Freizeit-Toleranz

Kurt Tucholsky sagte einmal:

„Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat!“. Und so unrecht hat er nicht, wie wir gleich feststellen werden.

Es ist immer wieder schön daran erinnert zu werden, dass „Toleranz“ eine der Grundsätze der Freimaurerei sein soll. Wir Brüder sollen tolerant zu anderen Meinungen und Menschen sein. Doch mitunter wird das auf eine sehr harte Probe gestellt.

Mittlerweile sollte es auch jedem bekannt sein, dass ich ein stolzer Freimaurer (oh ja, ich stehe auf unsere Ideale und diese Bruderschaft!) bin und auch bekennender Atheist und Antitheist. Ich sehe hier absolut keinen Widerspruch zu den Anforderungen der Großloge von England mit ihrer Forderung nach einem „supreme beeing“ und auch kann ich ein Ritual emotional erfassen und tragen. Ich sehe in der Natur, sowie ihrer Gesetze das „göttliche“ (wenn ich es einmal so nennen darf) und kann somit die Sinnbilder in einem Ritual für mich füllen…Mutter Natur als großer Baumeister, der sehr schöne Dinge gestaltet hat.

Viele der religiös geprägten Brüder, sehen die Freimaurerei immer noch als eine Art „Ersatzreligion“ an und tragen diese Meinung als die „einzig wahre Form der Freimaurerei“ nach außen. Sie lehnen Schwestern, also Freimaurerinnen als „irregulär“ ab und fordern die Anerkennung „der Lehren Jesu Christi“. Sie berufen sich hierbei auf den christlichen Bezug als Allmächtiger Baumeister.

Spannend hierbei ist nur, dass die Großloge von England (UGLoE) vorgibt, dass Freimaurerei KEINE Religion oder ein Ersatz sein darf (wie schon oft hier besprochen). Vielleicht sollten wir uns wieder vermehrt daranhalten und klar und deutlich machen, dass es KEINE Ersatzreligion ist. Es ist ein ethischer Bund und daran sollten wir uns auch erinnern und Strömungen, die hier klar in einer Religion abgleiten wollen, nicht zu viel Platz und Freiraum geben. Es kann aber eben, wie im Freimaurer Orden üblich, eine Bruderschaft sein, ein Bund, der sich auf ihre christliche Tradition bezieht.

Ich möchte aber NICHT alle diese Brüder über einen Kamm scheren. Ich kenne viele Brüder, die christlich geprägt sind und schätze sie als Brüder sehr. Ihre Ansichten und Ideen bereichern mich und erweitern meine Gedanken. Ich respektiere ihre Meinung und schätze sie sehr (stimmt doch Hagen?) und setze mich dafür ein, dass sie ihre Meinung sagen dürfen. Wenn ich sie auch nicht unbedingt teilen kann, so bereichern sie dennoch meine Sichtweise auf diese Dinge.

Aber leider gibt es hier auch ein paar Ausnahmen, die Toleranz scheinbar nur unter ihren Brüdern oder an den Logenabenden üben und mich (und somit viele meiner weiteren Brüder) als „Nicht-Freimaurer“ bezeichnen.

Mit so einem Bruder habe ich vor kurzem zu tun gehabt, als ich eine sehr überzogene These zu den alten Pflichten von Anderson in einem sozialen Netzwerk veröffentlichte. Hierbei wurde ich konkret von diesem Bruder auf mein Empfinden während des Rituals angesprochen. Ich nahm mir gern die Zeit und beantwortete ihm alle Fragen und lud ihn zudem in meine Loge ein, damit er nachvollziehen kann, dass eine Ritualarbeit auch ohne einen „Gottesbezug“ tragend und stimmungsvoll sein kann.

Was daraufhin folgte schockierte selbst mich. Er antwortete (und ich möchte hier seine Nachricht wiedergeben, Schreibfehler korrigiert. Urheber und Verfasser sind mir bekannt, werden aber nicht genannt)

„Danke für das Angebot, aber danke nein. Vor meiner Aufnahme habe ich mich nicht intensiv mit den Aufnahmekriterien auseinandergesetzt. Nur Andersons Constitutions und die Meinung der englischen Großloge. Von beiden wird Glaube an ein höheres Wesen/Prinzip gefordert. Das war die Grundlage, warum ich mich zum Beitritt entschlossen habe. Hätte ich gewusst, dass auch Atheisten aufgenommen werden, wäre ich heute kein Freimaurer. Das heißt nicht, dass diese Personen nicht nette, soziale, integrere, höfliche, ehrenhafte Männer sind, nur für mich keine Freimaurer. Jeder Schamane, Druide, Muslim, Pantheist steht mir näher. Das ist eben die genannte Gefühls- und spirituelle Ebene. Diese Schlucht kann ich, bei aller Toleranz, nicht überschreiten. Verstandesgemäß ja, emotional nicht.“

Ich muss zugeben, dass mich solche Worte sprachlos machen. Leider ist es nicht das erste Mal, dass hier initiierte Brüder und Atheisten von andersgläubigen Brüdern angegangen wurden. In diversen Foren und Facebook Gruppen kann man nachlesen, wie sehr es hier um die Toleranz bestellt ist. Wer sagt, dass er mit der Meinung von Atheisten (und wir nehmen in diesem Land einen größeren Personenkreis ein, als jede religiöse Einzelgemeinschaft!) in der Freimaurerei nicht leben kann, den möchte ich an den Grundsatz der Toleranz erinnern.

Wir haben innerhalb der Vereinten Großloge von Deutschland die Möglichkeit, dass jeder Interessent an diesem ethischen Bund, sei es ein Atheist oder ein Gläubiger, einen Platz für sich finden kann. Dieses Konstrukt ist einmalig und man sollte die Möglichkeiten nutzen, auch mal über seinen Tellerrand hinauszuschauen und sich somit umzuschauen (wie es schon der Grad des Gesellen fordert!). Es geht hier um Ideale und Ziele die uns verbinden und nicht um religiöse Aspekte, die uns teilen könnten. Wie sollte denn eine Weltbruderkette aussehen, wenn wir es aus persönlichen Empfinden nicht schaffen, uns selbst die Hand zu reichen? Wie sollen wir dann in der Lage sein, einem anderen Menschen die Hand zu reichen um ihm zu helfen? Toleranz untereinander aber auch in die profane Welt hineinreichend, kann kein zeitlich beschränkter Aufruf sein. Das würde uns wiederum zu den bereits diskutierten „Freizeitmaurern“ machen, die auf „Teilzeittoleranz“ laufen. Wenn dies jedoch unsere Ziele sind, dann sollten wir uns besser überlegen, erneut Lehrling zu sein und an uns selbst zu arbeiten. Sollten wir zu der erwähnten Einstellung gelangen, so muss die Arbeit an uns selbst das oberste Ziel sein, bevor wir uns wieder „um uns sehen“. Mit dem Finger urteilend auf einen anderen Bruder zu zeigen ist unangebracht und überheblich.

Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht. (https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz)

Wenn wir uns als Brüder und Schwestern Freimaurer an diese Definition halten, dann müssten wir soweit gereift sein, eben diese fremden Meinungen zuzulassen und gelten zu lassen.

Ich tausche mich gerne mit allen Brüdern aus und spreche offen über meine Ansichten, warum sich Freimaurerei und Atheismus dennoch verträgt, aber ich lasse mich ungern von „Freizeit-toleranten Brüdern“ als Nicht-Freimaurer beleidigen. Das zeigt bei diesen Brüdern eher von einer noch langen Arbeit am eigenen rauen Stein, gerade was die Toleranz angeht….

Interessant ist noch die Tatsache, dass der erwähnte Bruder mit seiner Meinung leider sehr alleine stand und stark im sozialen Netzwerk für seine Äußerung, dass atheistische Brüder „keine Brüder Freimaurer“ sein, stark angegangen wurde. Schlussendlich entschloss er sich, das Forum zu verlassen. Scheinbar waren einige andere Brüder ebenso nicht tolerant, was diese Äußerungen anging.

Wenn wir uns mal an die eigene Nase fassen und über den Sinn der Toleranz nachdenken, so kann dies zu einem neuen und hoffentlich verbesserten Umgang mit- und untereinander führen. Ich selbst übe mich gerade auch hier an meiner Toleranz gegenüber solcher „brüderlicher Anfeindungen“…und haue noch ein paar Ecken ab…und dann gehe ich auf meine Reise von der Intoleranz zur Toleranz!

Epilog:

Nach dem erwähnten Vorfall hatte ich das Bedürfnis, mich mit meinem Bruder Hagen auszutauschen. Hagen hilft mir oft, die Ideen und Ansichten von Brüdern des Ordens mit deren christlicher Prägung zu verstehen. Ich schätze ihn als Bruder sehr und im Laufe des Austausches ist daraus trotz der räumlichen Trennung eine Freundschaft entstanden. Ich erinnere mich noch an ein zufälliges Treffen in einem Fastfood Restaurant in Hamburg…

Hagen ist aktiver Blogger der Webseite https://hagenunterwegs.wordpress.com/ auf der tolle Texte von ihm zu finden sind.

Er hatte sich mit dem Vorfall ebenso beschäftigt und so kamen wir zu dem Entschluss, jeweils einen Text über Toleranz zu verfassen, mit unseren jeweils unterschiedlichen Sichtweisen. Daher möchte ich euch gerne auch seinen Artikel ans Herz legen:

https://hagenunterwegs.wordpress.com/2017/11/15/ist-das-die-viel-geruehmte-freimaurerische-toleranz/

Viel Spaß beim Lesen

8 Gedanken zu “Freizeit-Toleranz

  1. Pingback: Ist das die viel gerühmte freimaurerische Toleranz? | hagenunterwegs

  2. Matthias Druba

    Lieber Br. René,

    Vielen dank für diesen Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht. Ich danke Dir herzlich dafür, dass Du so eloquent die Vereinbarkeit einer atheistischen Weltsicht mit freimaurerischer Gesinnung und Arbeit darlegst. Es tut gut zu sehen, dass es Brr. gibt, die sich offen dafür einsetzen, dass die FM den Anschluss an moderne Erkenntnisse hält und nicht an längst widerlegten Weltsichten des 17. Jhdt. als angebliche Grundbedingung maurerischer Gesinnung festhält. Ich will niemandem seine – vor 300 Jahren stehengebliebene und die Erkenntnisse dieser Welt in Geistes- und Naturwissenschaften seitdem einfach ignorierende – Weltsicht nehmen oder verbieten, aber ich akzeptiere nicht, dass umgekehrt eine Ausgrenzung akzeptabel sein oder gar geboten sein soll.

    Danke, dass Du dieses Thema so nachhaltig bearbeitest.
    Hrzl. & brdl. M.

    1. Lieber Bruder Matthias Druba!

      Die Weltsicht gläubiger Freimaurer-Brüder als „vor 300 Jahren stehengebliebene und die Erkenntnisse dieser Welt in Geistes- und Naturwissenschaften seitdem einfach ignorierende Weltsicht“ zu beschreiben, verletzt mich als gläubigen Freimaurer. Mich als Deinen Bruder.

      Klar, ich lese raus, auf welche Art von Gläubigen Dein Kommentar abzielt. Aber dennoch wird Dein Kommentar der Realität nicht gerecht. Denn er vereinfacht zu stark und schert alle gläubigen Freimaurer über einen Kamm.

      Ich bin Ordensmaurer und habe bislang keinen Bruder kennengelernt, der Deiner Beschreibung entspricht. Ich kenne keine (Ordens-) Bruder, für den Wissenschaft und Relgion einen Widerspruch darstellen und der sich dementsprechend wissenschaftlichen Erknntnissen verschließen würde. Und ich kenne keinen (Ordens-) Bruder, der seinen christlichen Glauben dogmatisch versteht.

      Bitte bedenke, dass Dogmatismus und Intoleranz nicht nur ein „Problem“ religiöser Ansichten sind. Sondern auch ein „Problem“ nichtreligiöser oder antireligiöser Ansichten. Deine Art gegenüber gläubigen Brüdern zu argumentieren, ist nicht minder dogmatisch und intolerant.

      Ich würde mich freuen, wenn die ganze Frage nach „Gott und Freimaurertum“ sachlicher und weniger unter der Gürtellinie geführt werden könnte. Vielleicht kommen wir ja wirklich mal dahin, die unterschiedlichen Richtungen des Freimaurertums gleich-berechtigt und gleich-wertvoll nebeneinander stehen lassen zu können.

      Lieben brüderlichen Gruß!

      Hagen

      1. Matthias Druba

        Lieber Bruder Hagen,

        Vielen Dank für deine Ausführungen.

        Für mich ist das Argument, eine Äußerung verletze den anderen, ein klassisches Argument, mit dem versucht wird, eine Diskussion zu unterbrechen. Auffassungen können falsch sein. Auffassungen aber nicht hören zu wollen, ist die Diskussionsverweigerung. Wenn man in seinem Selbstbild sich durch eine Äußerung getroffen fühlt, kann man entsprechend dagegen argumentieren. Dies dann aber als Verletzung zu bezeichnen und damit letztlich zu fordern, die Äußerung zu unterlassen, verstehe ich nicht. Meinungsfreiheit ist für mich etwas anderes. Wir erleben derzeit wieder, wie mit dem Blasphemie-Argument auch Kritik an Religion(en) unterbunden werden soll.

        Damit will ich dich nicht in diese Ecke stellen, aber aufzeigen, wozu diese Argumentationsstrang meines Erachtens führt. Zu Rede- und dann auch Denk-Verboten und dazu, anderen eine Auffassung aufzuzwingen, auch wenn sie Sie für falsch halten, weil ansonsten der, der die Auffassung durchsetzen will, verletzt sei.

        Toleranz heißt im übrigen auch nur, eine fremde Meinung zu ertragen, Toleranz erfordert aber nicht, dass ich die fremde Meinung akzeptiere in dem Sinne, dass ich sie für gut oder meiner Auffassung gleichwertig in ihrer argumentative entschärfe halten muss. Toleranz hat auch nur die Person verdient, nicht eine Auffassung. Diese kann man als falsch bezeichnen. Davon kann die Person aber nicht verletzt sein, der nicht die Person wird in ihrem wird geleugnet, sondern nur die Auffassung.

        Und des Weiteren verstehe ich nicht, wie Freimaurerei und die Verpflichtung auf eine bestimmte Religion zusammen gehen, denn Freimaurer fordern gerade nicht den Glauben an einen bestimmten Gott. Der Orden tut aber genau dies. Er fordert den Glauben an einen christlichen Gott und ist damit exklusiv und steht – für mein Verständnis – damit diametral im Widerspruch auf. zu den so genannten Alten Pflichten.

        Sollten meine Ausführungen den Eindruck erweckt haben, dass ich Mitgliedern des Freimaurerordens den menschlichen Respekt verweigere und/oder ihnen die menschliche Würde abspreche, täte mir dies sehr leid. Das war nicht beabsichtigt, schon gar nicht im Hinblick auf deine Person.

        Dass ich eine Interpretation, die vor 300 Jahren unhinterfragt War, weil die heutigen Erkenntnisse der Wissenschaft damals nicht bekannt waren, auch heute noch akzeptieren soll, indem Freimaurerei und der exklusive Glauben an einem christlichen Gott als Voraussetzung hierfür kompatibel sein sollen, kann ich nicht belegen. Ebenso wie die Auffassung, Agnostiker oder Atheisten würden einer notwendigen Voraussetzungen für einen Maurer entbehren. Dabei bleibe ich. Und ich bleiber auch bei meiner Auffassung, dass man dann die letzten 300 Jahre nicht erkenntnistheoretisch mit verarbeitet hat.

        Das ändert nichts daran, dass ich die Personen und ihre Charaktere, die ich im Orden antreffe, sehr häufig außerordentlich schätze, mindestens genauso häufig wie bei anderen Brüdern anderer Obödienzen. Insoweit gebe ich dir recht und sollte ich einen anderen Eindruck erweckt haben, dies sei nochmals gesagt, tut es mir leid.

  3. Joachim Schmidt

    Lieber Bruder René
    Danke für diesen Beitrag. Das trifft auch meine Meinung zum Thema Toleranz.
    Anmerkung:
    Interessant deine Gedanken als Atheist und dann auch die Aufffassung von Bruder Hagen als Christ zu lesen.
    Wenn man den Begriff Toleranz diskutieren möchte, dürfte es jedoch eigentlich keine Unterschiede in der Definition geben?
    Du hast eine Meinung (eines Freimaurers?) in deinem Beitrag eingeflochten, der ideologisch besetzte Argumente als Christ geäußert und orthodox begründet hat = mit dem kann ich nichts anfangen. Aber Vorsicht, solche ideologischen Einwände gibt es ob Christ, ob Atheist oder sonstiger Einstellungen. Solche Einwendungen haben nun ja mal nichts mit Toleranz und nichts mit Religion
    zu tun.
    Ich bedanke mich für deinen und für Hagens Bloc.
    Zeitgleich hatte ich an einem Vortag über Toleranz gearbeitet und habe darin Versuch gemacht ,das Thema weder aus religiöser Sicht noch aus der nichtreligiösen Sicht zu bearbeiten , es einfach nur versucht zu definieren
    Liebe brüderliche Grüße
    Joachim
    Bin mit Hagen in einer AL in Hamburg

    1. Mein lieber Br. Joachim, ich gebe dir recht. Generell sehe ich in dieser Frage keinen Unterschied der Großloge, noch des Glaubens.
      Ich hoffe, dass man dies aus den beiden Artikeln rauslesen kann.
      Du hast es und ich Danke dir dafür.

      Herzlichste brdl Grüße
      René

  4. Lieber Bruder Rene,
    Die Antwort auf deine und Hagens Aussagen „zerreisst“ mich förmlich.
    Einerseits stimme ich dir uneingeschränkt zu, weil mMn. Freimaurer derjenige ist, der die Idee verinnerlicht und danach zu leben versucht, andererseits, nach meiner Erfahrung, ein Atheist sich mit den Ritualinhalten als Atheist vermutlich schwer tut.
    Ich wäre der Einladung gefolgt, nur um zu erleben, wie das funktioniert.
    Die Rituale beinhalten, für mich, uralte Lehren und Klugheiten, nach denen ein Mensch sein Leben ausrichten kann.
    Zugegeben, bei manchen Inhalten fällt das Nachvollziehen schwer, vor allem, wenn, wie das, wie geschehen, „alte Zöpfe“ oder „nicht mehr zeitgemäße“ Dinge entfernt = wegreformiert wurden und kaum jemand weiß, was mit manchen Ritualteilen eigentlich gemeint ist.
    Mein Eindruck ist, dass viele Brüder über die SINN-Inhalte der von ihnen vollzogenen Rituale nicht nachdenken, oder sich keine EIGENE Meinung gebildet haben und lediglich das nachvollziehen, dass vielleicht im Lehrlingsunterricht mitgeteilt wurde.
    Wenn z.B. ein Neophyt auf das Winkelmaß gestellt wird, um damit seine im Leben winkelgerechten Schritte zu symbolisieren, habe ich Zweifel, ob diesen Teil alle kennen und inhaltlich begriffen haben.
    ALLES, was FM ausmacht, ist im wesentlichen bereits in der Symbolik des ersten Grades enthalten – viele fragen und hoffen auf die „große Erkenntnis“, die ihnen oft versprochen wird: „Warte bis du den Meistergrad hast, dann verstehst du es“ – und sind enttäuscht, wenn dann „nichts kommt“.
    Ich habe mit meinem Buch „Freimaurerei im 3. Jahrtausend“ (nein das soll jetzt keine Werbung sein), versucht die SINN-Inhalte der Rituale bei Wahrung des Arkanums darzustellen und musste mir von „alten Meistern“ sagen lassen, dass ich „herumgeeiert“ hätte.
    Nur einige haben verstanden, um was es mir ging.
    Wer die Rituale inhaltlich nicht begreift, kann sie auch nicht leben.
    Die Rituale sind m.E. nichts freimaurerisch originäres, sondern aus den Erfahrungen der Menschen gewachsene Symboldarstellungen, die dabei helfen (können) dem e i g e n e n Leben eine individuelle Richtung zu geben, die weder von einer Konfession, noch von politischer Einstellung oder vereinsrechtlichen Bestimmungen bestimmt ist.
    JEDER Freimaurer sollte, wenn er sich mit den Ritualinhalten beschäftigt, daraus SEINEN Weg finden.
    Ob der Bruder, oder die Brüderin, den gleichen Weg geht ist unwichtig – solange jede/r nach seiner Suche seine Richtung gefunden hat.
    Dazu bedarf es, nach meiner Einschätzung, als „richtungweisendes Element“ auch keinen, wie auch immer aussehenden „Gott“, und als zu verehrendes Objekt sowieso nicht (anderes Thema).
    Als ich das – für mich – erkannte, wurde mir der Toleranzgedanke bewußt und ich erkenne jeden, der die Idee der Freimaurerei begriffen hat und versucht danach zu leben (gelingt mir selbst auch nicht immer) als Bruder oder Brüderin an – unabhängig nach welcher „Lehrart“ er die königliche Kunst erlernt hat.
    Sehen leider viele Brüder nicht so und nennen mich deshalb „irregulär“, was mich immer weniger berührt, weil Freimaurerei für mich der Versuch ist eine Lebenshaltung zu erreichen und zu praktizieren.
    Es geschehe also!

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