auch wenn dies ggf. eine aufwändige Reise in das eigene Ich bedeutet. Aber eines haben diese trüben Momente gemeinsam: sie gehen vorbei! Und sie sagen vor allem nichts darüber aus, wie zufrieden Du mit Dir und Deinem Leben selbst bist, noch wie lebenswert es ist.

Wonach streben wir also?

Nach einem Gefühl der inneren Zufriedenheit! Punkt und kurz gesagt. Wir müssen uns das Ziel setzen, einen dauerhaften Zustand zu erreichen und nicht immer dem „Mehr“ hinterherzujagen und dabei andere wichtige Dinge in unserem Leben zu vernachlässigen. Wie aber lernen wir, wieder zufriedener zu sein? Das Gefühl der Zufriedenheit ist ein inneres Gefühl und muss von einem selbst kommen. Hier kommt einem wieder die Arbeit am rauen Stein in den Sinn und die Werkzeuge, die einem die Freimaurerei in die Hand legt. Man muss an sich arbeiten und vor allem lernen, sich so zu akzeptieren, wie man ist. Man muss seine Ecken und Kanten erkennen, seine Stärken und Schwächen und lernen an und mit ihnen zu arbeiten. Nicht jede Kante muss abgeschlagen werden.

Sich selbst wertzuschätzen und das, was man hat und vor allem erreicht hat, helfen einem sehr, zufrieden zu sein. Nicht neidisch auf den anderen neben uns zu sein. Ziele muss man jedoch haben, aber das innere Gefühl des „Ich bin mit mir und meinem Leben zufrieden“ sollte ein erstrebenswertes Gut sein.

Was aber wenn man mit etwas unzufrieden ist? Dann sollte man diesen Zustand aktiv angehen. Nicht aussitzen oder warten bis es sich von außen bessert. Das kann durchaus auch mal passieren, aber ist es nicht so viel besser, wenn man selbst die Zügel seines Lebens in der Hand hat? Wenn man selbst verantwortlich ist? Ja, das mag durchaus eine gewisse Verantwortung mit sich bringen, aber nur so kann man sein Leben auch selbst bestimmen.

Zudem kommt noch, dass man andere akzeptieren sollte, wie sie sind. Das Wirken in der Gesellschaft und der Blick um einen selbst. Versuche daher nicht, an dem Stein eines anderen aktiv zu arbeiten. Aber wir können anderen helfen, sich selbst zu erkennen.

Wenn wir dies alles beherzigen, dann werden wir eine langsame Verbesserung der Inneren Ruhe und der Zufriedenheit beobachten. Wenn also somit die Basis des eigenen Lebens die Zufriedenheit ist, so wird man sich häufiger glücklich fühlen, sich über etwas freuen können und es erlauben, die Emotionen zu haben, für die es gerade Zeit ist.

Also wo ist das Glück? – ein Fazit

Einige werden also sagen, dass das Glück ganz von alleine zu einem kommen wird, sobald man den Zustand der Zufriedenheit erreicht hat…

In einer Weihnachtskarte meiner Mutter stand letztens geschrieben: „ich hoffe, Du bist nun glücklich“. Bin ich das? In einigen Momenten sicherlich. Aber beim Nachdenken über diese Zeilen muss ich auch sagen, dass wir uns oftmals selbst im Weg stehen.

Ich möchte niemanden das Streben nach dem Glück ausreden. Das kann jeder Mensch für sich allein entscheiden. Aber ich möchte Euch ans Herz legen, etwas mehr beständiger und damit auch zufriedener zu werden. Manches, wie die Arbeit an der eigenen Beziehung, mag mit Arbeit verbunden sein, aber es lohnt sich oft, diese Zeit zu investieren um ein gleichmäßig ausgeglichenes Maß an Zufriedenheit zu erreichen und nicht immer dem Glück hinterherzulaufen.

Wir arbeiten an uns, an unserem rauen Stein und sollten schon seit frühesten Tagen der Freimaurerei wissen, wie wichtig Zufriedenheit ist.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Glück der Welt…

 


René Schon im Juni 2019

 

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Freimaurer Tattoos und deren Bedeutung – No Pain, no Gain

„Ich bin ein Meisterwerk. Sein massiger Körper war rasiert und glatt. Mal’akh schaute zuerst auf seine Füßen, die mit den Schuppen und Klauen eines Falken tätowiert waren; dann bewegte sein Blick sich hinauf zu seinen muskulösen Beinen, die als gemeißelte Säulen gestaltet waren – das linke Bein spiralförmig, das rechte mit vertikalen Streifen. Seine Lenden und sein Magen bildeten einen verzierten Torbogen, und seine mächtige Brust war mit dem doppelköpfigen Phönix geschmückt … jeder Kopf im Profil zur Seite gewandt, sodass Mal’akhs Brustwarzen das jeweilige Auge bildeten. Schultern, Hals, Gesicht und der rasierte Kopf waren vollständig mit einem verschlungenen Muster von alten Symbolen und Zeichen bedeckt. Ich bin ein Artefakt … ein sich entfaltendes Bild.“ (aus Dan Brown´s Lost Symbol – Das verlorene Symbol).

Dan Brown hat sich in seinem Buch „das verlorene Symbol“, in dem es um geheime Riten und Geheimnisse innerhalb der Bruderkette geht, ebenfalls mit dem Thema Tattoos auseinandergesetzt. Darin wird beschrieben, wie eine der Hauptfiguren ihren Körper mit Motiven aus der Freimaurerei verziert hat.

Um eines gleich vorab deutlich zu machen: Natürlich wird man nicht bei der Aufnahme in den Bund der Freimaurer mit einem Tattoo versehen, jedoch entschließen sich einige Brüder mit einem Tattoo ihre Zugehörigkeit zum Bruderbund nach außen zu tragen. Dies bedeutet aber auch ein gleichzeitiges Verlassen der Deckung. Je nach Motiv kann hier schnell ein Bruder als Freimaurer identifiziert werden. In einigen Fällen geht dies sogar soweit, dass mehrere Brüder einer Loge ein gemeinsames „Logentattoo“ stechen ließen.

Doch warum fügen wir Menschen uns freiwillig unter Schmerzen Muster zu?

Geschichte des Tattoos

Schon in früheren Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden haben die Menschen verschiedene Möglichkeiten genutzt, um ihre Körper zu verzieren. Meist wurde damit die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausgedrückt oder einen bestimmten Reifegrad, welchen man im Leben erreicht hatte. Die Hautbilder hatten eine wichtige Rolle in einzelnen Kulturen und waren oft Bestandteile von Ritualen.

Lange Zeit galten Tattoos aus dem alten Reich der ägyptischen Hochkultur, als die ersten Tattoos. Hierbei konnten die Körperverzierungen an einigen Mumien festgestellt werden. Um 2000 vor Christus gelangten Tattoos schließlich nach China und im Anschluss nach Griechenland. Die Ausbreitung war nicht mehr aufzuhalten.

Mit der Zeit erreichten Tattoos schließlich auch Japan. Dort wurden sie vor allem bei religiösen und zeremoniellen Ritualen verwendet. Während dieser Phase der Geschichte waren die Frauen von Borneo die bekanntesten Tattoo-Künstlerinnen. Sie erstellten die Designs, welche die einzelnen Abschnitte im Leben und den dazugehörigen Stamm darstellten.

Auch wenn Tattoos zu dieser Zeit sehr beliebt waren, so waren sie dennoch mit einer hohen Rate an Infektionen verbunden, die oftmals tödlich ausgingen. Steriles Arbeiten und Desinfektion spielten damals keine Rolle. Die Wunden, die dem Körper beim Tätowieren zugefügt und mit Kohlepulver eingefärbt wurden, entzündeten sich schwer und vernarbten. Das „Überstehen oder Überleben“ dieser gefährlichen Tortur gilt bis in die heutige Zeit bei einigen Kulturen als Zeichen des Erwachsenwerdens und der Gunst der Götter.

Im Jahr 1765 führte der britische Kapitän James Cook das Wort „Tattoo“ in die englische Sprache ein. In seinen Aufzeichnungen während seiner Reisen nach Polynesien beschrieb Cook Menschen, die ihre Körper mit Farbe bemalten. Diese Motive wurden von den Einheimischen als „Tattoo“ bezeichnet. Cook übernahm diese Bezeichnung dann in unseren Sprachgebrauch.

Eine der ältesten menschlichen Funde mit Tattoos ist sicherlich die Gletschermumie Ötzi. Er hat über 60 überwiegend geometirische Figuren, sowie Linien und Punkte auf seinem Körper. Diese wurden, wie es auch heutzutage bei einigen Naturvölkern üblich ist, in die Haut geritzt und mit Kohlepulver eingefärbt. Umstritten ist hierbei allerdings die Bedeutung für Ötzi. Einige sehen es als „reine Körperbemalung“, andere Wissenschaftlicher sehen darin eine Art der Schmerztherapie, ähnlich der Akupunktur, mit der er seine Rücken- und Gliederschmerzen betäubt haben soll.

Der Sprung in die Neuzeit erfolgte durch die neuen Möglichkeiten der Elektrizität und Feinmechanik. Wurden bis dato die Motive noch mit Nadeln und Schnitten unter die Haut gebracht, so war es ein Mann namens Samuel O-Reily, der am Chatham Square in New York einen Laden eröffnete, in dem bereits elektrische Tattoo Maschinen benutzt wurden. Diese Maschine beruhte auf der elektrischen Nadel von Edison, bei der eine Nadelspitze einen Durschlag erzeugt. Die elektrische Tattoo Maschine bestand aus beweglichen Windungen, einer Nadelstange und einer Spule. Bis heute sind diese Teile nach wie vor noch die gebräuchlichsten Komponenten einer Tattoo Maschine. Diese „Guns“ (englische Bezeichnung einer Tattoo Maschine, also „Pistole““) revolutionierte das Tätowieren durch die Art und Weise, ein Tattoo schnell und somit günstig zu stechen. Sie ist die bis heute gängigste und effizienteste Methode, um sich mit einem Hautbild zu verzieren.

Asozial und kriminell

Weit bis ans Ende des letzten Jahrhunderts galten tätowierte Menschen noch als „asozial“, „kriminell“ oder sogar Mitglieder verbrecherischer Vereinigungen. Letzteres lässt sich nicht abstreiten, da Mitglieder verschiedener Gangs und Gruppen ihre Zugehörigkeit durch Tattoos sichtbar machten. Ebenso die bekannteste asiatische „Bruderschaft“, die Yakuza (was die wörtliche Übersetzung bedeutet). Auch heute noch grenzen sich unterschiedliche Gangs und Gruppierungen durch die Bilder auf ihrer Haut  voneinander ab.

Diese Assoziation führt heutzutage zu kuriosen Begebenheiten. Menschen, die großflächige Tätowierungen auf ihrem Körper tragen, wie ich selbst eine habe, dürfen z.B. in Japan nicht in öffentliche Bäder. Die Verbindung zu den Yakuza ist hier zu sehr im Bild der Gesellschaft verankert.

Geschichte der freimaurerischen Tattoos

Möchte man sich mit der Geschichte von Tattoos auf freimaurerischer Basis beschäftigen, so ist dies leider sehr schwer. Die Recherche zu diesem Artikel brachte leider wenige Erkenntnisse hervor. Allerdings wäre es falsch, das Phänomen „Tattoos“ als ein zeitgenössisches abzutun, eben „weil es gerade In ist“. Allein aufgrund der rigoroseren Deckung unserer freimaurerischen Vorfahren kann man schwer nachvollziehen, wie es sich mit den Tattoos verhielt. Was wir jedoch wissen, sind die Aussagen von älteren Brüdern, die während der Zeit des Zweiten Weltkrieges an den Fronten Europas kämpften. Es kam hierbei durchaus vor, dass sich, ähnlich wie bei Schiffsleuten, auch hier das ein oder andere freimaurerische Motiv auf deren Haut wiederfand. Aber dies eben in kleiner Anzahl und kleinerem Rahmen.

Mit der gestiegenen Akzeptanz tätowierter Haut in den vergangenen 20 Jahren, nahm auch die Anzahl an Menschen mit Tattoos in der Gesellschaft zu. Bald galt es nicht mehr als Kennzeichnung einer Gruppe von Seeleuten oder Menschen, die im Gefängnis waren, sondern wurden eher ein Lifestyle Phänomen. Die Menschen möchten sich mit Motiven schmücken, welche tiefere Bedeutungen für sie haben. Zeichen, die Einem persönliche Kraft oder/und Glauben schenken und ebenso Zeichen, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausdrücken können.

Einige schöne Beispiele

Ich möchte in den kommenden Zeilen die Zeit nutzen, um einige schöne Tätowierungen verschiedener Brüder vorzustellen. Als mich Br. Bastian anschrieb mit der Bitte einen Artikel über dieses Thema zu verfassen, kontaktierte ich über diversen geschlossenen Foren in Sozialen Netzwerken meine Brüder. Die Resonanz war enorm und einige stellten mir ihre Bilder und ein paar Zeilen über das Motiv und deren Beweggründe zur Verfügung. Ich möchte dies unkommentiert wiedergeben und freue mich über die Zustimmung der Brüder zur Veröffentlichung in der Humanität:

Über meine eigenen Bewegründe

Ich selbst war bereits vor meinem Eintritt in die Bruderkette an einigen Stellen tätowiert. Unmittelbar nach meiner Aufnahme kam der typische Winkel & Zirkel Motiv auf meinem Unterarm dazu. Damals sehr traditionell mit Bambus, Nadeln und ohne Maschine, also mit purer Hand von einem Tattoo-Künstler in Thailand. Schon kurze Zeit später kam in meiner Mutterloge die Idee auf, ein gemeinsames Tattoo in Anlehnung an den Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne zu entwerfen und es sich auch im Rahmen eines gemeinsamen Besuches in einem Tattoo Studio stechen zu lassen.  Entweder hat man eines und bleibt dabei oder man macht immer weiter. Dann ist es fast wie eine Sucht. Schlussendlich sind meine beiden Arme und mein oberer Rückenbereich (zumindest bisher!) mit Motiven unseres Bundes versehen. Ich selbst stehe dazu, auch in der Öffentlichkeit. Ich setze mich gerne für unsere Werte und Ideale ein, womit ich auch versuche Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn ich auf meine Motive und die Freimaurerei im Allgemeinen angesprochen werde. Weg von „Verschwörungstheorien und Mystik“ hin zu einem festen Fundament an Tatsachen über den Bruderbund.

 

Einige Beispiele von weiteren Brüdern und deren Worte:

Br. Dirk Smolinski (Zur Weltbruderkette im Vest i. O. Recklinghausen)

„Den Stil des Tattoos habe ich extra in Anlehnung an alte Kupferstiche gewählt, um die Tradition unserer alten Bruderschaft auszudrücken. Ein Buch, welches hier nicht als Symbol des heiligen Gesetzes ist, sondern „Wissen“ repräsentiert. Darüber der Totenkopf, unsere sterbliche Hülle, durch die Wissen fließt, im Hintergrund ein Wirbel, da sich alles in Zyklen bewegt. Das Uhrglas, unsere Zeit ist begrenzt in der wir Wissen erfahren können. Das Winkelmaß und den Zirkel über allem, da wir an alle unsere Handlungen diese Werkzeuge anlegen (sollten).“

 

 

 

 

 

 

Br. Dirk Kristek (Ludwig zu den 3 Sternen i. O. Fiedberg)

„Die Tattoos sind für die mich die tägliche Erinnerung an meinem rauen Stein zu arbeiten. Die tägliche allmorgendliche Ermahnung. Die Symbolik von Ordnung und Chaos sind Hauptmotiv des Tattoos. Die verschiedenen Elemente des Chaos sind eingebettet um Winkelmaß und Zirkel. Wir gehen von der Materie in den Geist über. Vom Winkel zum Zirkel. Die Sonne symbolisiert die Kraft und die Andeutung ins Transzendente. Im W&Z ist ein Symbol IHS. Das habe ich aus dem christlichen Kontext entliehen. In Verbindung mit dem Winkel wird es zu IHSV.  Ungeachtet des geschichtlichen Kontextes ist das für mich ein Motto für die Freimaurerei. Wir bemühen uns als Freimaurer die Welt täglich zu einem besseren Ort zu machen.“

 

 

 

 

 

 

Br. Michael Ratmann (Truth and Fiendship i.O. Nürnberg, also auch Fiedrich zur Bruderkette i.O. Berlin)

„Mein Motiv, welches ich gewählt habe, beinhaltet nach meinem Verständnis viele Symbole aus dem 3. Grad.
Das Tattoo bedeutet für mich den nach außen gezeigten, unauslöschlichen, lebenslangen Bund mit der Freimaurerei und das ich sehr stolz bin dieser großartigen Bruderschaft angehören zu dürfen.“

 

 

 

 

 

 

Br Arminius Oviedo-Soto (Friedrich zur Vaterlandsliebe e.V. i.O. Koblenz)

„Symbolisch steht der Schachbrettboden für die Dualität, sei es nun von Gut und Böse, Weiblich und Männlich oder Tag und Nacht. In dieser Dualität findet das irdische Leben statt, welches durchaus mit einer Partie Schach vergleichbar ist.

Schachbrettmuster können darüber hinaus für Übergänge aller Art stehen, seien sie nun historischer oder persönlicher Natur. Sie markieren Wendepunkte, wobei bereits die Initiation auf dem freimaurerischen Schachbrettboden einen Wendepunkt in der persönlichen Entwicklung des Lehrlings darstellt. Ferner können Schachbrettmuster, ähnlich wie Spiegel, für einen Dimensionsübergang stehen. Diesseits und Jenseits sowie Traum und Realität bilden dabei ebenfalls eine Art der Dualität. Pfad, den jeder Freimaurer reisen muss, um die Türen des Tempels der Wahrheit zu erreichen.“

 

 

 

 

 

 

Hier der Podcast der Großloge AFuAM. Vielen Dank an die Brüder der Internet Redaktion:

Eine Bruderschaft, die unter die Haut geht

 

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Ritualisitik und Symbolik – Ist eine Reformulierung notwendig?

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Ritualisitik und Symbolik – Ist eine Reformulierung notwendig?

 

Oft wird über die Symbolik innerhalb der Rituale diskutiert. Dabei stoßen die Brüder häufig an ihre persönlichen Grenzen und diese Diskussionen entfachen eher einen Streit, anstelle des brüderlichen Gespräches.

Von vielen, oftmals sehr gläubigen Brüdern werden gerade die Symbolik und die Ritualisitik mit einer Spiritualität gleichgesetzt. Ich denke nicht, dass Spiritualität hier der passende Begriff ist.

„Spiritualität bedeutet im weitesten Sinne „Geistigkeit“ und bezeichnet eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.“ (aus https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualit%C3%A4t).

Eben weil wir vor allem ein ethischer Bund sind, müssen wir anfangen uns endlich von den Mysterienbünden zu lösen. Das Ritual bringt uns während des Erlebens, insofern wir uns völlig auf dieses einlassen und die praktizierenden Brüder es auch tragend vorbringen können, in eine meditative Stimmung. Wir sind hier offen für die Schönheit der Musik und den Worten des Br. Redners. Allerdings was bringt diese ganze Idee, wenn die Tempelarbeit eher zu einem Theaterspiel verkommt, wenn die Brüder den Text nur stupide ablesen und keine Emotionen verbreiten? Dann kommen wir wieder zum typischen Verein, der ein Schauspiel bietet. Sich auf das Ritual einlassen, sich angemessen auf diese Arbeit vorbereiten, vor allem auch mit der angemessenen Kleidung. Hier kann und darf es nicht sein, dass gerade neue und jüngere Brüder eine gewisse Lässigkeit in den Tempel bringen und eher so ausschauen, als ob sie in der Eckkneipe sitzen würden. Sich Einlassen auf das Ritual heißt, zu erleben, die Arbeit zusammen in der Bruder- oder Schwesterkette zu begehen und hin- sowie einzutauchen, in seinen eigenen Geist. Erst dann kann man sich fallen lassen, den Geist öffnen für die Ideen der Maurerei, welche durch die Symbole und Zeichen seit Jahrhunderten transportiert werden. Erst dann lassen sich die Worte der vorgetragenen Zeichnung erfassen und manifestieren einen Gedanken in einem Selbst.

Was wir jedoch nicht dürfen, ist das bereits erwähnte hinabgleiten in ein Schauspiel, in dem wir hier eine übertriebene Spiritualität einbringen, wie wir es aus Gottesdiensten gewohnt sind. Wir sind wie anfangs erwähnt ein ethischer Bund und keinerlei Religion. Daher müssen wir diesen religiösen Transzendenzbezug weglassen, weil er zum einen nicht der Idee der königlichen Kunst entspricht und zum anderen ein völlig falsches Bild einer Pseudo-Religion erschafft. Der meditative Charakter muss im Vordergrund stehen, denn so können wir die nötigen Werkzeuge, zur Arbeit an unserem eigenen rauen Stein und somit am Tempelbau, erfassen.

Eine Reform der Rituale sowie der Symbolik hin zu mehr Offenheit, zeitgenössischem Geist und damit weg von der spirituellen Tradition muss auf Dauer die Absicht der Freimaurerei sein. Langsam, aber stetig. Reformfreimaurerei, wie es sie bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Freimaurerbünde wie den FZAS (Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne) gegeben hat, hatten dies bereits in ihrer Proklamation formuliert und ausgesprochen.

Natürlich berufen sich meine Vorfahren auf die „Alten Pflichten“ von Anderson („Der geistige Kern der Freimaurerei ist die Religion in der alle Menschen guten Willens übereinstimmen, die Religion der Menschlichkeit, Mitmenschentum“) jedoch wollten sie einige, für sie damals wichtige Reformen durchsetzen und verfassten hierzu einige „programmatische Erklärungen des Reformfreimaurerbundes“ im Jahre 1930:

  1. Fortfall des Symbols „A.B.a.W.“: denn es enthält deutlich die Idee eines persönlichen Gottes, die von der großen Mehrzahl der freien, denkenden, vorwärtsdrängenden Menschen als Grundlage ihrer Weltanschauung und Sittlichkeit aufgegeben ist. Soll die Freimaurerei alle Menschen guten Willens am Menschheitsbau vereinigen, so darf sie sich nicht zur Vertretung einer Form der Weltanschauung machen. Die Loslösung von dieser Formel erst bedeutet den Eintritt in den neuen geistigen Raum, in dem sich alle Menschen zur Neugestaltung der menschlichen Gemeinschaft zusammenfinden können.
  2. Die Preisgabe der Bibel als erstes Licht der Freimaurerei: denn wenn die Bibel auch ein ehrwürdiges Werk ist, so gilt sie den meisten Menschen, die am Menschenbau guten Willens arbeiten, nicht mehr als Offenbarung des A.B.a.W., sondern als Menschwerk, das nicht mehr die unantastbare unerlässliche Grundlage lebensgestaltender Sittlichkeit bleiben kann.

Nun würde man sicherlich die Frage stellen, ob solch ein Ritual, also ohne diese beiden Bezüge, noch tragfähig und damit auch den nötigen „Geiste“ während einer Tempelarbeit aufkommen lässt. Oder würde die Stimmung eine andere sein? Im Falle des FZAS ist dessen Ritual bis heute erhalten geblieben und wird in meiner Mutterloge, der Loge zur Wahrheit i.O. Nürnberg, immer noch fast unverändert verwendet. Daher mein deutliches „JA“ zu Reformen in der Ritualistik.

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Einige Thesen zur Zukunft der Freimaurerei

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Einige Thesen zur Zukunft der Freimaurerei

 

Betrachten wir die Entwicklung innerhalb der deutschen Freimaurerei der letzten 10 Jahre, so müssen wir uns die Frage stellen, warum immer noch, dass vom damaligen Großmeister angestrebte Ziel, von 20.000 Brüdern vereinigt in der VGLvD, nicht erreicht werden konnte? Sicherlich werden nun einige anbringen, dass aufgrund der Altersstruktur viele ältere Brüder und Schwestern in den ewigen Osten vorausgegangen sind.

Warum ist es so schwer, in Zeiten der Massenkommunikation, der sozialen Medien und Printmedien die nötige öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen? Warum sind wir nicht „attraktiv“ für jüngere Menschen? Warum werden wir immer noch als Geheimgesellschaft gehandelt?

Die Frage, die oft an mich herangetragen wird, ist die, ob Freimaurerei nicht „nur“ eine andere Religion ist. Da wird vom Großen Baumeister gesprochen, ja sogar von Gott, dann wiederum gibt es Rituale und Arbeiten, die wie Gottesdienste dem Profanen erscheinen. Dazu kommen die immer noch andauernden Diskussionen über die „wahre Freimaurerei“. Sei es mit religiös-christlicher Ausprägung oder eben humanistisch.

Die Zukunft kann nun finster sein, oder aber wir versuchen nach vorn zu sehen.

Wir müssen uns weit mehr öffnen für den Zeitgeist. Der mediale Präsenz im Internet muss der Deckung im angemessenen Maße weichen. Wir müssen die ethischen Grundlagen in den Vordergrund stellen und weniger einen pseudoreligiösen Zusammenhang. Die saubere Abtrennung der Freimaurerei zu einer Religion wird zwingend nötig sein, da gerade die jüngeren Menschen eher ohne einen Glaubensbezug aufwachsen. Die „offizielle“ Anerkennung von Atheisten darf nicht nur ein kleiner Bestandteil einiger Großlogen (wie beispielsweise der AFuAM) sein, sondern muss generell getroffen werden. Die Freimaurerei muss auf einer breiten Basis von Menschen stehen, nicht nur auf der von einigen.

Raus aus dem Schatten der Vergangenheit und der geheimen Gesellschaften, hin zu einem aktiven ethischen Bund, in dem wieder die brüderliche/schwesterliche Einheit aktiv gelebt wird. Die Mythen der Vergangenheit hinter sich lassen und den Spagat zur Moderne schaffen. Die „Tradition ist die Bewahrung des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“, wie Gustav Mahler einst sagte.

Dazu kommt eben auch, dass es eine generelle Anerkennung der „Frauen-Großloge“ geben muss. Die Meinung einiger Brüder, dass durch sie, die „Tempel entweiht werden“ oder dass „sie niemals die königliche Kunst erlangen werden“, sind weder zeitgemäß noch moralisch vertretbar und schon gleich gar nicht freimaurerisch. Die Arbeit am Tempel der Humanität setzt eine brüderlichen bzw. schwesterlichen Schulterschluss voraus. Gemeinsame Treffen wie dieses und auch gemeinsame Arbeiten können die Kluft überwinden und uns alle dem Ziel näherbringen.

Die Arbeit des Freimaurers muss sich wieder auf die Grundprinzipien der Freimaurerei stellen. Toleranz, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit, Freiheit, Gleichheit und Humanität dürfen keine hohle Phrase sein, sondern müssen mit dem Leben gefüllt werden, welche diesen Bund vor Jahren so sehr gestärkt haben und wieder stärken werden.

Auch wenn ich den Bau am Tempel der Humanität nicht per se als einen Aufruf zur politischen Arbeit verstehe, so sehe ich es dennoch als eine Art „Arbeit an der Gesellschaft“. Diese kann durchaus auch politischer Art sein. Auch ein Freimaurer muss sich hier engagieren können und politisch tätig sein. Zumindest ein mündiger Bürger, der auch von seinem Wahlrecht Gebrauch macht. Es ist leider inzwischen so geworden, dass viele Freimaurer die Alten Pflichten als ein festes und unüberwindbares Gesetz ansehen. Genau hier müssen wir differenzieren und diese Regeln der Zeit anpassen. Ich stimme hier Br. Günter zu, dass wir uns aus diesem reinen „Vereinsgehabe“ rausbewegen müssen, hin zu einer modernen Form der Freimaurerei. Aber nicht mal die Idee der Erörterung politischer Fragen in den Logen ist neu. Der F.z.a.S. hatte schon in seiner „programmatische Erklärungen des Reformfreimaurerbundes“ im Jahre 1930 diese Überlegung angestellt und den Brüdern ans Herz gelegt:

„Zulassung der Erörterung auch politischer und religiöser Fragen im Tempel: denn ihre Ausschaltung zeugt von mangelndem Vertrauen zur freimaurerischen Idee, die ja das gesamte persönliche und gemeinschaftliche Leben durchdringen und gestalten soll; es entsteht zugleich die Gefahr einer leeren Schönrednerei ohne fruchtbringende Wirkung für den Menschheitsbau.“

Noch immer also beschäftigt sich die Freimaurerei mit ihren Vereinen und deren Streitigkeiten, anstatt an der großartigen Idee, welche unsere Gründerväter formulierten, zu arbeiten. Wir sind eingeengt von Dogmen und Restriktionen, die wir uns selbst auferlegen, weil wir den Zeitgeist nicht erkennen oder uns nicht zeitgemäß anpassen wollen. Wir müssten uns gerade in diesen politisch eher schweren Zeiten mit Wirtschaftskrise, Flüchtlingswelle und politisch instabilen Regionen auf dem Globus, positionieren und dies ggf. auch in der Öffentlichkeit tun und aufhören, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Eine aktive Arbeit am Tempelbau ist gefragt und nicht ein bloßes Schönreden und Wegsehen, wenn es einen selbst nicht betrifft. Nicht im Kreis um sich selbst drehen, sondern aktiv eine helfende Hand reichen.

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Werte und Ziele der Freimaurerei

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Werte und Ziele der Freimaurerei

Betrachtet man die Freimaurerei als das, was sie ist, nämlich einen ethischen Bund, so findet man in ihr die Werte der Toleranz, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit und Humanität wieder. Die Werte sind selbst nach 300 Jahren, nach der „offiziellen“ Gründung der Freimaurerei, aktueller denn je und werden den Brüdern vermittelt. Sie müssen in einer Aufklärung 2.0 weitergetragen werden (siehe Essay: Aufklärung 2.0), damit sie den radikalen Strömungen der letzten Jahre entgegenstehen können.

Gehen wir hier auf die 10 Ziele aus dem Manifest des evolutionären Humanismus ein, welches von Michael Schmidt-Salomon im Auftrag der Giordano-Bruno-Stiftung geschrieben wurde, so werden wir feststellen, dass die Ideale nicht exklusiv für den Bund der Freimaurer stehen. Sie kommen auch in den sogenannten Service Clubs (wie die Lions oder der Rotary Club) vor und aber auch im evolutionären Humanismus. (https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Zehn_Gebote#Die_zehn_Angebote_des_evolution%C3%A4ren_Humanismus)

  1. Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“, sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern!
  2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!
  3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
  4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!
  5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens!
  6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest.
  7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig erscheint, kann morgen überholt sein! Zweifle aber auch am Zweifel!
  8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!
  9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben!
  10. Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en!

Diese 10 Ziele geben im Kern auch die Ideale der Freimaurerei wieder. Wir müssen unsere Werte immer wieder einer strengen Prüfung unterziehen, denn sie unterliegen dem Zeitgeist. Betrachten wir beispielsweise die Toleranz: Was einmal intolerabel schien, kann heutzutage schon anders betrachtet werden. War es vor 40 Jahren noch undenkbar, dass eine nackte Brust im Abendprogramm zu sehen war, so können wir das heute schon zur Mittagszeit sehen. Galt noch vor 50 Jahren Homosexualität als Krankheit und war unter Strafe gestellt, so leben wir heute in einer scheinbar toleranten Gesellschaft.

Das ist der Zeitgeist, die moralische, religiöse und auch ethische Entwicklung. Aber sind es nicht gerade auch die Werte, die durch ihre Stabilität, den fortwährenden Wandeln begleiten? Alle diese Werte gelten unabhängig von politischen Vorkommnissen, gesellschaftlicher, politischer und moralischer Evolution. Nicht nur, denn Werte unterliegen den Wandel und dürfen nicht statisch sein. Auch wir Freimaurer müssen dies für uns verinnerlichen. Das Bedienen unseres Verstandes, das „Sapere Aude“ darf nicht verloren gehen. Wir müssen versuchen, als eine feste Säule dieser ethischen und auch moralischen Werte zu gelten und wahrgenommen zu werden. Dazu müssen wir die moderne Freimaurerei aber reformieren und zu einem offenen und gerade für jüngere Menschen attraktiven Bund ethischer Menschen machen. Weg von den Geistern der Tempelritter, Weg von den Mythen des Geheimen Wissen und hin zu Tatsachen und auf Wissenschaft belegten Fakten. Wir müssen raus aus der oftmals übertriebenen Deckung und direkt auf freie Menschen von gutem Ruf zugehen und sie für unsere Gemeinschaft versuchen zu begeistern. Ohne Mystik und Hokus Pokus – JUST THE FACTS, NO FICTION!

Denn die Werte, welche die Freimaurerei seit nun mehr 300 Jahren begleiten, sind erstrebenswerte Ziele und Ideale, auch in der heutigen Zeit und auch für die nachkommenden Generationen. Es sind Werte die beständig sind, in unbeständigen Zeiten. Sie sind 300 Jahre alt, aber zu jeder Zeit immer aktuell und angebracht. Sie dienen als Richtschnur und Rahmen für nahezu jede Situation des Lebens.

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerische Verhaltensweisen

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerische Verhaltensweise

Hören und Zuhören

Sollten wir die Arbeit an uns und somit am rauen Stein ernst nehmen, würden wir die Ideale, mit denen wir uns umgeben, auch nach außen portieren. Ein brüderlicher/schwesterlicher Umgang in der profanen Welt, würde den Umgang untereinander verbessern. Die Menschen würden die Meinungen ihrer Mitmenschen tolerieren und respektieren. Sich ausreden lassen und sich gegenseitig zuhören. Doch selbst in der kleinsten homogenen Gruppe, einer Partnerschaft stellt sich das oftmals als Problem heraus. Menschen verlernen miteinander zu sprechen und vor allem sich zuzuhören, ohne zu werten. Verletzungen sind oftmals die Folge.

Nehmen wir uns den Umgang in einem brüderlichen Gespräch als Grundlage, so sollte einem offenen und sich bereichernden Austausch nichts im Wege stehen. Solch ein Gespräch und die Art und Weise des Zuhörens, können im privaten Umfeld eine Bereicherung darstellen, ebenso im beruflichen Umfeld von Vorteil sein. Das „Zuhören“ wird in unserer von Zeitdruck und Hektik geprägten Gesellschaft oftmals vernachlässigt. Es gilt eher, seine eigene Meinung und seinen Willen durchzusetzen und das „sich zurücknehmen“ wird vermehrt in den Hintergrund gedrängt. In dieser schnellen Zeit einmal die Geschwindigkeit rausnehmen, kann nur von Vorteil sein.

Der Freimaurer, der sich auf diese Tugenden besinnt, kann auch als Mediator eintreten, falls es zu Konflikten kommt. Er sollte die teilnehmenden Parteien führen können, so dass ein Austausch stattfinden kann. Hier geht es ums Hören und Zuhören.

Urteilen und Ver-Urteilen

Doch leider scheint es gerade in der letzten Zeit, dass wir zuhören und objektiv urteilen verlernt haben. Werfen wir einen Blick auf die tagesaktuellen Brennpunkte, wie die Vorkommnisse in Chemnitz, oder den Stimmenzuwachs von radikalen Parteien am Ende des Spektrums, so stellen wir fest, dass die sogenannten Wutbürger oftmals über einen Kamm mit den rechten Gruppierungen geschert (werden) und somit direkt in die Arme der radikalen Parteien getrieben werden. Wir müssen jedoch die Meinungen trennen, diese separiert betrachten und dann urteilen. Zuhören und daraus lernen. Diese Eigenschaft, welche uns als Freimaurer auszeichnen sollte, wäre eine erstrebenswerte Verhaltensweise. Das objektive Urteilen über und nicht Ver-urteilen von Meinungen, gerade auch in der profanen Welt, würde uns als Gesellschaft weiterbringen.

Toleranz und Freiheit

Toleranz zu Leben ist eines der schwierigsten Dinge, die man als Mensch machen kann. Die Werte der Toleranz unterliegen dem Wandel der Zeit und stellen zugleich eine feste Säule im selbigen Wandel dar. Jedoch gibt es deutliche Grenzen der Toleranz, die es auch gilt zu vertreten. Blicken wir um uns, so stellen wir vermehrt den Fremdenhass und neu auflodernde Gedanken einer dunklen Zeit fest. Hier müssen wir uns klar positionieren, damit wir für die Ideale der Freiheit, Gleichheit und der Mitmenschlichkeit einstehen. So etwas darf nicht toleriert werden. „Wehret dem Unrecht, wo immer ihr es seht“.

Freiheit auszuleben, ist eines der höchsten Güter des Menschen. Sie zu verteidigen gilt es, wo immer wir es können. Allein die Meinungsfreiheit dürfen wir nie verlieren, denn nur sie alleine kann uns zu einem konstruktiven Meinungsaustausch ohne Vor-Verurteilung führen. Nur so können die Worte des Gegenübers vernommen werden und darauf aufbauend ein Austausch beginnen.

Die Gleichheit

Leider ist eine Gleichstellung von Mann und Frau in unserer Gesellschaft noch immer nicht so weit fortgeschritten, wie sie sein sollte. Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts haben Bücher von Simone de Beauvoir den Feminismus begründet. Wenn wir diesen Wert der Freimaurerei auch wirklich ausleben würden, so dürften hier keine Grenzen zwischen den Geschlechtern gemacht werden, noch Genderisierung betrieben werden. Wir sollten hier als Vorbilder dienen und diesen unsäglichen Streit über die Regularität der Schwestern endlich beenden.

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerei und Religion

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerei und Religion

Ich stelle in letzter Zeit eine immer wiederkehrende Diskussion in den sozialen Netzwerken fest. Dabei kommt es vor, dass sich selbst Brüder Freimaurer mit ihren Kommentaren und Aussagen oft gegenseitig verletzen oder anzweifeln, wer denn „regulär“ ist und wer nicht.

Die Diskussion geht um die Frage: Können Atheisten Freimaurer sein? Und braucht es einen Gott in der Freimaurerei?

Ich möchte gerne die Antwort vorwegnehmen: Ja, können sie und auch sehr gute, denn ich durfte einige der Brüder auch kennenlernen oder/und bin mit ihnen befreundet. Und warum sollte ein Bruder, der Atheist ist, auch ein „schlechterer“ oder gar „irregulärer“ Bruder sein?

Die Alten Pflichten als Grundlage

In den alten Pflichten von Anderson heißt es:

„Von Gott und der Religion: Der Maurer ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetz zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein Atheist aus Einfalt noch ein religionsfeindlicher Wüstling sein. Aber obgleich in alten Zeiten die Maurer verpflichtet waren, in jedem Lande von der jeweiligen Religion des Landes oder der Nation zu sein, so hält man doch jetzt für ratsam, sie bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen, das heißt, sie sollen gute und wahrhafte Männer sein, Männer von Ehre und Rechtschaffenheit, durch was für Sekten und Glaubensmeinungen sie auch sonst sich unterscheiden mögen. Hierdurch wird die Maurerei ein Mittelpunkt der Vereinigung und ein Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welche sonst in ständiger Entfernung voneinander hätten bleiben müssen.“

Hieraus entnehmen wir klar, dass Freimaurerei keine Religion ist, noch eine Festlegung auf eine besondere Religion fordert. Es legt aber auch klar fest, dass es um Wahrhaftigkeit, Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft geht. Also immer noch nichts, was einen Atheisten nun ausschließen würde. Und wenn wir uns den Satz „Atheist aus Einfalt“ betrachten, schließt auch dies keinen Atheisten aus, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag. Denn der heutige Atheist hat sich sicherlich bewusst für diesen Schritt entschieden. Im Zeitalter der Wissenschaft und Aufklärung ist die Religion von diesen Bewegungen verdrängt worden. So auch in der modernen Freimaurerei mit seinen diversen Reform-Großlogen im frühen 20. Jahrhundert (z.B. F.z.a.S, oder Zur Sonne). Hier wurden die Dogmen der Religionen ausgeschlossen und verdrängt.

Religion in der alle Menschen übereinstimmen

Anderson sagt auch, dass der Freimaurer zu der Religion verpflichtet sei, in der alle Menschen übereinstimmen, nämlich der Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft. Und dies ohne einen Verweis auf eine Konfession. Somit kann auch der Atheist ein vollwertiger Bruder sein. Gerade deshalb ist es heutzutage mehr als unangebracht ihn als „irregulär“ zu betrachten. Denn würde man der Argumentation dieser Brüder Glauben schenken (Zitat: „steht ja so bei Anderson, kein Atheist aus Einfalt“), so müsste man im Umkehrschluss ebenso sagen, dass es sich bei diesen Brüdern ebenso um irreguläre Brüder handelt, da sie sich ja an einer Religion, oder an einer Glaubensrichtung ausrichten. Und wiederum zu beweisen, dass dies die Religion ist, in der alle Menschen gleich sind, scheint eher unmöglich.

Daher scheint ein gegenseitiger Fingerzeig ebenso unangebracht wie eine andauernde Diskussion über die „wahre Freimaurerei“. Diese hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Aber es hat immer Brüder gegeben, die sich für die 5 Säulen der Freimaurerei eingesetzt haben. Den Kern der Freimaurerei machen Gleichheit, Toleranz, Freiheit, Humanität und Brüderlichkeit aus. Und auch hier kann man schnell erkennen, dass keine Religion im Spiel ist.

Warum also sollte ein Bruder, der bekennender Atheist ist und sich zu den 5 Grundsätzen der Maurer bekennt kein regulärer Bruder sein? Ich kann dies nicht erkennen. Er lebt nach den Grundlagen und achtet diese. Daher für mich ein Bruder wie jeder andere.

Baumeister für Atheisten?

Aber stellen wir uns kurz die Frage wie ein Freimaurer, der bekennender Atheist ist, mit dem Symbol des ABAW umgeht. Nun ja, der Baumeister kommt in den meisten Ritualen vor, aber es gibt auch Ausnahmen. In einigen wird das Symbol des ABAW mit keinem Wort mehr erwähnt. Aber das schwächt diese Rituale und die Arbeiten damit keinesfalls ab. Sie sind dennoch gleich tragend. Wenn nun ein Atheist eine christlich geprägte Loge besucht, dann kann er entweder an seiner Toleranz arbeiten und über dieses Sinnbild nachdenken, oder aber er kann auch das Symbol des Baumeisters anderweitig füllen. Ein Bruder, der sich der Wissenschaft verschrieben hat, sagte mir einmal, dass für ihn die Gravitation die treibende Kraft im Universum sei, die alles festhält und kontrolliert. Ein anderer sagte mir, dass für ihn die Liebe und die Liebe zum Mitmenschen das wichtigste und allumfassendste ist. Mancher setze für den ABAW sinnbildlich den jeweiligen Gott aus ihren Konfessionen und Religionen. Ich konnte mich mit den Gedanken und der Begründung aller Brüder anfreunden. Und alles waren reguläre Brüder…

Einheit in der Vielfalt

Unter der VGLvD, der Vereinten Großloge, sind die vielen Ausrichtungen und Ausprägungen der regulären Freimaurerei zusammengefasst. Hier findet sicherlich jeder Bruder oder interessierte Suchende eine passende Bauhütte. Fast wie der sprichwörtliche Deckel den Topf. In wie fern eine solche Institution und Großloge sinnvoll ist, darüber möchte ich nicht urteilen, da dies bereits andere getan haben. Aber es zeigt einen Weg auf, was alles reguläre Freimaurerei ist, dass man sich gegenseitig besuchen und an den Arbeiten teilnehmen kann, dass man auch gemeinsame Ziele hat.

Man sagt ja auch, eine Loge ist eine Gruppierung von Ungleichen. Und so ist es in der nächst höheren Gruppierung auch…Warum sollte eine Großloge hier anders sein. Auch hier haben wir so viele unterschiedliche Brüder. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir uns dies bewusst ausgesucht haben als wir den Schritt gegangen sind und Freimaurer wurden. Im Ritual hören wir immer, dass wir gemeinsam am Tempel der Humanität arbeiten. Und dann sollten wir mal zuhören und dies auch tun und uns nicht in Netzwerken die Zeit damit vertreiben, am Stein des anderen zu arbeiten und ihm unsere persönliche Sicht der Freimaurerei aufzudrücken. Somit bliebt mir nichts weiter zu sagen, als dass ich gerne meine Zeit mit den Brüdern weiterhin verbringe, die überzeugte Atheisten (mein Bruder Alex) sind, gläubige Menschen wie mein Freund und Bruder Hagen oder auch Menschen, die „nur“ dem christlichen Glauben verbunden sind. Ich sehe alle diese Brüder als gleichberechtigte Freimaurer an und reiche jedem gern die Hand. Auch wenn ich aus einer Reformloge abstamme.

Augen auf das Wesentliche

Leider wird auch, wie jüngst auf der Tagung der Freimaurerforschungsloge Quatuor Coronati geschehen, öffentlich von Brüdern anderer Großlogen geäußert, dass Atheisten in der Freimaurerei nichts zu suchen hätten und sie doch sich in anderen Gruppierungen wiederfinden sollten, aber nicht in der Freimaurerei. Schließlich müsse man sich überlegen Wem zu Ehren die Sakralbauten erbaut wurden.

Mal ehrlich, ist das nicht eine mehr als engstirnige Haltung? Klar mag es sein, dass die Kirchen und Klöster, welche die Bauhütten erstellt hatten, zu Ehren Gottes gewesen war. Aber man kann es auch so sehen, dass die Baumeister die neuesten Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft angewendet hatten, um diese Bauwerke zu schaffen als Symbol des Sieges des Verstandes und der Technik über die Natur. Aber leider hat der betreffende Bruder, der diese Äußerung tätigte keine sinnvolle Begründung für seine Aussage liefern können. Viele unserer Brüder im Osten Deutschlands sind nicht getauft und evtl. noch auf der Suche. Sind sie denn keine wahren Maurer, keine guten Brüder? Nein, sie sind ebenso Freimaurer wie wir alle und haben sich bewusst für diesen Bund entschieden. Warum sollten wir also Brüder ausgrenzen, die Atheisten sind, aber wahre Freimaurer von Herzen sind? Sind das nicht genau die Bausteine, derer wir bedürfen für den Bau des Tempels der Humanität? Ich denke schon…

Freimaurerei – Eine Religion?

In der Diskussion um einen Gott in der Freimaurerei kommt auch oft die Meinung zu Tage, dass Freimaurerei eine Art Religion ist, oder zumindest ein Ersatz. Einige haben geschrieben, dass wir Freimaurer einen Transzendenzbezug haben, eine duale Komponente, einen Jenseitsbegriff und ein Fortbestehen nach dem Tode mit denen ein Atheist nichts anfangen kann. Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn auch ein Atheist kann sich mehr als nur ein wenig damit anfreunden. Viele Atheisten, die ich kenne und auch gleichzeitig Freimaurer sind, haben einen starken Bezug zur Wissenschaft und Forschung. Gerade im Osten sind sehr viele Brüder zu finden, welche nicht getauft sind und ohne einen christlichen Glauben erzogen wurden. Selbst diese Brüder können diese Sinnbilder (und mehr sind es ja nicht, solange der Große Baumeister sich nicht selbst vorstellt!) füllen:

  • Transzendenz, der ABAW

Ist ein Sinnbild für etwas was über dem Menschen steht, sein Handeln und Denken beeinflusst. Für die einen ist es die Gravitation, für die anderen die Liebe, für den nächsten ist es der Gott in einem selbst.

  • Duale Komponenten

Gibt es im Bereich der Monisten und Logen die Gründerväter in diesem Bereich haben eher weniger.

  • Jenseitsbegriff und Fortbestehen nach dem Tode

Diese beiden gehen Hand in Hand. Selbst ein Physiker kann sagen, dass der ganze Körper aus Energie besteht und nach dem Energie Erhaltungsgesetz keine verloren geht. Somit wird sie auch nach dem Tod noch irgendwohin fließen. Das sehen sie dann als das Jenseits und Leben nach dem Tod. Aber wer weiß das schon. Diese letzte Reise treten wir alle einmal an.

Letztendlich ist es einfach wichtig einen Weg zu finden, diese Sinnbilder zu füllen. Und das können Atheisten genau so gut wie alle anderen Brüder.

Höhere Arbeit

Nach dem Tod wird der Freimauer zu „höherer Arbeit“ abgerufen, wie man so schön sagt. Für viele ist dies wieder ein Beweis, dass die Freimaurerei mit Atheismus nicht vereinbar wäre. Denn wer sollte den Maurer denn abrufen, wenn nicht ein Gott? Natürlich möchte ich hier auch in erster Linie sagen, dass die Natur und ihre Gesetze den Maurer (wie auch jeden anderen Menschen) abrufen. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann wird genau dieses uns allen geschehen. Nun bleibt noch die Frage nach der „höheren Arbeit“, welche wir nicht abschließend beantworten können. Ist es denn so? Wie können wir dies beweisen? Solange wir hier keinen Beweis haben, bleibt nur unser Glaube, egal ob es sich hierbei um einen Atheisten oder gottgläubigen Menschen handelt. Somit liegt es auch im Ermessen des Einzelnen, diese Passage zu interpretieren.

Eine Frage der Anerkennung

Es wurde mir geschrieben, dass viele Logen wegen der Anerkennung die bittere Pille geschluckt haben und den ABAW aufnehmen mussten. Das ist so nicht korrekt. Denn die UGLoE (United Grand Loge of England) schreibt nur ein „supreme beeing“ vor. Das KANN der ABAW sein, muss er aber nicht. Hier muss der Freimaurer für sich eben dieses Sinnbild füllen und damit arbeiten. Dies kann eben, wie bereits erwähnt, auch ein Atheist. Was jedoch die UGLoE vorschriebt ist das Auflegen der Bibel. Das ist ja wiederum nicht schlimm, da in vielen Logen ohnehin mehrere Bücher aufgelegt werden, gerade wegen Brüder anderer Religionen oder eben auch Atheisten. Auch wir mussten zur Anerkennung die Bibel auflegen, haben aber auch das weisse Buch dort liegen, weil es die Tradition unserer Bauhütte so vorsieht und dies die GL AFuAM genehmigt hat. Was die Regularität angeht muss ich mich schon sehr über die Bemühungen einiger Großlogen wundern, als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit faktisch analog einer Religion anerkannt zu werden. Dies widerspricht in allen Grundsätzen den Vorgaben der UGLoE. Freimaurerei darf KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Daran sollten wir uns wieder vermehrt halten.

Fazit

Wir sind alt geworden und die Spinnenweben der Geschichte kreisen um uns. Das müssen wir massiv ändern. Warum wohl sind wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht so viele Brüder? Weil die Freimaurerei uninteressant wird für eine junge Generation, welche nachkommen muss. Ja, es gibt immer welche, die diesen Lebensstil suchen. Aber wir müssen neue Reformen durchsetzen und uns mehr in der Öffentlichkeit positionieren, ohne dass die Deckung einiger Brüder aufgegeben werden soll. Es muss der nötige Spagat zwischen der Moderne und der Tradition geschaffen werden. Wir müssen nicht so radikal dabei vorgehen wie es früher schon einmal versucht wurde (wie durch den F.z.a.S.), aber den Tatsachen ins Auge sehen und uns moderner Aufstellen. So schaffen wir eine blühende Freimaurerische Kultur. Auch innerhalb der VGLvD mit ihren verschiedenen Ausprägungen. Denn hier müssen die Streitigkeiten über die Regularität oder Irregularität aufhören und man sollte erkennen, dass hier eine „Einheit durch Vielfalt“ herrscht. Und das lässt uns wachsen und stark wirken.

Ich schätze sehr die Zeit mit euch allen. Mit jedem meiner Brüder, seien sie gläubige Christen oder auch überzeugte Atheisten. Ich schätze das offene Wort und den Gedankenaustausch…Eben weil uns ein Gedanke und 5 Werte und Normen miteinander verbinden…ein Hoch auf uns!

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerei und Gesellschaft

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerei und Gesellschaft

Leider gibt es noch immer die Freimaurer, die aus unserer Bruderschaft eine Geheimgesellschaft machen wollen. Voll mit Ritualen, Symbolen und vor allem Mystik, die in den alten Mysterienbünden Anlehnung finden. Dabei wird auch kein Halt gemacht und Parallelen von den Baumeistern der großen Pyramiden, bis hin zu den Tempelrittern gezogen. Zugegeben, sind wir eine Gesellschaft mit Geheimnissen, aber auch nicht mehr. Wir haben alte Traditionen und geheime Zeichen, Worte und Griffe, mit denen wir uns überall auf der Welt, den Brüdern und Schwestern, als Mitglieder zu erkennen geben.

Was uns jedoch fehlt, ist die „Vermarktung“ unser Ideale, wie es andere Service Clubs tun. In der Öffentlichkeit über das „Gute“ zu reden wäre mehr als sinnvoll. Die Wahrnehmung der Bevölkerung muss von den „Weltherrschaft-Verschwörungstheorien“ hin, zu einer Bruderschaft/Schwesternschaft, welche für ihre Werte einsteht. Raus aus der Deckung, um mit der Vergangenheit und den Unwahrheiten aufzuräumen.

Die 5 Grundsätze der Freimaurerei hatten Einfluss auf die Französische Revolution, bis hin zur Aufklärung. Die Freimaurerei, wie wir sie seit 300 Jahren kennen, ist ein Kind dieser Aufklärung. Leider vergessen wir dies all zu häufig. Denken vorgelebt zu bekommen, um nicht mehr selbst zu denken, wurde eine Krankheit unserer neuen Zeit. Es ist einfacher „dumm“ zu sein und mit der Menge zu schwimmen, als sich seines Geistes zu bedienen. Das „Sapere Aude“ ist leider vermehrt in den Hintergrund geraten. Menschen werden immer weniger zu Freunden und tauschen sich weniger real aus, sondern tragen ihre einseitige Kommunikation in Soziale Netzwerke. Es wird nicht mehr miteinander kommuniziert, sondern nur „referiert“. Der freie Geist, der Drang nach Erkenntnis, weicht dem Geist des „Ich weiß alles was ich muss“.

Ziel einer neuen Form der Freimaurerei, einer Reformfreimaurerei muss eine neue Aufklärung 2.0 sein. Der Mensch muss wieder in den Fokus rücken und die geistige Arbeit, die er verrichten kann. Diese Arbeit kann aus den Logen heraus erfolgen, wenn wir uns endlich nicht mehr mit uns selbst beschäftigen, sondern gemeinsam an den Zielen arbeiten würden. Dabei ist es unerlässlich, die Frauen mit einzubeziehen. Der Tempel der Humanität kann nicht gebaut und geschaffen werden, wenn die Hälfte der Menschheit außen vor bliebe.

Der frühere Einfluss der Freimaurerei auf die Politik und die Gesellschaft verschiedener Länder, (wie Frankreich, Preußen) aber auch auf die Gründung von Staaten wie den USA (siehe Wortlaut der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung) muss wieder verstärkt gefördert werden. Dies kann allerdings nur forciert werden, wenn wir wieder die Erörterung politischer Fragen zulassen und dazu auch Stellung beziehen. Der Austausch der Brüder und Schwestern auch in diesen kritischen Themen muss ein fester Bestandteil der Bruderabende werden. Halten wir uns dabei an unsere eigenen Regeln, was den brüderlichen/schwesterlichen Austausch bei diesen Gesprächen angeht, so sollten wir zu keinem Streit kommen.

Dabei darf man nie vergessen, dass auch wir Menschen und Brüder fehlbar sind. Falsche Strömungen könnten zu einem Unterwandern der Regierung führen und zu einer Veränderung der Gesellschaft. Die Propaganda Due (P2) hatte dies in Italien leider fast erreicht. Wir müssen uns selbst an unseren eigenen Werten messen und be-messen lassen. Dazu müssen wir aber, wie anfangs erwähnt, raus aus der Deckung und rein in die öffentliche Wahrnehmung, als Freimaurer und Hüter des Geistes der Aufklärung.

Neue Dokumente des F.z.a.S. (Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne) – Mediathek

Wieder einmal hatte ich das Glück, weitere Dokumente es Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne (F.z.a.S.) in einigen Antiquariaten zu finden. Natürlich habe ich diese bereits in die Mediathek gestellt und sie bei der Gelegenheit etwas neu sortiert.

Spannend ist hierbei der tiefe Einblick in die Ereignisse des Ersten Weltkrieges, die Meinungen der Brüder und Briefe von Brüdern von der Front.

Viel Spaß beim Lesen…

Sonnenstrahlen_August_1914

Sonnenstrahlen_Oktober_1914

Sonnenstrahlen_Dezember_1914

Sonnenstrahlen_Februar_1915

Sonnenstrahlen_März_1915

Sonnenstrahlen_April_1916

Sonnenstrahlen_Mai_1916

Sonnenstrahlen_Juli_1916

Sonnenstrahlen_September_1916

Sonnenstrahlen_März_1917

Sonnenstrahlen_Juni_1917

Macht Unwissenheit glücklicher? – Aufklärung 2.0

Die Forderung nach einer neuen Aufklärung wurde in den letzten Tagen immer öfter an mich herangetragen. Sei es per Email, als auch in öffentlichen Foren oder sozialen Netzwerken. Viele Menschen, mit denen ich mich austausche und rede sind der Meinung, dass die Zeit hierfür reif ist. Nein, sie ist sogar nötig! Die immer andauernde Frage nach dem Sinn des Menschen, den Religionen und die offenen Diskussionen über diese, beschäftigten mich nun seit einigen Wochen. Hinzu kommen vor allem die Beschaffenheit und die Gewinnung von Informationen in unserer Gesellschaft.

Informationen können wir in unserem Land viele bekommen, konsumieren und müssten sie auch reflektieren. Die Bewertung der Quellen sollte hierbei nicht vergessen werden.

Wenn wir uns Gedanken machen möchten über einen Weg hin zu einer neuen Aufklärung, somit müssen wir uns vor allem mit zwei wichtige Aspekte auseinandersetzten:

  • den Informationsgehalt, auf den wir unser Wissen, unsere Erkenntnisse und unsere Reflektionen beziehen
  • als auch die Einsicht, dass eine neue Aufklärung, eine Aufklärung 2.0 von Nöten ist

In den kommenden Zeilen möchte ich kurz an das Thema herangehen und mit einem Rückblick an die Aufklärung beginnen.

Einleitung über die Aufklärung

„Der Begriff Aufklärung, auch für das „Aufklären“ von beliebigen Sachverhalten und über beliebige Sachverhalte verwendet, bezeichnet die um das Jahr 1700 einsetzende Entwicklung, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden. Es galt Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen. Seit etwa 1780 bezeichnet der Terminus auch diese geistige und soziale Reformbewegung, ihre Vertreter und das zurückliegende Zeitalter der Aufklärung in der Geschichte Europas und Nordamerikas. Es wird meist auf etwa 1650 bis 1800 datiert.

Als wichtige Kennzeichen der Aufklärung gelten die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, mit der man sich von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen und Ideologien „auch gegen den Widerstand von Tradition und Gewohnheitsrecht“ befreien will. Dazu gehörte im Zeitalter der Aufklärung der Kampf gegen Vorurteile und die Hinwendung zu den Naturwissenschaften, das Plädoyer für religiöse Toleranz und die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte die Aufklärung auf mehr persönliche Handlungsfreiheit (Emanzipation), Bildung, Bürgerrechte, allgemeine Menschenrechte und das Gemeinwohl als Staatspflicht. Insbesondere Olympe de Gouges setzte sich für die Frauenrechte ein und musste das mit dem gewaltsamen Tod bezahlen. Condorcet wollte das allgemeine Wahlrecht auch den Frauen gewähren.

Viele Vordenker der Aufklärung waren fortschrittsoptimistisch und nahmen an, eine vernunftorientierte Gesellschaft werde die Hauptprobleme menschlichen Zusammenlebens schrittweise lösen. Dazu vertrauten sie auf eine kritische Öffentlichkeit. Kritik an diesem „Vernunftglauben“ entstand seit etwa 1750 unter den Aufklärern selbst, dann im Sturm und Drang und in der Romantik, aber auch im Skeptizismus und dem sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts formierenden politischen Konservatismus.

Aufklärerische Impulse beeinflussten Literatur, Schöne Künste und Politik, etwa die Amerikanische Revolution von 1776 und die Französische Revolution von 1789. Sie trugen zu einem andauernden Rationalisierungsprozess von Politik und Gesellschaft bei, so dass die Aufklärung zu einem Kennzeichen der Moderne wurde.“

(aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung)

Sehr nüchtern wird hier die Entwicklung einer Zeit beschrieben, die uns einen wichtigen Schritt in die Modern bescherte. Die Entwicklung des Menschen aus einer Welt der Dogmen und von einer christlichen Obrigkeit beeinflussten Weltanschauung, hin zu einem freien Willen. Einem „Sapere Aude“, dem Willen und der Kraft selbst denken zu können und dies auch zu wollen.

Die Augen verschließen

Doch blicken wir ein paar Jahrhunderte später zurück auf diese Forderung, so lässt sich feststellen, dass der Mensch doch eher ein „Gewohnheitstier“ ist, bequem geworden ist und eine gewissen Freude hat, sich berauschen zu lassen und nur noch zu konsumieren. Der Mensch macht sich nur allzu gerne selbst zum „Couch-Potato“, zu einem Konsumenten.

Warum sollte man sich auch mit geistiger Arbeit auseinandersetzten (wollen), wenn das „sich berauschen lassen“ doch so viel einfacher sein kann. Konsumieren statt Denken wurde zu einem Sinnbild für unser heutiges Verhalten.

Das Ziel vor Augen

Dabei sollte uns doch immer wieder vor Augen geführt werden, wie sehr die Vordenker der aufklärerischen Gedanken für diese gekämpft haben. Diese Ideen führten zur französischen Revolution und den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (französisch: Liberté, Égalité, Fraternité) und ebenso zu neuen Staatsformen, wie den Vereinigten Staaten von Amerika. Setzt man sich mit der Verfassung der USA auseinander, so finden sich hier bereits direkte Bezüge zu den freimaurerischen Schriften des 17. Jahrhunderts. Nicht umsonst waren etwa 1/3 der unterzeichnenden Männer Freimaurer.

Die Macht des Klerus und den  daraus resultierenden Einschränkungen in der Entwicklung und Forschung haben die Entwicklung der Menschheit um Jahrhunderte blockiert, wenn nicht sogar zurückgeworfen. Vergleicht man das „finstere Mittelalter“, seine Auswirkungen auf die Hygiene und damit auch verbunden Krankheiten, ebenso die Inquisition, welche jede Art von Forschung und Wissenschaft unterdrückt hat, mit den Errungenschaften aus der Zeit der Aufklärung, kann man sehen, wie die Kirchen die Entwicklung verhindert hatten. Dennoch stellten sich Menschen diesem entgegen und führten die Bürgerlichen aus dieser selbstverschuldeten Unwissenheit ins Licht zurück.

Aufruf für eine neue Zeit

Warum sollten wir nun diese Ideen und die Motivation, die diese Menschen bewogen hat ihr Leben zu riskieren, um ihre Visionen öffentlich kund zu tun, nun ausblenden und vergessen? Nur weil uns das Berauschen mehr gefällt und uns das Sofa gefangen hält? Weil die Konsumierung von Informationen und der Zugang zu „Wissen“ heutzutage so leicht geworden ist, wie noch nie zuvor?

Es wäre fatal, wieder in eine Zeit zurückzufallen, in der uns vorgeschrieben wurde, was wir zu denken und zu wissen haben. Was wir aber wissen oder zumindest glauben zu wissen, gilt sinnvoll zu bewerten und daraus zu filtern, was für den einzelnen wichtig ist, was wahre Informationen sind und was eher sog. „alternative Fakten“. Die Schwierigkeit hierbei ist doch zu wissen und zu unterscheiden, woher meine Informationen kommen und wer ein Interesse daran hat, dass ich diese Informationen bekomme und ihnen Glauben schenke.

Teil 1: Informationsgehalt und -Sicherheit

Filterung von Informationen

Unser modernes Zeitalter gibt uns die Möglichkeit massenhaft Nachrichten und Neuigkeiten aus der gesamten Welt zu bekommen. Hinzu kommen noch die freien Möglichkeiten der Informationsbeschaffung aus dem Internet. Rund um die Uhr sind die Meinungen von Journalisten und Reportern abrufbar. Wir haben zudem den Vorteil, dass unsere Möglichkeiten nicht eingeschränkt werden wie in Ländern wie China. Uns scheinen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten offen zu stehen, Informationen abzurufen, unser Wissen weiterzubilden und uns eine Meinung zu einem Sachverhalt zu bilden.

Und genau hier liegt auch das größte Problem dieser Entwicklung.

Freie Meinung & freie Medien

Richtig betrachtet SCHEINT uns eine freie und öffentliche Welt zur Verfügung zu stehen. Aber müssen wir uns nicht die Frage stellen, WER für die Information verantwortlich ist und WAS dieser Urheber erreichen möchte? Stellen wir denn die Nachricht per se in Frage und hinterfragen wir deren Hintergründe und die Motivation hinter ihr?

Oftmals leider nicht ausreichend. Meinungsbildung ist sicherlich die modernste Form von Macht. Betrachten wir hierbei einmal die Liste der mächtigsten Menschen auf unserem Planeten, so werden wir feststellen, dass neben Politikern auch viele Unternehmer in diesem Ranking aufgeführt werden, die einen nicht irrelevanten Einfluss auf Medien oder Informationen haben. Somit müssen wir uns die berechtigte Frage stellen, ob all das, was wir vorgesetzt bekommen, auch den Tatsachen entspricht. Natürlich ist es oftmals schwer dies zu bemerken, zu unterscheiden und zu filtern. Aber wir haben immer noch den eigenen Verstand um es bewusst zu hinterfragen. „Wem nützen welche Informationen“ oder auch „was ist die Absicht hinter dieser Aussage?“.

Spannend ist hierbei die Betrachtung der Zusammensetzung des Rundfunkrats. Dieser ist bei deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das oberste, für die Programmkontrolle zuständige Aufsichtsgremium. Es wird ein Gremium geschaffen, welches die Einhaltung von Gesetzten und Ethik überwachen soll, jedoch die Zusammensetzung dieser Rundfunkräte ist dabei oftmals fragwürdig.

„So liegt der Anteil der Staatsvertreter bei einigen Anstalten bei 50 %; dies wird als beherrschender Einfluss kritisiert. Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass die Konstruktion dann verfassungswidrig ist, wenn ein beherrschender Einfluss von Staatsvertretern auftritt. Auch sind zwar die Kirchen im Rundfunkrat vertreten, jedoch keine Vertreter von Atheisten und Agnostikern.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkrat). Wir müssen somit weiterhin davon ausgehen, dass dem mündigen Bürger automatisch unterstellt wird, dass ein ethisches Verhalten ohne Religion und Kirche nicht möglich sei. Natürlich sind Atheisten oftmals nicht in festen Gruppierungen wie eine Religion zusammengefasst und wenn doch, welche sollte denn die öffentliche Meinung für all diese Gruppen vertreten? Einen Vertreter zu suchen und zu stellen ist wohl eine der größten Herausforderungen.

Hinzu kommt noch die mögliche Einflussnahme durch die kirchlichen Vertreter, welche durchaus ihre Position nutzen könnten, um Meinungen zu schaffen und zu platzieren. Vielleicht können hierbei auch die Nachrichten beeinflusst werden und z.B. eine negative Berichtserstattung über Kindesmissbrauch in der Kirche verhindert werden.

Dennoch bleibt die Frage ( und damit verbunden eine indirekte Unterstellung?) offen, warum „nur religiöse Menschen“ eine ethische Meinung haben können und diese auch vertreten dürfen. Aber wenn wir den Bogen zur Aufklärung schaffen, so müssen wir doch eines feststellen, nämlich dass dies nicht der Fall sein muss. Der Mensch hat ethische Werte und eine Moral auch ohne jeglichen Einfluss einer Religion. Sie ist nicht notwendig, um einen ethisch denkenden Menschen, mit Werten und Moral zu schaffen.

Viel schlimmer müssen wir aber den Anteil der Staatsvertreter werten. Generell sollte der staatliche Einfluss im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unterbunden werden. Keine partei-politische Werbung oder Einflussnahme stattfinden. Es gilt, eine neutrale Möglichkeit zu schaffen, um den Bürger und interessierten Menschen mit den gewünschten Informationen zu Versorgen. Wenn dies eine wahre Absicht wäre, so müsste man über die Zusammensetzung der Rundfunkräte noch einmal nachdenken und Reformen anstreben.

In diesem Zusammenhang sollte ebenso nachgedacht werden über die oftmals zu häufig wiederkehrenden Diskussionsgruppen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Natürlich muss es im Sinne einer modernen Informationskultur sein, aktuelle Themen und Beiträge journalistisch aufzuarbeiten, aber dabei immer mehr Vertretern diverser Parteien eine Plattform zu bieten, halte ich für fraglich. Die Zunahme dieser Anhäufungen gerade vor einer Wahlperiode möchte ich kritisieren. Zurückblickend auf die letzte Bundestagswahl muss man sagen, dass gerade Parteien wie die AfD mit der nötigen Provokation in der Öffentlichkeit (entrüstetes Abbrechen von Diskussionsrunden einiger Vertreter/innen) eine zu große Präsenz in den Medien bekommen haben.

Neue Wege der Meinungsbildung

Natürlich suchen sich Regierungen wie die in Deutschland neue Wege, um die Regularien in den öffentlich- rechtlichen Medien zu umgehen. So wurde unlängst ein eigener YouTube Kanal geschaffen um „Nachrichten der Regierung“ zu verbreiten. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung betreibt gleich mehrere Kanäle zu unterschiedlichen Themen (https://www.youtube.com/user/bundesregierung/channels). Nun sei es einmal dahingestellt, in wie fern dies nicht nur wieder eine gefilterte Meinung einer Partei (oder wie in diesem Fall einer Koalition) ist. Aber nicht genug mit der Schaffung eines eigenen Kanals, dieser muss natürlich auch noch in den sozialen Netzwerken publik gemacht werden, ich möchte sogar schon von „promotet“ sprechen (https://www.facebook.com/Bundesregierung/). Mag der ein oder andere nun anmerken, dass sich die Anzahl der Abrufe noch in Grenzen hält, so muss man dennoch berechtigter Weise die Frage stellen, WO hier eine sinnvolle Abgrenzung gemacht wird in Bezug auf die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung des einzelnen Bürgers. Jan Böhmermann machte dies unlängst in seiner Sendung Neo Royal zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=853w0xpumTs. Natürlich sei der Einwand berechtigt, dass man hierüber durchaus auch Neuwähler erreichen kann, jedoch bleibt die Frage offen, WO die Grenze gezogen werden muss.

Betrachten wir hinzukommend die oft verfolgte öffentliche Diskussion in der Schweiz über die Abschaffung der staatlichen Rundfunkgebühr Billag. Hier wurde eine Initiative gestartet, um diese Gebühr und somit die Finanzierung des schweizer öffentlich-rechtlichen Fernsehens abzuschaffen. Da diese Kosten deutlich höher sind als die GEZ Gebühren, war anfangs eine breite Zustimmung garantiert. Jedoch kippte diese Stimmung im Laufe der Diskussion und Information an den Bürger. Es wurde schnell bewusst, was es heißen würde eine staatliche Kontrolle aufzugeben und die Finanzierung in die Hände privatwirtschaftlicher Interessen zu stellen. Die Aufgabe der „Unabhängigkeit der Medien“ wurde postuliert und schlussendlich ist die Abschaffung der Billag Gebühr verhindert worden. Eine scheinbar „gefühlte Neutralität“ der öffentlich-rechtlichen Medien ist beibehalten worden.

Wenn wir den Blick weglenken von den öffentlich-rechtlichen Medien zu den Privaten, so stellen wir eine deutliche Zunahme dieses Bereiches der Informationsbeschaffung fest. Wurde vor knapp 20 Jahren noch der erste private Sender RTL wegen ihres Erscheinungsbildes belächelt, so war dennoch diese Entwicklung nicht mehr zu bremsen. Eine Masse an neuen Fernsehsendern überflutet das Land und sogar die Welt. Weit über 1000 Sender können empfangen und konsumiert werden. Leider hat hier jede Nische ihre eigenen Möglichkeiten. Vom Nachrichtensender über Bibel, Informationen zu Sex und dann weiter zu den HomeshoppingSendern. Jeder, der es sich leisten kann, kann hier einen Kanal bekommen. Dazu kommen natürlich noch die bereits erwähnten Möglichkeiten über Internet-TV und Kanälen. Der öffentlichen Verbreitung von Informationen werden keine Grenzen mehr gesetzt.

Meinung bilden und schaffen

In der Forbes Liste der mächtigsten Menschen der Welt finden wir daher nicht nur Politiker auf den vordersten Plätzen wieder, sondern zunehmend CEOs, die große Unternehmen leiten, welche nüchtern betrachtet mit den Informationen der Menschen handeln, welche sie nutzen. Jeff Bezos (CEO Amazon), Mark Zuckerberg (CEO Facebook) und Larry Page (CEO google) sind nur einige der Namen, die man hier nennen kann. Doch diese Liste ist deutlich länger.

Einige von diesen Personen haben auch eigene (Fernseh-) Sender oder auch Zeitungen und können somit Meinungen gestalten. Eine Meinung zu schaffen und verbreiten zu können, ist das mächtigste Werkzeug was man haben kann. Dem Verfasser eine Nachricht oder eines Textes muss sich darüber klar sein, welche Wirkung er erzielen kann. Er kann Menschen erreichen, fesseln und eben dazu bringen, eine Meinung oder auch ein Vorurteil zu haben. Gerade im Sommer 2016 wurde mit dem Flüchtlingsstrom die Stimmungsmache in den öffentlichen Medien und Netzwerken von rechten Gruppierungen genutzt um gezielt falsche Informationen über die Flüchtlingspolitik zu verbreiten.

Der gläserne Mensch

Machen wir uns nichts vor: wir bekommen das, was wir lesen wollen und vor allem bezahlen wollen. Oder was andere Firmen für unsere Daten zahlen.

Denken wir doch an den jüngsten Skandal um Facebook und Firma Cambridge Analytics. 87 Millionen Benutzerdaten wurden hier abgezogen und illegal verwendet. Natürlich war der Aufschrei groß und jeder gibt sich betroffen. Mark Zuckerberg wurde als CEO vor den Kongress der USA berufen und musste sich dort den Fragen öffentlich stellen. Alternative Fakten werden hier geschaffen und kreiert und entsprechen nicht mal einem Minimum an journalistischer Arbeit. Dass diese Fakten und die persönlichen Daten gezielt zur Manipulation der Bevölkerung eingesetzt werden können, haben die letzten US Wahlen oder auch das Brexit bewiesen.

Natürlich war der Aufschrei groß in den Medien, als vor allem das Ausmaß dieses Skandals bekannt wurde. Aber war uns das nicht schon lange bewusst?  Oder sind die Leute einfach naiv, in der Hoffnung „wird schon nichts passieren“? Menschen nutzen diese Medien und stellen Bilder, Information und vor allem Persönliches auf eine öffentliche Plattform, die jeder einsehen kann und dabei machen sich die wenigsten Gedanken über die Sicherheit ihrer Daten und die Tragweite der Informationen. Bilder von Kindern, privaten Termine und Ereignisse, aber auch persönliche Meinungen und Aussagen werden öffentlich und ohne großes Nachdenken eingestellt und geteilt. Die einfache Anwendung dieser sozialen Medien macht es leicht, ein Bild oder einen Sachverhalt einer breiteten Masse mitzuteilen. Wir werden hier selbst und unbewusst zu den eigenen Reportern über unser Leben. Wir filtern ungenügend den Informationsgehalt von gelesenen und verbreiteten Inhalten und setzen auf eine gefühlte Sicherheit.

Oft hört man „Was wollen die Konzerne denn mit meinen Daten? Ich bin doch nur ein kleiner Bürger/eine kleine Bürgerin. Das bringt denen doch nichts“ und genau hier liegt der Fehler im Denken! Die Daten einer einzelnen Person mögen auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, aber die Daten vieler Personen, wie beispielsweise im aktuellen Facebook Skandal sind dann sehr bedeutend. Aus ihnen können Tendenzen, Meinungen und Trends bestimmt werden, die dann auch gezielt manipuliert werden können.

Persönliche Daten, die daraus resultierende Informationsgewinnung ist der Markt, der Firmen wie Facebook groß werden lässt. Und gerade dessen müssen wir uns bewusstwerden, wenn wir freizügig mit unseren persönlichen Daten, unseren Vorlieben und vor allem mit dem Privatleben hausieren gehen. Niemand käme auf die Idee derart Persönliches auf einer Werbefläche an einer öffentlichen Straße zu präsentieren. Aber gerade das machen wir zunehmend, weil es zu unbequem ist, sich mit Filter- und Datenschutzmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Was sind die Interessen?

Natürlich muss ich abschließend sagen, dass weder die öffentlich-rechtlichen, noch die privaten Sender und Zeitungen frei von einer NEUTRALEN Meinungsbildung sind. Sie stehen unter einem privat-wirtschaftlichen oder auch nur wirtschaftlichen Druck bis hin zu den Interessen ihrer Besitzer/Eigentümer.

Selbst „unabhängige Zeitungen“ haben eine Ausrichtung innerhalb der politischen Wiese. Natürlich wird auch hier ein gewisser Lobbyismus getrieben, der sich auch in barer Münze auszahlen lässt. Unterstützungen bei den Kosten zum Betreiben einer Zeitung waren schon immer gern gesehen und sei es nur durch die gezielte Schaltung von Werbung.

Gefiltert werden Informationen zur Verfügung gestellt und der gläserne Konsument wird mit dem „informiert“, was vorher festgelegt und an andere Unternehmen verkauft wurde. Es wird gezielt Werbung auf unsere Interessen geschaltet und wir können uns kaum schützen vor der Auswertung unserer persönlichen Daten und Interessen.

Teil 2: Macht Unwissenheit glücklicher?

Was wir im ersten Teil der Betrachtung erarbeite haben ist die Unsicherheit, die wir haben, wenn wir externe Informationen und Nachrichten erhalten und aufnehmen. Wenn wir wiederum etwas selbst erfahren, etwas selbst erleben, so können wir aus erster Hand das Geschehen beurteilen und diese Informationen teilen. Wiederum sei dabei aber angemerkt, dass eine persönliche Wahrnehmungimmer auch subjektiv ist. Wie ich persönlich etwas erlebe, kann sich durchaus von dem Erlebten meines Mitmenschen unterscheiden, obwohl wir beide vor Ort waren und sogar den gleichen Fall beschreiben. Eindeutig wären hierbei nur die fixen, unveränderlichen Tastsachen wie Tag, Uhrzeit, Ort, Anzahl Betroffener, also den faktischen Hergang. Die Stimmung, die dabei resultierte, das Empfinden und die persönliche Einschätzung können sich jedoch stark unterscheiden. Was für den einen ein schönes Erlebnis ist, kann für sein Gegenüber schon unerträglich sein. Ein einfaches Beispiel wäre die Fahrt mit einer Achterbahn. Die eine teilnehmende Person würde vor Freude begeistert schreien, während eine weitere vor Angst ebenso schreien würde.

Vom Bewusst-Sein

Betrachten wir die bereits erwähnte Personengruppe, die zunehmend nur konsumiert und nicht reflektiert, so muss man sich wahrlich die berechtigte Frage stellen, ob diese Menschen unglücklicher sind, als all die anderen, die sich mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinandersetzten.

Was macht das Bewusst-Sein aus?

„Bewusstsein ist nach Edmund Husserl immer Bewusstsein von etwas. Diese Bestimmung hat dieser von Franz Brentano übernommen. Dies bedeutet, dass Bewusstsein nicht leer ist, sondern konstitutiv einen Inhalt benötigt, was bedeutet, dass es kein leeres Bewusstsein geben kann. Reflexion ist das Selbstbetrachten des Bewusstseins. So kann ich mich als Lesenden selbst betrachten, ich kann aber auch nur lesen und bei diesem Lesen ohne ein besonderes Bewusstsein von diesem Lesen sein. Sartre geht in seiner Einleitung davon aus, dass wir nur Reflexion, das heißt, Bewusstsein von unserem Bewusstsein haben können, wenn es eine Struktur gibt, die er als präreflexives cogito bezeichnet, als nicht setzendes Bewusstsein. […]

Wenn ich zähle, so kann ich einfach nur zählen, ohne mir darüber bewusst zu sein, dass ich zähle. Werde ich aber gefragt, was ich da mache, so werde ich antworten: „Zählen!“. Sartre geht nun davon aus, dass ich also schon bevor ich mir dieses reflexiv zum Bewusstsein bringe, schon ein Bewusstsein von der Sache haben muss, welches er als präreflexives cogito bezeichnet. Ein unbewusstes Bewusstsein hält Sartre für logisch widersinnig.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Sein_und_das_Nichts)

Würden wir das so eng sehen, dann würde unser „Sofaheld“ (oder auch Couch Potato) bewusst etwas konsumieren. Die Person hat ja schließlich den Fernseher, den Rechner um ins Internet zu kommen oder wie auch immer, bewusst angeschaltet, um sich Informationen zu beschaffen. Wiederum ist das richtig, nur haben wir immer noch die offene Diskrepanz, welche Informationen konsumiert werden und wie richtig diese sind.

Nun bietet durchaus die modernen Kommunikationsmittel verschiedene Möglichkeiten, sich mit den gewünschten Informationen zu versorgen. Oder eben auch die Möglichkeit, sich nur ablenken zu lassen.

Konsumieren kontra Reflektieren

Leider bietet die breite Masse an Fernsehsendern keine Programme an, welche dazu dienen könnten, den menschlichen Geist zu beschäftigen oder noch dazu einlädt, das Gesehene zu reflektieren. Nur all zu oft geben sich die Menschen der „Beschallung und Berauschung“ hin. Nachdenken ist nach einem anstrengenden Tag eher selten gewünscht. Leichte Kost für den Kopf steht da hoch im Kurs. Leider wissen dies auch die Sendeanstalten und servieren es der kaufkräftigen Klientel.

Was uns wiederum zu der Frage bringt, ob die absichtliche Beschallung mit eher sinnlosen Informationen und Sendungen zielführend ist oder sogar den Menschen an sich glücklicher macht. Wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, unserem Kopf und Verstand eine Pause zu gönnen und diese dann mit leichter Kost zu füllen, mag das durchaus nicht verwerflich sein. Es dient dem Menschen eher den Kopf frei zu machen, als ihn mit weiteren Themen zu füllen, die eine Reflektion nötig machen.

Was aber, wenn wir darüber nicht nachdenken und nur noch unbewusst konsumieren? Ist das Leben dieser Menschen „ärmer“ als das derer Menschen, die sich genau ihre Sendungen und Informationen aussuchen und gezielt auswählen, was sie konsumieren wollen? Dies würde aber auch voraussetzen, dass sich diese Menschen absolut nicht im klaren sind, was ansprechende und geistig anregende Arbeit eigentlich bedeutet. Oder sich sogar bewusst für das „Nichtwissen“ entscheiden, weil es sich weniger stresst, aufregt und weniger Ängste verbreitet? Wer sich nicht belastet ist am Ende evtl. glücklicher, weil er alles Negative ausblenden kann, dank „Harz4-TV“? Eine spannende These.

Diese Menschen leben scheinbar im Ungewissen, was ihre geistigen Fähigkeiten und Kapazitäten angeht. Das setzt jedoch auch ein gewisses Bildungsniveau voraus, damit man sich seiner Lage im Klaren ist. Bildung und Wissen ist eine Grundvoraussetzung, damit man Informationen unterscheiden und bewerten kann. Zudem kommt eben noch das Hinterfragen hinzu, WO die Informationen herkommen und wie verlässlich ihr Wert ist. Wenn man dies alles lässt, also weder bewertet noch hinterfragt, muss das Leben nicht leerer sein, als das eines Menschen mit offenem Verstand. Es ist einfach anders und eine andere Art des Seins.

Suchen wir uns jedoch gezielt und völlig bewusst Informationen, Nachrichten und Sendungen aus, so beginnt nach dem Konsum auch die Reflektion. Die Verarbeitung des Inhaltes und daraus resultierend die eigene geistige Arbeit und mögliche Rückschlüsse für einen selbst. Den Verstand einschalten und die eigenen Möglichkeiten nutzen und nicht verschwenden.

Alternative Fakten

Setzen wir uns mit der Bewertung der Nachrichten auseinander, so kommen wir wieder zurück auf die bereits erwähnten „Alternativen Fakten“. Wir müssen die Informationen nicht nur aufnehmen, sondern auch auf den „Wert“ des Inhaltes prüfen und bewerten. Jede Tatsache glauben, die einem vorgesetzt wird, kann nicht vereinbar sein mit einem offenen Geist. Oftmals muss man hinterfragen: Wem nützen diese Nachrichten und die damit verbundenen Aussagen?

Hier muss man auch klar die Selbstreflektion der Journalisten in Frage stellen. Wurde von dieser stelle ebenso nötig hinterfragt, oder wurde hier nur eine Stimmung schnellstmöglich verbreitet? „Mehr Unterscheidung zwischen Information und Wissen, Fakten und Zusammenhang. Letztlich also: etwas mehr Vertrauen in die Urteilskraft der meisten Menschen, etwas mehr Glauben an die Aufklärung.“ (aus: https://www.zeit.de/2015/32/verschwoerungstheorien-information-chemtrails-reichsbuerger/seite-3)

Journalismus sollte eine notwendige Recherche vorausgehen und eine Abwägung der Interessengruppen jener, die Informationen verbreiten wollen. Schnell grenzt dies an die bloße „Meinungsmache“ und grenzt sich damit stark von einer wirklichen Aufarbeitung eines Ereignisses ab. Natürlich ist diese schnelle Verbreitung von Nachrichten auch den Sozialen Netzwerken und „Social Medias“ geschuldet. Wer zu lange recherchiert, hat keine Neuigkeiten mehr zu präsentieren. Damit wird es für Journalisten schwieriger, qualitativ hochwertige Nachrichten zu erarbeiten, da ein hoher Zeitdruck und die gewachsene Anzahl von Hobbyjournalisten das nicht mehr ermöglichen.

Es lässt sich also sagen, dass zum einen der Konsument mehr auf die Informationen, deren Quellen und deren Bezug achten muss, als auch auf die Urheber der Nachrichten und dessen Absichten. Gerade die letztere Gruppe sollte sich der Verantwortung bewusst sein, die sie mit der Vervielfältigung ihrer Worte hat.

Wissen ist Macht, doch macht nichts wissen nichts?

Moderne Formen der Aufklärung

Was aber tun, wenn wir der Meinung sind, dass ein „vorbeten der Obrigkeit“ und blindes Vertrauen in die moderne Nachrichtenwelt nicht ausreicht, um sich eine objektive Meinung zu bilden. An den Orten des Geschehens können wir ja nicht immer sein, um selbst zu urteilen/beurteilen. Wir sind angewiesen auf Journalisten vor Ort und dessen Informationsbeschaffung. Wir sind angewiesen auf Menschen, die die Verbreitung von falschen Aussagen öffentlich anprangern. Denken wir zurück an die ausgeschlachteten Nachrichten der AfD, die oftmals Partei Polemik verbreiten, ohne die Informationen vorab zu prüfen. Selbst in einigen Länder Europas wird die Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt (siehe: https://www.welt.de/politik/ausland/article175788755/Besonders-in-Europa-ist-die-Pressefreiheit-in-Gefahr.html). Gerade die Einmischung von Regierungen in Ost-Europa in den unabhängigen Journalismus von Zeitungen und Sendern lässt mich an der Ehrlichkeit der Nachrichten stark zweifeln. Wir können auch beispielhaft in Länder wie der Türkei blicken, wo Pressefreiheit schon seit der Machtergreifung Erdogans ein Fremdwort ist. Von der Trennung von Staat und Religion ganz zu schweigen. Aber auch in vermeintlich offenen Ländern wie den USA wird die Nachrichten- und Pressewelt von Geld und Interessen, den Lobbyisten regiert. Dem Konsumenten werden auf ihn geschneiderte „News“ präsentiert, unterbrochen von Schlagzeilen und Krisen. Die Rate an Berichten über schreckliche Ereignisse, Mord und Todschlag ist deutlich höher als in jedem anderen westlichen Land. Die Schaffung eines Angstgefühls macht sich hier breit.

Leider können wir gerade dies zunehmend auch in Deutschland feststellen. Nachrichten werden ohne Überprüfung schnellstmöglich vorbereitet und sollte es sich doch um Fehlinformationen gehandelt haben, wird kleinlaut zurückgerudert. Es ist immer wieder spannend zu sehen, mit welchen Nachrichten das sog. Sommerloch gefüllt wird. Kennen wir das nicht alle, dass etwas hoch aufgebaut wird und dann plötzlich niemand mehr darüber redet?

Wie also können wir noch garantieren, dass die Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, auch der Wahrheit entspricht? Wie können wir verhindern, dass wir nicht über moderne Medien manipuliert werden und Meinung gebildet wird? Leider nur schwer, denn die Frage nach dem „wem wir trauen können“ müssen wir uns zuerst stellen.

Wir müssen wieder lernen, uns mit uns selbst und unserem Verstand auseinanderzusetzten. Wir müssen lernen zu hinterfragen und neu zu bewerten. Und genau hier finden wir den Bogen zurück zur Aufklärung. Immanuel Kant nannte 1784 selbst das Motto dieser Bewegung: Sapere Aude, also: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“. Die Nutzung der Möglichkeiten und der Kapazitäten des menschlichen Verstandes muss wieder in den Vordergrund rücken und vor dem „stupiden konsumieren“ stehen. Einfach mitdenken!

Aufklärung 2.0 und Fazit

Das Zeitalter der Aufklärung für beendet zu erklären, zeugt von zu viele Vertrauen in die Menschheit. Wer den Sinn erkannt hat wird auch einsehen, dass die Aufklärung zwar vor über 200 Jahren begonnen hat, aber ein immer andauernder Prozess sein muss.

Neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Technik, Entdeckungen in der Natur und der unaufhaltbare Forscherdrang des Menschen zeigen den Willen auf, die Welt um uns besser verstehen zu wollen. Zu Hinterfragen und Antworten zu suchen auf die offenen Fragen, auf das; wo kommen wir her und auf das wo gehen wir hin (oder wo könnte es hingehen).

Daher stimmt die bereits erwähnte Idee des Philosophen und Existenzialisten Jean-Paul Sarte: „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich macht.“ Wir alleine müssen die Bedeutung, den Sinn für unser eigenes Leben für uns schaffen. Existieren heißt, sein eigenes Leben zu schaffen und daran auch kontinuierlich zu arbeiten. Den Verstand zu nutzen und Wissen zu konsumieren. Denn dies wiederum bedeutet einen Vorsprung im Denken und Handeln. Somit, um den Kreis zu schließen, ist Wissen eben doch Macht.

Sapere Aude!


Ein philosophisches Essay von R. Schon

Oktober 2018