Macht Unwissenheit glücklicher? – Aufklärung 2.0

Die Forderung nach einer neuen Aufklärung wurde in den letzten Tagen immer öfter an mich herangetragen. Sei es per Email, als auch in öffentlichen Foren oder sozialen Netzwerken. Viele Menschen, mit denen ich mich austausche und rede sind der Meinung, dass die Zeit hierfür reif ist. Nein, sie ist sogar nötig! Die immer andauernde Frage nach dem Sinn des Menschen, den Religionen und die offenen Diskussionen über diese, beschäftigten mich nun seit einigen Wochen. Hinzu kommen vor allem die Beschaffenheit und die Gewinnung von Informationen in unserer Gesellschaft.

Informationen können wir in unserem Land viele bekommen, konsumieren und müssten sie auch reflektieren. Die Bewertung der Quellen sollte hierbei nicht vergessen werden.

Wenn wir uns Gedanken machen möchten über einen Weg hin zu einer neuen Aufklärung, somit müssen wir uns vor allem mit zwei wichtige Aspekte auseinandersetzten:

  • den Informationsgehalt, auf den wir unser Wissen, unsere Erkenntnisse und unsere Reflektionen beziehen
  • als auch die Einsicht, dass eine neue Aufklärung, eine Aufklärung 2.0 von Nöten ist

In den kommenden Zeilen möchte ich kurz an das Thema herangehen und mit einem Rückblick an die Aufklärung beginnen.

Einleitung über die Aufklärung

„Der Begriff Aufklärung, auch für das „Aufklären“ von beliebigen Sachverhalten und über beliebige Sachverhalte verwendet, bezeichnet die um das Jahr 1700 einsetzende Entwicklung, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden. Es galt Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen. Seit etwa 1780 bezeichnet der Terminus auch diese geistige und soziale Reformbewegung, ihre Vertreter und das zurückliegende Zeitalter der Aufklärung in der Geschichte Europas und Nordamerikas. Es wird meist auf etwa 1650 bis 1800 datiert.

Als wichtige Kennzeichen der Aufklärung gelten die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, mit der man sich von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen und Ideologien „auch gegen den Widerstand von Tradition und Gewohnheitsrecht“ befreien will. Dazu gehörte im Zeitalter der Aufklärung der Kampf gegen Vorurteile und die Hinwendung zu den Naturwissenschaften, das Plädoyer für religiöse Toleranz und die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte die Aufklärung auf mehr persönliche Handlungsfreiheit (Emanzipation), Bildung, Bürgerrechte, allgemeine Menschenrechte und das Gemeinwohl als Staatspflicht. Insbesondere Olympe de Gouges setzte sich für die Frauenrechte ein und musste das mit dem gewaltsamen Tod bezahlen. Condorcet wollte das allgemeine Wahlrecht auch den Frauen gewähren.

Viele Vordenker der Aufklärung waren fortschrittsoptimistisch und nahmen an, eine vernunftorientierte Gesellschaft werde die Hauptprobleme menschlichen Zusammenlebens schrittweise lösen. Dazu vertrauten sie auf eine kritische Öffentlichkeit. Kritik an diesem „Vernunftglauben“ entstand seit etwa 1750 unter den Aufklärern selbst, dann im Sturm und Drang und in der Romantik, aber auch im Skeptizismus und dem sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts formierenden politischen Konservatismus.

Aufklärerische Impulse beeinflussten Literatur, Schöne Künste und Politik, etwa die Amerikanische Revolution von 1776 und die Französische Revolution von 1789. Sie trugen zu einem andauernden Rationalisierungsprozess von Politik und Gesellschaft bei, so dass die Aufklärung zu einem Kennzeichen der Moderne wurde.“

(aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung)

Sehr nüchtern wird hier die Entwicklung einer Zeit beschrieben, die uns einen wichtigen Schritt in die Modern bescherte. Die Entwicklung des Menschen aus einer Welt der Dogmen und von einer christlichen Obrigkeit beeinflussten Weltanschauung, hin zu einem freien Willen. Einem „Sapere Aude“, dem Willen und der Kraft selbst denken zu können und dies auch zu wollen.

Die Augen verschließen

Doch blicken wir ein paar Jahrhunderte später zurück auf diese Forderung, so lässt sich feststellen, dass der Mensch doch eher ein „Gewohnheitstier“ ist, bequem geworden ist und eine gewissen Freude hat, sich berauschen zu lassen und nur noch zu konsumieren. Der Mensch macht sich nur allzu gerne selbst zum „Couch-Potato“, zu einem Konsumenten.

Warum sollte man sich auch mit geistiger Arbeit auseinandersetzten (wollen), wenn das „sich berauschen lassen“ doch so viel einfacher sein kann. Konsumieren statt Denken wurde zu einem Sinnbild für unser heutiges Verhalten.

Das Ziel vor Augen

Dabei sollte uns doch immer wieder vor Augen geführt werden, wie sehr die Vordenker der aufklärerischen Gedanken für diese gekämpft haben. Diese Ideen führten zur französischen Revolution und den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (französisch: Liberté, Égalité, Fraternité) und ebenso zu neuen Staatsformen, wie den Vereinigten Staaten von Amerika. Setzt man sich mit der Verfassung der USA auseinander, so finden sich hier bereits direkte Bezüge zu den freimaurerischen Schriften des 17. Jahrhunderts. Nicht umsonst waren etwa 1/3 der unterzeichnenden Männer Freimaurer.

Die Macht des Klerus und den  daraus resultierenden Einschränkungen in der Entwicklung und Forschung haben die Entwicklung der Menschheit um Jahrhunderte blockiert, wenn nicht sogar zurückgeworfen. Vergleicht man das „finstere Mittelalter“, seine Auswirkungen auf die Hygiene und damit auch verbunden Krankheiten, ebenso die Inquisition, welche jede Art von Forschung und Wissenschaft unterdrückt hat, mit den Errungenschaften aus der Zeit der Aufklärung, kann man sehen, wie die Kirchen die Entwicklung verhindert hatten. Dennoch stellten sich Menschen diesem entgegen und führten die Bürgerlichen aus dieser selbstverschuldeten Unwissenheit ins Licht zurück.

Aufruf für eine neue Zeit

Warum sollten wir nun diese Ideen und die Motivation, die diese Menschen bewogen hat ihr Leben zu riskieren, um ihre Visionen öffentlich kund zu tun, nun ausblenden und vergessen? Nur weil uns das Berauschen mehr gefällt und uns das Sofa gefangen hält? Weil die Konsumierung von Informationen und der Zugang zu „Wissen“ heutzutage so leicht geworden ist, wie noch nie zuvor?

Es wäre fatal, wieder in eine Zeit zurückzufallen, in der uns vorgeschrieben wurde, was wir zu denken und zu wissen haben. Was wir aber wissen oder zumindest glauben zu wissen, gilt sinnvoll zu bewerten und daraus zu filtern, was für den einzelnen wichtig ist, was wahre Informationen sind und was eher sog. „alternative Fakten“. Die Schwierigkeit hierbei ist doch zu wissen und zu unterscheiden, woher meine Informationen kommen und wer ein Interesse daran hat, dass ich diese Informationen bekomme und ihnen Glauben schenke.

Teil 1: Informationsgehalt und -Sicherheit

Filterung von Informationen

Unser modernes Zeitalter gibt uns die Möglichkeit massenhaft Nachrichten und Neuigkeiten aus der gesamten Welt zu bekommen. Hinzu kommen noch die freien Möglichkeiten der Informationsbeschaffung aus dem Internet. Rund um die Uhr sind die Meinungen von Journalisten und Reportern abrufbar. Wir haben zudem den Vorteil, dass unsere Möglichkeiten nicht eingeschränkt werden wie in Ländern wie China. Uns scheinen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten offen zu stehen, Informationen abzurufen, unser Wissen weiterzubilden und uns eine Meinung zu einem Sachverhalt zu bilden.

Und genau hier liegt auch das größte Problem dieser Entwicklung.

Freie Meinung & freie Medien

Richtig betrachtet SCHEINT uns eine freie und öffentliche Welt zur Verfügung zu stehen. Aber müssen wir uns nicht die Frage stellen, WER für die Information verantwortlich ist und WAS dieser Urheber erreichen möchte? Stellen wir denn die Nachricht per se in Frage und hinterfragen wir deren Hintergründe und die Motivation hinter ihr?

Oftmals leider nicht ausreichend. Meinungsbildung ist sicherlich die modernste Form von Macht. Betrachten wir hierbei einmal die Liste der mächtigsten Menschen auf unserem Planeten, so werden wir feststellen, dass neben Politikern auch viele Unternehmer in diesem Ranking aufgeführt werden, die einen nicht irrelevanten Einfluss auf Medien oder Informationen haben. Somit müssen wir uns die berechtigte Frage stellen, ob all das, was wir vorgesetzt bekommen, auch den Tatsachen entspricht. Natürlich ist es oftmals schwer dies zu bemerken, zu unterscheiden und zu filtern. Aber wir haben immer noch den eigenen Verstand um es bewusst zu hinterfragen. „Wem nützen welche Informationen“ oder auch „was ist die Absicht hinter dieser Aussage?“.

Spannend ist hierbei die Betrachtung der Zusammensetzung des Rundfunkrats. Dieser ist bei deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das oberste, für die Programmkontrolle zuständige Aufsichtsgremium. Es wird ein Gremium geschaffen, welches die Einhaltung von Gesetzten und Ethik überwachen soll, jedoch die Zusammensetzung dieser Rundfunkräte ist dabei oftmals fragwürdig.

„So liegt der Anteil der Staatsvertreter bei einigen Anstalten bei 50 %; dies wird als beherrschender Einfluss kritisiert. Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass die Konstruktion dann verfassungswidrig ist, wenn ein beherrschender Einfluss von Staatsvertretern auftritt. Auch sind zwar die Kirchen im Rundfunkrat vertreten, jedoch keine Vertreter von Atheisten und Agnostikern.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkrat). Wir müssen somit weiterhin davon ausgehen, dass dem mündigen Bürger automatisch unterstellt wird, dass ein ethisches Verhalten ohne Religion und Kirche nicht möglich sei. Natürlich sind Atheisten oftmals nicht in festen Gruppierungen wie eine Religion zusammengefasst und wenn doch, welche sollte denn die öffentliche Meinung für all diese Gruppen vertreten? Einen Vertreter zu suchen und zu stellen ist wohl eine der größten Herausforderungen.

Hinzu kommt noch die mögliche Einflussnahme durch die kirchlichen Vertreter, welche durchaus ihre Position nutzen könnten, um Meinungen zu schaffen und zu platzieren. Vielleicht können hierbei auch die Nachrichten beeinflusst werden und z.B. eine negative Berichtserstattung über Kindesmissbrauch in der Kirche verhindert werden.

Dennoch bleibt die Frage ( und damit verbunden eine indirekte Unterstellung?) offen, warum „nur religiöse Menschen“ eine ethische Meinung haben können und diese auch vertreten dürfen. Aber wenn wir den Bogen zur Aufklärung schaffen, so müssen wir doch eines feststellen, nämlich dass dies nicht der Fall sein muss. Der Mensch hat ethische Werte und eine Moral auch ohne jeglichen Einfluss einer Religion. Sie ist nicht notwendig, um einen ethisch denkenden Menschen, mit Werten und Moral zu schaffen.

Viel schlimmer müssen wir aber den Anteil der Staatsvertreter werten. Generell sollte der staatliche Einfluss im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unterbunden werden. Keine partei-politische Werbung oder Einflussnahme stattfinden. Es gilt, eine neutrale Möglichkeit zu schaffen, um den Bürger und interessierten Menschen mit den gewünschten Informationen zu Versorgen. Wenn dies eine wahre Absicht wäre, so müsste man über die Zusammensetzung der Rundfunkräte noch einmal nachdenken und Reformen anstreben.

In diesem Zusammenhang sollte ebenso nachgedacht werden über die oftmals zu häufig wiederkehrenden Diskussionsgruppen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Natürlich muss es im Sinne einer modernen Informationskultur sein, aktuelle Themen und Beiträge journalistisch aufzuarbeiten, aber dabei immer mehr Vertretern diverser Parteien eine Plattform zu bieten, halte ich für fraglich. Die Zunahme dieser Anhäufungen gerade vor einer Wahlperiode möchte ich kritisieren. Zurückblickend auf die letzte Bundestagswahl muss man sagen, dass gerade Parteien wie die AfD mit der nötigen Provokation in der Öffentlichkeit (entrüstetes Abbrechen von Diskussionsrunden einiger Vertreter/innen) eine zu große Präsenz in den Medien bekommen haben.

Neue Wege der Meinungsbildung

Natürlich suchen sich Regierungen wie die in Deutschland neue Wege, um die Regularien in den öffentlich- rechtlichen Medien zu umgehen. So wurde unlängst ein eigener YouTube Kanal geschaffen um „Nachrichten der Regierung“ zu verbreiten. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung betreibt gleich mehrere Kanäle zu unterschiedlichen Themen (https://www.youtube.com/user/bundesregierung/channels). Nun sei es einmal dahingestellt, in wie fern dies nicht nur wieder eine gefilterte Meinung einer Partei (oder wie in diesem Fall einer Koalition) ist. Aber nicht genug mit der Schaffung eines eigenen Kanals, dieser muss natürlich auch noch in den sozialen Netzwerken publik gemacht werden, ich möchte sogar schon von „promotet“ sprechen (https://www.facebook.com/Bundesregierung/). Mag der ein oder andere nun anmerken, dass sich die Anzahl der Abrufe noch in Grenzen hält, so muss man dennoch berechtigter Weise die Frage stellen, WO hier eine sinnvolle Abgrenzung gemacht wird in Bezug auf die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung des einzelnen Bürgers. Jan Böhmermann machte dies unlängst in seiner Sendung Neo Royal zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=853w0xpumTs. Natürlich sei der Einwand berechtigt, dass man hierüber durchaus auch Neuwähler erreichen kann, jedoch bleibt die Frage offen, WO die Grenze gezogen werden muss.

Betrachten wir hinzukommend die oft verfolgte öffentliche Diskussion in der Schweiz über die Abschaffung der staatlichen Rundfunkgebühr Billag. Hier wurde eine Initiative gestartet, um diese Gebühr und somit die Finanzierung des schweizer öffentlich-rechtlichen Fernsehens abzuschaffen. Da diese Kosten deutlich höher sind als die GEZ Gebühren, war anfangs eine breite Zustimmung garantiert. Jedoch kippte diese Stimmung im Laufe der Diskussion und Information an den Bürger. Es wurde schnell bewusst, was es heißen würde eine staatliche Kontrolle aufzugeben und die Finanzierung in die Hände privatwirtschaftlicher Interessen zu stellen. Die Aufgabe der „Unabhängigkeit der Medien“ wurde postuliert und schlussendlich ist die Abschaffung der Billag Gebühr verhindert worden. Eine scheinbar „gefühlte Neutralität“ der öffentlich-rechtlichen Medien ist beibehalten worden.

Wenn wir den Blick weglenken von den öffentlich-rechtlichen Medien zu den Privaten, so stellen wir eine deutliche Zunahme dieses Bereiches der Informationsbeschaffung fest. Wurde vor knapp 20 Jahren noch der erste private Sender RTL wegen ihres Erscheinungsbildes belächelt, so war dennoch diese Entwicklung nicht mehr zu bremsen. Eine Masse an neuen Fernsehsendern überflutet das Land und sogar die Welt. Weit über 1000 Sender können empfangen und konsumiert werden. Leider hat hier jede Nische ihre eigenen Möglichkeiten. Vom Nachrichtensender über Bibel, Informationen zu Sex und dann weiter zu den HomeshoppingSendern. Jeder, der es sich leisten kann, kann hier einen Kanal bekommen. Dazu kommen natürlich noch die bereits erwähnten Möglichkeiten über Internet-TV und Kanälen. Der öffentlichen Verbreitung von Informationen werden keine Grenzen mehr gesetzt.

Meinung bilden und schaffen

In der Forbes Liste der mächtigsten Menschen der Welt finden wir daher nicht nur Politiker auf den vordersten Plätzen wieder, sondern zunehmend CEOs, die große Unternehmen leiten, welche nüchtern betrachtet mit den Informationen der Menschen handeln, welche sie nutzen. Jeff Bezos (CEO Amazon), Mark Zuckerberg (CEO Facebook) und Larry Page (CEO google) sind nur einige der Namen, die man hier nennen kann. Doch diese Liste ist deutlich länger.

Einige von diesen Personen haben auch eigene (Fernseh-) Sender oder auch Zeitungen und können somit Meinungen gestalten. Eine Meinung zu schaffen und verbreiten zu können, ist das mächtigste Werkzeug was man haben kann. Dem Verfasser eine Nachricht oder eines Textes muss sich darüber klar sein, welche Wirkung er erzielen kann. Er kann Menschen erreichen, fesseln und eben dazu bringen, eine Meinung oder auch ein Vorurteil zu haben. Gerade im Sommer 2016 wurde mit dem Flüchtlingsstrom die Stimmungsmache in den öffentlichen Medien und Netzwerken von rechten Gruppierungen genutzt um gezielt falsche Informationen über die Flüchtlingspolitik zu verbreiten.

Der gläserne Mensch

Machen wir uns nichts vor: wir bekommen das, was wir lesen wollen und vor allem bezahlen wollen. Oder was andere Firmen für unsere Daten zahlen.

Denken wir doch an den jüngsten Skandal um Facebook und Firma Cambridge Analytics. 87 Millionen Benutzerdaten wurden hier abgezogen und illegal verwendet. Natürlich war der Aufschrei groß und jeder gibt sich betroffen. Mark Zuckerberg wurde als CEO vor den Kongress der USA berufen und musste sich dort den Fragen öffentlich stellen. Alternative Fakten werden hier geschaffen und kreiert und entsprechen nicht mal einem Minimum an journalistischer Arbeit. Dass diese Fakten und die persönlichen Daten gezielt zur Manipulation der Bevölkerung eingesetzt werden können, haben die letzten US Wahlen oder auch das Brexit bewiesen.

Natürlich war der Aufschrei groß in den Medien, als vor allem das Ausmaß dieses Skandals bekannt wurde. Aber war uns das nicht schon lange bewusst?  Oder sind die Leute einfach naiv, in der Hoffnung „wird schon nichts passieren“? Menschen nutzen diese Medien und stellen Bilder, Information und vor allem Persönliches auf eine öffentliche Plattform, die jeder einsehen kann und dabei machen sich die wenigsten Gedanken über die Sicherheit ihrer Daten und die Tragweite der Informationen. Bilder von Kindern, privaten Termine und Ereignisse, aber auch persönliche Meinungen und Aussagen werden öffentlich und ohne großes Nachdenken eingestellt und geteilt. Die einfache Anwendung dieser sozialen Medien macht es leicht, ein Bild oder einen Sachverhalt einer breiteten Masse mitzuteilen. Wir werden hier selbst und unbewusst zu den eigenen Reportern über unser Leben. Wir filtern ungenügend den Informationsgehalt von gelesenen und verbreiteten Inhalten und setzen auf eine gefühlte Sicherheit.

Oft hört man „Was wollen die Konzerne denn mit meinen Daten? Ich bin doch nur ein kleiner Bürger/eine kleine Bürgerin. Das bringt denen doch nichts“ und genau hier liegt der Fehler im Denken! Die Daten einer einzelnen Person mögen auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, aber die Daten vieler Personen, wie beispielsweise im aktuellen Facebook Skandal sind dann sehr bedeutend. Aus ihnen können Tendenzen, Meinungen und Trends bestimmt werden, die dann auch gezielt manipuliert werden können.

Persönliche Daten, die daraus resultierende Informationsgewinnung ist der Markt, der Firmen wie Facebook groß werden lässt. Und gerade dessen müssen wir uns bewusstwerden, wenn wir freizügig mit unseren persönlichen Daten, unseren Vorlieben und vor allem mit dem Privatleben hausieren gehen. Niemand käme auf die Idee derart Persönliches auf einer Werbefläche an einer öffentlichen Straße zu präsentieren. Aber gerade das machen wir zunehmend, weil es zu unbequem ist, sich mit Filter- und Datenschutzmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Was sind die Interessen?

Natürlich muss ich abschließend sagen, dass weder die öffentlich-rechtlichen, noch die privaten Sender und Zeitungen frei von einer NEUTRALEN Meinungsbildung sind. Sie stehen unter einem privat-wirtschaftlichen oder auch nur wirtschaftlichen Druck bis hin zu den Interessen ihrer Besitzer/Eigentümer.

Selbst „unabhängige Zeitungen“ haben eine Ausrichtung innerhalb der politischen Wiese. Natürlich wird auch hier ein gewisser Lobbyismus getrieben, der sich auch in barer Münze auszahlen lässt. Unterstützungen bei den Kosten zum Betreiben einer Zeitung waren schon immer gern gesehen und sei es nur durch die gezielte Schaltung von Werbung.

Gefiltert werden Informationen zur Verfügung gestellt und der gläserne Konsument wird mit dem „informiert“, was vorher festgelegt und an andere Unternehmen verkauft wurde. Es wird gezielt Werbung auf unsere Interessen geschaltet und wir können uns kaum schützen vor der Auswertung unserer persönlichen Daten und Interessen.

Teil 2: Macht Unwissenheit glücklicher?

Was wir im ersten Teil der Betrachtung erarbeite haben ist die Unsicherheit, die wir haben, wenn wir externe Informationen und Nachrichten erhalten und aufnehmen. Wenn wir wiederum etwas selbst erfahren, etwas selbst erleben, so können wir aus erster Hand das Geschehen beurteilen und diese Informationen teilen. Wiederum sei dabei aber angemerkt, dass eine persönliche Wahrnehmungimmer auch subjektiv ist. Wie ich persönlich etwas erlebe, kann sich durchaus von dem Erlebten meines Mitmenschen unterscheiden, obwohl wir beide vor Ort waren und sogar den gleichen Fall beschreiben. Eindeutig wären hierbei nur die fixen, unveränderlichen Tastsachen wie Tag, Uhrzeit, Ort, Anzahl Betroffener, also den faktischen Hergang. Die Stimmung, die dabei resultierte, das Empfinden und die persönliche Einschätzung können sich jedoch stark unterscheiden. Was für den einen ein schönes Erlebnis ist, kann für sein Gegenüber schon unerträglich sein. Ein einfaches Beispiel wäre die Fahrt mit einer Achterbahn. Die eine teilnehmende Person würde vor Freude begeistert schreien, während eine weitere vor Angst ebenso schreien würde.

Vom Bewusst-Sein

Betrachten wir die bereits erwähnte Personengruppe, die zunehmend nur konsumiert und nicht reflektiert, so muss man sich wahrlich die berechtigte Frage stellen, ob diese Menschen unglücklicher sind, als all die anderen, die sich mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinandersetzten.

Was macht das Bewusst-Sein aus?

„Bewusstsein ist nach Edmund Husserl immer Bewusstsein von etwas. Diese Bestimmung hat dieser von Franz Brentano übernommen. Dies bedeutet, dass Bewusstsein nicht leer ist, sondern konstitutiv einen Inhalt benötigt, was bedeutet, dass es kein leeres Bewusstsein geben kann. Reflexion ist das Selbstbetrachten des Bewusstseins. So kann ich mich als Lesenden selbst betrachten, ich kann aber auch nur lesen und bei diesem Lesen ohne ein besonderes Bewusstsein von diesem Lesen sein. Sartre geht in seiner Einleitung davon aus, dass wir nur Reflexion, das heißt, Bewusstsein von unserem Bewusstsein haben können, wenn es eine Struktur gibt, die er als präreflexives cogito bezeichnet, als nicht setzendes Bewusstsein. […]

Wenn ich zähle, so kann ich einfach nur zählen, ohne mir darüber bewusst zu sein, dass ich zähle. Werde ich aber gefragt, was ich da mache, so werde ich antworten: „Zählen!“. Sartre geht nun davon aus, dass ich also schon bevor ich mir dieses reflexiv zum Bewusstsein bringe, schon ein Bewusstsein von der Sache haben muss, welches er als präreflexives cogito bezeichnet. Ein unbewusstes Bewusstsein hält Sartre für logisch widersinnig.“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Sein_und_das_Nichts)

Würden wir das so eng sehen, dann würde unser „Sofaheld“ (oder auch Couch Potato) bewusst etwas konsumieren. Die Person hat ja schließlich den Fernseher, den Rechner um ins Internet zu kommen oder wie auch immer, bewusst angeschaltet, um sich Informationen zu beschaffen. Wiederum ist das richtig, nur haben wir immer noch die offene Diskrepanz, welche Informationen konsumiert werden und wie richtig diese sind.

Nun bietet durchaus die modernen Kommunikationsmittel verschiedene Möglichkeiten, sich mit den gewünschten Informationen zu versorgen. Oder eben auch die Möglichkeit, sich nur ablenken zu lassen.

Konsumieren kontra Reflektieren

Leider bietet die breite Masse an Fernsehsendern keine Programme an, welche dazu dienen könnten, den menschlichen Geist zu beschäftigen oder noch dazu einlädt, das Gesehene zu reflektieren. Nur all zu oft geben sich die Menschen der „Beschallung und Berauschung“ hin. Nachdenken ist nach einem anstrengenden Tag eher selten gewünscht. Leichte Kost für den Kopf steht da hoch im Kurs. Leider wissen dies auch die Sendeanstalten und servieren es der kaufkräftigen Klientel.

Was uns wiederum zu der Frage bringt, ob die absichtliche Beschallung mit eher sinnlosen Informationen und Sendungen zielführend ist oder sogar den Menschen an sich glücklicher macht. Wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, unserem Kopf und Verstand eine Pause zu gönnen und diese dann mit leichter Kost zu füllen, mag das durchaus nicht verwerflich sein. Es dient dem Menschen eher den Kopf frei zu machen, als ihn mit weiteren Themen zu füllen, die eine Reflektion nötig machen.

Was aber, wenn wir darüber nicht nachdenken und nur noch unbewusst konsumieren? Ist das Leben dieser Menschen „ärmer“ als das derer Menschen, die sich genau ihre Sendungen und Informationen aussuchen und gezielt auswählen, was sie konsumieren wollen? Dies würde aber auch voraussetzen, dass sich diese Menschen absolut nicht im klaren sind, was ansprechende und geistig anregende Arbeit eigentlich bedeutet. Oder sich sogar bewusst für das „Nichtwissen“ entscheiden, weil es sich weniger stresst, aufregt und weniger Ängste verbreitet? Wer sich nicht belastet ist am Ende evtl. glücklicher, weil er alles Negative ausblenden kann, dank „Harz4-TV“? Eine spannende These.

Diese Menschen leben scheinbar im Ungewissen, was ihre geistigen Fähigkeiten und Kapazitäten angeht. Das setzt jedoch auch ein gewisses Bildungsniveau voraus, damit man sich seiner Lage im Klaren ist. Bildung und Wissen ist eine Grundvoraussetzung, damit man Informationen unterscheiden und bewerten kann. Zudem kommt eben noch das Hinterfragen hinzu, WO die Informationen herkommen und wie verlässlich ihr Wert ist. Wenn man dies alles lässt, also weder bewertet noch hinterfragt, muss das Leben nicht leerer sein, als das eines Menschen mit offenem Verstand. Es ist einfach anders und eine andere Art des Seins.

Suchen wir uns jedoch gezielt und völlig bewusst Informationen, Nachrichten und Sendungen aus, so beginnt nach dem Konsum auch die Reflektion. Die Verarbeitung des Inhaltes und daraus resultierend die eigene geistige Arbeit und mögliche Rückschlüsse für einen selbst. Den Verstand einschalten und die eigenen Möglichkeiten nutzen und nicht verschwenden.

Alternative Fakten

Setzen wir uns mit der Bewertung der Nachrichten auseinander, so kommen wir wieder zurück auf die bereits erwähnten „Alternativen Fakten“. Wir müssen die Informationen nicht nur aufnehmen, sondern auch auf den „Wert“ des Inhaltes prüfen und bewerten. Jede Tatsache glauben, die einem vorgesetzt wird, kann nicht vereinbar sein mit einem offenen Geist. Oftmals muss man hinterfragen: Wem nützen diese Nachrichten und die damit verbundenen Aussagen?

Hier muss man auch klar die Selbstreflektion der Journalisten in Frage stellen. Wurde von dieser stelle ebenso nötig hinterfragt, oder wurde hier nur eine Stimmung schnellstmöglich verbreitet? „Mehr Unterscheidung zwischen Information und Wissen, Fakten und Zusammenhang. Letztlich also: etwas mehr Vertrauen in die Urteilskraft der meisten Menschen, etwas mehr Glauben an die Aufklärung.“ (aus: https://www.zeit.de/2015/32/verschwoerungstheorien-information-chemtrails-reichsbuerger/seite-3)

Journalismus sollte eine notwendige Recherche vorausgehen und eine Abwägung der Interessengruppen jener, die Informationen verbreiten wollen. Schnell grenzt dies an die bloße „Meinungsmache“ und grenzt sich damit stark von einer wirklichen Aufarbeitung eines Ereignisses ab. Natürlich ist diese schnelle Verbreitung von Nachrichten auch den Sozialen Netzwerken und „Social Medias“ geschuldet. Wer zu lange recherchiert, hat keine Neuigkeiten mehr zu präsentieren. Damit wird es für Journalisten schwieriger, qualitativ hochwertige Nachrichten zu erarbeiten, da ein hoher Zeitdruck und die gewachsene Anzahl von Hobbyjournalisten das nicht mehr ermöglichen.

Es lässt sich also sagen, dass zum einen der Konsument mehr auf die Informationen, deren Quellen und deren Bezug achten muss, als auch auf die Urheber der Nachrichten und dessen Absichten. Gerade die letztere Gruppe sollte sich der Verantwortung bewusst sein, die sie mit der Vervielfältigung ihrer Worte hat.

Wissen ist Macht, doch macht nichts wissen nichts?

Moderne Formen der Aufklärung

Was aber tun, wenn wir der Meinung sind, dass ein „vorbeten der Obrigkeit“ und blindes Vertrauen in die moderne Nachrichtenwelt nicht ausreicht, um sich eine objektive Meinung zu bilden. An den Orten des Geschehens können wir ja nicht immer sein, um selbst zu urteilen/beurteilen. Wir sind angewiesen auf Journalisten vor Ort und dessen Informationsbeschaffung. Wir sind angewiesen auf Menschen, die die Verbreitung von falschen Aussagen öffentlich anprangern. Denken wir zurück an die ausgeschlachteten Nachrichten der AfD, die oftmals Partei Polemik verbreiten, ohne die Informationen vorab zu prüfen. Selbst in einigen Länder Europas wird die Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt (siehe: https://www.welt.de/politik/ausland/article175788755/Besonders-in-Europa-ist-die-Pressefreiheit-in-Gefahr.html). Gerade die Einmischung von Regierungen in Ost-Europa in den unabhängigen Journalismus von Zeitungen und Sendern lässt mich an der Ehrlichkeit der Nachrichten stark zweifeln. Wir können auch beispielhaft in Länder wie der Türkei blicken, wo Pressefreiheit schon seit der Machtergreifung Erdogans ein Fremdwort ist. Von der Trennung von Staat und Religion ganz zu schweigen. Aber auch in vermeintlich offenen Ländern wie den USA wird die Nachrichten- und Pressewelt von Geld und Interessen, den Lobbyisten regiert. Dem Konsumenten werden auf ihn geschneiderte „News“ präsentiert, unterbrochen von Schlagzeilen und Krisen. Die Rate an Berichten über schreckliche Ereignisse, Mord und Todschlag ist deutlich höher als in jedem anderen westlichen Land. Die Schaffung eines Angstgefühls macht sich hier breit.

Leider können wir gerade dies zunehmend auch in Deutschland feststellen. Nachrichten werden ohne Überprüfung schnellstmöglich vorbereitet und sollte es sich doch um Fehlinformationen gehandelt haben, wird kleinlaut zurückgerudert. Es ist immer wieder spannend zu sehen, mit welchen Nachrichten das sog. Sommerloch gefüllt wird. Kennen wir das nicht alle, dass etwas hoch aufgebaut wird und dann plötzlich niemand mehr darüber redet?

Wie also können wir noch garantieren, dass die Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, auch der Wahrheit entspricht? Wie können wir verhindern, dass wir nicht über moderne Medien manipuliert werden und Meinung gebildet wird? Leider nur schwer, denn die Frage nach dem „wem wir trauen können“ müssen wir uns zuerst stellen.

Wir müssen wieder lernen, uns mit uns selbst und unserem Verstand auseinanderzusetzten. Wir müssen lernen zu hinterfragen und neu zu bewerten. Und genau hier finden wir den Bogen zurück zur Aufklärung. Immanuel Kant nannte 1784 selbst das Motto dieser Bewegung: Sapere Aude, also: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“. Die Nutzung der Möglichkeiten und der Kapazitäten des menschlichen Verstandes muss wieder in den Vordergrund rücken und vor dem „stupiden konsumieren“ stehen. Einfach mitdenken!

Aufklärung 2.0 und Fazit

Das Zeitalter der Aufklärung für beendet zu erklären, zeugt von zu viele Vertrauen in die Menschheit. Wer den Sinn erkannt hat wird auch einsehen, dass die Aufklärung zwar vor über 200 Jahren begonnen hat, aber ein immer andauernder Prozess sein muss.

Neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Technik, Entdeckungen in der Natur und der unaufhaltbare Forscherdrang des Menschen zeigen den Willen auf, die Welt um uns besser verstehen zu wollen. Zu Hinterfragen und Antworten zu suchen auf die offenen Fragen, auf das; wo kommen wir her und auf das wo gehen wir hin (oder wo könnte es hingehen).

Daher stimmt die bereits erwähnte Idee des Philosophen und Existenzialisten Jean-Paul Sarte: „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich macht.“ Wir alleine müssen die Bedeutung, den Sinn für unser eigenes Leben für uns schaffen. Existieren heißt, sein eigenes Leben zu schaffen und daran auch kontinuierlich zu arbeiten. Den Verstand zu nutzen und Wissen zu konsumieren. Denn dies wiederum bedeutet einen Vorsprung im Denken und Handeln. Somit, um den Kreis zu schließen, ist Wissen eben doch Macht.

Sapere Aude!


Ein philosophisches Essay von R. Schon

Oktober 2018

 

4 Gedanken zu “Macht Unwissenheit glücklicher? – Aufklärung 2.0

  1. Peter Stumpe

    Hallo lieber Rene Schon,
    danke für Deinen Essay.Unnötig zu sagen, dass ich Dir im großen und ganzen zustimme,Du kennst meine Positionsbestimmung.
    Lass mich – statt einer Kommentierung – zwei für mich wichtige Zitate ergänzend übermitteln.
    1.Dorinda Outram in „The Enlightment“,1995:
    „Aufklärung war der Wunsch danach, dass menschliche Angelegenheiten von der Vernunft geleitet werden, anstatt durch Religion, Aberglauben oder Offenbarung und der Glaube an die Kraft der Vernunft ,die Gesellschaft zu verändern und das Individuum von den Fesseln der Tradition oder der willkürlichen Autorität zu befreien.All dies gestützt durch die Weltanschauung, die zunehmend durch die Wissenschaft anstatt durch Religion oder Tradition validiert wird.“
    Das gilt unverändert.
    2.Jürgen Kaube, FAZ, 7.Februar 2015:
    „Im privaten Bereich blüht der Glaube an merkwürdigste Heilmethoden, an den Haaren herbeigezogene und dieselben sträubende Deutungsmuster .. dann reicht auch eine Handvoll Fehlmeldungen aus, um durch Ausgriffe ins Generelle von Mächten des Bösen, von Lügenpresse,Klassenjustiz oder Medizin, die krank macht, zu sprechen …die Aufklärung darf sich nicht für durchgesetzt halten. (sic!) Sie muss Dummheit als eine eigene Qualität der Moderne erkennen. Und sie sollte, in den Schulen und Hochschulen,unnachgiebig darauf setzen, das Erkennen von Irrtümern, die Resistenz gegenüber Phrasen und das Gefühl für die Grenzen des Behauptbaren zu vermitteln.“
    Auch dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Mit Gruß aus Bonn
    Peter Stumpe

  2. Wolf

    Macht Unwissenheit glücklicher?
    —————————————-

    Macht Unwissenheit glücklicher als Wissenheit? Klare Antwort: Nein.

  3. Pingback: SoundOffice Lesestube – SoundOffice-PolitBlog

  4. Lieber Rene Schon,
    Danke für den Gedankenanstoß, dem hoffentlich viele Leser folgen und der für mich Anlaß ist, sich mit Deinen Ausführungen auseinander zu setzen.
    Gegenfrage: Macht Wissen glücklich?
    Ich verstehe Aufklärung als ein Instrument, das Menschen dazu bringen kann, die Welt besser zu verstehen und Zusammenhänge zu begreifen .
    Dieses Begreifen der Welt kann ihn in die Lage versetzen, seine eigene Position in dieser Welt zu erkennen und sein Handeln so auszurichten, dass er sich dieser erkannten Position sinngerecht anpassen und damit erfolgreich agieren kann.
    Vor der Aufklärung waren Menschen unwissend, d. h. sie konnten Zusammenhänge, mangels erforderlichen Wissens weder erkennen, noch begreifen.
    Die Menschen waren auf die Aussagen von „angeblich Wissenden“ angewiesen, die ihnen die Welt einschließlich der ihnen zugedachten Positionen erklärten.
    Das waren die „Religionsfunktionäre“, deren Weltbilder so gestaltet waren und sind, dass Menschen zu einem ganz bestimmten Verhalten geführt wurden und bis heute werden, das den Vorstellungen und Vorgaben der „Religionsfunktionäre“ entsprach und sich keinerlei Verantwortung für das eigene Schicksal daraus ergab – es war gottgewollt.
    Bei Befolgung wurde den Menschen ein Versprechen gegeben, das ihnen nach dem körperlichen Ende ewige Seligkeit zusichert, bei Nichtbefolgen ewige Verdammnis androhte.
    Selbst der zweifelnde, aber unwissende, Mensch konnte und kann nie ganz ausschließen, ob die „Religionsfunktionäre“ nicht vielleicht doch recht hatten oder haben.
    Die Menschen beugten sich, weil die „Wissenden“ mehr als sie selbst wußten und die Wahrscheinlichkeit, dass deren Aussagen zutreffen von den „Unwissenden“ nicht widerlegt werden konnten.
    Erst durch die Aufklärung wurden Fakten vorgelegt.
    Die Schöpfung wurde naturwissenschaftlich erklärt und mit Untersuchungsergebnissen der Forschung belegt.
    Im Gegensatz zu den Glaubenssätzen, die nichts anderes als gut gemeinte Meinungen und in ihren Aussagen ein für allemal festgelegt waren, lässt Wissenschaft ihre Ergebnisse und Erkenntnisse für neues, besseres und weitergehendes Wissen offen.
    Religion fordert „nur zu glauben“ und alles Weitere Gott, bzw. den Göttern, zu überlassen.
    Aufklärung fordert die gewonnenen Erkenntnisse ständig zu hinterfragen, zu prüfen um zu immer umfangreicheren Wissen zu gelangen.
    Das verlangt nach einer anderen Qualität des Denkens:
    Nicht das Übernehmen einer von > einer Autorität festgelegten Meinung <, sondern das Prüfen von vorliegenden Fakten auf ihren Wahrheitsgehalt um sich aus den Ergebnissen dieses Nachprüfens selbst eine Meinung über eine Sache zu bilden.
    Die Konsequenz daraus ist die Eigenverantwortung für das Leben, weil jeder Einzelne über die Maßstäbe, die sein Leben prägen, selbst entscheiden kann.
    Positive, wie negative Ergebnisse sind das Resultat eigenverantwortlichen Handelns.
    Scheitern ist nichts "gottgewolltes" sondern die Folge persönlichen agierens.
    Krankheiten und Tod sind keine "Gottesstrafen", sondern biologische Ereignisse mit Ursache und Wirkung.
    Über diese Erkenntnis, als Folge der Aufklärung, verfügen – leider – nicht alle Menschen.
    Das ist der Grund, weshalb bis heute fremdes Denken das Leben der Menschen bestimmt.
    Es werden – nach wie vor – fremde MEINUNGEN übernommen und wie eigene Meinungen behandelt.
    Informationen werden nicht auf ihren Wahrheitsgehalt, ja oft noch nicht einmal auf ihre Wahrscheinlichkeitsmöglichkeit, geprüft, so dass größter Unsinn sich, dank moderner Medien,weltweit verbreitet und ungeprüft übernommen wird.
    So wie vor dem Beginn der Aufklärung leben Menschen dadurch in einer Schein- und Märchenwelt, die mit ihrer täglichen Realität wenig zu tun hat.
    Mir scheint, die Menschen vor der Aufklärung konnten ihr Leben nur deshalb ertragen, weil sie in sich die Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod hofften – alte Kirchenlieder drücken dies sehr gut aus.
    Unaufgeklärte Menschen heute ertragen offenbar ihr Leben nur noch mit Hilfe von Illusionen, die ihnen Fernsehen, Kino und Internet liefern – wirklich glücklich waren sie früher genau so wenig, wie sie es offensichtlich heute immer noch nicht sind.
    Gibt es eine Lösung aus diesem Dilemma?
    Ich denke, wenn es gelingt Menschen vom Elternhaus angefangen, über Kindergarten, Schule und Ausbildung immer wieder zum Nachdenken, zum Fragen stellen, und zu eigenen Entscheidungen fällen zu erziehen, dann passiert das, was Aufklärung ist und fordert:
    Sapere Aude : Den Mut haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

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