Dürfen wir Widerstand leisten? – Frage und Antwort

Am letzten Wochenende habe ich einen interessanten Kommentar erhalten, den ich nicht unbeantwortet lassen möchte. Gerade weil ich dort um eine ernsthafte Antwort gebeten wurde, werde ich dem gern nachkommen und einen eigenen Eintrag dafür erstellen.

Der Benutzer Tom33 schrieb: „[…]Es heißt der Freimaurer darf nicht in einen Aufstand verwickelt sein. Was ist, wenn eine Kraft versucht das freiheitlich demokratische Konzept zu unterwandern in dem zum Beispiel die Menschenrechte für einige Gruppen nicht mehr gelten (Beispiel Judenverfolgung im 3. Reich oder auch Hartz 4 Empfänger heute und grundgesetzwidrige Sanktionen). Muss dann nicht eigentlich jeder Freimaurer in die Opposition gehen weil die Werte von Gleichheit, Einigkeit und Brüderlichkeit und die Grundfesten der Humanität verletzt werden oder muss man als Freimaurer dann tatsächlich hilflos daneben stehen da man ja nicht in einem Aufstand verwickelt sein darf?
Außerdem heißt es, dass der Freimaurer sich an die Gesetze des Landes halten muss, sind Cannabis Konsumenten damit automatisch ausgeschlossen oder ist das nicht ganz so eng zu betrachten wie ich denke? Ich würde mich über eine ernsthafte Antwort sehr freuen. […]“

Ich wüsste nicht wo es stehen soll, dass Freimaurer nicht an einer Demonstration oder an einem Aufstand teilnehmen dürfen. Gerade wenn die Ideale der Freimaurerei gefährdet werden, sollte es die Pflicht jedes Freimaurers sein, sich dafür einzusetzen, diese Ideale zu verteidigen. Gerade in der dunklen Zeit (NS-Zeit) haben sich viele Logen selbst aufgelöst (das Licht gelöscht) und im Verborgenen gearbeitet. Daher kann es nicht sein, dass wir hilflos daneben stehen. Es ist eher die Pflicht eines Freimaurers, das Unrecht zu bekämpfen, wo man es sieht. Inwiefern das dann von außen wahrgenommen wird oder in welcher Ausprägung das passiert, liegt primär am einzelnen Bruder selbst. Ich selbst gehe auch zu Demonstrationen, wenn mich das Thema bewegt und ich denke, dass es sich lohnt, sich dafür einzusetzen. Dies tue ich jedoch nicht als „Vertreter meiner Loge“, sondern als „Privatmann“. Aber immer mit voller Überzeugung, was meine freimaurerische Ansicht angeht.

Was die Gesetze angeht, ist das eine Sache. Es kann nur ein „Mann von gutem Ruf“ Freimaurer werden. Diese alte Aussage wird seit 1717 gelebt und gilt für alle Großlogen. Daher wird es schwer für jemanden sein, der eine Vorstrafe wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz hat. Natürlich kann das eine „Jungendsünde“ sein oder die Person bereut diesen Vorfall ebenso. Dann liegt es natürlich auch an der einzelnen Loge, wie streng sie dies auslegt. Strenge und sehr konservative Logen werden das Aufnahmegesuch dann ablehnen. Offenere Logen werden sich dies sicherlich genauer anhören und mit dem Suchenden besprechen. Daher ein kleiner Tipp: Immer offen in der Loge mit diesen Sachen umgehen. Die Brüder untereinander pflegen einen offenen, brüderlichen Umgang und daher sollten auch Interessenten offen und vor allem ehrlich sein. Also wenn es einen Cannabis Verstoß gegeben hat, dann würde ich Dir, lieber Tom 33, raten, dies offen zuzugeben, falls die Freimaurerei für Dich in Frage kommt.

Ernst und Falk 2014 – nun komplett

Ernst und Falk – Gespräche für Freimaurer Teil 1 bis 5 komplett…..eine echte Herausforderung.

Auch noch heutzutage ist das Gespräch zwischen dem Freimaurer Falk und seinem interessierten Freund Ernst eines der wichtigsten Zeugnisse der frühen Jahre der Freimaurerei in Deutschland. Natürlich ist dieser Text oft schwer zu verstehen und daher hielten wir es für mehr als nötig, den Text in unsere Zeit zu portieren, ohne dabei den Sinn und Inhalt zu verändern.

Lessing selbst hatte die Gespräche 1 bis 3 anonym im Jahr 1778 veröffentlicht. Das erklärt auch die gute Form der Gespräche sowie den inhaltlichen Zusammenhang. Die weiteren Gespräche 4 und 5 wurden 1780 ohne weitere Erkenntnis von Lessing selbst veröffentlicht. Daher handelt es sich im Originalen eher um Textfragmente und Ideen für die Gespräche, jedoch noch unvollendet. Auch wenn diese Teile etwas aus dem Zusammenhang herausgerissen wirken, wollte ich sie der Vollständigkeit halber ebenso mit übersetzen und veröffentlichen. Ich sehe dieses Dokument als ein lebendiges Dokument an, an dem ich arbeite und werde es auch nach wie vor verbessern.

Daher nun für alle Interessierten: Ernst_und_Falk2014_komplett

Eine kleine Bitte: falls ihr den Texte weiterverwenden möchtet oder verlinken möchtet, so bitte ich um einen kurze Nachricht über das Kontakt Formular.

Vielen Dank und Viel Spaß beim Lesen.

Ernst und Falk 2014 – update

Wer sich für Freimaurerei interessiert, wird auch an „Ernst und Falk“ (Gespräche für Freimaurer) von Gotthold Ephraim Lessing (* 1724; † 1803; geschrieben 1776-1778) nicht vorbeikommen. Die Texte, welche vor über 200 Jahren alt sind, haben auch heute nichts an ihrer inhaltlichen Stärke und Faszination verloren. Leider ist der Text aber auch für viele schwer verständlich geschrieben und diese Tatsache hält den ein oder anderen davon ab, sich näher mit den Gesprächen von Ernst und Falk zu beschäftigen.

Daher haben Thorsten und ich im Januar 2014 etwas Zeit verwendet, um die Gespräche 1 bis 3 in eine neue Sprachform zu bringen und mit aktuellen Themen zu versehen. Wir denken, dass so mehr Menschen einen Zugang zu diesen Texten finden.

Wer das Dokument herunterladen möchte, kann dies unter folgendem Link gerne tun. Ansonsten kann es auch gerne über die neuen Seite „Ernst und Falk 2014“ online gelesen werden. Bitte vor einer Veröffentlichung oder weiteren Verwendung eine kurze Email an mich über das Kontaktformular. Vielen Dank.

Download als PDF über: Ernst_und_Falk2014_final

Ansonsten wünschen wir allen Neugierigen nun viel Spaß beim Lesen…

Update 10.02.14:

Vielen Dank an alle Interessenten und Besucher am letzten Gästeabend, bei dem diese neue Fassung kürzlich aufgeführt wurde. Ich habe mir die Zeit noch einmal genommen, um noch offene  Fehler zu korrigieren und auch einige kleinere Änderungen vorzunehmen. Die aktuelle Version (2.0) ist unter dem oben aufgeführten Link zum Download bereit. Ebenso möchte ich mich bedanken für das positive Feedback anderer Logen. Gerne kann der Text verlinkt werden (bitte eine kurze Email an mich. Vielen Dank). Ebenso wird es zu gegebener Zeit noch eine Neufassung der Gespräche 4 und 5 geben. Doch daran arbeiten wir noch…

„Wer nichts weiß, wird alles glauben“

„Wer nichts weiß, wird alles glauben – komm, wir öffnen ihnen die Augen.

Lasst uns Brücken bauen und in die Zukunft schauen.“

Die Worte eines Liedes, welches ich auf der Fahrt nach München hörte, ließen mich irgendwie nicht los und regten mich zum Nachdenken an. Es ist doch schon immer so gewesen…wer nicht nachdenken will, seinen eigenen Kopf verwendet, der lebt in einer Welt, die ihm von außen vorgegeben wird. Dogmen von religiösen Gemeinschaften fordern geradezu auf, seinen eigenen Willen hinten an zu stellen. Gerade aus diesen Gründen machte es sich einst die Aufklärung zur Pflicht den Mensch aus seiner eigenen Unmündigkeit zu führen, ihn zu einem besseren Menschen zu machen.

Denn jemand, der die Augen und Ohren geschlossen lässt, der lebt zwar sein Leben vor sich hin, aber es bestimmt, kontrolliert oder beeinflusst es nicht weiter. Soll dies etwas das Ziel sein? Die Bestimmung des Menschen? Dass wir uns von Dogmen und Meinungen beeinflussen lassen, ohne einmal selbst zu denken? – ich denke eher nicht. Wir müssen viel mehr diese besungene Brücke bauen und dem nicht-freien Menschen die Hand reichen, um ihn eben aus der Dunkelheit ins Licht zu führen. In eine Zukunft die wir uns selbst gestalten müssen und wollen. Denn nur so haben wir unser Leben wieder selbst in der Hand und können über selbiges bestimmen.

Der ein oder andere mag nun anführen, dass die Zeit der Aufklärung schon vor über 200 Jahren gewesen ist und der Mensch doch in der heutigen Zeit und mit den heutigen Kommunikationsmitteln deutlich mehr aufgeklärt ist als früher. Auch ich denke, dass wir alle Möglichkeiten haben um schneller und effektiver an Informationen zu gelangen. Aber nutzen wir dies denn auch? Zudem stelle ich immer häufiger fest, dass es zu einer gewissen gleichgültigen Haltung der Menschen untereinander kommt. Anstelle eines kurzen Gespräches kommt immer häufiger eine Kurznachricht an. Statt in einer U-Bahn mit einem anderen Menschen zu sprechen und ihn kennenzulernen, packt man sein Smartphone aus und spielt ein Spiel. Statt Wert zu legen auf den persönlichen Kontakt zu Freunden, zählt oft nur noch die absolute Zahl der digitalen Freunde in einschlägigen sozialen Netzwerken.

Ich bin Informatiker und täglich mit den Aufgaben der digitalen Welt konfrontiert, aber gerade deshalb habe ich eine gewisse „analoge Lebensweise“ oder Eigenheiten zu schätzen gelernt. Eine gewisse Ruhe ist mir sehr wichtig und ich lernte auch, mich mehr auf das Leben selbst zu konzentrieren und es zu schätzen.

Daher will ich jedem, der es möchte, die Hand reichen und ihn dazu einzuladen in unserer schnelllebigen Zeit auch einmal stehen zu bleiben…ganz analog, ganz ohne Smartphone und einfach mal bewusst zu leben.

Wir müssen wieder die Augen öffnen und Brücken unter uns Menschen bauen, um eben unsere Zukunft selbst zu gestalten……also los, aus mit dem Computer und mal wieder „was analoges“ machen……

Warum wir schweigen…..

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Ist es nicht in einer so geschwätzigen Zeit, mit Twitter, Facebook und den anderen sozialen Netzwerken, nicht eine gewisse Tugend wenn man einfach schweigen kann?

Wenn man die Ruhe sucht und diese zu schätzen lernt? Gerade diese Ruhe schafft eine gewisse Entspannung, welche dazu dienen kann, die leeren Batterien wieder aufzutanken.

Ich muss mir diese Gedanken machen, da ich gerade die neuen ZDF TerraX Reihe über Geheimbünde gesehen hatte und meine Freunde und Bekannten schon direkt danach mich mit Fragen zur Freimaurerei überhäuften. Dort wurde vor allem auf die Geheimhaltung hingewiesen und darauf, dass Mitglieder der Geheimbünde nicht darüber sprechen.

Sind wir ein Geheimbund? Mal ehrlich: unsere Satzungen kann man offen lesen und da eine Freimaurerloge wie ein Verein aufgebaut und strukturiert ist, kann man auch die Vorsitzenden, also den sogenannten Meister vom Stuhl namentlich kennenlernen. Zudem betreiben die meisten Logen durchaus informative Webseiten oder Foren um Interessenten und Suchenden eine geeignete Plattform zu bieten. Selbst ihr, meine Leser habt meinen Blog gefunden und könnt über Freimaurerei einiges erfahren. Daher denke ich es wäre unangebracht von einem Geheimbund zu sprechen. Was jedoch stimmt ist (und ich möchte hier gern ein Zitat von Dan Brown verwenden) dass Freimaurer „ein Bund mit Geheimnissen sind“.

Gerade diese Geheimnisse, geheime Zeichen und Worte, grenzen uns von den Außenstehenden ab und lassen eine Bruderschaft entstehen, welche auf die gleichen Werte und Ideale baut. Wir schweigen nicht um etwas zu verheimlichen oder wie oft behauptet wird um „die Welt zu erobern“ sondern einfach um die Gedankenwelt der Freimaurerei von Außenstehenden abzugrenzen. Einer außenstehenden Person sind oft die Zeichen und die Symbole der Freimaurer unverständlich und auch die Gedankenwelt mag fremd erscheinen.

Zudem ist es denn so ungewöhnlich? Wir Freimaurer verstehen uns als Brüder. In einer Loge kann und soll auch offen miteinander und untereinander kommuniziert werden. Da ist es mehr als verständlich, wenn diverse Interna nicht nach außen getragen werden. Das eigentliche „freimaurerische Geheimnis“ ist eher die Frage an jeden Einzelnen, was Freimaurerei für einen selbst ist und wie es erlebt wird. Das Geheimnis der Freimaurerei muss jeder Maurer für sich selbst entdecken. Somit ist Freimaurerei eher etwas Egoistisches und schwer zu beschreiben. Würde man 30 Maurer fragen nach dem Geheimnis, so würde man auch 30 unterschiedliche Antworten bekommen. Was wiederum auch einer der Gründe ist, warum sich Menschen in eine Loge begeben….eben diese Vielfalt an Ideen, Gedanken und Interessen. Dieser Austausch bereichert einen selbst…..ups, war das etwa schon das Geheimnis?

In früherer Zeit war die Wahrung der Geheimnisse noch viel dringender als heute. Früher, als es noch die Bauhütten gab und die Kirchen und Kathedralen gebaut wurden, konnten die wenigsten Lehrlinge und Gesellen lesen. Daher wurden die Symbole ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Auch die Zeichen und Worte wiesen den jeweiligen Status des einzelnen aus, nach welchem er auch seinen Lohn bekam. Konnte man die entsprechenden Zeichen und Worte und wusste um die Symbolik in dem jeweiligen Grad, so konnte man frei umherziehen (daher der Begriff „Frei“-Maurer) und sich dort niederlassen wo man Arbeit fand. Man musste sich nicht durch ein Dokument ausweisen, sondern konnte dies tun ohne ein Schriftstück zu haben.

Man kann viel darüber reden, diskutieren und spekulieren warum es Logen gibt, die sich wenig öffnen und andere eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit haben.

Ich denke das muss zum einen jeder für sich selbst wissen, ob er sich öffentlich dazu bekennt. Was jeder Maurer aber unbedingt sein muss ist verschwiegen. Es gilt nach wie vor die Loge nach außen zu schützen und die Geheimnisse zu bewahren.

Reden ist Silber – Schweigen ist Gold…

Freimaurerei und Musik – in diesen heil´gen Hallen…

Einleitung

Als ich mich hinreißen lies eine Arbeit in diesem Maurerhalbjahr zu halten, dachte ich spontan an Musik und Freimaurerei. Das Thema bietet sich ja förmlich bei mir an…..ich stehe auf gute Musik und bin Freimaurer… Mein Ziel war es mal richtig dieses Logenhaus zu rocken und nicht nur sanfte Töne erklingen zu lassen.

Doch leider entwickelte sich dieses Vorhaben schwieriger als ich dachte. Spontan kam mir in den Sinn, den Vortrag durch eine Abhandlung über den F.z.a.S. zu ersetzen, aber dann befasste ich mich immer intensiver mit der Thematik.

Natürlich lassen sich die bekannten Klassiker aus Mozarts Zauberflöte auch hier wieder präsentieren und auch besprechen. Dennoch möchte ich einen gewissen Teil dieser Arbeit auch der eigentlichen Wirkung im Tempel und bei der Tempelarbeit widmen.

Die historische Entwicklung…

Ich möchte auch kurz auf die historische Entwicklung der Logenlieder und Freimaurer Musik eingehen. Hier zitiere ich aus dem „Internationales Freimaurer-Lexikon“ von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932):

„Die ersten Freimaurer-Gesänge sind Tafellieder, die, dem Brauche der Logen entsprechend, bei der Arbeit in der Wirtstube im Chor gesungen wurden. Sie stützen sich musikalisch auf bekannte Lieder. So ist das älteste englische Freimaurerlied mit dem Texte des „Entered Apprentice’s song“, das von Birkhead stammt, auf eine alte Melodie gesetzt, die schon 1720 gedruckt erschien.

Zu der Serie dieser alten Lieder gehört weiters der Lehrlingsgesang und die heute noch gesungene Hymne „Hail masonry divine“, die nach der Melodie „God save the king“ gesungen wurde. Diese heute als englische und später preußische Hymne gesungene Komposition stammt von dem Engländer Carey und erscheint zum ersten Mal auf dem Kontinente in einem Freimaurer-Liederbuche. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass, wie der Prager M.Historiker Paul Nettl nachgewiesen hat, die ältesten Freimaurerlieder sich als unterlegte Texte zu viel gesungenen Volksliedern oder Gassenhauern erweisen. Die Zahl der Lieder nahm derartig zu, dass bereits 1730 Sammlungen erscheinen könnten. Ebenso 1735 und 1737 französische, später auch holländische. Das erste deutsche Freimaurer-Liederbuch stammt von Ludwig Friedrich Lenz und ist 1746 erschienen. Als Komponisten verschiedener Freimaurer-Lieder sind zu nennen: Johann Adolf Scheibe (1749), der Musiker Gorner, der 1749 eine Sammlung von Liedern herausgab und schließlich Johann Gottlieb Naumann, dessen Kompositionen (40 Freimaurerlieder 1782) deswegen von Wert sind, weil sie bei Mozart, wenn auch entfernt, anklingen. Naumann schrieb auch 1781 eine Oper „Osiris“, die von Nettl als Vorläufer der „Zauberflöte“ — nicht nur textlich — bezeichnet wird.

Den kostbarsten Schatz freimaurerischer Musik lieferte Wolfgang Amadeus Mozart, der neben der „Zauberflöte“ für seine Loge eine Reihe von Einzelgesängen und Kantaten (s. Mozart) komponierte. Nachdem die Musik zu einem Bestandteil des freimaurerischen Rituals geschaffen war, ist die Zahl der Musik-Stücke, wie die Bibliographie von Wolfstieg zeigt, ins Unendliche angeschwollen. Zahllos sind die Lieder- und Gesangbücher sowie die Instrumentalkompositionen. In den deutschen Ritualen wird Musik zur Einleitung und zum Schlusse in den Pausen der Ritualhandlungen sowie zu deren Begleitung eingeschaltet. Der Chorgesang wird in deutschen Logen besonders gepflegt als „Gemeindegesang‘, während amerikanische Logen eigene Chorvereinigungen aufstellen.

Auch in französischen Logen beginnt man der Musik wieder eine größere Rolle in der  Weihehandlung einzuräumen, wofür ein Preisausschreiben der Pariser Loge „La Rose des Septante“ einen Beweis ablegt. Die am meisten verwendeten Instrumente sind Orgel und Harmonium. Viele Logen besitzen Streichquartette. Besonderer Berühmtheit erfreut sich das Dresdner Bläserquartett. In allerjüngster Zeit ist in Holland und Frankreich der Versuch unternommen worden, die mitunter auch unzulänglichen Darbietungen durch gute Schallplatten zu ersetzen ein Vorgang, der nicht unwidersprochen geblieben ist.“

Die Klassiker…

Natürlich werden in vielen der Logen und Tempelarbeiten immer noch die Klassiker gespielt. Die Stücke aus der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791, Komponist der Klassik, eines der allumfassendsten musikalischen Genies, bekanntestes Stück mit freimaurerischem Bezug ist „Zauberflöte“) haben im Laufe der Jahre nichts an ihrer Faszination und Schönheit verloren. Auch haben die Texte und deren Inhalt eine Symbolik, die auch in der heutigen Zeit nichts an ihrer Aktualität verloren hat.

Man darf natürlich nicht vergessen, dass es weitere Künstler der Klassik gegeben hat, wie (Franz) Joseph Haydn, – Österreichischer Komponist der Klassik, Schöpfer vieler Symphonien (1732 – 1809).

Als Beispiel für die freimaurerischen Bezüge in dem Texte der Zauberflöte möchte ich die „Arie des Sarastro“ aus der Zauberflöte hier darstellen:

In diesen heil’gen Hallen,

Kennt man die Rache nicht.

Und ist ein Mensch gefallen,

Führt Liebe ihn zur Pflicht.

Dann wandelt er an Freundes Hand

Vergnügt und froh ins bessere Land.

Dann wandelt er an Freundes Hand

Vergnügt und froh ins bessere Land.

 

In diesen heil’gen Mauern,

Wo Mensch den Menschen liebt,

Kann kein Verräter lauern,

Weil man dem Feind vergibt.

Wen solche Lehren nicht erfreun,

Verdienet nicht ein Mensch zu sein.

Wen solche Lehren nicht erfreun,

Verdienet nicht ein Mensch zu sein.

Freimaurerische Musik im Fernsehen…

Ich möchte gerne noch auf eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hinweisen, welche sich mit Freimaurerischer Musik in der Neuzeit beschäftigt hat. Den kompletten Beitrag hier zu zeigen würde den Rahmen des Vortrages weit überschreiten, dennoch möchte ich für die interessierten noch den Link zu dieser sehr informativen Reportage veröffentlichen:

http://www.3sat.de/page/?source=/musik/171929/index.html

neuere Lieder mit freimaurerischen Bezügen…

Auch in der neueren Zeit finden sich immer wieder freimaurerische Bezüge in den Liedern oder auf den Covern von einigen Bands wieder. Ich möchte hier einige Beispiele aufzeigen ohne darauf einzugehen, ob die Musiker Freimaurer sind der nicht. Lediglich bei den verstorbenen Brüdern kann ich das gern erwähnen.

Ich möchte gerne ein paar Beispiele von Album-Covern darstellen, welche freimaurerische Elemente beinhalten oder einen direkten Bezug haben.

Weitere Hinweise unter: http://freemasonry.bcy.ca/fiction/music.html

  • Dead Kennedys – Frankenchrist von 1985 (Alternative Tentacles)

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Auf dem Cover ist ein Bild einer Shriners Parade zu sehen

  • Soft Cell – The Singles von 1986 (Phonogram Ltd.)

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Liedzitat: „Standing to order at the door of Lodge Pink Flamingo, crying in the rain.“ Ebenso sind freimaurerische Elemente auf dem Cover

  • Ultravox – Hymn von 1982 (Chrysalis Records)

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auf dem Cover sind viele freimaurerische Symbole enthalten, wenn auch das Lied keinen textlichen Bezug zur Freimaurerei hat.

  • Dream Theater – A Rite of Passage von 2009 (Roadrunner Records)

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Winkel und Zirkel auf dem CD Cover

Abgesehen von den Covern finden sich auch maurerische Bezüge in einigen Liedern und
Texten wieder.

  • Louis Armstrong (1900 – 1971), der berühmte amerikanische Jazz Musiker verwendet in deinen Stücken einige Symbole und Sinnbilder aus der Freimaurerei. Bekannt ist vor allem „Wonderful World“ von ihm geworden. Er war nachweislich Freimaurer.
  • Nat „King“ Cole (1919 – 1965) ist ein ebenso bekannter amerikanischer Sänger der 60er Jahre und in seine 1943 bei Capitol Records veröffentlichten Stück „Straighten Up and Fly Right“ findet sich die auf Freimaurerei bezogene Passage „everything was on the square“ wieder. Auch er war Freimaurer.

Aber auch in der neuen Pop-Geschichte und auch im Heavy Metal finden sich diese textlichen Symbole wieder:

  • Dream Theater auf dem 2009 bei Roadrunner Records erschienenen Album „A Rite of Passage“ findet man die Stelle „Bound by oath and honour / Like the rose and cross”
  • Blur auf dem 1995 bei Food/EMI Music Publishing Ltd. erschienenen Album “the great escape” findet sich im Lied “Mr Robinson’s Quango“ die Textstelle „He´s a self-professed savior of the dim right wing / He got respiratory problems and a mason’s ring”
  • Soft Cell auf dem 1986 bei Phonogram Ltd. herausgebrachten Album „Singles“ kommt folgendes vor: „Standing to order at the door of Lodge Pink Flamingo, crying in the rain.“

 

Die Wirkung im Tempel…

Freimaurerei war im Laufe der Geschichte schon immer sehr fest mit Musik verbunden. Bedenke man nur, dass Mozart selbst sehr viele Elemente aus dem Ritual und der Symbolik der Freimaurer in die Zauberflöte aufgenommen hat, so wird einem aufgenommenen Freimaurer ein ganz neuer Blickwinkel auf dieses Stück ermöglicht. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn gerade Stücke aus der Zauberflöte vermehrt in den Ritualen der weltweiten Logen vorkommen.

Natürlich gibt es feste Stücke wie das sogenannte Bundeslied in fast allen Logen. Grundsätzlich ist der Bruder, welche für die Auswahl der Musikstücke zuständig ist (der sog. Musikmeister) aber frei in seiner Auswahl und trägt einen nicht unerheblichen Teil dazu bei, dass die nötige Atmosphäre während einer Arbeit geschaffen wird.

Wie wird die Musik wahrgenommen?

Wie kann man nun kurz beschreiben, was genau die Musik dazu beiträgt, diese einmalige Stimmung zu schaffen……hmmmmm, nicht ganz so einfach wie es scheint. Es ist sehr viel leichter für Brüder Freimaurer zu sagen, da genau diese eben das Ritual und seine Wirkung kennen. Daher habe ich für diese Zeichnung die Brüder der Loge zur Wahrheit gebeten sich Gedanken zu machen, welche Atmosphäre die Musik während einer Arbeit schafft und wie es jeder für sich empfindet. Bevor ich jedoch zu den Aussagen der Brüder komme, möchte ich kurz den Meister vom Stuhl der 3 Pfeile zitieren. Dieser sagte sinngemäß, dass eine Tempelarbeit ohne Musik so wäre, als nur den Text der Zauberflöte zu lesen. Man muss diesen Gesamteindruck auf sich wirken lassen.

Für einige der Brüder waren die folgenden Hauptpunkte sehr wichtig im Zusammenhang mit einer Tempelarbeit und der dazugehörigen Musik:

  • Hervorrufen einer feierlichen Stimmung
  • Unterstützen meditativer Entspannung bei innerer Wachheit
  • Musik unterstreicht besondere Sequenzen der Arbeit und hilft Teile der Arbeit zu überbrücken.
  • Eintauchen in das „große Ganze“

Betrachten wir kurz diese Punkte, so lässt sich sagen, dass dies sicherlich einer der Hauptaspekte ist. Der feierliche Ablauf, der Aufbau des Raumes und eben die Musik führen zu einer gewissen festlichen Stimmung, welche einem sofort bewusst wird, wenn man den Raum betritt. Diese Gesamtstimmung, wenn man sich auf sie einlässt, unterstützt einen sicherlich eine gewisse meditative Entspannung zu erreichen. Mir selbst dienen diese Arbeiten vor allem, meine durch den profanen Alltag geschwächten Batterien wieder aufzuladen und persönliche Kraft daraus zu tanken. Ich nehme diese Arbeiten somit als eine Art Meditation untermalt von der passenden Musik war.

Ein anderer Bruder schrieb mit dazu: „Die Musik beim Ritual führt mich durch das Ritual. Das Ritual vollzieht einen Bogen, ein Bogen der sich langsam nach oben steigert und nach seinem Höhepunkt mich wieder zurück führt und mich das Erlebte verarbeiten lässt.“

Man erkennt also deutlich auch einen weiteren Zusammenhang zwischen dem Ritual und der Musik. Die Musik dient als eine Art „tragendes Element“. Sie verbindet die Teile des Rituals zu einem großen Ganzen und führt den Bruder durch dieses. Gerade nach dem Vortrag des Redners dient die Musik noch dazu, dass sich der Einzelne mit dem eben gehörten und seinen Gedanken dazu beschäftigen kann und für sich das Gehörte auch verarbeiten kann.

Vergleiche zu anderen Kulturen

Natürlich ist dieser Punkt nichts wirklich Neues und nicht ausschließlich der Freimaurerei vorbehalten. Musik als ein Teil einer rituellen Arbeit kommt in fast allen Kulturen der Welt vor und ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Stämme in Afrika z.B. nutzen Musik und Rituale um sich in Trace zu versetzen und somit eine Art Bewusstseinserweiterung zu erlangen um mit ihren Göttern in Kontakt zu treten. Hier ist ein tiefes Verständnis für sie Musik und die Rolle, welche sie einnimmt deutlich tiefer verwurzelt, als in unserem Kulturkreis. Doch auch hier wird in Kirchen oder Moscheen der Gottesdient mit der passenden Musik unterstützt. Ob allerdings hierbei eine meditative Atmosphäre geschaffen wird, sei einmal da hingestellt.

Musik verbindet

Ich möchte gern ein weiteres Zitat eines Bruders betrachten: „Musik ist das Medium, welches über die engen Grenzen der Sprache hinweg alle Menschen miteinander verbindet. Sicher ist Sprache auch eine Form der Kunst und das Werk eines guten Schriftstellers/Dichters ein Kunstgenuss. Doch ist Sprache – wenn schon nicht an ein Volk, so doch an einen Kulturkreis gebunden. Musik jedoch ist etwas, das über  Grenzen und Kulturkreise hinausreicht.“

Es ist wahr, dass sich Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen treffen und zusammen musizieren können. Also können sich diese Menschen zu mindestens auf einer musikalischen Ebene einen Austausch untereinander vornehmen. Musik ist also „die Sprache der Harmonie“. Hierbei geht die Musik tief ins Herz und verbindet Menschen, welche evtl. nichts miteinander zu tun haben. Auch hier kann man die Parallelen zur Freimaurerei ziehen, denn auch wir sind eine Gruppe von ungleichen, welche im normalen, profanen Leben evtl. nie zueinander gekommen wäre.

Musik – Ein Entwicklungsprozess?

Ein Bruder beschrieb die Musik im Ritual als einen persönlichen Entwicklungsprozess. In jungen Jahren sind ihm die Wohlklänge eher als ein reizvoller Musik Beitrag erschienen, wohingegen ihm heute vor allem „die Symbiose von Ritualistik und Musikwerk am Herzen liegt“.

Man sieht also deutlich in dieser Aussage eines: Musik ist bei einer Arbeit kein starres Element, sondern muss sich der Art der Arbeit (z.B. ist die Musik einer Aufnahme anders als die einer Erhebung in den 2. Grad) anpassen und auf das Ritual abgestimmt werden.

Zum anderen empfindet man die Musik unterschiedlich, je mehr man sich auch mit dem eigentlichen Ritual und der Symbolik in diesem beschäftigt.

Musik als Symbol

Im Folgenden möchte ich die Musik als ein Symbol im Ritual betrachten. Dabei zitiere ich frei einen Bruder unserer Loge: Musik war schon immer ein Symbol für das Wahre, das Gute und das Schöne. Besonders im Ritual des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne steht die Musik im Ritual für das Symbol der Schönheit. Unser Bund verbindet speziell hiermit Beethovens neunte Symphonie. Nicht nur die Noten, nein speziell die Melodien sind ergreifend und auch der Schlusssatz des Chores „Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, […] alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.“ zeigt mit seinem Text Inhalt die Ziele der Freimaurerbewegung auf. (hierbei soll erwähnt sein, dass Beethoven kein Freimaurer war, aber der Freimaurerei sehr nahe stand).

Somit kann man also auch direkt sagen, dass die Musik nicht nur durch das Ritual führt, die Arbeit trägt und begleitet, nein sie ist auch ein tragendes Element.

Lieder der Freimaurer

Wir haben schon zu Beginn gehört, dass sich freimaurerische Musik aus den Tafelliedern entwickelt hat. Diese Sitte pflegen die Logen noch heute. Auch heute singen die Brüder Lieder in der Runde. Leider kommt es inzwischen oft von Band und mancher brummt so leise vor sich hin. Aber „das gemeinsame Singen in der Kette unterstützt mental den Zusammenhalt der Brüder untereinander.“ Daher wird bei einer Aufnahme und auch bei vielen AFuAM Logen gern Lieder wären den Arbeiten gesungen. Alleine während einer Tafellogen werden sehr viele Lieder gesungen, von der Nationalhymne bis hin zum sogenannten Bundeslied, was natürlich bei steigendem Alkoholspiegel und zu später Stunde immer spaßiger klingt.

Fazit und persönlicher Gedanke

Wie ihr euch alle nun vorstellen könnt, ist die Vielfalt von freimaurerischer Musik und vor allem mit freimaurerischen Bezügen umfassend und würde diesen Rahmen sprengen. Alleine über das Thema „Freimaurerei und Musik“ kann man ein ganzes Buch schreiben. Ich hoffe aber dennoch dass ich mit dieser Arbeit einen ersten (kleinen) Eindruck vermitteln konnte, der euch anregt auf eure eigene Reise durch die Welt der Musik zu gehen und hier oder da die Handschrift der Freimaurerei wiederzufinden.

Man muss jedoch immer unterscheiden zwischen den Liedern die Freimaurer geschrieben haben, welche sie in den Ritualen verwenden und denen, die mit den Symbolen und Themen der Freimaurer nur „spielen“.

Jeder selbst muss hier sein persönliches Erlebnis im Tempel finden. Den Zusammenhang zwischen der Musik und dem Ritual kann man allerdings nur unter einer Prämisse selbst erfahren: Man muss sich diesem Bund anschließen und es selbst erleben.

Ich möchte schließen mit einem Zitat unseres Meisters vom Stuhl:

„[Musik ist] ein sehr wichtiger Bestandteil, der nicht mit dem Wort im Tempel konkurrieren muss, sondern der auf der Winkelwaage dem Gesprochenen auch der Handlung begegnen kann und soll.“

Freimaurer und Politik

Wir Freimaurer reden innerhalb unserer Loge nie über die beiden Themen Politik und Religion. Dennoch engagieren sich auch Freimaurer außerhalb der Loge in der Politik und sind auch politisch interessierte Bürger.

Ich möchte dennoch ein wichtiges Thema aufgreifen, auch wenn es hier um Politik geht. Dennoch werde ich mich nicht zu einer bestimmten Partei äußern. Aber heute, am 27.11.13 wurde bekannt gegeben, dass die neue Regierung durch eine große Koalition gebildet wird. Ich finde es zu begrüßen, dass es Menschen gibt, die sich dieser Aufgabe annehmen, dieses Land zu regieren. Auch dass versucht wird, diverse Ansichten und Ideale durchzusetzen. Interessant ist hierbei der Aspekt, dass Politiker nur ihrem Gewissen unterliegen, damit „sich ein Politiker nicht durch Geld, Drohungen, Freunde, Kollegen usw. beeinflussen lässt.“…..aha…..dies ist ein interessanter Aspekt der mich dann aufhorchen lässt.

Man kann nun in der aktuellen politischen Lage durchaus diskutieren, ob man Wahlversprechen geben kann, welche dann plötzlich bei solchen Koalitionsverhandlungen nicht mehr eingehalten werden. Sicherlich ist so eine Verhandlung eine Art Win-Win-Situation, aber ein Wegkommen von Kernaussagen die dem Volk als ein Versprechen gegeben wurden nur um dann regieren zu können? Wenn man Politiker daran bewerten würde, welche Aussagen gemacht wurden und was letztendlich daraus geworden ist, was denken sie, wie viel davon noch übrig bleibt?

Die Frage des Gewissens ist sehr schwer…wir Brüder der Loge zur Wahrheit sind der Wahrheit verpflichtet und stehen für diese ein. Daher würde ich es begrüßen wenn sich Politiker etwas mehr dieser Pflicht besinnen und auch dazu stehen und sich einsetzten für das was sie gesagt haben….und nicht sich drehen wie Fähnchen im Wind.

Daher wünsche ich allen Politikern etwas mehr Rückbesinnung auf das was sie sagten. Bleiben sie ihrem Gewissen treu, aber hören sie auch auf dieses.

Der F.z.a.S. in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Screenshot (2)

Da mich eine Grippe zurzeit an mein Bett bindet, nutzte ich die Gelegenheit mich wieder etwas um die Geschichte des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne zu widmen. Ich habe wieder einmal in alten Unterlagen geblättert und fand noch einen sehr interessanten Vortrag über den F.z.a.S von Dr. Erich Hein aus dem Jahr 1908. Er wurde als Beilage zu den Sonnenstrahlen, der „offiziellen“ Zeitung des Freimaurerbundes herausgegeben und ist schwer zu finden.

Ich möchte euch diesen nicht vorenthalten. Auch hier wird wieder einmal deutlich wie sehr die Freimaurerei damals gespalten war und welche Gründe zur Neugründung einer neuen Großloge führten. Die Gedanken, welche dir Brüder damals hatten decken sich noch immer mit vielen Interessenten, die den Weg zu uns finden. Losgelöst von jedem kirchlichen Dogma können Brüder und Interessenten in der Loge zur Wahrheit immer noch die Grundideen und den Geist von damals spüren.

Ich gebe den Artikel unverändert wieder. Lediglich einige Schreibfehler (die im Originaldruck enthalten sind) habe ich ausgebessert. Wieder einmal ist es an euch allen, sich selbst Gedanken dazu zu machen…..für Feedback bin ich immer offen.

Und nun viel Spaß….sapere aude!

Der F.z.a.S. in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Vortrag von Dr. Erich Hein

Beilage zu Nr. 7 der Sonnenstrahlen vom 1. April 1908

Es hat wohl niemals eine religiösere Zeit gegeben als die Gegenwart, die Zeit der „Modernisten“  und der Enzyklika. Der Kampf zwischen den altüberlieferten kirchlichen Dogmen und den Ergebnissen der Wissenschaft und der freien Forschung ist entbrannt und kein gebildeter Mensch kann ihm interessenlos gegenüber stehen. Auf der einen Seite der Orthodoxie, an ihrer Sitze der Ultramontanismus, Rom mit seinen Heerscharen, der Papst mit deinen Bannflüchen, seinem Spionage-System und deinen Ketzergerichten. Auf der anderen Seite der Atheismus, der Pantheismus, der Monismus und dazwischen der sogenannte protestantische Liberalismus und der katholische Modernismus. Niemals sind auch religiöse Streitfragen mit einer größeren Schärfe behandelt worden als es in unserer Zeit geschieht.

Je schärfer aber dieser Kampf in der Öffentlichkeit geführt wird, umso größer wird die Zahl derjenigen, welche sich aus irgend welchen Rücksichten an diesem öffentlichen Kampf nicht beteiligen können, und je weniger der Einzelne in der Öffentlichkeit Stellung nehmen kann; umso notwendiger ist eine Organisation, welche es ihm ermöglicht im Verkehr mit Gleichgesinnten seine Ansichten austauschen, seine Zweifel beseitigen, seine Meinung befestigen zu können.

Aus diesem Milieu und aus diesen Erwägungen heraus entstand der „F.z.a.S“. Seine Entstehung ist also nicht das willkürliche Werk eines Einzelnen, wenn auch ein Einzelner naturgemäß den Anstoß geben musste, der Gedanke lag in der Luft, er brauchte nur von einer Seite ausgesprochen werden, um zur Tat reifen zu können. Wohl glaubten manche Gesinnungsfreunde bisher in den alten Logen eine Zufluchtsstätte zu finden. Aber die alten Logen –  Wenigstens in Deutschland – welche alle mehr oder weniger auf dem dualistischen Bibelglauben basieren, haben die Zeichen der Zeit nicht genügend beachtet, dadurch waren sie den Aufgaben der Neuzeit nicht mehr gewachsen, sie wurden von der Zeit überholt und gerieten in die Rolle des „Landsturm“. Wohl fehlt es ihnen nicht an Ansätzen zur Besserung, an sogenannten „Reformen“ aber diese sind nur Flick- und Stückwerk und jede Loge welche einen energischen Vorstoß wagen würde, hätte jedenfalls dieselbe Behandlung zu erwarten, welche man dem früheren Großmeister der Großloge Hamburg zu Teil werden ließ, als er verlangte, dass die Bibel aus den Logen entfernt werden solle. Wenn aber die Loge religiös neutral sein soll, so darf man auch nicht das heilige Buch einer einzigen Religionsgemeinschaft auslegen und als „das größte Licht“ bezeichnen. Es bestehen zwar einige süddeutsche Logen des alten Systems, welche die Bibel entfernt haben. Dem Deutschen Großlogenbund, welchem die Mutterloge dieser „Renegaten“ angehört, hat man aber wohl noch keine offizielle Mitteilung davon gemacht. Da diesem offiziell also nichts davon bekannt ist, so hat er auch noch keine Stellung dazu genommen, sonst hätte jedenfalls der ohnehin nur dem Schein nach existierende Deutsche Großlogenbund den letzten Riss erhalten.

Als im Winter 1905 auf 1906 in den „Freien Glocken“ die Anregung zur Vereinigung von religiös-freidenkenden Männern in Form von Logen gegeben wurde, da meldeten sich Herren aus dem In- und Ausland, aus Europa, aus Afrika und aus Asien welche den Gedanken freudig begrüßten und ihre Hilfe bereitwillig anboten. Da der Gedanke von Nürnberg ausgegangen war, so wurde hiesigen Freunden der Sache mit der Erledigung der Vorarbeiten beauftragt.

Vier Herren waren es, welche die Grundlagen und Satzungen provisorisch ausarbeiteten und dieselben nun wiederum in die Öffentlichkeit brachten. Hierdurch vergrößerte sich die Zahl der Gründer immer mehr, bis dann im Juli 1907 die eigentliche erste konstituierende Versammlung in Frankfurt a. M. stattfinden konnte. Daselbst waren 35 Herren teil persönlich, teils durch bevollmächtigte vertreten, es wurden Grundsätze und Satzungen durchberaten und ein definitiver Vorstand gewählt. Allerdings musste sich die ganze Sache hier eine kleine Häutung gefallen lassen und aus der bisherigen „Deutschen Freidenkerloge“ entpuppte sich der „F.z.a.S.“. Die Gründe dieser Wandlung waren eigentlich rein taktischer Natur: Man machte von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam, dass der Bund als „Freimaurerloge“ weniger Anfeindungen ausgesetzt sei und sich ruhiger entwickeln könne, denn als „Freidenkerloge“. Den Prinzipien des Bundes widersprach auch der Name in keiner Weise, denn auch die alten Freimaurerlogen waren früher eine Sammelstätte freier Geister und erst später, mit dem Ritterunwesen, kam die Frömmelei in die Logen.

Wir rechnen im Voraus damit, dass durch die Namensänderung diejenigen Mitglieder, welche sowohl unserem Bund als auch alten Logen angehörten, vor die Alternative gestellt würden, entweder hüben oder drüben zu decken. Dies ist denn auch geschehen und wir hatten den Verlust unserer ostindischen Brüder zu beklagen, die natürlich dort an den alten Logen ein größeres persönliches Interesse hatten, als an unserer hiesigen jungen Organisation. Wir haben den kleinen Verlust verschmerzt und umso energischer weiter gearbeitet.

Unmittelbar nach dem Logentag, im August v. J., konnten wir vier Landeslogen konstituieren: Bayern mit Sitz in Nürnberg, Hessen mit Sitz in Mainz, Sachsen mit Sitz in Chemnitz und die Schweiz mit Basel als Sitz. Noch vor dem Jahresschluss konnten wir drei weitere Gründungen  vornehmen: Südbayern mit München, Baden mit Sitz in Karlsruhe und Hessen-Nassau mit Frankfurt a. M. und im Augenblick sind die Bbr. in Rheinland, Brandenburg sowie Österreich daran Logen in Köln, Berlin resp. Wien zu organisieren, während in Würzburg, Duisburg, Bremen, Bochum, Essen, Erfurt, Fulda, Mannheim, Leipzig, Hamburg, Hannover und Stuttgart sogenannte Klubs oder Kränzchen in Bildung begriffen sind.

Überall, soweit die deutsche Zunge klingt, sind treue Bbr. an der Arbeit zum Wohle des Ganzen. Die Zahl der auf dem Sekretariat ein- und ausgehenden Postsendungen beträgt z.Zt. monatlich annährend zweitausend und die Zeit ist voraus zu sehen, in der wir in allen deutschen Städten eigene Logen haben. Einzelbrüder haben wir als Vertrauensmänner des Bundes bereits an 85 Plätze des In- und Auslandes. Die Bibliothek der einzelnen Bundes-Logen wachsen an den uns zugehenden Berichten ebenfalls allenthalben in flottem Tempo. Überall ein freudiges Arbeiten mit dem Bewusstsein, an einem großen Werke mit idealem Ziele zu schaffen,  an einem Werk, das nicht nur uns und unseren Angehörigen, sondern dereinst der ganzen Menschheit zu Gute kommen soll, indem es sie befreien hilft aus blindem Wahn, aus römischer Geistesknechtschaft und kirchlicher Bevormundung. Die Übersetzung unserer Druckschriften in die englische und französische Sprache ist bereits begonnen und wird demnächst vollendet werden.  Dann werden vorerst in allen englisch und französisch sprechenden Ländern und Kolonien und später in allen Kulturstaaten der Welt Konsulate erreichtet, welche den Verkehr mit der Zentrale vermitteln sollen. Überall, wo Rom seinen Fuß hinsetzt, um die Völker in seine Gewalt und seine Herrschaft zu bekommen, da wollen wir auch am Platze sein, um die geistig Blinden dem Licht der Wahrheit entgegen zu führen.

Der Logentag 1908, der in Juli in Nürnberg stattfindet, soll unserem Bunde eine weitere Stärkung und Festigung bedeuten. So ist neben der Regelung der Zeitungsfrage die Schaffung einer humanitären Einrichtung geplant, welche mit minimalen Kosten den Witwen und Waisen verstorbener Bbr. in der ersten Zeit mit materieller Hilfe zur Seite steht, bis andere Gelder flüssig gemacht oder eine andere Existenz geschaffen ist.

Daneben wollen wir pflegen und fördern: Freiheit des Geistes, eine Moral und Sittenlehre, welche sich nicht auf den Bibel- und Kirchenglauben stützt, sowie absolute Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und ihre Resultate. Als Mittel zum Zweck sollen dienen:

a)      Unsere Bibliotheken;

b)      Unsere Logenarbeiten;

c)       Die Unterstützung ähnlicher Vereinigungen.

Unsere Bibliotheken sollen vorwiegend naturwissenschaftliche Werke enthalten. Wie notwendig die Beschaffung derselben auf gemeinsame Kosten und ihre tunlichste Verbreitung ist, beweist wieder in lapidaren Zügen das Vorgehen des Liegnitzer Regierungspräsidenten der die Werke eines Ernst Häckel, eines David Strauss, eines Darwin, eines Feuerbach u. A. aus den Volksbibliotheken entfernt haben will. „Dem Volk soll die Religion erhalten werden!“ Man verwechselt eben an gewissen Stellen „Religion“ mit dem frommen Kirchen- und Bibelglauben. Man ist der Meinung, durch den Letzteren könne man Sitte und Moral eines Volkes erhalten bzw. heben. Wie falsch diese Meinung ist, geht klar daraus hervor, dass nach allen Erfahrungen uns Statistiken die Zahl der Rohheitsdelikte und Sittlichkeitsverbrechen gerade in denjenigen Gegenden am größten ist, die den Ruhm haben, die „Frömmsten“ zu sein und dass die gemeinsten Verbrecher in der Regel noch bis zum Schafott die größte Frömmigkeit dokumentieren.

Wie traurig muss es um die innere Kraft des Kirchen- und Bibelglaubens bestellt sein, wenn derselbe durch polizeiliche Zwangsmaßregeln erhalten bleiben soll. Zweck haben diese Mittel und Mittelchen nicht. Die in den Volksbibliotheken verbotenen Bücher werden dann aus freien Bibliotheken umso eifriger gelesen. Eine Moral, welche nur auf dem Kirchen- und Bibelglauben aufgebaut ist, muss allerdings in die Brüche gehen, sobald der fromme Glaube schwindet, darum sollte diejenige Moral Gemeingut aller Menschen werden, die das Gute um den guten Willen vollbringt und nicht in der Hoffnung auf einen Lohn im Jenseits und die das Schlechte und Gemeine meidet, weil es schlecht und gemein ist, nicht aber aus Furcht vor Strafe.

Dies aber ist die Moral, welche unser Bund in seinem Ritual und seinen Logenarbeiten lehrt und allen Brüdern zur Pflicht macht. Diese Logenarbeiten zerfallen in

  • Rezeptions- oder Einführungslogen,
  • Instruktions- oder Belehrungslogen,
  • Fest- und Trauerlogen;

Dazu unsere Gast- und Familienabende, unsere Vortrags- und Diskussionsabende. Sobald aber unsere eigene Organisation gefestigt ist, wollen wir alle gleichen oder ähnlichen Bestrebungen öffentlichen Charakters durch korporativen Beitritt, durch periodische oder regelmäßige Zuwendungen und durch Ankauf ihrer Broschüren in ganzen Auflagen unterstützen und so ihrem Kampf in der Öffentlichkeit ermöglichen und fördern.

Wie viel auf diesem Wege geleistet werden kann, beweist uns das Beispiel von Frankreich. Dort haben die Freimaurerlogen ihre Aufgabe richtig erfasst, dort haben sie im Geheimen in den Kampf zwischen Staat und Kirche mit aller Energie und Kraft eingegriffen und durch diese Mithilfe die Herkulesarbeit von Staat und Kirche zu Wege gebracht.

Wie weit man in Deutschland noch dagegen zurück ist, beweisen einerseits die alten deutschen Logen, die sich zum großen Teil als Schutzwehr der Kirche, als Bollwerk gegen den sogenannten „Unglauben“ betrachten. Es beweisen aber auch die Angriffe und die gehässige Haltung, die wir im Stadium unserer Gründung bei manchen sogenannten „Freidenkern“ konstatieren mussten. Es waren nicht nur die ultramontanen Zeitungen und Zeitschriften, die über uns herfielen, sondern es waren bedauerlicherweise auch Organe freiheitlicher Richtung. Die Zukunft mag sie lehren, wie unrichtig und kleinlich ihre Handlungsweise war. Uns hat sie nicht beirrt, wir haben bis hierher mutig und unerschrocken gekämpft und werden auch in Zukunft energisch weiterkämpfen. Die „aufgehende Sonne“ bringt uns dem Frühling entgegen, dem Frühling geistiger Freiheit, dem Auferstehungsfest der Menschheit, das sie befreien soll vom blinden Wahn und finsterem Hasse.

In den Menschen Brüder grüßen,

Brüderlich ihr leid versüßen,

Wie es unsre Kraft vermag;

Wird uns gleiches Streben einen,

Muss der Menschheit bald erscheinen

Wahrer Freiheit Ostertag!

Friedhof Teil 3 – diesmal in Paris

Nachdem nun schon einige meiner Bilder auch im Freimaurer-Wiki zu sehen sind, möchte ich gerne einen 3. Teil dieser Bilderreihe hier online stellen.

Dieses Mal war ich in der glücklichen Lage zusammen mit meinem Bruder und Freund Thorsten über den Friedhof Montmartre in Paris zu wandeln. Mit rund 20.000 Grabstätten und einer Größe von knapp 11ha ist es allerdings nur schwer möglich innerhalb von 3h auch nur einen gewissen Überblick über die Gräber zu bekommen. Wir hatten uns wieder mal darauf konzentriert, Spuren der Freimaurerei auf den Grabsteinen zu finden. Die drei Stunden, die wir auf dem Friedhof gewesen sind lassen nur erahnen, wie viele Gräber und Details man hier entdecken kann. Daher möchte ich auch nur eine geringe Auswahl hier online stellen.

Sollte jemand eine Städtereise nach Paris planen, so kann ich ihm diesen Friedhof nur empfehlen. Zwar schauen die Gräber stellenweise stark vom Wetter angegriffen aus und somit eher wie die Kulisse eines Gruselfilms, aber man entdeckt hier und da eben kleine Besonderheiten zwischen all den berühmten Menschen, die hier liegen. Wer hier so alles Ruhe findet, kann gerne unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Cimeti%C3%A8re_de_Montmartre nachgelesen werden.

Ich möchte daher mit den Worten von Heinrich Heine schließen, welche sich an seinem Grabmal befinden:

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Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte sein?

       Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

      Werd ich wohl in einer Wüste
       Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste

       Eines Meeres in dem Sand?

      Immerhin! Mich wird umgeben
       Gottes Himmel, dort wie hier,
Und als Totenlampen schweben

       Nachts die Sterne über mir.“

Und nun viel Spaß mit dem neuen Bildern (wieder mal als Anregung fürs eigene Grab) :

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Logenbesuche in Berlin

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Während meiner Geschäftsreise hatte ich das große Glück im September zwei Berliner AFuAM Logen zu besuchen. Zum einen die Lohe Avantgarde (http://www.avantgarde-loge.de) und zum anderen die Loge Pestalozzi-Humanitas (Webseite ist im Aufbau)

Ich möchte mich hiermit kurz bei beiden Logen dafür bedanke, dass sie mich so herzlich empfangen haben und ich an ihren Arbeiten und sogar einer Aufnahme beiwohnen konnte. Die beiden Logen sind im Logenhaus in der Emser Straße 12-13 in Berlin zuhause und arbeiten am Montag bzw. am Dienstag. Die Arbeiten waren sehr ergreifend und ich genoss die freundliche, brüderliche Atmosphäre in ihren Kreisen.

Gestern, am 08.10 besuchte ich erneut die Loge Pestalozzi-Humanitas und durfte an ihrem 113-jährigen Stiftungsfest teilnehmen. Ich möchte gern betonen, wie ergreifend die Arbeiten im Kreis der Brüder sind. Daher wünsche ich der Pestalozzi-Humanitas alles Gute für die kommenden Jahre und ein gesundes Wachstum sowie weiterhin so einen tollen Bruderkreis.

Ich werde gern wieder bei euch vorbei schauen und freue mich auf die anregende Gespräche.