Reformfreimaurerei im Jahr 2015

Supermason Wenn ich eine fremde Loge besuche oder eine Tempelarbeit, die nicht wie in meiner Bauhütte üblich nach dem Ritual des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne arbeitet, sondern nach anderen Ritualen, stelle ich mir oft die Frage was man zeitgemäß ändern und anpassen kann. Gedanken zu Reformen bezüglich der Freimaurerei gab es nicht nur in der Gründungsphase des F.z.a.S sondern durchaus immer wieder. Das größte Problem hierbei ist der Spagat zwischen der Tradition und der Moderne. Und genau hier scheiden sich die Geister. Ich selbst bin Freimaurer aus Leidenschaft und identifiziere mich gerne mit unserem Bund. Das liest man nicht nur hier, sondern kann man auch an den inzwischen unzähligen maurerischen Tätowierungen erkennen. Ich bin auch ein großer Freund von Tradition und finde mich aber auch in den Reformgedanken meiner Altvordern wieder. Ich selbst befürworte deren Ideale, auf das Sinnbild des großen Baumeisters zu verzichten, auf die Auflegung des weißen Buches als auch auf den Verzicht des hohen Hutes (um nur ein paar Beispiele zu nennen). Ich fühle mich dennoch den Traditionen verpflichtet und genieße sehr die Stimmung während der Tempelarbeiten und den Clubabenden. Aber natürlich habe ich auch eine Vorstellung wo eine moderne Form der Freimaurerei im Jahr 2015 stehen könnte. Ich weiß, dass meine Ansichten nicht den aktuellen Stand der Freimaurerei der Großloge wiedergeben, aber es ist ein Gedankenspiel, wo man sich hin entwickeln könnte, um aus dem geheimnisumwitterten Dunklen hinaus ins Licht zu kommen und ein reales und wahres Bild der Freimaurer zu schaffen.

Veröffentlichung eines Rituals

Ich möchte diesen radikal wirkenden Punkt kurz erklären bevor nun die Emails über mich hereinbrechen. Viele der Rituale finden sich ohnehin im Internet wieder. Mal echte und leider auch viele falsche oder erfundene. Sollte ein interessierter Mensch dann doch ein echtes Ritual gefunden haben, so mag er dies evtl. nicht glauben, da es wenig spektakulär klingt, oder aber er würde den Sinn nicht verstehen ohne den nötigen Hintergrund. Es ist ähnlich als wenn man den Text zu Mozarts Zauberflöte lesen würde, jedoch nicht das gesamte Werk zu hören und zu sehen bekommt. Daher denke ich, es wäre zeitgemäß und würde diesen Verschwörungstheoretikern endlich den Wind aus den Segeln nehmen, wenn ein Ritual veröffentlich würde, jedoch mit den nötigen Anmerkungen und Ergänzungen, so dass es auch ein Nicht Maurer verstehen kann. Ich selbst befasse mich seit Jahren mit alten Ritualen und habe eine kleine Sammlung aufgebaut, würde diese aber NIEMALS herausgeben. Dieser Schritt müsste von der Großloge kommen. Aber so kann diese Frage, die ein Freimaurer nicht beantworten wird, endlich geklärt werden und würde das geheimnisvolle verlieren. Der ein oder andere mag nun anmerken wollen, dass dem neuaufzunehmenden Bruder, der dem Bund beitreten möchte, dann ja „das Erlebnis der Aufnahme“ genommen wird. Das mag erst so erscheinen, jedoch muss ich hierzu auf meinen Vergleich mit der Zauberflöte zurückkommen. Diese zu sehen und zu erleben ist weit mehr wert als den Text zu lesen. Die Menschen werden sich immer an das ERLEBTE erinnern, jedoch nicht an den Wortlaut des gesprochenen Textes.

Bibel und weitere Bücher

Auch hier stellt sich die Frage warum man an einem knapp 300 Jahre alten Brauch festhalten muss ohne dies zu hinterfragen. Ich habe im Laufe meiner Reisen die unterschiedlichsten Formen gesehen. Logen mit Brüdern aus dem muslimischen oder jüdischen Religionskreis haben durchaus neben der Bibel auch den Koran oder den Talmud aufliegen. Aber eben auch ein Buch mit unbeschriebenen Seiten, das weiße Buch. Natürlich ist die Bibel als Buch des Gesetzes ein wichtiges Symbol. In unserem Kulturkreis verkörperte sie seit Jahrhunderten dieses Bild. Jedoch ist auch unser Kulturkreis einer gewissen Wandlung in der neueren Zeit ausgesetzt und sollte sich dem anpassen. Hier sollte man nicht strikt, sondern weltoffener denken und handeln, ganz wie es sich für einen Freimaurer gehört. Dies schließt durchaus das Buch der unbeschriebenen Seiten mit ein, mit dem sich der ein oder andere Bruder durchaus mehr verbunden fühlt als mit einem Religionsbuch. Nicht dass ich hier falsch verstanden werde. Ich bin zwar Agnostiker, setzte mich dennoch für Religionen ein und bin somit auch nicht für eine generelle Abschaffung der Bibel wie es Teile des F.z.a.S damals gewesen sind. Jedoch bin ich für einen deutlich liberaleren Umgang mit den aufgelegten Werken. Eine gewisse Einigkeit von Bibel, weißem Buch und einem weiteren Sinnbild für die Schönheit wäre doch eine willkommene Dreier-Konstellation.

Wiederaufnahme des Kontaktes zu den französischen Brüdern

Gerade in den letzten Jahren hat die Großloge AFuAM erneut den Kontakt zu den französischen Brüdern gesucht und versucht, neue Möglichkeiten des Austausches zu gehen. Leider ist es auch hier auf nur einige wenige Großlogen beschränkt. Arbeiten wir nicht alle an der Weltbruderkette? Sind wir nicht alle Brüder und dienen den gleichen Idealen? Ich denke schon. Also warum nicht einmal kritisch hinterfragen warum ein Jahrhunderte andauerndes Dogma nicht zur Diskussion gestellt werden kann und sich der Freimaurerei dadurch neue Wege eröffnen. Die Teilnahme an gemeinsamen Arbeiten und auch gegenseitige Besuche wären sicherlich eine Bereicherung für die einzelnen Brüder aber durchaus auch für die Logen und übergreifende Projekte.

Großer Baumeister?

Wäre es nicht auch denkbar, dass Atheisten gute Freimaurer wären? Muss denn das Sinnbild des großen Baumeister wirklich mit einer religiösen Person besetzt werden? Ich denke nicht. Schon die Reformfreimaurer der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts hatten sich für die Abschaffung des Sinnbildes eingesetzt. So weit will ich nicht einmal gehen, aber der moderne Mensch sucht sich sicher sein eigenes Sinnbild für die größte Kraft im Universum. Für die einen mag es die Gravitation sein, für die anderen die Liebe und auch Gott (aus dem christlichen, religiösen Sinn) kommt hier in Frage. Was ist jedoch wenn der Freimaurer an keine höhere Kraft glauben kann und will? Ich denke auch dann kann solch ein Mensch ein guter Bruder und Freimaurer sein. Denn die Ideale der Freimaurei von Brüderlichkeit, Gleichheit und Toleranz sind nicht gebunden an die Vorstellung an eine höhere Macht.

Mitsprache im Bruderkreis?

In einigen konservativen Logen ist es üblich, dass der Lehrling und der Geselle im brüderlichen Gespräch kein Recht auf Mitsprache haben. Vielmehr ist es üblich, dass diese beiden Gruppen schweigen und den Meistern beim Gedankenaustausch zuhören. Denn aus diesen Worten und Erfahrungen soll der noch junge Bruder lernen und reflektieren. Aber ist es nicht so, dass wir Brüder uns auf einer Ebene begegnen? Warum also dann eine Gruppe ausgrenzen? Ich denke, dass auch ein unerfahrener Bruder durchaus wichtige und interessante Aspekte zu einem Thema beitragen kann und daher sollte er doch in der Runde seiner Brüder auch zu Wort kommen dürfen. Oftmals hörte ich auf meine Nachfrage, warum hier so gehandelt wurde, „dass haben wir schon immer so gemacht“. Dies mag durchaus sein, aber genau hier zeigt sich doch der Freimaurer und hinterfragt diese alten Dogmen und Regeln und stellt sie zur Diskussion. Ich denke, dass die Stimme jedes Bruders nicht verstummen sollte.

Akzeptanz der Freimaurerinnen und gegenseitige Besuche

Noch immer stelle ich eine große Skepsis bei einigen, meist älteren Brüdern gegenüber einer Frauenloge fest. Ich habe es sogar schon selbst erleben dürfen, dass sich eher konservative Brüder gegen die Aufnahme einer Frauenloge in ein Logenhaus gestellt haben und das, obwohl die Frauenloge eine offizielle Loge der FGLD (Frauen-Großloge von Deutschland) gewesen ist. Selbst die Großloge AFuAM nimmt die Kontakte zur FGLD auf und arbeitet an gemeinsamen Konzepten und Veranstaltungen. Ich denke dass im Jahr 2015 diese alten starren Formen der strikten Trennung der Vergangenheit angehören sollte und auch Brüder und Schwestern gemeinsam Ritualarbeiten abhalten und besuchen können.

Akzeptanz der gemischten Logen

Wer mich kennt weiß, dass ich froh bin einer reinen Männerloge anzugehören und stehe den gemischten Logen auch kritisch gegenüber. Das liegt aber keinesfalls an deren Ansichten über die Freimaurerei noch sehe ich sie nicht als FreimaurerInnen an. Nein, ich denke eher, dass es am zwischenmenschlichen Spannungsfeld von Mann und Frau liegt, weshalb ich eine Trennung bevorzuge. Aber das ist meine bescheidene Meinung. Ich denke durchaus, dass Mitglieder einer gemischten Loge durchaus als gleichberechtige MaurerInnen angesehen werden sollten. Denn schließlich arbeiten und handeln sie nach den gleichen Idealen wie wir alle. Und ebenso nach gleichen Ritualen. Wenn wir also die Weltbruderkette durchaus wörtlich nehmen, so müssen wir uns doch fragen, warum wir gerade diesen Brüdern und Schwestern nicht die Hand reichen sollten. Es wäre im Jahr 2015 mehr als zeitgemäß, dass wir hier aufeinander zugehen.

Erörterung politischer und religiöser Fragen

Schon James Anderson, der die Alten Pflichten (Old Charges) (1723) als eine Art erste Konstitution der Ersten Großloge England veröffentlichte, ging in seinem Dokument auf die Politik ein. Für die Freimaurer weltweit ist dieses „Grundgesetz“ noch immer gültig, wenn auch sicherlich kritisch darauf geschaut und die Frage, ob dies noch zeitgemäß ist, gestellt werden muss. Natürlich gibt es neue Auslegungen dieser Alten Pflichten und oftmals werden diese Interpretationen vielseitig diskutiert. Unter dem Punkt VI in den Alten Pflichten gibt es den Punkt „Vom Betragen – nämlich“ aus dem folgendes Zitat stammt: „ [Es] dürfen keine persönlichen Sticheleien und Auseinandersetzungen und erst recht keine Streitgespräche über Religion, Nation oder Politik in die Loge getragen werden.“ Von vielen Logen werden daher die Themen Religion und Politik grundsätzlich aus dem Logenleben gestrichen. Doch stimmt das wirklich? Führen wir uns den Absatz noch einmal vor Augen und schon werden wir feststellen, dass es dort um „persönliche Sticheleien und Auseinandersetzungen“ geht. Doch folgen wir tatsächlich den freimaurerischen Tugenden während eines brüderlichen Gespräches oder einer Aussprache, so werten wir ja ohnehin nicht, diskutieren nicht oder gehen den anderen persönlich an. Nein, wir lassen seine Meinung stehen und sollte diese fehlerhaft sein, so wird er sicherlich selbst darauf kommen. Eine Wertung erfolgt explizit nicht. Würden wir nun J. Andersons Text neu interpretieren, so lässt sich sicherlich sagen, dass wir durchaus über Politik in der Loge reden können. Allerdings eben ohne uns persönlich dabei anzugehen.

Verbesserte Zusammenarbeit über die Obödienzen

Unter dem Begriff der Obödienzen versteht man die Unterstellung einer Loge unter eine bestimmte Großloge. Die Vereinigte Großloge von Deutschland umfasst aktuell 5 Großlogen und 3 weitere Logen, welche direkt der VGL unterstellt sind. Natürlich ist es innerhalb der VGL möglich Logen aus anderen Großlogen zu besuchen, da sie als regulär anerkannt sind. Aber oftmals ist dies in der Realität nicht ganz so einfach und dies oft wegen Vorurteilen gegenüber anderer Großlogen. Ich denke, dass man diesen Punkt sehr leicht überwinden kann, da er faktisch nicht auf dem Papier existiert, sondern vielmehr nur in den Köpfen einiger Brüder. Hier muss ich an den rauen Stein erinnern, an dem doch jeder für dich arbeiten sollte. Und somit sollte die Überwindung dieser Vorurteile kein maurerischer Hürdensprung sein.

Persönliches Fazit

Ich glaube gerade in unserer schnelllebigen Zeit suchen immer mehr Menschen die Ruhe, die man im Alltag nicht mehr finden kann und einige kommen zur Freimaurerei. Gerade hier werden Traditionen und strenge Regeln gelebt und auch geachtet. Ich möchte mich nicht gegen eine Aufhebung dieser Traditionen aussprechen, aber durchaus für Ideen, Anregungen und Anpassungen, diese zeitgemäß ins Jahr 2015 zu portieren. Eine neue, moderne Form der Freimaurerei zu schaffen, welche weltoffen und dennoch traditionell ist…kein Schritt in die Zukunft, eher ein Spagat zwischen der Tradition und der neuen Zeit. Daher werde ich auch mich auch weiterhin auf meiner Seite und mit anderen bloggenden Brüdern und Schwestern dafür einsetzen, dass wir eine Plattform für die Freimaurerei in der Moderne schaffen.

7 Gedanken zu “Reformfreimaurerei im Jahr 2015

  1. Pingback: Reformfreimaurerei im Jahr 2015 | Masoneria357

  2. Min Bruder, gerade von dir als anachronistisch aufgefasstes Bild macht – meiner Meinung nach – den Charme, mehr die Identität unseren Bundes aus. Wenn wir alles Umsätzen würden was du hier vorgeschlagen hast, würden wir genauso sein wie alle anderen und damit unseren Identität verlieren. George Loewenstien’s Informationell Gap Theorie greift damit Neugier und Voyeurismus werden schnell bedient. Das wäre der Anfang vom Ende.

    1. Lieber Bruder, vielen Dank für deine Nachricht. Ich sehe dass diese Gedanken durchaus kontrovers diskutiert werden können. Es mag sein, dass es ein Anfang vom Ende wäre. Jedoch sehe ich dies nicht so. Geheimnisse und Geheimbund sollten kein Grund sein um sich der Freimaurerei anzuschließen. Die Ideale müssen klar im Vordergrund stehen und diese Sollten den Interessenten bekannt gemacht werden. Und ich halte eben auch Agnostiker und Frauen für tolle FreimaurerInnen. Daher denke ich muss man im Jahr 2015 doch auch mal über Reformen Nachdenken. Und dazu sollten meine Gedanken dienen. Ich weiß dass es noch dauern wird, aber einen Anstoß kann man gerne geben.

  3. Hallo René!

    Respekt für Deinen Beitrag! Du bringst mal wieder recht provokative Gedanken. Allerdings in sehr unaufgeregter, sachlicher und konstruktiver Weise. Und auch wenn ich nicht bei jeder Deiner These mitgehen kann, so hast Du mir doch mal wieder wertvolle Gedankenanstöße gegeben, die in mir arbeiten.

    Ich habe bisher noch nicht gelesen, was andere bisher zu Deinem Beitrag geantwortet haben. Aber ich möchte die Gelegenheit nutzen, um zu dem ein andere anderen Anstoß von Dir mal ein paar Gedanken loszuwerden.

    1) Veröffentlichung Ritual.

    Ich glaube auch, dass es vielen Verschwörungstheoretikern viel Wind aus den Segeln nehmen würde, man wenn das Ritual veröffentlichen würde.
    Allerdings bestünde dann auch die Gefahr, das Freimaurertum zu entzaubern. Denn das, was für mich das Freimaurertum ausmacht, ist das rituelle Erleben. Dieses Erlebens beraubt man sich, wenn man das Ritual vorher an Hand der „Papierlage“ seziert. Denn das Lesen des Rituals „bedient“ in erster Linie den Kopf. Das Erleben des Rituals hingegen die Areale, die ich mit „Herz“ oder „Intuition“ umschreiben würde.
    Und die, die dem Freimaurertum misstrauen und/oder schaden wollen, würden zukünftig dann nicht mehr spekulieren, was für „böse“ Rituale die Freimaurer wohl haben könnten. Sondern sie würden einen Streit darüber führen, wie das über das Ritual gelesene zu interpretieren sei. Eventuell würde es sogar so weit gehen, dass solche Menschen einzelne Elemente des Rituals aus dem Zusammenhang reißen, uminterpretieren und schließlich gegen das Freimaurertum verwenden würden. Und damit wäre nichts gewonnen.
    Darüber hinaus macht es das Wesen eines jeden Initiationsritus aus, dass der Initiant nicht weiß, was auf ihn zukommt. Er soll in einer Art Schwellenraum gehalten werden, in dem ganz bewusst nicht er die Kontrolle hat. Nur dann kann sich das Ritual im Inneren des Initianten komplett entfalten. Wenn er nun vorher schon gelesen hat, was alles auf ihn zukommt, ist dieser Schwellenraum zu Nichte gemacht.
    Ich hatte mir vor meiner Aufnahme in den Freimaurerorden leider auch schon vieles angelesen gehabt. Daher kannte ich einen Teil von dem, was da auf mich zukommen wird. Und wenn ich mich nach meiner Aufnahme mit Brüdern über ihre Aufnahmen austauschte, merkte ich, dass ich mich durch mein Vorwissen um einiges an rituellem Erleben beraubt hatte.

    2. Großer Baumeister und Bibel

    Das, was Du dazu schreibst, spricht die Fragestellung an: „Wie neutral im Bezug auf religiöse Symbole und Bilder hat das Freimaurerritual abzulaufen?“
    Ich verstehe die Diskussion, die zwischen den unterschiedlichen Richtungen des Freimaurertums in Bezug auf diese Fragestellung läuft und kann auch die einzelnen Standpunkte nachvollziehen und stehenlassen.
    Und immer, wenn ich die Rituale anderer Freimaurer-Richtungen besuche, wird mir bewusst, dass wir alle letztendlich doch „um dasselbe Mysterium kreisen“. Wir drücken es nur unterschiedlich aus und nähern uns diesem auf unterschiedliche Art und Weise.
    Daher erlebe ich diese Vielfältigkeit im Freimaurertum als absolut bereichernd. Oftmals bekomme ich durch die anderen Arten das Ritual zu arbeiten und durch die anderen Sichtweisen auf das Freimaurertum wertvolle neue Impulse für meinen eigenen freimaurerischen Weg.
    Trotzdem habe ich mich mal ganz bewusst für den Orden mit seiner explizit christlichen Ausrichtung entschieden. Das hatte Gründe.
    Zum einen halte ich das Symbol des „Dreifach Großen Baumeisters Der Ganzen Welt“ für sinnvoll, wertvoll und sehr wichtig. Denn ein weiteres Merkmal von Initiationsriten war und ist es immer, den Ego-Horizont des Initianten aufzubrechen und in etwas zu einführen, das größer ist als sein Ego-Horizont und allumfassend („Das Große Ganze“). Gott (ich benutze diesen Begriff hier frei von dogmatischer Definition) stand in allen Religionen immer für das absolut Gute, das über das eigene Ego hinausgeht; das Große Ganze, das alles mit einschließt. Daher macht es aus meiner Sicht Sinn, im Freimaurer-Ritual etwas zu haben, das für dieses „absolut Gute“, für dieses „Große Ganze“ steht. Es verhindert, dass das Ritual zur persönlichen Nabelschau verkommt, weil es den Blick über das eigene Wesen und die eigenen Begrenztheiten hinausführt.
    Im Freimaurerorden arbeiten wir daher mit dem Symbol des „Dreifach Großen Baumeister Der Ganzen Welt“. Hierbei handelt es sich aber nicht um ein dogmatisch definiertes Gottesbild, sondern jeder füllt dieses Symbol mit seinem Verständnis von Gott aus. Aus der praktischen Erfahrung weiß ich, dass wir in unserer Loge auch Brüder mit einem eher Buddhistischen Weltbild haben. Auch diese Brüder können sich in diesem Symbol des „Dreifach Großen Baumeisters Der Ganzen Welt“ wiederfinden. Denn es handelt sich wie gesagt hierbei nicht um ein theologisch oder dogmatisch vorgeschriebenes oder festgelegtes Gottesbild.

    3. Frauen und Freimaurertum

    Aus meiner Sicht dürfte es zwei Gründe haben, weshalb es im Freimaurertum ursprünglich keine Frauen gab.
    Zum einen waren die archaischen Initiationsriten (die meiner Einschätzung nach die Vorläufer der Freimaurer-Rituale darstellen) immer „Männersache“. Sie waren von Inhalt und Form her auf die Bedürfnisse und die Seele des Mannes ausgerichtet. Bei den Frauen gab es in der Regel Riten, die eher in Richtung Fruchtbarkeitsriten gingen.
    Und dann ist es einfach so, dass, wenn Männer unter sich sind, der gesamte Bereich des „Balzgehabes“ (um mal einen komplexen Bereich mit einem platten Wort abzukürzen) wegfällt, wenn Männer unter sich sind. Es entsteht viel eher ein vertrauter Rahmen, in dem „Mann“ auch mal Schwächen und Schattenseiten zeigen kann.
    Nun ändern sich Zeiten und Menschen aber. Und wer bin ich, dass ich es Frauen absprechen will, Freimaurer zu sein, wenn es sie innerlich berührt und verändert? Daher können und sollen Frauen von mir aus ebenso Freimaurer sein wie Männer! Ich habe genug damit zu tun, meinen rauen Stein zu bearbeiten (der nicht gerade kleine Ecken und Kanten hat), als dass ich mich hinstellen könnte und anderen (seien es Männer oder Frauen) ihr Freimaurer-Sein absprechen könnte.

    Das waren die mir wichtigsten Punkte, zu denen ich Dir, René, antworten wollte. Danke Dir für diesen Austausch und Diskurs!

    Lieben brüderlichen Gruß!

    Hagen

    1. Hallo Hagen,

      vielen Dank für deine Gedanken. Ich bin mir bewusst, dass dies provokante Gedanken sind. Ich bin ja schon gespannt wann ich als Ketzer verbrannt werde 🙂
      Aber immer hin denken wir darüber nach wie wir eine Freimaurerei gestalten wollen, um sie für neue Interessenten attraktiv zu machen.

      Auch ich habe vor meiner Aufnahme mehrere Rituale gelesen und habe eine große Sammlung daheim. Ich sehe deine Bedenken ebenso, dennoch würde ich soweit gehen und diesen Schritt wagen. Lieben sauber erklärt als von Verschwörungstheoretikern interpretiert.

      Es ist schön zu lesen wie du in dem Symbol des großen Baumeisters für dich etwas gefunden hast. Ich denke das geht vielen Menschen so. Ich selbst bin in einer Loge in deren Ritualen das Symbol des Baumeisters so nicht vorkommt. Daher denke ich dass Agnostiker und Atheisten sich hier auch wohlfühlen. Ich denke eine offene Toleranz, dass jeder das findet was er sucht bringt uns alle weiter….und das macht die vielen Facetten der Freimaurerei ja aus.

      Ich freu mich wenn wir uns kennenlernen.

      liebe brüderliche Grüße
      René

  4. Lieber Br. Renee, tolles Blog. Danke vor allem auch für deinen Downloadbereich, er hat mit geholfen die Lücken beim FZAS zu schließen (Hast Du zufällig auch noch den Jahrgang 1930?). Deinen Gedanken merkt man deine maurerische Herkunft an und das ist auch gut so 🙂

    Veröffentlichung eines Rituals

    Es gibt in unseren Ritualen nichts, was man verstecken müsste, da gebe ich Dir Recht. Zumindest innerhalb von AFAM ist das Arkanum auch kein echter Hinderungsgrund, schreibt doch der AGM Axel Pohlmann in seinem „Die Loge und das Recht“ die gedruckten Rituale nicht dem Bereich des Arkanum zu. Gleichwohl würde ich von einer Veröffentlichung abraten, da ich das mit dem Lesen verbundene „Kopfkino“ nicht für sinnvoll halte.

    Bibel und weitere Bücher
    “ Ich bin zwar Agnostiker, setzte mich dennoch für Religionen ein und bin somit auch nicht für eine generelle Abschaffung der Bibel wie es Teile des F.z.a.S damals gewesen sind. Jedoch bin ich für einen deutlich liberaleren Umgang mit den aufgelegten Werken. Eine gewisse Einigkeit von Bibel, weißem Buch und einem weiteren Sinnbild für die Schönheit wäre doch eine willkommene Dreier-Konstellation.“

    Da auch meine Loge das Weiße Buch kennt (eine von dreien in Deutschland) bin ich hier ganz bei Dir.

    Wiederaufnahme des Kontaktes zu den französischen Brüdern

    Frankreich, ist ein großes, wichtiges und trostloses Thema. Es gibt ja wieder Kontakt zur GLNF. Das ist aber eigentlich kein Fortschritt da die größte Obödienz in Quarantäne bleibt.
    Trostlos weil sich dort nichts bewegen wird, solange man der englischen Großloge gestattet als maurerische Oberbehörde zu fungieren. Dies zu ändern wird nicht passieren, auch ich selbt schrecke letztendlich vor dem Bruch zurück, weil mir auf der einen Seite der –auch maurerische- Kontakt mit meinen Brr. in den USA und in Schottland wichtig sind und beschränke mich ggfls auf den „kleinen Grenzverkehr“ und verhalte mich anklopfenden Brr. gegenüber BRÜDERLICH.

    Großer Baumeister?
    Natürlich können aus meinem Verständnis Atheisten Freimaurer sein, allerdings nicht im Rahmen der sich selbst als „regulär“ bezeichneten Maurerei. Die uns verbindende Großloge ist mit der Formulierung in Artikel 3 der Verfassung schon recht weit gegangen.“ Sie sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit. Dieses alles verehren sie unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten“. Ich könnte auch mit radikaleren Formulierungen gut leben, glaube aber dass wir einen ganz tragfähigen Kompromiss gefunden haben, der den Spagat zwischen Agnostischen Brr. und überzeugten Anhängern einer Maurerei mit religiöser Betonung ganz gut aushaltbar macht.

    Mitsprache im Bruderkreis?

    In da bin ich im Kern bei Dir. Zu Fragen der Ritualauslegung würde ich aber Abstriche machen, weil Freimaurerei auf Erkenntnisfortschritt eben auch im Ritualverständnis abhebt.

    Akzeptanz der Freimaurerinnen und gegenseitige Besuche und gemischte Maurerei

    Ein Ablehnung der Frauengroßloge ist mir bisher nicht begegnet. Was gegenseitige Besuche angeht, bin ich entspannt. Denn in der Tat arbeiten wir nach weitgehend gleichem Ritual und unser Grundverständnis der Maurerei ist nicht verschieden. Ähnlich mit den gemischten Logen. Wir beherbergen seit vielen Jahren in unserem Logenhaus gemischte Loge, ohne dass es die geringsten Probleme gab. Im Gegenteil wir haben auch schon mal einen gemeinsamen Gästeabend gemacht und laden die Brr. und Schwestern zu unseren „offenen“ Arbeiten ein. Auch hier gilt meine Bemerkung zum „kleinen Grenzverkehr“.

    Letztendlich sind wir bei den Fragen der Anerkennung auf dem weiten unfruchtbaren Feld der Vereinspolitik, auf dem auch Freimaurerlogen sich nicht wesentlich von Kleintierzuchtvereinen unterscheiden.
    Deinen sonstigen Bemerkungen zum Thema stimme ich zu.

    Erörterung politischer und religiöser Fragen

    Das Politikverbot stellt in meinen Augen eine Fehlinterpretation dar. Natürlich kann man –und sollte man- in den Logen über Zeitfragen diskutieren, und zwar in dem von Dir beschriebenen Sinn. Vielerorts –auch bei uns- geschieht das. Wo wenn nicht bei uns können Sachverhalte umfassend beleuchtet werden, weil hier Menschen zusammenkommen, die ansonsten aufgrund ihrer religiösen oder Politischen Überzeugung getrennt geblieben wären. Der brdl. Diskurs verlangt aber Disziplin von allen und die konsequente Hammerführung des Meisters..

    Verbesserte Zusammenarbeit über die Obödienzen

    Da habe ich bisher eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, in meinen 28 Jahren im Bund. Natürlich gibt es hier und da Aufwallungen von Vereinsgehabe und Brr. mit überbordendem Ego und Gestaltungsdrang. Sie sind aber zum Glück sehr deutlich in der Minderheit. Ich habe noch nie Logen besucht, in denen man mir ablehnend gegenüber getreten ist, ganz im Gegenteil.

    Persönliches Fazit

    Generell braucht die Freimaurerei nichts weniger als Denkverbote in jede Richtung. Von daher begrüße ich die Debatte, auch wenn ich manches anderes sehe. Deutliches „Weiter So!“ Du repräsentierst die Freimaurerei gut! Herzliche und brdl Grüße Rolf

    1. Lieber Bruder Rolf, ich danke dir für diese lieben Worte und tollen Gedanken.
      Um deine offene Frage zu beantworten. Ja, ich habe auch den 1930er Jahrgang und noch einige weitere. Sie werden nach und nach hier veröffentlicht.
      Herzliche brdl. Grüße
      René

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