Gedanken zur Demut

Wenn man ein Amt im Beamtenrat einer Loge einnimmt, hört man öfters von älteren Brüdern die Worte „du musst demütig sein“. Da ich immer der Meinung war, dass Demut nicht prinzipiell zu meinen Stärken gehört, habe ich mich etwas mehr mit dem Sinn und der Tiefe dieser Worte befasst.

Ich habe mich daher etwas mit der Bedeutung von Demut beschäftigt. „Der Ausdruck Demut kommt von althochdeutsch diomuoti (‚dienstwillig‘, also eigentlich ‚Gesinnung eines Dienenden‘)“ sagt mir Wikipedia. Stimmt soweit ja alles. Der Bruder, der eine Stelle im Beamtenrat einnehmen möchte, muss dienstwillig sein. Je nach Position bringt dieses Amt doch einen gewissen Zeitaufwand mit sich. Also dient der Bruder seiner Loge und der Verwaltung seiner Loge. Er hat eben dann diese „Gesinnung eines Dienenden“ und bringt seine private Zeit in einem gewissen Maß für seine Brüder mit ein und entlastet diese und den Meister vom Stuhl. Also muss ich meine Ansicht doch etwas revidieren und zugeben, dass ich doch demütig bin. Ich nehme gerne die Zeit für meine Loge auf mich und helfe mit, sie zu gestalten und meine Brüder zu entlasten.

Liest man bei Wikipedia etwas weiter, so findet man dort: „Der Demütige erkennt und akzeptiert aus freien Stücken, dass es etwas für ihn Unerreichbares, Höheres gibt.“ Was aber kann mir das für ein Amt und auch für mich als Freimaurer sagen?

Ich denke, dass wir ein Amt mit der nötigen Würde und dem nötigen Engagement ausführen können. Ich betrachte dies jedoch nicht als ein Streben nach etwas Höherem und Unerreichbaren. Denn ich meine, dass jeder Bruder die Pflichten und Aufgaben eines Amtes ausüben kann und dies eben nichts Unerreichbares darstellt. Die Umsetzung der Aufgaben erfolgt dann mit mehr oder weniger Einsatz, was durchaus dem Umfeld des Bruders (sei es Beruf, Familie, private Aufgaben) geschuldet sein kann. Aber die Aufgaben des jeweiligen Amtes sinnvoll umzusetzen kann jeder Bruder erreichen.

Auch etwas „Höheres“ sehe ich nicht. Ein Amt innerhalb einer Loge anzunehmen ist und darf nicht das Streben nach etwas Höherem sein. Kein Bruder ist dem anderen in der Kette der Brüderlichkeit höher gestellt, nur weil er ein Amt innehat. Die Brüder Beamte werden lediglich von der Bruderschaft bestimmt, die Belange der Loge im Namen aller Brüder zu lenken. Sie werden aber nicht den restlichen Brüdern übergestellt. Eine gewisse Ausnahme bildet sicherlich der Meister vom Stuhl, der durch den Willen seiner Brüder in den Osten gesetzt wurde. Er soll die Loge führen und leiten. Ganz wie ein Vorsitzender eines Vereins, was eine Loge im Vereinsrecht ja auch darstellt. Sicherlich hat der hammerführende Bruder in schweren Zeiten und bei Entscheidungen einen gewissen Status, der ihn höher stellt. Aber eben nicht als Mensch und Bruder, sondern in der Funktion, die er ausübt. Ein guter Meister zeichnet sich eben durch die Erfahrung und das nötige Maß an Besonnenheit aus und stellt sich nicht über seine Brüder. Er lenkt aber die Loge.

Ich muss daher sagen, dass ich rückblickend auf die Äußerungen einiger Brüder doch zugeben muss, dass ich demütig bin. Ich setze mich für meine Loge mit meiner Arbeitskraft und Zeit ein, wo ich kann. Ich bin also dienstwillig. Und das aus freien Stücken heraus und nicht nach dem Streben eine Beamtenstelle zu besetzen. Dieses Streben nach Ämtern und sich selbst zu profilieren lehne ich konsequent ab. Die Freimaurerei ist kein Ersatz für eine verpasste berufliche Karriere und darf es auch nicht werden. Hier gilt es nicht „nach oben zu kommen“ und eine Karriere nach vorn zu treiben. Menschen und Brüder die so etwas anstreben und daran denken, sollten sich immer vor Augen führen, dass sich ein Amt seinen Träger sucht und nicht umgekehrt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Beamten für das nicht mehr ganz neue Maurerjahr einen Hang zur Demut.

Anbei noch der Link zum Wiki Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Demut

 

3 Gedanken zu “Gedanken zur Demut

  1. Andreas Hornig

    In den Religionswissenschaften wird die Demut als erste der Himmlischen Tugenden genannt. Historisch galt sie ferner als bedeutsame Rittertugend, wobei sowohl beim Mönch als auch beim Ritter die Demut gepaart ist mit der Haltung des Dienens.
    Für mich ist Demut heute die Geisteshaltung, die entsteht aus der Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit und der Begrenztheit und relativen Unbedeutung des eigenen Seins. Der Demütige darf nicht verwechselt werden mit dem Unterwürfigen. Denn Demut ist eine Tugend der freiwilligen Selbstbeschränkung in erster Linie um seiner Selbst willen. Ich meine deshalb, dass gerade die Demut auch heute ( ganz aktuell ) eines jeden Freimaurers Natur sein sollte als Eigenschaft eines angenehmeren Menschen.

  2. Pingback: Gedanken zur Demut | Masoneria357

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