philosophisches Essay über den neuen Gotteswahn

„Religion ist zweifellos eine spaltende Kraft, ein Etikett für Feindseligkeiten und Blutrache zwischen verschiedenen Gruppen, und in dieser Hinsicht ist sie nicht unbedingt schlimmer als andere Etiketten, beispielsweise die Hautfarbe, die Sprache oder die Lieblings-Fußballmannschaft. Allerdings steht sie oft immer dann zur Verfügung, wenn keine anderen Etiketten infrage kommen.“ (aus „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins)

Religiöses Mobbing

In den letzten Tagen stiegen die Diskussionen und die Berichterstattung über Mobbing in Schulen, aufgrund der Religion der Schüler.

Ich habe mir ein paar Gedanken über die Umstände gemacht und wollte sie mit den Lesern teilen. Dabei möchte ich ausdrücklich erwähnen, dass ich weder Anhänger einer rechten, noch einer linken Partei bin und mich eher für einen liberalen Menschen halte. Diese Ideen sollen zum Nachdenken anregen und weder die Muslime in Deutschland, noch die christliche Gemeinschaft (noch irgendeine Andere) beleidigen.

Ausgrenzung anderer Religionen

Wenn ein Kind aufgrund seiner Herkunft oder Religion gemobbt wird, ist das nicht die Schuld der anderen Kinder, es ist primär ein Versagen der staatlichen Pflichten und noch mehr ein Versagen der Eltern und nicht der Religion! Der Einfluss der Erziehung auf das Handeln der jungen Menschen ist ein maßgeblicher in der menschlichen Entwicklung. So wie wir als Erwachsene unseren Kindern den Umgang untereinander vorleben, so werden sie ihn auch für sich übernehmen. Prägung durch das Umfeld und die Eltern. Wenn nun ein Kind in der Schule oder auch auf der Straße angegangen wird, weil es einer anderen religiösen Gruppierung angehört, kann und darf das nicht hingenommen werden. Dessen muss sich der Staat annehmen, und zur Ordnung rufen.

Der Angriff auf jüdische Mitbürger, die eine Kippa tragen und auf offener Straße angegangen werden; christliche Kinder, die aufgrund des Glaubens als „Schweinefresser“ bezeichnet werden oder auch der Zwang von muslimischen Mädchen zum Tragen eines Kopftuches,  alle diese Beispiele aus den letzten Tagen und Wochen zeigen deutlich das Versagen der Eltern bei der Erziehung, als auch das Versagen der staatlichen Erziehungsaufgabe der Schulen. Toleranz im Umgang untereinander muss vermehrt vermittelt werden.

Kopftuchverbot, Kruzifixe & Co.

In unserer Gesellschaft wurde vermehrt über Verbote, Kreuze und Verschleierung diskutiert. In jedem öffentlich-rechtlichen Sender konnte man in den Abendstunden Talkrunden sehen, in denen die Themen breit und ausführlich diskutiert wurden. Jeder Partei wurde hier eine Plattform zur Stellungnahme geschaffen.

Über das Kopftuch

In Berlin wurde einer Klage einer Lehrerin stattgegeben, die das Land Berlin wegen Diskriminierung verklagt hatte, da sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes mit einem Kopftuch am ersten Schultag wegen eines Verstoßes gegen das Gleichheitsgebot versetzt wurde. Sie klagte daraufhin mit ihrer Religionsfreiheit, welche ohne Tragen des Kopftuchs eingeschränkt sein würde.

Nun müssen wir uns die Frage stellen, was ist ein äußeres Zeichen einer Religion und was gehört unbedingt zu dieser Religion selbst. Es gilt also die Frage zu klären, ob das Kopftuch ein fester Bestandteil der muslimischen Religion ist. Zudem ist die Frage zu klären, was die Absicht der Dame war. Hatte sie doch einen Bildungsauftrag als Lehrkraft und ist damit die Verpflichtung eingegangen, neutral zu bleiben. Sie dient als Vorbild und in dieser Funktion darf keine Beeinflussung der Kinder und Jugendlichen erfolgen. Man kann nun argumentieren, dass das Tragen des Kopftuches das Recht auf Religionsfreiheit der betroffenen Schüler einschränkt. Das wäre argumentativ die gleiche Ausgangslage.

Betrachten wir die Frage, in wie fern die Religionsfreiheit dieser Frau eingeschränkt wird, wenn ihr das Tragen des Kopftuches während der Ausführung ihres Bildungsauftrages verboten wird. Ich denke sie hat keine. Sie ist immer noch ein freier Mensch mit einer muslimischen Überzeugung und Glauben. Sie kann nach wie vor an ihren Gott glauben und wird dabei nicht behindert.

Wenn wir allerdings der Argumentation dieser Frau einmal übertrieben folgen, dann müssen wir auch den Menschen mit indianischer Abstammung oder den Anhängern gerade dieser Naturreligion erlauben, die Droge Mescalin frei zu konsumieren (was in den USA im Übrigen in einigen Staaten legal ist). Oder aber auch Cannabis für einige religiöse Rituale, da sie bei einigen Stämmen als heilige Pflanze gilt. Der Versuch hierüber eine Legalisierung zu erreichen ist bereits vor Jahren kläglich gescheitert. Aber gibt es dann auch Laserschwerter für Anhänger des Jedi Kultes (als Religion wird Jedi immer wieder mal in verschiedenen Staaten versucht zuzulassen) oder gar gratis Spaghetti für die Anhänger des Spaghetti Monsters? Nicht jeder Christ trägt ein Kreuz über der Schulter, wie Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung…

Man sieht schon, dass man unterscheiden muss, was zu einer Religion und vor allem zu ihrer AUSÜBUNG gehört und was nicht.

Über die Kreuze

Kommen wir zu einem weiteren aktuellen Beispiel. In allen Behörden, sowie auch Universitäten, Schulen, Kitas, usw. der bayerischen Staatsverwaltung müssen ab Juni Kreuze hängen, so besagt es die Vorschrift des Bayerische Landeskabinetts. Es sei ein „sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland“, teilte die Staatskanzlei mit.

Natürlich ist das alles billigste Wahlkampf-Strategie. Damit folgt der bayrische Ministerpräsident Markus Söder seinem Vorgänger Seehofer, der unlängst mit seiner Aussage „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ für Aufregung sorgte. Ich habe mich bereits ausführlich darüber ausgelassen, dass KEINE Religion Bestandteil eines Landes sein sollte. Säkularisierung sollte nichts sein, was man nach eigenem Ermessen entscheiden kann. Auch nicht der Ministerpräsident von Bayern.

Somit ist dies nur eine weitere Provokation von Menschen anderer Glaubensrichtungen oder auch Agnostikern und Atheisten. Mal sehen wie lange das Bestand hat über den Wahlkampf hinweg. Solange gilt noch immer die Regelung, dass diese Zeichen der Religion zu entfernen sind.

Über Verschleierung

Was das Kopftuch angeht, so ist es durchaus üblich und gebräuchlich dies als ein äußeres Zeichen der muslimischen Religion zu werten, wenn es auch kein fester Bestandteil zur Ausübung dieser Religion ist.

Offensichtlicher sind hier Burka, Niqab/Nikab oder Hidschab, die wir als eine Art der Vollverschleierung erleben. In einigen Ländern, wie Österreich und dem Kanton Tessin in der Schweiz sind diese bereits verboten worden. Aktuell wird eine Initiative gestartet, die dieses Verbot auch auf die restliche Schweiz ausdehnen will. Aber auch in den Niederlanden, Belgien und Frankreich gibt es diese Bewegung. „In Frankreich sind Burka und Nikab seit April 2011 verboten. Der Gesetzestext bezieht sich bewusst nicht auf den religiösen Schleier, um Diskriminierungsvorwürfen vorzubeugen: „Niemand darf im öffentlichen Raum ein Kleidungsstück tragen, das dazu dient, das Gesicht zu verhüllen“. Neben Bußgeldern von bis zu 150 Euro können Kurse in Staatsbürgerkunde verhängt werden. An Schulen ist darüber hinaus auch das Kopftuch, sowie jegliche weitere religiöse Kleidung, seit 2004 bereits verboten.“ (aus: http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/wo-burka-und-nikab-in-europa-bereits-verboten-sind-14458617.html). Was die immer wiederkehrende Diskussion um das Kopftuch angeht, sehen sich die Franzosen in der Vorreiterrolle.

In Deutschland wird darüber allerdings noch diskutiert und der Ausgang ist offen. Hierbei geht es nicht um die Ab- oder sogar Ausgrenzung einer Religion, hierbei geht es um die Diskriminierung der Frauen. Hier steht die Meinung zur Religionsfreiheit dem Verbot der Gesichtsverschleierung gegenüber. Warum ich dennoch für ein Verbot der Vollverschleierung bin, lässt sich schnell erklären. Wir haben in Deutschland ein Vermummungsverbot bei Demonstrationen. Ich darf bei Veranstaltungen in der Öffentlichkeit mein Gesicht nicht komplett verhüllen. Als Motorradfahrer gilt es beim Betreten der Tankstelle oder einer Bank als höflich, den Helm und den Gesichtsschutz abzunehmen. Abgesehen davon, dass man ohnehin schon aus Höflichkeitsgründen darauf verzichten sollte, den Helm in der Tankstelle zu tragen, ist man generell nicht dazu verpflichtet, den Helm abzunehmen. Im Gegenzug muss einem der Tankstellenbetreiber auch kein Benzin verkaufen.

Wenn wir schon ein Vermummungsverbot haben, warum erstreckt sich dieses nicht auf alle Teile des gesellschaftlichen Lebens? Warum hat die Religionsfreiheit offensichtlich in einem Säkularstaat eine Sonderstellung? Und was wäre, wenn eine Muslima Motorrad fahren würde? Würde sie dann den Helm und das Niqab ablegen beim Betreten der Tankstelle? Wäre sie dann eine weniger gute Gläubige?

Dieses Beispiel ist wahrlich an den Haaren herbeigezogen und völlig übertrieben. Es zeigt aber, dass es nicht nur Gründe gibt, die gegen ein offensichtliches Zeichen der Unterdrückung der Frau sprechen, sondern auch Gründe der Personenidentifikation. Daher ist die aktuelle Diskussion um das Kopftuchverbot bei Kindern und Jugendlichen durchaus förderlich. Hier muss klar die Freiheit und das Wohl des Kindes in einer liberalen, als auch säkularen Gesellschaft über der Religionsfreiheit der Eltern stehen. Das offensichtliche Zeichen der Religion und/oder der Unterdrückung darf nicht öffentlich wirksam werden. Dies schützt auch das Kind vor einer Ausgrenzung aus Gruppen wie der Klasse, aber auch der Gesellschaft aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Und wieder einmal muss man sagen, dass auch hier die Eltern in der Verantwortung stehen. (siehe auch: http://www.zeit.de/gesellschaft/2018-04/kopftuchverbot-kinder-sexualisierung-selbstbestimmungsrecht)

Religiöse Feiertage

Wenige Wochen sind erst vergangen, seitdem Ostern war. Natürlich freuen sich alle Menschen auf ein paar freie Tage mit den Lieben. Jedes Jahr kommt aber auch die immer wiederkehrende Diskussion über die sogenannten „Stillen Feiertage“ und die damit verbundenen Tanzverbote erneut auf. Und eines vorneweg: nein, dieses Land wäre ebenso nicht bereit für die Einführung eines weiteren religiösen Feiertages wie den Reformationstag, noch der Einführung eines muslimischen Feiertages (oder welcher Religion auch immer). Die meisten unserer Feiertage basieren auf religiöse Feste und Begebenheiten, der christlichen Religonen.

So sehr wir auch die freie Zeit genießen, sie verplanen mit Urlaub und Freizeit, so sehr zeigen sie aber auch ein massives Problem in einem säkulären Staat auf. Die Trennung von Staat und Religion ist hier absolut nicht vollzogen. Hier werden christliche Feiertage genutzt, um den Bürgern eine Form der Gläubigkeit aufzudrücken. Das lässt sich natürlich auch auf die Weihnachtsfeiertage auslegen.

Dennoch ist es an Ostern gravierender, da hier zum einen ein Tanzverbot (also ein allgemeines Feierverbot) herrscht, als auch die Vorschrift, dass einige Filme nicht gezeigt werden oder aufgeführt werden dürfen. Die Liste kann hier eingesehen werden: https://www.spio-fsk.de/media_Content/3224.pdf. Weder Tanz noch Musik, kein Sport und kein Spaß, Gott will es so, interpretiert die Kirche. An Karfreitag soll der Kreuzigung Jesu gedacht werden – und zwar abstinent und ruhig.

Man kann nun sagen, das war schon immer so. Aber ist dies nicht eine gewisse Bevormundung einem Nicht-Christen gegenüber? Egal ob er Atheist ist oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehört? Oder deutlicher gesagt, ist dies nicht eine Einschränkung meiner persönlichen Rechte und Freiheiten? Wo ist denn hier die viel und oft angepriesene Religionsfreiheit? Hier werden meine Rechte auf freies Fernsehen, als auch meine Möglichkeiten zum Feiern, massiv eingeschränkt. Dabei muss eins beachtet werden: oft wird gesagt, dass Religionsfreiheit einer Religion zu Grunde liegt. Das ist allerdings nicht korrekt. Ich habe auch das Recht KEINER Religion anzugehören und somit als „Ungläubiger“ das Recht, mich nicht von irgendeinem Glauben einschränken zu lassen. Auch das ist Religionsfreiheit. Natürlich kommt wie jedes Jahr das Argument auf (gääähn!), dass die „Nicht-Gläubigen“ doch etwas Rücksicht auf die religiösen Menschen nehmen können und deren Glauben respektieren. Doch genau das tue ich gerne. Ich lasse Jeden in sein Gotteshaus gehen und seine Feste und Feiertage feiern. Ich kann nun auch so argumentieren, dass die Gläubigen ebenfalls etwas Rücksicht auf die Ungläubigen nehmen könnten und keine Einschränkungen wie Tanz- oder Filmverbote zulassen. In einem Land, in dem die Kirche vom Staat eigentlich getrennt sein sollte, sollte diese Art von Diskussionen nicht stattfinden. Es gibt durchaus einige Feiertage, die nur in bestimmten Regionen und Religionsgemeinschaften als Feiertag gelten. Alle anderen gehen brav ihrer Arbeit nach. Vielleicht wäre dieses Modell ein Anreiz, der geschaffen werden könnte, um den andauernden Austritt von Mitgliedern der Kirche entgegenzukommen, damit sie dann weiterhin ihren Feiertag behalten können. Ich persönlich würde zumindest freiwillig arbeiten gehen, wenn damit auf religiöse Feiertage und daraus resultierende Einschränkungen verzichtet wird.

Religionsfreiheit beschränken

Eine Beschränkung der Religionsfreiheit darf lt. Grundgesetzt nicht erfolgen. Aber kann sie nicht evtl. doch sinnvoll in einigen Bereichen sein?

Um ein extremes Beispiel der Geschichte zu nennen; in der von Kemal Atatürk gegründeten Türkei war es in öffentlichen Ämtern sogar verboten für Frauen, ein Kopftuch zu tragen. Die Staatsform sah eine strikte Trennung von Staat und Religion vor. Leider entwickelt sich das Land aus dieser offenen Form nunmehr weg. Hier sehen wir aber was gemeint ist.

Wäre es nicht sinnvoll, die Religionsfreiheit dort einzuschränken, wo sie andere Menschen tangiert oder gar in ihrer Freiheit einschränkt? Betrachten wir noch einmal das Beispiel mit den stillen Feiertagen. Die christlichen Feiertage schränken einen Großteil der Bevölkerung bewusst ein. Wäre es hier nicht sinnvoll, eine strikte Trennung zu vollziehen? Warum muss in Schulessen Schweinefleisch verschwinden und durch Rindfleisch ersetzt werden, um muslimische Schüler und Schülerinnen nicht zu benachteiligen, während aber zugleich hinduistische Kinder ausgegrenzt werden. Nur weil sie eine Minderheit darstellen und wir nicht verstehen, dass dort eine Kuh heilig ist? Es werden Kreuze abgenommen und dennoch werden Erzieher/innen und Lehrer/innen eingestellt, die offensichtlich mit einem Kopftuch als Zeichen ihrer Religion tragen? Es finden Wallfahrten statt, bei denen ganze Straßenzüge gesperrt werden? Es existiert immer noch der Konflikt in Nord-Irland zwischen Katholiken und Protestanten.

Ich spreche mich offen gegen die Einschränkung der Religionsfreiheit aus. Das mag sicherlich den ein oder anderen Leser/die ein oder andere Leserin verwundern, allerdings sollte Religion immer nur dann in einem öffentlichen Raum, in einem staatlichen Raum, in einem Rahmen stattfinden, wenn die Interessen und Freiheiten anderer Personen dadurch NICHT eingeschränkt werden.

Ein weiterer Aspekt in dem Zusammenhang in denen Einschränkungen sinnvoll wären, ist der steuerliche Aspekt. Natürlich kann jeder aus der Kirche austreten und ist dann somit auch von der Kirchensteuer ausgeschlossen, aber wie kann es denn generell sein, dass eine Religionsgemeinschaft auch nur in der Lage sein kann, Steuern zu erheben und diese von den Bürgern einzufordern. Man mag nun sagen, dass diese ebenso in wohltätige Projekte fließen, aber alleine die Verwaltung der Kirchen, der Bau von neuen, oft protzigen Gebäuden, kosten schon Unsummen, und das waren noch lange nicht alle Kosten. Hier wird wieder in die Staatsmacht eingegriffen, um Steuern zu erheben. Sicherlich mit der „Toleranz oder dem Wegsehen“ des Staatsorgans an sich, denn sonst müsste dieser selbst für die Förderung der sozialen Projekte und Belange der Bürger völlig alleine aufkommen. So hat der Staat immer noch die Kirche an seiner Seite, um diese Aufgaben abzugeben. Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter und müssen Friedensbriefe oder gar einen Ablass kaufen.

Ich schätze das Engagement der Kirche in Deutschland sehr und die totale Abschaffung der Kirche würden den Staat neue Herausforderungen im sozialen Umfeld aufbürden. Jedoch sollte diese Form der Unterstützung keinesfalls auf der Basis von Steuererhebungen sein, sondern auf Basis der freiwilligen Zuwendungen ihrer Mitglieder oder Mitgliedsbeiträge, wie jeder andere Verein auch. Die weltweite Hilfe der kirchlichen Institutionen ist beachtlich und schätze ich sehr. Über die finanzielle Ermöglichung müssen wir noch einmal nachdenken. Kirche kann aber eine Stütze für Menschen sein, die ihr Heil und ihre Zuflucht im Glauben suchen und sehen.

Änderungen in der Gesellschaft

Spürbar wird eine Änderung des Verhaltens gegenüber den großen Religionen nicht nur durch die massiven Austritte bei den alteingesessenen Kirchen, sondern auch durch die Zunahme von Urteilen und Gesetzesanpassungen in Bezug auf religiöse Arbeitgeber. Hier wurde am 17.04.2018 das schon lange überfällige Urteil des Europäischen Gerichtshofes (Rechtssache Nr. C-414/16) zu der Sonderstellung der kirchlichen Arbeitgeber getroffen. Die Kirchen dürfen nicht mehr, wie bisher üblich, diskriminieren, und müssen eine Einstellung ohne religiöses Bekenntnis zulassen. Offen ist nun das Urteil des Bundesarbeitsgerichtes, ob Menschen wegen einer Scheidung bei katholischen Arbeitgebern benachteiligt werden dürfen. (siehe: http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/eugh-kirchliche-arbeitgeber-duerfen-konfession-nicht-immer-fordern).

Es ist doch absolut fern jeder Vernunft, warum z.B. in der katholischen Kirche nur männliche Personen die Priesterweihe empfangen und von einer Kanzel zu den Gläubigen sprechen dürfen. Warum sollte das eine Frau nicht ebenso gut und wahrscheinlich auch manche besser können, als ihre männlichen Kollegen? Warum ist eine Ehe als Priester innerhalb der römisch-katholischen Kirche nicht gestattet, aber bei den Protestanten schon? Und dabei dürfen wir die massive Anzahl an Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche nicht vergessen oder die ebenso hohen Zahlungen von Alimenten an Kinder, die es „offiziell“ nicht unter Geistlichen gibt. Das Maß an der frommen Doppelmoral gerade innerhalb der römisch-katholischen Kirche kennt fast keine Grenzen, und diese möchte ich anprangern. Skandale auf Kosten der Spenden ihrer Anhänger. (siehe auch: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-skandalbuch-enthuellt-sexuelle-beziehungen-a-758619.html). Diese werden immer weniger toleriert und akzeptiert. Man muss lernen, Stellung zu beziehen und zu dem zu stehen, was man macht.

Änderungen in der Gesellschaft – mal anders herum

Auch wenn sich in unserer Gesellschaft der Einfluss der Kirchen langsam verringert, so ist es noch ein weiter und vor allem langer Weg, der hier beschritten werden muss.

In Ländern wie den USA gibt es einen starken Trend zu neuen fundamentalistischen Kirchen und Glaubensgruppierungen. Sie predigen folgende fünf Glaubensprinzipien: Unfehlbarkeit der Bibel und deren wörtliche Interpretation, Jungfrauengeburt, leibliche Auferstehung Christi, sein stellvertretendes Sühneopfer und seine baldige physische Wiederkehr. Sie verbinden dabei persönliche Erweckungserlebnisse mit nationalistischen und pazifistischen Ideen. Dieser Neokonservatismus gewinnt in einigen Gebieten der USA zunehmend an Einfluss und Macht und konnte bereits in einigen Städten durchsetzen, dass Evolutionsunterricht durch Religion in den Schulen ersetzt wurde. Dabei muss man sich die Frage stellen, warum dies so ist. Ist die aufgeklärte Gesellschaft zu beängstigend für mache Menschen? Warum braucht es dieser Art der extremen Zuflucht in unseren Zeiten?

Religion als Grundlage der Ethik und Moral

Stellen wir uns die Frage nach dem Sinn der Religionen und warum diese immer noch in einer aufgeklärten Zeit bestehen, so wollen uns die Religionsvertreter immer wieder glauben machen (haben Sie das Wortspiel verstanden?), dass die Religion und eine religiöse Erziehung die Grundlage für das ethische Handeln des Menschen sind. Doch das würde wiederum bedeuten, dass nur ein religiöser Mensch auch ein moralischer Mensch ist. Für die ethische Ausrichtung des Menschen ist allerdings keinerlei Religion nötig. Ein ethisch, moralischer Mensch zu sein, heißt auch immer ein vernünftiger Mensch zu sein. Einer, der sich seines Verstandes bewusst ist. Die Gedanken von Kant und das Zeitalter der Aufklärung haben uns befreit von religiösem Irrglauben und uns eine Welt eröffnet, die wir mit Wissenschaft beweisen können.

Ethischem Handeln ist das Handeln der Menschen untereinander. Viele Gläubige (und viele gläubige Freimaurer) betonen auch immer die sog. „Lehren Jesu Christi“, welche auch in der Großen Landeslogen des Freimaurerordens eine zentrale Rolle einnimmt. Aber zum einen hat dieser Mensch (insofern es ihn wirklich gegeben hat) keine Lehren selbst hinterlassen (das Neue Testament entstand Jahrhunderte später) und zum anderen, geht es den meisten um den Umgang mit dem Mitmenschen, der Nächstenliebe und der Aufopferung. All das, für was sinnbildlich die Person Jesus steht. Doch braucht es dazu überhaut den Bezug zu einer fiktiven Person? Nehmen wir doch gerne den Vergleich zum Dalai Lama. Auch seine Philosophie begründet sich auf der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit, aber ihn gibt es wirklich! Um was es also geht, sind keine Weisheiten einer Glaubensrichtung oder christlichen Figur, es sind „normale“ Umgangsformen in einer zwischenmenschlichen Gesellschaft. Und diese wiederum sollten für uns alle gelten, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Geschlecht.

Ethische Menschen brauchen keine Religion um ein ethisches Handeln zu erreichen. Sie brauchen einen offenen und klaren Verstand, dessen sie sich bedienen, und Menschen, die sie in ihrer Entwicklung fördern und fordern!

Das Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Änderungen im Umgang der Menschen mit Religion und Wissen, war eine grundlegende Voraussetzung für die moderne Gesellschaft und Wissenschaft. Die Abwendung vom Klerus hin zu neuen Ufern. Warum aber fällt dies in der muslimisch geprägten Welt so schwer? Hier muss man Betrachten, dass Religion und Staat auch noch heutzutage viel enger miteinander verbunden sind als bei uns. Eine Trennung von Staat und Kirche hat hier noch nicht stattgefunden, wenn man von der Türkei unter ihrem Gründer Mustafa Kemal Atatürk einmal absieht. Eine eigene Form der „muslimischen Aufklärung“ steht noch aus und würde massiv diese Länder verändern. Ob dies je erfolgen wird, hängt von dem Willen der Menschen vor Ort ab.

Gotttesbeweis

Immer gerne diskutiert von Gläubigen ist der Gottesbeweis. „Es gibt keinen Beweis dafür, dass es Gott nicht gibt. Es gibt keinen Beweis dafür, dass es Gott gibt.“ musste ich erst vor kurzem von einem Freund zu hören bekommen. Beweise für die Existenz Gottes gab es schon viele. Von Thomas von Aquin über Anselm von Canterbury bis hin zu Kant. (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesbeweis oder https://www.zeit.de/campus/2018-01/gottesbeweis-glaube-wissen-naturwissenschaft-religion).

Doch, die Existenz eines Schöpfers ist reine Glaubenssache. Hier scheidet sich der Weg von Wissenschaft und Glauben. Warum sollte man die Existenz von etwas beweisen, an das man nicht glaubt? Wenn jemand behauptet, es gäbe einen Gott, sollte die Person dies schon beweisen können. Die Nicht-Existenz muss aber nicht die Grundlage der Beweisführung werden. Oder warum sollte man die Nicht-Existenz des Wolpertingers (Bayrisches Fabelwesen) führen? Oder wie steht es um das bereits erwähnte Spaghetti Monster? Mit der Argumentation, dass Gott existiert, muss dieses ja doch wohl ebenso existent sein.

Wird ein Existenzanspruch in den Raum geworfen, so müssen auch Fakten geschaffen werden, die diese Existenz auch beweisen. Sonst bleibt es immer im wissenschaftlichen Raum eine These. Die durchaus berechtigt sein kann, solange sie nicht wiederlegt ist. Also haben wir ein Henne-Ei-Prinzip. Dennoch würde ich sagen, dass mein freier Verstand und die moderne Wissenschaft mit ihren Erkenntnissen die Existenz eines Gottes nicht zulassen.

Ist Religion böse?

Eine berechtigte Frage heutzutage ist durchaus, ob Religion böse ist. Im Umkehrschluss muss man nun auch hinterfragen, ob Wissenschaft dann „gut sei“. Um es vorweg zu nehmen: Nein, Religion ist nicht böse. Warum sollte sie das auch sein? Religion ist eine Form von Glauben an etwas, was der Mensch sich nicht erklären kann, was in ihm das Gefühl der Hoffnung weckt und seinem Leben einen Sinn gibt.

Was allerdings der Mensch und vor allem die fundamentalistischen Anhänger einer Religion aus ihr machen, das kann durchaus böse sein. Gläubige, welche zur Auslegung ihrer Religion zur Waffe greifen und mit Gewalt ihren Glauben predigen. Fundamentalismus und Religion sind eine gefährliche und leicht entzündliche Mischung. Natürlich denken wir sofort an militante Muslime, Bomben und Anschläge. Man darf aber auch nicht die Angriffe gegen jüdische Mitbürger in jüngster Zeit vergessen, die nur aufgrund eines sichtbaren Zeichens ihres Glaubens angegriffen wurden. Natürlich hat das Christentum Jahrhunderte vorher mit seinen Kreuzzügen und Hexenverbrennungen nicht weniger schlimm gewütet.

Wissenschaft allerdings als von Grund auf „gut“ hinzustellen, wäre sehr einseitig betrachtet. Natürlich fallen uns zuerst neue Forschungsergebnisse ein, welche uns helfen unser Leben und dessen Qualität zu verbessern. Medizintechnik und Heilung sind auf einem sehr hohen Niveau. Forschung und moderne Wissenschaften verdoppelt das Wissen schätzungsweise alle 5-12 Jahre.

Dennoch muss man anmerken, dass auch die Wissenschaft und neue Techniken für negative Entwicklungen verantwortlich sind. Nicht nur die Neuerungen in den Waffentechniken, nein, auch bei Giftkampfstoffen. Aber auch im Kleinen kann dies schlimme Auswirkungen haben. Unsere Schädlingsbekämpfungsmittel töten nicht nur die „schlechten Schädlinge“ ab, nein, sie haben ebenso große Auswirkungen auf den Bienenstand und somit die Bestäubung der Pflanzen. Oder denken wir an die Gentechnik, welche wir zur Verbesserung der Ertragsquoten in der Landwirtschaft einsetzen, ohne zu wissen, welche Spätfolgen dies haben wird. Der Mensch pfuscht „dem lieben Gott“ gerne mal ins Handwerk, zumindest aber der Natur. Und das eben leider auch ab und an zu viel (oder sogar bisweilen unkontrolliert?).

Wenn wir Wissenschaft und Religion betrachten, so haben beide ihre Berechtigung, mal mehr, mal weniger. Wir müssen nur verstehen, diese beiden Seiten richtig zu nutzen. Wo die Grenzen der Wissenschaft erreicht sind, da fängt Glauben an. Böse ist nur das, was der Mensch daraus macht.

Freimaurerei und Religion

Wenn man über Freimaurerei redet, kommt es oft zu einer Überschneidung mit Religionen. Einige Brüder setzen einen gewissen Glauben voraus, um Freimaurer werden zu können.

Oftmals werden die „Lehren Jesu Christi“ als Maßstab innerhalb des Freimaurerordens (FO) der Großen Landesloge genannt. Wenn man argumentieren will, dass (sofern es den besagten „Jesus“ denn wirklich gegeben hat!) dieser Mann keine schriftlichen Dokumente oder Worte hinterlassen hat, welche „seine Lehren“ beinhalten, so wird man oft hingestellt, als hätte man den Grundgedanken dahinter nicht verstanden. Mir ist schon bewusst, dass sich hier auf die Menschenliebe und die Nächstenliebe bezogen wird. Seine Lehren beschrieb er lt. Bibel wie folgt: „Du sollst dem Herrn, Deinem Gott, dienen von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt. Ebenso wichtig ist folgendes: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als dieses.“ (Luk. 10, 25). Damit beschrieb Jesus die beiden Säulen seiner Lehre: die Gottes- und die Nächstenliebe.

Die Gottesliebe zu teilen fällt dem frei von Dogmen und Religionen denkenden Menschen eher schwer, da er schon per se ein Problem mit einer Gottesvorstellung hat. Was die Nächstenliebe angeht (und damit auch die Bruderliebe), so kann ich diesen Punkt als Freimaurer durchaus teilen. Dazu brauche ich aber keinen Jesus, sondern nutze meine ethischen und moralischen Werte. Sollte ich dennoch eine Person mit diesen Idealen in Verbindung bringen wollen, so kann ich auch an die Worte des Dalai-Lama denken oder an Buddha. Beide schreiben und schrieben über die gleichen Werte, auf die sich hier berufen wird, mit dem Unterschied, dass es die beiden Personen tatsächlich und real gab bzw. immer noch gibt. Warum also auf eine Person berufen, die zum einen nichts geschrieben, noch etwas hinterlassen hat und über deren Existenz sich noch Wissenschaftler in 100 Jahren streiten werden.

Viel schlimmer sind allerdings die massiven öffentlichen Angriffe gläubiger Freimaurer gegenüber den Agnostikern und atheistischen Brüdern. Da liest man dann: „Doch du musst einen Glauben haben um FM zu sein. Wie hast du denn die Frage beantwortet … in whom do you place your trust ? … Jedem Bruder wurde diese oder eine ähnliche Frage gestellt bei der Aufnahme … Also wusstet ihr von Anfang an worauf ihr euch einlasst. Jetzt dagegen anzugehen finde ich nicht nur dreist und unverschämt, ich hätte euch selbst benannte Atheisten schon lange rausgeschmissen, aber acht kantig!!! Sorry genug ist genug!“ oder auch gerne: „Und die Basics erlauben keinem Atheisten Freimaurer zu werden, da Atheisten immer noch nicht zugelassen werden sollten!!! Und was für eine komische Realität ist das denn bitte schön?“

Solche und ähnliche Äußerungen gibt es zu Genüge in den Freimaurer Foren in sozialen Netzwerken. Sie stellen nicht nur eine öffentliche Hetze gegen die betroffenen Brüder dar, sie zeugen eher noch mehr von mangelnder Toleranz und Brüderlichkeit. Aber mit den Grundsätzen der Freimaurerei hat es nun mal nicht jeder so. Man „arbeitet ja an sich“.

„Wir lehnen trotzdem Atheisten ab und ich hätte gern eine Liste der Atheisten so dass ich nicht tolerant sein muss und in eventuell der gleichen Loge sitzen müsste, ohne dass ich es wüsste.“ Wenn schon von Listen die Rede ist, muss man sich nicht wundern, wenn Vergleiche zur Stasi oder Gestapo gezogen werden. Die Zeiten in denen Menschen in Listen nach Gut oder Böse sortiert werden, sollten schon lange der Vergangenheit angehören. Zumindest aber in der modernen Freimaurerei, in der man sich ja in Toleranz und Brüderlichkeit übt. Aber wie bereits geschrieben, man arbeitet ja noch an sich. Der eine mehr, der andere eben weniger (oder er hat es andernfalls noch nicht verstanden).

Oftmals wird dann auch über die „wahre Freimaurerei“ gestritten (brüderlich austauschen kann man das leider nicht mehr nennen). Allerdings würde das wieder implizieren, dass es „die wahre Freimaurerei“ gibt. Doch was soll das sein und wo gibt es diese? Schon alleine der seit einem Jahrhundert andauernde Streit zwischen dem GodF und der UGLoE zeigt uns doch eines: Aus der Geschichte nichts gelernt! Es wird die einzige und wahre Freimaurerei von der UGLoE vorgegeben und bestimmt. Aber alleine in Deutschland sehen wir, dass ein künstliches Konstrukt wie die VGLvD nötig gewesen war, um alle Brüder Freimaurer unter einem Dach zu vereinen.

Die „wahre Freimaurerei“ ist doch eher für jeden persönlich zu sehen, eine sehr egoistische Sache. Sie ist in dem Bruder oder der Schwester selbst enthalten, was in einem steckt und für was sich entschieden wurde. Sie ist die Arbeit an seinem persönlichen Stein. Eine künstliche Grenze zu schaffen und die Kette zu unterbrechen oder sogar einige Brüder zu missionieren und zu bekehren, kann nicht das Ziel sein und ist zudem wenig brüderlich. Einen Rauswurf zu fordern, wie im oben gebrachten Zitat zeugt zudem von wenig Toleranz und dem mangelnden Verständnis von den Grundsätzen des Bundes.

Persönliches

Ich selbst erziehe meinen Sohn zu einem freidenkenden Menschen. Zumindest nehme ich mir das vor. Richard Dawkins sagte in seinem Buch „Der Gotteswahn“: „Atheismus ist fast immer ein Zeichen für eine gesunde geistige Unabhängigkeit und sogar für einen gesunden Geist.“ Ich hoffe, dass der Geist meines Sohnes nicht vergiftet wird von religiösen Einflüssen. Ich habe wohl bewusst „vergiftet“ gewählt, da ich dennoch hoffe, dass er sich mit den Religionen aus einem geschichtlichen Aspekt beschäftigt, damit er sie einordnen kann.

Ich selbst ziehe daher Kindertagesstätten und Schulen von freien humanistisch ausgerichteten Trägern allen anderen vor, damit mein Sohn unbeeinflusst von allem, seine eigene Meinung bilden kann.

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich mich von Gläubigen Menschen als Atheist bedroht fühle. Um es einfach zu sagen: nein, warum auch? Ich schätze den Umgang und vor allem die offenen Gespräche auch mit Gläubigen Menschen, insofern sie mich nicht bekehren wollen und meine Meinung zumindest respektieren. Sie müssen diese ja nicht akzeptieren oder ihr gar zustimmen. Fundamentalismus und Fanatismus, wie ihn einige Menschen an den Tag legen, missfällt mir. Eine offene Diskussion schätze ich sehr. Aber eben eine persönliche und nicht wie schon oft in diversen Sozialen Netzwerk Gruppen von mir gefordert, eine öffentliche Stellungnahme zu meinem Atheismus und Freimaurertum zu geben. Das ist wenig brüderlich und wird eher von arroganten „Möchtegern-Meistern“ an den Tag gelegt. Ich stehe aber offen jedem ernsthaften Gespräch gegenüber und nicht einem Tribunal von Brüdern, wie es unlängst von einem Bruder aus Hamburg gefordert wurde. Natürlich kann ich dem nun kontern und sagen: „Lese meinen Blog, da steht alles was du wissen willst!“

Eine Konfrontation mit moderner „militanter“ Frömmigkeit finde ich oft in den Hotels auf meinen Dienstreisen wieder. Da liegt mitunter die Bibel oder das Neue Testament aus. Warum frage ich mich oft? Wird das bei muslimischen Gästen aus Respekt entfernt oder bleibt es dort? Bei einem Versuch dies aus dem Zimmer zu entfernen und in den Müll zu werfen, fand ich es nach dem Zimmerservice wieder am selben Ort vor. Scheinbar muss dieses Buch dort im Inventar bestehen bleiben. Naja, damit kann ich leben. Meine Toleranz lässt es zu…

Ich selbst respektiere jede Religion und jede Art deren Auslegung, solange sie nicht fundamentalistisch ist. Aber ich möchte gern auch den nötigen Respekt meines Gegenübers wissen. Doch als Atheist wird man oftmals eher angegriffen oder aber auch nur belächelt. Warum auch immer.

Fazit und Ausblick

Betrachten wir die Diskussion in den Sozialen Medien und vor allem in der Presse einmal realistisch von außen, so müssen wir doch eines festhalten: Der Staat hat mit den Bildungsministerien einen Auftrag von der Bevölkerung erhalten, unsere Kinder an den Schulen mit dem nötigen Wissen für ihr Leben zu versorgen (klingt banal, ist aber sehr schwer!), allerdings sollten wir den Säkularismus nicht vergessen. Von einem Auftrag, eine religiöse Ausrichtung den Kindern mitzugeben, war nicht die Rede. Durch die Trennung von Staat und Religion darf es eigentlich nicht vorkommen, dass Kinder mit Religionsunterricht in der klassischen Form (protestantisch oder katholisch, sonst Ethik) konfrontiert werden. Ebenso darf nicht nachgegeben und Unterricht anderer Religionen neu eingeführt werden. Ein bundesweiter Islamunterricht wäre nicht zielführend für eine Integration, sondern würde weiterhin zu einer Abgrenzung führen. Diese wäre sichtbar, da die Schüler ja in „ihre Gruppen“ getrennt werden. Daher wäre eine Abschaffung des GESAMTEN Religionsunterrichtes in einem säkularen Staat das einzig richtige. Ethik und ethische Grundlagen vermitteln, zusammen mit einem Überblick über alle großen Religionen, würden die Bildung eines freien Geistes unterstützen und nicht in Widerspruch mit diesen Forderungen stehen.

Religionsfreiheit muss für alle Menschen gleichberechtigt gelten, sei es Gläubige oder auch Atheisten (bzw. Agnostiker). Religionsfreiheit heißt aber dabei nicht nur, dass ich eine Religion frei aussuchen kann, mich ihr anschließen kann, es heißt auch das Recht zu haben, KEINER Religion anzugehören. Das vergessen die meisten in diesem Zusammenhang leider.

Was endlich passieren sollte, ist die (auf dem Papier schon so oft dokumentierte) Trennung von Staat und Religion. Das völlige Zurückziehen der Religion aus dem öffentlichen staatlichen Leben (ich meine damit nicht dem gesellschaftlichen Leben!) und die Beendung der Einflussnahme auf den Staatsapparat.

Erfüllen Menschen einen staatlichen Auftrag wie in der Bildung, in öffentlichen Ämtern und Positionen, so gilt es alle Zeichen einer religiösen Zugehörigkeit zu entfernen und eine Neutralität und vor allem einer Gleichberechtigung sicherzustellen. Nur so können wir die nötige Toleranz im Umgang aller Menschen und aller Religionen sicherstellen und an unsere Kinder weitergeben.

 

Wer den Artikel als PDF runterladen möchte, findet ihn hier:

Essay über Gotteswahn_final

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