Rezension von Klaus-Jürgen Grün „Wörter machen Götter“

Als ich die Stellungnahme der Großloge VGLvD zu dem neuen Buch von Br. Klaus-Jürgen gelesen (Stichwort: „Hetzschrift“) hatte und die Diskussionen in den geheimen Gruppen im Netz verfolgte, beschloss ich, mir meine eigene Meinung zu bilden und bestellte mir das Buch.

Zuerst einmal möchte ich folgendes feststellen: Die meisten der Personen und Brüder, welche in den Foren ihre „Meinung zum Besten geben“ haben scheinbar das Buch nicht gelesen und/oder nur ein paar Zeilen wiedergegeben. Zitate wurden hier aus dem Kontext gerissen und Unterstellungen verbreitet, welche es so nicht gegeben hat. Daher möchte ich versuchen eine objektive Buchrezension zu erstellen.

Eine gewisse Ähnlichkeit zum Buch von Richard Dawkins „Der Gotteswahn“ lässt sich sicherlich nicht von der Hand weisen. Ebenso wie Dawkins wird hier versucht der „Gottesbegriff“ genauer zu definieren. Auch unser Br. Klaus-Jürgen nähert sich dem Begriff und erörtert dabei die Zwickmühlen, in denen sich die modernen Religionen befinden. Er versucht den Unterschied zwischen der Großen Landesloge und der humanitären Freimaurerei durch wissenschaftliche Vergleiche und Metaphern zu erklären. Dabei scheut er sich auch nicht, Vergleiche mit Schizophrenie und der blühenden Fantasie einiger Betroffener zu ziehen.

Er bezeichnet die Große Landesloge als eine „christliche Sekte“ und führte auf vielen Seiten eine Begründung für deren Theorie aus, dass die einzig wahre Freimaurerei aus den Lehren Jesu Christi entstanden sei. Dabei scheut er sich nicht eine unbequeme Argumentationskette aufzubauen, welche die Argumente des Ordens ad absurdum führen und auf wissenschaftliche Basis zu wiederlegen. In seinen Zeilen spiegelt sich aber auch die Frustration wieder, die er im Laufe der Jahre von der Großen Landesloge erfahren musste. Die Anfeindungen Seitens des Ordens lassen sich nicht von der Hand weisen, denn schon seit Jahren kämpft Br. Klaus-Jürgen gegen die Meinung, dass die Ordenslehre die einzig wahre Freimaurerei beschreibt, obwohl deren System weltweit kaum verbreitet ist.

Gegen Ende des Buches geht er auf die Geometrie ein, die Zentral in die Lehren der Freimaurer eingeflossen ist und stellt hierbei auch einen Anti-Gottes-Beweis in den Raum:

„Während im Altertum die dogmatische Auffassung von der Ordnung durch Zahl und Maß vorherrschte, nämlich, dass der Welt selbst noch Ordnung, Zahl und Geometrie zeitlich vorhergegangen seien, erinnert die freimaurerische Vorstellung von ordo ob chao an den Selbstorganisationsprozess des Universums. Ordnung ist dabei das Resultat der Entwicklung, nicht ihr Ausgangspunkt. Schon aus diesem Grund steht die Annahme, dass tatsächlich ein Weiser Baumeister die Welt in der ersten Stunde geordnet habe, im Widerspruch zur Ordnung, die das Resultat eines lebendigen Prozesses ist.“

Die beschriebene Arbeit an der Ordnung, am rauen Stein und an uns selbst ist das zentrale Element der humanitären Freimaurerei und eine feste Säule im Tempel der Humanität. „Von einem ordnenden Geist oder Gott ist allerdings in der Freimaurerei nicht die Rede. Ordnung ist das Resultat von Arbeit.“

Gravierend ist sicherlich die Tatsache, dass die Große Landesloge ihre Wurzeln im schwedischen System hat und daher auch die „Alten Pflichten“ von Anderson, als auch die „Basic Principles“ der UGLoE bis zum heutigen Tage ablehnt. Damit hat sie selbst schon den Grundstein für eine Irregularität, als auch für den Zwist unter den Brüdern gesorgt.

Hinzu kommt die Verschwiegenheit (oder besser Heimlichtuerei) rund um die neue Verfassung des Ordens, wenn der Bruder in den 10. und damit höchsten Grad berufen wird. Lt. Informationen, die Br. Klaus-Jürgen vorliegen, scheint diese Verfassung selbst gegen bestehende Gesetze der BRD zu verstoßen. Daher kann man seinen Schritt nachvollziehen, eine Auflösung der VGLvD in der heutigen Form zu fordern.

Natürlich scheint die Forderung nach der Auflösung der VGLvD im ersten Moment etwas extrem klingen, ist aber sicherlich nach der Ausführung der Gründe ein denkbarer Weg. Br. Klaus-Jürgen schließt das Konstrukt einer Vereinten Großloge nicht gänzlich aus, aber in einer neuen, reformierten Form. Dabei sich auf die Grundsätze der Bruderschaft berufend und nicht auf die Lehre Jesu Christi.

Was wiederum außen vorgelassen wurde, ist die Tatsache, dass die Vereinte Großloge von Deutschland eine Schnittmenge verschiedener Auslegungen von Freimaurerei ist und alle reguläre Brüder sind. Wir alle müssen zusammenarbeiten an dem gemeinsamen Ziel und an einer modernen Freimaurerei arbeiten. Einigkeit in der Vielfalt.

Es wäre zu viel und meiner Meinung nach übertrieben, wenn man das Buch von Br. Klaus-Jürgen als Hetzschrift hinstellt. Natürlich ist es sehr kritisch geschrieben, vor allem gegenüber der Großen Landesloge, aber durchweg gut begründet und hergeleitet. Wer die immer andauernden Diskussionen zwischen Brüdern der GLL und den anderen Obödienzen, sowie die Anfeindungen von Seiten des Ordens in den öffentlichen Netzwerken verfolgt, der kann nachvollziehen, was Br. Klaus-Jürgen zu diesem Schritt bewegte.

Kritisch, offen und sehr sachlich geht er an das Thema ran und erarbeitet anhand von Beispielen aus der Wissenschaft, Medizin und der Philosophie seine Theorien und belegt seine Aussagen, wenn auch in Teilen provokant.

Für ein Laien nicht immer einfach zu lesen, aber klar nachzuvollziehen. Daher ein unbedingtes Muss für alle offenen Brüder, die für diese Diskussion sind oder auch für Brüder, die mit dem Thema noch nicht so vertraut sind. Das Buch wird sicherlich den Umgang der Brüder untereinander beeinflussen und nachhaltig ändern.

Zu beziehen beim Salier Verlag unter:

https://salierverlag.de/produkt/woerter-machen-goetter/

8 Gedanken zu “Rezension von Klaus-Jürgen Grün „Wörter machen Götter“

  1. Thomas Preuss

    Eine sehr gelungenen Rezession und sehr hilfreich für Br. die mit der Deutschen FM nicht so sehr vertraut sind und die mit solch komplizierten Situationen sehr wenig Erfahrungen haben bzw solche Diskussionen undenkbar sind.

  2. Peter Stumpe

    Mal wieder gut gesprochen, lieber Brd.: Rene,
    ich habe gegenüber Brd.: Klaus-Jürgen meine Solidarität bekundet, für die er sich auch schon bedankt hat.Er ist – um im Bild der christlichen Bibel zu bleiben – leider (noch ?)ein einsamer Rufer in der Wüste.
    By the way: kann es nicht möglich werden , „dass sich geeignete Brüder in einem Zirkel zusammentun,um eine neue Revolution im freimaurerischen,aufgeklärten Sinn zu organisieren“ wie es Brd.: (Prof.Dr.) Arved Hübler in seinem ganz vorzüglichen Aufsatz „Das Licht der Aufklärung-es flackert“ (Humanität 1/2018) für geradezu zwingend hält ?
    In brdl.: Verbundenheit
    Peter Stumpe
    „Prometheus“ Bonn

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