Über die Bruderkette…

Bruderkette

„Geist der Lieb‘, erfüll‘ die Erde,
dass das menschliche Geschlecht
eine Bruderkette werde,
stark durch Wahrheit, Licht und Recht.
Herr der Welten, Herr der Zeiten,
gib auf deinem Erdenrund
echte Weisheit zu verbreiten,
Stärk‘ und Schönheit unsrem Bund.
Laß die Kette, die wir schlingen,
Lieb‘ und Eintracht schlingen sie,
nie sich lösen, nie zerspringen,
trenne diese Kette nie!“

Wir Freimaurer haben ja das Sinnbild einer all umfassenden Bruderkette. Diese Kette soll idealerweise die Welt umspannen und die Brüder vereinen in Liebe und Eintracht. Die Kette soll fester sein als jeder Stahl und die Brüder für immer zusammenhalten.

Soweit die Theorie…

Freimaurer sind sicherlich miteinander verbunden. Der Eid und ihr Schwur auf diese alte Bruderschaft binden sie aneinander. Vereint unter den bekannten Idealen sollen sie leben, sich gegenseitig respektieren und helfen. Doch was ist wenn genau diese Kette brüchig wird? Man sagt, dass diese ganze Kette nichts taugt, wenn nur ein einziges Glied zerbricht. Natürlich kommt es vor, dass ein Bruder verstirbt oder austritt und somit eine Lücke in dieser Kette hinterlässt. Aber die Brüder schließen sie wieder und die Kette hält erneut.

Doch was ist, wenn der ein oder andere Bruder selbst immer und immer wieder diese Kette brechen lässt? Tolerieren nun die restlichen Brüder (treu ihrer Ideale) dieses destruktive Verhalten eines Einzelnen und bringen somit die Bauhütte selbst in Gefahr? Oder zumindest lassen sie es zu, dass die Stimmung untereinander getrübt wird? Oder distanzieren sie sich sogar?

Nein, ich denke wir Brüder können auch einmal gegensätzlicher Meinung sein oder sogar streiten. Aber wir sollten einen respektvollen Umgang miteinander pflegen und auch lernen, wieder aufeinander zuzugehen. Denn nichts ist versöhnlicher als eine gereichte Bruderhand. Natürlich kann dieser Schritt auch etwas dauern, denn es „menschelt“ hier und da ebenso bei uns wie in jeder guten Beziehung. Aber auch hierbei darf der Respekt nicht vernachlässigt werden. Denn Vertrauen aufzubauen, das dauert Jahre, es zu zerstören geht binnen weniger Sekunden. Und genau an dem mangelt es ab und an. Doch was beweist schon größere maurerische Tugend, als darüber hinweg zu sehen und sich mit dem Bruder zu versöhnen? Wenn die Worte „Es tut mir leid“ dem Bruder so schwer fallen, auch wenn es tiefe Wunden hinterlässt?

Gerade dann sind die Tugenden eines Freimaurers mehr gefragt als je zu vor. An seinem eigenen rauen Stein arbeiten und dem Bruder zu vergeben ist schon ein großer Schritt. Aber dieser kann dazu beitragen, die Ruhe und Harmonie wieder herzustellen, die nötig ist, eine so zerbrechliche Struktur wie eine Loge zu bewahren. Das muss im Interesse jedes einzelnen Bruders sein. Einfach einen Schritt aufeinander zugehen und sich die Hände zur Versöhnung reichen. Denn dann werden sie auch wieder bei der Kettenbildung am Ende einer Tempelarbeit gehalten und die Kette der Herzen bleibt bestehen.

Ich selbst tendiere ebenso dazu, bei einem Streit Fehler im Verhalten des anderen zu suchen. Dabei übersehe ich aber leider auch meine eigenen Fehler, die evtl. dazu geführt haben, dass beim Gegenüber sein Verhalten ausgelöst wird. Was nun nicht sein Fehlverhalten oder eine verletzende Art und Weise gutheißen soll, aber zumindest sollten wir als Freimaurer eines:
Wenn wir jemanden vorwerfen, dass er nicht wie ein echter Freimaurer handelt, sondern deutlich über das Ziel hinausschießt, dann muss es dennoch an uns sein, mehr Größe und Stärke zu beweisen und ihm die Hand reichen, trotz der Spannungen. Denn genau das macht einen großen Freimaurer ebenso aus wie viele andere Eigenschaften. Und um den Bogen fertig zu spannen: wenn man einander die Hand reichen kann und weiß, dass es auf mehr ankommt, als einzelne und eigene Interessen, dann kann diese Kette wieder fest geschmiedet sein.

Wir trennen die Kette der Hände, die der Herzen bleibt bestehen…

neue Seite – meine Traktate

Liebe Leserinnen und Leser,

nachdem ich nun mehrfach gefragt wurde, ob der ein oder andere Text von mir verwendet werden darf, habe ich mich entschlossen, eine neue Seite einzubauen, auf dem ihr meine Gedanken, Zeichnungen und Traktate herunterladen könnt.

Viel Spaß damit unter… https://freimaurergedanken.com/meine-Traktate/

 

Kampf gegen Intoleranz – Gedanken zum Atheismus 2

rene

Ich hatte kürzlich einen Artikel über meine Gedanken zum Atheismus und Freimaurerei niedergeschrieben und hier veröffentlicht. Nach wie vor bin ich der Meinung (und ich verteidige diese auch vehement), dass ein Atheist oder Agnostiker ein guter Freimaurer und Bruder sein kann.

Die Freimaurerei hat Jahrhunderte lang, trotz ihrer Ideale und Ideen, einen großen Teil der Bevölkerung ausgeschlossen, nämlich die Frauen. Diese Einstellung hat sich inzwischen geändert und das ist mehr als gut so. Ich selbst schätze den Umgang mit den Schwestern sehr. Ihre flexiblen Strukturen der Logen untereinander machen sie schneller handlungsfähig als uns Brüder in historisch festgewachsenen Strukturen. Dafür beneiden viele Brüder die Schwestern.

Engstirnigkeit und mangelnde Toleranz

Leider wird in letzter Zeit häufiger, wie jüngst auf der Tagung der Freimaurerforschungsloge Quatuor Coronati geschehen, öffentlich von Brüdern anderer Großlogen geäußert, dass Atheisten in der Freimaurerei nichts zu suchen hätten und sie sich doch in anderen Gruppierungen wiederfinden sollten, aber nicht in der Freimaurerei. Schließlich müsse man sich überlegen, wem zu Ehren die Sakralbauten erbaut wurden.

Mal ehrlich, ist das nicht eine mehr als engstirnige Haltung? Klar mag es sein, dass die Kirchen und Klöster, welche die Bauhütten erstellt hatten, dies damals zu Ehren Gottes taten. Aber man kann es auch so sehen, dass die Baumeister die neuesten Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft anwandten, um diese Bauwerke als Symbol eines Sieges des Verstandes und der Technik über die Natur zu schaffen. Leider konnte der Bruder, welcher die Äußerung tätigte, keine sinnvolle Begründung für diese liefern.

Ist Freimaurerei eine Religion?

Brüder des Freimaurer Ordens werfen den Brüdern der Großloge AFuAM immer wieder in öffentlichen Foren vor, dass sie intolerant gegenüber den Brüdern des Ordens seien, deren Ausrichtung eine christliche Freimaurerei ist. Eben gerade WEIL es eine christliche Ausrichtung sei. Natürlich passt dies nicht zur humanitären Freimaurerei der Großloge AFuAM. Aber nun werden auch die Brüder der AFuAM angegriffen, weil sie keine „wahren oder echten Freimaurer seien“? Wer beurteilt dies denn? Man muss nun noch erwähnen, dass es deutlich mehr Brüder in der Großloge AFuAM gibt und auch auf eine weltweit breitere Basis und Akzeptanz zurückgreifen. Der Freimaurer Orden wird hingegen oft von den weltlicheren Brüdern als „Ersatzreligion“ bezeichnet. Leider tat der Ordern auch nichts gegen diesen Eindruck und versuchte erst vor kurzem auch noch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts zu werden, was sie auf eine Stufe setzt mit einer Religions- und Weltanschauungsgemeinschaft.

Aber: Freimaurerei war und ist keine Religion! Sie ist ein Gefühl der Menschen untereinander, sie ist eine Art der Selbstverwirklichung und der Arbeit an sich selbst. Sie verbindet unterschiedliche Menschen zu einer weltweiten Bruderkette. Sie verbindet aber auch den Atheisten, den Agnostiker, Christen, Muslim, Juden und jeden anderen Menschen. Denn die Menschen, die an den Idealen der Freimaurerei festhalten, verbindet dieser Gedanke.

Ich reiche meinen Brüdern vom Freimaurer Orden ebenso die Hand, wie jedem anderen Bruder auch und hoffe, mit meiner Arbeit ein bisschen an der Idee einer gemeinsamen Bruderkette zu arbeiten. Denn leider gibt es aktuell „DIE Freimaurerei“ nicht. Es sind immer Ideen von einigen, die den anderen nicht passen. Ja, es „menschelt“ auch hier. Und das in einer Gruppierung, die sich geschworen hat über die Unterschiede hinwegzusehen und gemeinsam am Tempel der Humanität zu bauen. Nur müssen Ideale auch gelebt und nicht nur darüber geredet werden .

Soll und darf diese Kette nun Menschen ausschließen?

Viele unserer Brüder im Osten Deutschlands sind nicht getauft und evtl. noch auf der Suche nach ihrem Glauben oder Religion. Sind sie denn keine wahren Maurer, keine guten Brüder? Nein, sie sind ebenso Freimaurer wie wir alle und haben sich bewusst für diesen Bund entschieden. Warum sollten wir also Brüder ausgrenzen, die zwar Atheisten, aber von Herzen wahre Freimaurer sind? Sind das nicht genau die Bausteine, derer wir für den Bau des Tempels der Humanität bedürfen ? Ich denke schon.

Daher kann es auch nicht sein, dass wir uns Gedanken über die geringe Anzahl an Freimaurern in Deutschland machen, aber Menschen ausschließen, die die Überzeugung und den Willen haben, wahre Freimaurer zu sein und nach den Idealen zu leben. Weder Frauen, noch Atheisten, noch Angehörige einer Religion, alle arbeiten zusammen an dem gemeinsamen Ziel.

Fazit

Eine moderne Freimaurerei bietet in Deutschland einen Platz für jeden, der an ihr Interesse hat. Religiöse Ausrichtungen, monistische Ausrichtungen aber eben auch Logen für Atheisten und Agnostiker. Freiheit, Gleichheit, Toleranz, Humanität und Brüderlichkeit (Schwesterlichkeit) lassen uns allen den Spielraum, um uns hier einzufinden und wiederzufinden. Ich habe es schon mehrfach betont und möchte es auch noch einmal tun:
Einheit durch Vielfalt!
Genau DAS muss unser Gedanke sein und das vereint uns alle. Öffentliche Angriffe in Foren, auf Tagungen oder aber direkt von Bruder zu Bruder sollten der Vergangenheit angehören.

2BE1ASK1 – wie wird man Freimaurer

2be1ask1

Ich denke der ein oder andere Bruder, der als Sekretär, Gästebetreuer oder Internet-Beauftragter arbeitet hatte einige Kuriositäten an Anfragen von Interessenten bekommen.

Von „hey was muss ich zahlen um mitzumachen“ über „ich komm dann man vorbei“ bis hin zu „ich trete hiermit ein“. Mich bringen solche Emails immer wieder zum Schmunzeln (wie auch jede Nachricht zu den ganzen Verschwörungstheorien, aber darum soll es hier nicht gehen). Man sieht aber deutlich, dass es immer noch das Problem gibt:

Wie wird man denn eigentlich Freimaurer?

Nun ja…der Amerikaner sagt dazu: 2BE1ASK1, also “to be one ask one”. Damit meint er, dass man einen Freimaurer fragen muss um einer zu werden. Generell eine gute Aussage, denn jede Loge handhabt das etwas unterschiedlich.

In meiner Mutterloge, der Loge zur Wahrheit in Nürnberg, findet einmal im Monat ein sogenannter Gästeabend statt, bei dem uns Interessenten besuchen können. Diese Besuchszeit kann von einem Jahr bis zu mehreren Jahren dauern. Dabei soll dem Interessenten die Möglichkeit geboten werden, die Brüder kennenzulernen, aber auch die Brüder ihn näher. Denn schließlich lebt eine aktive Loge von den Brüdern und dem Zusammenhalt dieser ungleichen Menschen. Der Interessent muss einfach in diese bestehende Gemeinschaft hineinpassen. Wenn er regelmäßig erschienen ist und sein Wunsch bestehen bleibt Freimaurer zu werden, dann kann er den Stuhlmeister bitten, ihm den Antrag um Aufnahme zu geben. Dann wird dieses Gesuch den Brüdern vorgelegt und darüber ausführlich diskutiert und anschließend abgestimmt. Es kann passieren, dass schon eine Gegenstimme genügt, den Aufnahmeantrag für ein Jahr zurückzustellen. Dies passiert dann, wenn derjenige, der dagegen gestimmt hat, dem Meister vom Stuhl seine Gründe für das negative Votum darlegt und der Meister vom Stuhl diese Gründe akzeptiert. Gibt es mehr als drei Gegenstimmen müssen diese nicht begründet werden. Dann wird der Aufnahmeantrag auf jeden Fall für ein Jahr zurückgestellt. Fällt danach in die wiederholte Abstimmung ungünstig aus ist der Kandidat bei dieser Loge für immer abgewiesen.

Diese Regeln sind für alle Logen soweit mir bekannt gleich. Um ein negatives Votum zu vermeiden wird in unserer Loge Wert darauf gelegt, dass der Kandidat möglichst oft an unseren offenen Abenden (Gästeabenden) teilnimmt, damit möglichst viele Mitglieder unserer Loge ihn kennen lernen können und er auch umgekehrt Gelegenheit hat, möglichst viele Mitglieder kennen zu lernen und mit ihnen nach Möglichkeit alle Fragen zu diskutieren, die er an uns im Zusammenhang mit der Freimaurerei hat. Wir halten dies in unserer Loge für den besten Weg, auf beiden Seiten enttäuschende Fehlentscheidungen zu vermeiden. Außerdem erwarten wir von Interessierten an unserer Loge, dass sie während der Zeit eines Jahres, die wir für eine mit Besuchen bei unseren Gästeabenden verbrachte Wartezeit vor einem Aufnahmeantrag voraussetzen, parallel dazu auch andere Logen besuchen, um so besser abschätzen zu können, welche Gemeinschaft ihm am besten zusagt

Nach einer positiven Abstimmung wird der Neophyt (wie man ihn dann nennt) zu seiner Aufnahme, seiner Initiation eingeladen. Diese Aufnahme und das Ritual erlebt jeder Freimaurer für sich individuell anders, aber einmalig.

Nun, blicken wir kurz auf andere Logen. Viele Logen haben die Art der Gästeabende wie wir nicht. Der Interessent meldet sich bei einer Loge und der Sekretär setzt sich mit ihm in Verbindung. Dann kommt es zu einem persönlichen Gespräch wo abgeklärt wird, warum und mit welchem Interesse derjenige Freimaurer werden will. Hierbei wird dann abgewogen, ob diese Gesprächaufnahme noch intensiviert wird. Sollte es dazu kommen, wird der Suchende von einer kleineren Gruppe (meist 3 Brüder) einer Loge besucht, um einen weiteren Eindruck von ihm und seiner Gesinnung zu bekommen. Sollten diese Brüder nach dem Gespräch immer noch einen positiven Eindruck haben, werden diese dann das Gesuch an die Loge und die restlichen Brüder herantragen und von ihrem Eindruck berichten.

Man sieht also, dass es nicht so einfach ist zu pauschalisieren, wie man Freimaurer wird. Das ist von Loge zu Loge unterschiedlich. Und leider auch von Land zu Land. Denn beispielsweise ist die Freimaurerei in Österreich sehr gedeckt, also operiert im Verborgenen. Hier ist es sehr viel schwerer, den Kontakt herzustellen. In der Schweiz wiederum kann man Logen anschreiben und sich bei ihnen erkundigen, wie dort das Prozedere ist.

In jedem Fall sollte sich der Interessent etwas genauer über die Freimaurerei informiert haben und einen guten Grund haben, warum er dieser Bruderschaft beitreten möchte. Denn das wird einer der ersten Fragen sein, die er gestellt bekommt. Ernsthaft interessierte Brüder sind dieser Bruderschaft immer gern willkommen.

Die Meistertugenden nach dem Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne

„Aus Dunkel zum Licht – Durch Kampf zum Sieg – Durch Treue zur Vollendung“

Bereits in früheren Blogeinträgen habe ich über die Tugenden, die ein Freimaurer Meister aufweisen sollte, nachgedacht und meine Gedanken hierzu beschrieben. Nun möchte ich auch kurz erwähnen, dass die Brüder des F.z.a.S durchaus andere Meistertugenden kannten. Diese waren:

  • die Reinheit des Herzens
  • Wahrheit in Worten
  • Besonnenheit im Handeln

Auf den ersten Blick mag es etwas verwundern, warum diese Wortwahl in dem Ritual vorkommt. Aber unterscheiden sie sich so sehr von den Meistertugenden anderer Großlogen? Nein, nicht wirklich. Betrachten wir die Punkte doch kurz im Detail und in ihrer Bedeutung:

Der Maurer sollte steht‘s sein Handeln abwägen und besonnen reagieren. Er lässt sich nicht zu Kurzschlusshandlungen hinreisen und wägt alle Einflussfaktoren gegeneinander ab. Eine unüberlegte Handlung scheidet daher für einen Bruder Meister aus. Daher wird hier auch die Besonnenheit im Handeln angesprochen. Er lernt seine Entscheidungen auf die Grundlage seines reinen Geistes zu stellen und trifft seine Entscheidungen aus Überzeugung.

Natürlich zählt das Maurerwort, das Ehrenwort eines Freimaurers von Bruder zu Bruder mehr als alles andere. Es sollte bindend für die Brüder sein und als Grundlage des festen Vertrauens und der Brüderlichkeit dienen. Die Brüder sollten sich fast schon blind aufeinander vertrauen können und jeder zu dem Wort, welches er einmal gegeben hat, stehen. Da man auf das Maurerwort also blind trauen kann, ist es nötig hier die Wahrheit ins Wort zu legen. Innerhalb der Loge können die Brüder offen und ehrlich miteinander sprechen und dies muss auch die Grundlage einer modernen Loge sein. Zusammen mit einem Freund denken. Und das nicht nur durch den Austausch digitaler Briefe oder auf sozialen Netzwerken. Nein, gerade der noch hinzukommende Aspekt des persönlichen Gespräches bildet das Fundament, auf dem eine gute Bauhütte entstanden und gefestigt ist.

Die Reinheit des Herzens sollte ein Bruder schon zu seiner Aufnahme mitbringen. Er soll sich als „freier Mann von gutem Ruf“ der Bruderschaft anschließen. Die Reinheit also bereits im Herzen tragen. In den Jahren als Lehrling und Geselle sollte er gerade dies festigen und sein Handeln als Grundlage einer gerechten Lebensweise haben. Denn dieses reine Leben und der reine Geist machen den Maurer Meister unabhängig von äußeren Einflüssen. Dann lebt er auch nach den 5 Grundidealen der modernen Freimaurerei und ist nicht nur ein Logenbruder.

Und wie passen diese 3 Tugenden zusammen? Sehr gut sogar. Sie gehen sogar Hand in Hand einander über und zeichnen eben den Meister des F.z.a.S. aus. Die Reinheit des Herzens und der Umgang untereinander führen auch zu der Wahrheit in den Worten des Meisters und reicht wiederum bedingt durch seine Selbstreflektion zur Besonnenheit im Handeln. Ein rundum schön abgeschlossenes Lehrgebäude…

 

Der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne (F.z.a.S) – Ein kurzer Vortrag zur 48. Tagung der Quatuor Coronati Forschungsloge

Liebe Schwestern und Brüder der QC,

ich fühle mich geehrt heute bei euch stehen und dem Wunsch nachkommen zu dürfen, euch einen Einblick in die Ideen und Gedanken des F.z.a.S. zu geben, was die Brüder damals bewegte und beschäftigte und was von ihm heute noch in den Köpfen und Gedanken der Brüder bleibt, die sich intensiv mit dem F.z.a.S. beschäftigen.

Man muss dazu wissen, dass ich mich seit meiner Aufnahme sehr viel mit der Geschichte des F.z.a.S. beschäftige und meine Bauhütte, die „Loge zur Wahrheit“ i.O. Nürnberg, die Mutterloge dieses Freimaurerbundes ist. Daher sammle ich auch alte Dokumente, Unterlagen und Notizen des Bundes um diese dann digitalisiert der Nachwelt öffentlich zur Verfügung zu stellen, denn Wissen verbreitet sich nur, wenn es auch von anderen konsumiert werden kann.

Es ist sehr schwer, die Ideen und Grundlagen eines gesamten Freimaurerbundes in knapp 20min zusammenzufassen. Von daher habe ich mich auf einige der grundlegenden Aspekte dieses Bundes beschränkt und werde sie in den kommenden Minuten versuchen darzustellen.

Zu Beginn meines Vortages möchte ich euch allen den „Grundgedanken der Freimaurerei“ wiedergeben, wie ihn die Brüder des F.z.a.S. selbst gesehen hatten. Der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne fasste seine Ziele und Ideale sehr kurz und bündig zusammen und veröffentlichte diese Worte auf der ersten Seite des monatlich erschienenen Organs „Sonnenstrahlen“ (später: „das neue Freimaurertum“).

Der Grundgedanke der Freimaurerei

„Der Grundgedanke der Freimaurerei war, die Menschheit aus den engen Fesseln der Konfessionen und der dogmatischen Weltanschauung herauszuheben und sie auf den Boden des reinen Menschentums zu stellen. Der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne (F.z.a.S.) e.V.in Nürnberg hat diesen Grundgedanken in ursprünglicher Reinheit und zeitgemäßer Form wiederbelebt, um alle geistigen hochstehenden, frei und ideal gesinnten Männer, welche der Freimaurerei in den letzten Jahrzehnten ablehnend oder interessenlos gegenüberstanden, wieder zu sammeln und zu einem mächtigen Bund der freigeistigen Elite unserer Zeit unter Ausschluss rein politischer Bestrebungen zu vereinen.

Dadurch soll der F.z.a.S. auch zu einer Schule werden für alle die vielen nach geistiger Klarheit ringenden Ethiker und Gottsucher der ganzen Welt. Um dieses Ziel ungehindert erreichen zu können, hat sich der Bund als selbständige und unabhängige Großloge konstituiert und ist dem Deutschen Großlogenbund nicht unterstellt und nicht angegliedert.“

(aus der monatlichen Zeitschrift des F.z.a.S, „Sonnenstrahlen“)

Ein kurzer Überblick über den Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne

(Text angelehnt an die Festschrift der Loge zur Wahrheit zum 100-jährigen Jubiläum)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchlebte die deutsche Freidenkerbewegung eine ganze Reihe unterschiedlicher Entwicklungen. Die Gründung eines „Freimaurerbundes auf monistischer Grundlage“ gehört hierbei sicher zu den außergewöhnlicheren, wenn auch heute nicht mehr so bekannten Erscheinungen. Hieraus entwickelte sich schließlich auch die Idee der ebenfalls 1906 in Nürnberg gegründeten „Deutschen Freidenkerloge“, die sich die „Selbsterziehung und -veredelung des Menschen“, die „Vervollkommnung der menschlichen Gesellschaft“, die „Gleichberechtigung untereinander“, sowie die „völlige Denk-, Glaubens- und Gewissensfreiheit“ zum Ziel gesetzt hat. Auf der Generalversammlung am 27. Juli 1907 in Frankfurt am Main beschloss man, sich in „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne (F.z.a.S.)“ umzubenennen und gründete damit eine neue Großloge, mit der Vorstellung, eine reformierte Freimaurerei auf monistischer Grundlage könne dazu beitragen, die Menschheit „aus den Fesseln jeglichen Dogmas“ zu befreien.

Gemäß dem Beschluss der F.z.a.S.-Gründung wurde am 12. August 1907 in Nürnberg die noch heute existierende „Loge zur Wahrheit“ als Mutterloge des F.z.a.S. eingesetzt. Weitere Logengründungen folgten schnell. Der F.z.a.S. entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Großloge, der im Jahre 1923 rund 3.000 Brüder in 79 Logen in Deutschland, Österreich, Ungarn, der Schweiz und der Tschechoslowakei angehörten.

Der freigeistige Charakter des F.z.a.S. zog nicht nur viele namhafte Monisten, wie den Pazifisten und Herausgeber der „Weltbühne“ Carl von Ossietzky oder den politisch-satirischen Autoren Kurt Tucholsky an, sondern aufgrund seines auf wissenschaftlicher Erkenntnis und rationaler Vernunft aufbauenden Fundaments auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung, wie den Chemie-Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald, dem späteren ersten Vorsitzenden des Deutschen Monistenbundes. Als Reformfreimaurerbund entledigte sich der F.z.a.S. aller religiösen Elemente im Ritual. Statt der aufgeschlagenen Bibel wurde nun, wie beim französischen Grand Orient, ein Buch mit leeren Seiten („Weißes Buch“) als Symbol aufgelegt, was den undogmatischen Charakter des F.z.a.S. besonders unterstrich. Der obligatorische Freimaurerschurz wurde abgeschafft, ebenso wie das Symbol des „Großen Baumeisters aller Welten“. Nun war es Atheisten und Agnostikern auch in Deutschland möglich, sich der Freimaurerei anzuschließen. Mit der Machtübertragung an Hitler 1933 löste sich der F.z.a.S. selbst auf, um einer Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen und rief seine Mitglieder zum „geistigen Widerstand“ gegen den Faschismus auf.

 

Erste Grundideen der Reformfreimaurerei

In den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sehr viel über Reformfreimaurerei gesprochen und geschrieben. Gerade der F.z.a.S. hatte viele Probleme mit der Anschauung der alteingesessenen Großlogen und daher formte sich eben auch der F.z.a.S gerade aus diesen Brüdern heraus, welche hier ein großes Potential für Veränderungen und Neuerungen sahen.

Natürlich berufen sich unsere Vorfahren auf die „Alten Pflichten“ von Anderson („Der geistige Kern der Freimaurerei ist die Religion in der alle Menschen guten Willens übereinstimmen, die Religion der Menschlichkeit, Mitmenschentum“), jedoch wollten sie einige für sie damals wichtige Reformen durchsetzen und verfassten hierzu einige „programmatische Erklärungen des Reformfreimaurerbundes“ im Jahre 1930.

Ich möchte gerne einen Teil dieser Erklärung von Br. Walter A. Berendsohn (aus Hamburg, Redner der Großloge) wiedergeben, ohne dass ich hier einen Angriff auf einer der Großlogen begehen will. Mir ist bewusst, dass diese Ansichten auch gegen die Satzungen einiger Großlogen verstoßen und diese Forderungen bis heute strikt abgelehnt werden. Daher werte ich es nicht, sondern überlasse jedem Bruder hier die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung darüber zu bilden.

Die wichtigsten Reformen sind:

  1. Die Aufhebung der Hochgrade: denn es widerspricht der Grundidee, alle Schranken zwischen den Menschen zu überwinden, wenn die Freimaurerei einen neuen künstlichen Adel, einen neuen Stufenbau von Würden und Abzeichen errichtet. Das dient mehr der Selbstsucht und Eitelkeit als der freimaurerischen Sache.
  2. Fortfall des Symbols „A.B.a.W.“: denn es enthält deutlich die Idee eines persönlichen Gottes, die von der großen Mehrzahl der freien, denkenden, vorwärtsdrängenden Menschen als Grundlage ihrer Weltanschauung und Sittlichkeit aufgegeben ist. Soll die Freimaurerei alle Menschen guten Willens am Menschheitsbau vereinigen, so darf sie sich nicht zur Vertretung einer Form der Weltanschauung machen. Erst die Loslösung von dieser Formel bedeutet den Eintritt in den neuen geistigen Raum, in dem sich alle Menschen zur Neugestaltung der menschlichen Gemeinschaft zusammenfinden können.
  3. Die Preisgabe der Bibel als erstes Licht der Freimaurerei: denn wenn die Bibel auch ein ehrwürdiges Werk ist, so gilt sie den meisten Menschen, die am Menschenbau guten Willens arbeiten, nicht mehr als Offenbarung des A.B.a.W., sondern als Menschwerk, das nicht mehr die unantastbare, unerlässliche Grundlage lebensgestaltender Sittlichkeit bleiben kann.
  4. Zulassung der Erörterung auch politischer und religiöser Fragen im Tempel: denn ihre Ausschaltung zeugt von mangelndem Vertrauen zur freimaurerischen Idee, die ja das gesamte persönliche und gemeinschaftliche Leben durchdringen und gestalten soll; es entsteht zugleich die Gefahr einer leeren Schönrednerei ohne fruchtbringende Wirkung für den Menschheitsbau.

Wie ihr seht, sind dies radikale Ansichten, mit denen sich der F.z.a.S. nicht nur Freunde machte. Die Anerkennung einiger Großlogen wurde ihm daraufhin verwehrt. Dennoch kann man eines deutlich sehen. Die Anhänger der Reformfreimaurerei hatten sich konkrete Gedanken und Vorschläge gemacht, wie man die Freimaurerei in die Neuzeit überführen kann. Man muss das ganze immer im Spiegel der damaligen Zeit sehen, die geprägt war von der Nachkriegszeit, Wirtschaftskrisen und offenen Anfeindungen der Länder untereinander. Sie suchen eine Möglichkeit, sich auf der Winkelwaage zu begegnen und alle Menschen zu vereinen…eigentlich ein schöner Gedanke.

Mit diesem Vortrag möchte ich jedoch nicht dem Freimaurer Wiki oder anderen Abhandlungen Konkurrenz machen und somit stelle ich euch einen alten Text vor, welchen der F.z.a.S. in den ersten Jahren seines Bestehens an Suchende sowie Interessenten herausgegeben hat. Die hier vorgestellte 3. Auflage mit kleinen Änderungen fand ich in den Archiven des Freimaurer Museums in Bayreuth wieder. Den Text gebe ich hier unverändert und unkommentiert wieder. Hiermit möchte ich gerne aufzeigen wie gespalten die Freimaurerei damals leider war (und immer noch ist, wenn auch nicht mehr so schlimm wie damals) und welche Ideen und Vorstellungen unsere Gründer angetrieben haben.

Was ist der Freimaurerbund zu aufgehenden Sonne und was will er? Ein Wort zur Aufklärung für Suchende…

Sehr geehrter Herr!

Sie interessieren sich für die Bestrebungen unseres Bundes und wünschen Aufklärung über dieselben. Wir sind bereit, ihnen solche zu geben. Gehen Sie mit unseren Bestrebungen einig, so wird Ihnen Derjenige, von welchem Sie diese Schriften erhalten haben, den Weg zu uns zeigen. Weichen aber ihre Anschauungen von den Unsrigen soweit ab, dass sie uns nicht als Gleichdenkende betrachten können, so geben Sie das kleine Heftchen dem Absender zurück. Wir werden diese Rücksendung niemals als eine unfreundliche Handlung betrachten, wohl aber die unberechtigte Zurückbehaltung.

Unser Bund ist ein Bund des Friedens. Wir wissen, dass die Weltanschauungen der Menschen sehr verschieden sind und achten alle Bestrebungen, welche sich die kulturelle Hebung und Förderung der menschlichen Gesellschaft als Ziel gesetzt haben, mögen die eingeschlagenen Wege auch von den Unsrigen abweichen. Aber wir sind der Ansicht, dass dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn der Entwicklung der Menschheit keine Hindernisse in Form starrer Dogmen in den Weg gelegt werden und betrachten es als unsere Aufgabe an der Beseitigung dieser Hindernisse mitzuarbeiten und für eine freie Bahn zu kämpfen. Dadurch ist der Bund auch ein Bund der Arbeit und des Kampfes.

In diesem Sinne führen wir einen Kampf nach zwei Fronten:

  • Orthodoxe Kirchen
  • Orthodoxes Logentum

Gegen die Kirche, die den starren Bibelglauben fordert, den Glauben an die Wahrheit ihrer Dogmen und dafür die ewige Seligkeit verspricht; die noch stets jede wissenschaftliche Wahrheit unterdrücken wollte, welche nicht mit ihren Dogmen übereinstimmte und die noch heute das freie Denken knechten will.

Gegen das orthodoxe Logentum, welches den Bibelglauben verherrlicht und den Glauben an die Existenz des persönlichen Gottes als Baumeister aller Welten fordert. Das Logentum, welches sich selbst als Bollwerk gegen den sogenannten “Unglauben” bezeichnet und dadurch nicht mehr im Dienste der Wissenschaft und Wahrheit, sondern im Dienst der Kirche steht; das Logentum, welches an veralteten Ritualen haftet und in ihnen allein echte und wahre Freimaurer erblickt, Andersdenkende aber, welche an diesem Ritual rütteln wollen den Vorwurf der Unwissenheit, des Unverstandes macht.

Also nicht gegen Religionen kämpfen wir, sondern gegen die Orthodoxie und für eine mit der Wissenschaft im Einklang stehende, dogmenfreie Religion der Menschlichkeit. Nicht gegen die Freimaurerei und ihren hohen ethischen Gehalt, sondern gegen das orthodoxe Logentum, für eine freiere und zeitgemäßere Form der Freimaurerei.

Aber wir wollen auch nicht – wie eine gewisse Kategorie von Freidenkern – alles im Sturm niederreißen, denn wir wissen, dass es nicht allen Menschen möglich ist, das ihnen seit Jahrtausend vererbte und in Fleisch übergegangene, nun plötzlich aus ihrem Leben einfach streichen zu können. Schritt um Schritt müssen wir vorrücken um die Binde, welche Pfaffentum und Geistesknechtschaft unseren Brüdern um die Augen gelegt haben, langsam und vorsichtig zu entfernen, so wie der Arzt den bisher Blinden nicht plötzlich aus der Nacht der Finsternis in das helle Licht der Sonne führen darf, ohne dem Patienten schwersten Schaden zuzufügen und den ganzen Heilungsprozeß zu gefährden.

Wir dürfen nicht, wie es von anderer Seite bedauerlicher Weise geschehen ist, Schulkindern auf der Straße oder im Eisenbahnwagen sagen: “Eure Lehrer lügen, eure Eltern lügen, es gibt keinen Gott, es gibt kein Jenseits!”

Erst müssen wir Eltern und Lehrer für uns gewinnen und durch sie den Kindern eine Moral beibringen lassen, die des frommen Kirchenglaubens nicht bedarf, dann müssen wir ihnen die Kirchen- und Religionsgeschichte von dem allein richtigen gesellschaftlichen Standpunkt aus begreiflich machen und den bisherigen Bibelglauben als eine glücklich überwundene Etappe in der Kulturgeschichte der Menschheit darstellen, als eine der vielen Sprossen in der Stufenleiter der Entwicklung. Etwas anderes ist für uns die ca. 2000 Jahre alte Geschichte des Christentums nicht gegenüber den Jahrmillionen der Entwicklungsgeschichte der Menschheit.

Aber auch die Eltern und Lehrer gewinnen wir nicht im Sturm und durch gehässige Angriffe. Weises Maßhalten ist auch hier nützlicher als brutales Losschlagen. Weil noch von so vielen die reine Wahrheit in abstrakter Form nicht vertragen werden kann, deshalb wollen wir sie in symbolische Formen kleiden. Der Dichter Em. Giebel sagt:

“Willst du den Unsinn überwinden,

Lern ein Symbol der Wahrheit finden;

Die Welt wird nie das Abgeschmackte

Aufgeben für das blos Abstrakte.”

In diesem Dichterwort finden wir unser Programm!

“Den Unsinn zu überwinden, durch Symbole der Wahrheit.” Nicht nur an den Verstand der Menschen appellieren, sondern auch ihrem Gemüt Rechnung tragen. Mag die Zukunft vielleicht einmal solche “Nur-Verstandesmenschen” erzeugen, wie sie manche haben wollen. Die übergroße Mehrheit der Menschheit unserer Tage hat neben dem abstrakten Verstand auch noch Herz und Gemüt und wir wollen uns freuen, dass dem so ist und wollen es uns stets angelegen sein lassen, nicht nur den Verstand, sondern auch Herz und Gemüt der Wahrheit dienstbar zu machen.

Was sind denn nun aber Symbole der Wahrheit? Die Antwort soll uns das Ritual unseres Bundes geben. Dasselbe soll in symbolischer Form wiederspiegeln:

  1. Dass wir der Wissenschaft dienen und ihre Befreiung von kirchlicher Bevormundung erstreben wollen.
  2. Dass wir allen unseren Handlungen von den Geboten der Menschlichkeit, der Rechtlichkeit und Gerechtigkeit leiten lassen wollen, ohne die biblische Hoffnung auf Lohn oder Furcht vor Strafe.
  3. Dass wir lernen, unsere Pflichten gegen unsere Familie, gegen unsere Br., gegen unsere Mitmenschen mit Eifer und Beständigkeit treu und gewissenhaft zu erfüllen, einzig geleitet von dem Bewusstsein, dass nur durch treue Pflichterfüllung jedes Einzelnen die Gesellschaft einer glücklichen Zukunft entgegen geführt werden kann.
  4. Dass wir uns der Schönheit und Genüsse dieser Welt in den uns vom Natur und von der Rücksicht auf uns selbst und unsere Mitmenschen gezogenen Grenzen erfreuen dürfen, ohne Furcht vor Sünde und Höllenstrafen.
  5. Dass wir lernen, nach treuer Pflichterfüllung getrost dem Tod ins Auge zu sehen, da der Tod nicht das Ende unserer Urstoffe, sondern nur eine Verwandlung derselben bedeutet. Unser sogenannter “Geist” aber nicht in einem Jenseits, sondern auf Erden in unserer Umgebung, in unseren Nachfolgern weiter leben wird d.h. was der Einzelne auf geistigem Gebiet geschaffen, alle Eindrücke die er erweckt, alle Beispiele die er gegeben, sie werden sich wie ein Wellenschlag fortpflanzen von Generation zu Generation, anregend, befruchtet und schönere Taten gebärend.

Wer aber ein solches Leben gelebt hat, der hat nicht umsonst gelebt und kann verzichten auf ein persönliches Weiterleben nach dem Tod.

Und diesem Leben wollen wir uns und unsere Br. heranbilden, befähigen und stärken. Dazu sollen uns dienen unsere rituellen Arbeiten, die damit verbundenen Vorträge, der Verkehr mit Gleichgesinnten und das Studium geeigneter Lektüre. Die Wahrheiten aber, die wir im engen Kreise vertrauter Br. in uns aufgenommen haben, wollen wir dann hinaustragen in unsere Familie, in unsere Umgebung.

Es erübrigt uns noch, unser Verhältnis zu den alten Freimaurerlogen kurz zu skizzieren.

Diese zerfallen in erster Linie in zwei Hauptrichtungen:

  1. Die “blauen” oder Johannislogen, welche nur drei Grade kennen.
  2. Die “roten” oder Hochgradlogen, welche in mehr als drei Graden arbeiten.

Die unter 1 genannten Logen zerfallen wieder unter sich in “Christliche” und “Humanitäre”. Die Christlichen stehen, wie schon der Name sagt, streng auf dem Boden des Christentums und ihr Ritual basiert auf biblischen Sagen und Erzählungen. Die “humanitären” Logen haben zwar in der Hauptsache dieselben Grundlagen und Erklärungen für ihr Ritual, nehmen aber auch Andersdenkende (Israeliten p.p.) auf. Beide Richtungen stehen aber auf dem Boden des Dualismus und Theismus.

Die roten oder Hochgradlogen teilen sich in verschiedene einzelne Riten, die ihre Herkunft teils auf den Tempelritter-Orden, teils auf morgenländische Geheimbünde usw. zurückführen und in 4, 7, 33 ja sogar in 96 Graden arbeiten.

Außer diesen Spaltungen, die teilweise sogar unter sich gegenseitig “anerkennenden” Verbänden jeden engeren Verkehr ausschließen, besteht eine weitere Trennung zwischen den sich gegenseitig anerkennenden und den von diesen “nicht anerkannten” Logen und Riten. Die ganze Freimaurerei stellt keineswegs die einheitliche Vereinigung dar, welche der Laie in ihr vermutet. Darin aber sind sich wohl fast alle einig, dass sie dem Theismus und Dualismus d.h. dem Glauben an die Existenz des persönlichen Gottes und der unsterblichen Seele huldigen und dadurch unterscheiden sie sich alle durch eine Tiefe, vorläufig und auf absehbare Zeiten unüberbrückbare Kluft von unserem, auf wissenschaftlicher Weltanschauung beruhenden Freimaurerbund.

Unser Bund soll sich unabhängig und auf eigenen Füßen stehend weiter entwickeln wie er sich gegründet und bisher entwickelt hat. Die Mithilfe jedes ehrenhaften Mannes ist uns dabei erwünscht, welcher auf einem ähnlichen Boden allgemeiner Weltanschauung steht und seine Kräfte unseren idealen Bestrebungen widmen will. Wer nur persönliche, finanzielle Vorteile in unserem Bund sucht, bleibe demselben lieber fern, denn er wird doch nicht auf seine Rechnung kommen, sondern bald wieder abfallen.

Wer aber ein offenes Auge hat, für die Mängel unserer Zeit und an ihrer Besserung mitarbeiten will, wer an dem vergleichenden Studium anderer Religionen teilnehmen möchte, um sich ein freieres Urteil und einen weiteren Blick über Religionsfragen zu verschaffen, wer sich in die Wunder und Schönheiten der Natur vertiefen möchte, wie sie uns der Forschergeist der Wissenschaft täglich offenbart, wer seinen und seiner Mitmenschen Geist veredeln, seinen und ihren Horizont erweitern, sein und ihr Herz für alles Schöne, Gute und Wahre öffnen will, der klopfe an unsere Türe und

“Wer da klopfet, dem wird aufgetan!”

Die Kosten sollen in mäßigen Grenzen gehalten werden. Ein eigenes Bundes-Organ “Sonnenstrahlen” vermittelt den Verkehr der Br. und Logen untereinander.

Es bestehen z.Zt. Bundeslogen oder sind in Bildung begriffen in fast allen größeren Städten Deutschlands sowie in Ungarn und in der Schweiz. Konsulate Einzelbrüder und Vertrauensmänner hat der Bund in Österreich, Ungarn, in der Schweiz, in Italien, den deutschen Kolonien Afrikas, sowie in Transvaal, Ägypten, Nord- und Südamerika. So ist begründet Hoffnung vorhanden, dass wir bald in allen Kulturstaaten der Erde vertreten sein werden.

Persönliches Fazit zu den Worten

Natürlich sind einige der Punkte sehr radikal beschrieben, aber durchaus für den ein oder anderen auch noch heute so gültig. Hier kommen Diskussionen in den sozialen Netzwerken auf, was regulär und was irregulär ist und sicher sind viele dieser Punkte Anlässe, warum dem Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne in der Zeit seines Bestehens (1907-1933) die Regularität von den anderen deutschen Großlogen verwehrt wurde.

Die Idee, eine einheitliche Freimaurerei zu schaffen, welche losgelöst von den Dogmen der Religion ist, ist sicherlich auch in der heutigen Zeit immer noch sehr ansprechend für den ein oder anderen Suchenden und ebenso Bruder. Ich jedenfalls setze mich weiterhin für eine Freimaurerei ein, die nicht nur über Toleranz redet, sondern sie auch lebt.

Noch ein bildlicher Eindruck…zusammen mit Prof. Dr. Rüdiger Templin, Großmeister der VGLvD. Danke Oliver…

ReneSchon_RüdigerTemplin_QCAT48_Hannover_copyright_freimaurerTV

von Oliver Barckhan, http://www.freimaurer-in-360-grad.de

„Wer keine Angst vorm Teufel hat – Braucht auch keinen Gott“ – Der Atheist

Ich stelle in letzter Zeit eine immer wiederkehrende Diskussion in den sozialen Netzwerken fest. Dabei kommt es vor, dass sich selbst Brüder Freimaurer mit ihren Kommentaren und Aussagen oft gegenseitig verletzen oder anzweifeln, wer denn „regulär“ ist und wer nicht.

Die Diskussion geht um die Frage: Können Atheisten Freimaurer sein?

Ich möchte gerne die Antwort vorwegnehmen: Ja, können sie und auch sehr gute, denn ich durfte einige der Brüder auch kennenlernen oder/und bin mit ihnen befreundet. Und warum sollte ein Bruder, der Atheist ist, auch ein „schlechterer“ oder gar „irregulärer“ Bruder sein?

Die Alten Pflichten als Grundlage

In den alten Pflichten von Anderson heißt es:

„Von Gott und der Religion: Der Maurer ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetz zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein Atheist aus Einfalt noch ein religionsfeindlicher Wüstling sein. Aber obgleich in alten Zeiten die Maurer verpflichtet waren, in jedem Lande von der jeweiligen Religion des Landes oder der Nation zu sein, so hält man doch jetzt für ratsam, sie bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen, das heißt, sie sollen gute und wahrhafte Männer sein, Männer von Ehre und Rechtschaffenheit, durch was für Sekten und Glaubensmeinungen sie auch sonst sich unterscheiden mögen. Hierdurch wird die Maurerei ein Mittelpunkt der Vereinigung und ein Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welche sonst in ständiger Entfernung voneinander hätten bleiben müssen.“

Hieraus entnehmen wir klar, dass Freimaurerei keine Religion ist, noch eine Festlegung auf eine besondere Religion fordert. Es legt aber auch klar fest, dass es um Wahrhaftigkeit, Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft geht. Also immer noch nichts, was einen Atheisten nun ausschließen würde. Und wenn wir uns den Satz „Atheist aus Einfalt“ betrachten, schließt auch dies keinen Atheisten aus, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag. Denn der heutige Atheist hat sich sicherlich bewusst für diesen Schritt entschieden. Im Zeitalter der Wissenschaft und Aufklärung ist die Religion von diesen Bewegungen verdrängt worden. So auch in der modernen Freimaurerei mit seinen diversen Reform-Großlogen im frühen 20. Jahrhundert (z.B. F.z.a.S, oder Zur Sonne). Hier wurden die Dogmen der Religionen ausgeschlossen und verdrängt.

Religion in der alle Menschen übereinstimmen

Anderson sagt auch, dass der Freimaurer zu der Religion verpflichtet sei, in der alle Menschen übereinstimmen, nämlich der Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft. Und dies ohne einen Verweis auf eine Konfession. Somit kann auch der Atheist ein vollwertiger Bruder sein. Gerade deshalb ist es heutzutage mehr als unangebracht ihn als „irregulär“ zu betrachten. Denn würde man der Argumentation dieser Brüder Glauben schenken (Zitat: „steht ja so bei Anderson, kein Atheist aus Einfalt“), so müsste man im Umkehrschluss ebenso sagen, dass es sich bei diesen Brüdern ebenso um irreguläre Brüder handelt, da sie sich ja an einer Religion, oder an einer Glaubensrichtung ausrichten. Und wiederum zu beweisen, dass dies die Religion ist, in der alle Menschen gleich sind, scheint eher unmöglich.

Daher scheint ein gegenseitiger Fingerzeig ebenso unangebracht wie eine andauernde Diskussion über die „wahre Freimaurerei“. Diese hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Aber es hat immer Brüder gegeben, die sich für die 5 Säulen der Freimaurerei eingesetzt haben. Den Kern der Freimaurerei machen Gleichheit, Toleranz, Freiheit, Humanität und Brüderlichkeit aus. Und auch hier kann man schnell erkennen, dass keine Religion im Spiel ist.

Warum also sollte ein Bruder, der bekennender Atheist ist und sich zu den 5 Grundsätzen der Maurer bekennt kein regulärer Bruder sein? Ich kann dies nicht erkennen. Er lebt nach den Grundlagen und achtet diese. Daher für mich ein Bruder wie jeder andere.

Baumeister für Atheisten?

Aber stellen wir uns kurz die Frage wie ein Freimaurer, der bekennender Atheist ist, mit dem Symbol des ABAW umgeht. Nun ja, der Baumeister kommt in den meisten Ritualen vor, aber es gibt auch Ausnahmen. In einigen wird das Symbol des ABAW mit keinem Wort mehr erwähnt. Aber das schwächt diese Rituale und die Arbeiten damit keinesfalls ab. Sie sind dennoch gleich tragend. Wenn nun ein Atheist eine christlich geprägte Loge besucht, dann kann er entweder an seiner Toleranz arbeiten und über dieses Sinnbild nachdenken, oder aber er kann auch das Symbol des Baumeisters anderweitig füllen. Ein Bruder, der sich der Wissenschaft verschrieben hat, sagte mir einmal, dass für ihn die Gravitation die treibende Kraft im Universum sei, die alles festhält und kontrolliert. Ein anderer sagte mir, dass für ihn die Liebe und die Liebe zum Mitmenschen das wichtigste und allumfassendste ist. Mancher setze für den ABAW sinnbildlich den jeweiligen Gott aus ihren Konfessionen und Religionen. Ich konnte mich mit den Gedanken und der Begründung aller Brüder anfreunden. Und alles waren reguläre Brüder…

Einheit in der Vielfalt

Unter der VGLvD, der Vereinten Großloge, sind die vielen Ausrichtungen und Ausprägungen der regulären Freimaurerei zusammengefasst. Hier findet sicherlich jeder Bruder oder interessierte Suchende eine passende Bauhütte. Fast wie der sprichwörtliche Deckel den Topf. In wie fern eine solche Institution und Großloge sinnvoll ist, darüber möchte ich nicht urteilen, da dies bereits andere getan haben. Aber es zeigt einen Weg auf, was alles reguläre Freimaurerei ist, dass man sich gegenseitig besuchen und an den Arbeiten teilnehmen kann, dass man auch gemeinsame Ziele hat.

Man sagt ja auch, eine Loge ist eine Gruppierung von Ungleichen. Und so ist es in der nächst höheren Gruppierung auch…Warum sollte eine Großloge hier anders sein. Auch hier haben wir so viele unterschiedliche Brüder. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir uns dies bewusst ausgesucht haben als wir den Schritt gegangen sind und Freimaurer wurden.

Im Ritual hören wir immer, dass wir gemeinsam am Tempel der Humanität arbeiten. Und dann sollten wir mal zuhören und dies auch tun und uns nicht in Netzwerken die Zeit damit vertreiben, am Stein des anderen zu arbeiten und ihm unsere persönliche Sicht der Freimaurerei aufzudrücken. Somit bliebt mir nichts weiter zu sagen, als dass ich gerne meine Zeit mit den Brüdern weiterhin verbringe, die überzeugte Atheisten (mein Bruder Alex) sind, gläubige Menschen wie mein Freund und Bruder Hagen oder auch Menschen, die „nur“ dem christlichen Glauben verbunden sind. Ich sehe alle diese Brüder als gleichberechtigte Freimaurer an und reiche jedem gern die Hand. Auch wenn ich aus einer Reformloge abstamme.

Ich schätze sehr die Zeit mich euch allen. Wenn wir uns treffen, reden und Gedanken austauschen…Eben weil uns ein Gedanke und 5 Werte und Normen miteinander verbinden…ein Hoch auf uns!

…und bewährt Euch als Freimaurer!

aylan

Geht nun zurück in die Welt, meine Brüder,
und bewährt Euch als Freimaurer!
Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt,
kehrt niemals der Not und dem Elend den
Rücken, seid wachsam auf Euch selbst!

Das Bild des kleinen toten Jungen Aylan aus Syrien ist in den letzten Tagen rund um die Welt gegangen. Das 3-jährige Kind war auf der Flucht vor dem Krieg in seiner Heimat auf dem Weg nach Europa. Leider sind Bilder von Flüchtlingen und Toten schon fast alltäglich geworden. Und leider lassen wir auch zu, dass wir trotz Flotten an Schiffen und Hubschraubern noch immer Flüchtlinge ums Leben kommen. Und gerade die Schwächsten trifft es am meisten.

Wenn Empathie eine der Meistertugenden ist, dann sollte dieses Bild einem ins Herzen treffen. Ich hoffe, dass es eine Mahnung an uns alle darstellt und dass dieses Kind, stellvertretend für viele andere, nicht umsonst gestorben ist.

Ich habe diesen Blog-Eintrag eröffnet mit den Worten, die jeder Freimaurer kennen sollte. Gerade startet das neue Maurerjahr und ich würde mir wünschen, dass sich der ein oder andere Bruder wieder dieser Worte bewusst wird. Wir haben einen Eid abgelegt, uns für die Humanität einzusetzen und das vor unseren Brüdern in der Loge bezeugt. Nun müssen wir den Worten auch die nötigen Taten folgen lassen.
Uns allen sollte bewusstwerden, wie viel Glück wir haben, dass wir in einem Land geboren wurden, in dem Frieden und Meinungsfreiheit herrscht. Der ein oder andere wird sich sicherlich noch an die Not während der (Nach-)Kriegstage erinnern. Daher sollten wir uns der nötigen Hilfe nicht verschließen.

Humanität sollte nicht nur ein Wort auf dem Papier sein, Humanität soll und muss gelebt werden. Daher würde es mich freuen, wenn es mehr Brüder geben würde, die der Not und dem Elend nicht den Rücken zukehren und sich aktiv engagieren. Tipps und Ansprechpartner findet man in jeder Stadt. Einfach mal auf die Leute zugehen…

Die neue Ausgabe der Humanität – Danke an Hans-Hermann Höhmann

Ich möchte auf diese Art und Weise mich bei meinem Bruder Hans-Hermann Höhmann und seine Erwähnung meines Blogs in der neuesten Ausgabe der Humanität bedanken. In dem Artikel „Freimaurerei im digitalen Zeitalter: Chancen, Gefahren, Herausforderungen“ fand der Redner der GL AFuAM ein paar lobende Worte über diesen Blog und die Mediathek. Ich möchte mich für die neuen Leser bei Hans-Hermann bedanken und hiermit alle auf dieser Seite willkommen heißen.

In den kommenden Wochen werden wieder neue digitalisierte Dokumente des F.z.a.S dazukommen (Sonnenstrahlen und das neue Freimaurertum von 1926, 1929, 1930). Zukünftig sollen auch noch Vorträge und Gedanken von Fremdautoren mit auf dieser Plattform einfließen. Etwas Geduld bitte…

Die Optik der Webseite wurde aktualisiert und neugestaltet. Dies soll vor allem dem Lesern mit Kontrastschwäche helfen, da die vormals graue Schrift für einige Leser nicht so leicht zu lesen war. Ich hoffe es geht nun deutlich besser.

Auf ein neues Maurerjahr….euer René

Gedanken über den Meistergrad- Teil 2: Auf gute Freunde

Noch vor ein paar Tagen hatte ich einen Artikel über den Meistergrad geschrieben und einen Aufruf gestartet, bewusster zu Leben. Und schon kann dies näher sein als man denkt.

Letzte Woche bin ich von einem Kundentermin nach Hause gefahren, als ich in der Nähe von Halle an der Saale, geblendet von der Abendsonne, in ein Stauende fuhr. Leider ist dabei mein Auto völlig beschädigt worden und ich selbst durfte ein paar Stunden im Uni-Klinikum verbringen. Glücklicherweise ist bis auf ein HWS und jede Menge Blech nicht viel gewesen. Trotz der hohen Aufprallgeschwindigkeit ist mir nicht viel passiert. Dies lag allerdings nur an einer glücklichen Kombination von verschieden Umständen. Man sieht förmlich noch die Teile von den Autos wegfliegen und man spürt den Aufprall in allen Körperteilen…wirtschaftlicher Totalschaden.

Als ich dann dort nach meiner Entlassung saß und auf meine Freunde wartete, die bereit waren die 350 km Anfahrt nach Halle und wieder zurück auf sich zu nehmen (Ja, euch meine ich…danke noch einmal dafür), hatte ich ein paar Stunden Zeit, noch einmal über den Sinn des Meistergrades und das Leben selbst nachzudenken. Die Erkenntnis, über sich zu schauen und bewusster das Leben zu gestalten und es aber auch zu LEBEN ist einem noch deutlicher vor Augen, wenn man gerade dem Tod mal kurz in die Augen gesehen hat. Da denkt man ganz plötzlich über all die Dinge nach, die man noch in seinem Leben erreichen will. Einen neuen Fokus zu finden, kann das Resultat so eines Ereignisses sein.

Man wird sich der Kürze der Zeitdauer bewusst, die man auf diesem schönen Planeten hat. Die Zeit, in der man bewusst durch das Leben gehen kann und die Essenz tief in sich aufsaugen kann. Ein Moment des Carpe Diem. Der Mensch ist getrieben von Zeit, Arbeit und Leistung, aber auch seinem privaten Glück. Wir Freimaurer teilen die Stunden des Tages auf und versuchen sie sinnvoll zu nutzen. Das Symbol des 24-zölligen Maßstabes dient uns dazu, dass wir daran erinnert werden, wie der Tag einzuteilen ist. Neben der Arbeit nimmt auch die Familie ein Großteil dieser Zeit in Anspruch. Mit Recht! Sie dient als eine Art Ruhepol in dieser unruhigen Zeit und trägt zum persönlichen Glück bei. Schon der Lehrling erlernt mit dem Bild des Maßstabs, dass er sich den Tag sinnvoll einteilen soll. Früher waren die Definitionen sehr eng:

• sechs Stunden zur Arbeit
• sechs Stunden um Gott zu dienen
• sechs Stunden um einem Bruder oder Freund zu dienen, soweit es in seinen Kräften steht
• sechs Stunden zum Schlafe.

Heutzutage verschwimmen die Grenzen und nicht jeder kommt mit 6 Stunden Schlaf aus. Die Einteilung muss jeder für sich treffen. Sicherlich steht vermehrt die Arbeit im Vordergrund und an der Stelle Gott zu dienen wird eine gewisse Spiritualität oder auch Ruhephase kommen. Und diese kann man eben auch in der Familie finden. Daher muss jeder für sich die Einteilung des Tages selbst finden und die Dinge tun, die er für nötig hält um glücklich zu sein. Und dies kann sich durchaus verschieben, wenn einem bewusst geworden ist, wie wertvoll und leider auch kurz das Leben ist. Sei es durch die Meisterweihe aber auch durch ein Ereignis wie ein Unfall.

Apropos Unfall, mein Abend wurde immerhin gemeinsam mit den besten Freunden abgeschlossen, die man sich wünschen kann. In der Notaufnahme mit Halskrause liegend und dumme Sprüche machend sagte ich, dass es mir nach dem Schock erstmal nach einem schönen kalten Gin & Tonic wäre. Nicht nur, dass diese lieben Menschen ihre Nacht geopfert haben um mich abzuholen, nein, sie stiegen aus dem Auto aus und mixten mir einen leckeren Gin & Tonic noch auf dem Parkplatz des Uni-Klinikums von Halle an der Saale. Freundschaft geht doch über alles…und den Gin & Tonic musste ich natürlich auf das Leben trinken.

Daher lehne ich mich nun auch zurück, gönne mir daheim noch ein leckeres Glas dieses Getränkes und trinke auf euch beide und das Leben, welches einfach klasse ist.

Auf euch…K&F