Vom Angekommen sein…

Vor kurzem habe ich in einem sozialen Netzwerk eine Nachricht von einer Freundin erhalten, welche ich seit Jahren weder gesehen noch gesprochen hatte. Wir tauschten uns kurz darüber aus, wie unser Leben in den letzten Jahren so verlaufen ist. Sie ist inzwischen Motivationstrainerin und fand es schön, wie ich „angekommen“ bin.

Über diese Worte habe ich noch tagelang immer wieder nachgedacht. Gerade der Begriff des „angekommen seins“ fand ich doch eher ein paar weitere Gedanken wert. Kann ein Freimaurer denn ankommen und wenn, ja wo?

Privat ankommen

Natürlich kann man im privaten Rahmen und Umfeld ankommen. Man hat sich einen festen und sicheren Job gesucht, hat einen festen sozialen Umkreis und Freundeskreis, hat ggf. eine Familie gegründet. Dies alles spricht für einen gewissen Grad des angekommen seins. Gesellschaftlich etabliert, wie man so schön sagt. Und das ist wiederum auch die Voraussetzung für einen Menschen, der Freimaurer werden möchte. Er muss ein „freier Mann von guten Ruf sein“. Er (oder eben gern auch Sie) sollten fest im Leben stehen und eine gefestigte Meinung haben, aber auch gern mit einem freien Geist. So bringt es leider nichts, wenn jemand Mitglied in einer Loge werden möchte und ein Teil seiner Familie (im schlimmsten Fall die Partnerin/der Partner) etwas gegen den Beitritt zum Bund der Freimaurer hat. Ich spreche hier aus Erfahrung, dass sich das neue Mitglied dann schlussendlich doch für Harmonie in der Partnerschaft entscheiden wird. Hat der Interessent jedoch ein gefestigtes Umfeld, so sind die Voraussetzungen für einen möglichen Beitritt hoch.

Arbeit am rauen Stein

Aber betrachten wir nun den Freimaurer selbst. Kann er denn „angekommen sein“? Um es gleich vorweg zu nehmen: ich denke nein. Denn selbst der gute Meister ist ein noch besserer, wenn er erkennt, dass die Zeit, in der er an sich arbeitet und sich verbessern kann, nie vorbei sein wird. Somit wird der Meister auch immer ein ewiger Lehrling bleiben. Die größten Meister sind diejenigen, die nie aufhören Schüler zu sein. Wissensdurst und der Drang zur Vervollkommnung des eigenen Ichs darf für einen Freimaurer kein Ende haben. Hier wird der Maurer also nicht ankommen, sondern immer wieder Ecken und Kanten an sich selbst finden, die es gilt behauen zu werden. Im Laufe der Zeit kann man also auch an einem fast fertigen Stein wieder neue Ecken finden.

Ewiger Osten

Natürlich kommt für jeden Menschen der Zeitpunkt, da er das letzte große Geheimnis der Menschheit lüftet. Was passiert mit uns nach dem Tode. Nun, der Freimaurer bezeichnet dies als einen Übergang in den „ewigen Osten“. Hier ist dann der Bruder angekommen, denn er legt seine irdischen Werkzeuge aus der Hand und stellt die Arbeit an sich selbst, an seinem rauen Stein, ein. Man kann also ein klein wenig sagen, dass der Freimaurer dann angekommen ist. Was danach kommt, wissen selbst die Klügsten nicht. Das einzige was einem bleibt ist die Hoffnung, dass man sein Leben genutzt hat um Gutes zu tun und es bewusst zu leben. Wenn man dann noch das Glück hatte, sein Wissen und seinen Einfluss an seine Kinder weiterzugeben, ihnen zu vermitteln, wie sehr man das Leben leben sollte, dann kann man sich als „angekommen“ bezeichnen.

Freimaurerei als ethisches Modell

Freimaurerei ist kein Geheimbund oder eine von Verschwörungstheorien getriebene Bruderschaft. Sie ist eine Bruderschaft (und auch Schwesternschaft) welche sich für die Grundsätze der Brüderlichkeit, Toleranz, Humanität, Freiheit und Gleichheit einsetzt und nach ihnen bewusst das Leben ihrer Mitglieder ausrichtet. Sie ist KEINE Religion und darf auch KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Sie ist ein ethischer Bund von Ungleichen. Der Grundsatz dieses Bundes ist das Verständnis der Arbeit am eigenen ich, der Arbeit am rauen Stein. Natürlich hat die Freimaurerei noch eine Vielzahl an Sinnbildern und Symbolen, aber das entscheidendste ist das gemeinsame Verständnis für die Arbeit an sich selbst.

Fazit

Ich denke bezüglich der Arbeit am rauen Stein, am eigenen Ich und vor allem in der Vervollkommnung dessen, sollte man nie angekommen sein. Selbst ich vermesse nicht bei mir festzulegen wann meine Arbeit an meinem eigenen Stein beendet ist und ich mich sinnbildlich in den Tempel der Humanität einbetten kann. Meiner Meinung ist der einzige Stillstand der Tod. Und da werde ich die Arbeiten an mir beendet haben. Ich hoffe nur, dass mein Geist und meine Einstellung in meinem Sohn weiterleben werden.

Die anfangs erwähnte Motivationstrainerin hatte den Spruch „Die größten Meister sind diejenigen, die nie aufhören Schüler zu sein“ auf ihrer eigenen Webseite. Wenn dies so ist, dann sollte man eher nicht ankommen, sondern immer auf der Suche sein. Auf der Suche nach sich selbst.

 

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