Zensur und Moralismus – Gedanken zur Meinungsfreiheit

“Wenn die Meinungsfreiheit weggenommen wird, könnten wir stumm und still wie Schafe zum Schlachter geführt werden.”
“Wenn die Meinungsfreiheit weggenommen wird, könnten wir stumm und still wie Schafe zum Schlachter geführt werden.”

Ist es euch auch schon mal passiert, dass ein Kommentar oder eine Meinung in einem Forum zensiert wurden? Dass Meinungen vorgefiltert werden, entsprechend der Richtung in die es gehen soll?

Ich selbst stelle immer wieder fest, dass es auch gerade in Freimaurergruppen, sei es in Facebook, Mailinglisten oder auch in Foren immer wieder zu einer Zensur kommt. Gerade die Administratoren zensieren und filtern sehr präzise vor. Eine gewisse Art von Moralismus und Meinungsbildung lässt sich hier erkennen. Ich selbst stelle mir allerdings die Frage warum das so sein muss. Ein Freimaurer müsste doch in der Lage sein, die Meinungen der anderen Personen zu akzeptieren. Gerade auch in einer Loge pflegen die Brüder untereinander ein sogenanntes brüderliches Gespräch. Wenn über ein Thema gesprochen wird, so moderiert ein Bruder diesen Meinungsaustausch und jeweils nur ein Bruder hat exklusiv die Redezeit. Man lässt sich ausreden und wertet die Meinung des anderen nicht. Die Meinung steht im Raum und wird nicht bewertet. Sollte sich einmal ein Bruder irren, so wird er sicher im Laufe des Gespräches selbst auf seinen Fehler kommen. Soweit das Ideal. Da es auch in den Logen immer wieder „menschelt“, wird der Moderator des Gespräches das ein oder andere Mal, gerade bei hitzigen Themen, eingreifen müssen.

Das kann ein Administrator in einem Forum ja auch tun und seine Möglichkeiten nutzen, um das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema zu lenken. Aber Brüder aus Plattformen zu schmeißen, weil die einem unangenehm sind, oder ihre Meinungen nicht zulassen und zu zensieren, halte ich für den falschen Weg. Meinungen zulassen, auch wenn man sie selbst nicht teilt oder unangenehm sind, das ist die hohe Kunst der Gesprächsführung. Auch ich lerne hier immer wieder gern dazu und arbeite an meinem rauen Stein. Einen Bruder aber zu zensieren oder ihn öffentlich in solchen Plattformen zu deformieren ist der falsche Schritt.

Grade im Hinblick auf die aktuelle Situation in Paris im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Satire Magazin „Charlie Hebdo“ bei dem 12 Personen getötet wurden, darf man nie vergessen, um was es hier geht. Es geht um das Recht seine Meinung frei zu äußern und damit auch anzustoßen. Das Recht auf Meinungsfreiheit ist schon im Artikel 5 des Grundgesetztes geregelt, denn dort heißt es: „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Viele Menschen sind für dieses Recht vor Jahren und Jahrhunderten auf die Straße gegangen und haben dies hart erkämpft. Daher müssen wir gerade auf dieses Recht besonders achten und es nicht vergessen. Auch die Brüder Freimaurer pflegen seit knapp 300 Jahren dieses Recht in ihren Logen (also noch lange bevor es ein allgemeines Recht wurde) und das auch standesübergreifend. Hier konnte ein Bauer durchaus mit einem Adligen offen sprechen.

Warum also sollen wir als Freimaurer uns denn gegenseitig zensieren und Meinungen löschen? Warum die Meinung nicht gelten lassen und ein offenes und ehrliches Gespräch führen? George Washington, selbst Freimaurer sagte einst:

“Wenn die Meinungsfreiheit weggenommen wird, könnten wir stumm und still wie Schafe zum Schlachter geführt werden.”

Ich selbst setzte mich weiterhin für eine offene Meinungsfreiheit ein und unterstütze gerade hier jede Form. Daher wird es auch auf meiner Seite und den Seiten für die ich schreibe keine Art der Zensur und Moralisierung geben. Ich fordere eher dazu auf, das schwierigste zu machen, was es in diesem Zusammenhang gibt: eine EIGENE Meinung bilden. Eine eigene Meinung haben und diese zu festigen, dazu gehört ein freier Wille und ein offener Geist…und dieses spreche ich jedem zu (oder man kann es zumindest lernen)…

In diesem Sinne wünsche ich ein gutes neues Jahr…schöne Gespräche, neue Gedanken und viel Meinungsaustausch, denn genau davon lebt eine Loge.

4 Gedanken zu “Zensur und Moralismus – Gedanken zur Meinungsfreiheit

  1. Pingback: Zensur und Moralismus – Gedanken zur Meinungsfreiheit | Masoneria357

  2. Schneider

    Sehr schön.Jedoch es wird immer wieder ein Zensor geben.Eigentlich ist das wohl auf den Miko(Minderwertigkeitskomplexe)zurückzuführen.

  3. Hallo René!

    Danke für Deine Gedanken! Seit knapp anderthalb Jahren folge ich nun schon Deinen Blog. Nicht mit allem, was Du bisher geschrieben hast, stimmte ich innerlich überein. Aber viele wertvolle Anstöße habe ich von Dir trotzdem erhalten. Es ist bereichernd, Deinen Blog zu lesen!

    Was Deinen Beitrag zur „Meinungsfreiheit vs. Zensur“ angeht, bin ich voll auf Deiner Linie, was die Verpflichtung eines Freimaurers angeht, mit der Meinung anderer umzugehen. Wer sich, wie das Freimaurertum, die „Toleranz“ so sehr auf die Fahnen schreibt, muss den offenen Diskurs ertragen können und auch fördern. Ich denke, dass man von einem Freimaurer eine überdurchschnittlich große Leidensfähigkeit verlangen kann und muss, was das Stehen-Lassen-Können anderer Meinungen und Standpunkte angeht.

    Und genauso wie Du sehe ich, welchen Preis die Errungenschaft der Meinungsfreiheit im Laufe der Geschichte gekostet hat. Wieviel Blut dafür vergossen worden ist. Und ich sehe auch, wie sehr uns die Menschen darum beneiden, die dieses Recht nicht für sich in Anspruch nehmen dürfen. Wir als Demokraten sind verpflichten, dieses Gut zu pflegen und achtsam damit umzugehen.

    Trotzdem handelt es sich bei der Meinungsfreiheit um ein Menschen- bzw. Grundrecht und um kein Dogma. Und wie jedes andere individuelle Menschenrecht auch, befindet sich dieses in einem Spannungsverhältnis zwischen der eigenen Freiheit, die es garantiert, und der Freiheit des anderen. Und daher hat dieses Recht dort seine Grenzen, wo es die Freiheit des anderen in einer nicht mehr vertretbaren Weise beeinträchtigt.

    Daher ist es ab einem bestimmten Punkt, meiner Meinung nach, legitim oder sogar notwendig, das Recht der Meinungsfreiheit einzuschränken. So zum Beispiel, wenn dieses Recht genutzt wird, um jemanden zu entwürdigen. Oder wenn dieses Recht genutzt wird, Unwahrheiten zu verbreiten, die geeignet sind, einen erheblichen Schaden anzurichten (Stichwort „Ausschwitz-Lüge“ z.B.).

    Und auch im Diskurs unter den Brüdern entbindet uns dieses Recht nicht davon, die Formen zu wahren und vorsätzliche Beleidigungen etc. zu verzichten.

    Daher von mir ein klares „Ja! Aber…“ zu Deinem Beitrag. 😉

    Lieben brüderlichen Gruß!

    Hagen

    1. Lieber Hagen,
      vielen Dank für deinen netten Kommentar. Es freut mich zu lesen, dass du nicht allem zustimmst (was sehr gut ist, denn eine eigene Meinung zu bilden und zu haben zeichnet einen freien Menschen aus) und dass es dich bereichert.
      Natürlich stimme ich dir zu, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, wann immer die Freiheit eines anderen geschnitten wird. Was als Entwürdigung empfunden wird, das liegt leider oft im Auge des Betrachters und so müssen sich unabhängige Menschen damit beschäftigen. Aber Lügen um zu schaden darf man nicht tolerieren. Hier endet auch meine Toleranz.
      Es freut mich, dass du ein „ja, aber…“ für dich gefunden hast. Viel Spaß weiterhin.

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