Atheismus – Woran wir glauben (Teil 3)

Immer noch erreichen mich Briefe und Anschreiben, welche Stellung nehmen auf meinen Artikel in der Humanität in dem es über die Regularität von Brüdern geht, welche sich als Atheisten bezeichnen. Darin kommen verschiedene Thesen und Theorien vor, die ich sehr interessant finde und ich möchte hierzu auch meine Ideen kurz darstellen.

Freimaurerei – Eine Religion

Dabei kommt leider immer wieder die Meinung zu Tage, dass Freimaurerei eine Art Religion ist, oder zumindest ein Ersatz. Einige haben geschrieben, dass wir Freimaurer einen Transzendenzbezug haben, eine duale Komponente, einen Jenseitsbegriff und ein Fortbestehen nach dem Tode mit denen ein Atheist nichts anfangen kann. Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn auch ein Atheist kann sich mehr als nur ein wenig damit anfreunden. Viele Atheisten, die ich kenne und auch gleichzeitig Freimaurer sind, haben einen starken Bezug zur Wissenschaft und Forschung. Gerade im Osten sind sehr viele Brüder zu finden, welche nicht getauft sind und ohne einen christlichen Glauben erzogen wurden. Selbst diese Brüder können diese Sinnbilder (und mehr sind es ja nicht, solange der Große Baumeister sich nicht selbst vorstellt!) füllen:

Transzendenz, der ABAW

Ist ein Sinnbild für etwas was über dem Menschen steht, sein Handeln und Denken beeinflusst. Für die einen ist es die Gravitation, für die anderen die Liebe, für den nächsten ist es der Gott in einem selbst.

Duale Komponenten

Gibt es im Bereich der Monisten und Logen die Gründerväter in diesem Bereich haben eher weniger.

Jenseitsbegriff und Fortbestehen nach dem Tode

Diese beiden gehen Hand in Hand. Selbst ein Physiker kann sagen, dass der ganze Körper aus Energie besteht und nach dem Energie Erhaltungsgesetz keine verloren geht. Somit wird sie auch nach dem Tod noch irgendwohin fließen. Das sehen sie dann als das Jenseits und Leben nach dem Tod. Aber wer weiß das schon. Diese letzte Reise treten wir alle einmal an.
Letztendlich ist es einfach wichtig einen Weg zu finden, diese Sinnbilder zu füllen. Und das können Atheisten genau so gut wie alle anderen Brüder.

Höhere Arbeit

Nach dem Tod wird der Freimauer zu „höherer Arbeit“ abgerufen, wie man so schön sagt. Für viele ist dies wieder ein Beweis, dass die Freimaurerei mit Atheismus nicht vereinbar wäre. Denn wer sollte den Maurer denn abrufen, wenn nicht ein Gott? Natürlich möchte ich hier auch in erster Linie sagen, dass die Natur und ihre Gesetze den Maurer (wie auch jeden anderen Menschen) abruft. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann wird genau dieses uns allen geschehen. Nun bleibt noch die Frage nach der „höheren Arbeit“, welche wir nicht abschließend beantworten können. Ist es denn so? Wie können wir dies beweisen? Solange wir hier keinen Beweis haben, bleibt nur unser Glaube, egal ob es sich hierbei um einen Atheisten oder gottgläubigen Menschen handelt. Somit liegt es auch im Ermessen des Einzelnen, diese Passage zu interpretieren.

Man kann somit festhalten, auch Atheisten können sehr gut mit diesen Themen leben. Zudem haben sie ja in der Vielfalt der VGLvD (Vereinten Großloge von Deutschland) auch die Freiheit, Logen zu wählen, wo evtl. diese angesprochenen Elemente nicht vorkommen. In meiner Loge und unseren Ritualen (basierend auf dem Ritual des F.z.a.S.; von der GL abgenommen und regulär) kommt Dualität, Jenseits, und auch der ABAW nicht vor.

Eine Frage der Anerkennung

Was mich zu einem anderen Punkt aus den Briefen bringt. Es wurde mir geschrieben, dass viele Logen wegen der Anerkennung die bittere Pille geschluckt haben und den ABAW aufnehmen mussten. Das ist so nicht korrekt. Denn die UGLoE (United Grand Loge of England) schreibt nur ein „supreme beeing“ vor. Das KANN der ABAW sein, muss er aber nicht. Hier muss der Freimaurer für sich eben dieses Sinnbild füllen und damit arbeiten. Dies kann eben, wie bereits erwähnt, auch ein Atheist. Was jedoch die UGLoE vorschriebt ist das Auflegen der Bibel. Das ist ja wiederum nicht schlimm, da in vielen Logen ohnehin mehrere Bücher aufgelegt werden, gerade wegen Brüder anderer Religionen oder eben auch Atheisten. Auch wir mussten zur Anerkennung die Bibel auflegen, haben aber auch das weisse Buch dort liegen, weil es die Tradition unserer Bauhütte so vorsieht und dies die GL AFuAM genehmigt hat. Was die Regularität angeht muss ich mich schon sehr über die Bemühungen einiger Großlogen wundern, als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit faktisch analog einer Religion anerkannt zu werden. Dies widerspricht in allen Grundsätzen den Vorgaben der UGLoE. Freimaurerei darf KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Daran sollten wir uns wieder vermehrt halten.

Religion oder Ethik

Eine Email erreichte mich mit folgender Aussage: „Die Religion zeichnet sich unter anderem in eindeutigen Zeichen, Symbole, Gesten, Zitate, Gebete und Wissen (Informationen). Man trifft sich um gemeinsam zu Beten in dafür hergerichtete Orte/Plätze. Es gibt ein Oberhaupt und eine Organisation darunter. Es gibt Regeln, Gebote und Verbote.“ Somit war für den Absender der Beweis erbracht, dass es sich bei Freimaurerei um eine Religion handeln muss.

Wenn dies alleine eine Religion ausmacht, so wäre ein Fußball Fan und Verein dies auch. Sie haben eindeutige Zeichen (z.B. das Heben einer gelben oder roten Karte), sie haben Symbole (fangen wir mal beim Fußball selbst an und gehen bis hin zu Fan Choreographien), Gesten (wieder das Handheben beim Karten geben), Zitate („das Runde muss ins eckige“), Gebete („oh Herr macht, dass der Ball noch reingeht“) und Wissen (hier Spielanalysen, Spielverläufe). Man trifft sich auf gemeinsamen Plätzen (Stadien, Fußballplatz). Es gibt ein Oberhaupt (Trainer, Bundestrainer, usw.) und eine Organisation (FIFA, UEFA). Es gibt Regeln (z.B. Abseitsregel), Verbote (bei Foul) und Gebote (be fair, play fair)
Dies kann man nun fast auf jeden Verein, eine Vereinsstruktur oder andere Gruppen von Menschen ausarbeiten. Für manchen mag sein Verein durchaus eine Religion sein.

Freimaurerei darf keinen Bezug zu einer Religion haben und wer hier eine „Ersatz-Religion“ sucht ist leider falsch. Der kann sich diese vielen freien Religionsgruppen anschließen und wird hier eher fündig. Wenn man allerdings Interesse an ethischen Werten und wahrer Bruderschaft im Rahmen dieser Werte hat, sollte man hier fündig werden (auch als Christ, Moslem oder welchen Glauben auch immer). Freimaurerei war und wird immer ein ethischer Bund blieben.

Fazit

Wir sind alt geworden und die Spinnenweben der Geschichte kreisen um uns. Das müssen wir massiv ändern. Warum wohl sind wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht so viele Brüder? Weil die Freimaurerei uninteressant wird für eine junge Generation, welche nachkommen muss. Ja, es gibt immer welche, die diesen Lebensstil suchen. Aber wir müssen neue Reformen durchsetzen und uns mehr in der Öffentlichkeit positionieren, ohne dass die Deckung einiger Brüder aufgegeben werden soll. Es muss der nötige Spagat zwischen der Moderne und der Tradition geschaffen werden. Wir müssen nicht so radikal dabei vorgehen wie es früher schon einmal versucht wurde (wie durch den F.z.a.S.), aber den Tatsachen ins Auge sehen und uns moderner Aufstellen. So schaffen wir eine blühende Freimaurerische Kultur. Auch innerhalb der VGLvD mit ihren verschiedenen Ausprägungen. Denn hier müssen die Streitigkeiten über die Regularität oder Irregularität aufhören und man sollte erkennen, dass hier eine „Einheit durch Vielfalt“ herrscht. Und das lässt uns wachsen und stark wirken.

Daher freut es mich, dass ich einen Geist für Reformen in vielen meiner Brüder sehe…nun müssen wir sie nur noch vorantreiben.

4 Gedanken zu “Atheismus – Woran wir glauben (Teil 3)

  1. Matthias Druba

    Lieber Br. Rene,

    Vielen Dank, dass Du an dieser Sache dran bleibst. Sehr wahr, was du schreibst und in der Tat, es bedarf der Öffnung nach außen und der Übersetzung der Traditionen in die heutige Zeit. Das floskelhafte Behaupten, Atheisten könnten keine Freimaurer sein, führt uns nicht weiter und versperrt der Freimaurerei den Weg, die Brpcke zu sein, über der sich eine zersplitterte Gesellschaft auf das einigen kann, was allen gemein ist und uns Zusammenhalt geben kann!

    Was folgt nun? Wie kann der Reformimpuls umgesetzt werden? Sollte eine logenübergreifende Interessengruppe gebildet werden, die konkrete Vorschläge erarbeitet?

    1. Lieber Matthias,
      es ist mir eine Herzenssache und ich werde hier so lange dranbleiben, bis sich die Idee von Atheisten und Agnostiker in der modernen Freimaurerei durchgesetzt hat. Ich denke nur so schaffen wir es uns zu öffnen und diese Bruderschaft zu stärken.
      Ich denke eine logenübergreifende Interessengruppe wäre der erste Schritt. Die Idee wäre, Vorschläge und Ideen zu erarbeiten, welche dann anlässlich des 300 jährigen Jubiläums der Großloge von England präsentiert und diskutiert werden sollten. Es müsste daraus dann ein Gremium entstehen, welche sich dauerhaft mit Fragen der Reformen beschäftigen. Daher wäre dies direkt mit der Großloge abzustimmen.
      Ich bin gerne bereit, eine solche Gruppe ins Leben zu rufen und mit ihr solche Ideen anzugehen und zu erarbeiten.
      Bei Interesse bitte eine Email oder Nachricht an mich direkt.

  2. Die floskelhafte und gebetsmühlenhaften Behauptungen gegen Atheisten machen m.E. nur dann Sinn, wenn es sich, wie die Alten Pflichten sagen: um einen Mensch handelt der entweder ein „engstirniger Gottesleugner“ oder ein „bindungsloser Freigeist“ ist.
    Ob es derartige „reine Atheisten“ wirklich gibt, möchte ich nicht abschließend beurteilen.
    Allerdings vergessen, leider, viele Freimaurer, dass in der IDEE der Freimaurerei eines der besten ethisch-moralischen Konzepte steckt, die die Welt je hervorgebracht hat.
    Ohne Ansehen von Herkunft, Rasse und Religion können Menschen akzeptiert werden ( wenn es nicht gerade Frauen sind) 😉 , die daran arbeiten sich selbst und damit die Welt zu verbessern.
    Wenn es der FM gelingt sich sowohl von den Vorbehalten gegen „Nichtgbläubige“, als auch gegen Frauen zu befreien, dann hat sie Zukunft.
    Wer am althergebrachten festhält ohne die Veränderungen in den Menschen zu akzeptieren und umzusetzen, hat wahrscheinlich FM nicht wirklich begriffen und beschleunigt den Prozess der Ablehnung und des Vergessens der FM in unserer Gesellschaft. .

    1. Endlich ein Bruder, der den Text der alten Pflichten gut kennt und diesen auch noch interpretieren kann.
      Ja, die Freimaurerei ist ein ethischer Bund und dieser muss offen sein für Agnostiker, Atheisten und Frauen, denn im Jahr 2016 muss die Freimauerei wieder ein Bund sein, in dem sich alle Menschen wiederfinden können. Sie muss sich der zeitlichen Veränderung der letzten 300 Jahre anpassen, ohne dabei ihre Traditionen zu verlieren. Ein Spagat zwischen der Moderne und den Traditionen muss der Weg sein, den wir suchen…

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