Burnout – ein Versagen als Meister? – Ein paar Gedanken

Eigentlich sollte uns Freimaurer der 24-zöllige Maßstab ein Sinnbild sein für die sinnvolle Einteilung der Zeit. Die 24 Stunden des Tages sollten effektiv eingeteilt werden.

6h für die Arbeit, 6h für den Schlaf, 6h um Freunden und den Brüdern zu dienen und soziale Kontakte zu pflegen, sowie 6h für eine gewisse Spiritualität, also geistige Arbeit. Ich hatte mich bereits in einem früheren Blogeintrag damit ausführlich beschäftigt.

Was ist allerdings, wenn dieses Verhältnis ungleich verschoben wurde? Wenn wir einen bestimmten Teil nicht erfüllen und sogar, schlimmstenfalls vernachlässigen? Wenn die Zeiten in einem nicht ausgewogenen Verhältnis verschoben sind? Wenn das Ungleichgewicht gleichwohl erdrückend wirkt und nicht regenerierend?

Ein Versatz der Aufteilung kommt in den meisten Fällen vor. Alleine 6h Arbeit wären schon sehr von Vorteil, allerdings wird dies kaum ein Arbeitgeber umsetzen, zumindest nicht bei Vollzeit. Esoterik und Spiritualität mögen ebenso bei dem Einen oder Anderen weniger stark ausgeprägt sein als die geforderten 6h.

Wenn allerdings die 6h für die Arbeit auf Kosten der sozialen Kontakte leiden, dann kann dies nicht sinnführend sein. Der Lehrling sollte dies bereits lernen und mit dem 24-zölligen Maßstab umzugehen wissen. Der Blick nach innen, auf sich selbst gerichtet, mit der Arbeit am eigenen rauen Stein, sollte das Ziel des Lehrlings sein. Der Geselle und vor allem der Meister sollten dies ebenso beherrschen können und mit der Einteilung ihrer Zeit erfahren sein. Aber hat der Meister dann versagt, wenn er dies nicht kann? Wenn er mit dem Maßstab nicht umgehen kann? Sollte der Meister dann sprichwörtlich „noch einmal über Los ziehen“ (wie es bei Monopoly die Rede ist) und wieder von vorn beginnen?

Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit, scheinen oftmals eine sinnvolle Zeiteinteilung zu sein, ohne dabei zu beachten, wem man mit diesem egoistischen Verhalten eigentlich schadet. Natürlich muss man arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, auch wenn man sie nicht gern macht, aber wenn man die Arbeit allem anderen vorzieht, ist dies eine gefährliche Entwicklung.

Zum einen ist man da selbst das größte Problem. Man steigert sich in die Arbeit hinein und kommt dem Burn-Out sehr nahe, oder hat es bereits, ohne dass man selbst dies merkt. Alleine kommt man dann aus diesem Teufelskreis nicht mehr hinaus. Viel schlimmer ist jedoch, wenn man dabei Menschen verletzt, die einem sehr nahestehen oder die man sehr liebt, denn gerade diese Menschen haben das niemals verdient. Leider überhört man deren Bedürfnisse oder stuft ihr Leid als nicht so gravierend ein.

Dann plötzlich, wird die Reisleine gezogen (sei es, dass der Körper aufgibt, oder dass man von außen darauf angesprochen wird) und man wird sich bewusst, wie groß der Trümmerhaufen ist, den man sich selbst geschaffen hat.

Zeit fälschlicherweise zu viel in Arbeit investiert und/oder dazu noch in diversen Freimaurer Vereinigungen und mehreren Logen aktiv gewesen? Also Zeit investiert in die Bruderkette auf Kosten der Familie? Liebe Brüder und Schwestern, sowas darf und sollte nicht sein. Natürlich mag der ein oder andere nun anmerken, dass auch die Brüder eine Familie sind. Aber die EIGENE Familie zu vernachlässigen ist das Schlimmste, was man tun kann.

Schwerer ist es dann, diesen Missstand einzugestehen und aus der Welt zu schaffen. Das anzugehen erfordert viel Hilfe von außen (alleine um dies einzusehen und sich aus dem Teufelskreis zu befreien) und den Willen / die Kraft für nach Veränderung.

Der Freimaurer sollte in der Lage sein, sich selbst zu reflektieren und seine Fehler zu erkennen. Wenn dies nicht allein geschehen kann, so hat er seine Brüder an der Seite, die ihn sicherlich helfen. Diese können ihm dann auch die brüderliche Hand reichen, um den Bruder wieder zurück auf den rechten Weg zu bringen.

Die Arbeit an einem Selbst steht immer im Vordergrund. Die Ecken und Kanten sind identifiziert worden und können nun angegangen werden. Die Dellen glätten und die Kanten schleifen, denn diese Arbeit sollte auch nach der Zeit als Lehrling nie abgeschlossen sein.

Zurück auf Los also…und dabei sich bewusst werden, dass der Meister auch immer ein Lehrling bleibt. Immer….

4 Gedanken zu “Burnout – ein Versagen als Meister? – Ein paar Gedanken

  1. Thomas Herzberg-Fiedler

    Einen Burnout zu haben oder das die Seele krank ist, hat nichts damit zu tun das man vom rechten weg abgekommen ist. Völlig egal ob Bruder, Schwester… „Normalo“.
    Wir alle sind nur Menschen aus Fleisch und Blut.
    Ich denke auch ein Meister wäscht sich mit Wasser.
    Wenn man aber In einer Bruderschaft zu Hause ist, kann es nicht falsch sein die Hand eines Lehrling oder Gesellen zu ergreifen. Eine Gemeinschaft ist Stark, gemeinsam.
    Viel schwerer ist es eine Kranke Seele zu heilen die keiner Gemeinschaft angehört, vor allen dann wenn die ungerechtigkeiten der anderen einen belasten.
    Man reiche den anderen eine Hand.

  2. Die Zeit mit Weisheit einzuteilen bedeutet, das, was einem zur Verfügung steht, sinnvoll zu nutzen.
    Ob die hier genannten Zeiträume realistisch sind – naja, ich denke, es sind wenige, die diesem Muster folgen können, weil es schon lange unrealistisch ist.
    Nach i.d.R. ca. 8 Std. Arbeit,zzgl. Wegezeiten, sind rasch bis zu 10 Std. bereits „verbraucht“.
    Rechne ich 7-8 Std. Schlaf (um gesund zu bleiben) dazu, bleiben maximal 6 Stunden übrig, die ich selbst gestalten kann.
    Die Familie, insbesondere wenn man Kinder hat, wird dann der Schwerpunkt sein, sind die Kinder aus dem Haus, ist es besonders wichtig die Partnerschaft immer wieder >erneuernd< zu pflegen.
    Dazu gehören natürlich die Freunde und übrigen sozialen Kontakte.
    Banal betrachtet könnte man annehmen, dass für eine weise Einteilung kaum Zeit bleibt.Wer so denkt, hat das mit dem 24zölligen Maßstab vielleicht doch nicht so richtig begriffen.
    Weil, unabhängig von der Dauer des jeweiligen Abschnittres, ist es m. E. wichtig, diese Momente als die wichtigsten zu behandeln.
    Arbeit: Nicht nur anwesend sein, sondern innerlich beteiligt.
    Familie: Kein Versorgungspunkt zum Essen, Schlafen und Fernsehen, sondern die Menschen, die es mir möglich machen für sie da zu sein, in der Partnerschaft als Ehepartner, als Eltern und Freund der Kinder, als der Ruhepunkt und die Kraftquelle, die meine Lebenskraft auftankt und denenb ich gleiches zurückgeben kann.
    Anregungen kann ich mir darüber hinaus von außen holen, über Austausch mit nicht nur Gleichgesinnten, sondern mit allem und allen, die dass Leben bereichern (können), es darf und soll kein Fluchtpunkt sein, um häuslichen Forderungen aus dem Weg zu gehen.
    Mit der "gewissen Spiritualität" habe ich genau die gleichen Probleme wie mit "ein bisschen schwanger". Wenn ich bewusst lebe, esoterisch – also von innen heraus denke und handle – dann führe ich ein spirituelles Leben und mein Geist arbeitet permanent daran und leitet mich entsprechend.
    Das ist es, wonach ich strebe, wenn ich meine Zeit mit Weisheit einteilen will – ab und zu gelingt das tatsächlich, aber ich wünsche mir, dass es mehr werde.

  3. Andrea Steube

    Hallo und einen schönen 1.Advent,
    ich habe Ihren Beitrag gelesen und kann viele Gedanken nachempfinden.
    In erster Linie ist auch ein Meister ein Mensch, der genauso Grundbedürfnisse hat, wie jeder andere Mensch. Dazu gehören neben den Bedürfnissen, Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen, auch soziale Kontakte haben pflegen und das Gefühl, eine Daseinsberechtigung zu haben, geliebt und gebraucht zu werden. Ich selbst leide an PTBS und hatte auch schon Burnout bzw. eine Erschöpfungsdepression. Das kam daher, dass ich mich selbst immer über Leistung definiert habe und dachte, nur wenn ich ein Top Arbeitsergebnis liefere, dann werde ich akzeptiert. Das führte dann dazu, dass ich meine ganze Kraft und Energie auf diesen einen Punkt konzentriert habe. Das führte sogar dazu, dass ich mich selbst vergass. Erst in der Trauma Klinik lernte ich, mich selbst zu schützen und auf mich und meine Umwelt zu achten. Ich habe dadurch wieder gelernt, mich an kleinen Dingen zu erfreuen, dankbar und demütig zu sein. Ich bin dankbar für eine Umarmung meines Mannes, für ein liebes Wort, für ein Kinderlachen. Ich freue mich, wenn ich durch die Natur gehe und einem Kranichzug zuschauen darf…. Es gibt so viele Dinge im Leben, die schön sind und die noch schöner werden, wenn ich sie mit jemandem teilen darf. Ich gehöre keinem Freimaurerbund an. Ich habe aber mal von meiner Großmutter, eine geborene Weißenstein, Bücher geerbt, darunter war ein altes Buch über Freimaurer. Da habe ich mal recherchiert, was Freimaurer sind und wer zu den Gründervätern gehört. Da ist mir der General von Steuben aufgefallen. Zufällig ist mein Ehemann ein Nachkommen dieses Generals. Ich finde sehr viele Ideen und Gedanken sehr nützlich für das Leben und Fortbestehen der Menschheit. Was ich jedoch absolut schade finde, ist die Ausgrenzung von Frauen und die Geheimnisgrämerei dieser Verbindungen. Ich habe in meinem persönlichen Leben gelernt, dass Geheimnisse oft der Menschheit mehr geschadet haben als geholfen. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie wieder Freude empfinden können und einen Weg finden, wie Sie wieder glücklich werden.
    Wenn ich merke, dass die dunklen Wolken über mich herein rechen wollen, dann lese ich ein Buch meines Lieblinsautors Sergio Bambaren. Der träumende Delfin und ein Strand für meine Träume haben mir sehr dabei geholfen, einen anderen Blick auf das bzw. mein Leben zu finden und neue Wege einzuschlagen.
    Lieben Gruß Andrea Steube

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