Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerische Verhaltensweisen

Am 06. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Der Themenraster wurde von Br.: Helmut Reinalter entwickelt, der auch im Anschluss an die Präsentation seines im Salier-Verlag erschienenen Buches über „ Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete.

In Vorbereitung wurden die Teilnehmer gebeten, sich zu den vorgegebenen Themen Gedanken zu machen. Diese möchte ich mit euch in den kommenden Wochen gern teilen:

Freimaurerische Zukunftsgespräche: Freimaurerische Verhaltensweise

Hören und Zuhören

Sollten wir die Arbeit an uns und somit am rauen Stein ernst nehmen, würden wir die Ideale, mit denen wir uns umgeben, auch nach außen portieren. Ein brüderlicher/schwesterlicher Umgang in der profanen Welt, würde den Umgang untereinander verbessern. Die Menschen würden die Meinungen ihrer Mitmenschen tolerieren und respektieren. Sich ausreden lassen und sich gegenseitig zuhören. Doch selbst in der kleinsten homogenen Gruppe, einer Partnerschaft stellt sich das oftmals als Problem heraus. Menschen verlernen miteinander zu sprechen und vor allem sich zuzuhören, ohne zu werten. Verletzungen sind oftmals die Folge.

Nehmen wir uns den Umgang in einem brüderlichen Gespräch als Grundlage, so sollte einem offenen und sich bereichernden Austausch nichts im Wege stehen. Solch ein Gespräch und die Art und Weise des Zuhörens, können im privaten Umfeld eine Bereicherung darstellen, ebenso im beruflichen Umfeld von Vorteil sein. Das „Zuhören“ wird in unserer von Zeitdruck und Hektik geprägten Gesellschaft oftmals vernachlässigt. Es gilt eher, seine eigene Meinung und seinen Willen durchzusetzen und das „sich zurücknehmen“ wird vermehrt in den Hintergrund gedrängt. In dieser schnellen Zeit einmal die Geschwindigkeit rausnehmen, kann nur von Vorteil sein.

Der Freimaurer, der sich auf diese Tugenden besinnt, kann auch als Mediator eintreten, falls es zu Konflikten kommt. Er sollte die teilnehmenden Parteien führen können, so dass ein Austausch stattfinden kann. Hier geht es ums Hören und Zuhören.

Urteilen und Ver-Urteilen

Doch leider scheint es gerade in der letzten Zeit, dass wir zuhören und objektiv urteilen verlernt haben. Werfen wir einen Blick auf die tagesaktuellen Brennpunkte, wie die Vorkommnisse in Chemnitz, oder den Stimmenzuwachs von radikalen Parteien am Ende des Spektrums, so stellen wir fest, dass die sogenannten Wutbürger oftmals über einen Kamm mit den rechten Gruppierungen geschert (werden) und somit direkt in die Arme der radikalen Parteien getrieben werden. Wir müssen jedoch die Meinungen trennen, diese separiert betrachten und dann urteilen. Zuhören und daraus lernen. Diese Eigenschaft, welche uns als Freimaurer auszeichnen sollte, wäre eine erstrebenswerte Verhaltensweise. Das objektive Urteilen über und nicht Ver-urteilen von Meinungen, gerade auch in der profanen Welt, würde uns als Gesellschaft weiterbringen.

Toleranz und Freiheit

Toleranz zu Leben ist eines der schwierigsten Dinge, die man als Mensch machen kann. Die Werte der Toleranz unterliegen dem Wandel der Zeit und stellen zugleich eine feste Säule im selbigen Wandel dar. Jedoch gibt es deutliche Grenzen der Toleranz, die es auch gilt zu vertreten. Blicken wir um uns, so stellen wir vermehrt den Fremdenhass und neu auflodernde Gedanken einer dunklen Zeit fest. Hier müssen wir uns klar positionieren, damit wir für die Ideale der Freiheit, Gleichheit und der Mitmenschlichkeit einstehen. So etwas darf nicht toleriert werden. „Wehret dem Unrecht, wo immer ihr es seht“.

Freiheit auszuleben, ist eines der höchsten Güter des Menschen. Sie zu verteidigen gilt es, wo immer wir es können. Allein die Meinungsfreiheit dürfen wir nie verlieren, denn nur sie alleine kann uns zu einem konstruktiven Meinungsaustausch ohne Vor-Verurteilung führen. Nur so können die Worte des Gegenübers vernommen werden und darauf aufbauend ein Austausch beginnen.

Die Gleichheit

Leider ist eine Gleichstellung von Mann und Frau in unserer Gesellschaft noch immer nicht so weit fortgeschritten, wie sie sein sollte. Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts haben Bücher von Simone de Beauvoir den Feminismus begründet. Wenn wir diesen Wert der Freimaurerei auch wirklich ausleben würden, so dürften hier keine Grenzen zwischen den Geschlechtern gemacht werden, noch Genderisierung betrieben werden. Wir sollten hier als Vorbilder dienen und diesen unsäglichen Streit über die Regularität der Schwestern endlich beenden.

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