AUDI – VIDE – TACE

avc-in-ugle

Einleitung

Die Worte Audi, Vide, Tace, also höre, sehe und schweige ist nicht nur das Motto des Inlandsdienstes der Tschechei, sondern auch einer der typischen Sinnsprüche der Freimaurerei. Dies ist so prägend, dass er auf dem Gebäude der Vereinten Großloge von England (UGLoE) verewigt wurde.

Zuhören und sehen und danach über das Erfahrene schweigen sollen nicht nur die Lehrlinge (welche dies durchaus noch erlernen müssen und vieles neues erfahren werden), sondern auch die Gesellen und Meister. Gerade das dauerhafte Lernen und Erlernen ist ein wichtiges Kriterium in der Freimaurerei. Nur wer lernt und sich weiter erkennt, kann auch an sich arbeiten.

Gerade das Lernen und das Erfahren geschieht bei Menschen über seine Sinne. In der Freimaurerei sind alle vertreten und alle Sinne werden auch angesprochen. Jedoch sind sicherlich das Sehen und Hören und somit auch das damit verbundene aufnehmen von Informationen die wichtigsten Sinne. Diese werden mehrfach und auch auf unterschiedliche Weise angesprochen. Abgerundet wird es dann vom Schweigen, in dem wir das uns Anvertraute nicht nach außen tragen.

Betrachten wir die einzelnen Aspekte einmal für sich und die Freimaurerei:

Audi – Vom Hören

Das Zuhören in der Loge ist ein wesentlicher Bestandteil der gemeinsamen brüderlichen (oder schwesterlichen) Abenden. Nicht nur in den Rituellen Arbeiten im Tempel ist der Bruder dazu aufgefordert dem Redner zu lauschen und dessen Ideen und Gedanken zu reflektieren. Hier kann sich der Maurer völlig fallen lassen und seine Gedanken um die Worte des Vortragenden kreisen lassen. In der Stille arbeitet er (oder sie) an den eigenen Gedanken, welche darauf entstehen.

Zuhören in der Loge

Noch wichtiger ist das Zuhören in den Vortragsabenden mit Aussprache. Hier gilt es gewissen Regeln für den Gedankenaustausch (eine freimaurerische Art der Diskussion) zu befolgen. Der Redner hat das Wort exklusiv und wird nicht unterbrochen. Es werden auch nicht die Meinungen der Brüder gewertet. Somit ist jeder aufgefordert (der sich beteiligen möchte) seine Ideen und Gedanken zu dem vorangegangenen Vortrag beizusteuern. Die anderen Teilnehmer sind in der Position des Zuhörers. Man lässt also das Wort und die Meinung des anderen wertfrei zu und zeigt mit dem Zuhören auch seinen Respekt gegenüber den Brüdern. Somit sollte auch keine Diskussion entstehen, sondern ein sogenanntes brüderliches Gespräch, da eben eine Diskussion die Worte des Einzelnen bewertet.

Zuhören als Tugend

Das „sich selbst zurücknehmen“ und damit ein Schweigen (was wir noch ausführlich betrachten werden) und aktives Zuhören, sollte in den Lehrjahren eines Freimaurers gefördert werden und dann auch eine gewisse Tugend bedeuten. Die Kontrolle über sich selbst, wenn man am liebsten hinausschreien oder widersprechen würde ist eine der schwierigsten Aufgaben eines Maurers, da es nur allzu menschlich ist, Widerworte zu geben, wenn uns etwas gegen den sprichwörtlichen Strich geht. Hat der Bruder (oder die Schwester) dies einmal für sich selbst gelernt, kann diese Eigenheit, des „Aktiven Zuhörens“ auch in anderen Lebenslagen von großem Nutzen sein. Denken wir einmal an Besprechungen oder Meetings innerhalb des beruflichen Umfeldes. Oder sogar an Treffen und Abstimmungen mit Kunden. Hier wird man schnell feststellen, dass zuhören und sich selbst auch zurückzunehmen einen neuen Umgang untereinander schafft, sogar bis zu einem verbesserten Umgang mit Kunden. Aber auch in der kleinsten Gemeinschaft, der Partnerschaft oder Familie kann es mehr als nützlich sein, sich auf sein Gegenüber einzulassen und ihm/ihr zuzuhören. Hier können die Ideen des „Hörens, Sehens, Schweigens“ durchaus einen nützlichen Bestandteil bilden und oftmals auch neue Blickwinkel auf die Meinung des Partners zulassen.

Zuhören als Reise vom Lehrling zum Meister

Die Aufgabe des Lehrlings auf seinem Weg zum Meister ist das aktive Studium des eigenen Ichs. Das „Erkenne dich selbst“ und die damit verbundene Arbeit am rauen Stein, am eigenen Ich, bildet den Weg, den der Maurer für sich gehen muss. Hierbei muss er als Geselle auch reisen und Erfahrungen sammeln, andere Logen besuchen und auch hier Eindrücke erfassen und zuhören. Aber auch das Gespräch mit seinem Bürgen, der ihn durch diesen Weg hin begleitet, ist vom Zuhören geprägt. Denn dieser sollte mit ihm über seiner Entwicklung als Freimaurer sprechen, seine Entwicklung reflektieren und ihn auf dem rechten Weg halten. Hierfür muss der Bruder auch zuhören und die Worte in sich wirken lassen können.

Der junge Maurer hört aber auch Dinge, bekommt Symbole und Sinnbilder erklärt und muss versuchen diese zu erfassen und in seinen bisher gelernten maurerischen Horizont zu bringen. Er muss sich auf diese Sinnbilder einlassen und den Worten der erklärenden Brüder mit der nötigen Aufmerksamkeit lauschen. Sollte aber der Informationsgehalt zu viel sein, so kann man sich immer noch auf die nächste rituelle Tempel Arbeit vertrösten, den oftmals werden die Symbole und Sinnbilder wieder und wieder in den sogenannten „Werkslogen“ erklärt und erläutert.

Vide – vom Sehen

„Als visuelle Wahrnehmung (von lateinisch videre ‚sehen‘) bezeichnet man in der Physiologie die Aufnahme und Verarbeitung von visuellen Reizen, bei der über Auge und Gehirn eine Extraktion relevanter Informationen, Erkennung von Elementen und deren Interpretation durch Abgleich mit Erinnerungen stattfindet. Somit geht die visuelle Wahrnehmung weit über das reine Aufnehmen von Information hinaus.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Visuelle_Wahrnehmung)

Mit den Augen sehen ist sicherlich einer der wichtigsten Sinne, die wir Menschen haben. Das Sehen ist ein fester Bestandteil einer jeden rituellen Arbeit, da der Mensch über alle Sinne seine Wahrnehmung schärft. Uns werden Zeichen und Symbole vermittelt, deren tiefere Bedeutung wir oftmals erst im Laufe der Jahre erkennen und verstehen.

Sehen im Tempel

Interessenten an der Freimaurerei kennen sicher alle die historischen Bilder, welche eine Aufnahme in die Bruderschaft darstellen, bei der dem Neuaufzunehmenden oder Neophyten die Augen verbunden sind. Dies dient nicht nur der Sicherheit der Brüder, welche unerkannt bleiben wollen und sich nur dem Bruderkreis offen zeigen, nein die Augenbinde hat auch einen symbolischen Charakter im Tempelraum. Der neu aufzunehmende Bruder wird mit verbundenen Augen in den Tempelraum eingeführt. Dieses symbolische „Nicht-Sehen“ soll dem Suchenden vor Augen führen (merkt ihr die Ironie an dem Satz J), dass er sich bisher nicht sehend durch die Welt bewegt hat und das Licht sucht. Er sieht den Bruderkreis vor dem Abnehmen der Binde nicht und muss sich diesem blind anvertrauen, wenn er aufgenommen werden möchte. Nur jemand, der seinen Brüdern blind vertrauen würde, der kann auch von der Gemeinschaft angenommen werden. Vertrauen aufeinander bildet hier eine der wichtigsten Grundlagen der modernen Freimaurerei.

Ziel dieser Handlung ist es, ihm das Augenlicht wiederzugeben und ihn sehend zu machen. Er soll seine neue Wirklichkeit erfassen und seine Augen und somit auch seinen Geist für neue Dinge öffnen.

Der Prozess des Sehens

Mit der Öffnung der Augen und dem Entfernen der Binde beginnt der Prozess des Sehens und Erfassens von Symbolen und Sinnbildern, wie sie in der Freimaurerei üblich sind. Er muss die Zeichen und vor allem die Bedeutung lernen, wie sie seit vielen Hundert Jahren vermittelt und weitergegeben werden. Diese dienen der winkelgerechten Lebensführung und der Verbesserung seiner ethischen Haltung, seines ethischen Handelns und seines rauen Steins.

Sehen im sozialen Umfeld

In der Abschlussansprache des Stuhlmeisters einer jeden rituellen Arbeit werden die Brüder konkret aufgefordert, niemals wegzusehen und Not und Leid den Rücken zuzukehren: „[…] Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf euch selbst. […] Dies wiederum ist keine Aufforderung für den Tempel alleine. Sie zeigt, dass der Bruder Freimaurer im profanen Leben die Augen aufhalten und einschreiten soll. Dies muss nun nicht gleich Aufgaben umfassen wie Kriege zu stoppen, aber sich zumindest für eine humanitäre Lösung von Leid und Konflikten einzusetzen oder seine Meinung zu beziehen. Auch in kleinem Rahmen sollte dies ein Muss ein. Nicht wegsehen, wenn auf offener Straße Unschuldige angegangen werden, nicht wegsehen, wenn Unrecht geschieht. Immer wachsam sein und die Augen für die Gefahren dieser Welt offenlassen. Die Augen wurden dem Bruder ja mit der Aufnahme geöffnet, nun muss er sie auch lernen im realen Alltag offen zu halten.

Tace – Vom Schweigen

Ist es nicht in einer so geschwätzigen Zeit, mit Twitter, Facebook und den anderen sozialen Netzwerken, eine gewisse Tugend, wenn man einfach schweigen kann? Wenn man die Ruhe sucht und diese zu schätzen lernt? Gerade diese Ruhe schafft eine gewisse Entspannung, welche dazu dienen kann, die leeren Batterien wieder aufzutanken.

Schweigen bei den Hochgraden

Im alten und angenommenen Schottischen Ritus finden wir ebenso Hinweise auf das Schweigen per se. Der 4. Grad, also der Grad in den man in den AASR aufgenommen wird, ist der Grad des „geheimen Meisters“. Dieser Meister hat sich vor allem durch „das Schweigen“ auszuzeichnen. Diese Meistertugend gilt es also auch in den Hochgraden zu erlernen und zu pflegen. So wie jeder Meister, egal in welchem Grad oder Hochgrad immer auch ein Lernender ist, muss er sich auch weiterhin gerade in dieser Tugend üben.

Schweigen nach außen

Aber warum schweigen die Freimaurer denn vor Außenstehenden, sind sie sogar ein Geheimbund? Unsere Satzungen kann man offen lesen und da eine Freimaurerloge wie ein Verein aufgebaut und strukturiert ist, kann man auch die Vorsitzenden, also den sogenannten Meister vom Stuhl namentlich kennenlernen. Zudem betreiben die meisten Logen durchaus informative Webseiten oder Foren um Interessenten und Suchenden eine geeignete Plattform zu bieten. Selbst ihr, meine Leser habt meinen Blog gefunden und könnt über Freimaurerei einiges erfahren. Daher denke ich es wäre unangebracht von einem Geheimbund zu sprechen. Was jedoch stimmt ist (und ich möchte hier gern ein Zitat von Dan Brown verwenden) dass Freimaurer „ein Bund mit Geheimnissen sind“.

Gerade diese Geheimnisse, geheime Zeichen und Worte, grenzen uns von den Außenstehenden ab und lassen eine Bruderschaft entstehen, welche auf die gleichen Werte und Ideale baut. Wir schweigen nicht um etwas zu verheimlichen oder wie oft behauptet wird um „die Welt zu erobern“, sondern einfach um die Gedankenwelt der Freimaurerei von Außenstehenden abzugrenzen. Einer außenstehenden Person sind oft die Zeichen und die Symbole der Freimaurer unverständlich und auch die Gedankenwelt mag fremd erscheinen.

Zudem ist es denn so ungewöhnlich? Wir Freimaurer verstehen uns als Brüder. In einer Loge kann und soll auch offen miteinander und untereinander kommuniziert werden. Da ist es mehr als verständlich, wenn diverse Interna nicht nach außen getragen werden. Das eigentliche „freimaurerische Geheimnis“ ist eher die Frage an jeden Einzelnen, was Freimaurerei für einen selbst ist und wie es erlebt wird. Das Geheimnis der Freimaurerei muss jeder Maurer für sich selbst entdecken. Somit ist Freimaurerei eher etwas Egoistisches und schwer zu beschreiben. Würde man 30 Maurer nach dem Geheimnis fragen, so würde man auch 30 unterschiedliche Antworten bekommen. Was wiederum auch einer der Gründe ist, warum sich Menschen in eine Loge begeben…eben diese Vielfalt an Ideen, Gedanken und Interessen. Dieser Austausch bereichert einen selbst.

In früherer Zeit war die Wahrung der Geheimnisse noch viel dringender als heute. Früher, als es noch die Bauhütten gab und die Kirchen und Kathedralen gebaut wurden, konnten die wenigsten Lehrlinge und Gesellen lesen. Daher wurden die Symbole ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Auch die Zeichen und Worte wiesen den jeweiligen Status des einzelnen aus, nach welchem er auch seinen Lohn bekam. Kannte man die entsprechenden Zeichen und Worte und wusste um die Symbolik in dem jeweiligen Grad, so konnte man frei umherziehen und sich dort niederlassen wo man Arbeit fand. Man musste sich nicht durch ein Dokument ausweisen, sondern konnte dies tun ohne ein Schriftstück zu haben.

Man kann viel darüber reden, diskutieren und spekulieren warum es Logen gibt, die sich wenig öffnen und andere eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit haben. Ich denke das muss jeder für sich selbst wissen, ob er sich öffentlich dazu bekennt. Was jeder Maurer aber unbedingt sein muss ist verschwiegen. Es gilt nach wie vor die Loge nach außen zu schützen und die Geheimnisse zu bewahren.

Vom Schwiegen in der Loge

Gerade in dieser eher ruhelosen und stürmischen Zeit, ist Ruhe und damit Verbunden das Schweigen eine der wichtigsten Güter. Gerade in einer Loge und vor allem zu den Tempelarbeiten suchen die Brüder und Schwestern die Ruhe auf. Hierbei ist es also mehr als verständlich, wenn die Brüder auch dazu aufgerufen werden, ihre Handys auszuschalten. Dem Alltag entfliehen und sich völlig fallen lassen in diese meditative Arbeit. Zudem hat es auch mit einem gewissen Respekt zu tun, wenn man sich auf die Tempelarbeit mit den Brüdern/Schwestern komplett einlässt und den Worten des Bruders Redner lauscht.

Aber nicht nur während einer rituellen Arbeit ist Schweigen ein wichtiges Gut. Auch im Umgang der Brüder untereinander geht es um das Bewahren von Anvertrautem. Wenn mir ein Bruder etwas in einem brüderlichen Gespräch anvertraut und ich ihm auf Maurer-Wort schwöre, dies für mich zu bewahren, so sollten wir doch hierüber Schweigen und dieses Geheimnis wahren. Dazu gehört auch, dass persönliche Emails und Nachrichten nicht ohne Wissen des Absenders an neue Adressaten weitergeleitet oder versendet werden sollten. Der Maurer muss sich auf die Tugendhaftigkeit seines Bruders verlassen können, denn genau dies macht diese jahrhundertealte Bruderschaft mit aus.

Ebenso ist schweigen und auch das Zuhören angebracht im Rahmen eines brüderlichen Gespräches oder Vortragsabend. Hier lässt man den Bruder ausreden und wertet seine Aussage nicht. Der gegenseitige Respekt zählt, auch wenn er in einer sehr hitzigen Diskussion leider auch einmal von dem ein oder anderen vergessen wird.

Fazit

Zusammenfassend muss man sagen, dass diese drei Grundlagen Sehen, Schweigen und Hören nicht nur in der Freimaurerei die Grundlage für ein sinnvolles Gespräch sowie den Prozess des Lernens sind, sondern grundsätzliche Aspekte im mitmenschlichen Umgang. Sich gegenseitig zuhören und ausreden lassen ist Bestandteil jeder Beziehung.

Wir wollen uns alle respektieren, einander zuhören, uns gegenseitig unterstützen, motivieren – eine Gemeinschaft sein und das Tag für Tag. So fängt es in der kleinesten Einheit, der Partnerschaft und Familie an, geht über das berufliche und soziale Umfeld und kann zu einer umfassenden Gemeinschaft führen, wie es die Freimaurer für sich seit Jahrhunderten anstreben.

Ein friedliches Weihnachtsfest

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern auf diesem Wege ein frohes und vor allem friedliches Weihnachtsfest.

Gerade nach dem Anschlag in Berlin dürfen wir uns das Fest nicht verderben lassen. Wir dürfen die Hoffnung nie verlieren und radikalen Kräften keine Plattform bieten, stattdessen sollten wir näher zusammenstehen als zuvor.

Genießt alle ein paar ruhige und schöne Tage im Kreis eurer Familien, Lieben und Freunde…

Ich möchte euch den Text eines bekannten Liedes noch als Gedankenanstoß hierlassen…wäre das nicht eine schöne Vorstellung?

Euer Br. René

 

„Imagine“ von John Lennon (alle Rechte bei John Lennon)

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today… Aha-ah…

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion, too
Imagine all the people
Living life in peace… You…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world… You…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

*BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!

Heute Morgen fand ich eine liebe Email meines Bruders und Mit-Bloggers Philip Militz im Posteingang mit dem Hinweis auf einen seiner Artikel: http://www.freimaurer.online/2016/11/geistesblitz-bam-jo-das-ist-freimaurerei/ Dieser wiederum hat unseren Bruder und ebenso Mit-Blogger Hagen zu seinem Artikel veranlasst: https://hagenunterwegs.wordpress.com/2016/12/02/bam-jo-das-ist-freimaurerei

Natürlich möchte ich ebenso einen kleinen Beitrag zu leisten:

Als ich vor einigen Jahren in Paris über ein verlängertes Wochenende war, nutze ich die Zeit und besuchte das Freimaurer Museum des Grand Orient de France (Musée de la Franc-Maçonnerie).

Meine Partnerin und ich schlenderten durch diese wirklich beeindruckende Ausstellung und genossen die Zeit in diesen erstaunlichen Hallen. Am Ende des Museums gab es einen kleinen Shop in dem ich mich für einige Bücher interessierte. Da meine Partnerin fließend französisch sprach, bat ich sie, den dort sitzenden Mann (von dem ich aufgrund seines auffälligen Ringes annahm Freimaurer zu sein) zu fragen, was man hier im Gebäude denn sonst noch ansehen kann. Der Mann gab als Antwort zurück, dass es hier nur diese Ausstellung zu sehen gab. Also ließ ich ihn fragen, was man denn als Freimaurer hier noch sehen kann/darf. Er sah meine Partnerin verblüfft an und fragte sie, ob sie denn eine Schwester sei. Sie verneinte und meinte, dass ich ein Bruder wäre.

Wieder sah ich in ein verblüfftes Gesicht und er streckte mir wortlos seine Hand hin. Ich ergriff sie und stelle fest, dass die Erkennungszeichen der Freimaurer, in diesem Fall also der Griff weltweit eindeutig waren. Er erkannte mich als Bruder Meister und so führte er uns durch einige Gänge. Er zeigte uns einige der knapp 20 Tempelräume, nahm sich die Zeit für Erklärungen zu den Räumlichkeiten, zum Gebäude, der Bibliothek im obersten Stock und dem Grand Orient de France im Allgemeinen. Zum Abschluss lud er mich noch zur Teilnahme an einer Ritualarbeit ein, welche ich leider aufgrund der begrenzten Zeit und der Tatsache, dass ich keinerlei Utensilien mit dabeihatte, ausschlagen musste.

Man sieht also, auch im Ausland funktioniert die weltweite Bruder-/Schwesterkette!

Freimaurer-Loge Jacob de Molay zum Stern im Süden

Ich möchte kurz die Zeit nutzen um auf eine neue interessante Webseite hinzuweisen.

Sehr schön, minimalistisch und dennoch mit viel Aussagekraft (alleine wegen den Bildern) aufgebaut. Die Rede ist von der Freimaurer-Loge Jacob de Molay zum Stern im Süden. Ich bin hier Zweitmitglied und möchte daher kurz euer Augenmerk auf folgendes Zitat lenken:

„Unsere Loge steht all denen offen, die ihr Leben abseits des lauten und hektischen Alltags mit Sinn erfüllen möchten. Die Brüder unserer Loge haben die unterschiedlichsten Lebensläufe und stehen in verschiedenen Lebensabschnitten. Uns verbindet die gemeinsame Suche nach dem „Licht“, d.h. nach dem, was ein menschliches Leben in unserer Gesellschaft lebenswert macht. Dabei hilft uns der gemeinsame Austausch bei unseren Zusammenkünften und das Nach-Denken der Gedanken des Anderen, die verschiedene Facetten des menschlichen Lebens und uns selbst besser zu begreifen.“

Schön treffend und auf den Punkt gebracht…

http://suedloge.de/

 

 

Gastbeitrag: Macht und Maurerei – von Br. ANP

Zum ersten Mal möchte ich heute einen Gastbeitrag meines Bruders „ANP“ veröffentlichen. Er möchte anonym bleiben und auch nicht, dass seine Loge genannt wird. Diesem Wunsch komme ich selbstverständlich gerne nach. Er meinte noch, dass „der Text dazu programmiert ist, verschwörungstheoretische Spinner anzuziehen“. Sehen wir was kommt.
Viel Spaß beim Lesen des Textes:

Macht und Maurerei

Ich möchte heute über etwas sprechen, das mich seit ein paar Wochen, vielleicht Monaten beschäftigt. Es geht um Macht. Gerne schreiben uns Freimaurern Verschwörungstheoretiker zu, über Macht im Überfluss zu verfügen. Wir haben so viel Macht, dass wir (oder die angeblich noch verborgener agierenden Illuminaten) unsere Verschwörungssymbole mitten auf den Banknoten der wichtigsten Währung der Welt verstecken und keiner außer dem Eingeweihten merkt es!

Nächstes Jahr wird es anlässlich des 300. Jubiläums viel Öffentlichkeitsarbeit geben. Nur sehe ich jetzt schon wieder, wie wir uns im Glanz vergangener Zeiten sonnen werden, darin, wer so alles zu unserem illustren Kreis gehörte. Nur, was sagt das über uns heute aus? Meine Prognose: 2018 wird die Freimaurerei im Großen und Ganzen wieder unter sich bleiben und wir beschäftigen uns wieder mit uns selbst und der Arbeit am rauen Stein. Schlecht muss das allerdings, das möchte ich betonen, auch nicht sein.

Was haben nun Verschwörungstheorien und meine gedämpften Erwartungen an die konkreten mittel- und langfristigen Folgen des Jahres „300“ miteinander zu tun? Und was mit „Macht“, worüber ich doch eigentlich sprechen möchte? Ganz einfach: Verschwörungstheoretiker schmeicheln uns, weil Sie uns, unsere Rolle und eben Macht und Einfluss des Bundes oder aber seiner einzelnen Mitglieder maßlos und in grotesker Weise überschätzen. In der Vergangenheit wie in der Gegenwart.

Macht, Einfluss. Da denken wir an Politiker, an die Beiräte und Führungsetagen von DAX-Konzernen, an Staatspräsidenten, Militärs, Lobbyisten in den Lobbys der Parlamente oder auch Meinungsmacht, an Staatsgewalt und Polizei, oder – wenn man es etwas einfacher haben möchte – an Star Wars.

Der Macht-Begriff jedenfalls ist schillernd, vielseitig und in Deutschland in verschiedenen Zusammenhängen sogar verpönt. Zum Zweck dieser Zeichnung möchte ich etwas hemdsärmelig zwischen zwei Formen von Macht unterscheiden, zwischen persönlicher und struktureller Macht. Warum das wichtig ist, werde ich anschließend an einem Beispiel erklären.

  1. Persönliche bzw. personelle Macht: Über diesen klassischen Machtbegriff gibt es Abhandlungen, die Bibliotheken füllen. Klassisch wäre z.B. sehr frei nach Max Weber, dass Macht das eigene Vermögen bezeichnet, eine Entscheidung gegen den Willen eines Anderen durchzusetzen. Unterschieden wird gerne auch zwischen Sanktions- und Gratifikationsmacht. Sanktionsmacht heißt z.B., das Vermögen, Verhaltensweisen zu bestrafen oder Andere durch die Angst vor Strafe überhaupt von einem entsprechenden Verhalten abzubringen. Über Gratifikationsmacht verschaffe ich Dritten Zugang zu Positionen, also eigener Macht durch Teilhabe, zu Geld, Privilegien oder Formen von Belohnungen, über die ich mein Gegenüber an mich in einer klassischerweise asymmetrischen Beziehung binde. Kontext und Situation können Asymmetrien auch schnell umkehren.
  2. Strukturelle Macht geht nicht vom Individuum aus. Sie beschreibt viel mehr Gesellschaft bzw. gesellschaftliche Ordnung so, dass sie durch Machtverhältnisse geprägt, von Macht durchdrungen, aber auch erst ermöglicht wird. Strukturelle Macht bildet keinen absoluten Gegensatz zur Macht von Einzelpersonen im vorgenannten Sinne. Sie hilft aber wertneutral zu beschreiben, wie Strukturen einer Einzelperson zu „Macht“ verhelfen können und zwar nicht gegenüber Dritten, sondern allein darauf bezogen, Einzelpersonen oder Gruppen zu ermächtigen, eine Handlung zu vollziehen oder Lebensweise zu pflegen. Ausweiten ließe sich dieser Machtbegriff damit auch auf Infra-Struktur jeder Art.

Das klingt kompliziert, darum ein Beispiel. In einem Dorf gibt es einen alten heruntergekommenen Bolzplatz. Die Tore sind windschief, rostig und drohen beim nächsten Lattenschuss den lebensmüden Torwart unter sich zu begraben. Da die Wiese nicht gepflegt ist, Steine herumliegen und der Boden uneben ist, könnte der Torwart noch einmal Glück haben, weil der Torschütze sich vor dem lebensgefährlichen Lattenschuss gerade noch rechtzeitig ein Bein bricht, weil er in einem der vielen Schlammlöcher stecken geblieben ist.

Am Rande des Dorfes hat der hiesige Sportverein seinen Sitz. Grün, so saftig grün ist der Rasen mit seinen weißen Spielfeld-Markierungen. Die beiden Metallrahmen der Tore stemmen sich mit ihren festmontierten Fangnetzen noch dem stärksten Lüftchen entgegen. Aber: Zutritt nur für Vereinsmitglieder. Das stellt Fritz, der missmutige Platzwart sicher. Die naheliegende Lösung für den entnervten Fußballfan ist es, dem Verein beizutreten, weil dieser ihm ermöglicht, auf einem heilen Platz Fußball zu spielen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und über die Mitgliedschaft in verschiedenen Ligen und Dachverbänden neue Leute kennenzulernen, vielleicht sogar beruflich voranzukommen. Der Verein selbst stellt also eine Form positiver Machtstruktur da, die seinen Mitgliedern oder denen, die mit ihm zu tun haben, Dinge ermöglicht, die ihnen sonst verwehrt blieben. Das wäre Lösung 1.

Eine andere Lösung, die zur ersten nicht im Widerspruch stünde, wäre, dafür zu sorgen, dass der lebensgefährliche Bolzplatz so instandgesetzt wird, dass er nicht mehr nur allein für Todesmutige verlockend ist (eine Lösung, die der Verantwortungsethik unseres Bundes deutlich nähersteht). Der schnellste Weg dahin, ist, sich mit den richtigen Ansprechpartnern des Dorfes, der Kommune oder Stadt in Verbindung zu setzen, und selbst zu erkennen, welche Machtstrukturen ich am besten anzapfen muss, um mein Ziel zu erreichen, wo sanfter bis deutlicher Druck und das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt Dinge in Bewegung setzen können. Natürlich ließe sich dieses Beispiel noch viel weiterspinnen, denn ein rundum sanierter Bolzplatz lädt mehr Spieler zum Spielen ein, die nachmittags dort trainieren und selbstständig ohne Verein an ihrem fußballerischen Können feilen können. Würde ich über die entsprechenden Mittel verfügen, könnte ich natürlich als Mäzen auftreten und den Fußballplatz aus eigener Tasche bezahlen, aber das wiederum erfordert eben: Geld, also ein Attribut persönlicher Macht.

Was hat das nun mit Maurerei zu tun? Um den Bau am Tempel der Humanität zu fördern, ist es sinnvoll, sich nicht nur mit symbolischen Werkzeugen, den zu ziehenden Mauern und Bauplänen zu beschäftigen, sondern auch mit symbolischen Bauunternehmen, Werkstoffhöfen, Lieferzeiten, Investoren, rechtlichen Rahmenbedingungen und ähnlichem, denn dann kommen wir unserem Ziel schneller voran.

Die Beschäftigung mit „Macht“ ist also nichts Negatives, wenn man sie als Werkzeug und Ermöglichungsrahmen begreift, ein Ziel zu erreichen. Dabei liegt die Aufgabe, Einflussmöglichkeiten zu erkennen und zum Besten der Menschheit und Umgebung zu nutzen, zunächst beim einzelnen Freimaurer. Im Übrigen ebenso, wie es die Aufgabe ist, Verantwortung und Verantwortlichkeit im Umgang mit Macht und Machtgefügen einzufordern, zu mahnen, wo sie missbraucht werden und darüber zu wachen, dass Einfluss in Fragen der Allgemeinheit nicht zur Bereicherung von Einzelgruppen oder Personen genutzt wird, sondern im Sinne unserer Maximen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

Über diese Fragen, auch in Bezug auf unsere alltägliche Umgebung, lohnt es nachzudenken. Auch schon als Lehrling, mit Spitzhammer und vierundzwanzigzölligem Maßstab in der Hand.

Kann man die Zeit totschlagen? – Tempus fugit

800px-massstab

 

 

 

„Die Zeit, die Zeit ist ganz schön dreist

in einem Anflug von Unsterblichkeit

die Uhr kennt keine Gnade

wo ist die Zeit, die ich nicht habe“

(aus dem Lied „Zeit“ von Der W.)

Einleitung

Die Zeit ist sicherlich eines der kostbarsten Güter, welche wir Menschen haben. Denn „Zeit haben“ und „Frei-Zeit“ brauchen wir zum Entspannen und Auftanken, können dieses Gut jedoch nur bedingt kaufen. Dennoch brauchen wir Menschen gerade einen sinnvollen Ausgleich zum Alltag um uns zu regenerieren und Kraft zu schöpfen.

Oftmals vergeht die „Zeit wie im Fluge“, wenn wir schöne Momente erleben und auch wiederum zieht sich die Zeit zäh, wenn wir etwas als langweilig empfinden. Die Wahrnehmung von Zeit ist somit für jeden Menschen individuell unterschiedlich. Dennoch haben wir eine Maßeinheit geschaffen und teilen unseren Tag in 24h auf. Zumindest haben wir dann einen Richtwert und sprechen alle von der „gleichen Zeit“.

Oftmals empfinden wir es „keine Zeit zu haben“, wenn viele Eindrücke und Aufgaben auf uns zukommen und wir versuchen, diese alle nach bestem Gewissen zu erledigen. Langeweile ist wiederum eine Form der zeitlichen Wahrnehmung, in der wir uns nicht beschäftigen oder nichts Sinnvolles mit unserer Zeit anfangen können. Aber ist dies wirklich so? Können wir uns nicht eine zeitliche Einsteinung schaffen, welche uns hilft, unseren Tag zu regeln und unsere verbleibende Zeit auf Erden effektiv zu nutzen? Betrachten wir dies in den nächsten Minuten einmal ausführlich.

Definition von Zeit

Betrachten wir nun einmal die Zeit aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Wikipedia definiert: „Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung. […] Die wohl markanteste Eigenschaft der Zeit ist der Umstand, dass es stets eine in gewissem Sinne aktuelle und ausgezeichnete Stelle zu geben scheint, die wir die Gegenwart nennen, und die sich unaufhaltsam von der Vergangenheit in Richtung Zukunft zu bewegen scheint. Dieses Phänomen wird auch als das Fließen der Zeit bezeichnet. Dieses Fließen entzieht sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Betrachtung, wie im Folgenden dargelegt wird. Auch die Geisteswissenschaften können die Frage nicht eindeutig klären.“

Zeit in der Philosophie

In der Antike haben sich u. a. die Philosophen Heraklit, Platon, Aristoteles und Augustinus mit dem Begriff der Zeit befasst, in der Neuzeit vor allem Newton, Leibniz, Kant, Heidegger und Bergson.

Heraklits Flussbilder, die vom gleichbleibenden Flussbett symbolisiert werden, in dem aber Alles fließt (panta rhei), stehen als Metapher für die Zeit. Unwandelbare periodische Übergänge von Tag und Nacht, also die Beständigkeit des Flusslaufes, und die Dynamik seines Fließens stehen als die Einheit der Gegensätze.

Für Platon haben Raum und Zeit keine Wesenheit, sondern sind nur bewegte Abbilder des eigentlich Seienden (Ideenlehre). Für Aristoteles ist der Zeitbegriff untrennbar an Veränderungen gebunden, Zeit ist das Maß jeder Bewegung und kann nur durch diese gemessen werden. Sie lässt sich in unendlich viele Zeitintervalle einteilen (Kontinuum).

Augustinus unterscheidet erstmals zwischen einer physikalisch exakten (messbaren) und einer subjektiven, erlebnisbezogenen Zeit. Zeit und Raum entstanden erst durch Gottes Schöpfung, für den alles eine Gegenwart ist. Das Geheimnis der Zeit fasst Augustinus in folgendem Ausspruch zusammen: „Was also ist ‚Zeit‘? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“

Für Isaac Newton bilden Zeit und Raum die „Behälter“ für Ereignisse, sie sind für ihn ebenso real wie gegenständliche Objekte: „Zeit ist, und sie tickt gleichmäßig von Moment zu Moment.“ In der Naturphilosophie dominiert Newtons Auffassung, weil sie ermöglicht, Zeit und Raum unabhängig von einem Bezugspunkt oder Beobachter zu beschreiben.

Im Gegensatz dazu meint Gottfried Wilhelm Leibniz, dass Zeit und Raum nur gedankliche Konstruktionen sind, um die Beziehungen zwischen Ereignissen zu beschreiben. Sie haben kein „Wesen“ und es gebe daher auch keinen „Fluss“ der Zeit. Er definiert die Zeit so: „Die Zeit ist die Ordnung des nicht zugleich Existierenden. Sie ist somit die allgemeine Ordnung der Veränderungen, in der nämlich nicht auf die bestimmte Art der Veränderungen gesehen wird.“

Nach Immanuel Kant ist die Zeit ebenso wie der Raum eine „reine Anschauungsform“ des inneren Sinnes. Sie seien unser Zugang zur Welt, gehörten also zu den subjektiv-menschlichen Bedingungen der Welterkenntnis, in deren Form das menschliche Bewusstsein die Sinneseindrücke erlebt.

Kant schreibt ihr jedoch eine empirische Qualität für Zeitmessungen und entfernte Ereignisse zu. Wir können die Zeit aus unserer Erfahrung nicht wegdenken und auch nicht erkennen, ob sie einer – wie auch immer gearteten – Welt an sich zukommt. In ähnlicher Weise beschreibt Martin Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“ letztere als eine Wirklichkeit, die das Menschsein zutiefst prägt.

(aus https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit)

Der 24-zöllige Maßstab

Wie aber kann nun die Freimaurerei eine Definition von Zeit liefern und wie kann dies wiederum dem Bruder/der Schwester dienen?

Der Freimaurer muss bereits als Lehrling lernen, wie er sich den Tag richtig einteilt. Hierzu dient ihm das Sinnbild des 24 zölligen Maßstabes. Das Sinnbild des Maßstabes tauchte zum ersten Mal im Edinburgh Register House Manuskript von 1696 auf. Dieses vollständig erhaltene Fragebuch der Freimaurerei erklärt dem jüngst aufgenommenen Lehrling beim Betreten der Loge „as I am Sworn by God and St. John, by the Square and compass, and common judge (auch „gauge (ein Eichmaß)“ genannt“. Zu Deutsch: „der ich bei Gott und dem heiligen Johannes, beim Winkelmaß und beim Zirkel und beim Maßstab geschworen habe.“ Zu beachten gilt jedoch, dass es sich hierbei zuerst um einen Maßstab handelte, auf dessen Rückseite ein Profil eines zu meißelnden Steins aufgebraucht wurde. Er war somit ein allgemeiner Maßstab, der Sinnbild für eine gute Arbeit war. Erst ab 1760 finden sich Hinweise auf den 24-zölligen Maßstab wieder, wie er heute noch als Instrument des Lehrlings geläufig ist.

Erklärung des Maßstabes

Der 24-zöllige Maßstab und der Spitzhammer sind in der Freimaurerei die Symbole des Lehrlings. Der Spitzhammer dient dazu, die Ecken der Unvollkommenheit vom rauen Stein abzuschlagen, der 24-zöllige Maßstab dazu, sich bei der Arbeit die Zeit mit Weisheit einzuteilen. Er symbolisiert die 24 Stunden des Tages die der Maurer folgendermaßen einteilen soll:

  • sechs Stunden zur Arbeit
  • sechs Stunden um Gott zu dienen
  • sechs Stunden um einem Bruder oder Freund zu dienen, soweit es in seinen Kräften steht
  • sechs Stunden zum Schlafe.

Diese klare zeitliche Einteilung lässt sich in der heutigen Zeit nicht mehr 1:1 umsetzen. Es lassen sich gewerkschaftlich ausgehandelte Arbeitszeiten nicht umgehen und wer heute weniger als 8 oder 9 Stunden mit der Arbeit zubringt, gefährdet womöglich sogar seinen Arbeitsplatz. Heutzutage ist die Umsetzung dieses Lehrlingswerkzeuges schlichtweg unmöglich.

Inhaltlich jedoch ist eine solche Einteilung gar nicht so verkehrt. Die jedem Menschen zustehende Zeit, sei es nun Stunde, Tag, Monat, Jahr oder Lebenszeit soll bewusst sinnvoll und weise eingeteilt werden um ein erfülltes Leben zu verwirklichen. Die genaue zeitliche Gliederung ist nicht die Kernaussage des 24-zölligen Maßstabes, sondern eine ausgewogene Grundstruktur die unsere, zur Verfügung stehende Zeit, sinnvoll gliedert.

Wie kann der moderne Freimaurer seine Zeit also sinnvoll aufteilen? Die Aufteilung in vier Blöcke erscheint mir durchaus sinnvoll, nämlich in:

  • Arbeit
  • Befriedigung sozialer Bedürfnisse
  • Erholung und Regenerierung
  • Spiritualität

Arbeit ist ein wichtiger Teil in unserem Leben. Für die einen ist es Pflicht, für den anderen Freude und Erfüllung. Sie gibt Struktur, fördert Lernen und Fähigkeiten und ermöglicht uns in Augenhöhe mit anderen am Gesellschaftsleben teilzunehmen. Beim Fehlen von Arbeit, nämlich Arbeitslosigkeit geht erheblich mehr verloren als nur materielle Werte.

Die Befriedigung sozialer Bedürfnisse ist ein ganz wichtiger Teil unseres Lebens. Sie dient nicht nur dem Austausch, der Begegnung und der Kommunikation, sie sorgt nicht nur für gemeinsame Erlebnisse, sondern schafft auch Nähe und Intimität. Indem wir füreinander da sind und uns gegenseitig helfen, geben wir der Gesellschaft etwas zurück, auf das wir selber angewiesen sind, nämlich Menschlichkeit, Geborgenheit, Verständnis, Brüderlichkeit, Liebe.

Jedes Individuum hat seinen eigenen Schlafrhythmus. Der eine kommt locker mit 5 Stunden aus, der andere schläft regelmäßig seine 7 Stunden. Hobby und Freizeitaktivitäten, ausgewogene Ernährung und Urlaube sind wichtig um die Anforderungen des Lebens langfristig erfüllen zu können und sich psychisch und physisch in guter Form zu erhalten.

Wer sich Zeit für Spiritualität nimmt und sich mit Neugierde auf die wichtigen Fragen des Lebens stürzt, wird Antworten finden, die einem weiterhelfen, sein Leben sinnvoller zu gestalten. Viele finden in der Religion eine Zuflucht und einige sogenannte „Freidenker“ – wenn sie Glück haben – in der Freimaurerei. Wer sich jemals mit dem Satz „Erkenne dich selbst“ oder mit den Begriffen Freiheit, Gleichheit oder Brüderlichkeit auseinandergesetzt hat, der begreift viel mehr über die Zusammenhänge des Lebens als andere. Das ist Nahrung für die Seele und den Geist und auch Nährboden für eine humanistische Lebenseinstellung.

Wie genau diese 4 Bereiche weise aufzuteilen sind, muss wohl ein jeder selber wissen. Deshalb sollte es jedem selbst überlassen bleiben seine Zeit sinnvoll und weise einzuteilen um ein glückliches Leben zu führen.

(angelehnt nach dem Traktat im Freimaurer Wiki: http://freimaurer-wiki.de/index.php/Traktat:_Der_24z%C3%B6llige_Ma%C3%9Fstab)

Ermahnung an Pünktlichkeit

Sowohl im Ritual, also auch zu den gemeinschaftlichen Abenden und Vorträgen ruft uns der Meister zur Arbeit. Diesem Aufruf sollten die Maurer auch nachkommen und pünktlich ihre Arbeit aufnehmen. Der 24-zöllige Maßstab soll uns hier ermahnen und erinnern, dass wir zum einen die Arbeit an uns selbst wiederaufnehmen sollen und zum anderen auch der Arbeit an der Gemeinschaft der Loge und unseren Fragen nach der Bestimmung. Natürlich ist das Erleben der Gemeinschaft ein wichtiger Bestandteil einer Loge, aber gerade in der letzten Zeit wurde das allseits beliebte „akademische Viertel“ hier und da schon mal auf 25-30min ausgedehnt.

Wenn wir jedoch den Umgang mit dem Maßstab gelernt haben und Pünktlichkeit somit im erweiterten Sinne eine Tugend eines Maurers ist, dann sollten wir uns wieder zurückbesinnen und uns der Zeit und vor allem an der sinnvollen Einteilung dieses wichtigsten und teuersten Gutes widmen.

Fazit

Der Freimaurer muss den Umgang mit der Zeit für sich selbst finden. Gerade in dieser hektischen und kurzlebigen Zeit muss er lernen auch einmal stehen zu bleiben und sich umzuschauen. Er muss sich den passenden Ausgleich schaffen, um nicht in die Gefahr von Burn-outs und anderen zeitfressenden Probleme zu kommen. Wie er dies jedoch umsetzt, liegt ganz an ihm selbst. Das Werkszeug dazu hat er bekommen, umsetzen und damit arbeiten muss er alleine.

Ich möchte schließen mit einer weiteren Passage auf dem anfänglichen Lied. Dabei soll die Schlussfrage offenbleiben, damit jeder einmal über sie nachdenken kann.

„Wer die Zeit verdrängt, gewinnt das Leben.

Es ist an der Zeit, sich die Zeit zu nehmen.

Zeit, sie vergeht, Zeit, sie fehlt!

9 Millimeter Blei, im Kopf der Zeit!

Die existenzielle aller Frage: Kann man die Zeit totschlagen?“

 

Ziele und Wege eines Freimaurers

adobephotoshopexpress_b32159e9b04c4f4eacab93f89ffd5a19

Einleitung

Manchmal ist es ganz schön schwer ein Freimaurer zu sein. Dauernd findet man irgendwo einen klugen Spruch oder hört etwas in einem Lied und schon kreisen die Gedanken. Erst vor ein paar Tagen ging es mir so als ich beim Bäcker etwas gefrühstückt hatte und einen Tee trank. An der Wand dort war ein Zitat von Christian Morgenstern angebracht.

„Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden“

Nun ja, ihr könnt euch sicher denken, dass es noch ein weiterer Tee wurde und ich über diesen Satz aus einer freimaurerischen Sicht nachdenken musste. Ich habe das mit den Grundsätzen und den Aufgaben des Freimaurers versucht zu verbinden.
So muss der neue Bruder (oder auch die neue Schwester) schon mit Beginn der Aufnahme an der Arbeit an sich selbst beginnen. Der Arbeit an dem rauen Stein, welche der Neophyt als Sinnbild mit auf den Weg bekommt. Das Ziel ist der behauene Stein, der sich perfekt in den sogenannten Tempelbau des Tempels der Humanität (wieder ein Sinnbild) einpasst. Er ist das Symbol des Lehrlingsgrades, an welchem er arbeitet um sich zu vervollkommnen. Aber auch die Gesellen und Meister, die erkannt haben, auch im Leben immer noch etwas lernen zu können, arbeiten an ihrem rauen Stein, solange bis sie die irdischen Werkzeuge mit ihrem Tod aus der Hand geben.

Welcher Stein ist man?

Dabei bleibt offen, welche Art Stein man wird. Ein Grundstein, ein Mauerstein, ein Stein in der Fassade oder sogar ein Schlussstein. Dies wird immer ein währender Prozess bleiben, welcher sich im Laufe des Lebens einige Male ändern oder anpassen kann.
Wenn der Maurer aufgrund des Wissens seiner Brüder, den Werkslogen und seiner eigen gemachten Erfahrung sein Ziel klar erkannt und dieses Ziel also für sich alleine klar definiert hat (und ja, Freimaurerei ist erst einmal eine sehr egoistische Angelegenheit) und es sich zum erreichbaren Ziel gesetzt hat, dann muss er nur noch den Weg gehen.
Mit dem Ziel vor Augen findet man auch das Ziel, egal welchen Weg der Einzelne geht. Der eine Bruder findet ihn schneller, der andere geht seinen langsamer. Für den einen bedeutet es einen holprigen und steinigen Weg, für manch anderen scheint es eher eine Autobahn zu sein.

Hand in Hand

Aber egal wie sich der Weg auch gestaltet, die Brüder und auch die Schwestern dieses Bundes sind vereint in den gleichen Interessen und Prinzipien. Sie alle haben für sich das gleiche, gemeinsame Ziel gefunden, gehen jedoch oft unterschiedlichste Wege.
Der große Vorteil dieser Gesellschaft, dieser weltweit umfassenden Bruder-/Schwesternschaft ist jedoch, dass die oft erwähnte Bruderkette somit auch ein „Hand-Reichen“ ist, in der man sich auch leiten lassen kann, wenn man dies möchte oder sogar einmal nicht mehr das Ziel deutlich sehen kann.

Das Ziel kann also auch sein, GEMEINSAM an dem Weg zu arbeiten und GEMEINSAM das große Ziel zu erreichen.
Reichen wir uns doch mal die Hände auf unserem Weg…

Arbeit am eigenen Ich – Gedanken inspiriert vom Radioprogramm

johnny_automatic_NPS_map_pictographs_part_43„Eines Tages fällt dir auf,
dass du 99% nicht brauchst.
Du nimmst all den Ballast
und schmeißt ihn weg,
Denn es reist sich besser,
mit leichtem Gepäck.“
Aus dem Song „Leichtes Gepäck“ von Silbermond

Wenn wir diese Zeilen aktuell gerade öfters im Radio hören, stellt sich die Frage, was das nun mit Freimaurerei zu tun hat. Im ersten Moment sicherlich nichts und ich denke, dass es auch nicht in der Absicht der Gruppe war, einen masonischen Bezug zu nehmen.

Dennoch möchte ich den Brückenschlag wagen und Bezug auf die Tugenden des Freimaurers, insbesondere des Meisters nehmen. Hier sollte man sich auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren und die Zeit, die einem auf Erden bleibt bis zu seinem Tod, sinnvoll einteilen und einsetzen. Auch die Einteilung der Zeit obliegt eines Meisters, die 24 Stunden des Tages sinnvoll zu nutzen für die Arbeit, den Schlaf, die Familie und die Arbeit an sich und der Gesellschaft. Hier mag nun der Interessierte anmerken, dass dies in einen Stress ausarten könnte. Ich möchte ihm hier nicht widersprechen. Freimaurerei ist etwas egoistisches, was auch noch Zeit in Anspruch nimmt. Möchte man lieber (weil man einfach der Typ Mensch ist) in den Tag hineinleben, dann ist dieser ethische Bund nichts für die Person. Hier fängt man an, sich mit sich selbst, mit seinem Wirken in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Kurz gesagt mit der Arbeit am eigenen Ich. Und das beginnt mit der Reflektion des eigenen Ich. Sich mit den Ideen und Gedanken anderer auseinanderzusetzen und daraus für sich die richtigen Schlüsse mitnehmen. Hierbei unterstützen einen die eigenen Brüder sehr, denn der Blick für das, was wichtig und richtig ist, ist anfangs noch schwer. Aber mit der Zeit wird dies einfacher und die Erfahrung lehrt uns, dass der Maurer gefestigter wird. Es ist die immer andauernde Arbeit an dem eigenen Ich, an dem rauen Stein, der sich dann in das Gesamtbild einfügen kann.

Da aber die Zeit eben begrenzt ist und man den Tag sinnvoll einteilen sollte, muss der Maurer auch lernen, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Dies wiederum schließt mit ein, dass man das Unwichtige, den Ballast hinter sich lässt, ihn liegen lässt. Und damit hat die Band Silbermond dann doch wieder Recht, denn es reist sich nun mal einfacher durch das Leben mit leichtem Gepäck.

Der Maurer muss lernen, sich zu fokussieren, seine Gedanken offen zu lassen und offen für die Belange der Menschen und der Gesellschaft zu sein. Er muss versuchen und sich bemühen, dazu beizutragen etwas zu verändern, vor allem an sich selbst, um seinen gefestigten Platz im Leben (und im Tempel der Humanität, liebe Brüder und Schwestern) zu finden. Ein Weg diesen Fokus zu finden und nicht zu verlieren kann die Freimaurerei darstellen.

Also lasst uns ab und an ein paar Mal mehr abwägen, was Ballast ist und was nicht, und diesen dann hinter uns schmeißen, denn es gibt so viele Dinge die darauf warten angegangen zu werden.

 

Atheismus – Woran wir glauben (Teil 3)

Immer noch erreichen mich Briefe und Anschreiben, welche Stellung nehmen auf meinen Artikel in der Humanität in dem es über die Regularität von Brüdern geht, welche sich als Atheisten bezeichnen. Darin kommen verschiedene Thesen und Theorien vor, die ich sehr interessant finde und ich möchte hierzu auch meine Ideen kurz darstellen.

Freimaurerei – Eine Religion

Dabei kommt leider immer wieder die Meinung zu Tage, dass Freimaurerei eine Art Religion ist, oder zumindest ein Ersatz. Einige haben geschrieben, dass wir Freimaurer einen Transzendenzbezug haben, eine duale Komponente, einen Jenseitsbegriff und ein Fortbestehen nach dem Tode mit denen ein Atheist nichts anfangen kann. Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn auch ein Atheist kann sich mehr als nur ein wenig damit anfreunden. Viele Atheisten, die ich kenne und auch gleichzeitig Freimaurer sind, haben einen starken Bezug zur Wissenschaft und Forschung. Gerade im Osten sind sehr viele Brüder zu finden, welche nicht getauft sind und ohne einen christlichen Glauben erzogen wurden. Selbst diese Brüder können diese Sinnbilder (und mehr sind es ja nicht, solange der Große Baumeister sich nicht selbst vorstellt!) füllen:

Transzendenz, der ABAW

Ist ein Sinnbild für etwas was über dem Menschen steht, sein Handeln und Denken beeinflusst. Für die einen ist es die Gravitation, für die anderen die Liebe, für den nächsten ist es der Gott in einem selbst.

Duale Komponenten

Gibt es im Bereich der Monisten und Logen die Gründerväter in diesem Bereich haben eher weniger.

Jenseitsbegriff und Fortbestehen nach dem Tode

Diese beiden gehen Hand in Hand. Selbst ein Physiker kann sagen, dass der ganze Körper aus Energie besteht und nach dem Energie Erhaltungsgesetz keine verloren geht. Somit wird sie auch nach dem Tod noch irgendwohin fließen. Das sehen sie dann als das Jenseits und Leben nach dem Tod. Aber wer weiß das schon. Diese letzte Reise treten wir alle einmal an.
Letztendlich ist es einfach wichtig einen Weg zu finden, diese Sinnbilder zu füllen. Und das können Atheisten genau so gut wie alle anderen Brüder.

Höhere Arbeit

Nach dem Tod wird der Freimauer zu „höherer Arbeit“ abgerufen, wie man so schön sagt. Für viele ist dies wieder ein Beweis, dass die Freimaurerei mit Atheismus nicht vereinbar wäre. Denn wer sollte den Maurer denn abrufen, wenn nicht ein Gott? Natürlich möchte ich hier auch in erster Linie sagen, dass die Natur und ihre Gesetze den Maurer (wie auch jeden anderen Menschen) abruft. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann wird genau dieses uns allen geschehen. Nun bleibt noch die Frage nach der „höheren Arbeit“, welche wir nicht abschließend beantworten können. Ist es denn so? Wie können wir dies beweisen? Solange wir hier keinen Beweis haben, bleibt nur unser Glaube, egal ob es sich hierbei um einen Atheisten oder gottgläubigen Menschen handelt. Somit liegt es auch im Ermessen des Einzelnen, diese Passage zu interpretieren.

Man kann somit festhalten, auch Atheisten können sehr gut mit diesen Themen leben. Zudem haben sie ja in der Vielfalt der VGLvD (Vereinten Großloge von Deutschland) auch die Freiheit, Logen zu wählen, wo evtl. diese angesprochenen Elemente nicht vorkommen. In meiner Loge und unseren Ritualen (basierend auf dem Ritual des F.z.a.S.; von der GL abgenommen und regulär) kommt Dualität, Jenseits, und auch der ABAW nicht vor.

Eine Frage der Anerkennung

Was mich zu einem anderen Punkt aus den Briefen bringt. Es wurde mir geschrieben, dass viele Logen wegen der Anerkennung die bittere Pille geschluckt haben und den ABAW aufnehmen mussten. Das ist so nicht korrekt. Denn die UGLoE (United Grand Loge of England) schreibt nur ein „supreme beeing“ vor. Das KANN der ABAW sein, muss er aber nicht. Hier muss der Freimaurer für sich eben dieses Sinnbild füllen und damit arbeiten. Dies kann eben, wie bereits erwähnt, auch ein Atheist. Was jedoch die UGLoE vorschriebt ist das Auflegen der Bibel. Das ist ja wiederum nicht schlimm, da in vielen Logen ohnehin mehrere Bücher aufgelegt werden, gerade wegen Brüder anderer Religionen oder eben auch Atheisten. Auch wir mussten zur Anerkennung die Bibel auflegen, haben aber auch das weisse Buch dort liegen, weil es die Tradition unserer Bauhütte so vorsieht und dies die GL AFuAM genehmigt hat. Was die Regularität angeht muss ich mich schon sehr über die Bemühungen einiger Großlogen wundern, als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit faktisch analog einer Religion anerkannt zu werden. Dies widerspricht in allen Grundsätzen den Vorgaben der UGLoE. Freimaurerei darf KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Daran sollten wir uns wieder vermehrt halten.

Religion oder Ethik

Eine Email erreichte mich mit folgender Aussage: „Die Religion zeichnet sich unter anderem in eindeutigen Zeichen, Symbole, Gesten, Zitate, Gebete und Wissen (Informationen). Man trifft sich um gemeinsam zu Beten in dafür hergerichtete Orte/Plätze. Es gibt ein Oberhaupt und eine Organisation darunter. Es gibt Regeln, Gebote und Verbote.“ Somit war für den Absender der Beweis erbracht, dass es sich bei Freimaurerei um eine Religion handeln muss.

Wenn dies alleine eine Religion ausmacht, so wäre ein Fußball Fan und Verein dies auch. Sie haben eindeutige Zeichen (z.B. das Heben einer gelben oder roten Karte), sie haben Symbole (fangen wir mal beim Fußball selbst an und gehen bis hin zu Fan Choreographien), Gesten (wieder das Handheben beim Karten geben), Zitate („das Runde muss ins eckige“), Gebete („oh Herr macht, dass der Ball noch reingeht“) und Wissen (hier Spielanalysen, Spielverläufe). Man trifft sich auf gemeinsamen Plätzen (Stadien, Fußballplatz). Es gibt ein Oberhaupt (Trainer, Bundestrainer, usw.) und eine Organisation (FIFA, UEFA). Es gibt Regeln (z.B. Abseitsregel), Verbote (bei Foul) und Gebote (be fair, play fair)
Dies kann man nun fast auf jeden Verein, eine Vereinsstruktur oder andere Gruppen von Menschen ausarbeiten. Für manchen mag sein Verein durchaus eine Religion sein.

Freimaurerei darf keinen Bezug zu einer Religion haben und wer hier eine „Ersatz-Religion“ sucht ist leider falsch. Der kann sich diese vielen freien Religionsgruppen anschließen und wird hier eher fündig. Wenn man allerdings Interesse an ethischen Werten und wahrer Bruderschaft im Rahmen dieser Werte hat, sollte man hier fündig werden (auch als Christ, Moslem oder welchen Glauben auch immer). Freimaurerei war und wird immer ein ethischer Bund blieben.

Fazit

Wir sind alt geworden und die Spinnenweben der Geschichte kreisen um uns. Das müssen wir massiv ändern. Warum wohl sind wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht so viele Brüder? Weil die Freimaurerei uninteressant wird für eine junge Generation, welche nachkommen muss. Ja, es gibt immer welche, die diesen Lebensstil suchen. Aber wir müssen neue Reformen durchsetzen und uns mehr in der Öffentlichkeit positionieren, ohne dass die Deckung einiger Brüder aufgegeben werden soll. Es muss der nötige Spagat zwischen der Moderne und der Tradition geschaffen werden. Wir müssen nicht so radikal dabei vorgehen wie es früher schon einmal versucht wurde (wie durch den F.z.a.S.), aber den Tatsachen ins Auge sehen und uns moderner Aufstellen. So schaffen wir eine blühende Freimaurerische Kultur. Auch innerhalb der VGLvD mit ihren verschiedenen Ausprägungen. Denn hier müssen die Streitigkeiten über die Regularität oder Irregularität aufhören und man sollte erkennen, dass hier eine „Einheit durch Vielfalt“ herrscht. Und das lässt uns wachsen und stark wirken.

Daher freut es mich, dass ich einen Geist für Reformen in vielen meiner Brüder sehe…nun müssen wir sie nur noch vorantreiben.

Leben ist Handlung – Leben ist Wandlung

WinkelZirkel

„Leben ist Handlung
Leben ist Wandlung
Es ist nie zu spät
Wer kann der geht
Wer kann der geht“
Aus dem Lied „Lektion in Wermut – Der W“

Oft werde ich gefragt was einen Menschen dazu bewogen hat Freimaurer zu werden. Natürlich werden die meisten Brüder und Schwestern nun antworten, dass sie auf der Suche waren und sich in der Idee der Freimaurerei wiedergefunden haben.
Aber was bedeuten genau diese Worte? Jeder Mensch lebt sein Leben und handelt nach seinen Vorstellungen und Werten. Diese bilden sich durch seine Erziehung und seine äußeren Einflüsse.
Erst gestern hörte ich einen Altstuhlmeister einer anderen Bauhütte erklären, dass eines der Ziele sein muss, dass man am Ende des Lebens von den Bekannten, Freunden und Verwandten vermisst wird und nicht „als Arschloch in Erinnerung bleibt“.

Arschloch sein

Nun ja, auch ich hoffe, dass etwas von meinem Geist und meiner Vorstellung und Idee von Freimaurerei bestehen bleibt. Natürlich durch die Bücher, die ich schreibe, die Texte, welche in den unterschiedlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden und auch durch diesen Blog. Aber auch in den Gedanken und Erinnerungen meiner Brüder, meiner Loge und speziell meiner Familie. Der Geist lebt in unseren Kindern weiter. Niemand möchte als ein „Arschloch“ in Erinnerung bleiben. Natürlich wird es Brüder geben, mit denen ich aneinander geraten bin. Diese mögen mich durchaus als ein Arschloch in Erinnerung haben, wenn ich mich auch eher als einen „unbequemen Geist“ der modernen Freimaurerei verstehe. Sollte ich Brüdern weh getan haben, so bitte ich dies zu entschuldigen. Auch ich bin nur ein Mensch und durchaus wie alle anderen fehlbar. Sicherlich werde ich auch einigen Ex-Partnerinnen als „Arschloch“ in Erinnerung bleiben, basierend auf die Vorfälle, welche dazu geführt hatten. Dies kann man natürlich nicht gut machen, aber diese Fehler zu erkennen und sich einzugestehen, dass man sie eben selbst fabriziert hat, ist der Weg zu Erkenntnis und der Weg zur Arbeit an einem Selbst. Entschuldigung!
Das Leben muss daher auch immer eine Phase der Wandlung und Neuorientierung sein. Leben ist Handlung – Leben ist eben immer auch Wandlung.

Suche nach dem Ich

Anfangs stand die Frage im Raum, was ein Mensch suche, der sich für die Ideen der Freimaurerei begeistern konnte. Nun, ich denke es war nicht unbedingt die Suche nach dieser Gruppe, dieser Gemeinschaft oder auch „Geheimgesellschaft“ (wie viele nun auch sagen werden), nein es war eher die Suche nach einem selbst. Das ICH stand hier im Vordergrund und an diesem sollte gearbeitet werden. Und hierbei fanden sich diese Menschen in einem ethischen Bund wieder. Doch vorher bleibt die Erkenntnis, welche auch schon einer meiner Altstuhlmeister immer sagte, dass die Freimaurerei in erster Linie eine egoistische Sache ist. Etwas für jeden persönlich, weil man für sich alleine auf dieser Suche ist und sich die Frage nach dem Sinn stellt.

Bessere Menschen?

Was natürlich nun absolut nicht heißen soll, dass der Freimaurer per se nun weiser ist als andere Menschen. Sind wir durch den Beitritt zu diesem Bund nun bessere oder/und weisere Menschen geworden. Nun ja, würde man einen Maurer fragen, so würde er sagen, dass er sich bemüht hat. Aber ob jemand weise ist, sollen bitte andere Menschen als man selbst entscheiden. Es geht hier aber um die nötige Reflektion, von Gedanken, Aussagen und dem eigenen Ich. In wie fern dies nun einen Menschen weise macht, bleibt hier offen. Aber sicherlich kann man behaupten, dass der Freimaurer den nötigen Blick auf sich und seine Umwelt hierfür hat. Diese Arbeit an einem Selbst, sie bleibt für den engagierten Freimaurer stets eine Aufgabe, eine Herausforderung. Sie zu meistern, macht den Reiz aus und die Freimaurerei gibt einem hierzu die nötigen Werkzeuge in die Hand. Das Klopfen und Hämmern muss man jedoch selbst lernen.

Bleibt die Frage offen, ob das Gradsystem der Freimaurer weiser ist? Nein, ich denke auch das nicht. Denn wenn man dieses durchläuft und nichts dabei lernt und sich selbst ändert, dann hat man zwar den Grad erreicht, aber leider immer noch nichts verstanden. Man muss dies auch leben um auch die Erfahrung zu bekommen, zu lernen was es heißt ein wahrer Freimaurer zu sein. Ob man dann schlussendlich sich bemüht hat weiser zu werden, dass müssen rückblickend die Generationen nach uns beurteilen.

Muss es denn immer Freimaurerei sein?

Um es kurz zu machen, nein, natürlich nicht. Es gibt viele Gruppierungen wie den Lions Club oder die Rotarier, welche auch an die Prinzipien der Freimaurerei gebunden sind, jedoch ohne den rituellen Teil. In einigen Städten gibt es auch Kreise und Kränzchen, in denen Menschen sich über die unterschiedlichsten philosophischen Gedanken austauschen. Die Freimaurer sprechen auch vom „Bruder ohne Schurz“. Damit werden Menschen bezeichnet, die sich für die Ideale der Gleichheit, Toleranz, Brüderlichkeit, Freiheit und Humanität einsetzen, jedoch nicht dem Bund der Freimaurer angehören. Wenn man sich nur auf das Element der Persönlichkeitsentwicklung beschränken will, so gibt es auch hier unterschiedliche Möglichkeiten. Von Selbsthilfegruppen über Volkshochschul-Veranstaltungen bis hin zu professionellen Persönlichkeitsseminaren, hier herrscht eine große Vielfalt.
Somit kann gesagt werden, dass man natürlich nicht immer Freimaurer werden muss, um sich selbst zu erkennen und seinem Leben einen Sinn zu geben. Die Maurerei ist hier nur ein Bund, der einem die Werkzeuge in die Hand gibt und aufzeigt, wie man seinen Stein behauen muss/kann/soll…

Fazit und Schlussworte

Ein japanisches Sprichwort sagt: „Fürchte dich nicht vor langsamen Veränderungen, fürchte dich vor dem Stillstand.“ Genau das sollte jedem Freimaurer auch immer in Erinnerung gerufen werden. Die Arbeit an dem eigenen ich ist eben nicht mit der Erreichung eines Grades abgeschlossen. Sie besteht ein Leben lang und wir sind diese Verpflichtung für uns selbst eingegangen. Genau hierfür ist es nie zu spät. Man muss es nur wollen und dann diesen Weg gehen. – Wer kann der geht!